Neurophysiologische Korrelate von Schlafproblemen bei AD(H)S

Dopamin ist zusammen mit Melatonin beteiligt an der Regulierung von Müdigkeit und Schlaf.

Das dopaminerge System wird vom circadianen System beeinflusst.(1)(2)
Dopamin wird rhythmisch in den Amakrinzellen der Netzhaut (Retina) produziert. Die Netzhaut wird durch Dopamin wie von Melatonin gesteuert. Die Netzhaut leitet Lichtinformationen an den suprachiasmatischen Kern, der die biologische Hauptuhr darstellt. Der suprachiasmatischen Kern sendet Timing-Informationen zur rhythmischen Regulation von dopaminergen Gehirnregionen und des durch diese gesteuerten Verhaltens (Fortbewegung, Motivation). Das in der Substantia nigra und dem ventralen Tegmentum produzierte Dopamin wird möglicherweise durch den suprachiasmatischen Kern über verschiedene Nervenbahnen (unter anderem mittels des Orexin-Systems oder des medialen präoptischen Kerns des Hypothalamus) rhythmisch reguliert.(3) Orexinmangel ist ein möglicher Grund von Narkolepsie. Orexin / Hypokretin 
Die Lichtaufnahme der Netzhaut beeinflusst den zirkadianen Rhythmus. Veränderungen an Licht und Lichtrhythmus können den circadianen Rhythmus beeinträchtigen.(4) Dopamin und Melatonin hemmen sich gegenseitig.(5)
Dopamin wird vornehmlich frühmorgens und Tags freigesetzt. Melatonin wird durch Tageslicht gehemmt und hauptsächlich Abends und Nachts freigesetzt.(6)
Ein Dopaminmangel (wie er für AD(H)S typisch ist) könnte daher eine zu geringe Melatoninhemmung bewirken. Dies könnte möglicherweise die bei von manchen AD(H)S-Betroffenen berichtete starke Tagesmüdigkeit mit erklären.

Es wird erörtert, ob Störungen der Netzhaut die bei AD(H)S häufigen Verschiebungen des Chronorhythmus verursachen könnten und ob diese eine wesentliche Ursache von AD(H)S sein könnten.(7)