AD(H)S ist die wohl am besten behandelbare psychische Problemstellung überhaupt.
Die heutigen medikamentösen und psychologischen Therapiemethoden von AD(H)S ermöglichen eine weitgehende bis völlige Behebung der Symptome. Eine Heilung würde indes darüber hinaus erfordern, dass die Symptome auch ohne laufende weitere Behandlung (auch nicht mittels Coping-Strategien) dauerhaft verschwunden blieben.
Eine langjährige Verhaltenstherapie kann eine vergleichbare Wirkung wie eine Medikamentierung erreichen – aber eben erst nach Jahren. Allerdings kann eine falsch angewendete Psychotherapie ebenso erheblichen Schaden verursachen wie ungeeignete Medikamente.
Es gibt leider einen erheblichen Anteil an Therapeuten, denen nicht alle Symptome von AD(H)S bekannt sind. Eine relevante Anzahl von Therapeuten kennt lediglich die diagnostische DSM-Symptome von AD(H)S und hat nicht verstanden, dass DSM wie ICD damit lediglich diejenigen Symptome nennen, die besonders gut von anderen Störungen abgrenzen und dass daneben diejenigen hinzutreten, die bei mehreren Störungsbildern auftreten, aber gleichwohl originär durch AD(H)S verursacht werden können. Wir nennen diese Gesamtheit der Symptome die behandlungsrelevanten Symptome, um die Teilmenge der diagnostischen Symptome hiervon abzugrenzen.
Wenn eine solche Unkenntnis dazu führt, dass der Therapeut dem Betroffenen diese Symptome nicht als Folge des AD(H)S, sondern als persönliche Verantwortung zuschreibt, kann das Ergebnis der Therapie sein, dass der Betroffene mit mehr Gefühlen von Schuld und Unzulänglichkeit aus der Therapie herauskommt als er hineinging. Dies ist keine theoretische Gefahr – wir kennen genügend derartiger Fälle, bei ambulanter wie bei stationärer Behandlung.
Darüber hinaus zeigten 25 % der ADHS-Betroffenen (mit Hyperaktivität) nach einem Social Skills Training eine Verschlechterung der Symptomatik.(1)
Gleichwohl gibt es Methoden, die AD(H)S-Symptome dauerhaft lindern können.
Eine systematische Behandlung von AD(H)S bewirkt neben einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen zugleich, dass sich das Risiko der Ausbildung einer Alkohol-, Nikotin- oder Drogensucht gegenüber unbehandelten Betroffenen halbiert.(3) Das Risiko der Ausbildung psychiatrischer Komorbiditäten (Depression, Angststörungen, Zwänge, etc.) verringert sich auf weniger als die Hälfte.(3)
Während unbehandelte Kinder mit AD(H)S massive Beeinträchtigungen der Exekutivfunktionen zeigen, fanden sich bei behandelten Kindern mit AD(H)S Exekutivfunktionen nahe derer Nichtbetroffener.(4)
Manche Menschen lehnen eine Behandlung von AD(H)S mit Medikamenten grundsätzlich ab. Dies scheint eher eine Frage der grundsätzlichen Einstellung als eine Frage von Fakten zu sein. Eine Studie berichtet, dass vornehmlich folgende Faktoren bei den Eltern due Entscheidung beeinflussen, ob Kinder mit AD(H)S Medikamente erhalten:(5)
- das Maß, indem AD(H)S als Stigma empfunden wird
- die grundsätzliche Einstellung zu Medikamenten bei AD(H)S
- das Wissen über AD(H)S.
In den Beiträgen dieses Kapitels finden sich folgende Themen:
Zuletzt aktualisiert am 09.01.2021 um 09:13 Uhr