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Folgen

Folgen

AD(H)S hat nicht nur Symptome, die sich akut im Verhalten der Betroffenen zeigen, sondern daneben langfristige Folgen.

1. Folgerisiken von AD(H)S

AD(H)S-Betroffene müssen massive Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf nehmen.

  • Depressionen erhöht1
    • 50 % aller AD(H)S -Betroffenen haben eine schwere depressive Episode vor dem Erwachsenwerden. Das Risiko ist damit 5,5 Mal so hoch wie bei Nichtbetroffenen.2
  • Selbstmordrate erhöht3 auf das 2,3-fache4 bis um 2,9-fache5
    • Selbstmordgedanken und Selbstmordversuche erhöht6
      • bei Veteranen mit AD(H)S bestätigte sich dies nicht7
  • Festnahmen um 105 % erhöht8
    • AD(H)S-Betroffene sind 6,4 fach häufiger Täter häuslicher Gewalt als Nichtbetroffene.9
  • Scheidungen
    • um 87 % erhöht8
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen eine noch höhere Scheidungsraten zu haben als Männer mit AD(H)S.10
  • Verletzungen
    • Verletzungen erhöht
      • um 41 % bei jungen Erwachsenen11
      • um 250 % bei Kindern und Jugendlichen12
    • Risiko von Knochenbrüchen
      • bei Mädchen um 60 % erhöhte 13
      • bei Jungen um knapp 40 % erhöht 13
      • Stressfrakturen um 17 % erhöht.14
    • Gehirnerschütterungen bei Kindern zwischen 11 und 14 Jahren mit AD(H)S doppelt so häufig15
    • Kinder mit Augenverletzungen hatten 3,5 mal häufiger AD(H)S als Kinder ohne Augenverletzungen.16
    • Vorsätzliche Selbstvergiftung 4,65 fach erhöht.17
  • Erhebliche berufliche Nachteile18
    • Arbeitsplatzwechsel um 59 % erhöht8
    • Weniger Vollzeitjobs, mehr Teilzeitjobs
      • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen mit noch höherer Wahrscheinlichkeit lediglich einen Teilzeitjob zu haben als Männer mit AD(H)S.10
    • Beschäftigungsquote um 28 % verringert8
  • Schlechtere Bildungschancen1
    • Hochschulabschlüsse um 27 % seltener8
    • Schulabschlüsse um 11 % seltener8
    • geringere Ausbildungsabschlüsse6
    • seltener Bachelorabschluss18
  • Gesundheitsprobleme
    • 5-fache direkte jährliche Kosten im Alter von 14 bis 17 im Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes (ohne Behandlungskosten) und indirekte Kosten im Zusammenhang mit der Belastung der Pflegepersonen19
    • erhöhtes Risiko für die meisten körperlichen Erkrankungen (34 [97 %] von 35 untersuchten Krankheiten), geschlechtsunabhängig20
      • Störungen des Nervensystems (1,5- bis 4,6-faches Risiko), vor allem durch Umweltrisiken verursacht, z.B.:
        • Schlafstörungen
        • Epilepsie
        • Demenz
          • Eltern von AD(H)S-Betroffenen zeigten in einer schwedischen Kohortenstudie ein um 55 % erhöhtes Risiko von Alzheimer oder Demenz. Bei Großeltern war das Risiko noch in geringerem Maße erhöht.21
      • Erkrankungen der Atemwege (2,4 bis 3,2-faches Risiko), vor allem genetisch verursacht, z.B.:
        • Asthma
        • chronisch obstruktive Lungenerkrankung
      • Schlaganfallrisiko erhöht22
        • Risiko für ischämischen Schlaganfall um 15 % erhöht
        • Risiko für großarteriellen atherosklerotischen Schlaganfall um 40 % erhöht
    • Alkoholkonsum erhöht6
    • Rauchen häufiger62324251
      • AD(H)S-betroffene Erwachsene haben eine um 50 % höheres Risiko zu rauchen (OR = 1,5)26 Umgekehrt haben junge erwachsene Raucher doppelt so häufig AD(H)S.27
      • AD(H)S-betroffene Jugendliche haben ein verdoppeltes (OR = 2)26 bis verdreifachtes28 Risiko, zu rauchen
      • eine Studie fand keinen Zusammenhang zwischen AD(H)S-Symptomen und Rauchen29
    • Marihuana-Konsum erhöht23
    • Bis zu 5-fach erhöhtes Risiko neurodegenerativer Erkrankungen, insbesondere Lewy-Körper-Demenz.30
  • Häufiger Opfer von körperlichem und nichtkörperlichem sexuellem Missbrauch31
  • AD(H)S bewirkt langfristig ein verringertes emotionales schulisches Engagement, das zusätzlich von Schüler-Lehrer-Konflikten moderiert wird.32
  • Verringerte Lebensqualität (Quality of life)33
    • Gesundheitsbezogene QoL erheblich verringert34
  • 4-fach erhöhtes Risiko eines verringerten Längenwachstums und geringerer Gewichtszunahme mit 8 und 10 Jahren. Eine Stimulanzienbehandlung verstärkte dieses Risiko.35
  • AD(H)S in der Kindheit sagt emotionale Probleme im späteren Leben voraus. Diese sind genetisch vermittelt.36

2. Risiken unbehandelter AD(H)S

Ein unbehandeltes / nicht angemessen behandeltes AD(H)S hat massive Auswirkungen auf die gesamte Lebenszeit,3738 z.B.:

  • 7-faches Risiko, aufgrund von Kriminalität im Gefängnis zu landen
  • 3- bis 5-faches Risiko von Trennungen und Scheidungen39
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen eine noch höhere Komorbiditätsrate zu haben als Männer mit AD(H)S.40
  • 1,27- bis 4,6-fache vorzeitige Sterblichkeit. Je nach Studie zwischen 1,27-fach (Jungen und Männer),41 2,85-fach (Mädchen und Frauen),41 1,4-fach (Kinder und Jugendliche) und mehr als 4,6-fach (bei Erwachsenen),42 insbesondere durch Unfälle.434445464748495051
    AD(H)S-Medikation verringert die Unfallhäufigkeit bei betroffenen Jungen und Mädchen, als Kinder wie als Jugendliche.5253 um 43 %54 und traumatische Hirnverletzungen reduzierten sich um 49 %55 bis 66 %.56
    Mit der Anzahl zusätzlicher Komorbiditäten steigt die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes auf das bis zu 25-fache an.4257
    4,25-faches Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit bei erstmaliger AD(H)S-Diagnose im Erwachsenenalter.41
    Für die Einnahme von AD(H)S-Medikamenten (Stimulanzien oder Atomoxetin) wurde dagegen keine erhöhte Sterblichkeit festgestellt.58
  • 3,6-faches Risiko für Essstörungen bei Mädchen59
  • 1,2 bis 3,3-faches Risiko von Angststörungen. Lebenszeitprävalenz 10 – 15 % Gesamtbevölkerung,60 12 bis 50 % bei AD(H)S39
  • 2,74-faches Risiko von Autounfällen mit Verletzungen bei Betroffenen ab 65 Jahren61
  • 2,4-faches Risiko von Suizid bei AD(H)S insgesamt, insbesondere bei Frauen62 (bis 4,1-faches Suizidrisiko). Bei unbehandeltem AD(H)S dementsprechend höher.6339
  • 2,3-faches Risiko einer frühen Schwangerschaften bei unbehandelten Jugendlichen mit AD(H)S. Teenager-Schwangerschaften sind bei unbehandeltem AD(H)S um 27 % häufiger. Bei behandeltem AD(H)S verringerte sich das Risiko sehr deutlich.64
  • 2,5-faches65 bis 4-faches Risiko von Depressionen bei Mädchen
    AD(H)S bei Kindern erhöht das Risiko von Depressionen im Jugendalter.66
  • 2,35-faches6728 bis 8,61-faches Risiko, zu rauchen68
  • 2-faches Risiko, einem Mord zum Opfer zu fallen69
  • Mehr als 2-fache Krankheitskosten70
  • 1,77-faches Risiko einer Substanzabhängigkeit (Sucht)68
    Die Mehrheit der Untersuchungen über AD(H)S und Alkoholmissbrauch findet eine positive Korrelation.71
  • Erhöhtes Risikoverhalten33
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit einer stationären psychiatrischen Behandlung. Unter 166 stationär behandelten psychiatrischen Patienten fand sich bei 59 % ein AD(H)S.72

Bei Erwachsenen, die im Alter von 6 bis 10 Jahren eine individuelle AD(H)S-Therapie erhielten, fand sich 18 Jahre später:73

  • eine Verbesserung der AD(H)S-Symptome, die dem Follow-Up nach 8 Jahren entsprach
    • 18 % hatten keine AD(H)S-Diagnose mehr
    • 55 % hatten eine Teilremission; davon:
      • ADHS-I 33 %
      • ADHS-HI 13 %
      • ADHS-C 54 %
    • 27 % hatten weiter eine AD(H)S-Diagnose; davon:
      • ADHS-I 67 %
      • ADHS-HI 17 %
      • ADHS-C 17 %
    • funktionelle Beeinträchtigung in Bezug auf
      • Finanzen 28 %
      • tägliche Verantwortlichkeiten 28 %
      • Gemeinschaftsaktivitäten 23 %
      • Lernen/Erwerb neuer Lerninhalte 21 %
  • schlechtere schulische / berufliche Ergebnisse als erwartet
    • Schul- und Berufsabschlüsse
      • so häufig wie in Gesamtbevölkerung
      • deutlich schlechtere Noten
      • sehr viel seltener Abitur / Fachhochschulreife als Gesamtbevölkerung
    • erhöhte Arbeitslosigkeit
      • aktuell arbeitslos: 17 %
        • ca. 30 % häufiger als Gesamtbevölkerung (Studie vergleicht mit 2011, als Arbeitslosigkeit 30 % höher war als 2019)
      • 25 % waren über ein Jahr arbeitslos
      • 52 % waren in den letzten Jahren einmal arbeitslos
  • häufigeren Kontakt mit Justizsystem als erwartet
    • Strafurteile 33 %
  • gesundheitliche Beeinträchtigungen, Komorbiditäten
    • dreifache Rate externalisierender oder internalisierender Störungen
      • dreieinhalbfache Rate an Medikation wegen psychischen Problemen
    • 27 % hatten eine Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV
      • antisoziale Persönlichkeitsstörung 12 %, RR 6,8 (ca. 6 Mal so häufig; Gesamtbevölkerung: 2 %)
      • vermeidende Persönlichkeitsstörung RR 2,0 (doppelt so häufig)
      • schizoide Persönlichkeitsstörungen RR 2,0 (doppelt so häufig)
      • paranoide Persönlichkeitsstörung RR 1,3 (30 % häufiger)
    • Suchtprobleme
      • Drogenkonsum: 15 %; stark häufiger
      • Rauchen etwas häufiger
      • Alkohol etwas häufiger
    • Gewichtsprobleme
      • Übergewicht anderthalbmal so häufig wie in Gesamtbevölkerung
      • Fettsucht 30 % häufiger als in Gesamtbevölkerung
  • Mehrere soziale Ergebnisse waren günstig
    • langfristige Beziehung/Verheiratung: 63 %
  • niedrige Lebenszufriedenheit, insbesondere in den Bereichen
    • Gesundheit
    • Beruf/Karriere
    • Freizeit-/Erholungsaktivitäten
    • Eigene Kinder
    • Eigene Person
    • Sexualität
    • Beziehungen zu anderen
    • Lebenszufriedenheit insgesamt

3. Schutzwirkung durch AD(H)S-Medikamente

AD(H)S-Medikamente verringern die Risiken von AD(H)S-Symptomen und Folgewirkungen. Laut einer Metastudie verringert eine Medikation mit Stimulanzien die genannten Risiken um 9 bis 59 %.74

Eine andere Metastudie von 40 Untersuchungen fand eine robuste Schutzwirkung von AD(H)S-Medikamenten in Bezug auf75

  • Stimmungsstörungen
  • Suizidalität
  • (Auto)Unfälle
  • Verletzungen
  • traumatische Hirnverletzungen
  • Bildung und akademische Ergebnisse. Indifferent dagegen:76
  • Substanzmissbrauch
  • Kriminalität

Stimulanzien verringerten in mehreren großen Studien bei AD(H)S das Risiko für Selbstmordversuche um77

  • 11,6 % (in allen Altersgruppen)78
  • 19 %79
  • 42 %80
  • 59 % bei Einnahme seit 3 Monaten und einem halben Jahr81
  • 72 % bei Einnahme seit mehr als einem halben Jahr81
  • Methylphenidat bei AD(H)S ging nach 90 Tagen mit einer Verringerung des zuvor deutlich erhöhte Selbstmordrisikos einher.82
  • Andere AD(H)S-Medikamente (Nicht-Stimulanzien) zeigten keine oder nur sehr geringe Verringerung der Suizidalität, z.B. 4 %79

MPH verringerte bei Kindern mit AD(H)S die Gesamtmortalitätsrate um 20 %. Eine verzögerte Einnahme von MPH korrelierte mit einer um 5 % erhöhten Sterblichkeit. Die Langzeiteinnahme verringerte die Gesamtmortalitätsrate um 16 %.83

AD(H)S-Medikamente verringern das Risiko von Depressionen:84

  • 3 Jahre nach der Einnahme um 40 %
  • während der Einnahme um 20 %

Eine Behandlung von AD(H)S mit Methylphenidat verringerte das Risiko

  • von Stressfrakturen
    • um 22,4 %, wobei dieser Wert sogar noch geringer war als bei Nichtbetroffenen.85
    • auf um 16 % weniger als bei Nichtbetroffenen14
  • von Unfallbrüchen (Trauma-Frakturen)
    • auf den selben Wert wie bei Nichtbetroffenen.14
    • Bei mit Nichtstimulanzien behandelten AD(H)S-Betroffenen verdoppelte sich die Risikoerhöhung für Knochenbrüche auf 37 % gegenüber dem Risiko von Nichtbetroffenen im Vergleich zu der Risikoerhöhung aller AD(H)S-Betroffenen, das 17 % höher war als bei Nichtbetroffenen.14
  • von unbeabsichtigten Verletzungen um 15 %86 bzw. mit einer Effektstärke von 0,8887
  • von Gehirntraumata um 73 %86
  • von Vergiftungen88
  • von verletzungsbedingten Notaufnahmen um 9 %89
  • von Verbrennungen bei Jugendlichen mit AD(H)S90
    • um 57 % bei MPH-Einnahme seit 90 Tagen und länger um
    • um 30 % bei MPH-Einnahme seit weniger als 90 Tagen um
  • von Verkehrsunfällen
    • bei Männern um 38 % bis 40 %9192
    • bei Frauen um 42 %92
    • schwere Verkehrsunfälle (bei Männern) um 50 %91
  • von sexuell übertragbaren Krankheiten
    • nur bei Männern um 30 bis 40 %93
  • von Teenager-Schwangerschaften64

AD(H)S-Betroffene, die nicht mit MPH behandelt wurden, wurden häufiger Opfer von Mobbing/Cyberbullying (körperliche Viktimisierung, Isolation, Zerstörung von Eigentum durch andere und sexuelle Viktimisierung), zerstörten häufiger Dinge anderer und zeigten häufiger Mobbingverhalten (täterseitig).94

AD(H)S-Medikamente verringern das Risiko für Betroffene,

  • mit dem Rauchen anzufangen.28
  • zu Rauchen, um 50 %95
  • für Substanzmissbrauch um 31 %.96

AD(H)S-Medikamente bewirken keine Erhöhung des Risikos für Betroffene:97

  • für Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit (11 Studien, über 1300 Teilnehmer)
  • für Nikotinmissbrauch oder -abhängigkeit (6 Studien, 884 Teilnehmer)
  • für Kokainmissbrauch oder -abhängigkeit (7 Studien, 950 Teilnehmer)
  • für Cannabismissbrauch oder -abhängigkeit (9 Studien, über 1100 Teilnehmer) nicht erhöhen (Humphreys et al., 2013).

AD(H)S-Medikamente verringern für Betroffene

  • die Kriminalitätsrate9899
    • bei Männern um 31 %
    • bei Frauen um 41 %

AD(H)S-Medikamente verbessern die schulische Leistung.

  • Eine dreimonatige Behandlung mit AD(H)S-Medikamenten bewirkte100
    • eine Notenverbesserung um mehr als neun Punkte (Skala: 0 bis 320)
    • eine Verringerung des Risikos, keine Empfehlung für die höhere Sekundarschulstufe zu erhalten, um 20 %
  • Die Testergebnisse von AD(H)S-Betroffenen während der Zeit, in der sie Medikamente einnahmen, waren um 4,8 Punkte (Skala: 1 bis 200) höher als während der Zeit, in der sie keine Medikamente einnahmen.101
  • Das Absetzen von AD(HS-Medikamenten korrelierte mit einem kleinen signifikanten Rückgang des Notendurchschnitts102

Eine Medikation mildert die durch AD(H)S verursachte Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erheblich ab.34
Eine Metaanalyse fand beim Absetzen von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen eine Verschlechterung der Lebensqualität, nicht aber bei Erwachsenen.103

4. Lebensrisikoveränderungen durch Behandlung von AD(H)S

Wie viele Betroffene muss man langfristig mit MPH behandeln, um eine der nachfolgend genannten Langzeitfolgen einer unbehandelten AD(H)S zu vermeiden?104 Die Ergebnisse waren geschlechtsunabhängig:

  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Klassenwiederholung
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedenes Oppositionelles Defizitverhalten
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Verhaltensstörung (Conduct Disorder)
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Angststörung (mit 2 Auswirkungsarten)
  • 4 behandelte Betroffene = 1 vermiedene schwere Depression
  • 4 behandelte Betroffene = 1 vermiedener schwerer Autounfall (in Simulation)
  • 5 behandelte Betroffene = 1 vermiedene bipolare Störung
  • 6 behandelte Betroffene = 1 vermiedener Raucher
  • 10 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Suchterkrankung

5. Finanzielle Folgen von AD(H)S

Eine Langzeitstudie über 20 Jahre an 604 Probanden zeigte, dass AD(H)S-Betroffene mit 30 Jahren ein geringeres Nettoeinkommen und eine größere finanzielle Abhängigkeit von den Eltern haben als Nichtbetroffene. Dies gilt auch, wenn die DSM-Kriterien nicht mehr erfüllt werden. Dieses Defizit bleibt lebenslang bestehen und führt zu einem um 1,27 Millionen Dollar niedrigeren zu erwartenden Lebenszeiteinkommen bei Männern und einem um bis zu 75 % niedrigeren Nettovermögen zum Rentenbeginn als bei Nichtbetroffenen.105 Daneben erzielen AD(H)S-Betroffene Erwachsene, wenn sie in ihrer Kindheit nicht diagnostiziert und behandelt wurden, ein deutlich geringeres Einkommen als ihre nicht betroffenen Zwillinge und verursachen pro Person 20.000 € höhere Kosten pro Jahr.106 Eine andere Studie nennt 182.000 Dollar (Stand 2015) höhere Kosten aus medizinischer Versorgung, Ausbildung und Kriminalitätsfolgen je ins Erwachsenenalter persistierendem AD(H)S-Fall.107

Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass AD(H)S-Betroffene im Alter von 14 bis 17 im Zusammenhang mit dem Verhalten des betroffenen Kindes (ohne Behandlungskosten) die 5-fachen direkten jährliche Kosten und indirekte Kosten im Zusammenhang mit der Belastung der Pflegepersonen verursachen.19

6. AD(H)S und Beruf

Berufliche Probleme sind eine häufige Folge von AD(H)S.

  • Höhere Entlassungsrate 1.1 vs 0.3 Jobs/Zeit108
  • Häufiger Stellenwechsel 2.7 vs 1.3 Jobs/ 2- 8 J SE108
  • Schlechtere Beurteilungen am Arbeitsplatz108

7. AD(H)S und Lebens(un)zufriedenheit

Lebensunzufriedenheit ist eine typische Folge von AD(H)S.

Nach einer Studie mit n = 1000 Teilnehmern führt AD(H)S im Erwachsenenalter zu einer erheblichen Einschränkung der Lebenszufriedenheit (Quality of Life).109

In den Bereichen

  • Familienleben
  • Partnerschaft
  • Soziales Leben
  • Einbindung in Gesellschaft
  • Gesundheit und Fitness
  • Berufsleben
  • Erreichen von Lebenszielen

erreichten AD(H)S-Betroffene im Mittel ca. 20 % schlechtere Werte als Nichtbetroffene.

Bei Erwachsenen mit den höchsten 10 % der AD(H)S-Symptom-Ausprägung nach ADHS-E traten Belastungen durch allgemeine Lebensunzufriedenheit 4,10-fach häufiger und Belastungen durch mangelnde soziale Unterstützung 3,3 fach häufiger auf als bei Nichtbetroffenen.110111

8. AD(H)S und Delinquenz/Kriminalität/Gefängnis

Etliche Untersuchungen haben bei Gefängnisinsassen eine vielfach erhöhte AD(H)S-Quote ermittelt.

  • 14 % bis 45 % AD(H)S112113
  • 25 %114
  • 17,3 %115 bis 31 %116 der jugendlichen Häftlinge
  • 25 % aller Inhaftierten in USA117
  • 28 % aller Inhaftierten in USA118
  • 17,5 % von 244 untersuchten JVA-Häftlingen (n = 244)119
  • 27,6 % von 146 untersuchten Sexualstraftätern (n=146, WURS 90 Pkt.)119
  • 22 % der Patienten in forensischer Psychiatrie (n = 86)120
  • 9,1 % von 55 untersuchten irischen Häftlingen121
  • 19 % alles AD(H)S-Betroffenen hatten Straftaten begangen, 0 % in Kontrollgruppe122
  • 17 % aller für leichte bis mittlere Straftaten einsitzende junge Männer in Litauen.123 Die AD(H)S-betroffenen Insassen waren jünger und hatten größere Verhaltensprobleme im Gefängnis. Keiner von ihnen hatte zuvor eine AD(H)S-Diagnose erhalten.
  • 20 bis 30 % aller jungen erwachsenen Gefängnisinsassen.124

Geht man von einer Prävalenz von AD(H)S unter Erwachsenen von 4 % aus, wäre diese bei 28 % unter Gefängnisinsassen sieben mal so hoch. Das Risiko, ins Gefängnis zu kommen, ist für AD(H)S-Betroffene damit 7 mal so hoch wie für Nichtbetroffene.

Interessanterweise sind Amphetamine die von den von AD(H)S betroffenen Gefängnisinsassen am häufigsten konsumierten Drogen.125 Amphetamin ist bekanntlich ein Wirkstoff hochwirksamer Medikamente gegen AD(H)S.

Eine Untersuchung über die Korrelation von AD(H)S-Symptomen und kriminogenen Denkweisen fand, dass126

  • Unachtsamkeit konsequent und stark mit kriminogenen Denkweisen verbunden war, insbesondere mit
    • Cutoff
    • kognitiver Trägheit
    • Diskontinuität
  • Impulsivität positiv mit kriminogenen Denkweisen korrelierte, und zwar mit
    • Machtorientierung
  • Hyperaktivität war nicht mit kriminogenen Denkweisen verbunden.

AD(H)S-Medikation verringerte die Kriminalitätsrate von AD(H)S-Betroffenen98

  • bei Männern um 31 %
  • bei Frauen um 41 %

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