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Folgen

Folgen

AD(H)S hat nicht nur Symptome, die sich akut im Verhalten der Betroffenen zeigen, sondern daneben langfristige Folgen.

1. Folgerisiken von AD(H)S

AD(H)S-Betroffene müssen massive Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf nehmen.
Ein unbehandeltes / nicht angemessen behandeltes AD(H)S hat massive Auswirkungen auf die gesamte Lebenszeit,12 z.B.:

1.1. Lebenserwartung verkürzt

  • Lebenserwartung um 9 bis 13 Jahre verringert3

  • 1,27- bis 4,6-fache vorzeitige Sterblichkeit. Je nach Studie zwischen 1,27-fach (Jungen und Männer),4 2,85-fach (Mädchen und Frauen),4 1,4-fach (Kinder und Jugendliche) und mehr als 4,6-fach (bei Erwachsenen),5 insbesondere durch Unfälle.67891011121314

  • Mit der Anzahl zusätzlicher Komorbiditäten steigt die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes auf das bis zu 25-fache an.515

  • 4,25-faches Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit bei erstmaliger AD(H)S-Diagnose im Erwachsenenalter.4

  • 2,4-faches Risiko von Suizid bei AD(H)S insgesamt, insbesondere bei Frauen16 (bis 4,1-faches Suizidrisiko). Bei unbehandeltem AD(H)S dementsprechend höher.1718

  • Selbstmordrate erhöht19 auf das 2,3-fache20 bis um 2,9-fache21

  • Selbstmordgedanken und Selbstmordversuche erhöht22

    • nicht allerdings bei Veteranen mit AD(H)S23
  • 2-faches Risiko, einem Mord zum Opfer zu fallen24

1.2. Häufigere Unfälle und Verletzungen

1.2.1. Verletzungen

  • Verletzungen erhöht25
    • um 41 % bei jungen Erwachsenen26
    • um 250 % bei Kindern und Jugendlichen27
  • Risiko von Knochenbrüchen
    • bei Mädchen um 60 % erhöhte 28
    • bei Jungen um knapp 40 % erhöht 28
    • Stressfrakturen um 17 % erhöht.29
  • Gehirnerschütterungen bei Kindern zwischen 11 und 14 Jahren mit AD(H)S doppelt so häufig30
  • Kopfverletzungen aufgrund mancher Unfallarten bei AD(H)S bis mehr als doppelt31 bis mehr als drei mal so häufig32
  • Kinder mit Augenverletzungen hatten 3,5 mal häufiger AD(H)S als Kinder ohne Augenverletzungen.33
  • Vorsätzliche Selbstvergiftung 4,65 fach erhöht.34

1.2.1. Verkehrsunfälle und Unfallschäden

  • 40 % der Autofahrer mit AD(H)S hatten mindestens 2 Unfälle, gegenüber 6 % der nicht betroffenen Fahrer.35
  • 60 % der Autofahrer mit AD(H)S hatten einen Unfall mit Personenschaden, gegenüber 17 % der nicht betroffenen Autofahrer.35
    • dies dürfte eher auf komorbide ODD und/oder CD zurückgehen. Für AD(H)S selbst wurde in einer Metastudie eine um 23 % erhöhte Unfallquote gefunden.36
  • Die Schadenssumme von Autofahrern mit AD(H)S war fast drei Mal so hoch wie die Schadenssumme von nicht betroffenen Autofahrern.35
  • Autofahrer mit AD(H)S verloren drei Mal so häufig ihren Führerschein wie nicht betroffene Autofahrer. Dies könnte auch aus einer aufgrund Desorganisation beeinträchtigten Verteidigungsfähigkeit vor Gericht resultieren.35
  • 2,74-faches Risiko von Autounfällen mit Verletzungen bei Betroffenen ab 65 Jahren37

Eine Metaanalyse von 16 Studien zeigte:36

  • das Unfallrikiso für Fahrer mit AD(H)S ist um 23 % erhöht
  • dies entspricht der Risikoerhöhung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • AD(H)S-Betroffene fahren offenbar häufiger Auto als Nichtbetroffene, weshalb der tatsächliche Wert eher unterhalb der 23 % liegen dürfte
  • die Behauptung eines fast vierfachen Unfallrisikos aus einer Studie von Barkley et al. (1993) dürfte auf komorbide ODD und/oder CD zurückgehen. Für AD(H)S selbst ist sie nicht zu halten.
  • AD(H)S-Betroffene werden häufiger wegen Geschwindigkeitsübertretungen verwarnt, nicht aber häufiger wegen Trunkenheit oder rücksichtslosem Fahren

1.3. Höhere Kriminalität und Gewalt

  • 9-faches Risiko, aufgrund von Kriminalität im Gefängnis zu landen38
  • Festnahmen um 105 % erhöht39
    • AD(H)S-Betroffene sind 6,4 fach häufiger Täter häuslicher Gewalt als Nichtbetroffene.40

Etliche Untersuchungen haben bei Gefängnisinsassen eine massiv erhöhte AD(H)S-Quote ermittelt.

  • Bei bis zu 72 % der Gefängnisinsassen in asiatischen, westeuropäischen und nordamerikanischen Staaten sei AD(H)S festgestellt worden.41
  • 14 % bis 45 % AD(H)S4243
  • 25 %44
  • 17,3 %45 der jugendlichen Häftlinge
  • 31 %46 der jugendlichen Häftlinge
  • 25 % aller Inhaftierten in USA47
  • 28 % aller Inhaftierten in USA48
  • 17,5 % von 244 untersuchten JVA-Häftlingen (n = 244)49
  • 27,6 % von 146 untersuchten Sexualstraftätern (n=146, WURS 90 Pkt.)49
  • 22 % der Patienten in forensischer Psychiatrie (n = 86)50
  • 9,1 % von 55 untersuchten irischen Häftlingen51
  • 17 % aller für leichte bis mittlere Straftaten einsitzende junge Männer in Litauen.52 Die AD(H)S-betroffenen Insassen waren jünger und hatten größere Verhaltensprobleme im Gefängnis. Keiner von ihnen hatte zuvor eine AD(H)S-Diagnose erhalten.
  • 20 bis 30 % aller jungen erwachsenen Gefängnisinsassen.53

In der Folge ist die Kriminalitätsrate unter AD(H)S-Betroffenen massiv erhöht.

  • Hyperaktive haben deutlich erhöhte Verhaftungsraten:54
    • Jugendliche (46 % gegenüber 11 %)
    • Erwachsenen (21 % gegenüber 1 %)
  • 19 % der AD(H)S-Betroffenen hatten Straftaten begangen, 0 % in Kontrollgruppe55

Interessanterweise sind Amphetamine die von den AD(H)S-betroffenen Gefängnisinsassen am häufigsten konsumierten Drogen.56 Amphetamin ist bekanntlich ein Wirkstoff hochwirksamer Medikamente gegen AD(H)S.

Eine Untersuchung über die Korrelation von AD(H)S-Symptomen und kriminogenen Denkweisen fand, dass57

  • Unachtsamkeit konsequent und stark mit kriminogenen Denkweisen verbunden war, insbesondere mit
    • Cutoff
    • kognitiver Trägheit
    • Diskontinuität
  • Impulsivität positiv mit kriminogenen Denkweisen korrelierte, und zwar mit
    • Machtorientierung
  • Hyperaktivität war nicht mit kriminogenen Denkweisen verbunden.

AD(H)S-Medikation verringerte die Kriminalitätsrate von AD(H)S-Betroffenen58

  • bei Männern um 31 %
  • bei Frauen um 41 %

1.4. Komorbide Gesundheitsprobleme

  • 5,5-faches Risiko einer schweren depressive Episode vor dem Erwachsenwerden. 50 % aller AD(H)S -Betroffenen haben eine solche.59

  • Depressionen erhöht60

  • 2,5-faches61 bis 4-faches Risiko von Depressionen bei Mädchen

  • AD(H)S bei Kindern erhöht das Risiko von Depressionen im Jugendalter.62

    • erhöhtes Risiko für die meisten körperlichen Erkrankungen (34 [97 %] von 35 untersuchten Krankheiten), geschlechtsunabhängig63
      • Störungen des Nervensystems (1,5- bis 4,6-faches Risiko), vor allem durch Umweltrisiken verursacht, z.B.:
        • Schlafstörungen
        • Epilepsie
        • Demenz
          • Eltern von AD(H)S-Betroffenen zeigten in einer schwedischen Kohortenstudie ein um 55 % erhöhtes Risiko von Alzheimer oder Demenz. Bei Großeltern war das Risiko noch in geringerem Maße erhöht.64 Eine Studie fand eine Korrelation zwischen dem AD(H)S-PRS und Alzheimer.65
      • Erkrankungen der Atemwege (2,4 bis 3,2-faches Risiko), vor allem genetisch verursacht, z.B.:
        • Asthma
        • chronisch obstruktive Lungenerkrankung
      • Infektionen in Kindesalter erhöht66
        • Salmonellose (180 % häufiger)
        • Akute Atemwegsinfektionen (40 % häufiger)
        • Akute Gastroenteritis (30 % häufiger)
        • Harnwegsinfektionen (30 % häufiger)
        • Alle Antiinfektiva wurden Kindern mit ADHS signifikant häufiger verschrieben
        • Die Zahl der Arztbesuche war bei Kindern mit ADHS signifikant höher.
      • Schlaganfallrisiko erhöht67
        • Risiko für ischämischen Schlaganfall um 15 % erhöht
        • Risiko für großarteriellen atherosklerotischen Schlaganfall um 40 % erhöht
      • Adipositas (2-faches Risiko)3
    • Alkoholkonsum erhöht22
    • Rauchen häufiger2268697060
      • 2,35-faches7172 bis 8,61-faches Risiko, zu rauchen73 AD(H)S-betroffene Erwachsene haben ein um 50 % erhöhtes Risiko zu rauchen (OR = 1,5)74 Umgekehrt haben junge erwachsene Raucher doppelt so häufig AD(H)S.75
      • AD(H)S-betroffene Jugendliche haben ein verdoppeltes (OR = 2)74 bis verdreifachtes72 Risiko, zu rauchen
      • eine Studie fand keinen Zusammenhang zwischen AD(H)S-Symptomen und Rauchen76
    • Marihuana-Konsum erhöht68
  • 1,77-faches Risiko einer Substanzabhängigkeit (Sucht)73
    Die Mehrheit der Untersuchungen über AD(H)S und Alkoholmissbrauch findet eine positive Korrelation.77

  • Erhöhtes Risikoverhalten78

  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit einer stationären psychiatrischen Behandlung. Unter 166 stationär behandelten psychiatrischen Patienten fand sich bei 59 % ein AD(H)S.79

  • Bis zu 5-fach erhöhtes Risiko neurodegenerativer Erkrankungen, insbesondere Lewy-Körper-Demenz.80

  • 3,6-faches Risiko für Essstörungen bei Mädchen81

  • 1,2 bis 3,3-faches Risiko von Angststörungen. Lebenszeitprävalenz 10 – 15 % Gesamtbevölkerung,82 12 bis 50 % bei AD(H)S18

  • Häufiger Opfer von körperlichem und nichtkörperlichem sexuellem Missbrauch83

  • AD(H)S bewirkt langfristig ein verringertes emotionales schulisches Engagement, das zusätzlich von Schüler-Lehrer-Konflikten moderiert wird.84

1.5. Mehr Teenagerschwangerschaften

  • 2,3-faches Risiko einer frühen Schwangerschaften bei unbehandelten Jugendlichen mit AD(H)S. Teenager-Schwangerschaften sind bei unbehandeltem AD(H)S um 27 % häufiger. Bei behandeltem AD(H)S verringerte sich das Risiko sehr deutlich.85
  • 42 mal so viele Mutterschaften bis zum Alter von 20 Jahren wie Nichtbetroffene (Zweifelhaft - Angabe konnte bislang nicht verifiziert werden).35

1.6. Bildungsnachteile

  • Schlechtere Bildungschancen60
    • Hochschulabschlüsse um 27 % seltener39
    • Schulabschlüsse um 11 % seltener39
    • geringere Ausbildungsabschlüsse22
    • seltener Bachelorabschluss86
    • Mehr Schulfehlzeiten (diagnostiziertes AD(H)S, einschließlich medikamentös behandeltes AD(H)S)87
      • bis 10 Jahre: 7 %
      • 11 bis 14 Jahre: 24 %
      • ab 15 Jahren: 23 %
    • Mehr Schulausschlüsse (diagnostiziertes AD(H)S, einschließlich medikamentös behandeltes AD(H)S)87
      • 4,97-fach im Quintil mit höchster Deprivation
      • 14,75-fach im Quintil mit niedrigster Deprivation
      • 5,4-fach bei Jungen
      • 9,42-fach bei Mädchen
    • Erhöhter sonderpädagogischer Förderbedarf (diagnostiziertes AD(H)S, einschließlich medikamentös behandeltes AD(H)S)87
    • psychische Gesundheit 52,85-fach
    • soziale, emotionale und Verhaltensstörungen 19,97-fach
    • Autismus-Spektrum-Störung 13,72-fach
    • Lernbehinderung 8,10-fach
    • körperliche Gesundheit 6,97-fach
    • körperliche oder motorische Beeinträchtigung 6,28-fach
    • Lernschwierigkeiten 5,44-fach
    • Kommunikationsprobleme 4,78-fach
    • sensorische Beeinträchtigung 3,62-fach
  • Nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung 6 Monate nach Schulabgang87
    • gesamt 1,39-fach
    • Jungen 1,40-fach
    • Mädchen 1,59-fach

1.7. Berufliche Nachteile und Einkommensverluste

Erhebliche berufliche Nachteile sind eine häufige Folge von AD(H)S.86

  • Arbeitsplatzwechsel um 59 % erhöht39
  • Weniger Vollzeitjobs, mehr Teilzeitjobs
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen mit noch höherer Wahrscheinlichkeit lediglich einen Teilzeitjob zu haben als Männer mit AD(H)S.88
  • Beschäftigungsquote um 28 % verringert39
  • 3-faches Risiko, einen Job zu verlieren35
  • Höhere Entlassungsrate 1.1 vs 0.3 Jobs/Zeit89
  • Häufiger Stellenwechsel 2.7 vs 1.3 Jobs/ 2- 8 J SE89
  • Schlechtere Beurteilungen am Arbeitsplatz89

1.8. Verringerte Lebensqualität

  • Verringerte Lebensqualität (Quality of life)78
    • Gesundheitsbezogene QoL erheblich verringert90
  • 4-fach erhöhtes Risiko eines verringerten Längenwachstums und geringerer Gewichtszunahme mit 8 und 10 Jahren. Eine Stimulanzienbehandlung verstärkte dieses Risiko.91
  • AD(H)S in der Kindheit sagt emotionale Probleme im späteren Leben voraus. Diese sind genetisch vermittelt.92
  • Lebensunzufriedenheit ist eine typische Folge von AD(H)S.

Nach einer Studie mit n = 1000 Teilnehmern führt AD(H)S im Erwachsenenalter zu einer erheblichen Einschränkung der Lebenszufriedenheit (Quality of Life).93 In den Bereichen

  • Familienleben
  • Partnerschaft
  • Soziales Leben
  • Einbindung in Gesellschaft
  • Gesundheit und Fitness
  • Berufsleben
  • Erreichen von Lebenszielen

erreichten AD(H)S-Betroffene im Mittel ca. 20 % schlechtere Werte als Nichtbetroffene.

Bei Erwachsenen mit den höchsten 10 % der AD(H)S-Symptom-Ausprägung nach ADHS-E traten Belastungen durch allgemeine Lebensunzufriedenheit 4,10-fach häufiger und Belastungen durch mangelnde soziale Unterstützung 3,3 fach häufiger auf als bei Nichtbetroffenen.9495

1.9. Scheidungen / Trennungen häufiger

  • Scheidungen
    • um 87 % erhöht39
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen eine noch höhere Scheidungsraten zu haben als Männer mit AD(H)S.88
  • 3- bis 5-faches Risiko von Trennungen und Scheidungen18

2. Schutzwirkung durch AD(H)S-Behandlung

Bei Erwachsenen, die im Alter von 6 bis 10 Jahren eine individuelle AD(H)S-Therapie erhielten, fand sich 18 Jahre später:96

  • eine Verbesserung der AD(H)S-Symptome, die dem Follow-Up nach 8 Jahren entsprach
    • 18 % hatten keine AD(H)S-Diagnose mehr
    • 55 % hatten eine Teilremission; davon:
      • ADHS-I 33 %
      • ADHS-HI 13 %
      • ADHS-C 54 %
    • 27 % hatten weiter eine AD(H)S-Diagnose; davon:
      • ADHS-I 67 %
      • ADHS-HI 17 %
      • ADHS-C 17 %
    • funktionelle Beeinträchtigung in Bezug auf
      • Finanzen 28 %
      • tägliche Verantwortlichkeiten 28 %
      • Gemeinschaftsaktivitäten 23 %
      • Lernen/Erwerb neuer Lerninhalte 21 %
  • schlechtere schulische / berufliche Ergebnisse als erwartet
    • Schul- und Berufsabschlüsse
      • so häufig wie in Gesamtbevölkerung
      • deutlich schlechtere Noten
      • sehr viel seltener Abitur / Fachhochschulreife als Gesamtbevölkerung
    • erhöhte Arbeitslosigkeit
      • aktuell arbeitslos: 17 %
        • ca. 30 % häufiger als Gesamtbevölkerung (Studie vergleicht mit 2011, als Arbeitslosigkeit 30 % höher war als 2019)
      • 25 % waren über ein Jahr arbeitslos
      • 52 % waren in den letzten Jahren einmal arbeitslos
  • häufigeren Kontakt mit Justizsystem als erwartet
    • Strafurteile 33 %
  • gesundheitliche Beeinträchtigungen, Komorbiditäten
    • dreifache Rate externalisierender oder internalisierender Störungen
      • dreieinhalbfache Rate an Medikation wegen psychischen Problemen
    • 27 % hatten eine Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV
      • antisoziale Persönlichkeitsstörung 12 %, RR 6,8 (ca. 6 Mal so häufig; Gesamtbevölkerung: 2 %)
      • vermeidende Persönlichkeitsstörung RR 2,0 (doppelt so häufig)
      • schizoide Persönlichkeitsstörungen RR 2,0 (doppelt so häufig)
      • paranoide Persönlichkeitsstörung RR 1,3 (30 % häufiger)
    • Suchtprobleme
      • Drogenkonsum: 15 %; stark häufiger
      • Rauchen etwas häufiger
      • Alkohol etwas häufiger
    • Gewichtsprobleme
      • Übergewicht anderthalbmal so häufig wie in Gesamtbevölkerung
      • Fettsucht 30 % häufiger als in Gesamtbevölkerung
    • Chronische Schmerzen
      • Kinder mit AD(H)S zeigten eine Prävalenz von chronischen Schmerzen von bis zu 66 % (mindestens wöchentlicher Schmerz über mehr als 3 Monate). Eine Stimulanzienbehandlung verringerte die Rate chronischer Schmerzen. Eine andere Studie fand eine verringerte Schmerzwahrnehmung bei Jugendlichen mit AD(H)S, was bei einer Stimulanzienbehandlung verschwand.97
  • Mehrere soziale Ergebnisse waren günstig
    • langfristige Beziehung/Verheiratung: 63 %
  • niedrige Lebenszufriedenheit, insbesondere in den Bereichen
    • Gesundheit
    • Beruf/Karriere
    • Freizeit-/Erholungsaktivitäten
    • Eigene Kinder
    • Eigene Person
    • Sexualität
    • Beziehungen zu anderen
    • Lebenszufriedenheit insgesamt

AD(H)S-Medikamente verringern die Risiken von AD(H)S-Symptomen und Folgewirkungen. Laut einer Metastudie verringert eine Medikation mit Stimulanzien die genannten Risiken um 9 bis 59 %.98

Eine Metastudie von 40 Untersuchungen fand eine robuste Schutzwirkung von AD(H)S-Medikamenten in Bezug auf99

  • Stimmungsstörungen
  • Suizidalität
  • (Auto)Unfälle
  • Verletzungen
  • traumatische Hirnverletzungen
  • Bildung und akademische Ergebnisse. Indifferent dagegen:100
  • Substanzmissbrauch
  • Kriminalität

Stimulanzien verringerten in mehreren großen Studien bei AD(H)S das Risiko für Selbstmordversuche um:101

  • 11,6 % (in allen Altersgruppen)102
  • 19 %103
  • 42 %104
  • 59 % bei Einnahme seit 3 Monaten und einem halben Jahr105
  • 72 % bei Einnahme seit mehr als einem halben Jahr105
  • Methylphenidat bei AD(H)S ging nach 90 Tagen mit einer Verringerung des zuvor deutlich erhöhte Selbstmordrisikos einher.106
  • Andere AD(H)S-Medikamente (Nicht-Stimulanzien) zeigten keine oder nur sehr geringe Verringerung der Suizidalität, z.B. 4 %103

AD(H)S-Medikation verringert die Unfallhäufigkeit bei betroffenen Jungen und Mädchen, als Kinder wie als Jugendliche.107108 um 43 %109 und traumatische Hirnverletzungen reduzierten sich um 49 %110 bis 66 %.111

MPH verringerte bei Kindern mit AD(H)S die Gesamtmortalitätsrate um 20 %. Eine verzögerte Einnahme von MPH korrelierte mit einer um 5 % erhöhten Sterblichkeit. Die Langzeiteinnahme verringerte die Gesamtmortalitätsrate um 16 %.112
Bei der Einnahme von AD(H)S-Medikamenten (Stimulanzien oder Atomoxetin) wurde keine erhöhte Sterblichkeit festgestellt.113

AD(H)S-Medikamente verringern das Risiko von Depressionen:114

  • 3 Jahre nach der Einnahme um 40 %
  • während der Einnahme um 20 %

Eine Behandlung von AD(H)S mit Methylphenidat verringerte das Risiko

  • von Stressfrakturen (Ermüdungsbrüchen)
    • um 22,4 %, wobei dieser Wert sogar noch geringer war als bei Nichtbetroffenen.115
    • auf um 16 % weniger als bei Nichtbetroffenen29
  • von Trauma-Frakturen (Unfallbrüchen)
    • um 23 % bei einer Einnahme von MPH über mindestens 180 Tage116
    • auf denselben Wert wie bei Nichtbetroffenen.29
    • Bei mit Nichtstimulanzien behandelten AD(H)S-Betroffenen verdoppelte sich die Risikoerhöhung für Knochenbrüche auf 37 % gegenüber dem Risiko von Nichtbetroffenen im Vergleich zu der Risikoerhöhung aller AD(H)S-Betroffenen, das 17 % höher war als bei Nichtbetroffenen.29
  • von unbeabsichtigten Verletzungen um 15 %117 bzw. mit einer Effektstärke von 0,88118
  • von Gehirntraumata um 73 %117
  • von Vergiftungen119
  • von verletzungsbedingten Notaufnahmen um 9 %120
  • von Verbrennungen bei Jugendlichen mit AD(H)S121
    • um 57 % bei MPH-Einnahme seit 90 Tagen und länger um
    • um 30 % bei MPH-Einnahme seit weniger als 90 Tagen um
  • von Verkehrsunfällen
    • bei Männern um 38 % bis 40 %122123
    • bei Frauen um 42 %123
    • schwere Verkehrsunfälle (bei Männern) um 50 %122
  • von sexuell übertragbaren Krankheiten
    • nur bei Männern um 30 bis 40 %124
  • von Teenager-Schwangerschaften85

AD(H)S-Betroffene, die nicht mit MPH behandelt wurden, wurden häufiger Opfer von Mobbing/Cyberbullying (körperliche Viktimisierung, Isolation, Zerstörung von Eigentum durch andere und sexuelle Viktimisierung), zerstörten häufiger Dinge anderer und zeigten häufiger Mobbingverhalten (täterseitig).125

AD(H)S-Medikamente verringern das Risiko für Betroffene,

  • mit dem Rauchen anzufangen.72
  • zu Rauchen, um 50 %126
  • für Substanzmissbrauch um 31 %.127

AD(H)S-Medikamente bewirken keine Erhöhung des Risikos für Betroffene:128

  • für Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit (11 Studien, über 1300 Teilnehmer)
  • für Nikotinmissbrauch oder -abhängigkeit (6 Studien, 884 Teilnehmer)
  • für Kokainmissbrauch oder -abhängigkeit (7 Studien, 950 Teilnehmer)
  • für Cannabismissbrauch oder -abhängigkeit (9 Studien, über 1100 Teilnehmer) nicht erhöhen (Humphreys et al., 2013).

AD(H)S-Medikamente verringern für Betroffene

  • die Kriminalitätsrate58129
    • bei Männern um 31 %
    • bei Frauen um 41 %

AD(H)S-Medikamente verbessern die schulische Leistung:

  • Eine dreimonatige Behandlung mit AD(H)S-Medikamenten bewirkte130
    • eine Notenverbesserung um mehr als neun Punkte (Skala: 0 bis 320)
    • eine Verringerung des Risikos, keine Empfehlung für die höhere Sekundarschulstufe zu erhalten, um 20 %
  • Die Testergebnisse von AD(H)S-Betroffenen während der Zeit, in der sie Medikamente einnahmen, waren um 4,8 Punkte (Skala: 1 bis 200) höher als während der Zeit, in der sie keine Medikamente einnahmen.131
  • Das Absetzen von AD(HS-Medikamenten korrelierte mit einem kleinen signifikanten Rückgang des Notendurchschnitts132

Eine Medikation mildert die durch AD(H)S verursachte Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erheblich ab.90
Eine Metaanalyse fand beim Absetzen von Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen eine Verschlechterung der Lebensqualität, nicht aber bei Erwachsenen.133

Wie viele Betroffene muss man langfristig mit MPH behandeln, um eine der nachfolgend genannten Langzeitfolgen einer unbehandelten AD(H)S zu vermeiden?134 Die Ergebnisse waren geschlechtsunabhängig:

  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Klassenwiederholung
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedenes Oppositionelles Defizitverhalten
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Verhaltensstörung (Conduct Disorder)
  • 3 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Angststörung (mit 2 Auswirkungsarten)
  • 4 behandelte Betroffene = 1 vermiedene schwere Depression
  • 4 behandelte Betroffene = 1 vermiedener schwerer Autounfall (in Simulation)
  • 5 behandelte Betroffene = 1 vermiedene bipolare Störung
  • 6 behandelte Betroffene = 1 vermiedener Raucher
  • 10 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Suchterkrankung

3. Finanzielle Folgen von AD(H)S

3.1. Behandlungskosten bei AD(H)S

Behandlungskosten sind die reinen Kosten für Therapie, Medikation und Arztbesuche zum Zwecke der AD(H)S-Diagnose und AD(H)S-Behandlung.

Die jährlichen Kosten für eine medikamentöse Behandlung einschließlich der Kosten für Arztbesuche und Laboruntersuchungen wurden für 2004 auf 1.710 USD bis 2.567 USD taxiert.135

3.2. Gesundheitskosten bei AD(H)S

Gesundheitskosten umfassen neben den unmittelbaren Behandlungskosten des AD(H)S selbst außerdem die weiteren medizinischen Kosten für aus AD(H)S resultierenden Komorbiditäten (z.B. Suchtprobleme) und dem erhöhten Unfallrisiko.

Eine dänische Kohortenstudie von 2016 ermittelte 2.636 € höhere jährliche Gesundheitskosten für AD(H)S-Betroffene (4.868 € anstatt 1.912 € = das 2,55-fache).136
Hinzu traten weitere 477 € höhere jährliche Gesundheitskosten für Partner von AD(H)S-Betroffenen.

  • Mehr als 2-fache Gesundheitskosten137

Eine Metastudie für Europa zwischen 1990 und 2013 errechnete jährliche Gesundheitsvorsorgekosten bei AD(H)S von 2.022 bis 2.390 EUR Betroffenem Kind/Jugendlichen mit AD(H)S.138 Hinzutraten Gesundheitskosten für Familienmitglieder, die auf die Betreuung eines ADHS-Kindes/Jugendlichen zurückzuführen waren von 1339 bis 1826 EUR je Betroffenem.

Für 1999 bis 2001 fanden sich in den USA höhere jährliche Gesundheitskosten bei AD(H)S-Betroffenen:139

  • verdoppelte medizinische Gesamtkosten (5.651 USD vs. 2.771 USD), darunter
    • ambulante Kosten (3.009 USD vs. 1.492 USD)
    • stationäre Kosten (1.259 USD vs. 514 USD)
    • Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente (1.673 USD vs. 1.008 USD)

Pro erwachsenem AD(H)S-Betroffenen wurden für 2018 jährliche gesamtgesellschaftliche Mehrkosten an Gesundheitsleistungen von 1.635 USD genannt.140

Kinder mit AD(H)S in Flamen (Belgien) benötigten 2002 eine intensivere Gesundheitsfürsorge als ihre nichtbetroffenen Geschwister. Die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen betrug:141

  • Allgemeinarzt (60,3 % ggüber 37,4 %)
  • Facharzt (50,9 % ggüber 12,9 %)
  • Notaufnahme (26 % ggüber 12,1 %)
  • Krankenhauseinweisungen (14 % ggüber 8,4 %)
    Die jährlichen Gesundheitskosten für ein Kind mit AD(H)S betrugen das 6-fache des nichtbetroffenen Geschwisterkindes (588 EUR ggüber 92 Euro). Die öffentlichen Kosten waren verdoppelt (779 EUR ggüber 371 EUR).

Grundschulkinder mit Hyperaktivität verursachten 17,6-mal höhere durchschnittliche jährliche Kosten (562 £ anstatt 30 £) in allen Bereichen (außer Kosten für nicht psychische Gesundheit). Die Kosten waren durchweg durch das männliche Geschlecht und bei einigen Kostencodes durch Verhaltensstörungen erklärbar.142 Es ist anzunehmen, dass externalisierende Störungen wie ODD und CD einen eigenen Beitrag beisteuerten.

3.3. Angehörigenkosten bei AD(H)S

Angehörigenkosten sind die Kosten der Eltern oder Pflegeberechtigten für den zusätzlich aus dem AD(H)S der Betroffenen entstehenden Aufwand.

Eine dänische Kohortenstudie von 2016 ermittelte 7.997 € jährliche zusätzliche direkte und indirekte Kosten je Partner eines AD(H)S-Betroffenen.136

Eine Studie ermittelte für AD(H)S-Betroffene im Alter von 14 bis 17 die 5-fachen direkten jährlichen familiären Kosten (“im Zusammenhang mit der Belastung der Pflegepersonen”) ohne Behandlungskosten und indirekte Kosten.143

Eine Metastudie für Europa zwischen 1990 und 2013 errechnete jährliche Gesamtkosten bei AD(H)S von 9.860 Euro pro Kind und 14.483 Euro pro Jugendlichem mit AD(H)S.138 Davon entfielen auf Produktivitätsverluste der Familienmitglieder 22 % bis 14 %.

Für erwachsene AD(H)S-Betroffene wurden für 2018 jährliche gesamtgesellschaftliche Mehrkosten in Höhe von 14.092 USD pro Erwachsenem genannt.140
Betreuer von Erwachsenen mit AD(H)S benötigen 0,8 Stunden pro Woche zusätzlich für AD(H)S-bezogener Pflege im Vergleich zu Erwachsenen in der US-Gesamtbevölkerung.144145 Daraus resultieren jährliche Mehrkosten von 6,6 Milliarden USD.

Eine Metastudie von 19 Untersuchungen ermittelte jährliche Gesamtkosten von AD(H)S in den USA (in USD 2010) zwischen 176 und 309 Mrd. USD (1,17 % bis 2,05 % des US-BIP).146 Davon entfielen auf Spillover-Kosten, die von den Familienmitgliedern von Personen mit ADHS getragen werden, 33 Mrd. USD bis 43 Mrd. USD (0,22 % bis 0,29 % des US-BIP).

3.4. Bildungskosten bei AD(H)S

Eine Metastudie für Europa zwischen 1990 und 2013 errechnete jährliche Gesamtkosten bei AD(H)S von 9.860 Euro pro Kind und 14.483 Euro pro Jugendlichem mit AD(H)S.138 Davon entfielen auf Bildungskosten 62 % bzw. 42 %.

Eine Metastudie von 19 Untersuchungen ermittelte jährliche Gesamtkosten von AD(H)S in den USA (in USD 2010) zwischen 176 und 309 Mrd. USD (1,17 % bis 2,05 % des US-BIP):146

  • bei Erwachsenen: 105 bis 194 Mrd. USD (0,7 % bis 1,29 % des US-BIP)
    • insbesondere Produktivitäts- und Einkommensverluste (87 Mrd. USD bis 138 Mrd. USD) (0,58 % bis 0,92 % des US-BIP)
  • bei Kindern/Jugendlichen: 38 bis 72 Mrd. USD (0,25 % 0,48 % des US-BIP)
    • insbesondere Gesundheitsfürsorge: 21 Mrd. USD - 44 Mrd. USD (0,14 % 0,29 % des US-BIP)
    • davon entfielen auf Bildung: 15 Mrd. USD - 25 Mrd. USD (0,1 % bis 0,17 % des US-BIP)
  • Spillover-Kosten, die von den Familienmitgliedern von Personen mit ADHS getragen werden: 33 Mrd. USD bis 43 Mrd. USD (0,22 % bis 0,29 % des US-BIP)

3.5. Erhöhte Sozialleistungen

Eine dänische Kohortenstudie von 2016 ermittelte häufigerer Bezug von Sozialleistungen (Krankengeld oder Erwerbsunfähigkeitsrente) durch AD(H)S-Betroffene und ihre Partner.136

3.6. Indirekte Schäden durch AD(H)S

3.6.1. Erhöhte Arbeitsfehlzeiten, Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit

Für erwachsene AD(H)S-Betroffene wurden für 2018 jährliche gesamtgesellschaftliche Mehrkosten in Höhe von 14.092 USD pro betroffenem Erwachsenem genannt.140
Davon entfielen auf

  • Arbeitslosigkeitsmehrkosten: 54,4 % (7.666 USD / Betroffenem)
    • Erwachsene Männer mit AD(H)S sind 2,1 Mal so häufig arbeitslos wie Nichtbetroffene. Ihre Arbeitslosenquote ist damit um 22,1 %-Punkte erhöht.
    • Erwachsene Frauen mit AD(H)S sind 1,3 Mal so häufig arbeitslos wie Nichtbetroffene. Ihre Arbeitslosenquote ist damit um 9,7 %-Punkte erhöht.
    • Die jährlichen Mehrkosten in den USA betragen 66,8 Milliarden USD (55,8 Milliarden USD bei Männern und 11 Milliarden USD bei Frauen mit AD(H)S). Dies entspricht 0,325 % des BIP.
  • Produktivitätsverluste: 23,4 % (3.298 USD / Betroffenem)147
    • 13,6 Arbeitstage AD(H)S-bedingte Fehlzeiten
    • 21,6 Arbeitstage AD(H)S während der Anwesenheit verloren
    • Die 35 Tage Produktivitätsausfall verteilten sich auf
      • Arbeiter: 55,8 Tage
      • Dienstleistungsarbeiter: 32,6 Tage
      • Techniker: 19,8 Tage
      • Facharbeiter: 12,2 Tage
    • Verlorene Produktivitätskosten aufgrund von AD(H)S von 28,8 Milliarden USD (19,9 Milliarden USD bei Männern und 8,9 Milliarden USD bei Frauen mit AD(H)S). Dies entspricht 0,14 % des BIP.

Eine schwedische Registerstudie der Jahre 1998 bis 2008 fand bei AD(H)S-Betroffenen:148

  • 12,19 Tage mehr Arbeitslosigkeit (252 Arbeitstagen wären dies 4,84 %)
  • 19-fache Wahrscheinlichkeit einer Erwerbsunfähigkeitsrente
    • Erwerbsunfähigkeiten erklärten sich größtenteils durch komorbide geistige Behinderung und Entwicklungsstörung, sind also einer Verbesserung durch eine konsequentere Behandlung nur eingeschränkt zugänglich.

Eine recht kleine deutsche Studie ermittelte eine um 24,8 % höhere Arbeitslosigkeit.149

3.6.2. Vorzeitige Sterblichkeit

Für erwachsene AD(H)S-Betroffene wurden für 2018 jährliche gesamtgesellschaftliche Mehrkosten in Höhe von 14.092 USD pro Erwachsenem genannt.140
Erwachse mit AD(H)S weisen eine verdoppelte jährliche Sterblichkeitsrate auf (vornehmlich aufgrund erhöhter Rate von Verkehrs- und anderen Unfällen.150
Daraus resultiert im Jahr 2018 ein gesellschaftlicher Produktivitätsverlust von insgesamt etwa 3,2 Milliarden USD (0,016 % des BIP 2018).

AD(H)S-Betroffene haben mit 1,7-facher Wahrscheinlichkeit mindestens einen Unfall:151

  • Kinder (28 % ggüber 18 %)
  • Jugendliche (32 % ggüber 23 %)
  • Erwachsene (38 % ggüber 18 %)
    Die Folgekosten für AD(H)S-Betroffene waren nur bei Erwachsenen erhöht (483 USD ggüber 146 USD = 3,3-fach).

Einige Studien betrachten lediglich die Kosten für das Gesundheitssystem und sind daher nicht geeignet, die wirtschaftlichen Auswirkungen von AD(H)S adäquat zu beschreiben.

  • Für Deutschland existieren keine aktuellen Zahlen. Ältere Studien, die allenfalls noch historischen Wert besitzen, bezifferten die Gesundheitskosten für AD(H)S in Deutschland in 2002 auf 142.000.000 € (630 € / Patient, also 225.000 Betroffene. In Anbetracht der tatsächlichen Fallzahl ist der Kostenaufwand erheblich höher.)152 und in 2003 auf 230.000.000 €insgesamt.153 Diese Zahlen beinhalteten lediglich die Behandlungskosten.
  • Eine Studie fand eine Gesamtbelastung (“economic burden”) von 47,55 Mio Dollar bei 69.353 diagnostizierten ADFH)S-Betroffenen in Korea in 2012. Dies entsprach 684 $ je Betroffenem und 0,004 % des koreanischen BIP (Bruttoinlandsprodukts) im Jahr 2012.154

3.6.3. Einkommensdefizite bei AD(H)S

3.6.3.1. Verringertes Einkommen

Eine Langzeitstudie über 20 Jahre an 604 Probanden zeigte, dass AD(H)S-Betroffene mit 30 Jahren ein geringeres Nettoeinkommen und eine größere finanzielle Abhängigkeit von den Eltern haben als Nichtbetroffene. Dies gilt auch, wenn die DSM-Kriterien nicht mehr erfüllt werden. Dieses Defizit bleibt lebenslang bestehen und führt zu einem um 1,27 Millionen Dollar niedrigeren zu erwartenden Lebenszeiteinkommen bei Männern und einem um bis zu 75 % niedrigeren Nettovermögen zum Rentenbeginn als bei Nichtbetroffenen.155 Daneben erzielen AD(H)S-Betroffene Erwachsene, wenn sie in ihrer Kindheit nicht diagnostiziert und behandelt wurden, ein deutlich geringeres Einkommen als ihre nicht betroffenen Zwillinge und verursachen pro Person 20.000 € höhere Kosten pro Jahr.156

Eine schwedische Registerstudie der Jahre 1998 bis 2008 fand bei AD(H)S-Betroffenen ein um 17 % geringeres Jahreseinkommen.148

Amerikanische AD(H)S-Betroffene erreichten 2003 weniger akademische Meilensteine jenseits einer Highschool. AD(H)S-Betroffene hatten mit 34 % um 42,3 % seltener eine Vollzeitbeschäftigung als Nichtbetroffenen mit 59 %. Außer bei 18 bis 24 - Jährigen war das durchschnittliche Haushaltseinkommen signifikant verringert, unabhängig von akademischen Leistungen oder persönlichen Merkmalen. Der nationale Produktivitätsverlust der Arbeitskraft im Zusammenhang mit AD(H)S wurde bei einer angenommenen Prävalenz von 2,3 % auf 67 bis 116 Milliarden USD geschätzt (0,58 % bis 1,01 % des US-BIP).157
Das Einkommen mit AD(H)S lag 2003 bei:

  • Männer: 45.645 USD ggüber 54.399 USD (16,1 % weniger)
  • Frauen: 37.607 USD ggüber 49.738 USD (24,4 % weniger)

Bei aktuellen Prävalenzzahlen von 5 % für Erwachsene wäre mehr als das Doppelte anzunehmen. Der Verbraucherpreisindex in den USA stiegt seit 2003 bis 2020 um 40 %. Angenommen, Einkommen und BIP wären im gleichen Maße gestiegen, ergäben sich 2020 183 bis 322 Milliaden USD (0,87 % bis 1,54 % des BIP).

Eine dänische Kohortenstudie von 2016 ermittelte geringeres Erwerbseinkommen bei AD(H)S-Betroffenen in den fünf Jahren vor der Erstdiagnose.136

AD(H)S-Betroffene Erwachsene, wenn sie in ihrer Kindheit nicht diagnostiziert und behandelt wurden, erzielten ein deutlich geringeres Einkommen als ihre nicht betroffenen Zwillinge und zahlten weniger Steuern.156

3.6.3.2. Aus verringertem Einkommen entfallende Steuer- und Sozialabgaben

Wir kennen bislang nur eine Studie, die die hieraus entgangenen Steuer- und Sozialabgaben für Deutschland berechnete.
Die deutschen Nettosteuer- und Sozialabgabeneinnahmen eines 2010 geborenen Nichtbetroffenen wurden um 80.000 € höher ermittelt als die eines nicht behandelten AD(H)S-Betroffenen. AD(H)S-Interventionen, die eine Verbesserung des Bildungsniveaus bewirkten, führten zu fiskalischen Vorteilen durch höhere Steuereinnahmen über die gesamte Lebensdauer.
Für jeden Euro, der für eine neue AD(H)S-Intervention ausgegeben wird, wurden 1,39 € an abgezinsten Nettosteuereinnahmen und 3,02 € an abgezinsten Bruttosteuereinnahmen errechnet.158
Umgerechnet auf die unbehandelten Erwachsenen in Deutschland und auf Werte von 2020 haben wir jährliche Verluste an Netto-Steuer- und Sozialabgabeneinnahmen von 5,916 Milliarden EUR errechnet. Dies entspricht 1,63 % des Bundeshaushalts.
Nicht eingerechnet sind Einsparungen durch

  • verringerte Kriminalität
    • 111 Millionen EUR ersparte Gefängniskosten jährlich
    • 500 Millionen EUR verringerte Schäden durch Straftaten jährlich
  • verringerte vorzeitige Sterblichkeit: 580 Millionen EUR jährlich
  • Angehörigenkosten: 2 Milliarden EUR jährlich
  • Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz: 11 Milliarden EUR jährlich

3.7. Wirtschaftliche Gesamtkosten

Eine Studie nennt 182.000 USD (Stand 2015) höhere Kosten aus medizinischer Versorgung, Ausbildung und Kriminalitätsfolgen je ins Erwachsenenalter persistierendem AD(H)S-Fall in den USA.159
Eine australische Studie benennt soziale und wirtschaftlichen Gesamtkosten von AD(H)S von zwischen 8,40 und 17,44 Milliarden USD bei Kosten pro Betroffenem von 15.664 USD pro Jahr (2018/2019).160 Von den Gesamtkosten entfielen auf

  • Produktivitätskosten 81 %
  • Mitnahmeverluste 11 %
  • Kosten für das Gesundheitssystem 4 %
    Der Verlust an Wohlbefinden war erheblich und wurde mit 5,31 Milliarden USD taxiert.

Eine dänische Kohortenstudie von 2016 ermittelte 22.721 € jährliche zusätzliche direkte und indirekte Kosten je AD(H)S-Betroffenem (Stand 2016).136
Auf erwachsene AD(H)S-Betroffene entfielen 23.072 € pro Jahr.

Eine weitere dänische Studie an gleichgeschlechtlichen Zwillingen zeigte für Erwachsene mit AD(H)S, wenn sie in ihrer Kindheit nicht diagnostiziert und behandelt wurden:161

  • höhere jährliche Gesamtkosten von 20.134 € als für seine Geschwister (Stand 2010)
  • ein deutlich geringeres verfügbares Einkommen
  • niedrigere gezahlte Steuern
  • höherer Erhalt staatlicher Leistungen
  • höhere Kosten für Gesundheit und Sozialfürsorge
  • höhere Kriminalität

Zwei amerikanische Studien benennen die jährlichen gesamtgesellschaftlichen AD(H)S-bedingten Mehrkosten auf 6.799 USD pro Kind (19,4 Mrd. USD) und 8.349 USD pro Jugendlichem (13,8 Mrd. USD) (Stand 2017/2018).162 Die Kosten verteilten sich auf

  • Ausbildungskosten (59,9 % bei Kindern, 48,8 % bei Jugendlichen)
  • direkte Gesundheitskosten (25,9 % bei Kindern, 29,0 % bei Jugendlichen)
  • Betreuungskosten (14,1 % bei Kindern, 11,5 % bei Jugendlichen).

Eine Studie ermittelte 14.576 USD pro AD(H)S-Betroffenem (Stand 2005) bei einer Schätzungsbandbreite zwischen 12.005 USD und 17.458 USD.163


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