Folgen

AD(H)S hat nicht nur Symptome, die sich akut im Verhalten der Betroffenen zeigen, sondern daneben langfristige Folgen.

1. Folgerisiken von AD(H)S

AD(H)S-Betroffene müssen massive Einschränkungen ihrere Lebensqualität in Kauf nehmen.

  • Selbstmordrate erhöht(1) um 230 %.(2)
    • Selbstmordgedanken und Selbstmordversuche erhöht(3)
  • Festnahmen um 105 % erhöht(4)
    • AD(H)S-Betroffene sind 6,4 fach häufiger Täter häuslicher Gewalt als Nichtbetroffene.(5)
  • Scheidungen um 87 % erhöht(4)
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen eine noch höhere Scheidungsraten zu haben als Männer mit AD(H)S.(6)
  • Arbeitsplatzwechsel um 59 % erhöht(4)
  • Weniger Vollzeitjobs, mehr Teilzeitjobs
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen mit noch höherer Wahrscheinlichkeit lediglich einen Teilzeitjob zu haben als Männer mit AD(H)S.(6)
  • Verletzungen um 41 % erhöht(7)
  • Beschäftigungsquote um 28 % verringert(4)
  • Hochschulabschlusses um 27 % seltener(4)
  • Schulabschlusses um 11 % seltener(4)
    • geringere Ausbildungsabschlüsse(3)
  • 5-fache direkte jährliche Kosten im Alter von 14 bis 17 im Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes (ohne Behandlungskosten) und indirekte Kosten im Zusammenhang mit der Belastung der Pflegepersonen.(8)
  • Alkoholkonsum erhöht(3)
  • Rauchen erhöht(3)(9)
  • Marihuana-Konsum erhöht.(9)
  • Häufiger Opfer von körperlichen und nichtkörperlichem sexuellem Missbrauch(10)
  • AD(H)S bewirkt langfristig eine verringertes emotionales schulisches Engagement, das zusätzlich von Schüler-Lehrer-Konflikten moderiert wird.(11)
  • Verringerte Lebensqualität (Quality of life)(12)
    • Gesundheitsbezogene QoL erheblich verringert(13)

2. Risiken unbehandelter AD(H)S

Ein unbehandeltes / nicht angemessen behandeltes AD(H)S hat massive Auswirkungen auf die gesamte Lebenszeit(14)(15), z.B.:

  • 1,77-faches Risiko einer Substanzabhängigkeit (Sucht)(16)
    Die Mehrheit der Untersuchungen in Bezug auf AD(H)S und Alkoholmissbrauch findet eine positive Korrelation.(17)
  • vorzeitige Sterblichkeit, je nach Studie zwischen 1,27-fach (Jungen und Männer)(18), 2,85-fach (Mädchen und Frauen)(18), 1,4-fach (Kinder und Jugendliche) und mehr als 4,6-fach (bei Erwachsenen)(19), insbesondere durch Unfälle.(20)(21)(22)(23)(24)(25)(26)
    AD(H)S-Medikation verringert die Unfallhäufigkeit bei betroffenen Jungen und Mädchen, als Kinder wie als Jugendliche.(27)(28) um 2/3.(29)
    Mit der Anzahl zusätzlicher Komorbiditäten steigt die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes auf bis zu das 25-fache an.(19)(30)
    4,25-faches Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit bei erstmaliger AD(H)S-Diagnose im Erwachsenenalter.(18)
    Für die Einnahme von AD(H)S-Medikamenten (Stimulanzien oder Atomoxetin) wurde dagegen keine erhöhte Sterblichkeit festgestellt.(31)
  • 2-faches Risiko, einem Mord zum Opfer zu fallen(32)
  • mehr als 2-fache Krankheitskosten(33)
  • 2,4-faches Risiko von Suizid bei AD(H)S insgesamt, vor allem bei Frauen(34) bis 4,1-faches Suizidrisiko (bei unbehandeltem AD(H)S dementsprechend höher)(35)(36)
  • 1,2 bis 3,3-faches Risiko von Angststörungen. Lebenszeitprävalenz 10 – 15 % Gesamtbevölkerung(37), 12 bis 50 % bei AD(H)S(36)
  • 3,6-faches Risiko für Essstörungen bei Mädchen(38)
  • 2,5-faches(39) bis 4-faches Risiko von Depressionen bei Mädchen.
    AD(H)S bei Kindern erhöht das Risiko von Depressionen im Jugendalter.(40)
  • 3- bis 5-faches Risiko von Trennungen und Scheidungen(36)
    • Frauen (in Japan) mit AD(H)S scheinen eine noch höhere Komorbiditätsrate zu haben als Männer mit AD(H)S.(41)
  • 7-faches Risiko, aufgrund von Kriminalität im Gefängnis zu landen
  • 2,35-faches(42) bis 8,61-faches Risiko, zu rauchen(16)
  • Erhöhtes Risikoverhalten(12)

Laut einer Metastudie verringert die Medikamentierung mit Stimulanzien die genannten Risiken um 9 bis 59 %.(43)

Eine Medikamentierung mildert die durch AD(H)S verursachte Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebenqualität erheblich ab.(13)

Unter 166 stationär behandelten psychiatrischen Patienten fand sich bei 59 % ein AD(H)S.(44)

3. Lebensrisikoveränderungen durch Behandlung von AD(H)S

Wieviele Betroffene muss man langfristig mit MPH behandeln, um eine der nachfolgend genannten Langzeitfolgen einer unbehandelten AD(H)S zu vermeiden ?(45) Die Ergebnisse waren geschlechtsunabhängig:

  • 3 behandelte Betroffene   = 1 vermiedene Klassenwiederholung
  • 3 behandelte Betroffene   = 1 Oppositionelles Defizitverhalten
  • 3 behandelte Betroffene   = 1 Verhaltensstörung
  • 3 behandelte Betroffene   = 1 Angststörung (mit 2 Auswirkungsarten)
  • 4 behandelte Betroffene   = 1 vermiedene schwere Depression
  • 4 behandelte Betroffene   = 1 vermiedener schwerer Autounfall (in Simulation)
  • 5 behandelte Betroffene   = 1 vermiedene bipolare Störung
  • 6 behandelte Betroffene   = 1 vermiedener Raucher
  • 10 behandelte Betroffene = 1 vermiedene Suchterkrankung

4. Finanzielle Folgen von AD(H)S

Eine Langzeitstudie über 20 Jahre an 604 Probanden zeigte, dass AD(H)S-Betroffene mit 30 Jahren ein geringeres Nettoeinkommen und eine größere finanzielle Abhängigkeit von den Eltern haben als Nichtbetroffene. Dies gilt auch, wenn die DSM-Kriterien nicht mehr erfüllt werden. Dieses Defizit bleibt lebenslang bestehen und führt zu einem um 1,27 Millionen Dollar niedrigeren zu erwartenden Lebenszeiteinkommen bei Männern und einem um bis zu 75 % niedrigeren Nettovermögen zum Rentenbeginn als bei Nichtbetroffenen.(46) Daneben erzielen AD(H)S-Betroffene Erwachsene, wenn sie in ihrere Kindheit nicht diagnostiziert und behandelt wurden, ein deutlich geringeres Einkommen als ihre nicht betroffenen Zwillinge und verursachen pro Person 20.000 € höhere Kosten pro Jahr.(47) Eine andere Studie nennt 182.000 Dollar (Stand 2015) höhere Kosten aus medizinischer Versorgung, Ausbildung und Kriminalitätsfolgen je ins Erwachsenenalter persistierendem AD(H)S-Fall.(48)

Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass AD(H)S-Betroffene im Alter von 14 bis 17 im Zusammenhang mit dem Verhalten des betroffenen Kindes (ohne Behandlungskosten) die 5-fachen direkten jährliche Kosten und indirekte Kosten im Zusammenhang mit der Belastung der Pflegepersonen verursachen.(8)

Zuletzt aktualisiert am 25.01.2020 um 23:18 Uhr


14.)
Steinhausen, Sobanski in Steinhausen, Rothenberger, Döpfner (2010): Handbuch AD(H)S, Kohlhammer, Seite 158 ff und 165 ff mit etlichen Nachweisen - (Position im Text: 1)