Nichtmedikamentöse Behandlung und Therapie von AD(H)S – Übersicht

Dieser Beitrag stellt die uns bekannten nichtmedikamentösen Behandlungs- und Therapieansätze zusammen.
Die + und – in den Klammern geben unsere Einschätzung zum Nutzen bei AD(H)S wieder.

Inhalt dieser Seite

1. Therapieansätze

1.1 Anerkannte Therapieansätze bei AD(H)S

1.1.1. Medikamente (+++)

  • AD(H)S sollte gerade zu Beginn der Therapie unbedingt medikamentös behandelt werden.
    Betroffene, die nie gefühlt haben, wie es ist, ohne diese belastenden Symptome zu leben, können das Ziel einer nichtmedikamentösen Therapie nicht aus eigener Wahrnehmung nachempfinden. Vergleichbar argumentieren Edel/Vollmoeller.(1)
  • Darstellung der medikamentösen Behandlung unter Medikamente bei AD(H)S – Übersicht.

1.1.2. Schlafproblemtherapie (+)

  • Schlafprobleme sollten bei AD(H)S mit besonderer  Priorität behandelt werden, da sie als Teufelskreis die AD(H)S-Symptome verstärken und AD(H)S-Symptome Schlafprobleme verursachen können.
  • Schlaf baut das Stresshormon Cortisol ab. 1 Stunde längerer Schlaf verbessert den Cortisolabbau um 21 %(2)
    Alle AD(H)S-Symptome sind zugleich Stresssymptome.
  • Zu den möglichen Massnahmen zur Schlafverbesserung sowie zu Schlafmitteln speziell bei AD(H)S:
    Schlafprobleme bei AD(H)S

1.1.3. Psychotherapie 

Zur Wahl eines geeigneten Psychotherapeuten bei AD(H)S siehe unter Wahl eines geeigneten Psychotherapeuten bei AD(H)S.

1.1.3.1. Tiefenpsychologie (-) 
  • Kassentherapie in D
  • Bei AD(H)S ohne Komorbiditäten bedingt bis wenig geeignet
    Geeignet für AD(H)S-Betroffene, bei denen prägende Erfahrungen aus der Kindheit das Stresslevel deutlich antreiben. Bei diesen liegt neben dem AD(H)S meist komorbide Traumata oder Probleme aus dem Spektrum von Borderline etc. vor. In diesen Fällen kann eine tiefenpsychologische Aufarbeitung sehr sinnvoll sein.
1.1.3.2. Analyse ( – – )
  • Kassentherapie in D
  • bei AD(H)S nicht geeignet
1.1.3.3. Gesprächstherapie (-)
  • Kassentherapie in D
  • bei AD(H)S bedingt geeignet
    Gesprächstherapie kann bei der Bewältigung der AD(H)S-Folgeprobleme unterstützen.
    In Bezug auf die Ursachen der AD(H)S-Symptome selbst dürfte sie dagegen kaum wirksam sein.
    Fallbeispiel bei Krause(3)
1.1.3.4. Systemische Therapie (0/+)
  • keine Kassentherapie in D
  • insbesondere in Bezug auf familiäre und Gruppenprobleme bei AD(H)S geeignet. Geeignet in Bezug auf familiäre Konflikte bei AD(H)S-betroffenen jüngeren Kinder
    In Bezug auf die Ursachen der AD(H)S-Symptome bei den Betroffenen selbst kaum wirksam.
1.1.3.5. Verhaltenstherapie
  • Kassentherapie in D
  • Eine umfassende Untersuchung zeigte, dass eine medikamentöse Behandlung der Behandlung mit Verhaltenstherapie oder klinischer Betreuung überlegen ist. Eine multimodale Behandlung (kombinierte Behandlung mit Medikamenten und Verhaltenstherapie oder klinischer Betreuung) scheint am erfolgversprechendsten.(4)
1.1.3.5.1. Achtsamkeitsbasierte Verhaltenstherapie (Mindfulness Based Cognitive Therapy, MBCT) (+++)
  • Laut einer Metastudie fand jede von 13 analysierten Untersuchungen Verbesserungen der AD(H)S-Symptomatik durch achtsamkeitsbasierte Interventionen.(5) Eine weitere Studie kam zum selben Ergebnis.(6)
  • Eine kombinierte MBCT / MBSR – Therapie bewirkte bereits nach 8 Wochen eine erhöhte Aktivität und Konnektivität des präfrontalen Cortex, des cingularen Cortex, der Insula und des Hippocampus und Größenzunahme bei gestressten, ängstlichen und gesunden Menschen. Die Verbesserungen entsprachen dem, was bei langanhaltender Meditationspraxis erreicht werden kann. Die funktionale Aktivität der Amygdala verringerte sich und die Konnektivität der Amygdala mit dem präfrontalen Cortex wurde verbessert. Zudem erfolgte die Deaktivierung der Amygdala nach emotionalen Reizen schneller.(7) Weitere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse.(8)(9)
  • Eine zusätzliche MBCT-Behandlung bewirkte 6 Monate nach Beendigung der Therapie eine signifikant grössere Symptomverbesserung als herkömmliche Behandlungsmethoden alleine.(10)
  • Achtsamkeitsmeditation verringerte das Cortisol- und Entzündungsniveau und erhöhte die Telomerase, was den Verhaltensänderungen durch stressbedingte Telomerverkürzung entgegenwirkt.(11)
  • Achtsamkeitsbasierte Behandlung verbesserte bei AD(H)S die Kernsymptome der Aufmerksamkeitsprobleme und der Hyperaktivität.(12)
1.1.3.5.2. kognitive Verhaltenstherapie (o)
  • Laut Barkley wirkt kognitive Verhaltenstherapie bei Kindern mit AD(H)S nicht.(13)
  • Bei kleinen Kindern ist eine Behandlung der Eltern wesentlich wirksamer.
  • Kognitive Verhaltenstherapie ist ehesten in Bezug auf durch AD(H)S verursachte Selbstwertprobleme(14) und bei Defiziten im Sozialverhalten geeignet.
  • Verschiedene Therapieformen verbesserten bei AD(H)S laut einer Metastudie verschiedene Symptome (SMD: standard mean difference; höher ist besser: bis 0,5 niedrig bis mittel, bis 1 mittel bis hoch, ab 1 hoch)(15)
    • Depression
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,52 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv etwas besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • DBT
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, schlechter als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, noch schlechter als DBT
    • Angstsymptome
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,73 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Selbstwert
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • 1,404 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Lebensqualität
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam bis gering wirksam
        • 0,57 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • subjektiv kurzfristig sehr gut
      • DBT
        • im Gruppenvergleich kurzfristig sehr gut, langfristig unwirksam
        • subjektiv kurzfristig mässig wirksam, langfristig schwach wirksam
    • emotionale Dysregulation
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,64 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,73 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich kurzfristig schwach wirksam, langfristig nicht bekannt
        • subjektiv kurzfristig sehr gut wirksam, langfristig nicht bekannt
1.1.3.5.3. Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) (+)
  • Bei AD(H)S gut geeignet(16)
  • Verschiedene Therapieformen verbesserten bei AD(H)S laut einer Metastudie verschiedene Symptome (SMD: standard mean difference; höher ist besser: bis 0,5 niedrig bis mittel, bis 1 mittel bis hoch, ab 1 hoch)(15)
    • Depression
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,52 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv etwas besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • DBT
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, schlechter als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, noch schlechter als DBT
    • Angstsymptome
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,73 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Selbstwert
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • 1,404 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Lebensqualität
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam bis gering wirksam
        • 0,57 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • subjektiv kurzfristig sehr gut
      • DBT
        • im Gruppenvergleich kurzfristig sehr gut, langfristig unwirksam
        • subjektiv kurzfristig mässig wirksam, langfristig schwach wirksam
    • emotionale Dysregulation
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,64 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,73 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich kurzfristig schwach wirksam, langfristig nicht bekannt
        • subjektiv kurzfristig sehr gut wirksam, langfristig nicht bekannt
  • Elemente einer DBT:
    • Innere Achtsamkeit
      • Eigenwahrnehmung verbessern und ihr vertrauen zu lernen
      • sich in Situation sicher fühlen, ohne sie zu bewerten oder zu entwerten
      • Steuerung, an Situationen teilnehmen können und gleichzeitig Distanz zu bewahren
      • Gefühle und Verstand in Einklang bringen.
    • Zwischenmenschliche Fertigkeiten
      • Beziehungen knüpfen und pflegen
      • Abwägung zwischen und Integration von Beziehungsaufrechterhaltung und eigenen berechtigten Bedürfnissen, Meinungen und Selbstachtung
    • Umgang mit Gefühlen
      • unterschiedliche Gefühle erkennen, benennen, Bedeutung begreifen
      • Kontrolle von Wut und Ärger
      • Verwundbarkeit verringern
      • angenehme Gefühle fördern
      • emotionales Leiden loslassen
      • Vertrauen in die eigenen Gefühle stärken
    • Stresstoleranz
      • Tatsache, momentan im Stress zu sein akzeptieren
      • Abstand nehmen (innerlich einen Schritt zurücktreten)
      • Denken auf das Jetzt und die nächsten Minuten beschränken
      • Fokus(ab)lenkung durch Selbstaussetzung von starken Sinnesreizen
        • Eiswürfel
        • Ball mit Stacheln
      • Atemübungen
      • „leichtes Lächeln“
      • Achtsamkeitsübungen
      • unveränderbare unangenehme Ereignisse und Gefühle ertragen lernen („radikale Akzeptanz“).
    • Selbstwert bzw. Selbstakzeptanz
      • gesunde Selbstakzeptanz
      • gesundes Selbstvertrauen
      • gesundes Selbstwertempfinden
  • strukturierte Psychotherapie
    • bei AD(H)S sehr gut geeignet
    • in Anlehnung an Dialektisch Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach Linehan(17)
1.1.3.5.4. Selbstwerttherapie (+)
  • Bei AD(H)S sehr gut geeignet
  • Viele Betroffene verbrachten ihr gesamtes Leben unter (unrichtigen) Vorwürfen wie „ihr mangelnder Antrieb sei Ausdruck von Faulheit“, oder „ihre Unfähigkeit zu sozial angepasstem Verhalten sei Bosheit“ (weil die Macht der impulsiven Durchbrüche verkannt wurde). Die Furcht vor weiterem missverstanden werden erschwert es erheblich, sich auf eine therapeutische Beziehung einzulassen.(18)
  • Cognitive remediation programme(19)
  • Hinweis: Rejection Sensitivity ist unserer Auffassung nach ein unmittelbar durch AD(H)S verursachtes Symptom, das auf medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien ebenso gut anspricht wie Aufmerksamkeitsprobleme oder Hyperaktivität/Impulsivität. Dies spricht unseres Erachtens gegen eine rein durch Erfahrungen vermittelte Selbstwertprägung. Rejection Sensitivity: Kränkbarkeit und Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik als spezifisches AD(H)S-Symptom
1.1.3.6. EMDR-ähnliche Therapieformen (+)
  • EMDR
    Bei der Therapie von Trauma ist EMDR eine anerkannte Therapieoption.(20) EMDR nutzt eine bilaterale (abwechselnde) Aktivierung der beiden Körperhälften durch waagerechte Augenbewegungen, abwechselnde akustische Signale an das linke / rechte Ohr oder Berührungen an der linken und rechten Körperhälfte. Eine Untersuchung belegt, dass die bilaterale Aktivierung des Körpers zu einer Verringerung der Aktivierung des präfrontalen Cortex führt.(21)
    Da EMDR-ähnliche Therapieformen wie Emoflex bei AD(H)S gute Erfolge bringen sollen, könnten diese Ergebnisse der genannten Studie auf AD(H)S übertragbar sein.
    • Aufbau einer EMDR-Therapie(22)
      1. Behandlungsplanung
      2. Vorbereitung und positive Stabilisierung
      Was ist heute an guten Dingen, was an schlechten Dingen / Belastungen bewusst ?
      3. Bewertung
      Der belastenden Erinnerung wird eine jetzige negative Umschreibung (z.B: Ich bin wehrlos) und eine zukünftige positive Umschreibung (z.B.: Ich kann mich schützen) zugewiesen.
      4. Desensibilisierung
      Die belastende Wahrnehmung wird aufgerufen und unter Begleitung von bilateralen Stimulationen (idR 24 Items einer schnellen rechts-links-abwechselnden Stimulation, visuell – Augenbewegungen links / rechts / links, auditiv – akustisches Signal linkes/rechtes Ohr, sensorisch – Körperberührung an linker/rechter Körperseite) bei freier Assoziation so lange durchgearbeitet, bis die körperlichen / seelischen Belastungen nicht mehr wahrnehmbar sind. Die Geschwindigkeit wird an die Reaktionen des Patienten angepasst.
      5. Verankerung
      Anstelle der negativen bisherigen wird eine positive neue Gedankenbasis verankert und trainiert. Langsame bilaterale Bewegungen, ca. 60 / Minute.
      6. Körpertest
      Sicherung, dass bei Erinnerung an die belastende Situation keine negativen Empfindungen mehr auftreten.
      7. Abschlussbesprechung
      u.a. Hinweis darauf geben, dass Nachwirkungen entstehen können, z.B. in Träumen.
      8. Erfolgskontrolle und Zukunftsorientierung
    • Eine detaillierte Darstellung von EMDR-Therapie anhand von Beispielfällen findet sich bei Schubbe.(23)
  • Emoflex(24)
    Anmerkung: Emoflex eine geschützte Marke. Berichte über Therapieformen, die mit Schutzrechten vermarktet werden, sollten stets besonders kritisch betrachtet werden, da hier Marketinginteressen eine Rolle spielen können.
    Emoflex ist eine Adaption der EMDR-Technik für AD(H)S.
    Markengeschütze Therapiemethoden
    Markenschutz auf Therapiemethoden mag für den Markeninhaber wirtschaftlich sinnvoll sein. Die Wirksamkeit von EMDR (auch) bei AD(H)S ist jedoch unabhängig davon, ob die Therapie einen Markennamen trägt oder ob sie „lediglich“ die zu Grunde liegenden therapeutisch wirksamen Methoden (die niemals markenrechtlich schützbar sind) anwendet.
1.1.3.7. Arbeitsgedächtnistraining / Cognitive Working Memory Training (CWMT) (-)

Eine grossangelegte Metauntersuchung fand keine ausreichenden Belege für eine Wirksamkeit von kognitivem Training bei AD(H)S.(25) Eine weitere Untersuchung bestätigte dies.(26)

Zwei kleinere Untersuchungen fanden Hinweise, dass ein Arbeitsgedächtnistraining mithelfen könnte, die Symptome von AD(H)S zu verringern.(27)(28)

Eine hohe Trainingsintensität (insgesamt 14 Stunden innerhalb 5 Wochen) soll die Dichte von D1-Dopaminrezeptoren im präfrontalen Cortex erhöhen(29), was zu einer signifikanten Reduktion der Symptome Aufmerksamkeit und Impulsivität führe.(30)
Bei AD(H)S ist das im dlPFC ansässige Arbeitsgedächtnis durch verringerte Dopaminspiegel beeinträchtigt. Dabei sind vornehmlich die inhibitorischen Dopamin-Transporter D2 bis D4 betroffen. Neurophysiologische Korrelate von Arbeitsgedächtnisproblemen bei AD(H)S

Das Arbeitsgedächtnis benutzt für verschiedene Inhalte (Zahlenreihen, Gesichter, Namen, Ziele) unterschiedliche Gehirnareale. Das Training eines spezifischen Arbeitsgedächtnisbereichs (z.B. Zahlenreihen) hat daher kaum Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses für Namen.

1.1.3.8. Training der Exekutivfunktionen (-)

Untersuchungen fanden keinen Nutzen eines Trainings der Exekutivfunktionen bei AD(H)S.(31) Ein anderes Exekutiv-Funktions-Training (EXAT) wirkte laut einer Untersuchung bei AD(H)S besser als bei Epilepsie.(32)

1.1.3.9. Mentoring

Bei Kindern mit Lernstörungen und AD(H)S zeigte ein Mentoring Verbesserungen von Selbstvertrauen und sozialen Beziehungen, und beugte der Entwicklung von depressivem Verhalten vor.(33)

1.1.4. Achtsamkeitstechniken (+++)

Achtsamkeitstechniken sind bei AD(H)S sehr gut zur Behandlung geeignet. Eine Metaanalyse fand in 11 von 12 Untersuchungen positive Ergebnisse in Bezug auf die Behandlung von AD(H)S.(34)

  • stressabbauend(35)
  • stressvorsorgend(36)
  • stimmungshebend(37)
  • prokrastinationshemmend(37)(38) (was nur natürlich ist, da Prokrastination ein Stresssymptom ist)
  • achtsamkeitsbasierte Behandlung verbessert bei AD(H)S die Kernsymptome der Aufmerksamkeitsprobleme und der Hyperaktivität.(12)
  • Achtsamkeitstraining zielt auf das Vegetative Nervensystem
  • Stressmanagement verringerte in einer Untersuchung den basalen DHEA-Spiegel und erhöht den Cortisolspiegel. Die erzielte Veränderung des Cortisol-DHEA-Verhältnisses war stressresistenzfördernd.(39)
    Dabei sollte beachtet werden, dass je nach Störungsbild das Cortisol-/DHEA-Verhältnis in die eine wie in die andere Richtung im Ungleichgewicht sein kann.
    DHEA-/Cortisol-Ungleichgewicht bei Stress
    Psychologische Stresstherapie dürfte das Verhältnis stets in Richtung des gesunden Gleichgewichts beeinflussen. Bei medikamentöser Behandlung ist zunächst zu ermitteln, in welcher Richtung das Gleichgewicht verschoben ist.
    • internal / external
      internal: es liegt an mir persönlich (ich, mein)
      external: es liegt an den Umständen (die anderen, da draussen)
    • stabil / variabel
      stabil: es ist unveränderlich  (immer, nie)
      variabel: ich kann Einfluss darauf nehmen
    • global / spezifisch
      global: es ist immer und überall so (überall, Gesetzmäßigkeit)
      spezifisch: die Ursache liegt in diesem Fall selbst  (hier, diesmal)Achtsamkeit trainiert eine Wahrnehmungsveränderung. Es wird trainiert, dass das wahrgenommene Geschehen nicht mehr unmittelbar attribuiert wird, sondern dass es für sich genommen stehen gelassen wird. Dies ermöglicht eine weniger angsteinflössende und bedrohliche Wahrnehmung, wodurch in der Folge Stress massiv verringern kann.
  • Verschiedene Therapieformen verbesserten bei AD(H)S laut einer Metastudie verschiedene Symptome (SMD: standard mean difference; höher ist besser: bis 0,5 niedrig bis mittel, bis 1 mittel bis hoch, ab 1 hoch)(15)
    • Depression
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,52 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv etwas besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • DBT
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, schlechter als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, noch schlechter als DBT
    • Angstsymptome
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,73 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Selbstwert
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • 1,404 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Lebensqualität
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam bis gering wirksam
        • 0,57 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • subjektiv kurzfristig sehr gut
      • DBT
        • im Gruppenvergleich kurzfristig sehr gut, langfristig unwirksam
        • subjektiv kurzfristig mässig wirksam, langfristig schwach wirksam
    • emotionale Dysregulation
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,64 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,73 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich kurzfristig schwach wirksam, langfristig nicht bekannt
        • subjektiv kurzfristig sehr gut wirksam, langfristig nicht bekannt
Wie Achtsamkeit funktioniert
Die Technik von Achtsamkeit beinhaltet - grob formuliert - die Errichtung einer virtuellen Distanz zu wahrgenommenen Umständen.
Achtsamkeit bedeutet - vereinfacht gesagt - eine Trennung von Wahrnehmung und deren unmittelbaren Relevanz für einen selbst. Es wird trainiert, sehr bewusst wahrzunehmen, was gerade passiert, und dabei gleichzeitig die Geschehnisse nicht auf sich selbst zu beziehen, sie also nicht als Anlass für eine Reaktion zu nehmen, sondern die Einwirkung der Geschehnisse auf einen selbst lediglich interessiert zu beobachten. Dies stoppt den Automatismus des unmittelbaren Durchschlagens von Wahrnehmungen auf die eigene Befindlichkeit.
Mit anderen Worten
Man stellt fest, dass alles noch genau so passiert, dass es einen aber nicht mehr unmittelbar existentiell bedroht. Es passiert, und man lebt dennoch weiter. Die subjektive Bedrohlichkeit dessen, was passiert, verringert sich.
Diese Technik macht dann Sinn, wenn die automatisierte Stressregulation zuvor dahingehend fehlgeleitet ist, dass Geschehnisse zu unmittelbar auf sich selbst attribuiert werden.
Attributionsstile
Es gibt verschiedene Attributionsstile(40), wie wahrgenommene Gegebenheiten erklärt werden.

Beispiel:
Ein Student fällt durch eine Prüfung.
Folgende Reaktionsmöglichkeiten (iSv Attributionsstilen) sind denkbar:

  • Ich bin halt einfach zu doof. (Internal – stabil – global)
  • Für diese Prüfung hab ich wirklich nichts gelernt. (Internal – variabel – spezifisch)
  • Diesmal hatte ich einfach Pech. (External – variabel – spezifisch)
  • Die geben mir doch immer die blödesten Aufgaben (External – stabil – global).

Zusammengefasste Attributionsdimensionen ergeben spezifische Deutungen:(41)

  • internal-stabil: Fähigkeit
  • internal-variabel: Anstrengung
  • external-stabil: Aufgabenschwierigkeit
  • external-variabel: Glück/Pech
    • pessimistischer Attributionsstil: Misserfolge werden internal, global, stabil attribuiert
    • optimistischer Attributionsstil: Misserfolge werden external, spezifisch, instabil attribuiert

Wir nehmen an, dass ein globaler internaler Attributionsstil dafür anfällig macht, Erlebnisse bedrohlich und angstbesetzt wahrzunehmen.
Angstbesetzte und bedrohliche Wahrnehmungen führen schnell zu cortisolergem Stress.

1.1.4.1. Neurolphysiologische Wirkmechanismen von Achtsamkeitstechniken (hier: MBSR)
  • Achtsamkeitstraining ist in der Lage, Cortisolwerte nachhaltig zu verringern.(42)
  • Bei generalisierter Angststörung besteht eine Überaktivierung der Amygdala bei ambivalenten Signalen und eine mangelhafte funktionelle Verbindung zwischen Amygdala und ventrolateralem PFC. MBSR verringert die Überaktivierung der Amygdala bei neutralen Gesichtern stärker als Stressmanagement. MBSR, nicht aber Stressmanagement, bewirkte eine stärkere Aktivierung des ventrolateralen PFC und verbessert außerdem die Verbindung zwischen ventrolateralem PFC und Amygdala. Alle Veränderungen deckten sich mit den Verbesserungen der Angstsymptome, was auf ursächliche Wirkungen hindeutet. Die zuvor negative Koppelung der Amygdala mit der Aktivität des ventrolateralen PFC, wie sie bei Emotionsverringerung bekannt ist, veränderte sich in eine positive Koppelung. MBSR scheint substantielle Veränderungen in Gehirnregionen zu bewirken, die für die Emotionsregulierung relevant sind.(43)
  • Die funktionale Aktivität der Amygdala verringerte sich und die Konnektivität der Amygdala mit dem präfrontalen Cortex wird verbessert. Zudem erfolgte die Deaktivierung der Amygdala nach emotionalen Reizen schneller.(7)
  • Da MBSR bei AD(H)S erwiesenermaßen sehr wirksam ist, wird diesseits davon ausgegangen, dass eine analoge Verbesserung der Kommunikation zwischen verschiedenen Gehirnbereichen besteht.
    Weitere Untersuchungen belegen Auswirkungen von MBSR auf die neuronale Aktivität.(44)
  • Achtsamkeitsbasierte Meditationstechnik könnte gegenüber Entspannungstraining in Bezug auf eine langfristige Normalisierung der Cortisolreaktion überlegen sein.(45)
  • MBSR scheint die emotionale Selbstregulation von AD(H)S-Betroffenen verbessern zu können.(46)
1.1.4.2. Arten von Achtsamkeitstechniken
  • Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (mindfulness-based stress reduction MBSR) nach Kabat Zinn(47)
  • Eine kombinierte MBCT und MBSR-Therapie zeigte nach 8 Wochen die selben Ergebnisse, wie sie von langanhaltender Meditationspraxis bekannt sind.(7)
  • Stressmanagement (ggf. weniger wirksam als MBSR)(43)
  • Yoga zeigte sich moderat wirksam(48)
  • Meditation(7)
    • Zen-Meditation
      erhöhte langfristig den Serotoninspiegel im Gehirn
    • Bei erfahrenen Meditierern wurde eine Zunahme der kortikalen Dicke in der rechten Insula und den Frontallappen nachgewiesen.(49)
    • Bei mindfulness Meditation wurden bei intensiv meditierenden (täglich 2 Stunden über mehr als 8 Jahre) mehr graue Materie in typischerweise bei Meditation genutzten Gehirnarealen beobachtet. Betroffen sind die rechte Insula, die bei introspektiver Aufmerksamkeit („interoceptive awareness“) beteiligt ist, im linken inferioren temporal Gyrus und im rechten Hippocampus.(50)
  • Biofeedback
  • Entspannungsmassagen
    Massagetherapie bewirkte eine um 31 % verringerte Cortisolantwort auf Stress und einen Anstieg von Dopamin und Serotonin um rund 30 %.(51)
    Massagetherapie soll die Wirkung von Methylphenidat übertreffen können.(52)
  • Shiatsu
  • Qigong
  • Atemtherapie
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Feldenkrais
  • Klangmassagen
  • Bogenschiessen oder anderer Schießsport (mit leichten positiven Effekten bei AD(H)S)(53)
  • Achtsamkeitsapps
    auch fürs Handy, das man ohnehin immer dabei hat, um kleine Pausen nützen zu können.
    Beisipele:(54)

Beispiel einer Achtsamkeitsübung: 100 Atemzüge loslassen

Ablauf:

– Ruhigen Ort aufsuchen, in dem man ungestört ist
– Bequem hinlegen / hinsetzen
– Augen schliessen
– Auf den eigenen Atem achten
– Bei jedem Atem loslassen, von 100 an rückwärts zählen, bis Null, für jedes Atemloslassen eine Zahl.
– Bei jedem Atemloslassen darauf achten, dass der Bauch ganz entspannt loslässt. Und vom Bauch ausgehend, ihm folgend, der ganze Körper mit dem loslassen des Atems entspannt.
(Es gibt zwei Atemtypen: Aktiveinatmer und Aktivausatmer; die jeweilige Passivseite ist das Atem loslassen)
– Bei jedem Atemloslassen die Konzentration darauf lenken, zu fühlen, wie der Bauch sich entspannt
– Während der Übung den Übungstext (unten) rekapitulieren

– Ggf. Hintergrundgeräusch Meeresrauschen (das verdeckt auch möglichen Strassenlärm); ggf Kopfhörer mit Tonaufnahme des gesprochenen Textes, ggf. Ohrstöpsel wenn alleine für sich, und Text still erinnern

In Gruppe:
Leiter spricht Meditationstext;
Länge: Mitmacher halten Augen geschlossen, so lange es funktioniert; Aufhörende öffnen die Augen, warten still oder lesen notfalls was bis die (meisten) anderen fertig sind; Sprecher beendet dann den Vortrag des Meditationstextes

Übungstext:

Du bist hier
Fühle Deinen Körper
Du musst jetzt nichts
Du darfst bei Dir sein
Du darfst jetzt nur Dich fühlen
Du musst nichts anderes tun
Niemand will etwas von Dir
Spüre Deinen Atem
Entspanne beim loslassen des Atmens Deinen Bauch
und mit dem Bauch den ganzen restlichen Körper
Spür wie es sich anfühlt, wenn Dein Bauch sich entspannt
Versuche ganz loszulassen mit jedem Atemloslassen
Da sind Gedanken
Lass sie kommen
Nimm sie wahr
Haben sie eine Farbe, eine Form ?
Schau ihr kommen an
Folge ihnen nicht
Lass sie wieder gehen
Schau ihnen zu, wie sie verschwinden
Du bist hier
Du fühlt Deinen Körper
Du spürst Dich
Falls Unruhe kommt, schau ihr zu
Mach Dir ihren Wunsch bewusst. Was will sie ? Etwas tun zu müssen ? Denken zu wollen ? Probleme anzuschauen ? Was will der Wunsch, der da ist ?
Spüre ihn
Leugne ihn nicht, folge ihm nicht
Du kannst ihn anschauen, beobachten
Spüre den Wunsch
Wie fühlt sich dieser Drang an ?
Hat er einen Klang, einen Geruch ?
Wie fühlt es sich an, ausserhalb dieses Wunsches ?
Du bist entspannt
Und lässt bei jedem Atemloslassen Deinen Bauch los
Und beobachtest was Du gerade fühlst oder denkst
Fühl Deinen Körper
Fühl Deine Gefühle
Beobachte was Du fühlst
Folge dem Gefühl nicht, beobachte es nur
Und lass es wieder gehen
Wenn Unruhe kommt, beobachte, wie sie kommt
Ruf sie nicht her
Falls sie da ist, nimm sie wahr, spüre sie
Folge ihr nicht
Wie fühlt sie sich an ?
Hat sie einen Klang, eine Bewegung ?
Schau sie an
Sie darf sein
Sie hat kein Recht Dich zu bestimmen
Lass sie wieder gehen
Du bist hier
Fühle Deinen Körper
Du musst jetzt nichts
Du darfst bei Dir sein
Du darfst jetzt nur Dich fühlen
Du musst nichts anderes tun
Niemand will etwas von Dir
Alle Gedanken, die kommen, können warten
wenn sie wichtig sind, kommen sie wieder
Jetzt bist Du das Wichtigste
Alles andere hat später seine Zeit

(fortfahren)…

Die Übung zielt darauf ab, dass Gefühle/Gedanken/Innere Unruhe nicht geleugnet = nicht unterdrückt werden.
Es ist leichter, etwas nicht zu folgen, das nicht unterdrückt wird. Dies erfordert naturgemäss eine innere Position ausserhalb des Drucks.
ES wünscht, das Gefühl / der Gedanke sind da – und sie bestimmen mich bin nicht.
Ich bin neben ihnen, nicht durch sie.
Gefühle / Gedanken sind da und sie sind nicht ich.
Sie sind ein Teil von mir, und nur ein Teil.
Ich bin nicht diese Gedanken und Gefühle, ich habe sie.
Ich habe sie, nicht sie haben mich.

Die Fragen nach Farbe, Form, Klang zielen darauf ab, Gefühle und Gedanken als etwas von aussen, als etwas Drittes zu betrachten, sie dadurch von sich zu trennen und nicht von ihnen gesteuert zu werden.

Die Lernschritte sollen / könnten sein:
Wahrnehmen lernen, sich alternativ und getrennt von diesen Gedanken und Gefühlen wahrzunehmen und zu fühlen, zu spüren. Dieses „mich“ als Alternative sicher fühlen lernen.
Die Alternative sicher hervorrufen lernen.
Die Alternative stärken, bis sie grössere Option ist.
Die Alternative so weit wachsen lassen, dass man sie als Basis fühlen, spüren und irgendwann dauerhaft leben kann.

Trainingsweg:
(Heranführen an Transformation in Tagesablauf)

  • Erste Male mit optimaler Medikamentierung
  • Steigerung der Schwierigkeit je nach Fortschritt mit immer weniger / am Rand/ Ende der Medikamentenwirksamkeit
  • bis ohne Medikamente (falls möglich)
  • anfangs in eigenem Ritual, an bestimmtem, ruhigen Ort, ggf. zu fester Zeit
  • später immer weniger abgeschottet, auch mal spontan
  • bis hin zu mitten im Tagesablauf

1.1.5. Neurofeedback (+++)

⇒ Neurofeedback als AD(H)S-Therapie

Quellen(55)(56)(57)

  • bei AD(H)S gut bis sehr gut geeignet
  • nach diesseitiger Auffassung die einzige Therapieform mit Heilungscharakter, da die Selbststeuerungsmechanismen des Gehirns dauerhaft verbessert werden können
  • nach diesseitiger Auffassung sind längere Behandlungen erforderlich als typischerweise empfohlen
  • insbesondere eine Kombination von Frequenzbandtraining und nachfolgendem SCP-Training scheint sehr gute Ergebnisse zu bewirken.
  • Neurofeedback-Trainingsarten
    • SMR-Training
      wirkt auf entspannte Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität
    • Theta-Beta-Training
      wirkt auf Konzentration, gespannte Aufmerksamkeit
    • Alpha-Training
      wirkt auf Entspannung, Schlafprobleme
    • SCP-Training
      Trauung der langsamen Kortikalen Potenziale
      wirkt auf Aktivierung (bei ADS) und Herunterregulierung (bei ADHS)
      sehr anstrengend, bei Durchführung aber auch sehr hilfreich
  • Neurofeedback verbesserte in einer kleinen Studie das visuelle Gedächtnis, das akustische Kurzzeitgedächtnis und das auditorische Arbeitsgedächtnis, nicht aber die Wahrnehmungsorganisation.(58)
  • Neurofeedback ist jedoch kein Ersatz für eine Behandlung mit Medikamenten (insbesondere in den ersten Jahren), sondern eine Ergänzung der Therapie, die den Medikamentenbedarf verringern kann.
  • Verschiedene Therapieformen verbesserten bei AD(H)S laut einer Metastudie verschiedene Symptome (SMD: standard mean difference; höher ist besser: bis 0,5 niedrig bis mittel, bis 1 mittel bis hoch, ab 1 hoch)(15)
    • Depression
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,52 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv etwas besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • DBT
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, schlechter als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, noch schlechter als DBT
    • Angstsymptome
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,73 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,74 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Selbstwert
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • 1,404 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • Neurofeedback
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv langfristig besser wirksam als Kognitive Verhaltenstherapie
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich unwirksam
        • subjektiv mässig wirksam, langfristig unwirksam
      • DBT
        • völlig unwirksam
    • Lebensqualität
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • im Gruppenvergleich unwirksam bis gering wirksam
        • 0,57 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • subjektiv kurzfristig sehr gut
      • DBT
        • im Gruppenvergleich kurzfristig sehr gut, langfristig unwirksam
        • subjektiv kurzfristig mässig wirksam, langfristig schwach wirksam
    • emotionale Dysregulation
      • Kognitive Verhaltenstherapie (mittlere bis größere Effektstärke)
        • 0,64 SMD im Follow-Up im Gruppenvergleich
        • 0,73 SMD im Follow-Up subjektiv für Betroffenen
      • MBSR
        • im Gruppenvergleich kurzfristig schwach wirksam, langfristig nicht bekannt
        • subjektiv kurzfristig sehr gut wirksam, langfristig nicht bekannt

Eine grossangelegte Metauntersuchung fand keine ausreichenden Belege für eine Wirksamkeit von Neurofeedback bei AD(H)S.(25)

1.1.6. Selbsthilfegruppen (++)

1.1.7. Umfeldinterventionen (++)

  • Elterntraining
    • bei Kindern mit AD(H)S scheint ein Elterntraining hilfreich zu sein. Dies betrifft wohl insbesondere Kinder mit ODD(59) und junge Kinder.(60)
  • Interventionen in Schule/Kindergarten
  • Umfeldanpassung
    • geeigneter Job
      • genug Interesse weckend, um Hyperfokus zu aktivieren
      • genug Abwechslung, um Aufmerksamkeit wach zu halten(61)
      • ADHS: häufig mit körperlicher Bewegung
      • ADS-Sub-Subtyp „Sluggish“: keine schnellen Entscheidungen
        (Sluggish hat nichts mit geringerer Intelligenz zu tun)
    • geeignete Arbeitsumgebung
      • den Bedürfnissen des Betroffenen entsprechend
        • Nebengeräusche
          Jeder Mensch braucht sein spezifisches Mass an Arousal (Erregung, Anregung).(62)(63)
        • Auch wenn Novelty Seeking und Neugierverhalten (auch genetisch) mit Impulsivität korrelieren(64), dürfte es für die meisten ADHS-Betroffenen wichtig sein, das Arousal zu reduzieren, für ADS-Betroffene dagegen, das Arousal zu erhöhen.
    • Arousal stimulieren
      • gezielte (leise) Hintergrundmusik
        manche Menschen können nur damit lernen
      • im Hintergrund laufender Fernseher
        wenn Geräusche / Bilder ablenken: ausschalten
      • Motivationselemente
        • (sehr wichtig, da AD(H)S-Betroffene sich grundsätzlich genau so intensiv konzentrieren können wie andere. Nur können sie diese Konzentration nicht kontrolliert hervorrufen und erst recht nicht steuern. Dies ist keine Nachlässigkeit oder Faulheit.
        • Intrinsische Motivation statt extrinsischer Motivation: der zentrale Schlüssel
        • Belohnungen
        • Wettbewerb mit anderen
          • Ziele anderen mitteilen (Commitment / Selbstverpflichtung schaffen)
        • Betroffenen kein schlechtes Gewissen machen
          • kein: Du kannst doch, wenn Du willst
          • kein: Du musst Dir nur mehr Mühe geben

Beispiele

Friedmann berichtet von Betroffenen, die ihre AD(H)S-Symptome verloren haben, nachdem sie eine Arbeitsumgebung gefunden hatten, die ihrer Konstitution entsprach: kurze Aufmerksamkeitsspannen, häufige Aktivierung, eigenständige Arbeitsorganisation. Auch wir kennen Fälle, die in der für sie genau passenden Umgebung aufblühten. Dies bedeutet nicht, dass nur jeder Betroffene seine geeignete Umgebung finden müsse, um dann kein AD(H)S mehr zu haben. AD(H)S bedeutet, dass die Wahl, welche Umgebung geeignet ist, extrem eingeschränkt ist. Die wenigsten Betroffenen werden sich ihre Welt so zurechtbauen können.
Nach diesseitiger Auffassung muss indes noch ein Element hinzutreten: echtes Interesse. Erst wenn dieses echte eigene Interesse anspringt, sind AD(H)S-Betroffene in der Lage, ihre Aufmerksamkeitsprobleme zu beheben.
Friedmann weist darauf hin, dass die verringerte Anzahl von Dopamin D2 und D3 – Rezeptoren im Belohnungszentrum des Gehirns bei AD(H)S-Betroffenen dazu führt, dass weniger Dinge (be)lohnend, also ausreichend spannend gefunden werden, als bei Nichtbetroffenen. Die Wahl einer spannenden Umgebung erfordert daher zwingend, dass es sich um etwas handelt, dass für den jeweiligen Betroffenen von (so) hohem Interesse ist, dass das Belohnungszentrum „anspringt“ und die Aufmerksamkeit des Betroffenen geweckt wird. Der Satz „Du kannst doch, wenn Du willst“, ist zwar völlig richtig, aber nicht so, wie er meist missverstanden wird. Nur wenn man versteht, dass der Wille der Betroffenen nicht völlig frei wählbar ist, sondern davon abhängt, dass das Beschäftigungsthema so interessant ist, dass das Manko der verringerten Anzahl von D2 und D3 Dopaminrezeptoren nicht mehr zum tragen kommt, wie an Betroffenen es schaffen, „zu können“ was sie wollen: indem sie etwas tun, was sie wirklich wirklich interessiert. Dieser Mechanismus erklärt gut, warum eine extrinsische Motivation (äusserer Druck) nichts hilft, wenn etwas nicht interessant genug ist. Äußerer Druck kann viel bewirken – Dopaminrezeptoren lässt er jedoch nicht wachsen.
Und trotzdem ist auch dies keine Rechtfertigung, dass das eigene AD(H)S ja gar nicht so schlimm sei, man habe ja nur nicht das gefunden, was einen interessiere. Man könnte AD(H)S so gesehen auch als extreme Einengung der Interessenlage definieren.

      • Nebenbeschäftigung
        • stricken
        • zeichnen
        • Musik hören
          manche Menschen müssen nebenher etwas „tun“, um sich konzentrieren zu können. Dies leitet die innere Spannung ab.
          Die Nebenbeschäftigung dient dazu, das Arousal zu optimieren. Dies ist dann kein Zeichen von Desinteresse oder Respektlosigkeit, sondern ein Mittel um Aufmerksamkeit und Konzentration zu erhöhen
      • Umzug in stressarme Umgebung
        Menschen, die in Armutsvierteln leben, sollen stressbedingt ein höheres Körpergewicht haben als Menschen, die in wohlhabenderen Wohngebieten leben. Bei einem Umzug passt sich das Körpergewicht dem der neuen Umgebung an.(65) Dies könnte als Folge einer Stressreaktion oder Stressverringerung interpretiert werden, kann aber auch als Anpassung an die Hauptumgebung verstanden werden.
    • Ablenkung reduzieren
      • Vermeidung zu lauter, hektischer, anstrengender, intensiver Situationen
        Wer stressempfindlich ist, sollte stressauslösende Situationen meiden.
        Diese selbstverständlich klingende Tatsache wird erstaunlich häufig missachtet, sei es aufgrund mangelnder Kenntnis der Zusammenhänge oder aus schlechtem Gewissen.
        Dabei ist es wie mit der Temperatur: man sollte nicht frieren, wenn das Thermometer es sagt, sondern wenn einem kalt ist.
      • Helligkeit
        • Rolladen runterlasssen
      • Temperatur
        • nach eigenen Bedürfnissen regulieren
      • Lärm / Stimmen / … reduzieren
        • sehr stille Umgebung
        • Ohrstöpsel
        • Lärmschutzkopfhörer
      • eigener Arbeitsraum(66)
        • kein Grossraumbüro !
        • kein Durchgangszimmer !
        • kein offenes Büro !
      • Mails
        • Abruf auf bestimmte Zeiten beschränken
        • Pop-Ups für eingehende Nachrichten deaktivieren
        • Mails und andere Nachrichten am Handy nur nach aktivem Abruf sichtbar, nicht automatisch auf Bildschirm
      • Sitzplatzausrichtung am Arbeitsplatz
        • (geschlossene) Tür im Blick
        • keine Fenster im Rücken
        • Geschehnisse im Raum / im Fenster in Blickrichtung durch Vorhänge / transparente Blickschutzfolie ausblenden
        • viel Tageslicht(67)
        • geschlossener Raum
    • Lernmethoden optimieren / anpassen
      • kurze Lernabschnitte mit häufigen Pausen
      • z.B.: Vokabeln lernen;
        • max 10 Stück so oft bis sie ganz sicher sitzen, erst dann weitere
        • alle Sinne einsetzen: leise lesen, laut lesen, abschreiben etc.
        • weitere Vokabeln erst nach Pause
      • gehen beim lernen
        gleichförmige Bewegung optimiert bei manchem Menschen die Aufnahmefähigkeit erheblich; Bewegung verringert Stress und erhöht neurotrophe Faktoren im Gehirn, die für Neuroplastizität (Ausbildung neuer Synapsen, lernen) erforderlich sind
      • 30 Minuten körperlich intensives austoben vor dem Lernen (insb. ADHS-Subtyp)
      • geeignete Arbeitsmethoden
        • Selbständigkeit
          für interessante Tätigkeiten kommen manche Betroffene (insb. ADHS) als Selbständige besser klar als als Angestellte, weil intrinsische Motivation das Arousal optimiert
          bei uninteressanteren Tätigkeiten wäre das indes eher nachteilig, weil Eigenantrieb / Eigenstruktur zu gering
        • Interessante Tätigkeit
          Die mangelhafte extrinsische Motivierbarkeit macht es für AD(H)S-Betroffene um ein vielfaches wichtiger als für Nichtbetroffene, eine für sie wirklich spannende Aufgabe zu finden
        • ADS: strukturierte Arbeitsaufgaben, klare Ansagen, enge Kontrollen
          Beispiel:
          Ein Betroffener schied mit 50 Jahren nach glanzvoller Karriere bei den US-Marines aus. Im Zivilleben kam er nicht zurecht und scheiterte. Ein Jahr nach dem Ausscheiden erhielt er seine AD(H)S-Diagnose.
        • Gut strukturierter Alltag mit regelmässiger Ablösung von Aktivität und Entspannung kann Stabilisierung des Noradrenalinhaushalts durch Eigenaktivierung unterstützen (siehe unten: genügend Pausen machen)
    • Stressquellen vermeiden / abstellen
      • Selbst bei Persönlichkeitsstörungen (die wie AD(H)S meist durch frühkindliche massive Stressbelastung in Verbindung mit anderen genetischen Dispositionen auf einer chronifizerten Überreaktion des Stressregulationssystems basieren) fand eine Langzeitstudie (n = 733) überraschend bei mehr als 50 % der Betroffenen einen Rückgang der Symptome innerhalb von 2 Jahren für einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten. Bei Borderline wurde dies bei 10 % der Betroffenen innerhalb von 6 Monaten beobachtet, meist nachdem massiv belastende aktuelle Lebensumstände (belastende Beziehung) beseitigt wurden. Gleichwohl blieben erhebliche Diagnosekriterien sehr konstant bestehen (stärker als bei schweren Depressionen), sie erreichten jedoch nicht mehr die erforderliche Schwere für eine Diagnose.(68)
    • Stressabbau fördern
      • Bereits eine Stunde längeren Schlaf reduziert den morgendlichen Cortisolspiegel um 21 %(2)(69)
      • Bei Schlafstörungen:
        • Schlafrhythmus nach hinten verschieben
          Einschlafen und Aufstehen nach hinten verschieben
          Dies könnte für Betroffene mit hohem Stresspegel unmittelbar beim Aufwachen (z.B. Angstzuständen) einen Versuch wert sein
          Frühes erwachen korreliert mit hohem Cortisolspiegel(2)(69)
        • Zu Schlafproblemen hier mehr

1.1.8. (Aerober) Sport, Ausdauertraining (+/++)

  • für viele Betroffene, insbesondere ADHS-Subtyp und Mischtyp, ist regelmäßiger intensiver Sport (auspowern) essentiell
    • Sport ist stresspräventiv.(70)
    • Trainierte Männer zeigen auf psychische Stressoren (TSST) im Vergleich zu untrainierten Männern:(71)
      • erheblich geringere Cortisolstressantwort (bei gleichem basalen Cortisolniveau)
      • erheblich geringeren Herzratenanstieg
      • deutlich höhere Ruhe, bessere Stimmung und tendenziell geringere Ängstlichkeitsreaktionen auf die psychische Stressbelastung
    • Sport baut Cortisol ab
    • Depression
      • Bewegung verbessert die Stimmung
        Selbst bei Menschen, denen die Bewegung unangenehm erscheint, wirkt ein halbstündiger Spaziergang stimmungaufhellend
      • Aerober Sport wirkt antidepressiv.(72)
    • Angst
      Aerober Sport wirkt anxiolytisch.(72)
    • Sportliche Bewegung erhöht die Dopaminbildung.(73)
      • Dies kann eine Behandlung unterstützen, jedoch nicht ersetzen.
    • Sportart nach persönlichen Vorlieben
      • Kickboxen / Kampfsport zum Abbau innerer Spannungen und Dopaminbildug
      • Bogenschiessen / Yoga zum Stressabbau
    • Regelmäßige körperliche Bewegung(74)
      • verringert die Entzündungswerte
      • verringert oxidativen Stress
      • verringert Stresshormonen
        (während Sportwettkämpfe die vorgenannten drei Werte erhöhen)
      • erhöht die Telomerase-Aktivität bei Mensch und Maus, was den Verhaltensänderungen durch stressbedingte Telomerverkürzung entgegenwirkt.
    • aerober Sport verbesserte auch die kognitive Leistungsfähigkeit bei AD(H)S(75)(72) deutlich(76)
    • Eine (sehr kleine) Studie fand eine deutliche Verbesserung der AD(H)S-Symptome insgesamt durch Bewegungstraining.(77)

1.1.9. Genügend Pausen machen

  • Pausen dienen nicht nur dazu, sich zu erholen und die Menge der Reize, denen man ausgesetzt war, abfließen zu lassen:
    Ein klar strukturierter Tagesablauf, bei dem sich Aktivität und Pausen sinnvoll abwechseln, kann das noradrenerge System trainieren und die Produktion von Noradrenalin wieder normalisieren.(78)
  • Dies schliesst an den Hinweis von Scheidtmann an, dass noradrenerge Medikamente (z.B. Antidepressiva) bei der motorischen Rehabilitation (dann) nicht helfen, wenn sie als Dauermedikamention benutzt werden, da trizyklische Antidepressiva die noradrenergen Rezeptoren dauerhaft stimulieren und dies dazu führt, dass die Sensitivität des Rezeptors (insbesondere in Bezug auf Lernvorgänge) dadurch verloren gehe.(79)
    Dies deckt sich mit der Erfahrung zum Einsatz noradrenerg wirksamer trizyklischer Antidepressiva bei AD(H)S. Hier wird oft berichtet, dass anfangs eine sehr gute Ansprache besteht, die bei anhaltender Medikamentierung jedoch nachlässt.
  • Pausen können der Hyperaktivität von AD(H)S entgegenwirken.(66)

1.1.10. Psychoedukation (++)

Quelle(80)

  • (ggf. fachlich geleitete/begleitete) Selbsthilfegruppen
  • Bücher, Seminare, Vorträge

    Wissen über AD(H)S hilft Betroffenen in mehrfacher Hinsicht
    • Wer bin ich, was an mir ist AD(H)S ?
      Zu erkennen, welche Symptome aus AD(H)S stammen, und dass diese behandelbar sind, erleichtert die Feststellung der eigenen Persönlichkeit: wer man „eigentlich“ ist, ohne dieses AD(H)S. Diese Differenzierung hilft dabei, sich selbst annehmen zu lernen und die AD(H)S-Symptome als etwas zwar mitgegebenes, aber nicht unveränderbares zu begreifen. Dies ist hilfreich für das oft sehr beeinträchtigte Selbstwertempfinden der Betroffenen.
    • Umgang erfordert Wissen
      Die Symptome, ihre Ursachen und ihre Auswirkungen zu verstehen, ermöglicht einen hilfreichen Umgang damit, insbesondere:
      • Die Wahl geeigneter Behandlungsmethoden
      • Umfeldinterventionen (siehe oben)
    • Verständnis Anderer
      Zu wissen, was AD(H)S ausmacht, wie es Wahrnehmung und Handlung beeinflusst, hilft beim Verständnis anderer Menschen. AD(H)S-Betroffene, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes als normal kennen, eben so zu fühlen und zu handeln, können dadurch erkennen, warum andere Menschen dort anders fühlen und handeln, wo diese keine AD(H)S-Symptome haben.
    • Wissen erleichtert Erneuerung des Selbstkonzeptes
      Ein Betroffener, der ein Leben lang Ablehnung erlebt hat, weil er nicht so ist, wie er sein sollte, kann durch das Verständnis, dass die meisten negativen Reaktionen nicht durch ihn selbst, sondern durch AD(H)S ausgelöst wurden, beginnen, das bis dahin meist völlig zerstörte Sebstwertgefühl neu aufzubauen(81)
    • Grenze: Negativen Bias verneiden
      Die Gefahr selbsterfüllender Prophezeihungen sollte erkannt und vermieden werden.
      Eine unreflektierte Identifikation mit den AD(H)S-Symptomen ist schädlich.
      Man ist nicht AD(H)S – man hat AD(H)S.
      Kein AD(H)S-Betroffener hat alle Symptome des Clusters.
    • Vorteile von AD(H)S nutzen
      Unter manchen bestimmten Umständen und Aspekten sind AD(H)S-Betroffene gegenüber Nichtbetroffenen im Vorteil. Diesen Vorteil kann man nur nutzen, wenn man die Bedingungen kennt, unter denen die Vorteile greifen.

  • Copingtechniken 
  • Suchttherapien
    • Suchtthema erkennen
      • Nikotin, Koffein, Alkohol, Drogen, Sex, Sport, Internet, Arbeit, Hochrisikoverhalten, …
    • kurzfristige / langfristige Konsequenzen erkennen
  • Nahrungsmitteldiät 
    näheres hierzu unter Ernährung und Diät bei AD(H)S

1.1.11. Ernährung und Diät

Nahrungsmittelunverträglichkeiten adressieren die Stressregulationssysteme ebenso wie psychischer Stress oder Krankheiten.
Es gibt keine spezifischen Nahrungsmittel, die AD(H)S auslösen. Besteht jedoch eine individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeit, sollte diese diätisch behandelt werden.

Daneben gibt es Hinweise, dass Omega-3-/Omega-6-Fettsäuren eine Behandlung von AD(H)S unterstützen kann. Dies betrifft jedoch nicht alle Betroffenen und die Effektstärke ist so gering, dass dies lediglich augmentierend (ergänzend) zu einer effektstarken Behandlung empfohlen werden kann.
Näheres hierzu unter Ernährung und Diät bei AD(H)S sowie unter ⇒ Effektstärke verschiedener Behandlungsformen von AD(H)S.

1.1.12. Reichlich trinken

Ein erhöhter Durst und eine deshalb erhöhte Wasseraufnahme ist ein häufig beobachtetes Stresssymptom.(82) Da Stress darauf abzielt, den Blutdruck zu erhöhen, um den Körper optimal auf Kampf oder Flucht vorzubereiten, ist eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme ein unmittelbar sinnvolles Instrument.(83) Flüssigkeitsaufnahme verringert die Stressreaktion deutlich.(84)

1.1.13. Therapie-Computerspiele

In den letzten Jahren ist das Thema Computerspiele zum Zwecke der therapeutischen Nutzung in den wissenschaftlichen Fokus gelangt.
Grundsätzlich sollen AD(H)S-Symptome durch Therapie-Computerspiele verbessert werden können, z.B.

Für AD(H)S sind bislang kaum Therapie-Computerspiele bekannt geworden.

1.1.13.1. Plan-It Commander

Das Therapie-Computerspiel „Plan-It Commander“ wurde / wird von den Autoren der nachfolgend genannten Studien selbst entwickelt(86), so dass die Beurteilung der Wirksamkeit durch unabhängige Untersuchungen abzuwarten ist. Die Symptome, die in nicht verblindeten Untersuchungen dadurch verbessert worden sein sollen, sind

  • Zeitmanagement (Spiel: Plan-It Commander; Elternbeurteilung)(87)
  • Verantwortlichkeit (Spiel: Plan-It Commander; Elternbeurteilung)(87)
  • Arbeitsgedächtnis (Spiel: Plan-It Commander; Elternbeurteilung)(87)
  • Planungs- und Organisationsfähigkeiten (Spiel: Plan-It Commander; Elternbeurteilung)(88) bei Mädchen insgesamt und bei Jungen mit starker Störung des Sozialverhaltens und niedriger Hyperaktivität.
1.1.13.2. RECOGNeyes

Eine kleine Untersuchung fand, dass AD(H)S-Betroffene, die das Spiel RECOGNeyes mit den Augen steuerten, Verbesserungen in Bezug auf

  • Impulsivität
  • Reaktionszeit
  • Fixationsblickkontrolle

zeigten, während die Kontrollgruppe, die das Spiel mit der Maus steuerte, keine Verbesserungen zeigte.(89)

1.1.13.3. Empowered Brain

Eine sehr kleine Vorstudie zeigte, dass Autismus-Spektrums-Betroffene die Spielanteile von Empowered Brain um so besser absolvierten, je höher ihre AD(H)S-Symptome waren.(90) Die Software scheint eher unter dem Aspekt der Diagnostik entwickelt zu werden.

1.1.13.4. Computer-Therapiespiele für andere psychische Störungen

Für andere Therapieziele sind einige Therapiespiele bekannt, z.B.:

  • Nevermind(91)
    • Stress
    • gemessener Stress (Angst, Traumaantworten) erschwert die Spielbedingungen
    • keine „offizielle“ medizinische Anwendung
    • wird durch Biofeedback mit gesteuert
  • Elude(92)
    • Depression
    • Elude will das Bewusstsein für Depressionen wecken und darüber informieren. Es ist dazu gedacht, im klinischen Kontext als Teil einer Psycho-Edukation eingesetzt zu werden, um das Verständnis von Freunden und Verwandten über Menschen, die an Depression leiden, über das, was ihre Angehörigen durchmachen, zu verbessern.
  • Schatzsuche(93)(94)
    • Angst, Aggression, Depression
    • spezifisch für therapeutische Zwecke erstellt
      • evaluiert an 200 Kindern durch 41 Therapeuten
      • unterstützt die therapeutische Arbeit
    • für Kinder von 9 bis 13 Jahren
    • Ziele:
      • zwischen Gedanken, Gefühlen und Verhalten unterscheiden lernen
      • negative Gedankenmuster durch positive ersetzen
  • Depression Quest(95)
    • Depression
    • in einem wählbaren Abenteuer versucht der Spieler als Depressiver die Krankheit, den Job, Beziehungen und sogar die Behandlung in ein Gleichgewicht zu bringen.
  • Actual Sunlight(96)
    • Depression
    • Eine kurze interaktive Geschichte über Liebe und Depression.
    • Für Kinder nicht geeignet
  • Sym(97)
    • Soziale Phobie wird in diesem Spiel thematisiert
  • Rage Control(98)
    • Aggression
    • entwickelt von der Kinderklinik Boston
    • nutzt aktives Biofeedback
  • Boson X
    • Depression
    • kommerzielles, nicht therapieorientiertes Spiel
    • streitig, ob dieses bei Depressions-Betroffenen die grüblerischen Phasen reduziert(99)(100)
  • Tetris
    • Traumaprävention
    • nicht therapieorientiertes Spiel
    • Nutzung innerhalb der ersten 6 Stunden nach einem potentiell traumatisierenden Erlebnis, nachdem die Spieler gebeten wurden, sich an das Ereignis zu erinnern, verringert Risiko der Traumatisierung(101)
      • Nach unserer nicht verifizierten Hypothese dürfte jedoch jede geistige Beschäftigung und jeder Medienkonsum, die eine leichte (!) geistige Beschäftigung bieten (Unterhaltungssendungen, Unterhaltungsfilme ohne Dramen, leichte Videospiele ohne soziale oder gewalttätige Komponenten), als Traumaprophylaxe geeignet sein, sofern diese vor dem ersten Schlafen nach dem Ereignis genutzt werden. Selbstverständlich dürfen die Inhalte thematisch nicht das Ereignis tangieren.
        Nach unserer Vorstellung werden durch nachfolgenden „leichten“ Medienkonsum die potentiell traumatisierenden Erlebnisse im Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis (zumindest teilweise) „überschrieben“ oder „relativiert“, bevor sie im Schlaf über den Hippocampus in das Langzeitgedächtnis überführt werden können. Vor diesem Hintergrund könnte es vorteilhaft sein, den ersten Schlaf nach einem potentiell traumatisierenden Ereignis möglichst lange hinauszuzögern, einen reichlichen wenig bedeutsamen Medienkonsum zu fördern und ggf. Medikamente zu geben, die die Aktivität des Hippocampus reduzieren.

1.1.14. Webbasierte Unterstützung / App-basierte Unterstützung

Eine Metastudie fand 10 Untersuchungen, von denen 6 eine positive Wirkung webbasierter Unterstützungstools für junge AD(H)S-Betroffene fanden. Die 4 Untersuchungen, die keinen positiven Nutzen feststellten, betrafen alle Apps.(102)

1.1.15. Schachtraining / Go-Training / Brettspiele

Eine kleine Untersuchung fand eine Verbesserung der AD(H)S-Symptomatik im Zusammenhang mit dem IQ durch ein 11-wöchiges Schachtraining.(103) Die Effektstärke betrug 0,85 bei Beurteilung durch die Eltern, was die Belastbarkeit einschränkt.
Eine andere Untersuchung fand eine vergleichbare Wirkung von GO, wobei Unaufmerksamkeit verbessert wurde, nicht aber Hyperaktivität.(104) Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen konnten nicht in Effektstärken umgerechnet werden.(105)

1.2. Therapieansätze bei AD(H)S, deren Wirkung nicht gesichert ist

  • Ergotherapie
    Wirksamkeit bei AD(H)S sei begrenzt auf schulvorbereitende Behandlung der Feinmotorik(106)
  • Hämenzephalographietraining
    Wirkung noch nicht anerkannt, erste Untersuchungen.(107)
  • Selbstinstruktionen
    Wirkung streitig.(108)
  • Neurostimulation(109)
    • Trigeminus-Stimulation
      Erste positive Ergebnisse.(110)
      Eine weitere neue Veröffentlichung zu diesem Thema konnte bislang noch nicht eingesehen werden.(111)
      Ein erstes Gerät zur Trigeminusstimulation wurde von der FDA zugelassen. In einer Doppelblind-Placebo-Studie verbesserte das Gerät bei Kindern zwischen 8 und 12 Jahren die AD(H)S-Symptome binnen 4 Wochen signifikant.(112)
    • Transkranielle Magnetstimulation / Transkranielle Gleichstromstimulation
      Wirkung noch nicht anerkannt, erste Untersuchungen:(107)(113)
      Hinweise auf positive Wirkung überwiegen.(114)
  • (Klassische) Musik hören zur Stimmungsverbesserung
    • Eine Untersuchung fand, dass 10 Minuten Mozart zu hören (Mozart piano sonata for four hands, KV 440) die Stimmung bei AD(H)S-Betroffenen wie Nichtbetroffenen verbesserte im Gegensatz zu Probanden, die 10 Minuten Stille absolvierten.(115) Dies belegt keine AD(H)S-spezifische Behandlungsmethode.
  • App-gestützes Aufmerksamkeits- und Organisationstraining
    • Eine Untersuchung berichtet von einem Handy-App-gestützten Training von Aufmerksamkeit und Organisation, dass bei Erwachsenen mit AD(H)S bei einem Drittel zu relevanten Verbesserungen geführt habe.(116)
    • Eine Metaanalyse von 2019 fand keine weiteren Untersuchungen über eine Behandlung von AD(H)S mittels spezifischer Apps(117)
  • Organisationsfähigkeitentraining 
    • bei SCT bewirkte ein Training der Organisationsfähigkeiten keine Verbesserung von SCT-Symptomen aus der Sicht der betroffenen selbst. Lediglich aus der Sicht der Eltern ergaben sich Verbesserungen mit einer Effektstärke von ca. 0,5.(118)
      Elternbewertungen sind hochgradig anfällig, in Richtung gewünschter Ergebnisse gelenkt zu sein. Dieser Bias ist um so stärker, je grösser der investierte Aufwand ist.
  • Hausaufgabenunterstützung
    • bei SCT bewirkte eine Hausaufgabenunterstützung keine Verbesserung von SCT-Symptomen aus der Sicht der betroffenen selbst. Lediglich aus der Sicht der Eltern ergaben sich Verbesserungen mit einer Effektstärke von ca. 0,5.(118)
      Elternbewertungen sind hochgradig anfällig, in Richtung gewünschter Ergebnisse gelenkt zu sein. Dieser Bias ist um so stärker, je grösser der investierte Aufwand ist.

1.3. Therapieansätze, die gesichert unwirksam sind

  • Phosphatdiät (Hafer)
    Mehr hierzu unter Ernährung und Diät bei AD(H)S
  • Bestimmte Nahrungsmittel / Lebensmittelzusatzstoffe bestimmter Stoffe als alleinige kausale Ursache von AD(H)S
    Nahrungsmittelunverträglichkeiten allgemein (jeweils individuell unverträgliche Stoffe) können jedoch das Stresslevel so erhöhen, dass latente psychische Störungen (z.B. auch AD(H)S) in Erscheinung treten können oder bestehende Störungen verstärkt werden.
    Mehr hierzu unter Ernährung und Diät bei AD(H)S

2. Multimodaler Therapieansatz

Als multimodale Therapie wird eine Kombination einschlägiger Behandlungsmöglichkeiten bezeichnet. Bei AD(H)S wird sinnvoller Weise eine Kombination von Medikamenten, Psychotherapie und ggf. weiteren Behandlungsmöglichkeiten angewendet. Multimodale Behandlung verbessert die AD(H)S-Symptomatik.(119) Dies überrascht indes nicht. Relevant wäre alleine ein Vergleich zu rein psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung.

3. Behandlungskonzepte, Behandlungsmanuale, Leitlinien

Quelle: Schmidt, Petermann(120)

  • Gruppentherapiemanual «Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter» (Hesslinger et al., 2004)
    Adaption des Dialektisch-Behavioralen-Borderline-Therapiekonzepts auf AD(H)S
  • Behandlungsmanual zur ADHS im Erwachsenenalter (Lauth, Minsel, 2009)
    Für Einzelpersonen und Gruppen
  • Psychoedukations- und Coachingmanual ADHS im Erwachsenenalter (D’Amelio et al., 2009),
    Praktische Anleitung zur Behandlung von ADHS- und Angehörigengruppen
  • Training bei ADS im Erwachsenenalter (TADSE) (Baer & Kirsch, 2010)
  • Therapieprogramm Kognitive Verhaltenstherapie der ADHS des Erwachsenenalters (Safren et al.,2009)
    Kognitive Techniken zur Einzeltherapie
  • Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte (S3) Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“

4. Subtypenspezifische Behandlung

Bislang sind wenige Behandlungskonzepte bekannt, die zwischen den verschiedenen Subtypen von AD(H)SADHS und Mischtyp (mit Hyperaktivität) einerseits und ADS (ohne Hyperaktivität andererseits – unterscheiden.

Nach diesseitiger Ansicht leidet der ADHS- / Mischtyp daran, dass das Stresssystem der HPA-Achse dauerhaft überaktiviert ist und aufgrund zu geringer Cortisolantwort auf akuten Stress nicht wieder heruntergefahren wird, während der ADS-Subtyp an einer überintensiven Neurotransmitter- und Stresshormonantwort auf akuten Stress leidet, was zwar durch die hohe Cortisolantwort zu einem regelmässigen wieder-herunterfahren der HPA-Achse führt, jedoch durch die parallel überhöhte Noradrenalinausschüttung den PFC zugleich herunterfährt und dadurch Denkblockaden und Entscheidungsunfähigkeit auslöst.

Bei ADHS ist Achtsamkeit nach diesseitiger Auffassung besonders wichtig, um überhaupt erst eine Therapiefähigkeit zu erreichen. Der bei ADHS (mit Hyperaktivität) dauerhaft erhöhte Stresslevel ist so stark erhöht, dass Achtsamkeit (MBCT, MBSR, Meditation, Yoga …) geradezu aversiv ist.

Zuletzt aktualisiert am 09.11.2019 um 00:35 Uhr


20.)
24.)
Böhm (2010/2012): Erfahrungen mit “SynestheticProcessing”/emoflex©, Heft 4/2010 „neuenAkzente“ des ADHS Deutschland e.V., insb. 2. Artikelhälfte - (Position im Text: 1)
30.)
Müller, Candrian, Kropotov (2011): ADHS – Neurodiagnostik in der Praxis, Springer, Seiten 24 und 108 mit weiteren Nachweisen - (Position im Text: 1)
56.)
Strehl (2014): Hyperaktivität heilen – Interview mit Dr. Ute Strehl – FUTUREMAG – ARTE; Fernehinterview 14.06.2014; Kurzfassung - (Position im Text: 1)
70.)
Bieger (2011): Neurostress Guide, Seite 7 - (Position im Text: 1)
73.)
Simchen, Helga: http://helga-simchen.info/Thesen-zu-ADS; dort: was bewirken die Botenstoffe ? - (Position im Text: 1)
84.)
Rensing, Koch, Rippe, Rippe (2006): Der Mensch im Stress; Psyche, Körper, Moleküle; Elsevier Spektrum (heute: Springer), Kapitel 4: neurobiologische Grundlagen von Stressreaktionen, Seite 74 - (Position im Text: 1)
91.)
http://nevermindgame.com/ - (Position im Text: 1)
93.)
95.)
http://www.depressionquest.com/ - (Position im Text: 1)
96.)
97.)
http://atraxgames.net/sym/ - (Position im Text: 1)
107.)
Fregni et al: Anodal transcranial direct current stimulation of prefrontal cortex enhances working memory, Exp. Brain Res. 2005, Sept. 166(1): 23-30,  zitiert nach Kühle, Dr. med Hans-Jürgen, Neurofeedbacktherapie bei ADHS, Giessen 2010 (PDF von Webseite Dr. Kühle, Download August 2015), S. 4 - (Position im Text: 1, 2)
113.)
Demos: Getting started with neurofeedback, WW. NortonCompany, S. 85 bis 89, zitiert nach Kühle, Dr. med Hans-Jürgen, Neurofeedbacktherapie bei ADHS, Giessen 2010 (PDF von Webseite Dr. Kühle, Download August 2015), S. 4 - (Position im Text: 1)