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3. Stress nach Art des Stressors

3. Stress nach Art des Stressors

Die Art des Stressors beeinflusst den Ort der neurophysiologischen Veränderungen im Gehirn.

Stress bewirkt Veränderungen des dopaminergen Systems. Unterschiedliche Stressoren führen dabei zu unterschiedlichen Veränderung des dopaminergen Systems. Die Auswirkungen der verschiedenen Stressarten auf das Gehirn und insbesondere das dopaminerge System finden sich unter Dopamin und Stress im Abschnitt Dopamin im Kapitel Neurologische Aspekte.

3.1. Stressprotokolle

Die meisten Studien zu Stress untersuchen Stress an Nagetieren unter Laborbedingungen. Dabei werden unterschiedlichen Stressarten durch verschiedene Behandlungsweisen verursacht.

3.1.1. Chronischer Immobilisationsstress (chronic restraint stress, CRS)

Nach dem Protokoll für chronischen Immobilisationsstress werden die Tiere 10 bis 28 Tage lang 2 bis 6 Stunden pro Tag in einer (belüfteten und transparenten) Fixierungsvorrichtung gehalten. Chronischer Immobilisationsstress löst Nagetiere Depressionssymptome aus, die durch Verhaltenstests wie den Saccharose-Präferenztest, den Forced-Swim-Test und den Tail-Suspension-Test gemessen werden.1

3.1.2. Chronischer sozialer Stress (chronic social defeat stress, CSDS)

Das Protokoll für chronischen sozialen Stress sieht vor, dass ein einzelnes Männchen (der Eindringling, an dem CSDS getestet wird) für 5 bis 10 Minuten in den Heimkäfig eines größeren Männchens (Aggressor, Bewohner) gebracht wird. Dort wird der Eindringling von dem ansässigen Tier besiegt. Nach dieser unmittelbaren physischen Interaktion werden Bewohner und Eindringling 24 Stunden lang in sensorischem Kontakt gehalten. 10 aufeinander folgende Tage werden die Eindringlinge dem Heimkäfig eines jeweils neuen Bewohners ausgesetzt. Nach dieser CSDS-Exposition wird die Zeit der sozialen Interaktion gemessen.1
Es zeigen sich zwei Phänotypen:

  • anfällige Mäuse, die depressive Verhaltensweisen entwickeln, die sich in verringerter sozialer Interaktion zeigen
  • widerstandsfähige Mäuse, die keine depressiven Verhaltensweisen entwickeln

3.1.3. Chronischer (unvorhersehbarer) milder Stress (chronic (unpredictable) mild stress, CUMS, CMS)

Das Protokoll für chronischen (unvorhersehbaren) milden Stress sieht vor, dass die Nagetiere über 2 bis 12 Wochen in zufälliger Reihenfolge einer Reihe von (lediglich vergleichsweise) milden unvorhersehbaren Stressfaktoren ausgesetzt werden, wie z.B.:2

  • Nächtliche Beleuchtung
  • Kippen des Käfigs
  • feuchte Einstreu
  • unangenehme Geräusche
  • Käfigwechsel
  • Futter-/Wasserentzug
  • etc.

Dieses Stressprotokoll löst anhaltende depressive Verhaltensweisen aus und scheint die bei depressiven Patienten beobachtete stressbedingte Depression zu imitieren.

3.1.4. Schwanzaufhängungstest (TST)

Der Schwanz der Maus wird an einer glatten Plexiglasplatte aufgehängt, und die Maus wurde an das Dach einer Schalldämpfungsbox gehängt. Die Bewegungen der Tiere wird einige Minuten lang mit einer Kamera aufgezeichnet.3

3.2. Homotypischer vs. heterotypischer Stress

Heterotypischer Stress setzt sich aus mehreren Stresserfahrungen verschiedener Stressorenarten zusammen. Homotypischer Stress besteht dagegen aus wiederholten Stresserfahrungen einer Stressorenart.
Eine Aneinanderreihung verschiedener Stresserfahrungen bewirkt bei heterotyoischem Stress und homotypischem Stress unterschiedliche Anpassungsreaktionen.
Bei homotypischem Stress tritt weitaus häufiger eine gesunde Anpassungsreaktion auf, bei der das Stresssystem durch immer schwächere Stressreaktionen auf die sich wiederholenden Stressoren reagiert. Bei heterotypischem Stress dagegen unterbleibt häufiger die Adaption der Stressreaktion. Diese bleibt auch bei wiederholten Stresserfahrungen gleichermaßen ausgeprägt (Maladaption).4