AD(H)S-Symptome sind Stresssymptome

Alle AD(H)S-Symptome sind „ganz normale“ Stresssymptome. Akuter unkontrollierbarer Stress, also schwere (und häufig psychische) Belastung, die als bedrohlich oder angsteinflössend wahrgenommen wird, kann alle Symptome von AD(H)S hervorrufen. Umgekehrt sind allerdings nicht alle Stresssymptome zugleich AD(H)S-Symptome – wenn auch der Grad der Übereinstimmung recht beeindruckend ist. Wir stellen in diesem Beitrag nur AD(H)S-Symptome vor, die zugleich Stresssymptome sind.
Dass diese Symptome auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden können, wird bereits heute bei der AD(H)S-Anamnese durch eine Differentialdiagnostik abgeglichen. Differentialdiagnostik bei AD(H)S

Akuter unkontrollierbarer (= die HPA-Achse aktivierender) Stress – Stress also, der als schwer belastend und bedrohend / angstbesetzt wahrgenommen wird, kann – völlig unabhängig von AD(H)S – die nachfolgenden Symptome auslösen. Die Erscheinungsform der entsprechenden AD(H)S-Symptome haben wir kursiv hinzugefügt.
Die Quellenangaben beziehen sich jeweils auf das Symptom als Stresssymptom.

Wer diese Information lieber im Gesamtzusammenhang lesen möchte, findet unter Symptome von AD(H)S im Kapitel B die Gesamtliste der in der Fachliteratur genannten AD(H)S-Symptome. Dort haben wir bei jedem AD(H)S-Symptom auch die Quellenangaben aus der Stress-Fachliteratur integriert und erläutern im Anschluss den Stressnutzen des jeweiligen Symptoms. Stressnutzen – der überlebensfördernde Zweck von Stresssymptomen.

Dass AD(H)S eine Störung der Stressreaktionssysteme ist, bei der diese chronisch überreagieren, so dass Betroffene auch ohne externen Stressor am Symptomen von erheblichem Stress leiden, erläutern wir in unserem Beitrag AD(H)S als chronifizierte Stressregulationsstörung.

Die zunächst etwas überraschende Tatsache, dass alle AD(H)S-Symptome zugleich Stresssymptome sind, erschliesst sich, wenn man den Nutzen von Stresssymptomen versteht. Um das Phänomen AD(H)S zu begreifen, empfehlen wir unseren Beitrag Stressnutzen – der überlebensfördernde Zweck von Stresssymptomen.

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1. Geist

1.1. Aufmerksamkeitsprobleme

Aufmerksamkeitsprobleme als Stresssymptome.(1)(2)(3)(4)

  • Fast jede psychische Störung bewirkt Aufmerksamkeitsprobleme(5), z.B.:
    • Psychose
    • Tourette
    • Manie
    • Panikstörungen
    • Zwangsstörungen

Für AD(H)S spezifisch ist die (Aufmerksamkeits-)Beeinträchtigung, ein vorgedachtes zukünftiges gerichtetes Handeln durchzuführen. AD(H)S-Betroffene werden zwar von unwichtigen Reizen aus der Umwelt abgelenkt, die selektive Aufmerksamkeit seien dagegen kaum beeinträchtigt.(6)
Nach diesseitiger Erfahrung sind Taskwechselprobleme jedoch bei AD(H)S häufig und sind Folge der Beeinträchtigung der Steuerbarkeit der Aufmerksamkeitsausrichtung.

Die bei Stress extrem erhöhten Noradrenalinwerte beeinträchtigen die Funktionaliät des PFC. Während leicht erhöhte Noradrenalinwerte die Denkfähigkeit erhöhen, wird diese durch sehr hohe Noradrenalinwerte vermindert und die Verhaltenssteuerung wird vom PFC auf den posterioren Cortex übertragen.(7)

1.2. Konzentrationsprobleme

Konzentrationsprobleme als Stresssymptome.(4)(1)(8)(2)(9)(10)

Zur Änderung der Funktionen des PFC durch den bei Stress sehr erhöhten Noradrenalinspiegel siehe unter 1.1. Aufmerksamkeitsprobleme.

Bei AD(H)S identisch.

1.3. Vergesslichkeit

Vergesslichkeit als Stressymptom(1)
Gedächtnisprobleme als Stressymptom(11)(1)(9)(10)

  • implizites Gedächtnis beeinträchtigt(12)
  • deklaratives Gedächtnis beeinträchtigt(12)
  • Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt(12)
  • Zur Änderung der Funktionen des PFC durch den bei Stress sehr erhöhten Noradrenalinspiegel siehe unter 1.1. Aufmerksamkeitsprobleme
  • alle Symptome treten auch bei AD(H)S auf, jedoch nicht bei allen Betroffenen(13)

1.4. Denkblockaden

Denkblockaden sind ein Stressymptom.(1)(9)

Zur Änderung der Funktionen des PFC durch den bei Stress sehr erhöhten Noradrenalinspiegel siehe unter 1.1. Aufmerksamkeitsprobleme. Die Abschaltung des PFC durch sehr hohe Noradrenalinwerte bei starkem Stress blockiert

  • das analytische Denkvermögen
  • und Entscheidungsprozesse
    • bei SCT (als Unterform von ADS): sluggish thinking

1.5. Grübeln; Gedanken konzentrieren sich auf den Stressor

Grübeln ist ein Stressymptom.(4)

  • bei AD(H)S: Gedankenkreisen
  • bei AD(H)S: Zwang als häufige Komorbidität

1.6. verschlechterte Eigenwahrnehmung bis zur Erholungsunfähigkeit

  • Geringe emotionale Selbststeuerung, Spontaneität der Gefühle oder Vermeiden von Gefühlen (coolness, emotionale Dysregulation) ist ein Stressymptom.(14)
  • bei AD(H)S: nicht geniessen können
  • bei AD(H)S und Prokrastination: Aversion gegen Achtsamkeit / verringerte Achtsamkeit
  • siehe auch: Alexithymie unter Gefühle

1.7. Verzögerungsaversion / Delay Aversion

Verzögerungsaversion ist ein Stresssymptom. Sie wird als Impulsivitätsreaktion verstanden. Sie korreliert mit Impulsivität bei Stress, bei Frauen zugleich mit steigender Herzrate.(15)(16)

Stressverringernde Massnahmen verringern zugleich die Verzögerungsaversion.(17)

Ausdrucksformen:

  • Ungeduld
  • Nicht warten können

Tritt bei AD(H)S identisch auf.
Obwohl nicht in den Symptomlisten von ICD 10 / DSM IV enthalten, ist Verzögerungsaversion eines der Kernsymptome von AD(H)S.

1.8. Delay Discounting / Abwertung späterer Belohnung

Delay Discounting ist ein Stressymptom. Dies wird auch Discounting of Delayed Rewards, Temporal Discounting oder Reward Prediction Error (RPE) bezeichnet.(17)(18)(14)

Belohnungen, die sofort erfolgen, werden ebenso bevorzugt wie von Menschen ohne Stress.
Belohnungen, die zeitlich entfernt sind, werden als noch unattraktiver betrachtet als von Menschen ohne Stress.

Delay Discounting hat verschiedene Ausdrucksformen:

1.8.1. Prokrastination

1.8.2. Suchttendenzen

1.8.3. Unordnung

1.8.4. schlechtere Selbstregulationsfähigkeit

Selbstregulationsfähigkeit ist ein noch grösserer Prädikator (Vorhersageindikator) für beruflichen Erfolg als Intelligenz.

1.9. Entscheidungsprobleme

Entscheidungsprobleme sind bekannte Stresssymptome.(17)(19)(20)

bei AD(H)S identisch

  • ADHS: impulsive, nicht durchdachte, spontane Entscheidungen
  • ADS und ganz besonders bei SCT: Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen

2. Verhalten

2.1. Erhöhte lokomotorische Aktivität (Bewegungsdrang, Bewegungsunruhe)

Hyperaktivität ist ein Stresssymptom.(21)(22)(23),

Eine erhöhte lokomotorische Aktivität ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

Bei ADHS heisst dieses Symptom Hyperaktivität (vornehmlich Kinder)

2.2. Unruhe

(Innere) Unruhe(1) und Rastlosigkeit(1)(2)(23)(10) sind Stresssymptome.

Innere Unruhe ist ein typisches Symptome für den nahenden Endzustand eines Burnouts.(26)

Bei ADHS: inneres Getriebensein, immer etwas tun müssen (vornehmlich Erwachsene)

2.3. Aggressionen

Aggression ist ein Stresssymptom.(1)(2)

Bei ADHS (mit Hyperaktivität) tritt Aggression häufig als Komorbidität auf.

2.4. Antriebslosigkeit

Antriebslosigkeit ist ein Stresssymptom(4)(1)(2)

Antriebslosigkeit ist ein typisches Symptom für den nahenden Endzustand eines Burnouts.(26)

bei AD(H)S: Dysphorie bei Inaktivität

2.5. sozialer Rückzug

Sozialer Rückzug ist als typisches Symptom von schwerem Stress bekannt.(2)(4)

Eine Einschränkung der sozialen Kontakte bei Stress wird darauf zurückgeführt, dass(27)(14)

  • keine positive oder sogar negative Resonanz erwartet wird (Vermeidung oder Aggression, siehe den Beitrag zu Rejection Sensitivity)
  • das Sicherheits- und Kontrollbedürfnis zu groß ist (zu große Nähe, Ambivalenz, Nähe-Distanz-Pendel)

Ein erhöhtes Rückzugsverhalten ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

Eine zunehmende Einschränkung sozialer Kontakte ist ein typisches Symptom für einen Burnout.(26)

Bei AD(H)S ist sozialer Rückzug häufig und geht bis zur sozialen Phobie.

2.6. beeinträchtigte Leistungsfähigkeit

Bei schwerem Stress ist die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.(2)(9)(10)

Behinderung von Anstrengung, wegen mangelnder Zufriedenheit durch Erfolg oder fehlender Erwartung von Erfolg (Antriebslosigkeit, Wegschalten, Verweigerung)(14)

Leichte Erschöpfbarkeit, Kraftlosigkeit und Tagesmüdigkeit sind typische Symptome für den nahenden Endzustand eines Burnouts.(26)

Tritt bei AD(H)S identisch auf.

2.7. Medikamenten- / Nikotin- / Alkoholmissbrauch (Sucht)

Medikamenten- / Nikotin- / Alkoholmissbrauch (Sucht) ist ein Stresssymptom(2)(4)

Rauchen korreliert mit Stress.(18)

Bei AD(H)S:

  • deutlich erhöhte Quote an Rauchern
  • häufige Komorbidität Sucht

2.8. risikantere Entscheidungen

Risikantere Entscheidungen sind ein Stresssymptom.(28)

Tritt bei ADHS (mit Hyperaktivität) identisch auf:

  • Risikoaffinität
  • spontane, unüberlegte Entscheidungen

2.9. Impulsivität

Impulsivität ist ein Stresssymptom.(17)

Tritt bei ADHS (mit Hyperaktivität) identisch auf.

2.10. sexuelle Probleme / Libidoverlust (kein AD(H)S-Symptom)

Sexuelle Probleme / Libidoverlust sind ein Stresssymptom(1)(2)(4)

Eine Unterdrückung der Libido ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

Sexuelle Probleme oder Lustlosigkeit sind keine typischen AD(H)S-Symptome, kommen bei AD(H)S jedoch vor.
Bei AD(H)S wird eine gestörte Sexualität eher als häufige Komorbidität genannt.(29) Sexualität wird weiter als Suchtgegenstand und Mittel zum Spannungsabbau bei AD(H)S erwähnt.(30)
Die Anzahl der Sexualpartner bei AD(H)S ist typischerweise erhöht, der erste Sex findet im Durchschnitt früher statt als bei Nichtbetroffenen. Ein Rückgang der Libido wird zuweilen in Verbindung mit Medikamentierung bei AD(H)S(31) oder Depressionen genannt.

3. Gefühle

3.1. Stimmungsschwankungen (häufig traurig / depressiv)

Stimmungsschwankungen sind ein Stresssymptom.(10)

Häufige Traurigkeit ist als Stresssymptom bekannt.(4)

Häufiges deprimiert sein / Depressionen sind ebenso ein Stresssymptom.(11)(1)(2)(1)(10)

Verzweiflung ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(32)(25)

Lärm oder Filme lösen dagegen selten cortisolergen Stress aus.

Bei AD(H)S: Dysphorie bei Inaktivität als Hauptsymptom; deneben tritt echte Depression häufig als Komorbidität auf.

3.2. Selbstwertprobleme

Selbstwertprobleme sind typische Symptome bei schwerem Stress.(27)(14)

  • niedriger Selbstwert
  • Selbsthass
  • suizidale Tendenz
  • Schuld und Scham

Dies gilt ebenso für Lustlosigkeit(1)(2), die man als Äquivalent der Dysphorie bei Inaktivität und dem Gefühl, deprimiert zu sein betrachten könnte.(1)(2)

Insbesondere eine als unkontrollierbar wahrgenommene Bedrohung des Selbstwertes führt zu Cortisolausschüttung.(33)(34)

Minderwertigkeits- und Versagensgefühle sind typische Symptome für den Endzustand eines Burnouts.(26)

Bei AD(H)S: emotionale Dysregulation ist ein typisches Symptom.

3.3. Gereiztheit

Gereiztheit ist ein Stresssymptom(1)(2)

Gereiztheit ist ein typisches Symptome für den nahenden Endzustand eines Burnouts.(26)

Bei AD(H)S und extravertierter Persönlichkeit (ADHS): häufig

3.4. Ärger / Wut

Ärger / Wut sind bekannte Stresssymptome.(2)

Bei AD(H)S und extravertierter Persönlichkeit (ADHS): häufig

3.5. Lustlosigkeit/Motivationsprobleme

Lustlosigkeit/Motivationsprobleme sind häufige Stresssymptome.(1)(2)(10)

Lustlosigkeit wird hier als emotionale Seite der Antriebslosigkeit dargestellt.
Zu Antriebslosigkeit siehe oben unter 2.4.

Motivations- und Antiebsprobleme sind bei AD(H)S häufig.

3.6. Gefühl der Überforderung

Überforderungsgefühl ist ein Stresssymptom.(1)(2)

Bei AD(H)S tritt es ebenfalls häufig auf.

3.7. Angst/Ängstlichkeit

Eine erhöhte Ängstlichkeit ist ein Stresssymptom.(2)(23)(10)

Verstärkte Ängstlichkeit, erhöhte Furchtkonditionierbarkeit sowie erhöhte Vorsicht in unbekannten Umgebungen, im Offenfeld, im elevated plus maze und bei Konflikten sind eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(35)(25)

Bei AD(H)S ist Ängstlichkeit häufig erhöht, besonders bei ADS. Angststörungen sind eine häufige Komorbidität von AD(H)S und können sich aus einem unbehandelten AD(H)S entwickeln.

3.8. Erhöhte Sensibilität

Eine erhöhte Sensibilität ist ein Stresssymptom.(36)(10)

AD(H)S beinhaltet stets eine (zumindest partielle) Hochsensibilität.

3.8.1. Schreckhaftigkeit

Verstärkte Schreckreaktionen sind eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

3.8.2. Erhöhte Wachheit / Aufmerksamkeit

Erhöhte Wachheit und Aufmerksamkeit ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

3.8.3. erhöhte akustische Wahrnehmung

Eine erhöhte akustische Wahrnehmung ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

3.8.4. Reizüberflutung

Reizüberflutung ist ein Stresssymptom.(36)

Erhöhte Sensibilität kann auch als Hochsensibilität bezeichnet werden.
Bei AD(H)S: zu weit offener Reizfilter.

3.9. Alexithymie (verringerte Gefühlswahrnehmung)

  • Verringerte Wahrnehmung der eigenen Gefühle(37)
  • Geringe emotionale Selbststeuerung, Spontaneität der Gefühle oder Vermeiden von Gefühlen (coolness, emotionale Dysregulation)(14)
  • Gefühlsverflachung (bei bestehen bleibender Kränkbarkeit) ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts.(26)

Im Gegensatz zu vielen anderen hier genannten Symptomen scheint Alexithymie kein unmittelbar neurophysiologisch vermitteltes Symptom darzustellen, sondern eher eine häufige Folge eines unsicher-vermeidenden Bindungsstils zu sein bzw. mit diesem einherzugehen.

Alexithymie / Gefühlsarmut / innere Leere ist bei AD(H)S ein mögliches Symptom.

3.10. Verringerte Frustrationstoleranz

Frustrationsintoleranz ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts.(26)

Frustrationsintoleranz ist ein typisches AD(H)S-Symptom.

3.11. Leichtere Kränkbarkeit

Eine erhöhte Kränkbarkeit ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts.(26)

Eine verstärkte Kränkbarkeit ist ein sehr häufiges AD(H)S-Symptom. Wir bezeichnen es dort als Rejection Sensitivity.

4. Körperliche Symptome

Somatische Beschwerden könnten die einzige Stressart sein, die bei AD(H)S-Betroffenen signifikant geringer auftritt als bei Nichtbetroffenen.(38) Dieser Umstand wäre höchst erstaunlich und ohne genauere Erforschung und Erklärung nicht einleuchtend. Auf Schlafstörungen trifft dies bekanntlich nicht zu. Unsere eigenen Untersuchungen deuten jedoch – zu unserem eigenen Erstaunen – ebenfalls darauf hin, dass bei erwachsenen AD(H)S-Betroffenen die somatischen Stresssymptome deutlich unterrepräsentiert sind. Ausnahmen bestehen nur bei Schlafstörungen (sehr deutlich) und Erschöpfungszuständen und Muskelspannung (noch deutlich). Alle anderen somatischen Stresssymptome sind dagegen (noch deutlich) geringer als bei Nichtbetroffenen.
Wir werden die Ergebnisse mit wachsender Probandenzahl weiter berichten.

4.1. Schlafstörungen

Schlafstörungen sind ein Stresssymptom.(39)(25)(2)(4)(23)(10)

Erhöhte Wachheit und verringerter Tiefschlaf ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

Als Stresssymptom werden auch häufige Alpträume genannt.(4)(40)

Schlafstörungen treten bei AD(H)S sehr häufig auf.

4.2. Muskelzuckungen

Muskelzucken ist ein Stresssymptom.(4)(1)

bei AD(H)S: ähnlich wie bei restless legs in leichter Form beim einschlafen

4.3. Erhöhte Muskelspannung

Eine erhöhte Muskelspannung ist ein Stresssymptom.(2)(41)(23)

Erhöhter Muskeltonus kann z.B. zu Rückenschmerzen bis hin zu Wirbelblockaden führen.
Im Kampf schätzt ein erhöhter Muskeltonus vor Verletzungen.

4.4. Erhöhte Schmerzempfindlichkeit

Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit ist ein Stresssymptom.(10)

4.5. Erschöpfungszustände

Erschöpfungszustände sind ein Stresssymptom.(2)

4.6. Herz-Kreislauf Beschwerden

Herz-Kreislauf-Beschwerden sind ein Stresssymptom.(1)(2)(23)

ADHS (nicht aber ADS) korreliert häufig mit erhöhtem Blutdruck und einer Anfälligkeit für Herzbeschwerden.

4.7. Appetitlosigkeit / Heisshunger

Esstörungen sind ein Stresssymptom.(2)(4)(24)(25)(10)

Appetitlosigkeit ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.(24)(25)

Adipositas (Fettsucht) tritt bei AD(H)S mindestens doppelt so häufig auf wie bei Nichtbetroffenen.
Essstörungen sind bei AD(H)S-Betroffenen bis zu 8 mal so häufig wie bei Nichtbetroffenen.
Mehr hierzu im Beitrag ⇒ AD(H)S, Übergewicht und Essstörungen.

4.8. Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind ein bekanntes Stresssymptom.(1)(2)(4)(23)

4.9. Bauchschmerzen

Bauchschmerzen sin ein häufiges Stresssymptom,(2)(4) vor allem bei Kindern.

Übelkeit ist ebenfalls als Stresssymptom bekannt.(23)

4.10. Häufige Erkältungen

Häufige Erkältungen sind ein Stresssymptom.(1)

Eine erhöhte Infektanfälligkeit ist ein typisches Symptome für den nahenden Endzustand eines Burnouts.(26)

Stresshormone (Adrenalin, CRH, ACTH) sind in der Lage, für eine bestimmte Zeit das Immunsystem künstlich anzukurbeln. Für die Gattung des Homo Sapiens war es schlicht überlebensförderlich, wenn in Situationen der Not, in denen das Überleben erkämpft werden musste, nicht gerade einfache (vermeidbare) Krankheiten dazwischen kamen. Die Stresshormone Adrenalin und CRH bewirken deshalb eine (zeitlich begrenzte) entzündungsfördernde Erhöhung der Aktivität des Immunsystems.
Diese Erhöhung ist jedoch zum einen Kräfte raubend und führt zum zweiten in der ersten Stresspause dazu, dass der Körper sich nun die erforderliche Regeneration nimmt und die aktive Krankheitsbekämpfung angeht – z.B. durch Fieber und andere Mechanismen, mit denen der Körper sich gegen Krankheitserreger schützt.
Dies ist der Grund, warum viele Menschen im Laufe der ersten Urlaubswoche krank werden.

Cortisol hat neben seinen stresssymptomvermittelnden Wirkungen zugleich die Aufgabe, die Stressreaktion zu beenden (indem es die am Anfang der Stresskette ausgeschütteten Hormone hemmt und damit seine eigene Ausschüttung zeitlich begrenzt). Cortisol verringert zugleich die entzündungsfördernde Wirkung von Adrenalin und CRH und fördert stattdessen andere Immunreaktionen, die sich vornehmlich gegen Bakterien und Parasiten richten. Je nach dem, in welcher Richtung die Stresssysteme aus dem Gleichgewicht geraten sind, können überschiessende Entzündungen (z.B. der Darmschleimhaut bei morbus crohn oder der Haut bei Neurodermitis) oder übershiessende Immunreaktionen gegen externe Erreger (z.B. Allergien) auftreten.

4.11. Zunehmende Atemfrequenz

Hecheln ist ein Stresssymptom.(42)(2)(43)

Eine erhöhte Atemfrequenz ist nicht als AD(H)S-Symptom bekannt.

Zuletzt aktualisiert am 22.10.2019 um 15:35 Uhr


4.)
Satow (2012): Stress- und Coping-Inventar (SCI); PSYNDEX Test-Nr. 9006508; Test im Testinventar des Leibniz‐Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID). - (Position im Text: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14)
5.)
Vortrag Barkley (2014) an der Lynn University, Minute 24:10 - (Position im Text: 1)
10.)
Bieger (2011): Neurostress Guide, Seite 3 - (Position im Text: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12)
12.)
Dickerson, Kemeny (2004) und Kudielka et. al (2009), zitiert nach Schoofs, Psychosozialer Stress, die endokrine Stressreaktion und ihr Einfluss auf Arbeitsgedächtnisprozesse, Dissertation (2009), Seite 2 Seite 32, mwN - (Position im Text: 1, 2, 3)
22.)
Edel, Vollmöller (2006): ADHS bei Erwachsenen, Seite 113 - (Position im Text: 1)
27.)
Braun, Helmeke, Poeggel, Bock (2005): Tierexperimentelle Befunde zu den hirnstrukturellen Folgen früher Stresserfahrungen. In: Egle, Hoffmann, Joraschky (Hrsg.) Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. 3. Aufl. Schattauer, S. 44 – 58 - (Position im Text: 1, 2)
29.)
Edel, Vollmöller (2006): ADHS bei Erwachsenen, Seite 53 - (Position im Text: 1)
30.)
Edel, Vollmöller (2006): ADHS bei Erwachsenen, Seite 69 - (Position im Text: 1)
34.)
Kudielka et. al (2009), S. 129 zitiert nach Schoofs, Psychosozialer Stress, die endokrine Stressreaktion und ihr Einfluss auf Arbeitsgedächtnisprozesse, Dissertation (2009), Seite 2, Seite 2, Seite 129, mit weiteren Nachweisen - (Position im Text: 1)

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