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Häufigkeit von AD(H)S (Prävalenz)

Häufigkeit von AD(H)S (Prävalenz)

AD(H)S gibt es weltweit in allen Kulturen und Staaten. Die Häufigkeit des Auftretens wird Prävalenz genannt.

Prävalenz kann verschiedene Begriffe definieren:
(Diagnose-)Prävalenz: Häufigkeit bestehender ärztlicher Diagnosen einer Krankheit in der Gesamtbevölkerung (z.B. innerhalb der letzten 12 Monate).
Wahre Prävalenz / Feldprävalenz: Häufigkeit einer Krankheit bei gründlicher Untersuchung einer repräsentativen Gruppe durch Experten, hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung. Auch dieser Wert hängt allerdings von den verwendeten Instrumentarien ab.
Behandlungsprävalenz: Anhand von Behandlungs- / Vorsorgekontakten ermittelte Prävalenz.
Administrative Prävalenz: Aus Routinestatistiken ermittelte Prävalenz (z.B. Krebsregister).

Punktprävalenz: Anzahl der bestehenden Fälle zu einem Zeitpunkt.
Periodenprävalenz: Alle auftretenden Fälle in einem Zeitraum.

Inzidenz: Häufigkeit von Neudiagnosen einer Krankheit in der Gesamtbevölkerung (z.B. innerhalb der letzten 12 Monate).

Die Diagnoseprävalenz bei AD(H)S, also die Häufigkeit, mit der praktizierende Ärzte und Psychologen AD(H)S feststellen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen, da AD(H)S besser verstanden wurde und Ärzte und Psychologen heute besser geschult sind. Die wahre Prävalenz, also die Häufigkeit, mit der AD(H)S tatsächlich existiert, hat sich dagegen nicht verändert. In Teststudien, in denen repräsentative Gruppen durch Spezialisten untersucht werden, ist die wahre Prävalenz von AD(H)S unverändert.1

Sofern wir den Begriff Prävalenz ohne weitere Erläuterung verwenden, soll zukünftig die Diagnoseprävalenz gemeint sein. Stand April 2021 ist diese Differenzierung noch nicht durchgängig verifiziert, was dadurch erschwert ist, dass etliche Studien dies nicht transparent formulieren.

1. Bevölkerungsprävalenz

1.1. Weltweit

Als Gesamtschnitt wurde 2007 aus Studien von 1978 bis 2005 eine Prävalenz von 5,29 % ermittelt.2 Dabei wurden wenig Unterschiede zwischen Nordamerika und Europa festgestellt, während sich für Afrika und den Mittleren Osten abweichende Werte fanden.
2018 ermittelte eine Studie eine Prävalenz von rund 5 % bei Kindern und Jugendlichen sowie weitere 5 %, die knapp unter dem Cutoff für eine Diagnose lagen.3 2012 ermittelte eine Metaanalyse aus 86 Studien mit n = 163,688 Kindern und Jugendlichen einen Prävalenzschnitt von 5,9 bis 7,1 % nach DSM IV sowie aus 11 Studien mit n = 14.112 Erwachsenen von rund 5 %.4

Die nachfolgenden Unterschiede der (diagnostischen) Prävalenz in verschiedenen Regionen der Welt dürften eher die Unterschiede der Diagnostischen Methodik repräsentieren als die wahre Prävalenz von AD(H)S.5

1.2. Europa

1.2.1. Deutschland

Die erste KiGGS-Studie 2006 fand, dass knapp 5 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von 3 – 17 Jahren bereits einmal eine ärztliche AD(H)S-Diagnose erhalten hätten (Doagnoseprävalenz). Daneben seien weitere 5 % als Verdachtsfälle einzustufen.6
Die zweite KiGGS Studie von 2017 spricht von 4,4 % der Kinder und Jugendlichen, die bereits einmal eine ärztliche Diagnose erhalten hätten.78 Es handelt sich um Berichte der Erziehungsberechtigten. Die Aussage, dass einmal ein AD(H)S-Diagnose erfolgt sei, bedeutet nicht, dass diese Diagnose zum Studienerhebungszeitpunkt noch fortbestehen müsste.

Die Gesamtprävalenz von AD(H)S bei Kindern und Jugendlichen wurde in der Bella-Studie von 20079 mit 2,2 % festgestellt (was wir für zu niedrig erachten). Eine Bella-Teilstudie mit n= 2500 Probanden zwischen 7 und 17 Jahren10 benennt die Prävalenz in der Elternbeurteilung mit rund 5 %. Beide Darstellungen bestätigen ein starkes Auseinanderfallen der Prävalenz nach sozialen Schichten. Nach der Bella-Studie 2007 ist die mittlere Schicht mit der Durchschnittsprävalenz belastet, während die untere soziale Schicht mit 3,9 % eine vier mal so hohe Prävalenz hat wie die obere Schicht.11 Die Bella-Teilstudie berichtet in der unteren sozialen Schicht (mit 7,2 %) eine ca. 2,3 mal so hohe Prävalenz von AD(H)S als in der oberen Schicht mit 2,8 % (bei 3 Schichten).10

33,3 % aller Deutschen und 38,8 % aller EU-Bürger leiden (innerhalb von 12 Monaten) an einer psychischen Störung. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen, jedoch mit unterschiedlichen Störungsbildern. Am häufigsten ist die Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren betroffen.12
Von diesen 33,3 % leiden wiederum 1/3 (also insgesamt 11,1 % aller Deutschen) an mehr als nur einer Störung. In diesen Fällen besteht eine offene Komorbidität von mehreren Störungen aus verschiedenen Diagnosegruppen. Die Komorbidität hinsichtlich verschiedener Einzeldiagnosen aus der selben Gruppe ist nochmals deutlich höher.
Komorbiditäten nehmen mit dem Alter zu.12

Die Lebenszeitprävalenz von AD(H)S in Deutschland entspricht in etwa der von Diabetes.13

Weiterführend zur Prävalenzverteilung von AD(H)S: http://www.adhs.info/fuer-paedagogen/allgemein-stoerungsbild/praevalenzraten.html

1.2.2. Dänemark

Eine Kohortenstudie in Dänemark ergab bei Jungen unter 18 Jahren ein Prävalenz von 5,9 % nach ICD 10.14 Eine andere Studie unter allen von 1990 bis 199 geborenen Kindern fand eine Prävalenz von 3,68 %.15

1.2.3. Finnland

In Finnland beobachtete eine nationale Kohortenstudie einen Anstieg der Gabe von AD(H)S-Medikamenten bei Kindern von 1,26 % in 2008 auf 4,42 % in 2018 und bei Jugendlichen von 0,93 % in 2008 auf 4,21 % in 2018. Zugleich stieg der Anteil von medikamentierten Frauen an.16

1.2.4. Frankreich

Die AD(H)S-Prävalenz bei Kindern von 6 bis 12 Jahren wurde mit 3,5 % bis 5,6 % angegeben. Eine andere Studie nennt einen Wert von 0,3 %,17 was zu niedrig erscheint.

1.3. Nordamerika

1.3.1. USA

In den USA hat die Häufigkeit der Diagnose von allen Entwicklungsstörungen, darunter auch AD(H)S, in den Jahren von 2009 bis 2018 signifikant zugenommen:181920

  • Kinder von 3 bis 17 Jahren mit AD(H)S-Diagnose (Diagnoseprävalenz)
    • 2010: 8 %
    • 2017: 8,5 % bis 9,5 %18
    • 2018: 9,8 %
    • Jungen
      • 2010: 11 %
      • 2018: 13 %
    • Mädchen
      • 2010: 6 %
      • 2018: 6,6 %
    • nach Alter (2018)
      • 3-4: Lernschwäche 3,2 %, AD(H)S 1,2 %
        5-11: Lernschwäche 6,7 %, AD(H)S 9 %
        12-17: Lernschwäche 9,4 %, AD(H)S 13,6 %
  • Kinder von 4 bis 17 Jahren in einer landesweiten telefonischen Befragung (Diagnoseprävalenz)21
    • 2003: 7,8 %
    • 2007: 9,5 %; 4,8 % mit AD(H)S-Medikamenteneinnahme
  • Kinder von 5 bis 11 Jahren in Kalifornien (Diagnoseprävalenz)22
    • 2001: 2,1 %
    • 2010: 3,1 %

Hispanische Kinder erhielten seltener eine AD(H)S-Diagnose (2010: 4 %; 2018: 2018: 6,9 %) als nicht-hispanische weiße (2010: 10 %; 2018: 10,9 %) oder nicht-hispanische schwarze (2010: 11 %; 2018: 13,1 %) Kinder. Kinder von Paaren mit einem weissen und einem indianischen Elternteil (American Indian / Alaska Native) hatten 2018 eine AD(H)S-Prävalenz von 26,4 %.
Kinder von alleinerziehenden Müttern zeigten etwa doppelt so häufig Lernschwierigkeiten (1010: 12 %; 2018: 11,3 %) oder AD(H)S (2010: 13 %; 2018: 12,6 %) wie Kinder in Familien mit zwei Elternteilen (Lernschwierigkeiten 2010: 6 %, 2018: 5,9 %; AD(H)S 2010: 7 %, 2018: 8,8 %). Kinder alleinerziehender Väter hatten 2018 nur zu 5 % Lernschwierigkeiten und zu 6,7 % AD(H)S.
Kinder mit einem mittleren oder schlechten Gesundheitszustand zeigten rund fünfmal so häufig eine Lernschwäche (2010: 28 % zu 6 %; 2018: 32,3 % zu 5,9 %) und rund doppelt so häufig AD(H)S (2010: 18 % zu 7 %; 2018: 16,2 % zu 8,8 %) wie Kinder mit einem ausgezeichneten oder sehr guten Gesundheitszustand. Bei einem guten Gesundheitszustand war 2018 AD(H)S mit 15,4 % kaum häufiger als bei einem mittleren oder schlechten Gesundheitszustand.
Kinder in Großstädten über 1 Million Einwohner erhielten 2018 mit 8,2 % seltener ein AD(H)S-Diagnose als Kinder in Städten unter 1 Mio (12 %) oder außerhalb von Großstädten (11,6 %).
Bei Kriegsveteranen wurde zwischen 2009 und 2016 ein Zuwachs der jährlichen AD(H)S-Prävalenz um rund 250 % von 0,23 auf 0,84 % beobachtet.23
Friedmann berichtet, dass die Lebenszeitprävalenz von AD(H)S in den USA von 7,8 % in 2003 auf 11 % in 2011 gestiegen sei.24 Dies ergibt sich nicht aus einem Anstieg von AD(H)S (echte Prävalenz), sondern draus, dass AD(H)S heute besser erkannt und sicherer diagnostiziert wird (diagnostische Prävalenz).

Der Anstieg der Diagnoseprävalenz dürfte sich durch die verbesserte Diagnostik von AD(H)S erklären. Die wahre Prävalenz von AD(H)S bei Kindern in den USA hat sich in den Jahren von 2003 bis 2007 nicht verändert.5

1.3.2. Kanada

Bei kanadischen Kindern wurde AD(H)S diagnostiziert bei25

  • Mädchen
    • 2008: 3,1 %
    • 2015: 3,9 %
  • Jungen:
    • 2008: 8 %
    • 2015: 9,5 %

Die berechnete wahre Prävalenz betrug demgegenüber26

  • 4 – 17 Jahre
    • 2008: 6,92 %
      • Mädchen: 6,0 %
      • Jungen: 7,9 %
    • 2015: 8,57 %
      • Mädchen: 6,5 %
      • Jungen: 10,1 %
  • 18 – 34 Jahre
    • 2008: 5,73 %
      • Frauen: 5,4 %
      • Männer: 6,2 %
    • 2015: 7,33 %
      • Frauen: 6,3 %
      • Männer: 8,6 %
  • 35 – 64 Jahre
    • 2008: 5,20 %
      • Frauen: 5,2 %
      • Männer: 5,3 %
    • 2015: 5,54 %
      • Frauen: 5,4 %
      • Männer: 5,7 %

1.4. Südamerika

1.4.1. Kolumbien

Unter Kindern der Paisa in Kolumbien fand eine Studie eine AD(H)S-Prävalenz von 16,4 % (Jungen 19,8 %, Mädchen 12,3 %).27

1.5. Asien

1.5.1. China

In China wurde bei Kindern und Jugendlichen eine Prävalenz von 6,26 % ermittelt (63 Studien von 1983 bis 2015, davon 70 % aus 2005 bis 2015), wobei sich erhebliche regionale Unterschiede ergaben.28

1.5.2. Japan

Unter japanischen Erwachsenen soll die AD(H)S-Prävalenz bei 1,7 % liegen.29

Unter japanischen Studentinnen (∅ 19,2 Jahre) wurde bei 27,2 % ADHS-HI und bei 1,1 % ADHS-I gefunden.30 Eine andere Studie berichtete von 27 % AD(H)S bei japanischen Studenten (29,7 % Männer, 25,3 % Frauen).31

Eine Studie berichtet von 31,1 % AD(H)S nach Elternreport (n = 7.566) und 4,3 % AD(H)S nach Lehrerreport (n = 9.9 56) bei einer Gesamtprävalenz von 7,2 bis 7,9 % unter japanischen Vorschulkindern. Möglicherweise sind Elternberichte in Japan aus kulturellen Gründen nicht belastbar.32 Eine weitere Studie findet ebenfalls Hinweise auf überhöhte Elternratings für kleine Kinder in Japan.33 Während die Eltern der 4 bis 12-jährigen eine AD(H)S-Quote von 7,7 % ermittelten, ergaben die Lehrerratings der Kinder lediglich bei 3,19 % AD(H)S (nach DSM III).

1.5.3. Taiwan

Eine große Studie fand einen Anstieg neuer AD(H)S-Diagnosen nach ICD 9 von 7,92/10000 Personenjahre in 2000 auf 13,92/10000 Personenjahre in 2011. Das Verhältnis von Männern zu Frauen sank von 3,61 auf 2,90. Der größte Anstieg wurde bei jungen Erwachsenen (19-30 Jahre) festgestellt, gefolgt von Vorschulkindern (0-6 Jahre).34

1.5.4. Indien

Eine große Studie benannte die Prävalenz von AD(H)S in Indien in 2017 mit 0,3 %.35 Die Prävalenz von ASS wurde mit 3,2 % genannt.

In einem ländlichen Gebiet von Nordindien fand sich eine Prävalenz von AD36

1.6. Afrika

1.6.1. Äthiopien

In Äthiopien fand 2022 eine Studie an Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren eine Feldprävalenz von 13 %.37 2015 fand eine Studie bei 6 bis 17-jährigen eine Prävalenz von 7,3 %. Es waren 80 % mehr Jungen als Mädchen betroffen, Kinder alleinerziehender Elternteile waren 5-mal so häufig und Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status 2,4-mal so häufig betroffen.38

1.6.2. Ghana

Eine Studie in Ghana fand 2016 bei Kindern von 7 bis 15 Jahren eine Prävalenz von 1,64 %.39

1.7. Mittlerer Osten

1.7.1. Iran

Im Iran fand eine 2019 veröffentlichte Studie eine Prävalenz von 4 % (5,2 % bei Jungen, 2,7 % bei Mädchen) zwischen 6 und 18 Jahren.40

1.7.2. Saudi Arabien

Eine Untersuchung von 2280 Studenten aus 11 Colleges der King Abdulaziz University, einer der größten Universitäten Saudi-Arabiens, wurden persönlich mit einer validierten arabischen Version der Adult ADHD Self-Report Scale untersucht. Von den 2059 Studenten (90 %), die den Fragebogen ausfüllten (Durchschnittsalter: 21,2 Jahre) erfüllten 11,9 % der Stichprobe die Kriterien für AD(H)S im Erwachsenenalter. Nur bei 6,5 % war in der Kindheit AD(H)S diagnostiziert worden, und lediglich 0,8 % hatten Medikamente dagegen eingenommen.
Dies ist eine der wenigen Studien zur wahren Prävalenz (Feldprävalenz) von AD(H)S.41
Das AD(H)S-Risiko korrelierte mit

  • hohes Familieneinkommen
  • schlechte Noten im letzten Semester
  • Scheidung der Eltern
  • AD(H)S-Diagnose in der Kindheit
  • frühere Depressionsdiagnose
  • höherer Schweregrad aktueller Depressionen und Ängste
  • Rauchen von Zigaretten.

2. Unterschiede in verschiedenen Ethnien

Eine Metastudie fand folgende AD(H)S-Prävalenzen nach Ethnien bei Kindern und Jugendlichen:42

Weiße: 16,8 %, n = 835.505, k = 25
Schwarze: 15,9 % n = 218.445, k = 26
Asiaten: 12,4 %, n = 66.413, k = 7
Lateinamerikaner: 10,1 %, n = 493.417, k = 24

N gibt die Anzahl der Probanden, K die Anzahl der ausgewerteten Studien wieder. Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede der Prävalenz nach Ethnien.

Eine Studie an 5,2 Millionen Patienten kam zu dem Ergebnis, dass die Häufigkeit von AD(H)S von der Population abhängig sei:43

  • Weiße: 0,67 %-1,42 %
  • Indianer: 0,56 %-1,14 %
  • Hispanoamerikaner oder Latinos: 0,25 %-0,65 %
  • Farbige: 0,22 %-0,69 %
  • Asiatisch-Amerikanische Personen: 0,11 %-0,35 %
  • Pazifische Inselbewohner: 0,11 %-0,39 %
  • Individuen anderer Ethnien: 0.29 %-0.71 %

Es handelt sich hier nicht um die Lebenszeitprävalenz der Gesamtbevölkerung, sondern um die Häufigkeit der innerhalb eines Jahres gegebenen Diagnosen an Patienten, die ein bestimmtes Krankenaktensystem44 nutzen.
Da AD(H)S zu einem großen Teil genetisch bedingt ist, ist eine unterschiedliche Prävalenz zwischen verschiedenen Ethnien nicht überraschend.

Anmerkungen zu den Begriffen Population und Rasse:45

  • Der Begriff Rasse kennzeichnet die Menschheit insgesamt. Es gibt keine unterschiedlichen Menschenrassen.
  • Der englische Begriff Race (Rasse) benennt nicht eine genetische Definition, sondern ein soziales Konstrukt.
  • Die genetischen Unterschiede zwischen Kontinenten sind graduell. Beispielsweise gibt es Menschengruppen in Afrika (z.B. die San), die hellere Haut haben als Menschengruppen in Europa (z.B. in Andalusien). Die helle Hautfarbe der Europäer hat sich erst vor wenigen tausend Jahren ausgebildet. Davor waren alle Menschen mehr oder weniger “schwarz”.
  • Über einen Stammbaum von 4000 Jahren ist jeder Mensch mit jedem anderen Menschen blutsverwandt.

3. Prävalenz in bestimmten sozialen Gruppen

3.1. Gefängnisinsassen

Eine Studie fand eine AD(H)S-Feldprävalenz (“wahre Prävalenz”) unter erwachsenen Gefängnisinsassen in Großbritannien von 25 %.46 In Frankreich (11 %) und Kanada (17 %) wurden die Feldprävalenz in Gefängnissen mit strengeren Diagnosekriterien ermittelt.47
Feldprävalenz wird durch Untersuchungen einer vorher definierten Probandengruppe durch Spezialisten ermittelt und ist von der Behandlungsprävalenz (Diagnoseprävalenz) zu unterscheiden, die die Häufigkeit von bestehenden Diagnosen seitens der normalen Ärzteschaft zu unterscheiden

3.2. Flüchtlinge und Asylsuchenden unter 18 Jahren

Unter Flüchtlingen und Asylsuchenden unter 18 Jahren fand eine Metastudie von 8 Untersuchungen eine AD(H)S-Prävalenz von 8,6 % (1 bis 16 %), wobei zugleich PTSD (22,71 %), Angststörungen (15,77 %), Depression (13,81 %) und ODD (1,77 %) festgestellt wurden.48 Die hohen Werte von PTSD, Angststörungen und Depressionen könnten unserer Auffassung nach die tatsächliche Prävalenz von AD(H)S bei der untersuchten Zielgruppe verdeckt haben.

4. Prävalenz in psychiatrischen Kliniken

Bei erwachsenen stationären Patienten einer deutschen psychiatrischen Klinik wurde bei 59 % AD(H)S diagnostiziert (12-Monats-Prävalenz).49
Bei erwachsenen Patienten ambulanter Behandlungszentren fand sich eine AD(H)S-Prävalenz von 14,7 bis 26,1 %.50


  1. Polanczyk, Willcutt, Salum, Kieling, Rohde (2014): ADHD prevalence estimates across three decades: an updated systematic review and meta-regression analysis. Int J Epidemiol. 2014 Apr;43(2):434-42. doi: 10.1093/ije/dyt261. PMID: 24464188; PMCID: PMC4817588.

  2. Polanczyk, de Lima, Horta, Biederman, Rohde (2007): The worldwide prevalence of ADHD: a systematic review and metaregression analysis. Am J Psychiatry. 2007 Jun;164(6):942-8. doi: 10.1176/ajp.2007.164.6.942. PMID: 17541055. REVIEW, Metaanalyse von 102 Studien mit n = 171.756

  3. Sayal, Prasad, Daley, Ford, Coghill (2018): ADHD in children and young people: prevalence, care pathways, and service provision. Lancet Psychiatry. 2018 Feb;5(2):175-186. doi: 10.1016/S2215-0366(17)30167-0. Epub 2017 Oct 9. PMID: 29033005.

  4. Willcutt (2012): The prevalence of DSM-IV attention-deficit/hyperactivity disorder: a meta-analytic review. Neurotherapeutics. 2012 Jul;9(3):490-9. doi: 10.1007/s13311-012-0135-8. PMID: 22976615; PMCID: PMC3441936.

  5. Polanczyk, Willcutt, Salum, Kieling, Rohde (2014): ADHD prevalence estimates across three decades: an updated systematic review and meta-regression analysis. Int J Epidemiol. 2014 Apr;43(2):434-42. doi: 10.1093/ije/dyt261. PMID: 24464188; PMCID: PMC4817588. REVIEW

  6. KiGGS Studie 2006, n = 14.836

  7. KiGGS Studie 2017

  8. Schlack, Hölling, Kurth, Huss (2007): Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) [The prevalence of attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) among children and adolescents in Germany. Initial results from the German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents (KiGGS)]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2007 May-Jun;50(5-6):827-35. German. doi: 10.1007/s00103-007-0246-2. PMID: 17514469.

  9. Ravens-Sieberer, Wille, Bettge, Erhart (2007): Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS); Robert Koch-Institut, Berlin, BRD, Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland; Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2007 · 50:871–878; DOI 10.1007/s00103-007-0250-6

  10. Steinhausen, Rothenberger, Döpfner (Herausgeber) (2010): Handbuch ADHS; Grundlagen, Klinik, Therapie und Verlauf der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, Kohlhammer, Seite 136

  11. Ravens-Sieberer, Wille, Bettge, Erhart (2007): Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS); Robert Koch-Institut, Berlin, BRD, Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland; Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2007 · 50:871–878; DOI 10.1007/s00103-007-0250-6, Seite 875

  12. Jacobi, Höfler, Strehle, Mack, Gerschler, Scholl, Busch, Maske, Hapke, Gaebel, Maier, Wagner, Zielasek, Wittchen (2014): Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH).

  13. Heidemann, Du, Scheidt-Nave (2012): Wie hoch ist die Zahl der Erwachsenen mit Diabetes in Deutschland? Robert Koch Institut

  14. Dalsgaard, Thorsteinsson, Trabjerg, Schullehner, Plana-Ripoll, Brikell, Wimberley, Thygesen, Madsen, Timmerman, Schendel, McGrath, Mortensen, Pedersen (2019): Incidence Rates and Cumulative Incidences of the Full Spectrum of Diagnosed Mental Disorders in Childhood and Adolescence. JAMA Psychiatry. 2019 Nov 20. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019.3523. n= 99.926

  15. Keilow, Wu, Obel (2020): Cumulative social disadvantage and risk of attention deficit hyperactivity disorder: Results from a nationwide cohort study. SSM Popul Health. 2020 Jan 31;10:100548. doi: 10.1016/j.ssmph.2020.100548. PMID: 32072007; PMCID: PMC7016018. n = 632.725

  16. Vuori, Koski-Pirilä, Martikainen, Saastamoinen (2020) Gender- and age-stratified analyses of ADHD medication use in children and adolescents in Finland using population-based longitudinal data, 2008-2018. Scand J Public Health. 2020 Jan 27;1403494820901426. doi: 10.1177/1403494820901426. PMID: 31985349.

  17. Ponnou, Haliday (2020): ADHD Diagnosis and Drug Use Estimates in France: A Case for Using Health Care Insurance Data. J Atten Disord. 2020 Feb 17:1087054720905664. doi: 10.1177/1087054720905664. PMID: 32065015.

  18. Zablotsky, Black, Maenner, Schieve, Danielson, Bitsko, Blumberg, Kogan, Boyle (2019): Prevalence and Trends of Developmental Disabilities among Children in the United States: 2009-2017. Pediatrics. 2019 Sep 26. pii: e20190811. doi: 10.1542/peds.2019-0811.

  19. Summary health statistics for U.S. children; National Health Interview Survey, 2010. Series: Vital and health statistics. Series 10, Data from the National Health Survey; no. 250; DHHS publication; no. (PHS) 2012-1578

  20. Summary health statistics for U.S. children; National Health Interview Survey, 2018.

  21. zitiert nach Polanczyk, Willcutt, Salum, Kieling, Rohde (2014): ADHD prevalence estimates across three decades: an updated systematic review and meta-regression analysis. Int J Epidemiol. 2014 Apr;43(2):434-42. doi: 10.1093/ije/dyt261. PMID: 24464188; PMCID: PMC4817588. REVIEW, mit n = zwischen 73.123 und 102 353 pro Jahr

  22. Getahun, Jacobsen, Fassett, Chen, Demissie, Rhoads (2013): Recent trends in childhood attention-deficit/hyperactivity disorder. JAMA Pediatr. 2013 Mar 1;167(3):282-8. doi: 10.1001/2013.jamapediatrics.401. PMID: 23338799. N = 842.830

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