Header Image
8. Wahrnehmungssymptome bei ADHS

Inhaltsverzeichnis

8. Wahrnehmungssymptome bei ADHS

Autor: Ulrich Brennecke
Review: Dipl.-Psych. Waldemar Zdero

Aufmerksamkeit kann Sinneszellen unmittelbar beeinflussen. Aufmerksamkeit kann beispielsweise die Aktivität von Sinneshärchen im Ohr beeinflussen. Daher liegt es nahe, dass Wahrnehmungssymptome bei ADHS nicht alleine durch eine mangelhafte Filterung eingegangener Sinnesreize, sondern bereits auf der Ebene der Aktivierung und Ausrichtung der Sinneszellen beeinflusst werden.1

8.1. Erhöhte Sensibilität / Reizüberflutung

Wir sprechen im Folgenden von erhöhter Sensibilität. Hochsensibilität ist demgegenüber ein (bisher nur begrenzt validiertes) Konstrukt von Aron, das über eine erhöhte Sensibilität hinaus weitere Elemente beinhaltet (insbesondere eine bestimmte Form der Wahrnehmung / Wahrnehmungsverarbeitung), die vorliegend keine Rolle spielt.
Eine koreanische Studie fand eine erhöhte Sensibilität (SOR) bei 18 % aller Kinder sowie bei mehr als 50 % aller Kinder mit externalisierenden oder internalisierenden Störungen.2
Dopamin hat im Gehirn die Aufgabe, übertragene Signale zu “entrauschen”, also irrelevante Signale zu unterdrücken. ADHS geht mit Dopaminmangel einher. Daher verwundert es nicht, dass ADHS mit einer erhöhten Wahrnehmung (im Sinne einer erhöhten Durchlässigkeit) nicht relevanter Signale einhergeht, was sich in einer erhöhten Ablenkbarkeit einerseits und in einer erhöhten Wahrnehmungssensitivität andererseits zeigt.

Eine Metastudie von k = 30 Studien (23 Kinder, 7 Erwachsene) mit n = 5.374 Teilnehmern fand bei ADHS:3

  • erhöhte sensorische Empfindlichkeit (k = 13, SMD = 1,17)
  • sensorische Vermeidung (k = 11, SMD = 1,15)
  • geringe sensorische Wahrnehmung (k = 23, SMD = 1,22)
  • Suche nach sensorischen Reizen (k = 15, SMD = 1,23)

Ein erhöhter polygener ADHS-Risikoscore geht mit erhöhter sensomotorischer Verarbeitung einher, wenn auch statistisch nicht signifikant.4

8.1.1. Erhöhte Sensibilität / zu weit offener Reizfilter als ADHS-Symptom

Reizoffenheit5 ist ein Symptom von ADHS6, das zuweilen auch Reizfilterschwäche genannt wurde. Diese Bezeichnung betrifft indes lediglich einen Teil von ADHS.
Eine maladaptive Reaktivität gegenüber sensorischen Eingaben wird bei neurologischen Entwicklungsstörungen wie ADHS oder ASS häufig beobachtet.78
ADHS-Betroffene leiden unter Overload (Überreizung im Sinne einer Reizüberflutung) - sie nehmen eingehende Reize, insbesondere visuelle, akustische und taktile Reize, in erhöhtem Maße wahr. Normale Umgebungsreize belasten sie so, dass sie Hintergrundgeräusche nicht herausfiltern können.9
Sehr hilfreich zum Verständnis der Auswirkungen der fehlenden Reizfilter ist das Filtermodell von Lachenmaier.10

ADHS geht fast immer mit einer erhöhten Sensibilität einher. In unserem ADxS-Online-Symptomtest fanden sich bei 87 % von 200 diagnostizierten ADHS-Betroffenen Anzeichen von erhöhter Sensibilität. Dies entsprach in etwa dem Wert für Aufmerksamkeitsprobleme, ist also sehr hoch. Erhöhte Sensibilität ist eine erhöhte Wahrnehmungsintensität. Andere Untersuchungen fanden ebenfalls eine Korrelation von erhöhter Sensibilität mit ADHS-Symptomen11 und zudem mit geringerer Lebensqualität,12 wobei erhöhte Sensibilität bei ADHS häufig mit komorbider ODD oder Angst einhergeht und unabhängig vom Subtyp besteht.13 Eine Auswertung von knapp 1900 Datensätzen des ADxS-Online-Symptomtests (Stand Juni 2020) fand ebenfalls, dass erhöhte Sensibilität im gleichen Maße mit ADHS-HI wie mit ADHS-I korrelierte. Interessanterweise fand eine andere Untersuchung eine Korrelation von SOR (Sensory-Over-Responsivity) bei ADHS mit einer erhöhten Cortisolstressantwort (was unserer Auffassung nach beim ADHS-I-Subtyp häufiger auftritt), während non-SOR-ADHS-Betroffene eine abgeflachte Cortisolstressantwort zeigten (wie es unserer Auffassung nach bei ADHS-HI häufiger ist). SOR war nicht mit bestimmten externalisierenden Verhaltensweisen assoziiert, jedoch mit einer Vermeidung von sensorischen Reizen.14 Eine weitere Studie fand ebenfalls eine erhöhte Sensitivität bei erwachsenen ADHS-Betroffenen.15
Eine Studie unte4r Kindern von 8 bis 12 Jahren fand, dass SOR eher mit Ängstlichkeit korrelierte und ADHS eher mit Reizsuche und Reizunempfindlichkeit korrelierte.16

ADHS teilt mit erhöhter Sensibilität den zu weit offenen Reizfilter, der wahrscheinlich vom Thalamus gesteuert wird.
Beispiele:

  • Lichtempfindlichkeit
    • visuelle Sensibilität; hier gebe es 4 Typen:17
      • Helligkeit (z.B. Sonnenlicht)
      • sich wiederholende Muster (z. B. Streifen)
      • Stroboskopeffekte (z. B. Blinken, Bildschirmbewegungen)
      • intensive visuelle Umgebungen (z. B. Supermärkte, Verkehr)
  • Lärm-/Geräuschempfindlichkeit
    • akustische Sensibilität
  • Schreckhaftigkeit
  • Emotionale Sensibilität
    • Gefühle anderer übertragen sich auf einen
    • Stimmungen anderer unangenehm intensiv empfinden
    • Filme
      • können leicht zum Weinen bringen
      • (bestimmte) Filme nicht anschauen mögen, wegen zu intensiver Empfindungen
  • Geschmack / Gerüche intensiver wahrnehmen
    • olfaktorische Sensibilität
    • dies soll (unabhängig von ADHS) mit einer erhöhten Sensibilität bei der Auswahl präferierter Nahrungsmittel korrelieren18
  • Taktile Sensibilität19
    • raue Stoffe sind unangenehm
  • Temperaturempfindlichkeit
    • besondere Empfindlichkeit gegen hohe oder niedrige Temperaturen
    • früher als andere die Temperatur ändern wollen
  • Unterzuckerung / Hunger / Durst ist schwer erträglich
  • Schmerzempfindlichkeit
    • seltener als andere Merkmale

Insbesondere erhöhte taktile Sensibilität bei ADHS soll mit erhöhter Ängstlichkeit korrelieren.20 Weiter fand sich eine Korrelation zwischen SOR und Ängstlichkeit.21
Etwa die Hälfte aller ADHS-Betroffenen erfüllt zugleich die Kriterien des Sensory-Over-Responsivity Tests.2220 Hierzu wurde hypothetisiert, dass SOR mit einem GABA-Mangel korrelieren könnte.
Im Vergleich zu Nichtbetroffenen zeigten Kinder mit ADHS wie ASS eine erhöhte Reizsensibilität. Während ASS eine höhere auditive Reizverarbeitung als ADHS zeigten, war ADHS mit einer höheren visuellen Reizverarbeitung als ASS verbunden. Die Reizsensibilität nahm bei allen Gruppen mit dem Alter ab. Bei ADHS fanden sich als abweichende Muster der Wahrnehmung und Verarbeitung sensorischer Reize:23

  • suchen eher nach sensorischem Input (Suchmuster)
  • sind sich sensorischer Reize bewusster (Sensormuster)
  • sind durch bestimmte Reize leichter störbar (Vermeidungsmuster)
  • nehmen sensorische Reize schwächer wahr (geringere Registrierung/Betreuer-Muster)

Kinder mit ADHS zeigen eine erhöhte sensorische Sensibilität und haben Probleme bei der Propriozeption, dem Sehen, der auditiven und der taktilen sensorischen Verarbeitung. Diese Defizite in der sensorischen Verarbeitung stehen im Zusammenhang mit funktionellen, sozialen, Verhaltens- und Lernschwierigkeiten.24

Eine Studie fand überraschend eine leichte negative Korrelation von erhöhter Sensibilität und dem ADHS Polygenic Risc Score.25

8.1.2. Erhöhte Sensibilität und Korrelation mit ADHS-Subtypen

Nach der Auswertung von knapp 1900 Datensätzen des ADxS.org-Symptomtests korreliert erhöhte Sensibilität in der Summe mit ADHS-HI wie ADHS-I gleich hoch (0,50 zu 0,51). Betrachtet man die einzelnen Teilbereiche der Sensibilität getrennt, ergeben sich Hinweise auf unterschiedliche Korrelationen zu den Subtypen:

Sensibilitäts-Teilbereich Korrelation mit ADHS-HI und ADHS-C Korrelation mit ADHS-I
Lichtempfindlichkeit 0,20 0,41**
Geräuschempfindlichkeit 0,22 0,34
Schreckhaftigkeit 0,20 0,25
raue Stoffe unangenehm 0,18 0,20
Stimmung anderer überträgt sich 0,28 0,25
Temperaturempfindlichkeit 0,21 0,11
Nebentischgespräche nicht ausblenden können 0,35 0,30
Fernseher in Kneipe nicht ignorieren können 0,40 0,29
Ablenkbarkeit insgesamt (zum Vergleich) 0,50 0,38

Lichtempfindlichkeit ist als einziger Wert signifikant (p = 0,001)
Limitationen:
Die Frage zur Temperaturempfindlichkeit zielte darauf, ob man einer der Ersten sei, die eine Änderung der Temperatur wünschten. Dies bezieht über das Empfinden hinaus die Bereitschaft der Äußerung ein, was das Ergebnis beeinflussen dürfte. Es handelt sich um einen nicht validierten Online-Selbsttest (Screening).

8.1.3. Erhöhte Sensibilität als Stresssymptom

Eine (stressbedingt) erhöhter Noradrenalinspiegel löst unmittelbar eine erhöhte Wahrnehmungssensibilität aus.26 Der Noradrenalinanstieg wird durch den Nucleus coeruleus vermittelt.27 Der Nucleus coeruleus wird (u.a.) durch Stress aktiviert und aktiviert seinerseits weitere Stresssysteme wie z.B. den Sympathikus.28 Eine erhöhte Sensibilität ist folglich auch ein mögliches Symptom von Stress.29

8.1.3.1. Schreckhaftigkeit als Stresssymptom

Das Stresshormon CRH bewirkt unmittelbar verstärkte Schreckreaktionen.3031

8.1.3.2. Erhöhte Wachheit / Aufmerksamkeit als Stresssymptom

Erhöhte Wachheit und Aufmerksamkeit können ebenfalls eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH sein.3031

8.1.3.3. Erhöhte akustische Wahrnehmung als Stresssymptom

Das Stresshormon CRH löst eine erhöhte akustische Wahrnehmung aus.3032

8.1.3.4. Reizüberflutung als Stresssymptom

Das Gefühl der Reizüberflutung wird als Stresssymptom betrachtet.29

8.1.3.5. Traumata in Jugend verändern Hautsensitivität

Frauen, die ausschließlich während ihrer Adoleszenz (Entwicklung), nicht jedoch in ihrer Kindheit oder im Erwachsenenalter, zwischenmenschlicher Gewalt ausgesetzt waren, wiesen neue Proteinbiomarker (Gen) auf, die mit einem sensorischen Zellsystem in der Haut, den Merkel-Zellen, in Verbindung stehen. Die mechanosensorische Signalübertragung der Merkel-Zellen ist wichtig für sanfte und soziale Berührungen, entzündungsbedingte Schmerzen und die neuroendokrine Stressreaktion der Haut. Die aus Keratinozyten stammenden Merkel-Zellen reifen während der identifizierten vulnerablen Phase der Adoleszenz. Viele der dabei identifizierten Gene gehörten zu einem bekannten 17q21-Gencluster.33

8.2. Empathie bei ADHS

Empathie ist die Fähigkeit zum Einfühlen und Nachempfinden der Gefühle und Erlebnisse anderer. Das multidimensionale Empathiekonzept unterscheidet kognitive Empathie (das Verstehen der emotionalen Zustände anderer, ähnlich der Theory of Mind) und emotionale Empathie (die emotionale Reaktion auf den Gemütszustand anderer).34 Hinzu tritt als drittes Element die Emotionserkennung, siehe dort.
Es gibt verschiedene Konzepte, die beschreiben, wie Empathie entsteht.
Komorbide PTSD oder Intrusionen können kognitive Empathie verringern. 34

8.2.1. Emotionserkennung beeinträchtigt

Emotionserkennung ist ein Teilbereich von Empathie35 und meint die Fähigkeit, Emotionen anhand von Sprache, Gesichtsausdruck oder Verhalten zu erkennen.36
Bei ADHS scheint (wie bei Autismus) eine verschlechterte Erkennung von Emotionen anderer zu bestehen, wobei die Reizverarbeitung auf einer anderen Verarbeitungsstufe gestört ist als bei ASS.373839 Eine Metastudie fand keine Hinweise bei ADHS auf eine Beeinträchtigung der N170, einem ereignisbezogenen Potenzial, das empfindlich auf Gesichtsausdrücke reagiert und häufig mit Wahrnehmung und Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht wird.40

Eine Metastudie fand, dass die Studien, die eine eingeschränkte Emotionserkennung fanden, von schlechterer Qualität waren als diejenigen, die keine feststellten, was die Ergebnisse in Frage stellt.41
Daneben haben viele ADHS-Betroffene erhebliche Schwierigkeiten, die Ausdrucksweise ihrer eigenen Emotionen zu erkennen und zu beherrschen.42

Emotionale Dysregulation bei ADHS kann durch Defizite bei der Erkennung und / oder Zuordnung von emotionalen Reizen entstehen.43

ADHS-Betroffene können Emotionen in Gesichtern schlechter erkennen.44 Kinder mit ADHS, ASS oder Sprachentwicklungsstörung zeigten eine ähnliche Entwicklungsverzögerung hinsichtlich der Fähigkeiten zur Erkennung von Emotionen.45 Eine Metastudie bestätigte ein Defizit bei der Erkennung von Gesichtsausdrücken (Facial Expression Recognition Deficit, FER) bei ADHS. Dieses trete ebenso bei ASS, Borderline, Parkinson und Schizophrenie auf.46 Jungen mit ADHS zeigten abweichende Gehirnaktivitäten bei der Wahrnehmung von Gesichtern von Familienangehörigen.47 ADHS korrelierte mit einer stärkeren Aktivierung des rechten Nucleus accumbens bei der Wahrnehmung von ängstlichen und fröhlichen Gesichtern.48
Eine Metastudie fand in 16 von 17 Untersuchungen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS Schwierigkeiten zeigen, emotionale Informationen zu verarbeiten, die durch visuelle Szenen vermittelt werden.49
Dass bei ADHS die Wahrnehmung von Emotionen in gezeigten Gesichtern verändert scheint, selbst wenn die Betroffenen im Erwachsenenalter keine ADHS-Diagnose mehr erhalten,50 könnte ein interessanter Aspekt zur Veränderung von Empathie bei ADHS sein.
Ebenso zeigte sich bei Menschen mit desorganisiertem Bindungsstil eine verringerte Fähigkeit, Emotionen aus Gesichtern zu lesen, die stärker mit ODD als mit ADHS korrelierte. Dies korrelierte zugleich mit erhöhter emotionaler Reaktion.51 Dies ähnelt in gewisser Weise einem bei Borderline bekannten Muster.
Dies steht scheinbar im Kontrast zu unseren Daten aus dem ADxS.org-Symptomtest auf die Frage “Empfindest Du Stimmungen anderer manchmal unangenehm intensiv?”, die von ADHS-Betroffenen deutlich häufiger bejaht wurde als von Nichtbetroffenen. Auf einer 5-stufigen Skala (-2 recht wenig, -1 eher wenig, 0 weder noch, 1 eher deutlich, 2 recht deutlich) erzielten ADHS-Betroffene einen Durchschnittswert von 1,0, Nichtbetroffene einen Durchschnittswert von 0,4. (n = 1889, Stand Juni 2020). Bei genauerer Betrachtung dürfte jedoch zwischen der Fähigkeit, Emotionen anderer erkennen zu können und der Selbstabgrenzung gegen Emotionen anderer (worauf die Frage des Symptomtests zielt) zu unterscheiden sein.

8.2.2. Empathiefähigkeit bei ADHS beeinträchtigt?

Eine Untersuchung fand eine verringerte Empathiefähigkeit bei ADHS.52 In der Selbstwahrnehmung berichten ADHS-Betroffene von einer erhöhten und zuweilen überhöhten Empathiefähigkeit.53

Bei ADHS mag die Empathiefähigkeit häufig beeinträchtigt sein. Sie ist jedoch nicht grundsätzlich inexistent, was ADHS von Psychopathie unterscheidet.
Es scheint vielmehr, als könnten ADHS-Betroffene ihre Empathiefähigkeit häufig nicht abrufen oder einsetzen. Da Empathie wie auch die Aufmerksamkeit (siehe dort) der Motivation folgt oder zumindest von ihr mitreguliert wird5455 scheint uns schlüssig, dass bei ADHS bei der Empathie weniger die Empathie an sich und ebenso nicht die Steuerungsfähigkeit der Empathie (die “technische” Fähigkeit, die Empathie zu lenken) beeinträchtigt ist, sondern dass das Steuerungsprofil, das die Empathie durch die Motivation lenkt, beeinträchtigt bzw. unpassend ist, so wie es bei der Aufmerksamkeit ebenfalls der Fall ist.

Dass die Empathiefähigkeit bei ADHS nicht inexistent, sondern eher verschüttet ist, zeigt sich in 1:1 Begegnungen in ruhiger Umgebung oder im Hyperfokus – z.B. bei Verliebtheit. Auch Betroffene von ADHS-HI und ADHS-C werden hier als sehr charmant, empathisch und zuvorkommend beschrieben. Bei einzelnen Betroffenen, insbesondere bei einer bestehenden Komorbidität aus dem Aggressionsspektrum, mag dies anders wirken. Dies scheint jedoch eher auf die Komorbidität zurückzuführen sein.
Es wird von auffällig hohen μ-Frequenzen im EEG von ADHS-Betroffenen berichtet.56 Diese hohe Aktivität an Gehirnwellen im μ-Frequenzbereich sei repräsentativ für eine Unterfunktion der Spiegelneuronen, die für das Mitfühlen‑Können mit einem Gegenüber verantwortlich sind. Das Phänomen der fehlenden μ-Frequenz-Supression bei der Beobachtung Dritter trete ebenso bei Autisten auf (Spiegelneuron-Hypothese).57
μ-Rhythmen seien durch Ballen der Faust unterdrückbar. Bislang wurde jedoch nicht beobachtet, dass ein Ballen der Fäuste Einfluss auf die Empathiefähigkeit bei ADHS oder bei Nichtbetroffenen hätte. Daher scheint die Aktivität der μ-Frequenzen mit Empathiefähigkeit eher korrelierend als kausal verbunden zu sein. Zudem zeigen die Daten aus dem ADxS.org-Symptomtest, dass die Aussage “Stimmungen anderer übertragen sich auf mich” bei ADHS deutlich häufiger zutrifft als bei Nichtbetroffenen. Auch dies widerspricht der Annahme, dass bei ADHS die Empathiefähigkeit an sich beeinträchtigt wäre.

Stimulanzien verbesserten die Empathiefähigkeit und verringerten narzisstische Traits bei Erwachsenen mit ADHS signifikant.58

8.2.3. Empathieausübung – besonders bei ADHS-HI-Subtyp – beeinträchtigt?

Es scheint also weniger an einer fehlenden “technischen” Fähigkeit der Empathie zu liegen, sondern daran, dass die Ausübung von Empathie durch andere Dinge (innere Unruhe, Reizüberflutung) verschüttet ist. Trotzdem ist eine verringerte Ausübung von Empathie ein Symptom, das bei ADHS häufig auftritt. Wir haben den (subjektiven) Eindruck, dass eine verringerte Empathie(ausübung) häufiger bei ADHS-HI-Betroffenen und eine erhöhte Empathie häufiger bei ADHS-I-Betroffenen auftritt. Die hyperaktiv/impulsiven ADHS-HI- und ADHS-C-Betroffenen erscheinen nach außen häufig wenig empathisch. Gesichert ist, dass ADHS fast immer mit einer erhöhten Sensibilität einhergeht. In unserer Onlineuntersuchung fanden wir bei 87 % von 200 diagnostizierten ADHS-Betroffenen Anzeichen von erhöhter Sensibilität. Dies entspricht in etwa dem Wert für Aufmerksamkeitsprobleme, ist also sehr hoch. Erhöhte Sensibilität ist eine intensivere Wahrnehmung äußerer Reize. Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Lage anderer Personen hineinzuversetzen und ihre Gefühle verstehen oder nachvollziehen zu können (kognitive Empathie), und die Fähigkeit, diese Gefühle mitfühlen zu können (emotionale Empathie). Die Daten zur Korrelation einzelner Teile von erhöhter Sensibilität mit den ADHS-Subtypen (siehe oben unter Erhöhter Sensibilität) deuten darauf hin, dass die Aussage “Stimmungen anderer übertragen sich auf mich” bei ADHS deutlich stärker zutrifft als bei Nichtbetroffenen, wobei dies den ADHS-HI-Subtyp sogar ein klein wenig stärker betrifft als den ADHS-I-Subtyp, was auf eine mindestens gleich hohe Empathiefähigkeit der Subtypen hindeuten könnte.
Je schlechter es einem Menschen geht, je höher seine innere Anspannung oder Angst ist, je höher der Stresspegel ist, desto geringer ist die gezeigte Empathie.59 Dies könnte als eine recht gesunde Stressreaktion betrachtet werden: Wenn es ums Überleben geht, ist jeder sich selbst der Nächste. Ist der Stress, die Angst dann weg, ist es wieder möglich, mit anderen zu fühlen. Befunde, wonach eine Blockade von Glucocorticoidrezeptoren Empathie erhöht, deuten ebenfalls in diese Richtung.60 In der Zusammenschau mit einer Untersuchung, bei der ADHS-betroffene Kinder auf den TSST eine umso abgeflachtere Cortisolantwort zeigten, je stärker sie psychopathische Merkmale (gefühllose, emotionslose Reaktionen / callous unemotional traits = CU-Traits) wie mangelnde Empathie, Gefühlskälte etc. aufwiesen61 sowie mit weiteren Untersuchungen, die ebenfalls eine Korrelation von callous unemotional traits mit externalisierenden Symptomen6263 bzw. mit Impulsivität64 bei ADHS feststellten, deutet sich an, dass eine abgeflachte Cortisolstressantwort, wie sie bei ADHS-HI häufig ist, mit einer geringeren Empathiefähigkeit einhergeht, sodass zwischen den Subtypen zu unterscheiden wäre.
Die bei den ADHS-HI- und ADHS-C-Präsentationsformen dauerhaft andauernde innere Überaktivierung, die dauerhafte innere Unruhe (die sich nach den Daten des ADxS-Online-Symptomtests in einer bei ADHS-HI stark beeinträchtigten Erholungsfähigkeit zeigt, welche bei ADHS-I zwar ebenfalls gegenüber Nichtbetroffenen erhöht, ist, jedoch nicht so stark wie bei ADHS-HI) scheint derart viele Ressourcen der Betroffenen zu fordern, dass sie ihre – eigentlich vorhandene, wenn auch mangels Nutzung zuweilen außerdem untrainierte – Fähigkeit zur Empathie kaum ausüben können. ADHS-I-Betroffene scheinen dagegen ihre Empathiefähigkeiten in besonderem Maße ausleben zu können. Denkbar wäre, dass dies weniger eine Folge unterschiedlicher Persönlichkeitsaspekte bei ADHS-HI und ADHS-I ist, sondern dass dies eher daraus resultiert, dass ADHS-HI von einer chronisch aktivierten HPA-Achse gekennzeichnet ist (aufgrund fehlender Erholungsfähigkeit wegen einer typischerweise abgeflachten Cortisolstressantwort, die nicht mehr in der Lage ist, die HPA-Achse abzuschalten), während ADHS-I von einer überhöhten endokrinen Stressantwort geprägt ist, deren hohe Cortisolstressantwort eine stressbedingte Aktivierung der HPA-Achse zuverlässig wieder herunterfährt. Diese endokrinologischen Muster könnten nach unserem Verständnis möglicherweise eine unterschiedliche Empathie-Häufigkeit bei ADHS-HI und ADHS-I erklären.
Dies deckt sich mit Forschungsergebnissen zur PTBS/PTSD, die darauf hindeuten, dass die Kommunikation zwischen den Gehirnhälften für eine Erkennung und Verarbeitung von Emotionen unerlässlich ist. Diese Kommunikation zwischen den Gehirnhälften ist bei PTBS/PTSD funktionell gestört, ohne dass eine anatomische Unterbrechung der Kommunikation gegeben wäre, wie bei einer bei Epilepsie als ultima ratio gebotenen Durchtrennung des Corpus callosum, die ebenfalls zu alexithymen (gefühlsblinden) Verhaltensweisen führt.65 In Zuständen starker emotionaler oder kognitiver Belastung werden auch bei neurologisch intakten Menschen Ereignisse in der rechten Hemisphäre durch Hemmung der Übertragung zwischen den Gehirnhemisphären funktionell von der linken getrennt.66
Weiter geht frühkindliche Stressbelastung wohl mit einer verringerten emotionalen, nicht aber einer verringerten kognitiven Empathie einher.67

Dass akuter Schmerz die Empathie eher erhöht, könnte ein interessanter Aspekt in Bezug auf Selbstverletzungsverhalten bei Borderline sein.6869 Dann könnte zwischen kurzfristigem Stress (Empathie erhöhend) und chronischem Stress (Empathie verringernd) zu unterscheiden sein. So ist auch bei Ratten bei niedrigem akutem Schmerzstress die Empathie erhöht, während sie bei schwerem Schmerzstress verringert ist.70

Siehe hierzu auch: Gehirnhemisphären bei ADHS.

8.3. Zeitwahrnehmungsprobleme bei ADHS (Chronasthenie)

Bei ADHS ist sehr häufig die Zeitwahrnehmung gestört.

Bei ADHS ist die Zeitwahrnehmung verändert.
Dies betrifft die Wahrnehmung unterschiedlich langer Zeitabschnitte, obwohl die Wahrnehmung für diese verschiedenen Zeitfenster durch unterschiedliche Gehirnregionen erfolgt.71

Während die Zeit in der Welt um uns eine einheitliche Geschwindigkeit hat, ist die Wahrnehmung dieser Geschwindigkeit individuell verschieden.72
Bei ADHS bestehen Defizite bei der Reproduktion und Schätzung festgelegter Zeitdauern. Kinder mit ADHS neigen dazu, das Intervall eines bestimmten Zeitraums bei einer Schätzung länger anzugeben, als es war, während sie ihn zu kurz halten, wenn sie ihn reproduzieren sollen.7374 ADHS-Betroffene haben demnach eine durchgängig abweichende innere Uhr. Die Geschwindigkeit kognitiver Funktionen, die auf zeitlicher Verarbeitung beruhen, sei erhöht. Dadurch vergeht für Menschen mit ADHS die Zeit subjektiv schneller als für Nichtbetroffene, sodass die reale Zeit als „schleppend“ empfunden wird. Diese Störung der subjektiven Zeitwahrnehmung soll nach den Autoren das verstärkte Vermeiden von Verzögerungen, die stärkere Wahrnehmung von Langeweile, das unangenehme Empfinden von Wartezeiten und die Abwertung entfernter Belohnungen erklären.
Wir halten dies für eine Fehlinterpretation. Vergeht die Zeit subjektiv schneller, müsste eine entfernte Belohnung im Vergleich zu Nichtbetroffenen relativ wertvoller werden, da die Belohnung subjektiv früher eintritt. Die Korrelation ist gleichwohl unbestritten, wir bezweifeln lediglich die Kausalität.

Eine Hypothese erklärt insbesondere Impulsivitätssymptome von ADHS mit interindividuellen Unterschieden in der Zeitwahrnehmung der ADHS-Betroffenen.7571 Die Zeitschätzung von Kindern mit ADHS war noch schlechter, wenn diese eine besonders hohe Impulsivität hatten.76

Eine Studie fand Hinweise, dass Hyperaktivität weniger auf eine verringerte Impulshemmung als auf eine veränderte Zeitwahrnehmung zurückzuführen sein könnten.77

Eine schnellere subjektive Zeit bei ADHS wurde als zusätzlicher Faktor für eine Abwertung entfernter Belohnungen interpretiert.71 Dies scheint uns jedoch fragwürdig, denn wenn ein objektiver Zeitraum subjektiv schneller wahrgenommen wird, sollte dies mit einer subjektiv verkürzten wahrgenommenen Zeit einhergehen, was einer Abwertung entfernter Belohnungen eher entgegenstehen sollte.
Es besteht jedoch offenbar eine direktere Verbindung zwischen der Abwertung entfernterer Belohnungen und Impulsivität: Die subjektive Zeitwahrnehmung kann experimentell durch hyperbolische Verzögerungsdiskontierungsverfahren bewertet werden, um den Einfluss der Zeitwahrnehmung auf die Entscheidungsfindung zu modellieren. Die hyperbolische Verzögerungsdiskontierung beschreibt die (von ADHS bekannte) Tendenz, kleinere sofortige Belohnungen größeren, aber verzögerten Belohnungen vorzuziehen.71 Diese Methode geht damit von einer unmittelbaren Verknüpfung zwischen der Abwertung entfernterer Belohnungen und Impulsivität aus.
Auch aus der Suchtforschung wird eine Korrelation zwischen Impulsivität und einer Abwertung entfernterer Belohnungen berichtet, die auf eine veränderte Zeitwahrnehmung zurückgeführt wird.78

Beim hyperbolischen Diskontierungsmodell sinken die Bewertungen zu Beginn relativ schnell (z.B. für Tage 1 bis 7), und für spätere Zeiträume langsamer (z.B. Tag 8 und später). Probanden bewerteten es als gleichwertig, 15 USD sofort, 30 USD nach drei Monaten, 60 USD nach einem Jahr oder 100 USD nach drei Jahren zu erhalten. Die Abzinsungssätze sanken demnach mit zunehmender Dauer der Verzögerung von 277 % über 139 % auf 63 %.79
Damit unterscheidet sich das hyperbolischen Diskontierungsmodell von einem linearen Diskontierungsmodell, bei dem die Bewertung für jede Zeiteinheit des Wartens um das gleiche Maß sinkt.

Bei einem Videospiel, in dem Belohnungen zeitlich von der Handlung entkoppelt waren, erzielten ADHS-Betroffene genauso gute Exekutivfunktionsleistungen wie Nichtbetroffene.80 Eine Studie berichtet, dass die Selbstwahrnehmung von Aufmerksamkeitsschwierigkeiten bei ADHS (und ASS) nicht mit der tatsächlichen Leistung in Aufmerksamkeitstests korreliert.81

Die Zeitwahrnehmung wird im Gehirn durch ein komplexes Netzwerk aus Zeitgebern, Akkumulatoren und Vergleichselementen geregelt. Dabei sind der Hippocampus und der entorhinale Cortex für die längeren Zeitmaße und das Cerebellum für die Zeitmaße von Sekundenbruchteilen, wie sie insbesondere für die Gehirn-Muskel-Koordination erforderlich sind, verantwortlich.82

Möglicherweise ist die ungenauere Zeitschätzung bei ADHS nur ein Ausfluss einer bei ADHS generell erhöhten intraindividuellen Variabilität. Auch die Schätzung der Anzahl von Perlen in Glasbehältern ist bei ADHS ungenauer, ebenso wie die Variabilität der Schätzungen zu einem identischen Sachverhalt.83

Barkley84 sieht in der Zeitwahrnehmungsproblematik ein eigenes und signifikantes Symptom von ADHS. Studien berichten, dass ADHS-Betroffene schlechter abschätzen können, wie lange sie für eine Aufgabe benötigen – und in der Folge, was sie innerhalb einer Zeitspanne an Aufgaben bewältigen können. Unter Medikation normalisiert sich dies.75 Dabei wurden keine Unterschiede zwischen den ADHS-Subtypen gefunden.85 Zeitwahrnehmungs- und Zeitverarbeitungsprobleme betreffen Kinder wie Erwachsene mit ADHS86 und sind bereits bei Vorschulkindern ein Hinweis auf ein mögliches ADHS.87

Zeitwahrnehmungsprobleme bewirken häufig eine frustrierende negative Wahrnehmung der eigenen Leistungsfähigkeit, die damit zumindest teilweise lediglich einen Folgefehler der fehlerhaften Zeitwahrnehmung darstellen könnte. Diese verstärkt wiederum eine negative Eigenwahrnehmung. (Siehe auch: Leistungsprobleme als ADHS-Symptom)

Die veränderte Zeitwahrnehmung kann bei ADHS zu einem Auseinanderfallen von Lebensrhythmen über den Tag führen, die im Zusammenleben mit Familienangehörigen zusätzliche Schwierigkeiten auslösen.88 Dies erinnert an die Idee des “Sozialen Jetlag” durch den nach hinten verschobenen Tag-/Nachtrhythmus. Mehr hierzu unter Sozialer Jetlag durch verschobenen Tagesrhythmus

Veränderte Zeitwahrnehmung als Stressnutzen?

Eine veränderte Zeitwahrnehmung könnte einen Stressnutzen darstellen. In akuter Gefahr ist es sinnvoll, Dinge, die nicht überlebensnotwendig sind, als weniger wichtig zu priorisieren. Eine Veränderung der Zeitwahrnehmung könnte die Priorisierung der überlebensnotwendigen Dinge unterstützen. Mehr hierzu unter Stressnutzen – der überlebensfördernde Zweck von Stress.
Ein Individuum, das in akuter Gefahr ist (überlebensbedrohlicher Stress), hat eine größere Überlebenschance, wenn es alle weiter entfernt liegenden Dinge als unwichtiger und alle unmittelbar anstehenden Dinge als wichtiger behandelt. Da im Notbetrieb des Überlebenssicherungsprogramms alles, was weiter entfernt ist, nicht so wichtig ist, könnte es auch weniger wichtig sein, die zeitliche Entfernung und den Zeitbedarf von weiter entfernt liegenden Aufgaben genau abschätzen zu können.

Zeitverständnis von Hochindustriestaaten als Mitursache?

Rossi89 merkt an, dass das Zeitverständnis der Hochindustriestaaten kulturell bedingt sehr streng ist. Schon in hoch entwickelten Mittelmeerstaaten begegne einem ein anderes Zeitverständnis als in Deutschland oder den USA. Erst recht gelte das für große Teile der Welt. Er stellt daher infrage, ob hier wirklich bereits ein pathologisches Symptom vorliegt.
Da jedoch empirisch erwiesen ist, dass ADHS-Betroffene signifikant häufiger Zeitwahrnehmungs- und Terminprobleme haben, als andere Mitglieder des jeweils selben Kulturkreises, ist das Phänomen durchaus ein relevantes ADHS-Problem und nicht eine Frage der Kulturkreispassung.
ADHS tritt zudem in den von Rossi genannten Ländern mit einem solchen anderen Zeitempfinden ebenso auf.
Zugleich nennt Rossi selbst ein mangelndes Zeitgefühl als Symptom von ADHS-I (ohne Hyperaktivität).90

8.3.1. Zeitaufwand-Schätzfehler bei ADHS

Bei ADHS ist die Fähigkeit eingeschränkt, abzuschätzen, wie viel Zeit eine Maßnahme oder Aufgabe benötigt.919293

ADHS-Betroffene können längere Zeitabstände weniger gut abschätzen als Nichtbetroffene.

Erscheinungsformen:

  • Arbeiten zu spät abschließen
  • Ständiges zu spät kommen
    • multiple Ursachen:
      • Zeitabschätzungsfehler
      • Warten ist unerträglich (Delay Aversion)
      • Warten ist Ruhe und Inaktivität (mit der Folge von Dysphorie bei Inaktivität)
        Jedes Lebewesen steuert sich ganz zentral danach, eine möglichst gute Stimmung zu halten
        Die Zeit bis zum X wird vollständig für Aktivitäten ausgenutzt. Da meistens etwas schiefgeht, und Zeiteinschätzung ein Problem bei ADHS ist, kommen Betroffene häufig zu spät. Lieber noch schnell dies oder jenes mit erledigen, als das Risiko eingehen, zu früh zu kommen und dann warten zu müssen. Aus der Summe resultiert häufiges zu spät kommen.
      • jetzt ist immer
        • Die Wahrnehmung, was wichtig ist, ist in Richtung Gegenwart verschoben
  • bei interessierenden Dingen / Arbeiten vergeht Zeit gefühlt extrem schnell
    • andere werden warten gelassen

In der Folge fühlen sich andere respektlos behandelt (auch wenn das nicht das Motiv des Betroffenen war) und reagieren verständlicherweise zurückweisend. Dies triggert das ohnehin bereits miniaturisierte Selbstwertgefühls des Betroffenen.

8.3.2. Zeitverarbeitung bei ADHS verändert

Um die Länge von zwei Zeitintervallen zu unterscheiden, von denen eines 1 Sekunde dauerte, musste das andere für Nichtbetroffene 1,184 Sekunden dauern, während dieses für ADHS-Betroffene 1,238 Sekunden andauern und damit 30 % länger sein musste.94 Weitere Untersuchungen kommen zu vergleichbaren Ergebnissen.95 Bei ADHS ist weiter die Fähigkeit, ein Zeitintervall in der korrekten Länge zu reproduzieren, beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung korreliert mit Impulsivität.96 Der tonische wie der phasische Dopaminspiegel (gemessen anhand der Beta-Leistung vor dem Intervallbeginn) korrelieren mit der Leistung bei der Zeitmessung. Dopamin spielt selbst im Bereich der natürlich auftretenden Schwankungen eine wichtige Rolle beim Intervall-Timing.97

Zeitwahrnehmung bei ADHS auf Gegenwart und positive Zukunft fokussiert?

8.3.3. Zeitwahrnehmung bei ADHS auf Gegenwart / positive Zukunft fokussiert?

Zu diesem Aspekt gibt es noch zu wenige Studien, um eine verlässliche Aussage in Bezug auf ADHS treffen zu können.

Etliche Studien haben die individuellen Unterschiede in der Zeitwahrnehmung thematisiert, insbesondere die Verteilung der Aufmerksamkeit auf Zeitperspektiven wie Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart.98 Ein Standard zur Beurteilung der Zeitperspektive ist das Zimbardo Time Perspective Inventory (ZTPI). Das ZTPI schätzt die Intensität, mit der die Wahrnehmung auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fokussiert ist, und ob die Zeitperspektive tendenziell positiv oder negativ wahrgenommen wird.75 Verschiedene Arten von Störungen können auf Ungleichgewichte in der Zeitwahrnehmung zurückgeführt werden.

Die fünf Dimensionen des ZTPI umfassen:

  • vergangene positive Dimension
    • positive Erinnerungen an die Vergangenheit
  • vergangene negative Dimension
    • unangenehme oder traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit
    • typisch z.B. bei PTSD
  • Dimension des gegenwärtigen Hedonismus
    • das Leben im Augenblick und die Suche nach Vergnügen
    • typisch z.B. bei
      • ADHS
        • in Bezug auf impulsives Spielen, Süchte99
      • Bipolar100
  • Dimension des gegenwärtigen Fatalismus
    • Überzeugung, dass das Leben nicht vom freien Willen, sondern von Schicksal und Glück gesteuert wird
    • Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit101102
    • typisch z.B. bei
      • Depression103
      • jüngeren Alzheimer-Betroffenen101
  • Dimension der Zukunft
    • Grad der Zielorientierung des Individuums; Leistungen und Verantwortlichkeit gegenüber anderen Menschen
    • typisch z.B. bei
      • ADHS
        Eine Studie fand, dass bei ADHS-Betroffenen die Positive Zukunft (Future Positive Scale) der primäre Prädiktor für den ADHS-Status war.104
      • älteren Alzheimer-Betroffenen101

Wie eingangs erwähnt gibt es zu diesem Aspekt noch zu wenige Studien in Bezug auf ADHS, um eine belastbare Aussage treffen zu können.

Ein (bislang nicht verifizierter) Gedanke dazu ist, dass eine veränderte Zeitwahrnehmung im Sinne einer Gegenwartsfokussierung (im Sinne eines wahrgenommenen “jetzt ist immer”) die subjektive Wahrnehmung von Belastungen durch eine erhöhte Hilflosigkeit verstärken könnte. Wenn die Perspektive fehlt, dass ein unangenehmer Zustand, ein Schmerz, auch wieder vergehen wird, dürfte das die subjektive Belastung durch diese Wahrnehmung deutlich erhöhen. Dies könnte die bei ADHS erhöhte subjektive Stresswahrnehmung erklären helfen.

8.4. Chronische Schmerzen, erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei ADHS

Siehe hierzu unter Chronische Schmerzen / Muskelspannung bei ADHS

8.5. Selbstwertprobleme

ADHS geht häufig mit Selbstwertproblemen einher.105

Aus psychologischer Sicht könnten Selbstwertprobleme als Resultat der Erfahrung interpretiert werden, den Umweltanforderungen nicht zu genügen.
Nach unserem Eindruck ist das Selbstwertempfinden bei ADHS-Betroffenen jedoch häufig noch deutlich geringer, als es für die tatsächlich bestehenden Funktionsproblemen angemessen wäre. Wir vermuten daher, dass die Selbstwertprobleme ein originäres ADHS-Symptom sind und keine bloße Lernerfahrung. Wir tendieren daher dazu, Selbstwertprobleme bei ADHS nicht als Wahrnehmungsfolge, sondern als Wahrnehmungsproblem oder als eine Spielart von emotionaler Dysregulation zu betrachten.
Sie daher unter Selbstwertprobleme im Beitrag Emotionale Dysregulation / Emotionssymptome bei ADHS.

8.6. Selbstwahrnehmung verschlechtert

Eine Metaanalyse (k = 18) fand, dass erhöhte ADHS-Symptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, emotionale Dysregulation, exekutive Dysfunktion) mit verschlechterter Selbstwahrnehmung korrelierte.106
Studien (möglicherweise in die Metastudie einbezogen) kamen zum selben Ergebnis.107
Interozeptive Genauigkeit vermittelt die Längsschnittbeziehung zwischen unaufmerksamen Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Essstörungen.108

8.7. Langeweile

ADHS geht mit einem höheren Maß an empfundener Langeweile einher.109110111112113114

Die Neigung zu Langeweile war mit schlechterer Aufmerksamkeitskontrolle und schlechterem Arbeitsgedächtnis assoziiert.109
Langeweile korrelierte moderat113 mit Unaufmerksamkeit115, wobei der Zusammenhang durch Verzögerungsaversion vermittelt wurde.110 Es fand sich keine Korrelation zu Impulsivität.113
Langeweile bei ADHS erhöht das Risiko für Internetsucht.116117118
Langeweile korreliert mit verringerten Dopamin- und Noradrenalinspiegeln im PFC119 sowie einem tonischen Anstieg der Theta Amplitude im EEG120 und erhöhter Reaktionszeitvariabilität113. Langeweile steht im Zusammenhang mit dem Default Mode Network.121 Als Mitursache für erhöhte Langeweile bei ADHS wurde eine verringerte sensorische Wahrnehmung122 und eine verlangsamte Zeitwahrnehmung erörtert.123

Methylphenidat verringerte auch die empfundene Langeweile.124


  1. Busse, Grothe (2022): Struktur und Funktion – Die neue Komplexität neuronaler Netzwerke; Youtube Video, deutsch

  2. Schwarzlose RF, Tillman R, Hoyniak CP, Luby JL, Barch DM (2023): Sensory Over-responsivity: A Feature of Childhood Psychiatric Illness Associated With Altered Functional Connectivity of Sensory Networks. Biol Psychiatry. 2023 Jan 1;93(1):92-101. doi: 10.1016/j.biopsych.2022.09.004. PMID: 36357217.

  3. Jurek L, Duchier A, Gauld C, Hénault L, Giroudon C, Fourneret P, Cortese S, Nourredine M (2025): Sensory Processing in Individuals With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Compared With Control Populations: A Systematic Review and Meta-analysis. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2025 Apr 16:S0890-8567(25)00209-6. doi: 10.1016/j.jaac.2025.02.019. PMID: 40250555.

  4. Demontis D, Walters GB, Athanasiadis G, Walters R, Therrien K, Nielsen TT, Farajzadeh L, Voloudakis G, Bendl J, Zeng B, Zhang W, Grove J, Als TD, Duan J, Satterstrom FK, Bybjerg-Grauholm J, Bækved-Hansen M, Gudmundsson OO, Magnusson SH, Baldursson G, Davidsdottir K, Haraldsdottir GS, Agerbo E, Hoffman GE, Dalsgaard S, Martin J, Ribasés M, Boomsma DI, Soler Artigas M, Roth Mota N, Howrigan D, Medland SE, Zayats T, Rajagopal VM; ADHD Working Group of the Psychiatric Genomics Consortium; iPSYCH-Broad Consortium; Nordentoft M, Mors O, Hougaard DM, Mortensen PB, Daly MJ, Faraone SV, Stefansson H, Roussos P, Franke B, Werge T, Neale BM, Stefansson K, Børglum AD (2023): Genome-wide analyses of ADHD identify 27 risk loci, refine the genetic architecture and implicate several cognitive domains. Nat Genet. 2023 Jan 26. doi: 10.1038/s41588-022-01285-8. PMID: 36702997.

  5. Krause, Krause (2014): ADHS im Erwachsenenalter, S. 61

  6. Engel-Yeger B (2024): The development and validation of the “SENSE” - Sensory and Behavioral Modulation Questionnaire for adults. Res Dev Disabil. 2024 Mar 11;147:104715. doi: 10.1016/j.ridd.2024.104715. PMID: 38471295.

  7. Molholm, Murphy, Bates, Ridgway, Foxe (2020): Multisensory Audiovisual Processing in Children With a Sensory Processing Disorder (I): Behavioral and Electrophysiological Indices Under Speeded Response Conditions. Front Integr Neurosci. 2020 Feb 11;14:4. doi: 10.3389/fnint.2020.00004. PMID: 32116583; PMCID: PMC7026671.

  8. Rani I, Agarwal V, Arya A, Mahour P (2022): Sensory Processing in Children and Adolescents with Attention Deficit Hyperactivity Disorder. J Atten Disord. 2022 Oct 14:10870547221129306. doi: 10.1177/10870547221129306. PMID: 36239408. n = 72

  9. Blum, Chen, Braverman, Comings, Chen, Arcuri, Blum, Downs, Waite, Notaro, Lubar, Williams, Prihoda, Palomo, Oscar-Berman (2008): Attention-deficit-hyperactivity disorder and reward deficiency syndrome. Neuropsychiatr Dis Treat. 2008 Oct;4(5):893-918. doi: 10.2147/ndt.s2627. PMID: 19183781; PMCID: PMC2626918.

  10. Filtermodell von Lachenmaier

  11. Grossman A, Avital A (2023): Emotional and sensory dysregulation as a possible missing link in attention deficit hyperactivity disorder: A review. Front Behav Neurosci. 2023 Mar 2;17:1118937. doi: 10.3389/fnbeh.2023.1118937. PMID: 36935890; PMCID: PMC10017514. REVIEW

  12. Pfeiffer, Brusilovskiy, Bauer, Salzer (2014): Sensory processing, participation, and recovery in adults with serious mental illnesses. Psychiatr Rehabil J. 2014 Dec;37(4):289-96. doi: 10.1037/prj0000099.

  13. Ghanizadeh (2011): Sensory processing problems in children with ADHD, a systematic review. Psychiatry Investig. 2011 Jun;8(2):89-94. doi: 10.4306/pi.2011.8.2.89. REVIEW

  14. Reynolds, Lane, Gennings (2010): The moderating role of sensory Overresponsivity in HPA activity: a pilot study with children diagnosed with ADHD. J Atten Disord. 2010 Mar;13(5):468-78. doi: 10.1177/1087054708329906.

  15. Grinblat, Rosenblum (2022): Work participation, sensory processing and sleep quality in adults with attention deficit hyperactive disorder. Work. 2022 Jun 9. doi: 10.3233/WOR-211129. PMID: 35694942. n = 121

  16. Brandes-Aitken A, Powers R, Wren J, Chu R, Shapiro KA, Steele M, Mukherjee P, Marco EJ (2024): Sensory processing subtypes relate to distinct emotional and behavioral phenotypes in a mixed neurodevelopmental cohort. Sci Rep. 2024 Nov 26;14(1):29326. doi: 10.1038/s41598-024-78573-2. PMID: 39592662; PMCID: PMC11599893.

  17. Price A, Sumner P, Powell G (2025): Understanding the subtypes of visual hypersensitivity: Four coherent factors and their measurement with the Cardiff Hypersensitivity Scale (CHYPS). Vision Res. 2025 Aug;233:108610. doi: 10.1016/j.visres.2025.108610. PMID: 40393341.

  18. Smith, Rogers, Blissett, Ludlow (2020): The relationship between sensory sensitivity, food fussiness and food preferences in children with neurodevelopmental disorders. Appetite. 2020 Jul 1;150:104643. doi: 10.1016/j.appet.2020.104643. PMID: 32105808.

  19. Frost-Karlsson M, Capusan AJ, Olausson H, Boehme R (2024): Altered somatosensory processing in adult attention deficit hyperactivity disorder. BMC Psychiatry. 2024 Aug 13;24(1):558. doi: 10.1186/s12888-024-06002-9. PMID: 39138461; PMCID: PMC11323665.

  20. Lane, Reynolds (2019): Sensory Over-Responsivity as an Added Dimension in ADHD. Front Integr Neurosci. 2019 Sep 6;13:40. doi: 10.3389/fnint.2019.00040. eCollection 2019.

  21. Lane, Reynolds, Dumenci (2012): Sensory overresponsivity and anxiety in typically developing children and children with autism and attention deficit hyperactivity disorder: cause or coexistence? Am J Occup Ther. 2012 Sep-Oct;66(5):595-603. doi: 10.5014/ajot.2012.004523.

  22. Ben-Sasson, Soto, Heberle, Carter, Briggs-Gowan (2014): Early and Concurrent Features of ADHD and Sensory Over-Responsivity Symptom Clusters; Research Article; Journal of Attention Disorders, Volume: 21 issue: 10, page(s): 835-845; https://doi.org/10.1177/1087054714543495

  23. Little, Dean, Tomchek, Dunn (2018): Sensory Processing Patterns in Autism, Attention Deficit Hyperactivity Disorder, and Typical Development. Phys Occup Ther Pediatr. 2018 Aug;38(3):243-254. doi: 10.1080/01942638.2017.1390809. PMID: 29240517. n = 239

  24. Sanz-Cervera, Pastor-Cerezuela, González-Sala, Tárraga-Mínguez, Fernández-Andrés (2019): Sensory Processing in Children with Autism Spectrum Disorder and/or Attention Deficit Hyperactivity Disorder in the Home and Classroom Contexts. Front Psychol. 2017 Oct 11;8:1772. doi: 10.3389/fpsyg.2017.01772. Erratum in: Front Psychol. 2019 Mar 05;10:443. PMID: 29075217; PMCID: PMC5641858.

  25. Weyn S, Lionetti F, Klein DN, Aron E, Aron A, Hayden EP, Dougherty LR, Singh S, Waszczuk M, Kotov R, Docherty A, Shabalin A, Pluess M (2025): Observer-rated environmental sensitivity and its characterization at behavioral, genetic, and physiological levels. Dev Psychopathol. 2025 Jan 8:1-15. doi: 10.1017/S0954579424001883. PMID: 39773816.

  26. Hüther (1997): Biologie der Angst – Wie aus Stress Gefühle werden; S. 62

  27. Aston-Jones (1986): The Locus Ceoruleus – Behavioral functions of locus coeruleus derived from cellular attributes; Physiological Psychology, 1985, Vol. 13 (3), 118-126

  28. Jacobs, Abercrombie, Fornal, Levine, Morilak, Stafford (1991): Single-unit and physiological analyses of brain norepinephrine function in behaving animals. Prog Brain Res. 1991;88:159-65

  29. Lauff in Friedrich (2009): Umgang mit Konflikten und Gewalt an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Pädagogik und Sozialer Arbeit, Lulu, Seite 122

  30. Rensing, Koch, Rippe, Rippe (2006): Mensch im Stress; Psyche, Körper Moleküle, Seite 96, Seite 151

  31. Egle, Joraschky, Lampe, Seiffge-Krenke, Cierpka (2016): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung – Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen; 4. Aufl., S. 45

  32. Egle, Joraschky, Lampe, Seiffge-Krenke, Cierpka (2016): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung – Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen; 4. Aufl., S. 45

  33. Korgan AC, Prendergast K, Rosenhauer AM, Morrison KE, Jovanovic T, Bale TL (2025): Trauma and Sensory Systems: Biological Mechanisms Involving the Skin and the 17q21 Gene Cluster. Biol Psychiatry. 2025 May 1;97(9):854-861. doi: 10.1016/j.biopsych.2024.11.003. PMID: 39521032; PMCID: PMC11991886. REVIEW

  34. Vater, Röpke, Renneberg (2011): Kognition und soziale Wahrnehmung. In: Dulz, Herpertz, Kernberg, Sachsse (Herausgeber) (2011): Handbuch der Borderline-Störungen.

  35. Fuchs (2014): Emotionserkennung und Empathie

  36. Derntl, Kryspin-Exner, Fernbach, Moser, Habel (2009): Emotion recognition accuracy in healthy young females is associated with cycle phase. Horm Behav. 2008;53(1):90-95. doi:10.1016/j.yhbeh.2007.09.006

  37. Tye, Battaglia, Bertoletti, Ashwood, Azadi, Asherson, Bolton, McLoughlin (2014): Altered neurophysiological responses to emotional faces discriminate children with ASD, ADHD and ASD+ADHD; Biol Psychol. 2014 Dec;103:125-34. doi: 10.1016/j.biopsycho.2014.08.013.

  38. Raz, Dan (2015): Altered event-related potentials in adults with ADHD during emotional faces processing; Clin Neurophysiol. 2015 Mar;126(3):514-23. doi: 10.1016/j.clinph.2014.06.023.

  39. Oerlemans, van der Meer, van Steijn, de Ruiter, de Bruijn, de Sonneville, Buitelaar, Rommelse (2014): Recognition of facial emotion and affective prosody in children with ASD (+ADHD) and their unaffected siblings. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2014 May;23(5):257-71. doi: 10.1007/s00787-013-0446-2.

  40. Barroso BCR, Vieira L, Pinto JO, Almeida R (2025): N170 in attention deficit hyperactivity disorder: Systematic review. Int J Psychophysiol. 2025 Jul;213:112585. doi: 10.1016/j.ijpsycho.2025.112585. PMID: 40349985. METASTUDY

  41. Shepard EC, Ruben M, Weyandt LL (2025): Emotion Recognition Accuracy Among Individuals With ADHD: A Systematic Review. J Atten Disord. 2025 Feb;29(3):174-194. doi: 10.1177/10870547241297005. PMID: 39614669; PMCID: PMC11781233.

  42. Brown (2015): ADHD – From Stereopypic to Science in Educational Leadership, 10/2015, S. 52 – 56

  43. Shaw, Stringaris, Nigg, Leibenluft (2014): Emotion Dysregulation in Attention Deficit Hyperactivity Disorder; The American Journal of Psychiatry, Volume 171, Issue 3, March 2014, pp. 276-293; http://dx.doi.org/10.1176/appi.ajp.2013.13070966

  44. Buongiorno, Vaucheret, Giacchino, Mayoni, Polin, Pardo-Campos (2020): Reconocimiento de emociones faciales en niños con trastorno por déficit de atención/hiperactividad [Facial emotion recognition in children with attention-deficit/hyperactivity disorder]. Rev Neurol. 2020 Feb 16;70(4):127-133. Spanish. doi: 10.33588/rn.7004.2019268. PMID: 32043534.

  45. Löytömäki, Ohtonen, Laakso, Huttunen (2019): The role of linguistic and cognitive factors in emotion recognition difficulties in children with ASD, ADHD or DLD. Int J Lang Commun Disord. 2019 Dec 3. doi: 10.1111/1460-6984.12514. n = 156

  46. Olaya-Galindo MD, Vargas-Cifuentes OA, Vélez Van-Meerbeke A, Talero-Gutiérrez C. Establishing the Relationship Between Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Emotional Facial Expression Recognition Deficit: A Systematic Review. J Atten Disord. 2023 Feb 26:10870547231154901. doi: 10.1177/10870547231154901. PMID: 36843351. METASTUDIE

  47. Shimamura, Inoue, Ichikawa, Nakato, Sakuta, Kanazawa, Yamaguchi, Kakigi, Sakuta (2019): Hemodynamic response to familiar faces in children with ADHD. Biopsychosoc Med. 2019 Nov 28;13:30. doi: 10.1186/s13030-019-0172-1. eCollection 2019.

  48. Perlstein S, Hawes SW, Byrd AL, Barzilay R, Gur RE, Laird AR, Waller R (2024): Unique versus shared neural correlates of externalizing psychopathology in late childhood. J Psychopathol Clin Sci. 2024 Aug;133(6):477-488. doi: 10.1037/abn0000923. PMID: 38869879; PMCID: PMC11293992.

  49. Leroy, Spotorno, Faure (2020): Emotional scene processing in children and adolescents with attention deficit/hyperactivity disorder: a systematic review. Eur Child Adolesc Psychiatry. 2020 Feb 7:10.1007/s00787-020-01480-0. doi: 10.1007/s00787-020-01480-0. PMID: 32034554. REVIEW

  50. Lindholm, Lieslehto, Nikkinen, Moilanen, Hurtig, Veijola, Miettunen, Kiviniemi, Ebeling (2019): Brain response to facial expressions in adults with adolescent ADHD. Psychiatry Res Neuroimaging. 2019 Oct 30;292:54-61. doi: 10.1016/j.pscychresns.2019.09.003.

  51. Forslund, Peltola, Brocki (2019): Disorganized attachment representations, externalizing behavior problems, and socioemotional competences in early school-age. Attach Hum Dev. 2019 Sep 19:1-26. doi: 10.1080/14616734.2019.1664603.

  52. Abdel-Hamid M, Niklewski F, Heßmann P, Guberina N, Kownatka M, Kraemer M, Scherbaum N, Dziobek I, Bartels C, Wiltfang J, Kis B (2019): Impaired empathy but no theory of mind deficits in adult attention deficit hyperactivity disorder. Brain Behav. 2019 Oct;9(10):e01401. doi: 10.1002/brb3.1401. PMID: 31475781; PMCID: PMC6790334. n = 60

  53. http://www.adhspedia.de/wiki/Selbstwahrnehmung_von_ADHS-Betroffenen#cite_note-3

  54. Cameron CD, Conway P, Scheffer JA (2022): Empathy regulation, prosociality, and moral judgment. Curr Opin Psychol. 2022 Apr;44:188-195. doi: 10.1016/j.copsyc.2021.09.011. PMID: 34695643. REVIEW

  55. Kirch (2015): Vorstellung des Empathie-Projektions-Tests: Die Unterscheidung zwischen Übertragung eigener Gefühle und echter Einfühlung, S. 53

  56. Strehl (Hrsg.) (2013): Neurofeedback, Kohlhammer, Kapitel 6.2.3.

  57. Strehl (Hrsg.) (2002): Neurofeedback, Kapitel 6.2.3. unter Verweis auf Kropotov 2009

  58. Takım U, Belli H, Gökçay H, Köse H, Arslan Akgül H, Çakır A (2024): Examination of Changes in Levels of Empathy and Narcissistic Pathology After Treatment of Adult with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Alpha Psychiatry. 2024 Sep 1;25(5):598-603. doi: 10.5152/alphapsychiatry.2024.241630. PMID: 39553487; PMCID: PMC11562234.

  59. Park, Kim, Kim, Yi, Jeong, Chae, Hwang, Roh (2015): The relationships between empathy, stress and social support among medical students. Int J Med Educ. 2015 Sep 5;6:103-8. doi: 10.5116/ijme.55e6.0d44.

  60. Martin, Hathaway, Isbester, Mirali, Acland, Niederstrasser, Slepian, Trost, Bartz, Sapolsky, Sternberg, Levitin, Mogil (2015): Reducing social stress elicits emotional contagion of pain in mouse and human strangers. Curr Biol. 2015 Feb 2;25(3):326-332. doi: 10.1016/j.cub.2014.11.028.

  61. Stadler, Kroeger, Weyers, Grasmann, Horschinek, Freitag, Clement (2011): Cortisol reactivity in boys with attention-deficit/hyperactivity disorder and disruptive behavior problems: the impact of callous unemotional traits. Psychiatry Res 187:204–209, n = 36

  62. Piatigorsky, Hinshaw (2004): Psychopathic traits in boys with and without attention-deficit/hyperactivity disorder: concurrent and longitudinal correlates. J Abnorm Child Psychol. 2004 Oct;32(5):535-50. doi: 10.1023/b:jacp.0000037782.28482.6b. PMID: 15500032.

  63. Waschbusch, Baweja, Babinski, Mayes, Waxmonsky (2020): Irritability and Limited Prosocial Emotions/Callous-Unemotional Traits in Elementary-School-Age Children. Behav Ther. 2020 Mar;51(2):223-237. doi: 10.1016/j.beth.2019.06.007. PMID: 32138934. n = 219

  64. Meijer, Klein, Hannon, van der Meer, Hartman, Oosterlaan, Heslenfeld, Hoekstra, Buitelaar, Mill, Franke (2020): Genome-Wide DNA Methylation Patterns in Persistent Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and in Association With Impulsive and Callous Traits. Front Genet. 2020 Jan 31;11:16. doi: 10.3389/fgene.2020.00016. PMID: 32082368; PMCID: PMC7005250.

  65. Henry (1997): Psychological and physiological responses to stress: the right hemisphere and the hypothalamo-pituitary-adrenal axis, an inquiry into problems of human bonding. Acta Physiol Scand Suppl. 1997;640:10-25. PMID: 9401599. REVIEW

  66. Galin (1974): Implications for psychiatry of left and right cerebral specialization. A neurophysiological context for unconscious processes. Arch Gen Psychiatry. 1974 Oct;31(4):572-83. doi: 10.1001/archpsyc.1974.01760160110022. PMID: 4421063.

  67. Grimm, Wirth, Fan, Weigand, Gärtner, Feeser, Dziobek, Bajbouj, Aust (2017): The interaction of corticotropin-releasing hormone receptor gene and early life stress on emotional empathy. Behav Brain Res. 2017 Jun 30;329:180-185. doi: 10.1016/j.bbr.2017.04.047.

  68. Tomova, Majdandžic, Hummer, Windischberger, Heinrichs, Lamm (2017): Increased neural responses to empathy for pain might explain how acute stress increases prosociality. Soc Cogn Affect Neurosci. 2017 Mar 1;12(3):401-408. doi: 10.1093/scan/nsw146.

  69. Wolf, Schulte, Drimalla, Hamacher-Dang, Knoch, Dziobek (2015): Enhanced emotional empathy after psychosocial stress in young healthy men. Stress. 2015;18(6):631-7. doi: 10.3109/10253890.2015.1078787.

  70. Karakilic, Kizildag, Kandis, Guvendi, Koc, Camsari, Camsari, Ates, Arda, Uysal (2018): The effects of acute foot shock stress on empathy levels in rats. Behav Brain Res. 2018 Sep 3;349:31-36. doi: 10.1016/j.bbr.2018.04.043.

  71. White E, Dalley JW (2024): Brain mechanisms of temporal processing in impulsivity: Relevance to attention-deficit hyperactivity disorder. Brain Neurosci Adv. 2024 Aug 13;8:23982128241272234. doi: 10.1177/23982128241272234. PMID: 39148691; PMCID: PMC11325328. REVIEW

  72. Wittmann M (2009): The inner experience of time. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2009 Jul 12;364(1525):1955-67. doi: 10.1098/rstb.2009.0003. PMID: 19487197; PMCID: PMC2685813. REVIEW

  73. Smith A, Taylor E, Rogers JW, Newman S, Rubia K (2002): Evidence for a pure time perception deficit in children with ADHD. J Child Psychol Psychiatry. 2002 May;43(4):529-42. doi: 10.1111/1469-7610.00043. PMID: 12030598.

  74. Toplak ME, Dockstader C, Tannock R (2006): Temporal information processing in ADHD: findings to date and new methods. J Neurosci Methods. 2006 Feb 15;151(1):15-29. doi: 10.1016/j.jneumeth.2005.09.018. PMID: 16378641. REVIEW

  75. Ptacek, Weissenberger, Braaten, Klicperova-Baker, Goetz, Raboch, Vnukova, Stefano (2019): Clinical Implications of the Perception of Time in Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD): A Review. Med Sci Monit. 2019 May 26;25:3918-3924. doi: 10.12659/MSM.914225. PMID: 31129679; PMCID: PMC6556068. REVIEW

  76. González-Garrido AA, Gómez-Velázquez FR, Zarabozo D, López-Elizalde R, Ontiveros A, Madera-Carrillo H, Vega OL, De Alba JL, Tuya JM (2008): Time reproduction disturbances in ADHD children: an ERP study. Int J Neurosci. 2008 Jan;118(1):119-35. doi: 10.1080/00207450601042177. PMID: 18041610.

  77. Sonuga-Barke EJ, Saxton T, Hall M (1998): The role of interval underestimation in hyperactive children’s failure to suppress responses over time. Behav Brain Res. 1998 Jul;94(1):45-50. doi: 10.1016/s0166-4328(97)00168-x. PMID: 9708838.

  78. Paasche C, Weibel S, Wittmann M, Lalanne L (2019): Time perception and impulsivity: A proposed relationship in addictive disorders. Neurosci Biobehav Rev. 2019 Nov;106:182-201. doi: 10.1016/j.neubiorev.2018.12.006. PMID: 30529361. REVIEW

  79. Thaler R (1981): Some empirical evidence on dynamic inconsistency, Economics Letters, Volume 8, Issue 3, 1981, Pages 201-207, ISSN 0165-1765, https://doi.org/10.1016/0165-1765(81)90067-7.

  80. Delisle J, Braun CM (2011): A context for normalizing impulsiveness at work for adults with attention deficit/hyperactivity disorder (combined type). Arch Clin Neuropsychol. 2011 Nov;26(7):602-13. doi: 10.1093/arclin/acr043. PMID: 21653627.

  81. Waldren LH, Leung FYN, Hargitai LD, Burgoyne AP, Liceralde VRT, Livingston LA, Shah P (2024): Unpacking the overlap between Autism and ADHD in adults: A multi-method approach. Cortex. 2024 Apr;173:120-137. doi: 10.1016/j.cortex.2023.12.016. PMID: 38387375.

  82. Grafik aus White E, Dalley JW (2024): Brain mechanisms of temporal processing in impulsivity: Relevance to attention-deficit hyperactivity disorder. Brain Neurosci Adv. 2024 Aug 13;8:23982128241272234. doi: 10.1177/23982128241272234. PMID: 39148691; PMCID: PMC11325328.

  83. Barneron M, Saka N, Shlepack S, Khattab A, Pollak Y (2024): Increased intra-individual variability among individuals with ADHD: first evidence from numerosity judgment and verbal and quantitative reasoning. Psychol Med. 2024 Oct 23;54(13):1-8. doi: 10.1017/S0033291724001892. PMID: 39439306; PMCID: PMC11536105. n = 203.000

  84. Barkley, Benton (2010): Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS

  85. Bauermeister, Barkley, Martinez, Cumba, Ramirez, Reina, Matos, Salas (2005): Time estimation and performance on reproduction tasks in subtypes of children with attention deficit hyperactivity disorder. J Clin Child Adolesc Psychol. 2005 Mar;34(1):151-62. doi: 10.1207/s15374424jccp3401_14. PMID: 15677289.

  86. Valko L, Schneider G, Doehnert M, Müller U, Brandeis D, Steinhausen HC, Drechsler R. Time processing in children and adults with ADHD. J Neural Transm (Vienna). 2010 Oct;117(10):1213-28. doi: 10.1007/s00702-010-0473-9. PMID: 20821338.

  87. Zheng Q, Cheng YY, Sonuga-Barke, Shum KK. (2022): Do Executive Dysfunction, Delay Aversion, and Time Perception Deficit Predict ADHD Symptoms and Early Academic Performance in Preschoolers. Res Child Adolesc Psychopathol. 2022 Jun 11. doi: 10.1007/s10802-022-00937-x. PMID: 35689730.

  88. Rasmussen GV, Meinert L, Flaherty MG (2024): Time and ADHD in Danish Families: Mutual Affect Through Rhythm. Med Anthropol. 2024 Oct 2;43(7):626-640. doi: 10.1080/01459740.2024.2410244. PMID: 39431902.

  89. Rossi (2012): ADHS-Buch, heute leider nicht mehr frei downloadbar, Seite 359

  90. Rossi: ADHS: Das Wichtigste auf einen Blick

  91. Tobia, Bonifacci, Bernabini, Marzocchi (2019): Teachers, not parents, are able to predict time processing skills in preschoolers. Br J Dev Psychol. 2019 Jul 2. doi: 10.1111/bjdp.12294.

  92. Barkley, Murphy, Bush (2001): Time perception and reproduction in young adults with attention deficit hyperactivity disorder. Neuropsychology. 2001 Jul;15(3):351-60. doi: 10.1037//0894-4105.15.3.351. PMID: 11499990.

  93. Walg, Oepen, Prior (2015): Adjustment of Time Perception in the Range of Seconds and Milliseconds: The Nature of Time-Processing Alterations in Children With ADHD. J Atten Disord. 2015 Sep;19(9):755-63. doi: 10.1177/1087054712454570. PMID: 22851208. n = 60

  94. Smith, Taylor, Rogers Newman, Rubia (2002): Evidence for a pure time perception deficit in children with ADHD. J Child Psychol Psychiatry. 2002 May;43(4):529-42. n = 44

  95. Toplak, Tannock (2002): Time perception: modality and duration effects in attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD). J Abnorm Child Psychol. 2005 Oct;33(5):639-54.

  96. Barkley, Edwards, Laneri, Fletcher, Metevia (2001): Executive functioning, temporal discounting, and sense of time in adolescents with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) and oppositional defiant disorder (ODD). J Abnorm Child Psychol. 2001 Dec;29(6):541-56.

  97. Kononowicz T, van Rijn H (2014): Tonic and phasic dopamine fluctuations as reflected in beta-power predict interval timing behavior. Procedia - Social and Behavioral Sciences 126 ( 2014 ) 47 doi: 10.1016/j.sbspro.2014.02.313 ScienceDirect

  98. Sword, Brunskill, Zimbardo (2014): Time Perspective Therapy: A New Time-Based Metaphor Therapy for PTSD, Journal of Loss and Trauma, 19:3, 197-201, DOI: 10.1080/15325024.2013.763632

  99. Weissenberger, Klicperova-Baker, Zimbardo, Schonova, Akotia, Kostal, Goetz, Raboch, Ptacek (2016): ADHD and Present Hedonism: time perspective as a potential diagnostic and therapeutic tool. Neuropsychiatr Dis Treat. 2016 Nov 16;12:2963-2971. doi: 10.2147/NDT.S116721. PMID: 27895485; PMCID: PMC5118029.

  100. Gruber, Cunningham, Kirkland, Hay (2012): Feeling stuck in the present? Mania proneness and history associated with present-oriented time perspective. Emotion. 2012 Feb;12(1):13-7. doi: 10.1037/a0025062. PMID: 21910544.

  101. El Haj, Kapogiannis, Antoine (2020): The (fatalistic) present as experienced by individuals with Alzheimer’s disease: a preliminary study. Neurol Sci. 2020 Feb;41(2):427-433. doi: 10.1007/s10072-019-04121-w. PMID: 31713192., n = 63

  102. Kent, van Doorn, Hohwy, Klein (2019): Bayes, time perception, and relativity: The central role of hopelessness. Conscious Cogn. 2019 Mar;69:70-80. doi: 10.1016/j.concog.2019.01.012. PMID: 30711789.

  103. El Haj, Kapogiannis, Antoine (2020): The (fatalistic) present as experienced by individuals with Alzheimer’s disease: a preliminary study. Neurol Sci. 2020 Feb;41(2):427-433. doi: 10.1007/s10072-019-04121-w. PMID: 31713192.

  104. Carelli, Wiberg (2012): Time out of mind: temporal perspective in adults with ADHD. J Atten Disord. 2012 Aug;16(6):460-6. doi: 10.1177/1087054711398861. PMID: 21490173., n = 90

  105. Nigg JT (2013): Attention-deficit/hyperactivity disorder and adverse health outcomes. Clin Psychol Rev. 2013 Mar;33(2):215-28. doi: 10.1016/j.cpr.2012.11.005. PMID: 23298633; PMCID: PMC4322430. REVIEW

  106. M Bruton A, Levy L, Rai NK, Colgan DD, M Johnstone J (2025): Diminished Interoceptive Accuracy in Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Systematic Review. Psychophysiology. 2025 Feb;62(2):e14750. doi: 10.1111/psyp.14750. PMID: 39905593; PMCID: PMC11842156. REVIEW

  107. Kutscheidt, Dresler, Hudak, Barth, Blume, Ethofer, Fallgatter, Ehlis (2019): Interoceptive awareness in patients with attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD). Atten Defic Hyperact Disord. 2019 Apr 1. doi: 10.1007/s12402-019-00299-3.

  108. Martin E, Dourish CT, Higgs S (2023): Interoceptive accuracy mediates the longitudinal relationship between attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) inattentive symptoms and disordered eating in a community sample. Physiol Behav. 2023 Sep 1;268:114220. doi: 10.1016/j.physbeh.2023.114220. PMID: 37142150.

  109. Orban SA, Blessing JS, Sandone MK, Conness B, Santer J (2025): Why Are Individuals With ADHD More Prone to Boredom? Examining Attention Control and Working Memory as Mediators of Boredom in Young Adults With ADHD Traits. J Atten Disord. 2025 Jul 29:10870547251356723. doi: 10.1177/10870547251356723. PMID: 40730822.

  110. Hsu CF, Chen VC, Ni HC, Chueh N, Eastwood JD (2025): Boredom proneness and inattention in children with and without ADHD: the mediating role of delay aversion. Front Psychiatry. 2025 Apr 28;16:1526089. doi: 10.3389/fpsyt.2025.1526089. PMID: 40357515; PMCID: PMC12066767.

  111. Golubchik P, Schoen G, Weizman A (2021): Mood and Proneness to Boredom Are Associated with Poorer Continuous Performance Test Results, Which May Improve with Methylphenidate Treatment, in Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2021 May;31(4):310-314. doi: 10.1089/cap.2021.0001. PMID: 33956509.

  112. Pironti VA, Lai MC, Müller U, Bullmore ET, Sahakian BJ (2016): Personality traits in adults with attention-deficit hyperactivity disorder and their unaffected first-degree relatives. BJPsych Open. 2016 Sep 1;2(4):280-285. doi: 10.1192/bjpo.bp.116.003608. PMID: 27703788; PMCID: PMC5008123.

  113. Hsu CF, Eastwood JD, Toplak ME, Liang JC, Hwang-Gu SL, Chen VC (2020): Trait and state boredom: Associations with attention failure in children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Psychiatry Res. 2020 Feb 27;286:112861. doi: 10.1016/j.psychres.2020.112861. PMID: 32114207.

  114. Kass SJ, Wallace JC, Vodanovich SJ (2003): Boredom proneness and sleep disorders as predictors of adult attention deficit scores. J Atten Disord. 2003 Nov;7(2):83-91. doi: 10.1177/108705470300700202. PMID: 15018357.

  115. Malkovsky E, Merrifield C, Goldberg Y, Danckert J (2012): Exploring the relationship between boredom and sustained attention. Exp Brain Res. 2012 Aug;221(1):59-67. doi: 10.1007/s00221-012-3147-z. PMID: 22729457.

  116. Chou WJ, Chang YP, Yen CF (2018): Boredom proneness and its correlation with Internet addiction and Internet activities in adolescents with attention-deficit/hyperactivity disorder. Kaohsiung J Med Sci. 2018 Aug;34(8):467-474. doi: 10.1016/j.kjms.2018.01.016. PMID: 30041765.

  117. Xu C, Gu Z, Yan J, Lock M, Chen S, Zhuang Q (2025): The Separation of Adult ADHD Inattention and Hyperactivity-Impulsivity Symptoms and Their Association with Problematic Short-Video Use: A Structural Equation Modeling Analysis. Psychol Res Behav Manag. 2025 Mar 1;18:461-474. doi: 10.2147/PRBM.S491731. PMID: 40046608; PMCID: PMC11881631.

  118. Benedetto L, Rollo S, Cafeo A, Di Rosa G, Pino R, Gagliano A, Germanò E, Ingrassia M (2024): Emotional and Behavioural Factors Predisposing to Internet Addiction: The Smartphone Distraction among Italian High School Students. Int J Environ Res Public Health. 2024 Mar 22;21(4):386. doi: 10.3390/ijerph21040386. PMID: 38673299; PMCID: PMC11050649.

  119. Arnsten AF (2009): Toward a new understanding of attention-deficit hyperactivity disorder pathophysiology: an important role for prefrontal cortex dysfunction. CNS Drugs. 2009;23 Suppl 1:33-41. doi: 10.2165/00023210-200923000-00005. PMID: 19621976. REVIEW

  120. Miyauchi E, Kawasaki M (2018): Electroencephalogram oscillations support the involvement of task-unrelated thoughts in the mechanism of boredom: A pilot study. Neurosci Lett. 2018 Jun 11;677:72-77. doi: 10.1016/j.neulet.2018.04.034. PMID: 29689342.

  121. Danckert J, Merrifield C (2018): Boredom, sustained attention and the default mode network. Exp Brain Res. 2018 Sep;236(9):2507-2518. doi: 10.1007/s00221-016-4617-5. PMID: 26979438.

  122. Seiler JP, Elpelt J, Mashkov V, Ghobadi A, Kapoor A, Turner D, Kaschube M, Tüscher O, Rumpel S (2025): A reduced perception of sensory information is linked with elevated boredom in people with and without attention-deficit hyperactivity disorder. Commun Psychol. 2025 Mar 24;3(1):47. doi: 10.1038/s44271-025-00233-6. PMID: 40128552; PMCID: PMC11933452.

  123. Goddard J (2000): Perceived passage of time: its possible relationship to attention-deficit hyperactivity disorder. Med Hypotheses. 2000 Oct;55(4):351-2. doi: 10.1054/mehy.2000.1067. PMID: 11000066.

  124. Golubchik, Manor, Shoval, Weizman (2020): Levels of Proneness to Boredom in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder On and Off Methylphenidate Treatment. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2020 Feb 7:10.1089/cap.2019.0151. doi: 10.1089/cap.2019.0151. PMID: 32031873. n = 30