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AD(H)S bei Erwachsenen

Inhaltsverzeichnis

AD(H)S bei Erwachsenen

AD(H)S endet nicht, wie man bis zum Ende des letzten Jahrtausends annahm,1 automatisch mit dem Erwachsenwerden.

1. Prävalenz des Fortbestehens von AD(H)S bis ins Erwachsenenalter

Laut dem aktualisierten europäischen Konsens zur Diagnose und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen bleibt AD(H)S bei rund 66 % – mit veränderten Symptomen – ein Leben lang bestehen.23 Ein Follow-up der MTA-Studie nach 2 bis 16 Jahren fand bei ca. 30 % der betroffenen Kinder zu mindestens einem der Nachbeobachtungszeitpunkte eine vollständigen Remission. Von diesen Kindern (mit mindestens einem Vollremissionszeitpunkt) fand sich bei einem knappen Drittel kein Wiederauftreten von AD(H)S, ein gutes Drittel zeigte ein teilweises Wiederauftraten und ein gutes Drittel ein vollständiges Wiederauftreten des AD(H)S. Bei 10,8 % der untersuchten Kinder fand sich ein volles AD(H)S während aller Studienzeitpunkte. 63,8 % der Untersuchten hatten während Kindheit und jungem Erwachsenenalter schwankende Phasen von Remission und Wiederauftreten. 90 % zeigten mindestens Restsymptome bis ins junge Erwachsenenalter. 4 Eine Follow-Up-Studie an 110 betroffenen Jungen und 105 Kontrollen fand zum Testzeitpunkt nach 10 Jahren bei 35 % ein vollständiges Fortbestehen von AD(H)S und bei weiteren 43 % der Betroffenen eine Teilremission. Damit bestand bei 78 % der Betroffenen AD(H)S zu diesem Zeitpunkt mindestens teilweise fort. Etwa 30 % der Kinder mit AD(H)S erlebten zu irgendeinem Zeitpunkt während des Nachbeobachtungszeitraums eine vollständige Remission. Bei den meisten (60 %) trat AD(H)S nach einer anfänglichen Remissionsphase erneut auf. Nur 9,1 % zeigten eine dauerhafte Remission bis zum Studienende, 10,8 % zeigten zu allen Studienzeitpunkten ein dauerhaft bestehendes AD(H)S. Die meisten Teilnehmer mit AD(H)S (63,8 %) hatten im Laufe der Zeit schwankende Remissions- und Rezidivphasen.5
Von 55 Teilnehmern unseres ADxS.org-Online-Symptomtests (Stand 2020), die angaben, als Kind ADHS-HI (mit überwiegender Hyperaktivität) gehabt zu haben, wurden bei 49 (89 %) Hinweise auf ein persistierendes AD(H)S festgestellt. Bei den 34 Teilnehmern, die angaben, als Kind ADHS-I (überwiegende Unaufmerksamkeit) gehabt zu haben, fand der Test bei 31 (91 %) Hinweise auf ein persistierendes AD(H)S. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die freiwillige Teilnahme am Onlinetest ein gewisses akutes Interesse an der Frage voraussetzt, was ein Bias in Richtung einer zu hohen Quote an persistierendem AD(H)S bewirken dürfte.6
65 % aller Kinder mit AD(H)S haben auch als Erwachsene weiterhin mindestens einige AD(H)S-Symptome.7 Diese Zahlen zitierte auch der aktualisierte europäischen Konsens zur Behandlung und Diagnose von AD(H)S bei Erwachsenen von 2019.8
In einer anderen Studie erfüllten knapp 22 % auch mit 18 Jahren noch die (auf Kinder ausgerichteten) DSM 5 – Kriterien vollständig.9
5 % aller Kinder haben AD(H)S (bei weiteren 5 % bestehe ein AD(H)S-Verdacht). Von diesen bleiben nach anderer Quelle 30 bis 80 % bis ins Erwachsenenalter betroffen, wobei die Symptome sich gegenüber der Kindheit verändern. In den USA sind etwa 4,4 % aller Erwachsenen von AD(H)S betroffen.1011 Weitere Untersuchungen finden sich bei Krause.12

Eine Studie beobachtete bei Erwachsenen, deren früheres AD(H)S remittierte, dass lediglich die Symptomgruppen

  • Exekutivprobleme
  • Verhaltensprobleme

remittiert waren, während

  • Hyperaktivität/Ruhelosigkeitsverhalten
  • Planungs-/Organisationsdefizite

fortbestanden.13

Eine andere große internationale Untersuchung fand sogar eine höhere Prävalenz von AD(H)S bei Erwachsenen (2,8 %) als bei Kindern (2,2 %).14 Dies könnte sich damit decken, dass die Erblichkeit von AD(H)S bei Erwachsenen möglicherweise geringer ist als bei Kindern, dass der Anteil von Umwelteinflüssen auf AD(H)S-Entstehung bei Erwachsenen also höher sein könnte als bei Kindern.15

2. Mögliche Gründe für Fortbestehen von AD(H)S bis ins Erwachsenenalter

Es kann nicht vorhergesagt werden, bei welchen Betroffenen AD(H)S im Erwachsenenalter verschwindet. Ob AD(H)S-Betroffene bis zum Alter von 27 Jahren ihr AD(H)S verlieren, ist unabhängig von

  • der Schwere der Störung16
  • dem Alter beim ersten Auftretens von AD(H)S16
  • dem IQ der Kindheit16
  • Verhaltensproblemen bei der Kindheit16
  • dem Schweregrad von ADHS-HI, ODD oder CD16
  • der Dauer der Stimulanzienbehandlung nach der Adoleszenz16

Es gibt verschiedene Theorien, warum AD(H)S in der Kindheit bei manchen Erwachsenen verschwindet und bei anderen fortbesteht.

  • Es wurde berichtet, dass Kinder mit AD(H)S aus einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund von einer besonderen schulischen Förderung profitierten, während Kinder aus höheren Schichten dies weniger taten.17 Dies deutet in unseren Augen darauf hin, dass Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status weniger in der Lage sind, die Defizite ihrer Kinder auszugleichen.
  • Eine Untersuchung der Stressbelastung von Kindern mit AD(H)S fand, dass starke Stressbelastung in der Kindheit und Jugend mit schwerem ADHS-HI- bzw. ADHS-I-Verlauf bis ins Erwachsenenalter einherging, während Kinder mit einer schwachen Stressbelastung häufig ein remittierendes AD(H)S (alle Subtypen) zeigten.18 Eine große Kohortenstudie in Schweden bestätigt dies.19
    • Die Pubertät geht mit einer stark veränderten dopaminergen Innervation im PFC einher. Der PFC ist in dieser Zeit für dopaminerge Stimulation besonders vulnerabel. Damit wird das zwischen den Polen Novelty Seeking und starkem Rückzug schwankende Verhalten Pubertierender erklärt. Die starke dopaminerge Vulnerabilität in dieser Entwicklungsphase erklärt weiter die Gefahren von Alkohol- und Drogenmissbrauch oder exzessivem Medienkonsum. Diese können bleibende Störungen des Dopaminsystems verursachen, was das Risiko für Impulsivität, Suchterkrankung oder Psychosen erhöht.20
      Eine verlängerte kortikale Reifung im frontoparietalen Netzwerk wirkt sich dabei günstig auf die finale Leistungsfähigkeit des Gehirns aus, eine Beschleunigung z. B. durch zu viel dopaminerge Stimulation hingegen ungünstig.21 Bei AD(H)S wie bei Hochbegabung ist die Reifung des Gehirns verlangsamt.
      Siehe Hochbegabung und AD(H)S im Abschnitt Differentialdiagnostik bei AD(H)S im Kapitel Diagnostik
  • Angstsymptome im Alter von 15 Jahren machen psychische Störungen im frühen Erwachsenenalter wesentlich wahrscheinlicher:22
    • Angststörung: 4,9 fach
    • Depression: 4,8 fach
    • AD(H)S, ASS oder Entwicklungsstörung: 3,4 fach
      Dies könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass die mittlere Jugend neben der frühen Kindheit ein zweites besonders verletzliche Entwicklungszeitfenster darstellt.
  • Eine Theorie geht von einer Nachreifung von Gehirnfunktionen aus. Doch nicht jede Verzögerung der Gehirnreifung ist zugleich ein Zeichen für AD(H)S. Bei Hochbegabung besteht eine Verzögerung der Entwicklung des Cortex, die exakt der Verzögerung bis zum Entstehen des ersten Cortexdickemaximums bei AD(H)S entspricht.
    AD(H)S und Hochbegabung.
  • Eine andere Theorie besagt, dass bestimmte Gehirnregionen kompensatorische Aufgaben übernehmen, sodass die kindlichen AD(H)S-Defizite hierdurch korrigiert werden können.23
  • Ein weiteres Modell geht davon aus, dass bestimmte kindliche AD(H)S-Defizite lebenslänglich weiter bestehen.23
  • Eine Untersuchung bei Erwachsenen, bei denen AD(H)S fortbestand, fand ein Ungleichgewicht zwischen den Verbindungen im Gehirn innerhalb des Default-Mode-Networks einerseits und denjenigen zwischen dem Default-Mode-Networks und jenen Bereichen, die Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle unterstützen andererseits. Bei Erwachsenen, deren AD(H)S remittiert war, gab es diese Unterschiede nicht.2425
  • Eine andere Untersuchung fand eine bis zu 11,8-fach erhöhte Anzahl von Traumata bei late-onset AD(H)S. Neurophysiologisch unterschied sich das late-onset-AD(H)S nicht von dem AD(H)S bei Betroffenen, die es seit der Kindheit hatten. Die Auswirkungen waren allerdings deutlich stärker. Zugleich wurde bei 1/3 der late-onset-AD(H)S-Betroffenen nach einem Jahr kein AD(H)S mehr festgestellt.26
  • Ein Vergleich von teilremittierten mit nichtremittierten Jugendlichen fand bei Teilremission eine deutlich geringere Aktivierung des vlPFC. Diese Verbesserung der Effizienz des vlPFC korrelierte mit der Leistung bei einer Go/No-Go-Aufgabe und lag zwischen der AD(H)S-Diagnose und normalen Kontrollen.27
  • Eine Genanalysestudie fand vier genomweit signifikante Loci für AD(H)S im Kindesalter und einen für late onset AD(H)S. Bei persistierendem ADHS fanden sich erhöhte polygene Risikoscores für AD(H)S (AD(H)S-PRS). AD(H)S im Kindesalter zeigte eine größere genetische Überlappung mit Hyperaktivität und Autismus sowie die höchste Belastung durch seltene Protein-abbrechende Varianten in evolutionär beschränkten Genen. Late onset AD(H)S zeigte dagegen eine größere genetische Überschneidung mit Depressionen und keine erhöhte Belastung durch seltene Protein-abschneidende Varianten.3

3. Late Onset AD(H)S: erstmaliges Auftreten im Erwachsenenalter

Neue Forschungsergebnisse aus mehreren Langzeitstudien zeigen zudem, dass AD(H)S auch im Erwachsenenalter erstmals diagnostiziert werden kann. Je nach Studie trete dies bei 0,4 bis 10 % der AD(H)S-Fälle auf. So fand eine Untersuchung bei jungen Erwachsenen mit AD(H)S, dass nur bei 12,6 % bereits ein AD(H)S in der Kindheit diagnostiziert wurde.28 Demnach könnte AD(H)S sehr viel häufiger als bisher angenommen auch noch nach dem 6. oder 12. Lebensjahr erstmals diagnostiziert werden.
Wir sind skeptisch, ob AD(H)S dabei tatsächlich erstmals im Erwachsenenalter auftritt (late onset). Wir gehen davon aus, dass es vielmehr bis dahin durch intensives Coping überspielt wurde. Derartiges Coping kostet viel Kraft und ist nicht immer auf Dauer zu leisten. Ist die Kraft dann aufgebraucht, bricht die Coping-Fassade zusammen, wird das AD(H)S sichtbar. Bei Erwachsenen ist das Geschlechterverhältnis der AD(H)S-Betroffenen (nahezu) ausgeglichen.29
Insbesondere Frauen mit später Diagnose leiden an den schwersten Symptomen und häufig an Komorbiditäten wie Angststörungen oder Depressionen, die eine typische Folge eines lange unbehandelten AD(H)S sind.

3.1. Late-Onset AD(H)S: spät entstehendes oder spät diagnostiziertes AD(H)S?

Die Kriterien der Diagnostik von AD(H)S sahen bis DSM IV vor, dass die ersten Symptome bis zum Alter von 7 Jahren aufgetreten sein müssen. Mit DSM 5 wurde dies auf ein Alter von 12 Jahren erhöht.

Jüngste Erkenntnisse aus bevölkerungsbezogenen Längsschnittstudien deuten darauf hin, dass bei einer Teilgruppe der AD(H)S-Betroffenen die AD(H)S-Symptome erst nach der Kindheit zunehmen und sie erstmals in der späteren Jugend oder im frühen Erwachsenenalter die Kriterien für AD(H)S erfüllen.30313233349283536

Der aktualisierte europäische Konsens zur Behandlung und Diagnose von AD(H)S bei Erwachsenen von 201837 weist darauf hin, dass viele AD(H)S-Betroffene ein schlechtes Gedächtnis haben und daher Ereignisse und Einzelheiten ihrer Kindheit nur sehr schwer erinnern können und dass es Berichte von Erwachsenen gibt, die ein erstes Auftreten der ersten Symptome erst nach dem 12. Lebensjahr dokumentieren.3839

Wird das Alter, bis zu dem die ersten Symptome aufgetreten sein müssen, auf 16 Jahre gesetzt, werden laut einer Studie 99 % der AD(H)S-Betroffenen erfasst.40

Demnach hat immer noch jeder hundertste Fall von AD(H)S einen Entstehungszeitpunkt der ersten Symptome nach dem 16. Lebensjahr. Legt man eine Prävalenz für AD(H)S von 8 % zugrunde, wären dies 64.000 Menschen in Deutschland, bei 5 % wären es 40.000 Menschen, die ein late-onset AD(H)S nach dem 16. Lebensjahr haben.
Meist zeigt sich, dass im Jugendalter mindestens ein Symptom hoch ausgeprägt vorhanden war, was auf fehlerhafte Diagnostik in der Jugend hinweisen könnte.41

Eine andere Studie fand bei einer Untersuchung bei jungen Erwachsenen mit AD(H)S, dass nur bei 12,6 % bereits ein AD(H)S in der Kindheit bestand.42 Demnach könnte AD(H)S sehr viel häufiger als bisher angenommen auch noch nach dem 6. oder 12. Lebensjahr erstmals “auftreten” (late onset). Inzwischen gibt es deutliche Hinweise aus umfangreichen Kohortenstudien in verschiedenen Ländern, dass AD(H)S auch im Erwachsenenalter erstmals “auftreten” kann.43 Eine Studie zeigte, das bei Kindern mit AD(H)S die Symptome bei bis zu 95 % der Betroffenen im Erwachsenenalter verschwanden, während die Erwachsenen mit AD(H)S zu einem signifikanten Teil als Kinder kein AD(H)S “hatten”.44 Mehrere Langzeitstudien über 20 bis 40 Jahre zeigen, dass AD(H)S bei Kindern und AD(H)S bei Erwachsenen häufig getrennte Personenkreise betrifft. Bei Erwachsenen war zudem die Geschlechterbeteiligung ausgeglichen, während bei Kindern noch eine männliche Dominanz bestand. Auch dies könnte eine Trennung der Personengruppen andeuten.4546474829
Wir gehen jedoch davon aus, dass das AD(H)S in aller Regel bereits früher bestand und nur nicht diagnostiziert wurde – sei es aus Unkenntnis der Ärzte oder Therapeuten oder aufgrund eines intensiven Copings. Gleichwohl bleiben einige Fragen dazu offen.49

Eine Veröffentlichung berichtet, dass bei später auftretendem AD(H)S die Ausprägung milder sein solle.33 Dies steht im Gegensatz zu Berichten, dass insbesondere bei spät diagnostizierten Frauen eine eher schwere Symptomatik mit starker Komorbidität (Depression, Angst) vorliegt.48
Das Risiko, erstmals im Erwachsenenalter AD(H)S (diagnostiziert) zu bekommen, scheint zudem mit Komorbiditäten zusammenzuhängen. Im Kindesalter bestehende (AD(H)S)-typische Komorbiditäten scheinen das Risiko zu erhöhen, im Alter AD(H)S zu entwickeln – ebenso wie (was bereits länger bekannt ist) umgekehrt AD(H)S im Kindesalter das Risiko erhöht, im Erwachsenenalter typische Komorbiditäten zu entwickeln.5051

Eine Langzeitstudie fand, dass von 318 Kindern mit Geburtsproblemen, im Alter von 40 Jahren diejenigen, die schon als Kind AD(H)S entwickelt hatten, nur zu 21 % AD(H)S zeigten, jedoch ein schlechteres Bildungsniveau, mehr AD(H)S-Symptome und exekutive Probleme hatten. Diejenigen, die als Kind Aufmerksamkeitsprobleme, aber kein AD(H)S-Vollbild hatten, hatten mit 40 Jahren zu 6,6 % AD(H)S, diejenigen, die als Kind keine Aufmerksamkeitsprobleme zeigten, hatten zu 6 % AD(H)S. Kontrollen ohne Geburtsprobleme hatten mit 40 zu 1,6 % AD(H)S.52 Demnach könnten rund 6 bis 6,6 % derjenigen Kinder mit Geburtsproblemen und 1,6 % derjenigen ohne Geburtsprobleme mit 40 Jahren erstmals eine AD(H)S-Diagnose erhalten.

Eine Studie an 488 konsekutiv aufgenommenen Patienten einer Spezialambulanz für Demenz fand bei 7 Patienten, bei denen zunächst ein Verdacht auf eine Frühform von Alzheimer-Demenz bestand, ein AD(H)S. Diese 7 eines “very late onset-AD(H)S” oder “senile onset AD(H)S” Betroffenen hatten vier Merkmale gemeinsam:53

  • deutlich jünger (< 65 Jahre) als die gesamte Studienpopulation
  • überwiegend unaufmerksamkeitsbezogene Symptome
  • latente Manifestation
  • belastendes Lebensereignis vor der Manifestation (Stresserfahrung)

4. AD(H)S-Symptome bei Erwachsenen verändert

Die DSM IV-Kriterien für AD(H)S beschreiben die Symptome von Kindern und nicht spezifisch diejenigen von Erwachsenen.54
Die Symptome von AD(H)S bei Erwachsenen ändern sich gegenüber denen von AD(H)S bei Kindern erheblich.5556 Vor allem Hyperaktivität geht erheblich zurück. Symptome wie Innere Unruhe, Erholungsunfähigkeit und “Ständig Aktiv Sein Müssen” treten in den Vordergrund.

Eine Studie berichtet einen linearen Rückgang der Hyperaktivität von 6 auf 2,9 Punkte von 8 bis 16 Jahren.57 Unaufmerksamkeit gehe im selben Zeitraum lediglich von 5,8 auf 4,9 Punkte zurück.
Eine andere Studie zeigt jedoch, dass Hyperaktivität – hier gemessen anhand von Infrarot-Bewegungs-Sensoren während der Ausführung von Aufmerksamkeitstests – auch bei Erwachsenen noch ein besserer Diskriminator zu Nichtbetroffenen ist als Aufmerksamkeitsprobleme. Selbst bei Betroffenen des überwiegend unaufmerksamen ADHS-I-Subtyps fand sich eine gegenüber Nichtbetroffenen deutlich erhöhte Hyperaktivität / Bewegungsunruhe.58

Erwachsene haben eine weitaus größere Möglichkeit, ihr Leben so einzurichten, dass die Eigenheiten von AD(H)S (kurze Aufmerksamkeitsspanne, hohe Ablenkbarkeit, Bevorzugung schneller Taskwechsel) nicht mehr Belastung, sondern Vorteil sind. Kinder müssen sich – insbesondere in der Schule – einer strikten Fremdbestimmung unterwerfen. Der Charakterzug von AD(H)S-Betroffenen (und ganz besonders der ADHS-HI-Betroffenen) einer erhöhten intrinsischen und verringerten extrinsischen Motivierbarkeit ist bei der rein extrinsisch motivierenden Schulumgebung hinderlich.59

Der Vollständigkeit halber muss zu Friedman angemerkt werden, dass der Frust der Betroffenen, etwas zu tun, was sie nicht wirklich interessiert und was sie in der Folge naturgemäß auch nicht besonders gut können (was für alle Menschen gilt, für AD(H)S-Betroffene aber in ganz besonderem Maße) einen erheblichen Stress auslöst. Dass AD(H)S-Betroffene intensiver auf Stress reagieren, ist bekannt. Alle AD(H)S-Symptome sind klassische Stresssymptome. AD(H)S-Betroffene haben ein überreagibles Stressreaktionssystem.
AD(H)S als chronifizierte Stressregulationsstörung

Barkley hat eine Liste typischer Symptome für AD(H)S bei Erwachsenen erstellt und durch Untersuchungen verifiziert. Körperliche Hyperaktivität nimmt stark ab, Innere Unruhe wird sichtbarer. Ebenso nehme Unaufmerksamkeit deutlich ab.

Bei Erwachsenen herrschen folgende Symptome vor:

  • Unaufmerksamkeit (gegenüber Kindern um bis zu 40 % verringert)
    Aufmerksamkeitsprobleme nehmen bei Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen um bis zu 40 % ab (die Abnahme ist damit geringer als die der anderen Hauptsymptome).60 Die Angaben stammen aus den Daten in der Veröffentlichung von Biedermann. Warum die Fachliteratur diese anders interpretiert können wir nicht nachvollziehen. Der aus den Daten ablesbare Rückgang von Aufmerksamkeitsproblemen bei Erwachsenen deckt sich jedoch mit unserer Wahrnehmung (zumindest bei etlichen Betroffenen). Eine Studie berichtet einen linearen Rückgang der Unaufmerksamkeit von 5,8 auf 4,9 Punkte im Alter von 8 bis 16 Jahren.57
    Andere Quellen berichten dagegen ein Ansteigen der Unaufmerksamkeit im Alter61 sowie im Alter zwischen 60 und 94 Jahren gleichbleibende Aufmerksamkeitsprobleme und Exekutivprobleme aus dem Arbeitsgedächtnis, wobei diese teilweise aus Depression stammten.62
  • Hyperaktivität (gegenüber Kindern um bis zu 60 % verringert)
    Hyperaktivität wandelt sich im Erwachsenenalter zu Innerer Unruhe (Barkley) und nimmt gegenüber Kindern / Jugendlichen um bis zu 60 % ab6057 Wir vermuten, dass es sich dabei weniger um eine Wandlung handelt sondern dass nach dem Nachlassen der Hyperaktivität die Symptome der inneren Spannung deutlicher sichtbar werden.
  • Impulsivität (gegenüber Kindern um bis zu 60 % verringert)
    Impulsivität soll nach verschiedenen Quelle im Vergleich zu Kindern / Jugendlichen um bis zu 60 % abnehmen606357
    Eine andere Untersuchung stellte keine Veränderung der Impulsivität im Alter fest.61
  • Emotionale Überreagibilität (bei Erwachsenen verstärkt)64
  • Affektlabilität65
  • Desorganisation65

Einige Veränderungen sind auch neurophysiologisch messbar.

Während bei Kindern mit Hyperaktivität eine Erniedrigung der striatalen und präfrontalen Dopa-Decarboxylaseaktivität bestehe,66 sei dies bei Erwachsenen mit ADHS-HI nicht reproduzierbar.67 Weiter sei bei Erwachsenen mit AD(H)S keine Erhöhung der HVA im Liquor nachweisbar. Dies deute ebenfalls darauf hin, dass eine fortbestehende AD(H)S im Erwachsenenalter eine veränderte pathophysiologische Grundlage besitzt.68 Der HVA-Wert ist allerdings lediglich ein globaler Wert für den Dopaminmetabolismus, während bei AD(H)S das Dopaminniveau verschiedener Gehirnregionen unterschieden werden muss.

Erwachsene haben offenbar eine wesentlich geringere Anzahl von Dopamintransportern im Striatum als Kinder. Je 10 Jahre Lebensalter ergebe sich ein Rückgang um 7 %, wobei die Abnahme im Alter bis etwa 40 Jahre deutlich höher sei als danach. Bei 50-Jährigen sei die Anzahl der DAT nur noch etwa halb so hoch wie bei 10-Jährigen.6970

Die Probleme und die Lebensqualitätseinschränkungen von älteren Erwachsenen mit AD(H)S gleichen nach einer Studie denen von jüngeren Erwachsenen mit AD(H)S. Dies deutet darauf hin, dass es keine langfristige Verbesserung durch das weitere Altern während der Erwachsenenzeit gibt.71

5. Behandlung bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen sind üblicherweise deutlich geringere Mengen an Stimulanzien erforderlich, um das Dopamin- und Noradrenalindefizit im Verstärkungssystem und im dlPFC zu beheben, was damit zusammenhängen könnte, dass sich die Überzahl der Dopamintransporter gegenüber Kindern offenbar teilweise zurückbildet.
Eine (Start-)Dosierung von Stimulanzien wie bei Kindern wäre daher ein ärztlicher Kunstfehler. Unabhängig davon sollte eine Stimulanzienbehandlung stets mit Dosierungen unterhalb der kleinsten Verpackungsdosierungsgrößen eingeschlichen werden


  1. Edel, Vollmoeller (2006): Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen, Springer Seite 51

  2. Kooij, Bijlenga, Salerno, Jaeschke, Bitter, Balázs, Thome, Dom, Kasper, Filipe, Stes, Mohr, Leppämäki, Brugué, Bobes, Mccarthy, Richarte, Philipsen, Pehlivanidis, Niemela, Styr, Semerci, Bolea-Alamanac, Edvinsson, Baeyens, Wynchank, Sobanski, Philipsen, McNicholas, Caci, Mihailescu, Manor, Dobrescu, Krause, Fayyad, Ramos-Quiroga, Foeken, Rad, Adamou, Ohlmeier, Fitzgerald, Gill, Lensing, Mukaddes, Brudkiewicz, Gustafsson, Tania, Oswald, Carpentier, De Rossi, Delorme, Simoska, Pallanti, Young, Bejerot, Lehtonen, Kustow, Müller-Sedgwick, Hirvikoski, Pironti, Ginsberg, Félegeházy, Garcia-Portilla, Asherson (2018): Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD, European Psychiatrie, European Psychiatry 56 (2019) 14–34, http://dx.doi.org/10.1016/j.eurpsy.2018.11.001

  3. Rajagopal, Duan, Vilar-Ribó, Grove, Zayats, Ramos-Quiroga, Satterstrom, Artigas, Bybjerg-Grauholm, Bækvad-Hansen, Als, Rosengren, Daly, Neale, Nordentoft, Werge, Mors, Hougaard, Mortensen, Ribasés, Børglum, Demontis (2022): Differences in the genetic architecture of common and rare variants in childhood, persistent and late-diagnosed attention-deficit hyperactivity disorder. Nat Genet. 2022 Aug;54(8):1117-1124. doi: 10.1038/s41588-022-01143-7. PMID: 35927488. n = 77.914

  4. Sibley, Arnold, Swanson, Hechtman, Kennedy, Owens, Molina, Jensen, Hinshaw, Roy, Chronis-Tuscano, Newcorn, Rohde (2021): MTA Cooperative Group. Variable Patterns of Remission From ADHD in the Multimodal Treatment Study of ADHD. Am J Psychiatry. 2021 Aug 13:appiajp202121010032. doi: 10.1176/appi.ajp.2021.21010032. PMID: 34384227. n = 558

  5. Sibley, Arnold, Swanson, Hechtman, Kennedy, Owens, Molina, Jensen, Hinshaw, Roy, Chronis-Tuscano, Newcorn, Rohde; MTA Cooperative Group (2022): Variable Patterns of Remission From ADHD in the Multimodal Treatment Study of ADHD. Am J Psychiatry. 2022 Feb;179(2):142-151. doi: 10.1176/appi.ajp.2021.21010032. PMID: 34384227; PMCID: PMC8810708.

  6. Biederman, Petty, Evans, Small, Faraone (2010): How persistent is ADHD? A controlled 10-year follow-up study of boys with ADHD. Psychiatry Res. 2010 May 30;177(3):299-304. doi: 10.1016/j.psychres.2009.12.010. PMID: 20452063; PMCID: PMC2881837.

  7. Faraone, Biederman, Mick (2006): The age-dependent decline of attention deficit hyperactivity disorder: a meta-analysis of follow-up studies. Psychol Med. 2006 Feb;36(2):159-65.

  8. Kooij, Bijlenga, Salerno, Jaeschke, Bitter, Balázs, Thome, Dom, Kasper, Filipe, Stes, Mohr, Leppämäki, Brugué, Bobes, Mccarthy, Richarte, Philipsen, Pehlivanidis, Niemela, Styr, Semerci, Bolea-Alamanac, Edvinsson, Baeyens, Wynchank, Sobanski, Philipsen, McNicholas, Caci, Mihailescu, Manor, Dobrescu, Krause, Fayyad, Ramos-Quiroga, Foeken, Rad, Adamou, Ohlmeier, Fitzgerald, Gill, Lensing, Mukaddes, Brudkiewicz, Gustafsson, Tania, Oswald, Carpentier, De Rossi, Delorme, Simoska, Pallanti, Young, Bejerot, Lehtonen, Kustow, Müller-Sedgwick, Hirvikoski, Pironti, Ginsberg, Félegeházy, Garcia-Portilla, Asherson (2019): Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD, European Psychiatrie, European Psychiatry 56 (2019) 14–34, http://dx.doi.org/10.1016/j.eurpsy.2018.11.001, Seite 17

  9. Agnew-Blais, Polanczyk, Danese, Wertz, Moffitt, Arseneault (2016): Evaluation of the Persistence, Remission, and Emergence of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Young Adulthood. JAMA Psychiatry. 2016 Jul 1;73(7):713-20. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.0465.

  10. Schlack, Holling, Kurth, Huss (2007): Die Prävalenz der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2007; 50:827-835.

  11. Kessler, Adler, Barkley, Biederman, Conners, Demler, Faraone, Greenhill, Howes, Secnik, Spencer, Ustun, Walters, Zaslavsky (2006): The Prevalence and Correlates of Adult ADHD in the United States: Results From the National Comorbidity Survey Replication; THE AMERICAN JOURNAL OF PSYCHIATRY April 2006 Volume 163, Issue 4, April, 2006, pp. 716-723

  12. Krause, Krause (2014): ADHS im Erwachsenenalter, Schattauer, Kapitel Prävalenz, S. 9 ff

  13. Roselló, Berenguer, Baixauli, Mira, Martinez-Raga, Miranda (2020): Empirical examination of executive functioning, ADHD associated behaviors, and functional impairments in adults with persistent ADHD, remittent ADHD, and without ADHD. BMC Psychiatry. 2020 Mar 24;20(1):134. doi: 10.1186/s12888-020-02542-y. PMID: 32204708; PMCID: PMC7092442. n = 105

  14. Fayyad, Sampson, Hwang, Adamowski, Aguilar-Gaxiola, Al-Hamzawi, Andrade, Borges, de Girolamo, Florescu, Gureje, Haro, Hu, Karam, Lee, Navarro-Mateu, O’Neill, Pennell, Piazza, Posada-Villa, Ten Have, Torres, Xavier, Zaslavsky, Kessler; WHO World Mental Health Survey Collaborators (2017): The descriptive epidemiology of DSM-IV Adult ADHD in the World Health Organization World Mental Health Surveys. Atten Defic Hyperact Disord. 2017 Mar;9(1):47-65. doi: 10.1007/s12402-016-0208-3.

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