Rejection Sensitivity: Kränkbarkeit, Angst vor Zurückweisung als spezifisches AD(H)S-Symptom

AD(H)S-Betroffene leiden häufig an einer besonders intensiven Angst vor Zurückweisung und Kritik (Rejection Sensitivity).
Diese besondere Kränkbarkeit im Sinne einer Empfindlichkeit von AD(H)S-Betroffenen gegenüber tatsächlicher oder befürchteter Zurückweisung ist uns aus vielen Berichten von Betroffenen bekannt. Nahezu alle von uns befragten AD(H)S-Betroffenen bestätigen eine vorliegende RS.

1. Rejection Sensitivity (RS)

Rejection Sensitivity (RS) ist die Veranlagung zu

  • ängstlicher Erwartung von Ablehnung,
  • bereitwilliger Entgegennahme von Ablehnung und
  • intensiver Reaktion auf (tatsächliche oder vermeintliche) Ablehnung.

Rejection Sensitivity ist als eigenständiges Störungsbild bekannt, bei Narzissmus als narzisstische Kränkbarkeit und bei Borderline als Leitsymptom.

Bei AD(H)S wird Rejection Sensitivity in den (deutschsprachigen) Fachliteratur-Standardwerken zu AD(H)S bislang nicht als spezifisches AD(H)S-Symptom thematisiert.

1.1. Rejection Sensitivity bei AD(H)S

Kränkbarkeit wird zwar immer wieder als spezifische und typische Eigenart vieler ADHS-Patienten erwähnt(1)(2), z.B. als schnelle Kränkbarkeit(3), als Kritikempfindlichkeit als Unterfall eines negativen Hyperfokus(4), in einem Fragebogen (Waren Sie als Kind sehr empfindlich und kränkbar?)(5) oder in anderen Beschreibungen als Folge von Selbstwertproblemen(6)(7).
Dietrich nennt dies eine nur geringe Toleranz gegenüber Kritik aus dem sozialen Umfeld oder eine Schwierigkeit, Kritik anzunehmen und Schuld einzugestehen.(8)

Nur selten jedoch wird die besondere Kränkbarkeit als spezifisches ADS-Symptom beschrieben(9). Nach diesseitiger Ansicht wird die besondere Bedeutung des Symptoms der Rejection Sensitivity als AD(H)S-Symptom erheblich unterschätzt.

Mehrere größere Untersuchungen stellten einen deutlichen Zusammenhang zwischen Stärke der AD(H)S-Symptomatik und dem Bestehen einer Rejection Sensitivity fest(10)(11)

Betroffene nehmen sich deutlich stärker als Außenseiter und „nicht in die Gruppe integriert“ wahr als umgekehrt die Gruppe die Betroffenen.

Das Maß der Ablehnung durch Gruppenmitglieder (peer rejection) und das Maß, in dem die Sympathie für andere die umgekehrt erwiesene Sympathie übersteigt, sind laut einer Untersuchung die sichersten Parameter, um Kinder mit AD(H)S von Nichtbetroffenen anhand von Gruppenumfragen zu unterscheiden.(12)
AD(H)S-Symptome und die dadurch verursachte soziale Ablehnung (peer rejection) im Alter von 4 bis 6 Jahren sind ein sich gegenseitig verstärkender Teufelskreis.(13) Soziale Ablehnung verursacht Stress und Stress bewirkt gegenwärtige AD(H)S-Symptome. Insbesondere im frühkindlichen Alter manifestiert Stress die genetische Disposition, so dass die AD(H)S-Intensität darüber hinaus im gesamten Lebensalter beeinflusst wird.

Die tatsächliche Ablehnung durch andere ist jedoch kein Maß für Rejection Sensitivity.
Bei Rejection Sensitivity ist nicht die objektive Ablehnung durch andere kennzeichnend, sondern die Verletzlichkeit gegenüber subjektiv empfundener Ablehnung. Es geht um die Empfindlichkeit gegenüber tatsächlicher Ablehnung einerseits und die Wahrnehmung vermeintlicher Ablehnung und Zurückweisung andererseits.

1.2. Begriffliche Abgrenzung zu „Rejection Sensitive Dysphoria“ (RSD)

Vereinzelt wird anstelle des Begriffs Rejection Sensitivity in Bezug auf AD(H)S der Begriff der „Rejection Sensitive Dysphoria“ (RSD) verwendet.(14).

Dabei wird jedoch mit dem Begriffsteil „Dysphoria“ keine echte Dysphorie bezeichnet, sondern es ist Rejection Sensitivity als solche gemeint, und als eine spezielle atypische Depression betrachtet(15). Winkler stellt unter Bezug auf Dodson einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Rejection Sensitivy und Stimmungseinbrüchen / Dysphorie bei AD(H)S her(16), wobei er Rejection Sensitive Dysphoria wohl als eine Form von atypischer Depression betrachtet.(17)

Während Rejecton Sensitivity (RS) als psychologischer Fachbegriff für eine Überempfindlichkeit gegenüber gegebener oder erwarteter Zurückweisung einschlägig ist, ist Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) in der Fachliteratur nicht zu finden.

Diesseits werden Rejection Sensitivity einerseits und Dysphorie (bei Inaktivität) andererseits als zwei echte, also unmittelbar neurologisch verursachte Symptome von AD(H)S betrachtet. Es ist kein unmittelbarer innerer Zusammenhang zwischen diesen beiden Symptomen erkennbar, sondern sie dürften eigenständig und nebeneinander stehen – auch wenn sie bei AD(H)S häufig gemeinsam auftreten. Zur Vermeidung einer Verwechslung mit dem spezifischen AD(H)S-Symptom Dysphorie (bei Inaktivität) wird diesseits der eingeführte Begriff der Rejection Sensitivity verwendet.

2. Rejection Sensitivity als Primärsymptom von AD(H)S

Die hier verwendete Formulierung Rejection Sensitivity als Primärsymptom von AD(H)S meint, dass Rejection Sensitivity bei AD(H)S nach diesseitiger Einschätzung ein durch AD(H)S unmittelbar hervorgerufenes Symptom ist (ebenso wie Aufmerksamkeitsprobleme oder Hyperaktivität) und nicht eine Folge von über lange Zeit gemachten schlechten Erfahrungen ist (= kein Sekundärsymptom).
Gleichwohl gibt es RJ nicht nur bei AD(H)S und RJ alleine ist auch kein Nachweis für AD(H)S.

2.1. Zurückweisungsemfindlichkeit mehr als rein psychologische Reaktion

Zunächst liegt es nahe, die Zurückweisungsüberempfindlichkeit bei AD(H)S-Betroffenen zurückzuführen auf

  • das durch die lebenslänglichen negativen sozialen Erfahrungen mit der Umwelt und dem dadurch massiv beeinträchtigten Selbstwertgefühl,
  • dem Gefühl des anders-seins, des nicht-dazu-gehörens, sowie
  • die durch die genetisch induzierte Hochsensibilität (DRD4-7R, 5-HTTPRs, COMT Met-158-Met, siehe hierzu den Aspekt Chance-/Risiko-Gene Wie AD(H)S entsteht : Gene + Umwelt) induzierte Vulnerabilität (Empfindsamkeit und Verletzlichkeit aufgrund des zu weit offenen Reizfilters) oder
  • ein allgemein niedriges Selbstwertgefühl(7)

Sicherlich tragen die lebenslangen eher negativen Erfahrungen mit anderen Menschen dazu bei, dass sich eine Angst vor Ablehnung herausbildet.

Videos, die Aufnahmen von AD(H)S-Betroffenen im Vergleich zu Depressiven zeigen, werden von Dritten als gleichermaßen unangenehm wahrgenommen. Während die Videos von Depressiven jedoch eher eine ebenfalls depressive, müde Stimmung hervorrufen, bewirken Videos von AD(H)S-Betroffenen eine eher feindselige Stimmung.(18)

Dieser Unterschied ist zwar relevant, kann jedoch die Rejection Sensitivity von AD(H)S-Betroffenen nicht alleine erklären.

Die Massivität, in der AD(H)S-Betroffene an Rejection Sensitivity leiden und die hohe Häufigkeit des Auftretens bei AD(H)S ist unseres Erachtens nicht alleine durch die belastenden Erfahrungen zu erklären, die AD(H)S-Betroffene Im Laufe ihres Lebens als Folge ihrer Probleme mit anderen Menschen zusätzlich machen. Da Rejection Sensitivity zudem auch bei anderen psychologischen Störungen auftritt, wo sie nicht als „blosse“ Folge einer Selbstwertproblematik (Narzissmus: narzisstische Kränkbarkeit; Borderline: Kernsymptom) wahrgenommen wird, verringert sich unseres Erachtens die Wahrscheinlichkeit einer erlernten Reaktion weiter.

Eine Untersuchung an Gesunden zeigte, dass der Charakter-Trait des Dazu-gehören-wollens, nicht aber der Trait der Rejection Sensitivity eine (für Stress typische) erhöhte Cortisolantwort auf Ausschliessung von der Teilnahme an einem Gruppenspiel verursachte.(19)

2.2. Stimulanzien verringern Rejection Sensitivity unmittelbar

Die meisten der diesseits befragten AD(H)S-Betroffenen bestätigten eine unmittelbare Verbesserung der Rejection Sensitivity durch Methylphenidat. (Mehr hierzu unten unter 3.5.)

Für Nichtbetroffene wären die jeweiligen Auslöser ebenfalls unangenehm, aber nicht Anlass zu der von den Betroffenen beschriebenen intensiven Empfindung eines verletzt seins aufgrund wahrgenommener Ablehnung. Die unmittelbare Medikamentenwirkung auf die Intensität der Rejection Sensitivity lässt nach diesseitiger Sicht keinen anderen Schluss zu, als dass es sich um eine unmittelbare (neurophysiologisch vermittelte) Symptomatik von AD(H)S handelt.
Dass die dopaminerg wirkenden Stimulanzien die Symptome positiv beeinflussen, könnte in Anbetracht der unten unter 2.6. geschilderten Modulation des Zugehörigkeitsmotivs durch Dopamin schlüssig sein.
Diesseits wird daher eine unmittelbare neurophysiologische Manifestation der RS im Sinne eines spezifischen neurophysiologischen Wirkmechanismus vermutet.

2.3. Frühkindliche Stresserfahrung als Ursache von Rejection Sensitivity

Die psychologischen Modelle der Rejection Sensitivity führen diese auf frühkindliche traumatisierende Erfahrungen zurück, die das DMS aktivieren („Defensive Motivational System“ als eines der beiden verhaltenssteuernden Motivationssysteme nach Gray, das den Betroffenen zu aktiver Vermeidung und fight-or-flight-Reaktionen animiert) sowie einen Abwehrmechanismus ausbilden (Übervorsicht als Schutz vor unerwarteter Verletzung) und der aufgrund mangelhafter (emotionaler) Selbstregulation nicht mehr angemessen gesteuert werden kann.(20)(21)

2.4. Rejection Sensitivity und Bindungsstile

Unterschiedliche Bindungsstile sagen eine Rejection Sensitivity bei AD(H)S deutlich voraus.

Ein sicherer Bindungsstil ist am wenigsten von Rejection Sensitvity betroffen, während ein unsicher-verstrickter (preoccupied) Bindungsstil die meisten AD(H)S-Symptome zeigte, noch stärker als bei einem unsicher-vermeidender (dismissing) Bindungsstil.(22) Vor diesem Hintergrund könnte Rejection sensitivity als unmittelbarer Ausdruck einer unsicheren Bindung verstanden werden.

Dies fügt sich in das diesseitige Bild, dass bereits ein unsicherer Bindungsstil genug frühkindlichen Stress bewirken kann, um die genetische Disposition zu psychischen Problemen (hier und insbesondere bei AD(H)S aufgrund der dort vorhandenen Hochsensibilität) zu aktivieren.

Mehr zu Bindungsstilen und was Eltern präventiv tun können: Bindungsstile im Kapitel ⇒ Prävention.

2.5. Ähnliche Symptome bei ähnlichen Störungsbildern

Das Symptom der Rejection Sensitivity tritt nicht exklusiv bei AD(H)S in Erscheinung, sondern ist als komorbide Störung häufig bei affektiven Störungen wie beispielsweise Depressionen, Narzissmus (dort als narzisstische Kränkbarkeit), Bipolaren Störungen (1 & 2)(23) sowie Borderline (dort nochmals deutlich massiver und das Störungsbild bestimmend) zu finden.

Bekanntlich überlappen die Symptome von Borderline und AD(H)S teilweise (Differentialdiagnostik bei AD(H)S). Allerdings unterscheiden sich die neurologischen Ursachen erheblich. Das dopaminerge System ist bei beiden Störungsbildern involviert. Während bei AD(H)S der Dopaminspiegel im PFC und Striatum verringert ist, scheint er bei Borderline eher erhöht zu sein.

2.6. Zugehörigkeitsmotiv ist dopaminerg gesteuert

Motivation wird je nach Art des Motivs durch unterschiedliche Neurotransmitter vermittelt. Motivation lässt sich grundsätzlich in die Gruppen Machtmotiv, Zugehörigkeitsmotiv und Leistungsmotiv unterteilen.(24) Bei der Angst vor Zurückweisung wird spezifisch das Zugehörigkeitsmotiv angesprochen, nicht das Leistungsmotiv und nicht das Machtmotiv. Lediglich das Zugehörigkeitsmotiv wird dopaminerg gesteuert.(25)(26)(27) Da AD(H)S von einem Dopaminmangel im PFC sowie im Striatum, dem Belohnungs- und Verstärkungszentrum des Gehirns, gekennzeichnet ist, erscheint es unter diesem Aspekt plausibel, dass AD(H)S-Betroffene für eine Angst vor Zurückweisung und Kritik besonders empfänglich sind.

2.7. Zugehörigkeitsmotiv kann Prokrastination beheben

Die besondere Bedeutung des Zugehörigkeitsmotivs bei AD(H)S zeigt sich auch darin, dass es ADHS-Betroffenen wesentlich leichter fällt, diejenige Tätigkeit, die sie für sich selbst (aufgrund ausgeprägter Prokrastination) nicht ausüben können, für einen anderen auszuüben. Dies geht so weit, dass Passig, Lobo als Copingstrategie für Prokrastination empfehlen, dass Betroffene die von Ihnen prokrastinierten Tätigkeiten jeweils im Austausch für einen anderen erledigen.(28)

2.8. Überschätzung eigener sozialer Kompetenzen als RS

AD(H)S-Betroffene überschätzen häufig die eigenen sozialen Kompetenzen. Dieses Symptom ist nicht so gravierend, dass es als tragend für AD(H)S bezeichnet werden könnte.

In einer Testgruppe von n = 82 Mädchen von 9-12 Jahren überschätzten die n = 42 AD(H)S-Betroffenen ihre sozialen Kompetenzen im Vergleich zu Fremdbeurteilungen (Lehrer, Eltern und Drittbeobachtern) deutlich mehr als Nichtbetroffene. Trat oppositionelles Trotzverhalten hinzu, verstärkte sich dies noch weiter, ebenso bei verringerter Depressionssymptomatik. Die Selbstüberschätzung korrelierte nur bei den AD(H)S-Betroffenen mit der Tendenz der Betroffenen, Antworten in Richtung Sozialer Erwünschtheit zu verzerren (socially desirable reporting bias). Bei AD(H)S-Betroffenen war die Selbstüberschätzung sozialer Kompetenz an das Maß der Unausgeglichenheit gekoppelt. Mit zunehmender Ausgeglichenheit nahm die Selbstüberschätzung ab, während es dagegen bei Nichtbetroffenen mit Ausgeglichenheit zunahm.

Dies könnte, insbesondere aufgrund des Bias in Richtung sozialer Erwünschtheit, als eine Auswirkung der AD(H)S-typischen Rejection Senstivity zu interpretieren sein.

3. Soziale Phobie als mögliche Folge einer Rejection Sensitivity

Soziale Phobie ist gekennzeichnet durch:

  • Zentral:
    • Angst vor prüfender Betrachtung in überschaubaren Gruppen (nicht in Menschenmengen)
    • Auftreten der Angst
      • ist meist beschränkt auf oder überwiegt in bestimmten soziale Situationen, z.B.
        • Essen
        • Sprechen in der Öffentlichkeit
        • Treffen mit Menschen des begehrten Geschlechts
      • kann aber auch unbestimmt sein und in fast allen sozialen Situationen außerhalb der Familie auftreten
  • Häufig:
    • niedriges Selbstwertgefühl
    • Furcht vor Kritik
  • Mögliche Begleitphänomene:
    • Erröten
    • Vermeiden von Blickkontakt
    • Schwitzen
    • Zittern
    • Herzrasen
    • Durchfall
    • Übelkeit
    • Harndrang
  • Symptomatik kann sich bis zu Panikattacken verstärken.
  • Die phobischen Situationen werden vermieden.
  • Beginn häufig im Jugendalter
  • Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten kann zu vollständiger sozialer Isolation führen

Eine sehr ausgeprägte Rejection Sensitivity soll eine Soziale Phobie auslösen können.(29)
In diesem Sinne könnte eine Soziale Phobie, wie sie bei AD(H)S durchaus häufiger zu beobachten ist, als Folge einer oben bereits als originäres AD(H)S-Symptom beschriebenen Rejection Sensitivity auftreten. Da Rejection Sensitivity als AD(H)S-Symptom durch Behandlung mit AD(H)S-Medikamenten remittieren kann, müsste eine Soziale Phobie, die eine Folge einer ausgeprägten Rejection Sensitivity ist, damit theoretisch zugleich nachlassen. Belege hierfür sind uns bislang nicht bekannt.

4. Medikamentierung gegen Rejection Sensitivity bei AD(H)S

4.1. Methylphenidat

Viele AD(H)S-Betroffene berichteten, dass Stimulanzien erheblichen und unmittelbaren Einfluss auf ihre Rejection Sensitivity habe. Dabei berichteten 90 % von einem positiven und RS verringernden, 10 % von einem eher erhöhenden Einfluss durch MPH.

Ein AD(H)S-Betroffener berichtete, dass seine langjährig bestehende intensive Rejection Sensitivity seit der Behandlung mit MPH signifikant zurückgegangen ist. Er berichtete weiter, dass er mehrfach Rückfälle von Rejection Sensitivity feststellen konnte, wenn geeignete Auslöser vorhanden waren und er zugleich die MPH-Medikation auch nur für wenige Stunden vergessen hatte. Die Intensität der RS, die ein abendlicher Streit mit der Freundin (außerhalb der tagsüber bestehenden MPH-Medikamentierung) auslöst, wurde innerhalb von 10 Minuten nach der Einnahme von MPH drastisch verringert.

Methylphenidat verringert bei AD(H)S-Betroffenen das Gefühl von Misstrauen signifikant.(30)

4.2. Guanfacin und Clonidin

Bei einer Rejection Sensitivity sei eine Kombination der Alpha-2-Adrenorezeptor-Agonisten Guanfacin und Clonidin laut einem einzelnen Erfahrungsbericht eines amerikanischen Arztes (Dodson) besonders wirksam. Dieser berichtet, dass bei einer Dosierung von zwischen 0,5 und 7 mg Guanfacin und zwischen 0,1 mg bis 0,5 mg Clonidin jeder dritte Betroffene seine Rejection Sensitivity Symptome verliert. Er berichtet weiter, dass der Einfluss auf die Lebensqualität durch diese Behandlung im Ergebnis größer sei als die Behandlung durch Stimulantien.(14)

Dodson berichtet weiter von einer Studie der Harvard-Universität, dass eine Anhebung der Dosierung für Guanfacin bis auf 4 mg und für Clonidin bis auf 7-8 mg ein um 40 % höheres Ansprechen bewirke, wobei diese Dosierung jedoch über den empfohlenen Limits liege. Hierbei ergeben sich zudem erhöhte Nebenwirkungen.

Guanfacin ist als AD(H)S-Medikament im Vergleich zu Atomoxetin wirksamer.

Alpha-2-Adrenorezeptoren (Adrenozeptoren) werden von den Neurotransmittern Adrenalin und Noradrenalin aktiviert. Sie sind damit für die Wirkungen verantwortlich, die durch Adrenalin und Noradrenalin vermittelt werden.(31)
Agonisten verstärken die Wirkung der Rezeptoren. Guanfacin und Clonidin wirken damit im Ergebnis noradrenerg und verringern die adrenerge Wirkung.

4.3. MAO-A Wiederaufnahmehemmer

Dodson(14) beschreibt weiter Erfolge mit MAO-A Wiederaufnahmehemmern, insbesondere mit Parnate (tranylcypromine), was die bisher übliche Behandlung bei Rejection Sensitivity gewesen sei. MAO-A Wiederaufnahmehemmer seien auch in Bezug auf AD(H)S Symptome erfolgreich eingesetzt worden.

4.4. Imipramin, Phenelzine

Imipramin und Phenelzin sollen je nach Art der weiteren Symptomlage jeweils besser geeignet sein (als Valproat), Rejection Sensitvity zu bekämpfen.(32).

Imipramin ist bei AD(H)S ein denkbares Ergänzungsmedikament zu Stimulantien. Es sollte jedoch die gegenseitige Wirkungsverstärkung von Imipramin und Methylphenidat beachtet werden.

4.5. Valproat bei BPD

Valproat (250 mg bis 500 mg) verbesserte bei 50 % von BPD-Betroffenen moderat die Symptome der Irritabiität, Wut, Angst, Rejection Sensitivity und Impulsivität. Die Ergebnisse variierten von Betroffenem zu Betroffenem sehr.(33)

Zuletzt aktualisiert am 06.11.2019 um 01:04 Uhr


1.)
Krause, Krause (2014): ADHS im Erwachsenenalter, Schattauer, S, 118, Fallbeispiel S. 90 - (Position im Text: 1)
2.)
Neuhaus (2004): Beziehungskisten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit AD(H)S, in Fitzner, Stark (Herausgeber): Doch unzerstörbar ist mein Wesen, wohl unveränderte Neuauflage 2014, Seite 146 ff - (Position im Text: 1)
3.)
ADHS-Institut Berlin - (Position im Text: 1)
6.)
Decker, ads-praxis - (Position im Text: 1)
8.)
24.)
McClelland (1987): Human motivation. Cambridge; McLelland war Professor in Harvard und forschte intensiv über Motivation. - (Position im Text: 1)
28.)
Passig, Lobo (2010): Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin. Ein äußerst unterhaltsames und lesenswertes Buch über Prokrastination für Betroffene - (Position im Text: 1)
29.)
Netz (2018): https://www.youtube.com/watch?v=pdMlTtIStzY&feature=youtu.be, ab Minute 04:15 - (Position im Text: 1)

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