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Symptome

Dieses Kapitel beschreibt die Gesamtheit der AD(H)S-Symptome, also die subjektiven oder beobachtbaren Auswirkungen von AD(H)S in den Bereichen Verhalten, Wahrnehmung und Empfinden.
Wir haben rund 45 Symptome gesammelt, die unmittelbar von einer AD(H)S ausgelöst werden können.
⇒  Symptomgesamtliste nach Erscheinungsformen.

AD(H)S wird oft missverstanden, weil es keine zu 100 % spezifische Symptome hat. Hätten alle AD(H)S-Betroffenen rot-weiss gestreifte Ohrläppchen, oder wäre die Symptomatik durch ganz spezifische Reize reproduzierbar auszulösen (wie z.B. bei PTBS), wäre AD(H)S einfacher zu diagnostizieren.
Alle AD(H)S-Symptome sind zugleich (noch) funktionale Symptome von “bloßem” schwerem akutem Stress, während bei anderen Störungsbildern wie z.B., Depression einzelne dieser Stresssymptome dysfunktional geworden sind. Auch dies erschwert die Diagnose von AD(H)S erheblich, Währen alle AD(H)S-Symptome auch Stresssymptome sind, sind nicht alle Stresssymptome zugleich AD(H)S-Symptome. Mehr hierzu unter AD(H)S-Symptome sind Stresssymptome.

Von der hier dargestellten Gesamtzahl der Symptome von AD(H)S sind die diagnoserelevanten Symptome nach DSM oder ICD zu unterscheiden. DSM 5 nennt lediglich 8 Symptome:

  1. Unaufmerksamkeit (Ablenkbarkeit und Konzentrationsprobleme, nicht aber Taskwechselprobleme)
  2. Vergesslichkeit
  3. Desorganisation
  4. Hyperaktivität
  5. Impulsivität
  6. Ungeduld
  7. inneres Getriebensein
  8. übermäßiges reden

Dies sind diejenigen Symptome, die AD(H)S besonders von Nichtbetroffenen und von anderen Störungsbildern unterscheiden. Es handelt sich dabei weder um die Symptome, die bei AD(H)S am häufigsten auftreten (nach unseren Daten – die allerdings überwiegend von Erwachsenen stammen – berichten Betroffene häufiger von Prokrastination als von Hyperaktivität bei ADHS oder als von Unaufmerksamkeit bei ADS), noch sind es die Symptome, die am deutlichsten von Nichtbetroffenen (also ohne andere Störungsbilder) unterscheiden (nach unseren Daten wären dies Lernprobleme).
Dass DSM 5 wie ICD 10 nicht alle Symptome von AD(H)S erfassen, ist unstreitig. Beispielsweise werden einige Wender-Utah-Kriterien völlig außer Acht gelassen. Bis DSM IV waren die Kriterienkataloge ausschließlich auf Kinder zugeschnitten, obwohl lange schon bekannt war, dass sich die Symptome bei Erwachsenen verändern (Hyperaktivität lässt nach oder verschwindet, inneres Getriebensein tritt in den Vordergrund).
AD(H)S bei Erwachsenen

Es gibt kein Symptom von AD(H)S, das bei allen Betroffenen auftritt. Es gibt AD(H)S ohne Aufmerksamkeitsprobleme (Kinder: ADHS mit überwiegender Hyperaktivität; Erwachsene: ADHS mit überwiegender innerer Unruhe und Erholungsunfähigkeit) und es gibt AD(H)S ohne Hyperaktivität (ADS mit überwiegender Unaufmerksamkeit). Der Mischtyp (Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität / innerer Unruhe) ist am häufigsten.
AD(H)S ist deshalb nicht vom Auftreten einiger bestimmter Symptome, sondern vom häufigen Auftreten einer großen Anzahl von Symptomen aus einem wesentlich größeren Symptomcluster gekennzeichnet. Dabei können die von DSM / ICD genannten Symptome enthalten sein, oder eben auch nicht.

Weniger versierte Ärzte und Therapeuten erkennen AD(H)S manchmal nicht, weil die Betroffenen eine ungewöhnliche Symptomzusammensetzung haben. Wenn dies dazu führt, dass Betroffenen eine adäquate Behandlung verwehrt bleibt, ist dies tragisch.
DSM und ICD sind zwar wichtige Qualitätssicherungsinstrumente für die ärztliche Diagnose. Dennoch sind es in erster Linie diagnostische Leitlinien und dürfen nicht als ausschließliche Diagnosevorschriften missverstanden werden (so auch Allen Frances, der Vorsitzende der DSV-IV-Kommission).
DSM und ICD – Statistiktools, nicht Diagnosemaßstäbe.

Die Diagnose von AD(H)S kann nicht dadurch erfolgen, dass ein bestimmtes Symptom festgestellt wird (kategorial), sondern erfolgt anhand der Menge der zutreffenden Symptome und deren Intensität (dimensional).(1)(2)

  • Nichtbetroffene haben im Schnitt 1 bis 2 von 18 Symptomen oft (rund 5 %)(3)
  • AD(H)S-Betroffene haben im Schnitt 12 dieser 18 Symptome oft (rund 66 %)(3)

Während bei “bloß” schwerem akuten Stress die dadurch verursachten Symptome nach Wegfall der Stressoren (der Stressauslöser) wieder verschwinden, bestehen bei AD(H)S die Symptome auch ohne adäquaten Stressor fort. AD(H)S könnte unserer Auffassung nach möglicherweise als eine (genetisch oder durch Gen-Umwelt-Interaktionen ausgelöste) chronische Überreagibilität der Stressregulationssysteme beschrieben werden, so dass die AD(H)S-Symptome auch dann auftreten, wenn der Betroffene keiner akute oder chronischen schwere Belastung durch Stressoren ausgesetzt ist. Genauer dürfte jedoch die Darstellung sein, dass AD(H)S und schwerer chronischer Stress sehr ähnliche Symptome haben und ihre Symptome neurophysiologisch auf eine sehr ähnliche Art und Weise vermitteln (Dopamin- und Noradrenalindefizit). Die Unterscheidung zwischen AD(H)S und chronischem Stress ist daher oft nicht leicht zu treffen.
Dies ist der Grund, warum für eine AD(H)S-Diagnose ein Auftreten der Symptome über einen längeren Zeitraum und in mehreren Lebensbereichen auftreten müssen. Ob die von ICD hierfür geforderten 6 Monate bereits ausreichend sind, bezweifeln wir allerdings.

Jemand, der seit einiger Zeit in einer schweren Lebenskrise steckt, also seit ein oder zwei Jahren schweren selbstwert- oder existenzbedrohenden (= cortisolergen) Stress hat, wird typischerweise während dieser ganzen langen Zeit Stresssymptome in einer Schwere und Häufigkeit haben, dass dies mit AD(H)S verwechselt werden kann.

Um AD(H)S von Symptomen von schwerem chronischem Stress zu unterscheiden, muss die jeweilige Lebensgeschichte angeschaut werden. Von der Ähnlichkeit der Symptome von AD(H)S und schwerem chronischem Stress und von der neurophysiologischen Vermittlung dieser Symptome zu unterscheiden ist, dass AD(H)S durch frühkindliche Stressbelastung verursacht werden kann, die eine genetische Disposition aktiviert/manifestiert. Hat der/die Betroffene bereits in der Kindheit / Schulzeit überdauernd die (damals noch kindes-)typischen Symptome von massivem cortisolergem Stress gehabt, ohne dass die gesamte Zeit entsprechende Stressoren gegeben waren, ist mit einiger Wahrscheinlichkeit von AD(H)S auszugehen. Sind die Symptome jedoch in den ersten 12 Lebensjahren nicht erkennbar gewesen, und sind sie erstmals in den letzten 6 bis 12 Monaten aufgetreten, seit ein bestimmter Stressor besteht, ist eine “lediglich” akute Stressüberlastung wahrscheinlicher.

Während bei Erwachsenen AD(H)S oft verkannt wird, weil noch immer viele Therapeuten und Ärzte lediglich die kindestypischen AD(H)S-Symptome kennen und DSM und ICD deshalb fälschlich unmodifiziert auch auf Erwachsene anwenden, ist es bei Kindern sehr viel schwerer zu unterscheiden, ob sie an AD(H)S oder an einer chronischen schweren Stressbelastung leiden (die aus dem schulischen Umfeld oder aus dem Elternhaus kommen kann), weil man nicht auf eine komplette Schulzeit und weitere Jahre zurückblicken kann. AD(H)S-Diagnosemethoden.
Unabhängig davon sind bei Stresssymptomen bei jüngeren Kindern verhaltenstherapeutischen Maßnahmen für die Eltern oder die Schule erwiesenermaßen hilfreich, während Verhaltenstherapien für junge Kinder sich meist als wenig hilfreich gezeigt haben. Je jünger das Kind, desto wirksamer sind Hilfestellungen für die Eltern und Bezugspersonen, um eine Manifestation einer AD(H)S zu vermeiden. AD(H)S – Behandlung und Therapie; ⇒  AD(H)S – Prävention und Vorsorge – Was Eltern tun können; ⇒ Sichere Bindung schlägt genetische Disposition bei AD(H)S

Auch die Frage nach AD(H)S-Subtypen hilft bei der Diagnose nicht weiter. Die klassischen Subtypen ADHS (mit überwiegender Hyperaktivität/Impulsivität, ohne Aufmerksamkeitsprobleme), der Mischtyp (mit Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit), ADS (überwiegende Aufmerksamkeitsprobleme ohne Hyperaktivität) sind nach diesseitiger Auffassung nichts anderes als phänotypische Reaktionen auf den durch die dysfunktionalen Stresssysteme ausgelösten intensiven Stress. Der ADHS-Subtyp muss Stress (impulsiv) nach außen abbauen, der ADS-Subtyp frisst den Stress eher in sich hinein.(4) SCT wird zwischenzeitlich als eigenständige Störung verstanden und nicht mehr als AD(H)S-Subtyp betrachtet. Bei manchen Betroffenen tritt je nach Situation (und Stressor) mehr der eine oder der andere Subtyp in den Vordergrund. Auch das unterscheidet AD(H)S nicht von massivem Stress. Mehr hierzu unter AD(H)S-Subtypen – die unterschiedlichen Arten von AD(H)S. Erfreulicherweise hat das DSM 5 die Unterscheidung von AD(H)S nach Subtypen wieder aufgegeben.

Um es nochmals ganz unmissverständlich zu sagen: Auch wenn AD(H)S und chronischer Stress ihre Symptome neurophysiologisch auf dem selben Weg vermitteln, ist AD(H)S etwas anderes als eine bloße Reaktion auf existierende Stressoren.
AD(H)S kann nach unserem Verständnis als chronische Überreagibilität der Stressregulationssysteme beschrieben werden, oder so, dass die Symptome von AD(H)S ebenso wie die chronischem Stress durch die selben neurophysiologischen Mechanismen (vornehmlich Dopamin. und Noradrenalinmangel) vermittelt werden.
Die bei AD(H)S überreagiblen Stresssysteme antworten auch auf Lebensumstände, die für Nichtbetroffene nicht belastend sind, mit einer Stressreaktion.
AD(H)S als chronifizierte Stressregulationsstörung

AD(H)S-Betroffene zeigen also auch dann (tatsächlich erlittene) Stressreaktionen, wo andere sich unbelastet des Lebens freuen.

Bei AD(H)S ist ein ganz normaler Bürotag so, als ob der Schreibtisch mitten in der belebtesten Fußgängerzone steht, und direkt daneben alle 3 Minuten eine Straßenbahn entlangfährt.
Und obwohl das so drastisch klingt, ist es gar nicht einfach, herauszufinden, ob einen das betreffen könnte. Mit was sollte man es vergleichen, wenn man gar kein anderes Leben kennt ?
AD(H)S ist mehr als nur eine Störung des Reizfilters, wie sie unter anderem auch bei Schizophrenie, Manie oder Autismusspektrumsstörungen diskutiert wird. Neben der (bei AD(H)S stets enthaltenen) erhöhten Sensibilität (die als Reizfilterstörung verstanden werden kann) ist weiter die Informationsverarbeitung (vor allem das Arbeitsgedächtnis im dlPFC, das exekutive Funktionen (geplante Aufgaben) steuert und das Verstärkungssystem im Striatum, das Motivation, Antrieb und Inhibition – und damit auch die Hyperaktivität – reguliert) und die Stressregulation beeinträchtigt.

Die Symptome von AD(H)S sind in der folgenden Gesamtsammlung nach der Wahrnehmbarkeit von Außen gegliedert, nicht anhand ihrer neurophysiologischen Korrelate. Bei einigen Symptomen findet sich ein Verweis auf die Beschreibung der ursächlichen neurophysiologischen Mechanismen.

Um zu verdeutlichen, dass AD(H)S-Symptome sich identisch zeigen wie Stresssymptome, werden bei den meisten Symptomen der Gesamtsammlung Fundstellen dafür beigefügt, dass es zugleich ein Symptom von schwerem Stress darstellt.

Stress und Stresssymptome sind keine reinen Krankheitsmarker. Stress hat konkrete Vorteile in Notsituationen, ist also zunächst funktional. Werden einzelne Stresssymptome dysfunktional, werden sie als eigenes Störungsbild wahrgenommen. Depression: die bei drohender Gefahr funktionale Dysphorie nur bei Inaktivität (bleibe aktiv, bekämpfe den Stressor = funktional) ist zu einem massiven Stimmungsabfall nicht nur bei Inaktivität geworden und führt zusammen mit gravierender Anhedonie zu einer dysfunktionalen Lebensbeeinträchtigung. Angststörung: die bei drohender Gefahr funktionale erhöhte Vorsicht (Ängstlichkeit) ist hier so stark geworden, dass sie die Handlungsfähigkeit einschränkt – die ist dysfunktional geworden.
Um die Vorteile funktionaler Stresssymptome plastisch nachvollziehbar zu machen, beschreiben wir die jeweiligen Vorteile, die die jeweilige Stressreaktion evolutionsbiologisch gehabt haben könnte. Diese Vorteile bezeichnen wir im Folgenden als “Stressnutzen”.
Stressnutzen – der überlebensfördernde Zweck von Stresssymptomen
Die Beschreibung von Stressnutzen ist deshalb schwierig, weil diese bislang nicht systematisch wissenschaftlich untersucht wurden, sondern in der Fachliteratur allenfalls am Rande erwähnt sind. Die diesseitigen Darstellungen sind daher weithin hypothetischer Natur.

Symptome

Zuletzt aktualisiert am 17.08.2021 um 01:00 Uhr


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