Aldosteron

Aldosteron ist wie Cortisol ein Steroidhormon.

1. Bildung von Aldosteron

Cholesterin wird über Pregnenolon und Progesteron zu Aldosteron.

Aldosteron wird in der äußersten Schicht der Nebennierenrinde gebildet, der Zona glomerulosa.

Die Halbwertszeit von Aldosteron beträgt 20 Minuten.

Der Abbau von Aldosteron zu (hauptsächlich) Tetrahydro-Glucuronid-Derivaten erfolgt in der Leber, sowie zu geringeren Anteilen zu einem 18-Glucuronid in Leber und Niere. Die Ausscheidung erfolgt über den Harn.

1.1. Aldosteron-Agonisten

  • Stress
    • ACTH
  • Renin aus der Niere(1)
  • Verminderung von Blutvolumen und Blutdruck
    • Operationen
    • Hyperaldosteronismus (durch Angiotensin II an AT1-Rezeptoren)
      • Angiotensin II wird erhöht durch
        • Natriummangel
        • Hypovolämie (Blutmangel)
        • Abfall der Nierendurchblutung.
  • Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumblutspiegel)(1)
  • Hyponatriämie (niedriger Natriumblutspiegel)

1.2. Aldosteron-Antagonisten

  • Spironolacton
  • Canrenoat
  • Eplerenon
  • Hypernatriämie (hoher Natriumblutspiegel)

2. Wirkung von Aldosteron

  • Wird bei Flüssigkeitsmangel vermehrt ausgeschüttet
    • vermittelt Durstgefühl
  • Regulation des Blutdruckes (maßgeblich)
  • Elektrolytegleichgewicht
    • Aldosteronmangel löst Salzhunger aus
  • Bindung an Mineralocorticoidrezeptor (MR)(2)
  • Bei gleicher Rezeptoraffinität ist Aldosteron 1000 mal wirksamer auf den Mineralhaushalt als Cortisol
    • Grund ist, dass Cortisol in den aldosteronsensitiven Zellen durch die 11β-Hydroxysteroiddehydrogenase Typ 2 zu Cortison umgewandelt wird. Cortisol kann den Rezeptor nicht aktivieren

3. Aldosteronmangel

3.1. Auswirkung eines Aldosteronmangels

  • Hyponatriämie (Natriummangel)
  • Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss)
  • Verminderung des Plasmavolumens
  • Hypotension
  • Kreislaufinsuffizienz
  • Schock

3.2. Ursachen eines Aldosteronmangels

Ursache können Störungen der Aldosteron-Biosynthese sein. Diese sind sehr selten.

  • 21-Hydroxylase-Mangel
    • Ausmass unterschiedlich
    • partieller 21-Hydroxylase-Mangel (Reduzierung der Aldosteronproduktion auf 1-2 %) kann ausreichende mineralocorticoide Funktion aufrecht erhalten(3)
      Weitere Auswirkungen sind zu überprüfen
  • Aldosteron-Synthetase-Mangel
  • 3b-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Mangel
  • Cholesterol-Desmolase Mangel
  • primäre Nebenniereninsuffizienz
    • Während bei der zentralen (sekundären und tertiären) Nebenniereninsuffizienz idR „nur“ ein signifikanter Glukokortikoidmangel auftritt, sind bei der primären Nebenniereninsuffizienz meistens Mangelerscheinungen der Glukokortikoide, Mineralocorticoide (Aldosteron) und Androgene (z. B. Dehydroepiandrosteron = DHEA) feststellbar.(4)

Generell ist ein Aldosteronmangel häufiger bei einer niedrigen Cortisolstressantwort und Alpha-Amylase-Stressantwort zu finden, wie sie bei Atopie (entzündlichen Gesundheitsproblemen) typisch sind.(5)

3.3. Behandlung eines Aldosteronmangels

Bei primärer Nebenniereninsuffizienz wird neben Cortisol in der Regel auch Aldosteron substituiert. Dies erfolgt mittels das Mineralocorticoids Fludrokortison.
Bei Cortisolmangel aufgrund einem Ausfall der Hypophyse ist in der Regel keine Aldosterongabe erforderlich.

Daneben gibt es den so genannten Pseudohypoaldosteronismus, Der Körper stellt ausreichend oder sogar zu viel Aldosteron her, das aber an den Zielorganen nicht als solches erkannt wird. Pseudohypoaldosteronismus bewirkt damit dieselben Beschwerden wie ein Aldosteronmangel im Blut.(6)

3.4. Hypothese: Aldosteronmangel als ADHS-Mitursache

Wir hypothetisieren rein theoretisch, dass ein Aldosteronmangel eine Mitursache von ADHS (mit Hyperaktivität / verringerte Cortisolstressantwort) sein könnte.

Man kann ADHS aus dem Blickwinkel betrachten, dass die zu geringe Cortisolstressantwort eine mangelhafte Abschaltung der HPA-Achse bewirkt, was den einen Dauerlauf des Stresssystems der HPA-Achse samt dem daraus folgenden Phänomenen der Erholungsunfähigkeit auslöst und so eine sich selbst verstärkende dauerhafte Stressreaktion verursacht.

Aldosteron bindet an Mineralocorticoidrezeptoren (MR). Bei einem Aldosteronmangel sind die MR zu schwach besetzt. Bei einer akuten Stresssituation muss Cortisol dann, bevor es die weniger affinen Glukocorticoidrezeptoren (GR) besetzen kann, die die Wiederabschaltung der HPA-Achse bewirken, zunächst die unbesetzten MR adressieren. Ab einem bestimmten Maß von Aldosteronmangel und niedriger Cortisolstressantwort ist das System nicht mehr in der Lage, genug GR zu binden, um die HPA-Achse nach einer Aktivierung durch einen akuten Stressor wieder herunterzufahren.

Bei SHR-Ratten (Spontanuous hypertensive rat), die Modelltiere für ein rein genetisches Ursachenmodell von ADHS (mit Hyperaktivität) und Bluthochdruck darstellen, wurden signifikant verringerte basale Aldosteronwerte (neben verringertem Corticosteron, was bei Ratten das vorherrschende Glukocorticoid ist) gefunden.(7)

Eine Suche nach „Aldosterone“ und „ADHD“ bei PubMed ergab keine relevanten Fundstellen. Dieser mögliche Zusammenhang scheint bislang völlig unberücksichtigt.

Zuletzt aktualisiert am 12.10.2019 um 02:09 Uhr