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Serotonin

Inhaltsverzeichnis

Serotonin

Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem (ZNS). Es hat zugleich periphere Bedeutung (im Körper). Diese Darstellung bezieht sich auf Serotonin im Gehirn.

Die meisten Serotonin produzierenden Nervenzellen befinden sich in den Raphekernen im Mittelhirn.
Die Raphekerne projizieren serotonerg stark verzweigt in das gesamte Gehirn1 in einem tonischen Rhythmus von 1 bis 5 Peaks / Sekunde. Die Frequenz der Serotoninausschüttung wird durch Noradrenalin an Adrenozeptoren erhöht und durch Serotonin an den somatodendritischen 5-HT-1A-Autorezeptoren verringert.2 Somatodendritische und präsynaptische Serotoninautorezeptoren sind Teil einer negativen Feedbackschleife, die dazu dient, um eine zu hohe Serotoninproduktion zu begrenzen.3 Diese negative Feedbackschleife ist bei manchen Störungsbildern beeinträchtigt.

Serotonin ist bei vielen neurophysiologischen Mechanismen involviert und hat einen breiten Regelungsbereich. Serotonin ist für die Stressreaktionen der HPA-Achse erforderlich.
Die tonische serotonerge Aktivität ist am höchsten in Phasen erwachenden Arousals, während sie in ruhigem Wachzustand und bei slow-wave-Schlaf verringert ist und während des REM-Schlafs ganz entfällt.4

Serotonin ist bedeutsam bei der pränatalen Gehirnentwicklung. In der frühen Entwicklung des ZNS beeinflusst Serotonin 5

  • Zellproliferation
  • Zellmigration
  • Zelldifferenzierung

Serotonin erhöht den Prolaktin- und den ACTH-Spiegel.6

Ein Serotoninmangel in der basolatoralen Amygdala bewirkt bei erwachsenen weiblichen Mäusen, die durch chronische 4-Vinylcycloxendiepoxid-Exposition eine Verarmung der Follikel und eine Abnahme der Serum-Östradiol- und Progesteronspiegel erlitten, eine Verringerung der Langzeitpotenzierung durch erhöhte Glutamat- und verringerte GABA-Spiegel, was Angstsymptome auslöst.7

Serotonin wird zu 5-HIAA abgebaut.

1. Serotonin Neurone, Rezeptoren, Transporter

1.1. Serotonin-Rezeptoren

Die nachfolgende Darstellung der Serotonin-Rezeptoren beruht auf Jørgensen.8
Bislang sind 7 Hauptgruppen von Serotoninrezeptoren bekannt, 5-HT-1 bis 5-HT-7. Diese unterteilen sich wiederum in Untergruppen, z.B. 5-HT2a, 5-HT-2b, 5-TH-2c.

1.1.1. 5-HT1A

  • in den dorsalen Raphekernen und im limbischen System
  • prä- und postsynaptisch9
  • hemmt Adenylatcyclase (AC)
    • Hemmung von AC bewirkt Gedächtnis- und Lerndefekte.10
    • Hemmung der AC durch Bindung an den Opiatrezeptor
    • Hemmiung der AC trägt zur Entwicklung von Sucht bei10
    • Toxine wie Choleratoxin und Pertussistoxin wirken durch dauerhafte Aktivierung der Adenylatcyclase.10
  • Autorezeptor
    • reguliert die Hemmung der Serotoninproduktion der Raphekerne11
  • reguliert
    • Stimmung
    • Angst
    • Temperatur
    • Füttern
    • Bewegung
  • vorwiegend inhibierend11
  • Agonisten:
    • 5-CT
    • 8-OH-DPAT
    • RU 24969
  • Antagonisten:
    • WAY-100635
    • Cyanopindolol
    • Metysergide
  • Stress
    • Akuter Stress erhöhte die Genexpression des 5-HT7-Rezeptors in der CA1-Region des Hippocampus.12 während die Genexpression des 5-HT1A-Rezeptors abnahm13
    • Corticosteron beeinflusst dosisabhängig 5-HT1A-Rezeptor-vermittelte Reaktionen im Hippocampus der Ratte in vitro und in vivo: Die Aktivierung nur des hochaffinen Mineralocorticoidrezeptors unterdrückt die 5-HT1A-Rezeptor-vermittelten Reaktionen, während die zusätzliche Aktivierung von Glucocorticoidrezeptoren mit niedrigerer Affinität die Wirkung von 5-HT verstärkt.14
    • Durch Glucocorticoide vermittelter chronischer Stress regelte bei Tieren die 5-HT1A-Rezeptoren im Hippocampus herunter.14
  • Funktionelle Variationen im 5-HT1A-Gen (HTR1A) scheinen zusammenzuhängen mit15
    • Persönlichkeitsmerkmalen negativer Emotionalität
    • der Entstehung von Angststörungen
  • 5-HT1A-Aktivierung senkt die NMDA-Rezeptor-vermittelten Ströme in Pyramidenneuronen des PFC.15

1.1.2. 5-HT1B

  • in Substantia nigra, Basalganglien, frontaler Cortex
  • reguliert
    • Neurotransmitterfreisetzung
      • Die Aktivierung von 5-HT1B hemmt die Transmitterfreisetzung.
        Dies verringert die exzitatorische Übertragung in den Thalamocorticalregionen des visuellen und des somatosensorischen Systems erheblich.
        5-HT1B-Rezeptoren scheinen so die Entwicklung des thalamischen Cortex durch Hemmung der Glutamatfreisetzung zu regulieren.15
      • 5-HT filtert glutamatergen Input aus Cortex und Thalamus in die basolaterale Amygdala durch Aktivierung präsynaptischer 5-HT1B-Rezeptoren, nicht durch 5-HT1A-Rezeptoren.16
    • Gefäßfunktionen
  • vorwiegend inhibierend17
  • Agonisten:
    • 5-CT
    • RU 24969
  • Antagonisten:
    • Cyanopindolol

1.1.3. 5-HT2A

  • im Cortex, Hippocampus, Nucleus Caudatus
  • stimuliert Phospholiphase
  • reguliert
    • Schlaf
    • motorische Funktionen
    • Verhalten
  • vorwiegend andere Wirkabläufe erleichternd17
  • Agonisten:
    • DOI
    • mCPP
    • S-α-methyl-serotonin / Sα-methyl-5-HT
  • Antagonisten:
    • Metergoline
    • Metysergide
    • Flourobenzoyl
    • Ketanserin
      • Gabe des 5HT2-Rezeptorantagonisten Ketanserin in die Amygdala hemmt die ACTH-Synthese auf Lichtstress18
        • Dies deutet darauf hin, dass Serotonin die HPA-Achse auch über limbische Strukturen aktiviert19
    • LY 53857
    • Quetiapin, Seroquel (Antipsychotikum)
  • Serotonin bewirkt an 5-HT2A eine Hemmung des Dopaminausstoßes. 5-HT2A-Antagonisten verhindern dies.
  • Serotonin unterstützt die exitatorischen Wirkungen von Glutamat im Nucleus motorius nervi facialis, der motorische Abläufe und die Gesichtsmimik steuert. Diese Unterstützung wird durch 5-HT2-Antagonisten verhindert.20
  • 5-HT2A wie 5-HT2C-Rezeptoren scheinen bei chronischer Aktivierung leicht eine Downregulation vorzunehmen, bei einer chronischen Unteraktivierung jedoch keiner Upregulation zu unterliegen. Zudem führt eine chronische Behandlung mit Serotoninantagonisten zu einer paradoxen Downregulation von 5-HT2A und 5-HT2C-Rezeptoren.11
  • 5-HT2A-Aktivierung erhöht die NMDA-Rezeptor-vermittelten Ströme in Pyramidenneuronen des PFC.15

1.1.4. 5-HT2B

  • vorwiegend andere Wirkabläufe erleichternd17
  • Agonisten:
    • S-α-methyl-serotonin / Sα-methyl-5-HT

1.1.5. 5-HT2C

  • in Hypothalamus, Limbisches System, Basalganglien
  • reguliert
    • synaptische Plastizität (massgeblich)15
    • Erektion des Penis
  • vorwiegend andere Wirkabläufe erleichternd17
  • Agonisten:
    • DOI
    • mCPP
    • MK 21
    • S-α-methyl-serotonin / Sα-methyl-5-HT
  • Antagonisten:
    • Metergoline
    • Metysergide
    • Ketanserin
      • Gabe des 5HT2-Rezeptorantagonisten Ketanserin in die Amygdala hemmt die ACTH-Synthese auf Lichtstress18
        • Dies deutet darauf hin, dass Serotonin die HPA-Achse auch über limbische Strukturen aktiviert19
    • LY 53857
    • SB 242084
    • Quetiapin / Seroquel (Antipsychotikum)
  • 5-HT2A wie 5-HT2C-Rezeptoren scheinen bei chronischer Aktivierung leicht eine Downregulation vorzunehmen, bei einer chronischen Unteraktivierung jedoch keiner Upregulation zu unterliegen. Zudem führt eine chronische Behandlung mit Serotoninantagonisten zu einer paradoxen Downregulation von 5-HT2A und 5-HT2C-Rezeptoren.11
  • 5-HT2C-Aktivierung erhöht die NMDA-Rezeptor-vermittelten Ströme in Pyramidenneuronen des PFC.15

1.1.6. 5-HT3

  • in Pons, Hirnstamm,8 entorhinaler Cortex, Area postrema11
  • reguliert
    • Erbrechensreflex
    • gastrointestinale Bewegungen (z.B. Darmbewegungen)
    • Kardiovaskuläres System
    • Schmerzwahrnehmung21
    • Belohnungssystem21
    • Kognition21
    • Depression21
    • Angstkontrolle21
  • schnell exzitatorisch wirkend17
  • Agonisten:
    • SR 57227
    • m-CPBG
    • Y-25130
    • Ondansetrone
    • ICS 205-930
  • Stimulation der 5-HT3-Rezeptoren im Striatum erhöht den endogenen Dopaminausstoss.2
  • 5-HT3R-Antagonisten21
    • hemmen die Bindung von Serotonin an postsynaptische 5-HT3-Rezeptor
    • erhöhen die Verfügbarkeitvon Serotonin für andere Rezeptoren wie 5-HT1A, 1B und 1D sowie 5-HT2
    • wirken antidepressiv
    • spielen eine wichtige Rolle bei Stimmungs- und Stressstörungen

1.1.7. 5-HT4

  • in Cortex, Hypothalamus
  • reguliert
    • Gedächtnis
    • Neurotransmitterfreisetzung
  • erleichtert andere Wirkabläufe17
  • Agonist:
    • RS 67506
  • Antagonisten:
    • ICS 205-930
    • RS 2359

1.1.8. 5-HT5A

  • in Cortex, Hippocampus, Hypothalamus
  • reguliert
    • Schlaf
    • motorische Funktionen
    • Verhalten
  • Agonisten:
    • 5-CT

1.1.9. 5-HT5B

  • in den dorsalen Raphekernen, in CA 1-Region des Hippocampus, Riechkolben
  • reguliert
    • unbekannt

1.1.10. 5-HT6

  • in Striatum, Hippocampus, Cortex
  • reguliert
    • cholinerges System
    • Fütterung
  • Antagonisten:
    • Metergoline

1.1.11. 5-HT7

  • in Limbisches System, Nucleus suprachiasmaticus, dorsale Raphekerne
  • reguliert
    • Stimmung
    • Angst
    • Temperatur
    • Schlafzyklen
  • erleichtert andere Wirkabläufe17
  • Agonisten:
    • 5-CT
    • 8-OH-DPAT
  • Antagonisten:
    • Metergoline
    • Metysergide
  • Stress
    • Akuter Stress erhöhte die Genexpression des 5-HT7-Rezeptors in der CA1-Region des Hippocampus,12 während die Genexpression des 5-HT1A-Rezeptors abnahm13

1.2. Wirkung antidepressiver Medikamente und Behandlung auf Rezeptoren

Die nachfolgende Darstellung beruht auf Cooper et al.22

1.2.1. Somatodendritischer 5-HT-1A-Autorezeptor

  • SSRI: Langzeiteinnahme verringert Rezeptorempfindlichkeit
  • MAO-A-Wiederaufnahmehemmer: Langzeiteinnahme verringert Rezeptorempfindlichkeit
  • 5-HT-1A-Agonisten: Langzeiteinnahme verringert Rezeptorempfindlichkeit
  • Trizyklische Antidepressiva: keine Auswirkung
  • Elektrokrampftherapie: keine Auswirkung

Die Wirkungen von SSRI, MAO-A-Wiederaufnahmehemmern und 5-HT-1A-Agonisten könnten als eine Verringerung der Upregulation des Rezeptors auf Serotoninmangel verstanden werden.

1.2.2. Präsynaptische 5-HT-Autorezeptoren

  • SSRI: Langzeiteinnahme verringert Rezeptorempfindlichkeit
  • MAO-A-Wiederaufnahmehemmer: keine Auswirkung
  • 5-HT-1A-Agonisten: keine Auswirkung
  • Trizyklische Antidepressiva: keine Auswirkung
  • Elektrokrampftherapie: keine Auswirkung

1.2.3. Präynaptische Alpha-2-Adrenozeptoren

  • SSRI: keine Auswirkung
  • MAO-A-Wiederaufnahmehemmer: Langzeiteinnahme verringert Rezeptorempfindlichkeit
  • Elektrokrampftherapie: keine Auswirkung

1.2.4. Postsynaptische 5-HT-Rezeptoren

  • SSRI: keine Auswirkung
  • MAO-A-Wiederaufnahmehemmer: keine Auswirkung oder verringerte Rezeptorempfindlichkeit durch Langzeiteinnahme
  • 5-HT-1A-Agonisten: keine Auswirkung
  • Trizyklische Antidepressiva: Langzeiteinnahme erhöht Rezeptorempfindlichkeit
  • Elektrokrampftherapie: Langzeitbehandlung erhöht Rezeptorempfindlichkeit

1.2.5. Serotoninspiegelveränderung

  • SSRI: Erhöhung
  • MAO-A-Wiederaufnahmehemmer: Erhöhung
  • 5-HT-1A-Agonisten: Erhöhung
  • Trizyklische Antidepressiva: Erhöhung
  • Elektrokrampftherapie: Erhöhung

1.3. Serotonintransporter

Psychosozialer Stress führte bei Trägern des S-Allels des Serotonintransporters zu einem signifikant geringeren Volumen der grauen Substanz im präzentralen Gyrus, in den mittleren und oberen frontalen Gyri, im frontalen Pol und im cingulären Gyrus als bei Trägern des L-Allels. Das Volumen der grauen Substanz im frontalen Pol und im vorderen cingulären Gyrus vermittelte die Assoziation dieser Gen-Umwelt-Interaktion mit der Anzahl der AD(H)S-Symptome.23

Der GR-9β-Haplotyp des Glucocorticoidrezeptor-Gens NR3C1 ist mit erhöhten AD(H)S-Risiko assoziiert. Bei Trägern dieses Haplotyps korreliert Stressbelastung und AD(H)S-Schweregrad stärker als bei Nicht-Trägern. Diese Gen-Umwelt-Interaktion ist nochmals verstärkt, wenn diese zugleich Träger des homozygoten 5-HTTLPR L-Allels waren, anstatt des S-Allels. Diese zwei- und dreiseitigen Wechselwirkungen spiegelten sich im Volumen der grauen Substanz des Kleinhirns, des parahippocampalen Gyrus, des intracalcarinen Kortex und des Gyrus angularis. Dies belegt, dass Genvarianten im Stressreaktionsweg der HPA-Achse beeinflussen, wie Stressbelastung auf den Schweregrad von AD(H)S und die Gehirnstruktur wirkt.24

2. Regelbereiche von Serotonin

  • Impulskontrolle25265
  • Situationsgerechter Abruf von Verhaltensweisen, besonders auf Emotionen hin27
    • zusammen mit Dopamin
  • Steuerung der Intensität der Stressreaktion27
    • zusammen mit Dopamin
    • 5-HT innerviert insbesondere stark die stressintegrativen Strukturen des Vorderhirns, einschließlich28
      • Hippocampus
      • PFC
      • Amygdala
      • Hypothalamus
    • Eine Deaktivierung (Läsion) der Raphekerne (elektrolytisch oder neurochemisch mittels DHT) vermindert die Reaktionen der HPA-Achse auf Stress durch19
      • Bewegungseinschränkung (Serotoninverringerung vermindert ACTH-Sekretion um 50 %)29
        • dagegen keine Verringerung der ACTH-Sekretion durch 5-HT-Antagonisten auf Schwimmstress, Äther-Behandlung oder Endotoxin.
      • Äther30; anders dagegen 29
      • Gabe des 5-HT-Antagonisten DHT in den PVN in Bezug auf Stress durch Äther30
      • Glutamatgabe in den PVN31
        • was darauf hindeutet, dass Serotonin unmittelbar auf den PVN wirkt und dort Stressreaktionen vermittelt
        • ebenso übrigens auch Noradrenalin (via α1-Adrenozeptoren)32
      • Stimulation des dorsalen Hippocampus30
      • Stimulation der zentralen Amygdala30
        • wobei Serotonin diese stresshemmende Wirkung im PVN via 5-HT-2-Rezeptoren vermittelt32
    • Gabe eines 5HT2-Rezeptorantagonisten in die Amygdala hemmt die ACTH-Synthese auf Lichtstress18
      • Dies deutet darauf hin, dass Serotonin die HPA-Achse auch über limbische Strukturen aktiviert19
  • Emotionen/Gefühlssteuerung3334
    • Affektkontrolle27
      • zusammen mit Dopamin
    • Stimmung33
    • Aggression2526535
    • Ängstlichkeit2526528
    • Antrieb33
    • seelisches Wohlbefinden33
    • Gefühlsgedächtnis im Mandelkern und limbischen System33
  • Kontrolle der Reizstärke36
  • Niedriges Serotoninniveau bewirkt bei AD(H)S emotionale Defizite37
  • Schmerzwahrnehmung2534
  • Schlaf-Wach-Rhythmus3834
  • Essverhalten2534
  • Sexualverhalten3934
  • Antisoziale Persönlichkeitsstörung40

3. Symptome von Serotoninmangel

Serotoninmangel im Gehirn:

  • Antriebsarmut33
  • Traurigkeit33
  • Ängste3341
  • Zwänge3337
  • depressive Verstimmungen / Depressionen3337441
  • Aggression26535441
  • Magen-/Darmbeschwerden33
    • Serotonin regelt als Botenstoff zugleich das Nervensystem des Verdauungstraktes33
    • Ess-Störungen / Sättigung41
  • emotionale Defizite37
  • inadäquate Exekutivfunktionen37
  • Lernschwierigkeiten37
    • Gedächtnisminderung41
  • Impulsinhibitionsprobleme (wenn zugleich Dopamin involviert)42
  • Schlafstörungen41

Periphere (somatische) Symptome von Serotoninmangel:41

  • Vasokonstriktion (Koronarspasmen)
  • Colon irritabile (Reizdarm)
  • Fibromyalgie (Schmerzempfindlichkeit)
  • Skoliose
  • Thromboseneigung (Thrombozytenaggregation)
  • Inflammation (Immun-Dysfunktion)
  • Melatonin-Mangel

Serotoninmangel im Gehirn und im Köper:41

  • Kopfschmerzen
  • Migräne

Auch bei Schizophrenie ist Serotonin involviert.4

Die Einnahme von Methylphenidat soll Auswirkungen auf den Serotoninspiegel haben.37

Auffällig ist, das Serotoninmangel einerseits mit internalisierenden Störungsbildern (Depression, Angst) und gleichzeitig mit externalisierenden Störungsbildern (Aggression, Impulskontrolle, antisoziale Persönlichkeitsstörung) assoziiert ist.

4. Bildung von Serotonin

Die Serotoninbildung wird erhöht durch

  • Zen-Meditation
    Meditation kann den Serotoninspiegel des Gehirns langfristig erhöhen, also nicht nur während der Meditation selbst.42
  • Vitamin D3.43 D3 erhöht (insbesondere im Winter) auch bei gesunden Menschen die Stimmung44 indem es die Serotoninsynthese erhöht.45
    In Deutschland leiden 60 % aller Menschen unter D3-Mangel.
    Insbesondere in den Monaten Oktober bis April reicht die natürliche Sonneneinstrahlungsintensität nicht aus, um genügend D3 zu bilden. Mehr hierzu unter Vitamin D3 im Beitrag Vitamine und Mineralstoffe bei AD(H)S im Abschnitt Medikamente bei AD(H)S – Übersicht des Kapitels AD(H)S – Behandlung und Therapie.
    AD(H)S-Betroffene leiden überdurchschnittlich häufig unter D3-Mangel.
  • Acetyl-L-carnitin (0,5 g/kg über 25 Tage) erhöhte bei Mäusen den Serotoninspiegel im Cortex und den Noradrenalinspiegel im Hippocampus.46 GABA, Glutamat und Glutamin blieben unverändert.

Die Serotoninbildung wird verringert durch

  • Stress33

5. Serotonin und AD(H)S

Serotonin ist bei AD(H)S eher nachrangig involviert und soll mehr bei ADHS-I (ohne Hyperaktivität) relevant sein.47

Wir fragen uns allerdings, ob ein Serotoninmangel zu den bei ADHS-HI häufig abgeflachten HPA-Reaktionen beitragen könnte. Offen ist, wie dies mit den bei ADHS-I häufig überhöhten HPA-Achsen-Reaktionen in Übereinstimmung gebracht werden kann.

Eine Studie an KIndern mit AD(H)S fand, dass eine erhöhte Methylierung des Promotors des Serotonin-Transporter-Gens mit erhöhter Hyperaktivität und Impulsivität und vermehrte impulsiver Fehler in einer Daueraufmerksamkeitsaufgabe korrelierte.48 Eine andere Studie fand demgegenüber, dass eine niedrigere Methylierung des Serotonin-Transporter-Gens (und des DRD4-Gens) bei Neugeborenen mit erhöhten AD(H)S-Symptomen im Alter von 6 Jahren korrelierte.49

Empirisch ist eine Wirkung von serotonergen Medikamenten auf Impulsivität bekannt.

Die vornehmlich im Striatum befindlichen Dopamintransporter (DAT), die bei AD(H)S überaktiviert sind, haben im Striatum zugleich eine serotonerge Affinität, nehmen also auch Serotonin wieder auf,50 zumindest wenn die Serotonintransportertätigkeit eingeschränkt ist.51

Eine direkt im Striatum verursachte Serotoninerhöhung erhöhte zugleich die Dopaminkonzentration im Striatum.52

6. Weitere psychische Störungen aufgrund Fehlfunktionen des serotonergen Systems

  • Depression5354
  • Angststörungen154
  • Schizophrenie154
  • Suchterkrankungen154
  • kindlicher Autismus5556557
  • Essstörungen54
  • Erbrechen54
  • Zwangsstörungen5954
  • Krebs54
  • Circadiane Rhythmusstörungen54
  • Entwicklungsstörungen54
  • Migräne54
  • Neurodegenerative Störungen54
  • Muskelzuckungen (Myoclonus)54
  • Schmerzempfindlichkeit54
  • Prämenstruelles Syndrom54
  • Posttraumatische Belastungsstörung54
  • Sexuelle Störungen54
  • Schlafstörungen54
  • Stressstörungen54
    • Die Aktivierung von Serotonin 5-HT-1A -Rezeptoren im dorsomedialen Hypothalamus hemmt bei Ratten die stressinduzierte Aktivierung der HPA-Achse.60

AD(H)S ist vornehmlich dopaminerg, in zweiter Linie noradrenerg bedingt. Es besteht eine weitere, wenn auch geringere, Verbindung zum serotonergen System.

7. Behandlung mittels serotonerger Medikamente (Störungsbilder)

  • Depression59
  • Zwangsstörungen59
  • Angst- und Panikstörungen59

  1. Lesch (2001): Serotonergic gene expression and depression: implications for developing novel antidepressants. Journal of Affective Disorders 2001;62:57-76

  2. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 290, 295

  3. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 290

  4. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 291

  5. Lesch, Mössner (1998): Genetically driven variation in serotonin uptake: is there a link to affective spectrum, neurodevelopmental, and neurodegenerative disorders? Biol Psychiatry 1998;44:179-192

  6. Jørgensen (2007): Studies on the neuroendocrine role of serotonin. Dan Med Bull. 2007 Nov;54(4):266-88.

  7. Wang, Liu, Xiong, Di, Yuan, Wu, Chen (2019): Reduced serotonin impairs long-term depression* (*gemeint ist wohl: potentation) in basolateral amygdala complex and causes anxiety-like behaviors in a mouse model of perimenopause. Exp Neurol. 2019 Aug 1;321:113030. doi: 10.1016/j.expneurol.2019.113030.

  8. Jørgensen (2007): Studies on the neuroendocrine role of serotonin; Dan Med Bull 2007;54:266-88

  9. Lesch, Waider (2012): Serotonin in the modulation of neural plasticity and networks: implications for neurodevelopmental disorders. Neuron. 2012 Oct 4;76(1):175-91. doi: 10.1016/j.neuron.2012.09.013

  10. Spektrum.de: Adenylatcyclase

  11. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 295

  12. Yau et al. 2001 nach Jørgensen (2007): Studies on the neuroendocrine role of serotonin. Dan Med Bull. 2007 Nov;54(4):266-88.

  13. Lopez et al. 1999 nach Jørgensen (2007): Studies on the neuroendocrine role of serotonin. Dan Med Bull. 2007 Nov;54(4):266-88.

  14. Meijer, Kortekaas, Oitzl, de Kloet (1998): Acute rise in corticosterone facilitates 5-HT1A receptor-mediated behavioural responses. European Journal of Pharmacology, Volume 351, Issue 1, 1998, Pages 7-14, ISSN 0014-2999, https://doi.org/10.1016/S0014-2999(98)00289-1.

  15. Lesch, Waider (2012): Serotonin in the Modulation of Neural Plasticity and Networks: Implications for Neurodevelopmental Disorders. Neuron VOLUME 76, ISSUE 1, P175-191, OCTOBER 04, 2012 DOI:https://doi.org/10.1016/j.neuron.2012.09.013

  16. Guo, O’Flaherty, Rainnie (2017): Serotonin gating of cortical and thalamic glutamate inputs onto principal neurons of the basolateral amygdala. Neuropharmacology. 2017 Nov;126:224-232. doi: 10.1016/j.neuropharm.2017.09.013.

  17. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 297

  18. Feldman, Newman, Gur, Weidenfeld (1998): Role of serotonin in the amygdala in hypothalamo-pituitaryadrenocortical responses. NeuroReport: June 22nd, 1998 – Volume 9 – Issue 9 – p 2007–2009

  19. Herman, Figueiredo, Mueller, Ulrich-Lai, Ostrander, Choi, Cullinan (2003): Central mechanisms of stress integration: hierarchical circuitry controlling hypothalamo-pituitary-adrenocortical responsiveness. Front Neuroendocrinol. 2003 Jul;24(3):151-80.

  20. Cooper, Bloom, Roth (2003): The Biochemical Basis of Neuropharmacology, Seite 296

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