AVP – Vasopressin

AVP ist ein Peptid und wird auch als Antidiuretische Hormon (ADH), Adiuretin, Vasopressin (INN) oder Arginin-Vasopressin bezeichnet.

Es ist eng verwandt mit Oxytocin und wird wie dieses im Hypothalamus (1. Stufe der HPA-Achse) produziert und in der Hypophyse (2. Stufe der HPA-Achse) bis zur Freisetzung eingelagert.

1. Bildung von AVP

AVP-Bildung wird angeregt durch

  • Anstieg der osmotischen Konzentration der Körperflüssigkeiten
  • Volumenmangel der Körperflüssigkeiten
  • Blutdruckabfall
  • Belastung
    • Stress
    • Trauma
    • Schmerz
    • Übelkeit
    • intensive Reize
      • olfaktorisch
      • visuell
      • auditiv
    • intensive orthostatische Belastung

Anstieg schnell bis weit über das Zehnfache des Kontrollwertes.

2. Hemmung von AVP

AVP-Bildung wird gehemmt durch

  • Signale von kardiovaskulären Barorezeptoren (tonische Inhibition)
    • Blutdrucksteigerung hemmt, Blutdruckabfall fördert AVP-Synthese (Disinhibition)
  • Atriopeptin
  • Alkohol

3. Abbau von AVP

  • Geringe Halbwertszeit von 2 – 5 Minuten
  • Abbau primär in Leber und Niere

4. Wirkung von AVP

  • AVP verringert über V2-Rezeptoren die Wasserausscheidung in der Niere
  • Hohe AVP-Konzentration wirkt mittels V1-Rezeptoren
    • vasokonstriktorisch (Gefässverengend)
    • blutdrucksteigernd
  • AVP ist Teil einer Stressachse
    • wirkt zusammen mit klassischen Stresshormonen wie Adrenalin oder Cortisol.

AVP aktiviert die Nebenniere, anders als Oxytocin.
AVP verursacht synergistisch zusammen mit CRH die Ausschüttung von ACTH.(1)

AVP wird bei Männern (insbesondere aus dem paraventrikulären Nucleus (PVN) und den Supraoptischen Zellen des Hypothalamus) stärker ausgeschüttet als bei Frauen, während Oxytocin bei Frauen stärker ausgeschüttet wird als bei Männern.(2)

Während Östrogen und Progesteron wohl die Oxytocinausschüttung bei Frauen beeinflussen, scheint dies bei AVP nicht der Fall zu sein.(2)

AVP vermittelt Angst.
Ein selektiver AVP-V1b-Rezeptor-Antagonist wirkt anxiolytisch und zeigt antidepressive Wirkungen.(3)

AVP korreliert positiv mit

  • Aggressivität (AVP im Liquor und feindseliges Verhalten gegenüber Mitmenschen)
  • Lernen und Gedächtnis (positive Korrelation)

AVP erhöht die Verfügbarkeit von Magnesium in den Zellen.

AVP stimuliert die Proliferation von Osteoblasten und Knorpelzellen in den Wachstumsfugen und fördert dadurch den Knochenaufbau.

Ratten mit einer Mutation des AVP-Gens, das einen massiven AVP-Mangel bewirkt, zeigen ein durch Hypoarousal gekennzeichnetes Verhalten und einen erhöhten Durst. Eine künstliche AVP-Erhöhung in den magnocellularen Zellen und in deren Projektion in den PVN (Paraventrikulären Nucleus des Hypothalamus) verringerte den Durst, veränderte aber das Hypoarousal-Verhalten nicht, weshalb dieses vermutlich durch AVP-Mangel in anderen Gehirnregionen verursacht wird.(4)

Zuletzt aktualisiert am 12.10.2019 um 02:09 Uhr