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Neurotransmitter bei AD(H)S

Die Botenstoffe im Gehirn, die Informationen an chemischen Synapsen zwischen Nerven übertragen, heißen Neurotransmitter. Beispiele sind Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Acetylcholin, GABA und Glutamat. Die unterschiedlichen Neurotransmitter haben verschiedene Aufgaben im Gehirn und überlappen sich in ihrer Wirkung.

Neurotransmitter bewirken eine schnelle Reizweiterleitung bzw. -blockade im Nervensystem. Andere Botenstoffe, die Hormone, vermitteln ihre Wirkung langsam über die Blutbahn an weiter entfernte Zielorgane (z.B. Cortisol, Estradiol, Insulin, Testorteron, Thyroxin, Triiodthyronin). Manche Stoffe wirken zugleich als Neurotransmitter als auch als Hormone (z.B. Noradrenalin, Serotonin, Histamin).

1. Informationsfluss durch Neurotransmitter

Signale werden innerhalb des Gehirns u.a. durch elektrische Impulse innerhalb der Nerven transportiert. Elektrische Impulse setzen an der Präsynapse (der sendenden Synapse) Neurotransmitter aus Vesikeln (Vorratsbehälter für Neurotransmitter) frei. Spezielle Transporter geben den Neurotransmitter in den synaptischen Spalt, aus dem er auf der anderen Seite, vom Beginn des empfangenden Nervs (der Postsynapse) mittels Rezeptoren aufgenommen werden, indem die Neurotransmitter an ihnen andocken (Schlüssel-Schloss-Prinzip).

Ist eine ausreichende Menge der für einen Neurotransmitter vorhandenen Rezeptoren besetzt, wird ein elektrischer Impuls ausgelöst, der vom empfangenden Nerv weitertransportiert wird.

Danach wird der aufgenommene kostbare Neurotransmitter von den Rezeptoren wieder in den synaptischen Spalt zurückgegeben und von dort aus durch Transporter der Präsynapse wieder zurückaufgenommen. Das ist jene Wiederaufnahme, die durch Medikamente gehemmt werden kann. Der wiederaufgenommene Neurotransmitter wird in den Vesikeln für die nächste Verwendung eingelagert oder durch abbauende Enzyme verstoffwechselt (z.B. Dopamin und Noradrenalin durch Monoaminoxidase).

Neurotransmitter geben nicht entweder nur aktivierende oder inhibierende (hemmende) Informationen weiter. Dopamin und Serotonin sind zwar überwiegend bei der Weitergabe inhibierender Informationen beteiligt. Doch bei Dopamin sind die D1 und D5 Rezeptoren aktivierend (exitatorisch) wirksam (sie aktivieren das Enzym Adenylatzyklase), während die D2, D3 und D4 Rezeptoren inhibierend sind (sie hemmen das Enzym Adenylatzyklase).

Eine optimale Informationsübertragung zwischen Gehirnsynapsen erfordert einen optimalen Pegel der zuständigen Neurotransmitter. Ein zu geringer Neurotransmitterspiegel führt zu einer nahezu identischen Signalübertragungsstörung wie ein zu hoher Neurotransmitterspiegel (Reversed-U-Theorie).(1)(2)

2. Neurotransmitter bei AD(H)S

Bei AD(H)S ist die Informationsübertragung im Gehirn vornehmlich in Bezug auf die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin beeinträchtigt.

Dopamin und Noradrenalin sind an den Stressreaktionen beteiligt.

Stress erhöht den Dopaminspiegel im PFC.(3) Entscheidend ist jedoch, um welche Art von Stress es sich handelt.(4)

Vor dem Hintergrund, dass Dopamin und andere Neurotransmitter bei AD(H)S und Stress nicht global im gesamten Gehirn erhöht oder erniedrigt sind, erscheinen die noch heute erörterten Forschungsansätze,(5) die das Gesamtdopaminniveau im Urin messen, nicht mehr unbedingt zielführend.

Stimulanzien und Atomoxetin erhöhen den Dopaminspiegel im PFC und Striatum. Eine Überdosierung kann dazu führen, dass der Dopaminspiegel genau so weit vom Optimum entfernt ist wie zuvor. Deshalb ist eine sehr langsame Aufdosierung sinnvoll.

Das Zusammenspiel zwischen Neurotransmittern und Stress und die Auswirkungen von optimalen, überhöhten und verringerten Neurotransmitterspiegeln erläutern wir ausführlich unter ⇒ Neurotransmitter bei Stress.

Zu den einzelnen Neurotransmittern siehe die folgenden Unterkapitel:

Zuletzt aktualisiert am 15.09.2020 um 03:00 Uhr


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