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Augen und Sehvermögen bei AD(H)S

AD(H)S ist von einem beeinträchtigten Dopaminsystem gekennzeichnet. Dopamin ist bei AD(H)S verringert.
Dopamin ist auch am visuellen System beteiligt.(1)(2)(3)(4)(5)

Bei 76% der untersuchten Kindern mit AD(H)S wurde eine reduzierte Sehleistung festgestellt.(6)
Junge Erwachsene mit AD(H)S zeigten mehr Probleme mit der Tiefenwahrnehmung, dem peripheren Sehen und der Farbwahrnehmung, insbesondere im blauen Spektrum, im Vergleich zu Nichtbetroffenen.(7)(8)

AD(H)S-Medikation verbesserte die Auffälligkeiten im Gesichtsfeld und die Sehschärfe bei Kindern mit AD(H)S.(9) Eine andere Studie fand keine signifikanten Verbesserungen.(6) In einer kleinen Studie verbesserte eine operative Behandlung des Schielens bei 7 von 8 Betroffenen die AD(H)S-Symptomatik im Elternreport.(10)
Es ist daher denkbar, dass Augenprobleme die AD(H)S-Symptome mit verursachen oder verschlimmern können, ebenso wie dass AD(H)S Augenprobleme mit verursachen oder verschlimmern kann.

1. Augenbewegungen und AD(H)S

Verschiedene Studien fanden mittels des Gap/Overlap-Tests bei Kindern mit AD(H)S langsamere und variablere sakkadische Reaktionszeiten. Eine Studie konnte diesen Biomarker durch Warnsignale während des Tests eliminieren.(11)

Eine experimentelle Studie (n = 16) berichtet von signifikanten Abweichungen von Augenbewegungen bei AD(H)S, die mittels Elektrookulographie (EOG) ermittelt wurden.(12)
Eine andere Studie fand, dass bei Kindern Gesichtsfeldverschiebungen die Beziehung zwischen Hyperaktivität/Impulsivität einerseits und Problemen der Aufmerksamkeitsfokussierung und der Informationsaufnahme moderierten. Mit Abnahme der Genauigkeit der Leistung nahmen die Gesichtsfeldverschiebungen zu, auch wenn diese Korrelation nicht den Schweregrad der Symptome spiegelte.(13)

Eine weitere Studie fand signifikante Auffälligkeiten bei AD(H)S-Betroffenen in der Modulation der Augenvergenzantwort (Augenvergenz = gegensinnige / disjugierte / disjunktive Augenbewegungen) während Aufmerksamkeitsaufgaben. Die diagnostische Testgenauigkeit betrug 79%.(14)

Eine große Studie fand eine Korrelation zwischen vorzeitigen vorausschauende Augenbewegungen und Unaufmerksamkeit, nicht aber zwischen Richtungsfehlern und AD(H)S-Symptomen.(15)

Sakkadische Augenbewegungen werden stark durch Faktoren wie Aufmerksamkeit und Inhibition beeinflusst.(16) Da bei AD(H)S Aufmerksamkeit und Inhibition beeinträchtigt sind, erscheint es plausibel, dass sakkadische Augenbewegungen AD(H)S Auffälligkeiten aufweisen.

Willkürliche Augenbewegungen werden durch den dlPFC gesteuert(17): Die willkürliche Steuerung von Augenbewegungen ist eng mit Aufmerksamkeitslenkung verbunden. Der dlPFC beherbergt zugleich das Arbeitsgedächtnis, das bei AD(H)S typischerweise beeinträchtigt ist.

Eine Studie fand bei Kindern mit AD(H)S signifikant höhere Pupillengeschwindigkeitswerte, die positiv mit den RNFL-Messungen ihrer rechten Augen korrelierten.(18)

Die Abweichungen der sakkadischen Augenbewegungen bei AD(H)S sollen durch ein Computertraining verbesserbar sein.(19)

2. Makuladicke bei AD(H)S

Eine kleine Untersuchung hypothetisiert, dass eine erhöhte Dicke der Makula bei Kindern mit AD(H)D das erhöhte Verhältnis der Dicke des rechten Frontallappens zu der des parietalen Cortex bei AD(H)S repräsentieren könnte.(20)

3. Stereoakuität (stereotaktische Sicht, Tiefenwahrnehmung) bei AD(H)S

Stereoakuität ist die Fähigkeit einer Person, Objekte als separate Entitäten entlang verschiedener Entfernungen zu sehen.

Mehrere Untersuchungen berichten eine beeinträchtigte Stereoakuität bei Kindern mit AD(H)S.(21) Die Stereoakuität (Tiefenwahrnehmung) war bei 26 % der Kinder mit AD(HS beeinträchtigt, gegenüber 6 % der Nichtbetroffenen.(6)

4. Akkommodation bei AD(H)S

Kinder mit ADHS haben eine reduzierte Akkommodationsreaktion, die nicht durch den Akkommodationsreiz beeinflusst wird. Es gibt keinen deutlichen Effekt der Medikation bei ADHS auf die Akkommodationsgenauigkeit.(22) Akkommodation bezeichnet die Fähigkeit des Augesm Objekte in unterschiedlicher Entfernung zu fokussieren / scharf zu stellen.

5. Strabismus / Heterophorie (Schielen / latentes Schielen) bei AD(H)S

Eine Studie fand bei Kindern mit AD(H)S

  • mehr Strabismus (Schielen) (17 % gegenüber 2 % bei Nichtbetroffenen)(6)
  • mehr Heterophorie (latentes Schielen) (27 % gegenüber 10 % bei Nichtbetroffenen)(6)

6. Konvergenz und AD(H)S

Eine Studie fand bei 24 % der Kinder mit AD(H)S eine Konvergenzinsuffizienz, bei Nichtbetroffenen dagegen nur bei 6 %.(6)
Mehrere andere Studien fanden bei Kindern mit einer Konvergenzinsuffizienz drei mal so häufig AD(H)S als bei Nichtbetroffenen.(23)(24)

7. Astigmatismus bei AD(H)S

Eine Studie fand bei 24 % der Kinder mit AD(H)S einen Astigmatismus, bei Nichtbetroffenen dagegen nur bei 6 %.(6)

8. Visuoperzeptive Probleme bei AD(H)S

Eine Studie fand bei 21 % der Kinder mit AD(H)S visuoperzeptive Probleme, bei Nichtbetroffenen dagegen nur bei 2 %.(6)

9. Neurophysiologische Veränderungen der Sehnerven bei AD(H)S

Eine Studie fand bei Kinders mit AD(H)S häufiger kleinere Sehnerven, kleinere neuroretinale Randbereiche oder eine verringerte Tortuosität der Netzhautarterien.(6)

10. Refraktive Fehler und AD(H)S

Eine Studie stellte bei 83 % der untersuchten Kinder mit AD(H)S refraktive Fehler fest.(25)

Eine Dysfunktion des retinalen Dopamins könnte das neuroentwicklungsbedingte Wachstums des Auges beeinflussen, was zu refraktiven Fehlern führt. Dies könnte die Häufigkeit refraktiver Fehlern bei AD(H)S mit erklären.(25)(26)

11. DRD4-7R und Sehvermögen bei AD(H)S

Das D4-Dopaminrezeptor-Gen, DRD4, ist maßgeblich an der Umwandlung von Licht in elektrische Signale in der Retina beteiligt. Die Transkription von DRD4 zeigt ein starkes circadianes Muster.(5)

Die DRD4 7R-Variante ist eines der stärksten Einzelgenrisiken für AD(H)S. Siehe hierzu unter Kandidatengene bei AD(H)S im Kapitel Entstehung.
DRD4-7R korreliert mit einer geringeren Fähigkeit, den lichtsensitiven Second Messenger zyklisches Adenosinmonophosphat (cAMP) bei Beleuchtung zu reduzieren.(27)
Daneben korreliert DRD4-7R mit einer höheren Tagesmüdigkeit(28), was eine Folge der Wippe zwischen Dopamin und Melatonin sein könnte.

12. Pupillendurchmesser bei AD(H)S

Eine Pupillenerweiterung ist ein physiologischer Index für erhöhtes Arousal und noradrenerge Aktivität des Locus coeruleus.(11)

Eine Studie fand bei ADHS-Betroffenen signifikant größere tonische Pupillendurchmesser und eine unterdrückte stimulus-evozierte phasische Pupillenerweiterung. Dies unterstützt die Annahme, dass der Pupillendurchmesser das Feuern noradrenerger Nervenzellen im Locus coeruleus widerspiegelt und dass das neuromodulatorische noradrenergen System des Locus coeruleus  zur Regulierung der Wachsamkeit bei ADHS dysfunktional sein könnte.(29)(30)

 

 

Zuletzt aktualisiert am 13.01.2021 um 22:16 Uhr


17.)
Grawe (2004): Neuropsychotherapie, S. 112 - (Position im Text: 1)