×

Wir hoffen, ADxS.org gefällt Dir und Du findest hilfreiche Informationen zu AD(H)S. Um die Erstellung und den Betrieb von ADxS.org finanzieren zu können, sind wir auf (derzeit noch steuerlich nicht absetzbare) Spenden angewiesen. Unsere Kosten betragen rund 10.000€ im Jahr – zusätzlich zu aller investierter Arbeit in die Erstellung von AdxS.org. Unsere Spenden betragen im Schnitt 25,83€. Wenn alle unserer derzeit monatlich rund 6.500 unterschiedlichen Leser lediglich den Gegenwert eines Mineralwassers spenden würden, hätten wir diesen Betrag innerhalb weniger Wochen erreicht. Leider spenden 99,99% aller Leser nicht.

Wir wollen weiterhin unabhängig von Werbung bleiben und ein kostenloses und freies Informationsportal zum Thema AD(H)S anbieten. Wenn Du ADxS hilfreich findest, wären wir Dir sehr dankbar, wenn auch Du uns unterstützen könntest.

Ich möchte via PayPal spenden
Mehr Infos über Spenden

Neurophysiologische Korrelate emotionaler Dysregulation

1. Regulation von Emotion und Stimmung

Emotion und  Stimmung wird durch limbisch-cortical-striatal-pallidal-thalamische Schaltungen gesteuert, bestehend aus Verbindungen zwischen(1)(2)

  • PFC
    • orbitalmedial
      • Entscheidungsfindung
      • emotionales Verhalten
      • belohnungsorientiertes Verhalten
      • Hemmung des impulsiven Verhaltens
        • verringerte dopaminerge Anregung des omPFC vermindert dessen Fähigkeit zur Hemmung des impulsiven Verhaltens(3)
    • orbital
      • nahrungsbezogene Informationen
      • Erwartung von Belohnungen
      • Verknüpfung von Reizen mit einer Belohnung, insbesondere mit dem Belohnungswert des Stimulus
    • medial
      • Entscheidungsfindung, emotionales und belohnungsorientiertes Verhalten
      • projiziert auf Kontrollzentren der inneren Organe in Hypothalamus und periaquäduktalem Grau
      • Modulation der Aktivität der inneren Organe als Reaktion auf affektive Reize
        • Atemfrequenz
        • Herzfrequenz
        • Blutdruck
        • Verdauung
      • erhöhte Aktivität des mPFC korreliert mit erhöhter Hautleitfähigkeit, was wiederum mit erhöhter Aktivität des Sympathikus korreliert, was mit erhöhter emotionaler Erregung einhergeht
    • dorsolateral
      • Auswahl, worauf die Aufmerksamkeit sich richten soll
  • Striatum
    • dorsal
      • Nucleus caudatus
        • dessen Größe korreliert negativ mit Anhedonie
    • ventromedial
      • Nucleus accumbens
      • Bulbus olfactorius
      • Globus Pallidum
        • dessen Größe korreliert negativ mit Anhedonie
      • ventrales Pallidum
        • dessen Größe korreliert negativ mit Anhedonie
  • Hippocampus(4)
    • ventral
      • Subikulum
    • Furcht in Kontext stellen
    • Angstreaktion auf der Grundlage früherer Erfahrungen und Erinnerungen erhöhen oder verringern
    • es wird eine Verbindung angenommen zwischen stressbedingt beeinträchtigtem Hippocampus und emotionaler Dysregulation, insbesondere Angst(4)
  • Thalamus
    Thalamus
    • mediodorsal
    • midline
  • Amygdala
    Die Amygdala – der Stressdirigent
    • entscheidend für
      • emotionales Lernen
      • Angstkonditionierung
    • vermittelt emotionale Reaktionen auf Stress

Dieses Netzwerk nutzt wechselseitige Verbindungen mit

  • corticalen Regionen, die höhere kognitive Funktionen kontrollieren
  • Regionen, die autonome Funktionen steuern, u.a.
    • periaquäduktales Grau
    • Hypothalamus

zum Abgleich zwischen höheren kognitive Funktionen mit Informationen aus den Körperorganen und den äußeren Umweltbedingungen, um Stimmung und emotionale Zustände zu beeinflussen.(5)

Verbindungen zwischen oPFC / mPFC und dem dlPFC vermitteln bei Stimmungsstörungen neurophysiologische Korrelationen zwischen(6)(7)(8)

  • Stimmungsdysregulation
  • Arbeitsgedächtnisproblemen
  • Beeinträchtigung der kognitiven Flexibilität

Verletzungen des rechten orbitofrontalen PFC verursachten enthemmte emotionale Reaktionen und unangemessenes soziales Verhalten, einschließlich einer abgestumpften Reaktion auf Bestrafung, sowie (möglicherweise nur bei frühem Auftreten im Leben) soziale und moralische Bewertungsprobleme.(9)

Die Beeinträchtigung bei der Verarbeitung negativer emotionaler Stimuli wurde mit einer erhöhte Aktivität in der linken anterioren Insula bis hin zum inferioren frontalen Gyrus in Verbindung gebracht.(10)

Eine Studie fand Hinweise, dass emotionale Dysregulation das Symptom sei, das zwischen AD(H)S und Spielsucht verbinde.(11)

2. Emotionale Dysregulation bei AD(H)S: Sympathikus und Parasympathikus

Mehrere Untersuchungen fanden Abweichungen bei AD(H)S-Betroffenen in der Reaktion des Sympathikus wie des Parasympathikus, die mit der emotionalen Dysregulation der Betroffenen korrelierten.

Danach zeigen gesunde Kinder in Abhängigkeit von der Emotionsvalenz (stärkere Aktivierung für negative Emotionen, geringere Aktivierung für positive Emotionen) und der Aufgabennachfrage (stärkere Aktivierung zur Unterdrückung als zur Induktion) systematische Variationen der parasympathischen Aktivität (RSA). Im Gegensatz dazu zeigten Kinder mit ADHS ein stabiles Muster einer erhöhten parasympathischen Aktivität (RSA) unter allen Aufgabenbedingungen im Vergleich zum Ausgangswert.(12)

Eine umfassendere Replikationsstudie bestätigte dies und fand, dass bei ADHS Aufgaben zur emotional negativen und positiven Stimulierung mit einer signifikant erhöhten parasympathischen und sympathischen Reaktivität korrelierten.(13)

3. Arbeitsgedächtnis und emotionale Dysregulation

Defizite des Arbeitsgedächtnisses können zu emotionaler Dysregulation beitragen.(14)

4. Korrelation von emotionaler Dysregulation mit Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit

Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen Hyperaktivität/Impulsivität und emotionaler Dysregulation, nicht aber zwischen Unaufmerksamkeit und emotionaler Dysregulation.(14)

Eine andere Studie fand dagegen, dass emotionale Dysregulation mehr mit Unaufmerksamkeit als mit Hyperaktivität/Impulsivität zu korrelieren scheine.(15) Höhere Unaufmerksamkeit korrelierte hier mit

  • verringerter emotionaler Klarheit, was die Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen verstärkte
  • geringeren Zugang zu Emotionsregulationsstrategien, was die Symptombelastung erhöhte
  • Beeinträchtigungen in Schule und Beruf.

Zuletzt aktualisiert am 12.10.2020 um 00:51 Uhr


4.)
Grawe (2004): Neuropsychotherapie, Seite 354 - (Position im Text: 1, 2)