Imipramin bei AD(H)S

Handelsnamen von Imipramin: Tofranil, auch als Generikum erhältlich

Imipramin ist das älteste trizyklische Antidepressivum und wird seit den 1940er Jahren eingesetzt.

Wirkstoff: Imipramin, wird im Körper zu Desipramin umgewandelt
Dosierung bei AD(H)S: 5 bis 10 mg/Tag
(Dosierungsanweisungen des behandelnden Arztes sind alleine massgeblich !)

Imipramin wirkt

  • serotonerg(1),
    • als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, wobei diese Wirkung überwiegt(2)(3)
  • noradrenerg(1)
    • als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (recht stark)(2)
  • adrenerg
    • als Antagonist des Alpha-Adrenorezeptors(2)
  • dopaminerg
    • als Dopamin-Wiederaufnahmehemmer(2)
  • anticholinerg(1)
    • als Antagonist des MAChR-Acetylcholinrezeptors(2)
  • histaminerg
    • als Antagonist des H1-Histamin-Rezeptors(2)
      Antidepressiva, die H1-antihistaminerg wirken (z.B. Imipramin, Doxepin, Mianserin, Desipramin und Amitryptilin) inhibieren bei Ratten die durch Histamin induzierte ACTH-Sekretion signifikant(4) Dies könnte auch für Mirtazapin gelten.(5)
  • schwache Interaktion mit Sigma-1-Rezeptor(2)
    • reduziert gleichwohl die Sigma-1-Rezeptordichte.(6)
  • Hemmung des Enzyms saure Sphingomyelinase (ASM) = FIASMA = Functional Inhibitor of Acid SphingeMyelinAse = Funktioneller Inhibitor der sauren Sphingomyelinase(2)(7)

Das Medikament Imipramin wirkt insgesamt eher hemmend. Es verstärkt die inhibierende Informationsübertragung. Imipramin ist daher für ADHS (mit Hyperaktivität) angezeigt und bei ADS dementsprechend weniger hilfreich.

Der Wirkstoff Imipramin selbst wirkt ausschließlich hemmend.
Der Wirkstoff Imipramin wird im Körper zu Desimipramin umgebaut. Desimipramin wirkt aktivierend.
Bei geringer Dosierung macht Imipramin üblicherweise nicht müde. Tritt dennoch eine ermüdende Wirkung ein, empfiehlt es sich, Imipramin abends einzunehmen. Die Müdigkeit ist dann schlaffördernd und der Umbau des Imipramin-Wirkstoffes zu Desimipramin erfolgt während des Schlafes, so dass morgens die aktivierende Wirkung des Desimipramin zur Verfügung steht. Auf diese Weise eingesetzt werden die teilweise beschriebenen Nachteile der Serotoninwiederaufnahmehemmung bei Schlafproblemen (Krause) wohl neutralisiert.
Imipramin soll gegen Affektdurchbrüche (Wutausbrüche, Stress-„Explosionen“) etwas besser wirken als Nortryptilin.

Bei komorbidem Einnässen (Enuresis) wird Imipramin empfohlen.(8)

Beim Einsatz gegen AD(H)S ist eine sehr viel niedrigere Dosierung erforderlich als es bei einem Einsatz als Antidepressivum üblich wäre.
Bei manchen AD(H)S-Betroffenen wirkt Imipramin von der ersten Tablette an – also ohne die üblicherweise erforderliche Anflutungsphase von 2 (bis 3) Wochen. Dies könnte mit der unmittelbaren Wirkung von Serotonin auf die Hemmung von Impulsivität zusammenhängen.
Imipramin kann in seltenen Fällen als Nebenwirkung Depressionen auslösen. Dies deutet auf eine Überdosierung hin.

Wechselwirkung mit Methylphenidat:
Die Bundesärztekammer weist auf Wechselwirkungssymptome zwischen Methylphenidat und Imipramin hin, und dass diese Medikamente sich gegenseitig verstärken, da beide dopaminwiederaufnahmehemmend wirken. Bei einer sich summierenden Überdosierung könnte sich ergeben:

  • Verwirrtheit und Agitiertheit
  • Stimmungslabilität
  • Gereiztheit und Aggressivität
  • Psychotische Symptome

Zuletzt aktualisiert am 22.10.2019 um 15:33 Uhr


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