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Wirkstärke und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten

Wirkstärke und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten

Zuletzt aktualisiert:

Vollständig überarbeitet 08/2026

Lediglich theoretisch ist die Arzneimittelkonzentration proportional zur verabreichten Arzneimitteldosis. In der allgemeinen pharmakologischen Praxis zeigen sich hohe interindividuelle Unterschiede um den Faktor 8 bis 30.1
Für die Findung der individuell passenden Dosis eines Medikaments sind Daten aus Zulassungsstudien wenig hilfreich. In diesen wird nur der Dosis-Effekt-Zusammenhang untersucht, nicht aber die Medikamentenkonzentration. In Fachinformationen, Beipackzetteln und Lehrbüchern angegebene Dosierungen für ein Medikament beziehen sich auf den Durchschnitt der gesamten Population der Betroffenen. Diese Angabe ist als Anhaltspunkt durchaus hilfreich, darf jedoch für den individuellen Betroffenen nicht als Maß der Dinge betrachtet werden, die sich in vielfältiger Weise unterscheiden:1

  • Geschlecht
  • Größe
  • Gewicht
  • Alter
  • Compliance
  • Leber- und Nierenerkrankungen
  • Komorbiditäten
  • Wechselwirkungen
    • pharmakokinetische ((andere) Arzneimittel)
    • xenobiotische (Ernährung)
    • Drogen (Nikotin, Alkohol, Koffein, Rauschdrogen)
  • Genetik
    • Metabilisierungsgenvarianten

Pharmakologie umfasst die Bereiche der Pharmakodynamik (was macht ein Wirkstoff mit dem Körper) und der Pharmakokinetik (was macht der Körper mit dem Wirkstoff).
Die wichtigsten Prozesse der Pharmakokinetik sind:23

  • Aufnahme (Resorption)
  • Bioverfügbarkeit
  • Verteilung (Distribution)
  • Abbau (Metabolismus)
  • Ausscheidung (Exkretion)

Daneben ist weiter die Freisetzung (Liberation) des Arzneimittelwirkstoffs relevant.

In Bezug auf ADHS-Medikamente und ihre Anwendung und Wirkung gibt es nur wenige allgemeingültige Daten. Während die Herstellerangaben zur Wirkdauer von Methylphenidat einigermaßen realistisch und Abweichungen eher individueller Natur sind, wird die angegebene Wirkdauer von Elvanse nur von einer kleinen Gruppe von Betroffenen erreicht.
Bei ADHS müssen Medikamente jedoch ohnehin stets in besonderem Maße individuell ausgetestet und angepasst werden.
Dieser Beitrag widmet sich den Faktoren, die die Response und die Medikamentenwirkdauer einer Einzeldosis bei ADHS-Medikamenten individuell beeinflussen.

Blutspiegelwerte sind zwar ein wichtiger Faktor zur Messung einer Wirkstoffdosierung, können jedoch Faktoren wie u.a. die Blut-Hirn-Schranken-Gängigkeit oder die Rezeptoraktivität nicht messen, sodass auch dieser Wert kein objektives Kriterium für eine Medikamentenwirkung darstellen kann.

1. Wirkdauer von Wirkstoffen und Präparaten bei ADHS

1.1. Herstellerangaben der Wirkdauer

Die Angaben für in den USA erhältliche Medikamente stammen von Rodden.4 Die Angaben in der Tabelle geben Mittelwerte wieder, sofern nicht anders vermerkt.
Die tatsächliche Wirkdauer ist individuell verschieden und hängt stark vom Stoffwechsel des jeweils Betroffenen ab. Die übliche Wirkdauer von unretardiertem Methylphenidat beträgt 3 bis 4 Stunden, kann aber auch nur 1 Stunde betragen; Ursache ist die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Aktivität der abbauenden Esterasen.5 Bei Halbtagesretard kann die Spanne mithin von 5 bis 6 Stunden zu 1,5 bis 2 Stunden reichen. Ebenso, wenn auch offenbar seltener, gibt es Betroffene, bei denen ein Präparat wesentlich länger wirkt.
Die MPH-Wirkdauer sei bei jeder Person stabil und vorhersehbar und bleibe über die gesamte Lebensspanne hinweg unverändert. 5

Zum Metabolismus von Methylphenidat und Amphetaminmedikamenten siehe unten. Dort finden sich auch ausführlichere Angaben zur Pharmakokinetik, z.B. Geschwindigkeit der Wirkung und Verteilung der Wirkkurve.

Gerade bei Halbtagesretardpräparaten wird für eine Tagesabdeckung in aller Regel zur Mittagszeit eine zweite Medikamentendosis benötigt, die regelmäßig niedriger dosiert ist.
Eine nur halbtägige Behandlung ist nicht sinnvoll. ADHS ist keine Vormittagsstörung.

Methylphenidat-Präparate Wirkstoff typische Wirkdauer in Stunden (lt. Hersteller) Erfahrungswerte ADxS-Umfrage retardiert Land
Ritalin, Methylphenidat HEXAL, Methylpheni TAD unretardiert, Medikinet unretardiert, Methylphenidat Generika Methylphenidat 2,5 - 3,5; 3 - 45 3,06 Stunden (2,5 bis 3,875 / 1. Quartil bis 3. Quartil)6 unretardiert EU, USA
Methylin Liquid Methylphenidat 3 - 4 unretardiert USA
Ritalin SR Methylphenidat 5–8 Stunden Wirkzeit theoretisch, 3–5 Stunden Wirkzeit praktisch7, 84 kontinuierliche Freisetzung7 EU
Focalin Dexmethylphenidat 4 - 6 unretardiert USA
Equasym Retard/XL Methylphenidat 6 - 88 / 8 9 Zwei-Phasen-Retardierung EU
Medikinet adult (Erwachsene), Medikinet retard (Kinder) (dieselbe Retardformulierung, unterschiedliche Zulassung)10 Methylphenidat 6 - 88 4,65 Stunden (4,0 bis 5,0 / 1. Quartil bis 3. Quartil)11 Zwei-Phasen-Retardierung EU
Ritalin LA, Ritalin Adult (dieselbe Retardformulierung, unterschiedliche Zulassung) Methylphenidat 6 - 87 / 8 8 4,6 Stunden (3,38 bis 6,0 / 1. Quartil bis 3. Quartil)12 EU; USA nur Ritalin LA
Methysym Methylphenidat bis zu 8 retardiert seit 01.06.2021 in D
Metadate CD Methylphenidat 8 - 10 retardiert USA
Daytrana Methylphenidat 10 (bei Tragezeit von 9 Stunden) Pflaster USA
Concerta, Methylphenidathydrochlorid-neuraxpharm (bioäquivalent), Methylphenidat AL Retard (bioäquivalent) Methylphenidat 8 - 128, 10 - 127, 1213 10,2 Stunden (7,5 bis 11,5 / 1. Quartil bis 3. Quartil)14 retardiert D, CH, USA
Focalin XR Dexmethylphenidat 8 - 12 retardiert CH, USA
Methylphenidathydrochlorid Ratiopharm15 Methylphenidat 12 retardiert EU
Methylphenidathydrochlorid Hexal16 Methylphenidat 12 retardiert EU
Kinecteen Methylphenidat 12 retardiert EU
Aptensio XR Methylphenidat 12 retardiert USA
Cotempla XR-ODT Methylphenidat 12 - 13 retardiert USA
Quillichew ER Methylphenidat 12 - 13 retardiert USA
Quillivant XR Methylphenidat 12 - 13 retardiert USA
Jornay PM Methylphenidat 12 - 14 retardiert USA
Amphetamin-Präparate Wirkstoff Wirkdauer in Stunden (lt. Hersteller) Erfahrungswerte ADxS-Umfrage retardiert Land
Dexedrin Dextroamphetamin 3 - 4 unretardiert USA
ProCentra Dextroamphetamin 3 - 6 unretardiert USA
Zenzedi Dextroamphetamin 3 - 6 unretardiert USA
Desoxyn Methamphetamin 4 - 6 unretardiert USA
Adderall Amphetamin-Mischsalze 4 - 6 unretardiert USA
Evekeo Amphetamin-Sulfat 4 - 6 unretardiert USA
Attentin Dextroamphetamin 5 - 6 unretardiert Deutschland, seit Ende 2011
Dexamin Dextroamphetamin 5 - 6 unretardiert Schweiz, als Magistralrezeptur
Dexedrine ER Dextroamphetamin 5 - 10 retardiert USA
Adderall XR Amphetamin-Mischsalze 10 - 12 retardiert USA
Adzenys ER Amphetamin 10 - 12 retardiert USA
Adzenys XR-ODT Amphetamin 10 - 12 retardiert USA
Elvanse, Vyvanse, Tyvanse, Generika Lisdexamfetamin 13 (Kinder); 14 (Erwachsene) bei 57 % der Betroffenen 7 Stunden und weniger; bei rund einem Drittel bis zu 5 Stunden (siehe unten) Prodrug EU, USA
Dyanavel XR Amphetamin 13 retardiert USA
Mydayis Amphetamin-Mischsalze 14 - 16 retardiert USA
Nichtstimulanzien Wirkstoff Wirkdauer in Stunden (lt. Hersteller) retardiert Land
Strattera, Agakalin Atomoxetin ganztägig; Plasmahalbwertszeit individuell ca. 5 Stunden (schnelle Metabolisierer) bis ca. 22 Stunden (langsame CYP2D6-Metabolisierer)17 unretardiert EU (D), USA
Intuniv Guanfacin ganztägig; Spitzenkonzentration nach ca. 5 Stunden; Eliminationshalbwertszeit ca. 18 Stunden retardiert EU (D), USA

Der Verlauf der Wirkkurven unterscheidet sich je nach Präparat erheblich.18

1.2. Erfahrungswerte der Wirkdauer

1.2.1. Erfahrungswerte der Wirkdauer einer Einzeldosis Lisdexamfetamin

Drei Onlineumfragen unter Betroffenen im deutschsprachigen adhs-forum.adxs.org (80 Teilnehmer, bis 2022), in einem englischsprachigen Subreddit zu Elvanse (466 Teilnehmer, bis 2022) sowie in der ADxS-Medikamentenwirkungsdauerumfrage (781 Teilnehmer für LDX, Stand 03.05.2026), wie lange eine Einzeldosis Lisdexamfetamin (LDX, z.B. Elvanse) bei ihnen wirke, ergaben zusammen:

Wirkdauer Einzeldosis LDX Teilnehmer (von 1327)
5 Stunden und weniger 31,5 %
6 bis 7 Stunden 25,8 %
8 bis 9 Stunden 19,1 %
10 bis 11 Stunden 12,7 %
12 Stunden und mehr 11,0 %

Die wahrgenommene Wirkdauer ist damit deutlich kürzer als nach der von Shire finanzierten Übersichtsarbeit ehemaliger Shire-Mitarbeiter von 13 (Kinder) bzw. 14 Stunden (Erwachsene). Die zugrundeliegenden Studien maßen nach 13 bzw. 14 Stunden noch nicht nur noch signifikante, sondern auch deutliche Effekte.19

Bei rund jedem Dritten wirkt eine Einzeldosis nur bis zu 5 Stunden, bei mehr als der Hälfte (57,3 %) 7 Stunden oder weniger. Weniger als ein Viertel der Betroffenen (23,7 %) erreicht eine Wirkdauer von 10 Stunden oder länger. Dies deckt sich zugleich mit den zahlreichen Berichten von Elvanse-Nutzern im Forum, die mehr als eine Einzeldosis am Tag benötigen. Einzelne Nutzer benötigen 3 Dosen (wobei die folgenden Dosen idR jeweils niedriger sind als die vorangehenden).
Die drei Umfragen sind Selbstauskünfte aus Selbstselektionsstichproben (Forum, Subreddit, ADxS-Formular). Wer mit der Wirkdauer unzufrieden ist, sucht solche Umfragen eher auf als wer zufrieden ist. Die Werte sind daher nicht auf alle Behandelten übertragbar.

Bei den Teilnehmern der ADxS-Medikamentenwirkungsdauerumfrage war die durchschnittliche Höhe der Einzeldosis bei den n = 391 Nutzern mit einer Dosiswirkdauer von bis zu 7 Stunden mit 43,6 mg geringfügig größer als die Einzeldosis der n = 390 Nutzer mit einer Wirkdauer von 8 Stunden und mehr mit 42,8 mg. Die Werte unterschieden sich bei Erwachsenen nach Alter kaum. Selbst bei Usern ab 60 Jahren betrug die Durchschnittsdosis 38,9 mg.

Es gibt Hinweise, dass Lisdexamfetamin gegenüber Dextroamphetamin lediglich verzögert, nicht aber verlängert wirkt. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Studie an 24 gesunden Probanden (100 mg Lisdexamfetamin gegen äquimolare 40 mg Dextroamphetamin) begann der Amphetaminanstieg im Plasma nach Lisdexamfetamin um 0,6 ± 0,6 Stunden später und erreichte sein Maximum um 1,1 ± 1,5 Stunden später; Cmax, AUC und Eliminationskonstante unterschieden sich nicht. Die Konzentrationskurven waren gegeneinander nur zeitversetzt, im Übrigen nahezu deckungsgleich.2021 (Dolder verwendete 100 mg Lisdexamfetamin – oberhalb der zugelassenen Höchstdosis von 70 mg – an Gesunden, nicht an ADHS-Betroffenen. Die Übertragbarkeit auf die therapeutische Situation ist damit begrenzt.)
Dennoch stellt dies die Herstellerangaben von 13 bis 14 Stunden je Einzeldosis stark infrage und deckt sich mit den oben unter Erfahrungswerte der Wirkdauer einer Einzeldosis Lisdexamfetamin gesammelten Erfahrungen von Betroffenen.
In einer Crossoverstudie zum Vergleich der Tagesprofile von einmal täglich Lisdexamfetamin gegen zweimal täglich Dexamfetamin bei Erwachsenen mit ADHS waren die Behandlungseffekte vergleichbar, trotz Überschreitung der Bioäquivalenzgrenzwerte. Die Wirkung von LDX wurde als gleichmäßiger empfunden. Die Zufriedenheit der Patienten war bei Dexamfetamin 2 Stunden nach der ersten Dosis höher als bei LDX, während sie bei LDX den gesamten restlichen Tag höher lag als bei Dexamfetamin. Das Wanting nach mehr Wirkstoff war bei LDX den gesamten Tag deutlich geringer, was auf die langsamer sinkenden dAMP-Spiegel zurückgeführt wurde. Die Schlafqualität unterschied sich nicht. 22 Die größere Flexibilität von Dexamfetamin bei der Anpassung der Dosis und des Dosierungsschemas an individuelle Tagesabläufe und Bedürfnisse könnte für manche Patienten von Vorteil sein.

Der Zeitraum bis zum maximalen dAMP-Spiegel nach oraler LDX-Einnahme wurde ermittelt mit

  • 3 Stunden (gesunde Erwachsene im Steady State)23
  • 3,5 Stunden (Kinder)24
  • 4 Stunden25
  • 4,23 Stunden (Vorschulkinder)26
  • 4,4 Stunden (Erwachsene mit ADHS unter fünfwöchiger Behandlung)27.

Nach intravenöser Gabe wurde ein Zeitraum bis zum maximalen dAMP-Spiegel von 2,1 Stunden gemessen.28

Adler et al. (2017) 27 untersuchten 21 Erwachsene mit ADHS unter fünfwöchiger Behandlung mit bis zu 70 mg Lisdexamfetamin täglich. Gemessen wurden gleichzeitig der Plasmaspiegel von d-Amfetamin und die Symptomstärke mit der Time-Sensitive ADHD Symptom Scale, jeweils vor der Morgendosis und dann nach 0,5, 1, 2, 4, 6, 8, 10 und 12 Stunden. Ergebnis: Tmax 4,4 Stunden, AUC 641,6, Cmax 67,9, Halbwertszeit 17,0 Stunden – und, wörtlich, es zeigten sich keine statistisch signifikanten Korrelationen zwischen den d-Amfetamin-Spiegeln und den Symptomwerten.

Die Exposition gegenüber dem aus Lisdexamfetamin freigesetzten Dexamfetamin kann durch die Einnahme alkalisierender Mittel verlängert werden. 21

Eine eingeschränkte Nierenfunktion veränderte die Aufnahme des Prodrugs Lisdexamfetamin bei leichter bis schwerer Einschränkung nicht; nur bei dialysepflichtiger terminaler Niereninsuffizienz waren Cmax und AUC des Prodrugs erhöht. Beim wirksamen d-Amfetamin stieg die Gesamtexposition (AUC) mit zunehmender Nierenschwäche an, während die Spitzenkonzentration (Cmax) sank. Bei terminaler Niereninsuffizienz lag die gewichtskorrigierte Clearance des d-Amfetamins rund 50 % unter der von Nierengesunden. Weder Lisdexamfetamin noch d-Amfetamin sind dialysierbar.29 (Diese Arbeit stammt von Shire; Ermer ist ehemaliger Shire-Mitarbeiter und hält Aktien beziehungsweise Optionen.)
Daraus leiten sich Höchstdosen ab: bei schwerer Nierenfunktionsstörung (GFR 15 bis unter 30 ml/min/1,73 m²) 50 mg Lisdexamfetamin täglich, bei terminaler Niereninsuffizienz (GFR unter 15) 30 mg täglich. Ob aus der veränderten Kinetik auch eine längere klinische Wirkdauer folgt, wurde nicht gemessen.

Die Dosishöhe unterschied sich auch nicht signifikant nach Gewicht (bis 50 kg 42,5 mg, 51 bis 70 kg 41,9 mg, 71 bis 90 kg 43,0 mg, über 90 kg 47,1 mg).

Interessanterweise fanden sich auch mehrere Betroffene, bei denen nicht nur Elvanse/Vyvanse, sondern auch Methylphenidat sehr viel kürzer wirkt. Da Dextroamfetamin und MPH auf unterschiedliche Weise und unterschiedliche Enzyme verstoffwechselt werden, deutet dies auf andere Mechanismen als überaktive Enzym-Genvarianten hin, wie sie in diesem Beitrag ebenfalls erläutert werden.

Die Wirkdauer von Lisdexamfetamin hängt von der Erythrozytentätigkeit ab. Mehr hierzu unter Erythrozytenfunktion bei Lisdexamfetamin. Die Wirkdauer von Dextroamfetamin, egal ob es aus Lisdexamfetamin stammt oder unmittelbar eingenommen wird, hängt vom pH-Wert des Körpers und möglicherweise (nahrangig) auch von der Aktivität der CYP2D6- und POR-Genvarianten des Betroffenen. Mehr hierzu unter Abbau von Amfetamin sowie unter CYP2D6 Metabolisierungsenzym

1.2.2. Erfahrungswerte der Wirkdauer einer Einzeldosis MPH unretardiert

Unter den Teilnehmern der ADxS-Medikamentenwirkungsdauerumfrage (Stand 19.12.23) lag die Wirkdauer einer Einzeldosis unretardierten MPHs bei Einzeldosen von bis zu 12,5 mg (Schnitt: 9 mg) im Schnitt bei 2,95 Stunden (n = 20), bei Einzeldosen von 15 bis 20 mg (Schnitt: 18,75 mg) bei 3,43 Stunden (n = 8). Der Gesamtschnitt lag bei 3,18 Stunden und 14,8 mg.

1.2.3. Erfahrungswerte der Wirkdauer einer Einzeldosis MPH Halbtagesretard

Unter den Teilnehmern der ADxS-Medikamentenwirkungsdauerumfrage lag die Wirkdauer einer Einzeldosis halbtagesretardierten MPHs (Medikinet retard, Medikinet adult, Ritalin adult, Ritalin LA) bei 4,61 Stunden (n = 163). Die Einzeldosis lag im Schnitt bei 21,7 mg.

Wirkdauer Einzeldosis MPH Halbtagesretard Teilnehmer (n = 163)
bis 1 Stunde 0,6 %
> 1 bis 2 Stunden 5,5 %
> 2 bis 3 Stunden 7,4 %
> 3 bis 4 Stunden 23,9 %
> 4 bis 5 Stunden 43,6 %
> 5 bis 7 Stunden 14,1 %
8 Stunden und mehr 4,9 %

Damit berichten 67,5 % der Betroffenen eine Wirkdauer einer Einzeldosis von > 3 bis 5 Stunden, 81,6 % eine Wirkdauer von > 3 bis 7 Stunden. Die Ergebnisse sind damit deutlich konstanter und näher an den Herstellerangaben als bei Lisdexamfetamin.

Medikinet retard und Medikinet adult (die dieselbe Wirkstofffreisetzung haben) hatten einen Wirkdauerschnitt von 4,58 Stunden (n = 132) bei im Schnitt 20,64 mg, Ritalin adult und Ritalin LA (bei denen es sich ebenfalls um dieselbe Retardformulierung handelt) einen Wirkdauerschnitt von 4,74 Stunden (n = 31) bei im Schnitt 26,3 mg.

Im Folgenden erläutern wir die Einflussfaktoren, die die Dauer der Medikamentenwirkung (insbesondere bei ADHS-Medikamenten) individuell beeinflussen können.

2. Einzeldosishöhe

Manche Betroffene berichten, dass bei ihnen höhere Einzeldosen von Amphetamin (insbesondere Lisdexamfetamin) länger wirken.
Die pharmakologischen Tests verschiedener Lisdexamfetamin-Dosen zeigen indes, dass die Tmax ungefähr gleich bleibt. Bei Kindern mit ADHS (6 bis 12 Jahre) lag die Tmax für d-Amfetamin unter 30, 50 und 70 mg LDX jeweils bei rund 3,5 Stunden, während die Spitzenkonzentration dosisproportional von 53,2 über 93,3 auf 134,0 ng/mL anstieg.24 Ermer et al. 30 kommen bei Erwachsenen zu einem vergleichbaren Ergebnis.
Tests mit Dosen oberhalb der therapeutischen Dosierung zeigten, dass die Lysinabspaltung nicht durch höhere Dosen gesättigt oder verlangsamt abläuft; die dAMP-Exposition stieg über den Bereich 50 bis 250 mg linear mit der Dosis.30
Ermer et al. 30 berichten eine geringe Streuung zwischen Personen – während die Erfahrung, unter anderem aus den ADxS-Umfragen (Abschnitt 19) eine hohe interindividuelle Streuung zeigt.
Der Widerspruch könnte sich daraus erklären, dass die Herstellerstudien den Plasmaspiegel bei wenigen gesunden Freiwilligen unter standardisierten Bedingungen messen; die ADxS-Umfragen erfassen die erlebte Wirkdauer bei Betroffenen im Alltag. Ein gleichmäßiger Blutspiegel bedeutet nicht automatisch eine gleichmäßige Wirkung, und die Streuung im Alltag umfasst zusätzlich Ernährung, Urin-pH, Begleitmedikation und Tagesrhythmus.

Nahrung verändert bei Lisdexamfetamin nur den Wirkbeginn, nicht die Wirkstärke. Bei gesunden Erwachsenen war nach einer Einzeldosis von 70 mg die aufgenommene Gesamtmenge an Dexamfetamin (AUC) und die Höhe des Spitzenspiegels (Cmax) unabhängig davon, ob nüchtern oder nach dem Essen eingenommen wurde. 31 Verschoben hatte sich nur der Zeitpunkt des Spitzenspiegels von 3,8 Stunden nüchtern auf 4,2 Stunden nach Weichnahrung wie Joghurt und auf 4,7 Stunden nach einer fettreichen Mahlzeit. Die Kapsel in Joghurt eingerührt verzögert den Wirkbeginn um etwa 25 Minuten, nach einem fettreichen Frühstück um knapp eine Stunde.
Das Auflösen des Kapselinhalts in Orangensaft, das die Fachinformation ausdrücklich erlaubt, verändert die aufgenommene Wirkstoffmenge nicht.32

Die Einzeldosis-Wirkdauer von Methylphenidat-Präparaten soll dosisunabhängig sein.33
Für Amfetaminmedikamente berichtete Dodson bei höheren Einzeldosen eine längere Wirkdauer.5

3. Magen-Passage-Geschwindigkeit

Neben der Dünndarm-Passage-Geschwindigkeit spielt die Magenfunktion eine Rolle. Magenmotilität und Entleerungsrate beeinflussen, wie schnell eine Substanz den Dünndarm erreicht. So ist bei Paracetamol die Magenentleerung der geschwindigkeitsbestimmende Schritt für das Erscheinen der Substanz im Blutplasma. Eine verzögerte oder auch beschleunigte Magenentleerung kann somit die Kinetik oral aufgenommener Medikamente grundlegend beeinflussen, sodass z. B. die notwendigen Wirkspiegel nicht oder nur verzögert erreicht werden.34

Im Alter nehmen die Dünndarmoberfläche und die Geschwindigkeit der Magenentleerung ab. Zugleich steigt der Magen-pH-Wert an. Gleichwohl haben diese Veränderungen meist keine Auswirkung auf die Arzneimittelabsorption.3536

Lisdexamfetamin wird als intaktes Prodrug über den Peptidtransporter PEPT1 aufgenommen, der im Dünndarm stark exprimiert ist, im Dickdarm dagegen kaum.37 Passend dazu ergab eine Studie mit gezielter Freisetzung an verschiedenen Stellen des Verdauungstrakts, dass die d-Amfetamin-Exposition bei Freisetzung im Dünndarm der oralen Gabe entsprach, bei Freisetzung im aufsteigenden Dickdarm dagegen vermindert war. (18 gesunde Männer, 18–48 Jahre).38
In der Praxis kann alles, was die Passagezeit durch den Dünndarm verkürzt, die aufgenommene Menge verringern, z.B. Durchfall, Abführmittel, ein verkürzter Darm nach Operationen

Anticholinergika können die Bewegung von Arzneimitteln durch den Magen in den Dünndarm verlangsamen.3536

Nach einer Magenverkleinerung oder einem Magenbypass stieg der Dexamfetaminspiegel bei Lisdexamfetamineinnahme an (n = 4); die Tmax war tendenziell verringert (n = 5). Bei Atomoxetin (n = 2) blieb die Gesamtexposition (AUC0–24) unverändert, die Spitzenkonzentration war höher und die Tmax kürzer. Für Methylphenidat war die AUC0–24 von Ritalinsäure unverändert (n = 1).39

Malabsorptive bariatrische Eingriffe (z.B. Dünndarm-Bypass) bewirken einen messbar saureren Urin. 24-Stunden-Urin-pH-Wert war im Vergleich zu restriktiven Verfahren (z. B. Schlauchmagen, Magenband) deutlich häufiger verringert (Odds Ratio 3,76; 95%-Konfidenzintervall 1,33 bis 10,64), ebenso Hypocitraturie und Hypomagnesurie.40

Dies zeigt einen zweiten, von der Resorption unabhängigen Wirkweg: Nach einem Magenbypass verändert sich nicht nur die Aufnahme des Wirkstoffs, sondern über den saureren Urin auch dessen Ausscheidung, wobei saurer Urin zudem die Amfetaminwirkung verkürzt (siehe hierzu auf dieser Seite unter 5.1.). Die gegensätzliche Wirkung dieser beiden Effekte könnte die uneinheitlichen Befunde von Krabseth et al. 39 erklären. Insbesondere Patienten unter Lisdexamfetamin sollten nach einer bariatrischen Operation (Schlauchmagen, Magenbypass) engmaschig zu kontrolliert und die Dosis dem Ansprechen angepasst werden. Eine Casestudy berichtet eine Methylphenidat- und Lisdexamfetamin-Intoxikation bei einer Patientin mit ADHS nach Magenbypass.41

4. Dünndarm

4.1. Dünndarm-Länge

Bei Kindern ist der Dünndarm verkürzt, sodass eine verringerte Aufnahme durch den Dünndarm erfolgt.4243

4.2. Dünndarm-Passage-Geschwindigkeit

“Bei Arzneimitteln, die eingenommen werden, stellt die Passagezeit durch Magen und Dünndarm eine natürliche Obergrenze für die Wirkstofffreisetzung dar: Wenn die Tablette den Dünndarm verlassen hat, kann nichts mehr aufgenommen werden, die Freisetzung ist dadurch auf einen Zeitraum von etwa 8-10 Stunden begrenzt.”44

Individuell kann sich diese Zeit unterscheiden, wie sich die Geschwindigkeit der Darmpassage unterscheidet. Dies dürfte der Grund sein, warum es vereinzelt Superschnellverstoffwechsler sind, die von einer Wirkdauer von Medikinet von 1 bis 2 Stunden und von Elvanse von 3 Stunden berichten. Diese berichten ebenso, dass sie sehr viel häufiger am Tag etwas essen müssen als andere.
Für eine (nicht nur im Durchschnitt) längere Wirkzeit als die Darmpassage bedarf es daher Mechanismen, die über die Aufnahme aus dem Dünndarm hinausgehen.

5. Säurehaushalt

pH ist die Abkürzung für potentia hydrogenii und ist ein logarithmisches Maß für die Protonen-Konzentration (H+ bzw. H3O+) in einer wässrigen Lösung. Je mehr Protonen in einer Lösung vorhanden sind, desto geringer ist der pH-Wert.
Der pH-Wert hat eine Spanne von 0 bis 14 und gibt wieder, wie alkalisch etwas ist. 7 ist neutral. Je höher der pH-Wert (über 7), desto basischer, je niedriger (unter 7) desto saurer.
Der übliche pH-Wert beträgt:

  • im Magen45
    • nüchtern pH 1,5 (1–2)
    • bei Nahrungsaufnahme ansteigend
      • je nach Art und Menge auf bis zu pH 5–6
      • danach Rückgang auf Ausgangswert
    • Frühgeborene haben weniger saure Mägen (pH > 4) und sind anfällig für Darminfektionen
    • Ältere Menschen haben eine niedrigere Magensäure (pH 6,6 bei 80 % der Studienteilnehmer) und sind anfällig für bakterielle Infektionen im Magen und Darm
    • Magensäure (Salzsäure) wird in Parietalzellen mittels der Protonenpumpe hergestellt
      • Deshalb verringern Protonenpumpenhemmer die Magensäure (Omeprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol)
    • Überschüssige Säuren werden durch Puffersys­teme abgefangen und über die Atmung und die Nieren aus­ge­schieden
  • im Urin46
    • 5,85 Durchschnittswert
    • 6,6 und mehr bei 10 %
    • 7,2 und mehr bei 1 %
    • Schwankungen innerhalb des Tages intrapersonell um 0,77 bis 2,48, im Mittel um 1,5.
      • Tagesschwankung damit größer als der Effekt fast aller Ernährungsmaßnahmen (vegane Kost + 0,52, proteinreiche Kost - 0,65).
    • Urin-pH über die vollen 24 Stunden unter 6,6 bei 39 %
    • 24-Stunden-Mittelwert überschritt bei keinem Probanden 6,34.

 Für die Wirkdauer von Amphetaminmedikamenten ist allein der Urin-pH maßgeblich, weil es um die renale Rückresorption von Amfetamin geht.

Der pH-Wert kann - in Abhängigkeit von der Dauer der Säureaussetzung - beeinflussen:45

  • Löslichkeit von Wirkstoffen
  • Stabilität von Wirkstoffen

Nahrungsmittel beeinflussen den Körper-pH-Wert.47
Lebensmittel mit hohem Anteil an tierischem Eiweiß (Fleisch, Fisch, Käse, Eier) bilden als Stoffwechselendprodukte Säuren.
Pflanzliche Nahrungsmittel (Obst, Gemüse, Blattsalate, Vollkornprodukte) bilden vorwiegend Basen.

5.1. Säurehaushalt und Amphetaminmedikamente

Amphetaminmedikamente:
Die Menge des unverändert ausgeschiedenen und damit des verbleibenden pharmakologisch wirksamen Dextroamphetamins hängt vom pH-Wert des Urins ab.48495051

  • verkürzte Wirkungsdauer durch hohen Urin-Säuregehalt (niedriger pH-Wert), z.B. durch (ausführliche Liste siehe unten)
    • Ascorbinsäure (Vitamin C) – nach der Elvanse-Fachinformation51; die verfügbare Studienlage stützt einen relevanten ansäuernden Effekt allerdings nicht
      • In üblicher Dosierung eingenommene Ascorbinsäure ließ den Urin-pH-Wert nahezu unverändert (+ 0,03; 5 Studien, 7 Einzelergebnisse, keines davon statistisch signifikant)52
        • Vitamin C wird schnell metabolisiert, und sein PRAL-Wert (potenzielle renale Säurelast) liegt nahe null (= neutral)
        • Hochdosiertes Vitamin C kann den Urin kurzfristig ansäuern, weil überschüssige Ascorbinsäure renal ausgeschieden wird. Das betrifft hohe Dosen als Nahrungsergänzung, kaum den normalen Verzehr über die Nahrung.
        • in angemessener Dosierung eingenommene Ascorbinsäure (Vitamin C) ließ den pH-Wert nahezu unverändert (+ 0,03)52
        • Vitamin C (Ascorbinsäure) wird schnell metabolisiert wird und der PRAL-Wert (potenzielle renale Säurelast) liegt nahe null (= neutral). Hochdosiertes Vitamin C kann jedoch den Urin kurzfristig ansäuern, weil überschüssige Ascorbinsäure renal ausgeschieden wird und im Urin den pH senken kann. Das betrifft hohe Dosen als Nahrungsergänzung, kaum den normalen Verzehr über die Nahrung.
    • Thiaziddiuretika
    • Tier-Eiweiß-reiche Ernährung
    • Diabetes
    • respiratorische Azidose
    • Protonenpumpenhemmer53
      • LDX: kein Einfluss auf Gesamtexposition oder Zeitpunkt von tMax
      • retardierte Amfetaminsalze: kein Einfluss auf Gesamtexposition, bei etwa 50 % der Probanden unter Omeprazol-Einnahme trat tMax früher ein
        • deutet auf eine unvorhergesehene Freisetzung des Wirkstoffs aus der zweiten Perle von MAS XR hin, vermutlich aufgrund verminderter Magensäure unter PPI-Einnahme
  • verlängerte Wirkungsdauer durch niedrigen (alkalisierten) Urin-Säuregehalt (hoher pH-Wert)21, z.B. durch (ausführliche Liste siehe unten)
    • Kaliumcitrat
    • Natriumhydrogencarbonat = Natriumbicarbonat
    • Mineralwasser mit Bicarbonat54
    • Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst, Gemüse, Vollkorn
    • Harnwegsinfektionen
    • Erbrechen
    • Ernährungsumstellung z. B. von fleischhaltiger auf vegetarische Kost55
    • massive Einnahme von Mitteln zur Neutralisierung der Magensäure55

Der höchste erreichte d-AMP-Spiegel (Cmax) korreliert ebenfalls mit dem Urin-pH-Wert, jedoch in deutlich geringerem Maße als die AUC. Saurer Urin geht daher vor allem mit einer kürzeren, nur in geringem Maß auch mit einer schwächeren Wirkung einher.56

Während bei einem Urin-pH von 5,0 (saurer Urin) 54,5 % des oral aufgenommenen Amphetamins unverändert renal ausgeschieden wurden, lag dieser Wert bei pH 8,0 (alkalischer Urin) bei 2,9 %. Bei unkontrolliertem pH-Wert waren es 14,5 % (Computersimulation, an Messdaten von zwei Probanden aus den 1960er Jahren kalibriert).4856 Studiendesign: Sechs junge Männer erhielten an drei Terminen im Wochenabstand 10 bis 15 mg Dexamfetaminsulfat. Der gesamte Urin der folgenden 16 Stunden wurde stündlich gesammelt. Am ersten Termin blieb der Urin-pH unkontrolliert, am zweiten wurde er mit Ammoniumchloridtabletten auf etwa 5,0 gesenkt, am dritten mit Natriumbicarbonat auf etwa 8,0 angehoben.
Die Probanden spürten unter alkalischem Urin eine deutlich verlängerte Stimulanzienwirkung. Mehrere hatten Schlafstörungen, nach 10 mg Dexamfetaminsulfat um 8 Uhr morgens. Bei saurem Urin ließ die subjektive Wirkung dagegen bereits nach vier bis acht Stunden nach.
Diese direkte Beobachtung der Wirkdauer in Abhängigkeit vom Urin-pH beim Menschen deckt sich auffällig gut mit den Erfahrungswerten der ADxS-Umfragen in Abschnitt 1.2.
Die Autoren warnen in der Folge vor „normalen“ Amfetamindosen bei ungewöhnlich alkalischem Urin, insbesondere bei Retardkapseln. Diese Warnung wäre unserer Ansicht nach heute auf Prodrugs (Lisdexamfetamin) zu erweitern. Umgekehrt lasse sich bei einer Amfetaminüberdosierung die Ausscheidung durch Ansäuerung beschleunigen.
In einer weiteren Studie erhielten acht Probanden über sieben Tage viermal täglich 10 mg retardiertes d-Methamfetamin, danach fünf Probanden viermal täglich 20 mg. Gaschromatographie-Massenspektrometrie der Urinproben zeigte, dass der Urin-pH die Ausscheidungsrate gegenläufig, beeinflusst: 4948

  • Saurer Urin: bis zu 76 % unveränderte Ausscheidung
  • Alkalischer Urin: 2 % unveränderte Ausscheidung
  • Im Mittel fanden sich 57,5 ± 21,7 % (niedrige Dosis) beziehungsweise 40,9 ± 8,5 % (hohe Dosis) der Dosis als Methamfetamin plus Amfetamin im Urin wieder. In einer Computersimulation ergab sich nach 11 mg Amfetamin eine Exposition von:
    • pH 5,0: 361 µg·h/L
    • pH 6,5: 692 µg·h/L
    • pH 8,0: 1325 µg·h/L

Der höchste verfügbare Wert der pharmakologischen d-AMP-Menge (Cmax) korreliert ebenfalls, jedoch in deutlich geringerem Maße, mit dem Urin-pH-Wert, sodass ein saurer Urin zwar auch mit einer etwas schwächeren, vor allem aber mit einer deutlich kürzeren Wirkung korreliert.48
Während bei pH = 5,0 (saurem Urin) 54,5 % des oral aufgenommenen Amphetamins unverändert ausgeschieden wurden, lag dieser Wert bei pH = 8 (alkalischem Urin) bei 2,9 %. Bei unkontrolliertem pH-Wert wurden 14,5 % ausgeschieden.4856

Ein Betroffener, bei dem Lisdexamfetamin zu kurz wirkte (Einzeldosis 50 mg wirkte 4 Stunden), berichtete, dass ein morgendlicher Konsum von 1,5 Litern Sprudel mit 1.800 mg nhc/L die Wirkung so verstärkte, dass er nun nur noch 30 mg LDX benötigte, die dann gleich stark und gleich lang wirkten wie zuvor 50 mg.

5.2. Säurehaushalt und Methylphenidat

In einer Laborstudie (= in vitro) aus Bakterienkulturen und Nährmedien, nicht aus dem menschlichen Körper, wurden bis zu 60 % des Methylphenidats spontan zu (pharmakologisch inaktiver) Ritalinsäure hydrolysiert, wobei diese Hydrolyse pH-abhängig war. In Bakterienkulturen, in denen MPH nicht hydrolysiert wurde, lag der pH-Wert nach 24 Stunden zwischen 4,0 und 5,5, bei hoher MPH-Hydrolyse zwischen 7,5 und 8,0. E.-coli-BW25113-Kulturen mit einem durchschnittlichen pH-Wert von 7,8 hydrolysierten 70 % des MPH; E. coli DSM1058 und E. coli DSM12250 mit einem durchschnittlichen pH-Wert von 7,6 hydrolysierten 50 %. Die Korrelation zwischen MPH-Hydrolyse und dem pH-Wert der Kulturen nach 24 Stunden war hoch (r = 0,89, r² = 0,79, p = 0,0006). In reiner Nährflüssigkeit ohne Bakterien wurden bei pH 6,0 rund 20 % des MPH zu Ritalinsäure hydrolysiert, bei pH 8,0 rund 80 %. Bakterielle Esterasen trugen nicht zur Hydrolyse bei: Eine E.-coli-Mutante ohne das Esterase-Gen yjfP hydrolysierte MPH genauso stark wie der Wildtyp.57
Zur Einordnung der Bioverfügbarkeit: Bei gesunden Erwachsenen erreichen nur 22 % (± 8 %) des d-MPH und 5 % (± 3 %) des l-MPH den systemischen Kreislauf; bei Kindern mit ADHS liegt die systemische Bioverfügbarkeit des Gesamt-MPH bei durchschnittlich 31 % (± 16 %) mit einer Spanne von 11 bis 52 %.58 Von dem in der Leber verstoffwechselten MPH werden rund 80 % hydrolysiert und rund 20 % oxidiert.58 80 % des aufgenommenen MPH werden binnen 48 Stunden mit dem Urin ausgeschieden (davon wiederum 80 % als Ritalinsäure und unter 1 % unverändert), rund 3 % mit dem Stuhl.58 Modellrechnungen gehen davon aus, dass ein sehr großer Teil des oral aufgenommenen MPH bereits im Dünndarm verstoffwechselt wird, bevor es die Leber erreicht; dies ist eine Annahme der Modelle, mit der sich die niedrige Bioverfügbarkeit erklären lässt, keine direkte Messung.585960U

Das Absorptionsmodell bildete die gemessenen Plasmaverläufe für eine mehrschichtige Retardformulierung und für Metadate CD gut ab, wich aber gerade bei Ritalin LA und Medikinet retard erkennbar von den Messwerten ab.59
Für die beiden letztgenannten Präparate lag die Wirkdauer in den ADxS-Umfragen in Abschnitt 1.2.3 deutlich unter den Herstellerangaben.

MPH Hydrolyse in vitro in Abhängigkeit vom pH-WertQuelle: Aresti-Sanz J, Schwalbe M, Pereira RR, Permentier H, El Aidy S (2021): Stability of Methylphenidate under Various pH Conditions in the Presence or Absence of Gut Microbiota. Pharmaceuticals (Basel). 2021 Jul 27;14(8):733. doi: 10.3390/ph14080733. PMID: 34451830; PMCID: PMC8398889 (unverändert)57 Veröffentlicht unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution (CC-BY).

Diese Laborergebnisse betreffen allerdings den pH-Wert im Dünndarm, nicht den Urin-pH-Wert.
Ein Betroffener kann gleichzeitig von einem niedrigen Darm-pH (günstig für MPH) und einem hohen Urin-pH (günstig für Amphetamin) profitieren.

Der pH-Wert von Dünndarm und Urin ist nicht völlig unabhängig, aber getrennt geregelt. Die Kopplung läuft über gemeinsame Einflussgrößen (Ernährung, intestinale Resorptionsleistung), nicht über einen gemeinsamen Regelkreis. Der Urin-pH ist daher kein Surrogat für den Dünndarm-pH.
Eine Studie, die beide pH-Werte an denselben Personen simultan gemessen und korreliert hätte, ist nicht auffindbar. Alle Aussagen unten stammen aus getrennten Untersuchungen zu Teilstrecken.
Der Dünndarm-pH ist der stabilste Wert im Verdauungstrakt
Radiotelemetriekapsel-Messung an 66 Gesunden – ohne jede Diätkontrolle, absichtlich unter gemischter Alltagskost:61

Abschnitt n pH (MW) SD
Jejunum 55 6,63 0,53
Mittlerer Dünndarm 52 7,41 0,36
Ileum 58 7,49 0,46
Dünndarm gesamt 51 7,30 0,34
Rechtes Kolon 66 6,37 0,58
Mittleres Kolon 51 6,61 0,83
Linkes Kolon 50 7,04 0,67

 

Der Gesamtdünndarm streut am geringsten von allen Segmenten. Passend dazu beeinflusste Nahrungsaufnahme in einer Metaanalyse von 10 GI-Abschnitten den pH in Magen und Duodenum signifikant, nicht aber im übrigen Dünndarm und Kolon.62
Gemessen wird jeweils der intraluminale pH des Chymus, nicht der Mukosa-pH.61
Der Urin-pH spiegelt die systemische Säurelast

  • Ernährungssäurelast (PRAL):

    • von ca. +23,6 mEq/100 g (Hartkäse) bis ca. −3 mEq/100 g (Obst, Gemüse)54
  • Populationsdaten: Zusammenhang belegt, aber schwach

    • in EPIC-Norfolk (n = 22.038) korrelierte Spontanurin- mit 24-h-Urin-pH nur mit r = 0,2263
    • bei Typ-2-Diabetes (n = 173) Urin-pH vs. PRAL r = −0,24, p = 0,00264
  • Intestinale Alkaliresorption → Urin-pH 65

    • 14 Gesunde, identische Laborkost. Urin-pH postprandial Frauen 6,74 ± 0,11 vs. Männer 6,07 ± 0,17. Hauptprädiktor im linearen Modell war die gastrointestinale Anionenaufnahme: +0,212 pH-Einheiten pro meq·h⁻¹·1,73 m⁻² (95 % KI 0,175–0,249; p < 0,0001); Fed-Werte 3,9 ± 0,55 (Frauen) vs. 1,8 ± 0,73 (Männer)
    • Gekoppelt ist die Resorptionsleistung des Darms, nicht sein Lumen-pH.
  • Intestinaler Bikarbonatverlust → Urin-pH 66

    • bei Diarrhö (n = 8) Urin-pH 5,64 ± 0,1
    • unter Ammoniumchlorid-Belastung (n = 7) 4,9 ± 0,03.
  • Magensäuresekretion → „alkalische Flut“ (widerlegt bzw. strittig)

    • Dafür:
      • Korrelation gastraler Säureantwort mit Urinazidität r = −0,79 bzw. −0,7367
    • Dagegen:
      • Alkalische Flut persistierte unter Cimetidin68

      • Identischer Abfall des Urin-Säure-Outputs auch nüchtern, kein Ranitidin-Effekt69

      • Männer zeigten unter identischer Kost keinen postprandialen Anstieg von Urin-TCO₂ oder pH

        65

Praxisrelevanz:

  • Der Urin-pH-Wert misst die Säure-Basen-Bilanz der letzten Stunden, nicht den Darm-pH-Wert
    • Urin-pH-Wert folgt der renalen Nettosäureausscheidung (r = 0,83; p < 0,001)54
    • schwankt bei derselben Person innerhalb eines Tages um durchschnittlich 1,5 pH-Einheiten.46
  • Darm beeinflusst den Urin-pH über Nahrungsaufnahme und Verdauung, nicht über eigenen pH-Wert.
    • Maßgeblich ist die mit der Nahrung aufgenommene Säure- bzw. Basenlast, die resorbiert und renal ausgeschieden wird.54
    • pH-Wert im Dünndarmlumen wird dagegen lokal durch die Bikarbonatsekretion von Pankreas und Duodenalmukosa bestimmt7071 und bleibt bei exokriner Pankreasinsuffizienz entsprechend niedrig.72
  • Ob eine systemische Alkalisierung beim Menschen den Dünndarm-pH verschiebt, ist unbekannt. Eine Untersuchung dazu ist uns nicht bekannt.
    • Darm nimmt Säure-Basen-Zustände wahr und reagiert darauf.71
    • Ob der Blut-pH-Wert dabei eine Rolle spielt, ist offen.
  • Methylphenidat: chemische Zersetzung vor der Aufnahme
    • Im basischen Milieu des unteren Dünndarms wird die Esterbindung des MPH hydrolytisch gespalten. Bei pH 6,0 wurden rund 20 % des MPH hydrolysiert, bei pH 8,0 rund 80 %; die Korrelation zwischen Hydrolyse und pH-Wert war hoch (r = 0,89; r² = 0,79; p = 0,0006).73
    • MPH wird dabei zur pharmakologisch unwirksamen Ritalinsäure, bevor es ins Blut gelangt. Rund 85 % des oral aufgenommenen MPH werden bereits im Dünndarm verstoffwechselt.58
    • Ein hoher Darm-pH-Wert verringert damit die Menge des verfügbaren Wirkstoffs. Bei gesunden Erwachsenen erreichen nur 22 % (± 8 %) des d-MPH und 5 % (± 3 %) des l-MPH den systemischen Kreislauf.60
  • Amfetamin: veränderte Ausscheidung nach der Aufnahme
    • Amfetamin ist eine schwache Base.56
    • Im sauren Urin liegt es überwiegend geladen vor, kann die Nierentubuluswand nicht zurückpassieren und wird ausgeschieden. Bei einem Urin-pH von 5,0 wurden 54,5 % der Dosis unverändert renal ausgeschieden.48
    • Im alkalischen Urin liegt es überwiegend ungeladen vor, wird zurückresorbiert und bleibt länger im Körper. Bei einem Urin-pH von 8,0 wurden 2,9 % der Dosis unverändert renal ausgeschieden.48
    • Das Molekül wird dabei nicht zerstört, sondern nur schneller oder langsamer ausgeschieden.56

Ob sich die Laborergebnisse zu MPH im Menschen bestätigen, ist bislang nicht untersucht. Die gelegentlich berichtete gleichzeitige Verkürzung der Wirkdauer von Amphetaminmedikamenten und MPH-Präparaten bei manchen Betroffenen lässt sich mit keinem der beiden Mechanismen erklären; hierfür ist bisher kein nachvollziehbarer Mechanismus bekannt.

Medikinet retard, Medikinet adult:
Bei einem Magen-pH-Wert über 5,5 kann es bei Medikinet retard und Medikinet adult zu Dose-Dumping-Phänomenen kommen: Der Wirkstoff wird zu schnell freigesetzt und entfaltet dadurch erhöhte Wirkungen und Nebenwirkungen. 3536Dies kann verursacht werden durch

  • Protonenpumpenhemmer (z.B. Pantoprazol, Omeprazol)
    • Magen-pH-Wert wird deutlich angehoben
    • Urin-pH-Wert
      • Urin-pH-Wert-Veränderung durch Protonenpumpenhemmer ist nicht belegt74
      • Omeprazol beeinflusst den Urin-pH-Wert kaum (+ 0,10)52
    • Wir fanden keine Studie zu MPH und Protonenpumpenhemmern. Die Warnungen scheinen allein auf theoretischen Überlegungen zu beruhen.
  • Antazida
  • H2-Antagonisten (z.B. Ranitidin, Famotidin) (weniger wahrscheinlich)
  • altersbedingte Erhöhung
  • atrophische Gastritis

Ein Betroffener berichtete von einer kaum gegebenen Wirkung von Medikinet von 20 bis 60 mg. Der zusätzliche Verzehr von trockenen Reiswaffeln führte zu einer zeitweiligen Wirkung, die nicht vorhersehbar war. Die zusätzliche Einnahme von Antazida (Magensäurehemmer) ergab eine zuverlässige Wirkung von MPH.

Ritalin adult:
Ritalin adult setzt MPH dagegen pH-unabhängig frei. Die Fachinformation nennt hier eine Resorptionsverminderung als wahrscheinliche Interaktion mit Antazida.75

Wisker (2010)45berichtet:

Magensaftresistente monolithische Tabletten, Kapseln oder Dragees sind äußerlich vollständig mit einem Film überzogen, der verhindert, dass sie von Magensäure verändert werden.
Nach der Nahrungsaufnahme können die unwillkürlichen, wellenförmigen Muskelbewegungen der Magenwand (Magenperistaltik) zunächst nur kleinere Partikel in den Zwölffingerdarm transportieren. Größere Partikel, wie monolithische Tabletten, verbleiben dadurch oft stundenlang im Magen. Erst nachdem die kleineren, verdaubaren Partikel den Magen verlassen haben und einer anschließenden Ruhepause und einer Phase ungerichteter Motorik beginnt ein definiertes Muster elektrischer und motorischer Aktivität, das mit starken propulsiven Kontraktionen (Housekeeper-Waves) nun auch die verbliebenen größeren Partikel in den Dünndarm austreibt. Häufige, auch kleine, Mahlzeiten, verhindern die Housekeeper-Waves. In der Folge bleiben größere Partikel, wie z.B. magensaftresistente Tabletten, sehr viel länger im Magen und verlassen diesen teilweise erst nachts. Sammeln sich aufgrund durchgehender kleiner Mahlzeiten mehrere über den Tag eingenommene Tabletten, sodass diese nachts gemeinsam in den Dünndarm transportiert werden, besteht das Risiko einer Überdosierung samt toxischen Nebenwirkungen.
Magensaftresistente monolithische Arzneiformen sollten daher auf nüchternen Magen eingenommen werden (z.B. das Antiphlogistikum Diclofenac bei magensaftresistenter monolithischer Form).

In Bezug auf ADHS ist dieses Problem wenig bedeutsam. Das in den USA, nicht aber in Europa, zugelassene Jornay PM ist das einzige Methylphenidat-Präparat, bei dem die gesamte Dosis am Magen vorbeigeschleust wird. Die Mikropellets tragen zwei Filmschichten: außen eine Delayed-Release-Schicht (Methacrylsäure-Copolymer Typ B), innen eine Extended-Release-Schicht, und darunter erst der schnell freisetzende Kern. Die äußere Schicht verzögert die Freisetzung um etwa 8 bis 10 Stunden. Nach der Fachinformation werden in den ersten zehn Stunden nicht mehr als 5 % des Wirkstoffs verfügbar; das Maximum liegt bei einem Median von 14 Stunden. Die Einnahme soll abends zwischen 18:30 und 21:30 Uhr erfolgen, damit die Wirkung beim Aufwachen einsetzt.

5.3. Säurehaushalt und Memantin

Memantin zeigt eine verlängerte Wirkung durch alkalisierten Urin.
Bei alkalischem Urin (hoher pH-Wert) kann die renale Eliminationsrate von Memantin um den Faktor 7 bis 9 reduziert sein. Als Ursachen nennt die Fachinformation drastische Ernährungsumstellungen (z. B. von fleischhaltiger auf vegetarische Kost), die massive Einnahme alkalisierender Magenmittel, eine renal-tubuläre Azidose sowie schwere Harnwegsinfektionen mit Proteus-Bakterien.55

5.4. Faktoren, die Basen erhöhen (pH-Wert erhöhen)

Angaben in der folgenden Liste, die keine eigene Quellenangabe besitzen, sind derzeit unbelegt. Sie stammen von einer nicht mehr aufrufbaren Webseite. Sie erwiesen sich in mehreren Fällen als falsch und sollten daher jeweils einzeln überprüft werden.

Faktoren, die einen alkalischen Urin (hoher pH-Wert) begünstigen, sind:

  • Umweltfaktoren:

    • Tageszeitliche Schwankungen
      • dabei gebe es verschiedene Profile:46
        • „normale” pH-Kurve mit drei Spitzen zu den morgendlichen und nachmahlzeitlichen (postprandialen) Schwankungen, bei niedrigem nächtlichen pH-Wert
          • Mahlzeiten bewirken spontanen Basenanstieg (Urin-pH-Wert erreicht 1 bis 2 Stunden nach den Mahlzeiten mindestens 6,8)
        • anhaltend niedriger pH-Wert ohne echte Schwankungen
        • eine einzelne Nachmittagsspitze bei fast vollständigem Fehlen einer morgendlichen Schwankung
        • Umkehrung der „normalen” Kurve mit niedrigem Tagesniveau und hohem nächtlichen Plateau
    • Körperoberfläche
      • als Einflussgröße genannt, Richtung des Zusammenhangs jedoch nicht angegeben76.
  • Körpermasse

    • Ein höherer Body-Mass-Index ging (zumindest bei Männern) mit einem niedrigeren Urin-pH-Wert einher77
      • dies begünstigt eine kürzere AMP-Wirkdauer
  • Cadmiumexposition

  • Heparin

  • Luftdruck verringert; hypobare Beatmung78

  • Quecksilberbelastung

  • Jugend:

    • Die Magensäureproduktion ist mit niedrigem Alter höher
    • Der Urin-pH-Wert dagegen sinkt mit dem Alter – siehe dazu Abschnitt 5.5.7980
      • bei Männern wie Frauen, besonders zwischen 20 und 50 Jahren80
  • weibliches Geschlecht8180

  • niedriges Einkommen8283 (sozioökonomischer Status?) – die Datenlage ist widersprüchlich, siehe den gegenläufigen Eintrag in Abschnitt 5.5

    • Einkommen korreliert mit Fleischanteil der Ernährung, was wiederum den Urin-pH beeinflusst
  • zu warme Lagerung des Urins nach Abnahme84

  • Krankheiten:

    • 21-Hydroxylase-Mangel
    • 3-Hydroxydehydrogenase-Mangel
    • Abstoßung eines Nierentransplantats
    • Akute poststreptokokkale Glomerulonephritis
    • Amyloidose
      * atrophische Gastritis (altersbedingte Gastritis)
    • Calziummangel46
    • Carboanhydrase-II-Mangel
    • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
    • Erbrechen
    • erworbene Nebenniereninsuffizienz
    • Familiärer Methyl-Oxidase-Mangel
    • Galaktosämie
    • Gicht
    • Glykogenspeicherkrankheit
    • Harnverdünnung46
    • Harnfluss erhöht46
    • Hereditäre Fruktoseintoleranz
    • Hyperventilation46
    • Hypoxie (Sauerstoffmangel, etwa in der Höhe)
      • Hyperventilation führt zu respiratorischer Alkalose und hebt den Urin-pH an85
      • Akute Höhenexposition löst Hyperventilation und damit respiratorische Alkalose aus. Die Niere gleicht dies durch Bikarbonatausscheidung aus, was den Urin wird vorübergehend alkalischer macht. In einer Untersuchung an 48 gesunden Männern und Frauen in der Unterdruckkammer (simulierte Höhen von 1.780, 2.085, 2.455 und 2.800 Metern, je 24 Stunden) stieg der Urin-pH nach sechs Stunden bei allen Höhen signifikant an (p < 0,01). Bei den niedrigeren Höhen war er nach 24 Stunden wieder auf dem Ausgangswert, bei den höchsten blieb er erhöht.86Dies könnte eine veränderte Amfetaminmedikamentenwirkung beim Bergwandern oder Skifahren erklären.
  • Laktosurie

  • Leichtketten-Multiples Myelom

  • Lowe-Syndrom

  • Lupusnephritis

  • Malabsorption

  • Medulläre zystische Erkrankung

  • Metabolische Alkalose

  • Metachromatische Leukodystrophie

  • Mineralokortikoidmangel, vorübergehender im Säuglingsalter

  • Morbus Wilson

  • Multiples Myelom

  • Nierentransplantation

  • Nierenvenenthrombose

  • obstruktive Nephropathie

  • Pseudohypoaldosteronismus

  • Renovaskuläre Hypertonie

  • Salzverlustnephritis

  • Sjögren-Syndrom

  • Tubulointerstitielle Erkrankung

  • Tyrosinämie

  • Vitamin-D-Mangel

  • Vitamin-D-Resistenz

  • Medikamente:

    • Acetazolamid: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 2,0 bei intravenöser Gabe (sehr stark); + 0,39 (schwach) bei oraler Gabe52
      • Langfristige Behandlung mit Acetazolamid wird mit erhöhtem Risiko für Urolithiasis in Verbindung gebracht87
      • Acetazolamid hemmt die Carboanhydrase in den Nierentubuluszellen. Dadurch wird Bikarbonat nicht rückresorbiert, sondern ausgeschieden, und der Urin wird alkalischer (+ 2,00 intravenös; + 0,39 oral)52, Acetazolamid ist damit einer der am stärksten wirksamen Urin-Alkalisierer. Damit wäre es pharmakologisch der wirksamste Weg, den Urin zu alkalisieren und die Amfetaminwirkung zu verlängern. Es ist dafür aber nicht zugelassen und aufgrund der hohen Nebenwirkungen auch nicht geeignet (häufig: Steinrisiko, Parästhesien, Müdigkeit, Geschmacksstörungen, Elektrolytverschiebungen). Acetazolamid erzeugt eine systemische metabolische Azidose im Blut und gleichzeitig einen alkalischen Urin
  • ADV7103 (Citrat + Bikarbonat): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 1,27 (stark)52

  • Ambroxol (Achtung, nicht bei Verwendung als Hustenmittel, nur in Rattenstudie mit sehr hoher, unter die Haut gespritzter Dosis (60 mg/kg). Auf die Einnahme von Hustenmitteln beim Menschen (1,3 mg/kg oral) nicht übertragbar)88

  • Amilorid

  • Aminoglykoside

  • Antibiotika89

  • Ascorbinsäure (Vitamin C): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,03 (neutral)52

  • Bikarbonate (= Hydrogencarbonate)

    • bikarbonatreiches Mineralwasser
      • Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,56 (moderat)529091 92. Entscheidend ist der Hydrogencarbonatgehalt, nicht die Bezeichnung als „basisch“ – wirksam waren Wässer mit 1.715 bis 3.388 mg Hydrogencarbonat pro Liter.
      • Bikarbonatreiches Mineralwasser sollte nicht mit „Basischem Wasser“ verwechselt werden. Viele als basisch vermarktete Wässer haben zwar einen hohen Flaschen-pH, aber kaum Alkaligehalt. Ihre Fähigkeit, den Urin-pH nennenswert anzuheben, ist nicht belegt. Entscheidend ist der Gehalt von „Hydrogencarbonat“ nach dem Etikett. Deutsche Heilwässer erreichen häufig 1.800 bis über 3.000 mg pro Liter, gängige Tafelwässer oft unter 300 mg.
  • Bicarbonat-Loading (Soda-Loading, Natron-Loading): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 1,44 (sehr stark)52

    • Einnahme von Natriumbicarbonat (= Natriumhydrogencarbonat, Natron, doppeltkohlensaures Natron, Backnatron, Backsoda, Bullrich Salz
      • 10 Minuten vor körperlicher Belastung
      • Dosis 0,2 bis 0,3 g/kg
      • ein Teelöffel Natron in einem Glas stilles Wasser aufgelöst
    • sollte nicht länger als 2 Wochen angewendet werden
    • Dauerhafte Einnahme kann als Gegenreaktion erhöhte Säureproduktion des Magens auslösen
    • Natron im Magen produziert CO2 - Risiko der Überdehnung der Magenwand
  • Citrat: 0,61 (moderat)5290

    • Zitrussäfte
    • Orangensaft: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,68 (moderat)52
  • Citro-Soda: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 1,56 (sehr stark)52

    • Bestandteile: Natriumbicarbonat 1,716 g, Natriumcitrat 0,613 g, Zitronensäure 0,702 g, Weinsäure 0,858 g
  • Cholestyramin

  • Converting-Enzym-Hemmer

  • Corticotropin

  • Cumarin

  • Diazoxid

  • Melonensaft (Cantaloupe): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,36 (schwach)52; in der Originalstudie etwa gleichwertig mit Orangensaft93

  • Exenatid: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,51 intravenös (moderat)52 (Diabetes-Medikament)

  • Glycin zusammen mit L-Tryptophan: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,20 (neutral)52

  • Indomethacin: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 1,0 (stark)52

  • Kaliumcitrat52

    • Empfehlung der American Urological Association (AUA) zur Erhöhung des pH-Wert des Urins
    • Lebensmittelzusatzstoff E332
    • Nahrungsergänzungsmittel, als Pulver oder in Kapselform frei erhältlich
    • vermeiden bei Hyperkaliämie - daher immer Arzt fragen
      • Bevölkerungsprävalenz Hyperkaliämie: 2 bis 3 %
  • Kaliumgluconat: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,46 (schwach)52

    • Kaliumsalz der Gluconsäure, Medikament gegen Kaliummangel
  • Kaliumhydrogencarbonat (Kaliumbikarbonat): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,89 (moderat)52 um 10 % 94 bei recht hoher Dosis von 90 mmol täglich (Ein Liter bikarbonatreiches Heilwasser mit 3.400 mg Hydrogencarbonat liefert rund 56 mmol).

  • Kalium-Natriumhydrogencarbonat (auch Kalium-Natriumhydrogencitrat)95

    • Medikament zur Erhöhung des Urin-pH-Werts
  • Magnesiumsalze ohne Chlorid (z.B. Magnesiumoxid, -citrat, -carbonat) (Messungen an Ratten)96

    • Magnesiumchlorid erzeugt umgekehrt eine hyperchlorämische Azidose und senkt den Urin-pH – siehe unten
    • Monomagnesium-L-aspartat-Hydrochlorid enthält Magnesium und Chlorid in gleichen Stoffmengen und verändert das Gleichgewicht nicht metabolisierbarer Säuren und Basen daher nicht, sondern ist pH-neutral
      ADHS-Betroffene, die Magnesium einnehmen, und dabei die Wirkung von Amfetaminmedikamenten nicht verkürzen wollen, sollten Magnesiumchlorid vermeiden und eine chloridfreie Form wählen: Magnesiumcitrat, -oxid oder -carbonat. Präparate auf Basis von Magnesium-L-aspartat-Hydrochlorid (etwa Magnesiocard) sind in dieser Hinsicht dagegen neutral.
  • Metolazon

  • Mononatriumglutamat (Geschmacksverstärker)97

    • nur im Tierversuch belegt, bei hoher Dosis (1,5 g/kg, ein Vielfaches von menschlichem Konsum) Übertragbarkeit auf übliche Verzehrmengen unklar
  • Natriumhydrogencarbonat (Natriumbicarbonat, Natron): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 1,19 oral; + 1,12 intravenös; stark52

  • Natrium-L-Ascorbat und Natrium-Saccharin – belegt nur aus Rattenversuchen mit 5 % Anteil am Futter; für die menschliche Ernährung ohne Bedeutung98

  • Niacin

  • Omeprazol (Protonenpumpenhemmer): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,10 (neutral)52

  • Spironolacton

  • Streptozocin

  • Topiramat: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,45 (schwach)52

  • Nahrungsmittel

    • DASH-Diät: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,50; in der einzigen zugrunde liegenden Studie (n = 21, 56 Tage) nicht statistisch signifikant52

      • Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten, Fisch, Geflügel, Nüssen und Samen
    • eingelegte Gurken (Pickles): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,17 (neutral, nicht signifikant)52

    • Kartoffeln: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,28 (schwach)52

    • Limettensaft: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,25 (neutral, nicht signifikant)52

      • unklar, ob Limettensaft aus Limettensirup, Wasser und Zucker oder reiner Limettensaft gemeint ist
    • Limettenpulver (kalium- und citrathaltig): + 0,52 (moderat)52

    • Melonensaft (Cantaloupe): Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,36 (schwach)52; in der Originalstudie etwa gleichwertig mit Orangensaft93

    • Milch: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,36 (schwach)52

    • Obst + Gemüse-reiche Diät: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,35 (schwach)52

    • Orangensaft: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,68 (moderat)52

    • Pommes frites: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,25 (neutral)52

    • vegetarische Ernährung

      • Lacto-Ovo-Vegetarische Diät: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,85 (moderat)52
      • gemischte westliche vegetarische Ernährung: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,56 (moderat)52
    • Vitamin C: Urin-pH-Wert-Erhöhung um + 0,03 (neutral)52

    • siehe unten (PRAL-Wert-Tabelle)

5.5. Faktoren, die Säure erhöhen (pH-Wert verringern)

Angaben in der folgenden Liste, die keine eigene Quellenangabe besitzen, sind derzeit unbelegt. Sie stammen nach früherer Angabe von einer nicht mehr aufrufbaren Webseite. Sie erwiesen sich in mehreren Fällen als falsch und sollten daher jeweils einzeln überprüft werden.

Faktoren, die einen sauren Urin (niedriger pH-Wert) begünstigen, sind:

  • Umweltfaktoren:

    • Bettruhe

    • Aldosteron

    • Bleibelastung – belegt nur im Tierversuch mit hoher Dosis; der pH-Abfall trat dort als Zeichen einer Nierenschädigung auf99

    • Cadmium100

      • Cadmiumgabe an Ratten über das Trinkwasser in steigenden Konzentrationen von 100 bis 1600 mg/Liter über 20 Wochen (= toxikologische Belastungsdosen)
    • Toluol

    • Vanadium

    • Alter

      • Magensäure verringert sich, Urinsäure erhöht sich kontinuierlich (zumindest bei Menschen mit Nierensteinen) mit dem Alter 7980
        • bei Männern wie Frauen, besonders zwischen 20 und 50 Jahren80
    • männliches Geschlecht81

    • hohes Einkommen8283 (sozioökonomischer Status?)

    • körperliche Belastung in heißer Umgebung

      • 189 Zuckerrohrschneider in El Salvador: signifikanter pH-Abfall über die Arbeitsschicht 101
      • Arbeit als Reisfeldarbeiterin in Thailand – Querschnittsbefund per pH-Teststreifen ohne Vergleichsgruppe 102
      • Querschnittsstudie an 194 männlichen Arbeitern zwischen 17 und 39 Jahren an der Pazifikküste Nicaraguas: 86 Zuckerrohrschneider, 56 Bauarbeiter und 52 Kleinbauern 103 Eine eingeschränkte Nierenfunktion trat am häufigsten bei den Zuckerrohrschneidern auf, seltener bei Bauarbeitern und kaum bei den Kleinbauern (Trend p = 0,003). Die Autoren führen dies auf Hitzebelastung und Dehydrierung zurück. Der Endpunkt dieser Arbeit ist die Nierenfunktion, nicht der Urin-pH.
  • Wüstenaufenthalt: - 0,5 pHt104

    • trotz Flüssigkeitsaufnahme von 17 Litern täglich bei zugleich um 68 % auf 0,52 Liter verringerter täglicher Urinmenge
    • 0,5 pH-Einheiten sind vergleichbar mit proteinreicher Ernährung (- 0,65)
    • vollständige Normalisierung innerhalb von zwei Wochen nach Rückkehr
  • Schlafentzug: 0,00 – kein Effekt52

  • Krankheiten:

    • Atemprobleme

      • Verlegung der Atemwege oder einer Verhinderung des Gasaustauschs in der Lunge, z.B. bei Lungenödem (Wasser in der Lunge)

      • Lungenentzündung (Pneumonie)

      • Verlust von funktionstüchtigem Lungengewebe, z.B. bei Tuberkulose

      • unzureichendem Atemantrieb, beispielsweise bei einer Schlafmittelvergiftung

      • Lähmung der Atemmuskulatur, z.B. bei Polio

      • Fehlfunktion der Atemreflexe

    • Nebennierenrindenhyperfunktion

    • Nebennierenrindenhypofunktion

    • Amyloidose

    • Autoimmunthyreoiditis

    • Balkan-Nephropathie

    • Chronisch aktive Hepatitis

    • Chronische Nierenerkrankung

    • Chronische Niereninsuffizienz

    • Chronische Pyelonephritis

    • Cystinose

    • Diabetes mellitus

    • Distale renale tubuläre Azidose

    • Gastrinom

      • Zollinger-Ellison-Syndrom, seltener Bauchspeicheldrüsentumor
      • erhöht Magensäure
    • Fibrosierende Alveolitis

    • Harnwegsobstruktion (Blockade im Harnsystem, die Abfluss von Urin von Nieren zur Harnröhre verhindert)

    • Helicobacter-pylori-Infektion

      • erhöht Magensäure
    • Hepatolentikuläre Degeneration

    • Hereditäre Fruktoseintoleranz

    • Hyperkalziurie, idiopathisch

    • Hypergammaglobulinämie

    • Hyperparathyreoidismus

      • erhöhte Magensäure bei 30 % der Betroffenen
    • Kryoglobulinämie

    • Morbus Fabry

    • Morbus Wilson

    • Marfan-Syndrom

    • Medulläre Schwammniere

    • Metabolische Azidose

    • Metabolisches Syndrom105

      • Niedriger Urin-pH korrelierte mit Bauchfettleibigkeit, auch nach Bereinigung um Umwelt- und Lebensstileinflüsse auf den Urin-pH (4.626 Personen mit einem Urin-pH von 5,0 und 4.185 Personen mit einem Urin-pH über 5,0 aus koreanischer Genom- und Epidemiologiestudie, Alter 52,2 ± 8,9 Jahre, Body-Mass-Index 24,6 ± 3,2; Querschnittsauswertung. Keine Aussage über Richtung des Zusammenhangs – ob der niedrige Urin-pH Folge der Stoffwechsellage)
      • Praxisrelevanz: Bauchbetontes Übergewicht geht mit saurerem Urin einher und spricht damit für eine kürzere Amfetaminwirkung. Dies deckt sich mit dem Zusammenhang zwischen steigendem Body-Mass-Index und sinkendem Urin-pH
  • Nierentransplantatabstoßung

  • Nierenversagen

  • Polyarteritis nodosa

  • Primäre biliäre Zirrhose

  • Proximale renale tubuläre Azidose (Typ II)

  • Sichelzellenanämie

  • Sjögren-Syndrom

  • Spannungsabhängige distale renale tubuläre Azidose (Typ 1)

  • Vitamin-D-Intoxikation

  • Medikamente:

    • Acetaminophen = Paracetamol

    • Amilorid

    • Ammoniumchlorid (Salmiak): - 1,63; stärkster gefundener Einzelwert, nur eine kleine Kurzzeitstudie (n = 10, rund 8 Stunden); dort nicht statistisch signifikant5248

    • Amphotericin B

    • Acetylsalicylsäure (Aspirin)

      • hemmt Prostaglandine, die Magenschleimhaut vor Säure schützen
      • Protaglandinmangel führt zu Schleimhautentzündung, was die Belegzellen schädigt, die Magensäure produzieren (Gastritis)
    • Carbenoxolon

    • Cefdinir

    • Cimetidin

    • Citronensäure: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,05 (neutral, nicht signifikant)52

    • Dapagliflocin: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,10 (neutral)52 (Diabetes-Medikament)

    • Diclofenac

      • hemmt Prostaglandine, die Magenschleimhaut vor Säure schützen
      • Protaglandinmangel führt zu Schleimhautentzündung, was die Belegzellen schädigt, die Magensäure produzieren (Gastritis) * Diflunisal
    • Etodolac

    • Fenoprofen

    • Flurbiprofen

    • Furosemid: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,52 intravenös (statistisch nicht signifikant)52

    • Ibuprofen

      • hemmt Prostaglandine, die Magenschleimhaut vor Säure schützen
      • Protaglandinmangel führt zu Schleimhautentzündung, was die Belegzellen schädigt, die Magensäure produzieren (Gastritis)
    • Ifosfamid

    • Indomethacin

    • Ketoprofen

    • Kochsalzinfusion (Natriumchlorid), intravenös, bei stationären Patienten (Metastudie, k = 2, n = 226)52: - 0,48

    • Lithium

    • Mafenid

    • Methionin: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,72 (moderat)52

      • essentielle Aminosäure
      • rezeptfrei
      • wirkt erst nach einigen Tagen
    • Monomagnesium-L-aspartate Hydrochlorid96

    • Mefenaminsäure

    • Naproxen

    • Niacinamid

    • Ofloxacin

    • Orthophosphat

    • Parathyroid Extrakt

    • Protonenpumpenhemmer: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 1,5 (sehr stark, n = 10)74

    • Ranitidin

    • Triamteren

  • Nahrungsmittel

    • Apfelessig: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,21 (sehr schwach)52
    • Cranberry: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,16 (neutral)52
    • Eiweiß: hohe Aufnahme von tierischem Eiweiß in der Ernährung106
      • acht Patienten mit wiederkehrenden idiopathischen Calciumoxalatsteinen unter eiweißreicher Kost: Urin-Citrat sank um 25 %, Standardbicarbonat sank im Serum und Urin-pH sank. Urin-Calciumausscheidung stieg um 35 %. Oxalatausscheidung blieb unverändert.
  • Fasten: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 1,2 (sehr stark)52

  • Fructose: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,26 (sehr schwach)52

  • ketogene Diät: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,55 (moderat)52

  • oxalatarme Diät: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,10 (neutral, nicht signifikant)52

  • Proteinreiche Diät: Urin-pH-Wert-Verringerung um - 0,65 (moderat)52

  • siehe unten (PRAL-Wert-Tabelle)

5.6. Nahrungsmitteleinfluss auf Säure-Basen-Haushalt (PRAL-Wert)

Die Kapazität eines Lebensmittels zur Säure- oder Basenbildung heißt potenzielle renale Säurelast (PRAL); Ernährungsweisen mit hohem PRAL führen zu einer niedriggradigen metabolischen Azidose, die mit Insulinresistenz, Diabetes, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Knochenabbau und geringer Muskelmasse in Verbindung gebracht wird.

Nahrungsmittel können den pH-Wert des Urins deutlich beeinflussen, nicht aber den von Blut. Dabei ist weniger ein saurer Geschmack entscheidend, sondern vielmehr der PRAL-Wert. Die Aufnahme von Lebensmitteln mit negativem PRAL-Wert korreliert mit einem alkalischen Urin-pH-Wert; eine säurebildende Ernährung korreliert mit sauren Urin-pH-Werten unter 6,0. Der Blut-pH-Wert bei gesunden Erwachsenen bleibt davon unberührt, da er durch Puffersysteme, Atmung und Niere konstant zwischen 7,35 und 7,45 gehalten wird.
Innerhalb eines einzigen Tages schwankte der Urin-pH bei denselben Personen zwischen Tiefst- und Höchstwert um 0,77 bis 2,48 Einheiten, im Mittel um 1,5 Einheiten. 107
Diese Tagesschwankung ist damit größer als der Effekt fast aller Ernährungsmaßnahmen (vegane Kost + 0,52, proteinreiche Kost - 0,65). Der Einnahmezeitpunkt und die Tageszeit dürften daher einen größeren Einfluss auf die Wirkdauer haben als die Auswahl einzelner Lebensmittel.

Bei Proteinen ist zwischen pflanzlichen und tierischen Proteinen zu unterscheiden. In einer randomisierten Studie an gesunden jungen Erwachsenen stieg der 24-Stunden-Urin-pH nach sieben aufeinanderfolgenden Tagen veganer Ernährung um 0,52 ± 0,69 an. Wurden dagegen nur zwei oder drei über die Woche verteilte vegane Tage eingelegt, blieb der Urin-pH unverändert (- 0,02 ± 0,56; Unterschied zwischen den Gruppen p = 0,048). Der PRAL-Wert sank in beiden Gruppen signifikant. (Studie an gesunden Studierenden, 21,8 ± 2,4 Jahre) 108 Eine durchgehend pflanzenbasierte Ernährung geht damit rechnerisch mit einer verlängerten Wirkung von Amphetaminmedikamenten einher, einzelne fleischfreie Tage pro Woche voraussichtlich nicht.
Lebensmittel mit hohem Oxalatgehalt können die Säurebildung erhöhen.109
Der übliche Berechnungsweg lautet:54110 PRAL (mEq/d) = 0,49 × Protein (g/d) + 0,037 × Phosphor (mg/d) − 0,021 × Kalium (mg/d) − 0,026 × Magnesium (mg/d) − 0,013 × Calcium (mg/d). Zwischen der renalen Nettosäureausscheidung und dem Urin-pH-Wert besteht ein enger Zusammenhang (r = 0,83; p < 0,001), sodass sich aus dem PRAL-Wert einer Ernährung abschätzen lässt, in welche Richtung sich der Urin-pH verschiebt.54

Mit anderen Worten: Lebensmittel mit einem stark negativen PRAL-Wert bewirken einen basischen Urin (weniger sauer, höherer pH-Wert) und verlängern damit die Wirkung von Amphetaminmedikamenten. Lebensmittel mit einem stark positiven PRAL-Wert bewirken einen sauren Urin (niedrigerer pH-Wert) und verkürzen damit die Wirkung von Amphetaminmedikamenten.

Nicht das Phosphat-Anion bestimmt die Säurewirkung, sondern das Kation, an das es gebunden ist. Phosphorsäure in Cola wirkt sauer, weil sie Wasserstoffionen freisetzt, während der Zusatzstoff Trinatriumphosphat basisch wirkt. Bei Fertigprodukten mit Phosphatzusätzen lässt sich daher aus dem Phosphatgehalt allein nicht auf die Wirkung schließen.

 

Eine reine PRAL-Wert-Tabelle bildet die Wirkung auf den Urin-pH-Wert bei denjenigen Lebensmitteln, die Hydrogencarbonat enthalten, unzureichend ab. Die nachfolgende Tabelle berechnet für hydrogencarbonathaltige Lebensmittel den fiktiven PRAL-Wert, den ein hydrogencarbonatfreies Lebensmittel haben müsste, um dieselbe Wirkung auf den Urin-pH-Wert zu erzielen. Das erst macht die Tabellen zu einem nutzbaren Vergleichsinstrument.
Rechenweg: 1 mEq Base hebt die Bilanz genauso an, wie 1 mEq PRAL sie senkt. Der fiktive PRAL ist also einfach das negative Basenäquivalent: mEq = mg Hydrogencarbonat ÷ 61,02.

Um die Wirkung von 1,5 Liter Apollinaris auf den Urin-pH-Wert alleine durch eine PRAL-Wirkung zu erreichen, bräuchte ein hydrogencarbonatfreies Lebensmittel einen PRAL-Wert von −44,5 für eine Tagesportion. Dies erreicht kein einziges Lebensmittel. Den stärksten negativen PRAL-Wert hat Spinat mit −28,0. Man müsste also 1,6 Tagesportionen Spinat oder 7 Tagesportionen Brokkoli essen, um dasselbe zu erreichen.

Ein gestrichener Teelöffel Natron entspricht mit −36 mEq in etwa 1,2 Litern Apollinaris. Bei einem fiktiven PRAL von −1190 je 100 g ist Natron um den Faktor 19 stärker als getrocknete Pfifferlinge (−61,9).

Der fiktive PRAL-Wert von Backpulver ist ca. Null. Deutsches Backpulver besteht aus Natriumhydrogencarbonat und einem Säuerungsmittel, meist Dinatriumdiphosphat, sowie Stärke als Trennmittel. Beim Backen reagieren die beiden erstgenannten miteinander: Das Bikarbonat wird stöchiometrisch verbraucht und entweicht als CO₂. Es kommt also praktisch kein Basenäquivalent im Körper an. Was bleibt, ist das Natriumsalz der Phosphorsäure. Phosphor geht in der PRAL-Formel mit +0,037 als Säure ein. Daher der reale PRAL von Backpulver zwar +297,99, dennoch ist Backpulver trotz Bikarbonatgehalt ein Säurebildner. Reines Natron ist dagegen ein sehr starker Basenbildner.

Achtung: PRAL-Wert nicht mit Urin-pH-Wert-Erhöhung aus Darstellung oben verwechseln. Die Werte sind gegenläufig.

Die Tabelle basiert maßgeblich auf Daten von 1995 und könnte bei zusammengesetzten Nahrungsmitteln durch veränderte Rezeptstandards verändert sein.111 Es dürfte hilfreich sein, sie eher als Rangfolge wahrzunehmen.

Negativer PRAL-Wert erhöht den Urin-pH-Wert, macht den Urin alkalischer, ein positiver Wert verringert ihn, macht den Urin saurer.

Lebensmittel (ungesüßt, unbehandelt) PRAL je Tagesportion Tagesportion PRAL je Einzelportion Einzelportion PRAL je 100 g/ml
Heilwasser 3388 mg/l, Hydrogencarbonat-Äquivalent (wie in Studie Siener 2004) -83,3 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -11,1 fiktiv 200 ml – 1 Glas -5,6 fiktiv
Apollinaris Classic, Hydrogencarbonat-Äquivalent (1810 mg/l) -44,5 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -5,9 fiktiv 200 ml – 1 Glas -3,0 fiktiv
Heilwasser 1715 mg/l, Hydrogencarbonat-Äquivalent (wie in Studie Keßler & Hesse 2000) -42,2 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -5,6 fiktiv 200 ml – 1 Glas -2,8 fiktiv
Natron, Hydrogencarbonat-Äquivalent (rein) -36 fiktiv 3 g – 1 gestr. TL -36 fiktiv 3 g – 1 gestr. TL -1190 fiktiv
Heilwasser-Mindestschwelle 1300 mg/l, Hydrogencarbonat-Äquivalent -32,0 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -4,3 fiktiv 200 ml – 1 Glas -2,1 fiktiv
Spinat -28,0 200 g – gekocht -28,0 200 g – gekocht -14,054
Apollinaris Mineralwasser -27,0 1500 ml – 1,5 l -3,6 200 ml – 1 Glas -1,854
Früchtetee -21,0 600 ml – 3 Tassen -7,0 200 ml – 1 Tasse -3,5109
Blattspinat -19,4 200 g -19,4 200 g -9,7111
Karottensaft -19,2 400 ml – 2 Gläser -9,6 200 ml – 1 Glas -4,8
Kartoffeln -17,0 200 g – (3 mittlere) -17,0 200 g – (3 mittlere) -8,5109 -4,0110 gelagert -4,054
Grünkohl -16,0 200 g -16,0 200 g -8,0109
Fenchel -15,8 200 g – 1 Knolle -15,8 200 g – 1 Knolle -7,9
Mangold -15,2 200 g -15,2 200 g -7,6111
Bohnen -14,8 200 g -14,8 200 g unklar: -7,4109 oder 1,1109
Orangensaft -14,8 400 ml – 2 Gläser -7,4 200 ml – 1 Glas -3,7109 -2,954
Pastinake -14,4 200 g -14,4 200 g -7,2111
Grünkohl -13,6 200 g -13,6 200 g -6,8111
Avocado -12,8 150 g – 1 kleine -12,8 150 g – 1 kleine -8,5111
Mineralwasser -12,0 1500 ml – 1,5 l -1,6 200 ml – 1 Glas -0,8109
Sojabrot -12,0 150 g – 3 Scheiben -4,0 50 g – 1 Scheibe -8111
Spinat roh -11,8 100 g – 1 Salatportion -11,8 100 g – 1 Salatportion -11,8109
Rosenkohl -11,4 200 g -11,4 200 g -5,7111
Tomatensaft -11,2 400 ml – 2 Gläser -5,6 200 ml – 1 Glas -2,854
Zucchini -9,2 200 g -9,2 200 g -4,654
Apfelsaft, ungesüßt -8,8 400 ml – 2 Gläser -4,4 200 ml – 1 Glas -2,254
Rote Bete -8,8 150 g -8,8 150 g -5,9111
Aprikosen, getrocknet -8,5 40 g – 4 Stück -8,5 40 g – 4 Stück -21,2111
Kaffee (Getränk) -8,4 600 ml – 3 Tassen -2,8 200 ml – 1 Tasse -1,454
Bananen -8,3 120 g – 1 Stück -8,3 120 g – 1 Stück -6,9109
Sellerie -7,5 150 g -7,5 150 g -5,0109 -5,254
Maronen, vorgegart und vakuumiert -7,4 100 g -7,4 100 g -7,4111
Mineralwasser bikarbonatarm 300 mg/l, Hydrogencarbonat-Äquivalent -7,4 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -1,0 fiktiv 200 ml – 1 Glas -0,5 fiktiv
Brokkoli -7,2 200 g -7,2 200 g -3,6109 -1,254
Kidneybohnen, getrocknet -7,2 60 g – trocken -7,2 60 g – trocken -12111
Trockenfeigen -7,2 40 g – 3 Stück -7,2 40 g – 3 Stück -18,1
Rettich -7,1 100 g -7,1 100 g -7,1111
Schwarze Johannisbeere -6,5 100 g -6,5 100 g -6,554
Grapefruit -6,4 200 g – 1 halbe -6,4 200 g – 1 halbe -3,2109 -1,054
Pilze -6,3 150 g -6,3 150 g -4,2109 -1,454
Rosinen -6,3 30 g – 1 Handvoll -6,3 30 g – 1 Handvoll -21,054
Rübensirup/Zuckerrübenmelasse -6,3 20 g – 1 EL -6,3 20 g – 1 EL -31,6111
Grüne Bohnen -6,2 200 g -6,2 200 g -3,154
Pfifferlinge, getrocknet -6,2 10 g – 1 Handvoll -6,2 10 g – 1 Handvoll -61,9111
Tomaten -6,2 150 g – 2 Stück -6,2 150 g – 2 Stück -4,1109 -3,154
Bohnen, weiß, getrocknet -5,9 60 g – trocken -5,9 60 g – trocken -9,9111
Bitterschokolade -5,8 50 g – halbe Tafel -3,5 30 g – 3 Rippen -11,5
Tomatenmark -5,8 30 g – 2 EL -5,8 30 g – 2 EL -19,4111
Karotten, roh -5,7 100 g – 2 Stück -5,7 100 g – 2 Stück -5,7109 jung -4,954
Normale Spaghetti -5,5 250 g – gekocht -5,5 250 g – gekocht -2,2109 6,554 8,0110
Spargel -5,5 250 g -5,5 250 g -2,2109
Orangen -5,4 150 g – 1 Stück -5,4 150 g – 1 Stück -3,6109 -2,754
Bananenchips (Banane, getrocknet) -4,9 25 g – 1 Handvoll -4,9 25 g – 1 Handvoll -19,6111
Kakaopulver, stark entölt -4,9 10 g – 1 EL -4,9 10 g – 1 EL -49111
Trockenpflaumen -4,9 40 g – 4 Stück -4,9 40 g – 4 Stück -12,3111
Aprikosen -4,8 100 g – 3 Stück -4,8 100 g – 3 Stück -4,854
Kiwi -4,5 80 g – 1 Stück -4,5 80 g – 1 Stück -5,6109 -4,154
Mango -4,5 150 g – 1 halbe -4,5 150 g – 1 halbe -3,0109
Rotwein -4,4 200 ml – 1 Glas -4,4 200 ml – 1 Glas -2,2109 -2,411054
Birnen -4,3 150 g – 1 Stück -4,3 150 g – 1 Stück -2,954
Trockenobst, gemischt -4,1 40 g – 1 Handvoll -4,1 40 g – 1 Handvoll -10,3111
Ananas -4,0 150 g – 2 Scheiben -4,0 150 g – 2 Scheiben -2,754
Aubergine -4,0 200 g -4,0 200 g -2,0109 -3,454
Datteln, getrocknet -4,0 40 g – 4 Stück -4,0 40 g – 4 Stück -10,1111
Wassermelone -4,0 200 g -4,0 200 g -2,0109 -1,954
Erdbeeren -3,8 150 g -3,8 150 g -2,5109 -2,254
Pfirsiche -3,6 150 g – 1 Stück -3,6 150 g – 1 Stück -2,454
Sojamehl -3,5 30 g – Backanteil -3,5 30 g – Backanteil -11,5111
Feldsalat -3,3 50 g -3,3 50 g -6,6
Kirschen -3,1 100 g -3,1 100 g -3,1109 3,654
Feldsalat -3,0 50 g – 1 Salatportion -3,0 50 g – 1 Salatportion -6111
Ananas, getrocknet -2,9 30 g – 1 Handvoll -2,9 30 g – 1 Handvoll -9,6111
Apfelringe, getrocknet -2,9 30 g – 1 Handvoll -2,9 30 g – 1 Handvoll -9,6111
Soya -2,9 100 g -2,9 100 g -2,9109
Äpfel -2,9 150 g – 1 Stück -2,9 150 g – 1 Stück -1,9109 -2,254
Blumenkohl -2,6 200 g -2,6 200 g -1,3109 -4,054
Kopfsalat -2,6 60 g – 1 Salatportion -2,6 60 g – 1 Salatportion -4,3109 -2,554
Gurken -2,4 100 g – 1/3 Salatgurke -2,4 100 g – 1/3 Salatgurke -2,4109 -0,854
Sojamilch -2,4 400 ml – 2 Gläser -1,2 200 ml – 1 Glas -0,6
Trinkschokoladenmilch -2,4 400 ml – 2 Gläser -1,2 200 ml – 1 Glas -0,6109 -0,454
Weisswein -2,4 200 ml – 1 Glas -2,4 200 ml – 1 Glas -1,2109 trocken, -1,254
Apfeldicksaft/Fruchtsirup -2,2 20 g – 1 EL -2,2 20 g – 1 EL -11,2111
Rucola -2,2 30 g – 1 Salatportion -2,2 30 g – 1 Salatportion -7,5
Chicoree -2,0 100 g – 1 Staude -2,0 100 g – 1 Staude -2,054
Radieschen -1,9 50 g – 1 Bund-Anteil -1,9 50 g – 1 Bund-Anteil -3,754
Volvic, Hydrogencarbonat-Äquivalent (74 mg/l) -1,8 fiktiv 1500 ml – 1,5 l -0,2 fiktiv 200 ml – 1 Glas -0,1 fiktiv
Grüner Tee -1,8 600 ml – 3 Tassen -0,6 200 ml – 1 Tasse -0,3109
Indischer Tee (Getränk) -1,8 600 ml – 3 Tassen -0,6 200 ml – 1 Tasse -0,354
Lauch -1,8 100 g -1,8 100 g -1,854
Kartoffelstärke -1,7 15 g – 1 EL -1,7 15 g – 1 EL -11,5111
Volvic Mineralwasser -1,6 1500 ml – 1,5 l -0,2 200 ml – 1 Glas -0,154
Paprika, grün -1,4 100 g – 1 halbe -1,4 100 g – 1 halbe -1,454
Apfelpektin -1,1 5 g – zum Gelieren -1,1 5 g – zum Gelieren -21,4111
Eisbergsalat -1,0 60 g – 1 Salatportion -1,0 60 g – 1 Salatportion -1,654
Fassbier -1,0 500 ml – 0,5 l -0,4 200 ml – 1 Glas -0,254
Spargel -1,0 250 g -1,0 250 g -0,454
Zwiebeln -1,0 50 g – 1 mittlere -1,0 50 g – 1 mittlere -2,0109 -1,554
Haselnüsse -0,7 25 g – 1 Handvoll -0,7 25 g – 1 Handvoll -2,854
Guarkernmehl -0,6 5 g – 1 TL -0,6 5 g – 1 TL -11,5111
Johannisbrotkernmehl -0,6 5 g – 1 TL -0,6 5 g – 1 TL -11,5111
Marmelade -0,6 40 g – 2 EL -0,3 20 g – 1 EL aufs Brot -1,554
Petersilie -0,6 5 g – 1 Bund-Anteil -0,6 5 g – 1 Bund-Anteil -12,0
Agar -0,5 2 g – zum Gelieren -0,5 2 g – zum Gelieren -25,5111
Haselnüsse -0,5 25 g – 1 Handvoll -0,5 25 g – 1 Handvoll -1,9109
Tofu -0,5 150 g -0,5 150 g -0,3
Zwiebeln, getrocknet -0,5 5 g – 1 TL -0,5 5 g – 1 TL -9,7111
Basilikum -0,4 5 g – Würzmenge -0,4 5 g – Würzmenge -7,3
Milchschokolade -0,4 30 g – 3 Rippen -0,4 30 g – 3 Rippen -1,3
Zitronen -0,4 20 g – Saft, 2 Spritzer -0,2 10 g – Saft, 1 Spritzer -2,3109 Zitronensaft -2,554
Schnittlauch -0,3 5 g – Würzmenge -0,3 5 g – Würzmenge -5,3
Starkbier -0,3 330 ml – 1 Flasche -0,2 200 ml – 1 Glas -0,154
Honig -0,2 40 g – 2 TL -0,1 20 g – 1 TL -0,354
Margarine -0,2 20 g – 2 Portionen -0,1 10 g – 1 Portion aufs Brot -0,8109 -0,554
Sahne -0,2 50 g – in Kaffee und Speisen -0,1 30 g – 2 EL -0,2109
Butter 0,0 20 g – 2 Portionen 0,0 10 g – 1 Portion aufs Brot 0,1109 0,654
Olivenöl 0,0 30 g – Tagesmenge 0,0 10 g – 1 EL 010954
Sonnenblumenöl 0,0 30 g – Tagesmenge 0,0 10 g – 1 EL 010954
Weisser Zucker 0,0 30 g – Tagesmenge 0,0 10 g – 2 TL -0,154
Sauerrahm, frisch +0,4 30 g – 2 EL +0,4 30 g – 2 EL 1,254
Mandeln +0,5 25 g – 1 Handvoll +0,5 25 g – 1 Handvoll 2,0109
Pistazien +0,5 25 g – 1 Handvoll +0,5 25 g – 1 Handvoll 2,0109
Gemüsebrühe, gekörnt (Pulver) +0,6 5 g – 1 TL +0,6 5 g – 1 TL 11,1111
Milcheis +0,6 100 g – 2 Kugeln +0,6 100 g – 2 Kugeln 0,654
Hühnereiweiß +0,7 35 g – 1 Eiweiß +0,7 35 g – 1 Eiweiß 2,1109 1,154
Milchschokolade +0,7 30 g – 3 Rippen +0,7 30 g – 3 Rippen 2,454
Milch (Vollmilch, Magermilch) +0,8 400 ml – 2 Gläser +0,4 200 ml – 1 Glas 0,2109 0,7110 1,154 pasteurisierte H-Milch 0,754
Biscuit +0,9 30 g – 3 Stück +0,9 30 g – 3 Stück 3,0110
Cola +1,1 500 ml – 0,5 l +0,4 200 ml – 1 Glas 0,2109 0,454
Hefe +1,1 10 g – 1/4 Würfel +1,1 10 g – 1/4 Würfel 10,6111
Linsen +1,3 60 g trocken +1,3 60 g trocken 2,1109 3,554
Pinienkerne +1,3 15 g – 1 EL +1,3 15 g – 1 EL 8,8111
Reis, ungeschält +1,4 60 g roh +1,4 60 g roh 2,3109
Roggenknäckebrot +1,4 40 g – 4 Scheiben +0,7 20 g – 2 Scheiben 3,354
Erdnüsse +1,6 25 g – 1 Handvoll +1,6 25 g – 1 Handvoll 6,2109
Kichererbsen +1,6 60 g trocken +1,6 60 g trocken 2,6109
Walnüsse +1,7 25 g – 1 Handvoll +1,7 25 g – 1 Handvoll 6,854
Fruchtjoghurt +1,8 150 g – 1 Becher +1,8 150 g – 1 Becher 1,254
Buttermilch +1,9 400 ml – 2 Gläser +1,0 200 ml – 1 Glas 0,554
Erdnüsse, ungesalzen +2,1 25 g – 1 Handvoll +2,1 25 g – 1 Handvoll 8,354
Sonnenblumenkerne +2,1 20 g – 1 EL +2,1 20 g – 1 EL 10,3111
Bohnen +2,2 200 g +2,2 200 g unklar: 1,1109 oder -7,4109
Madeirakuchen +2,2 60 g – 1 Stück +2,2 60 g – 1 Stück 3,754
Naturjoghurt +2,2 150 g – 1 Becher +2,2 150 g – 1 Becher 1,554
Kürbiskerne +2,3 20 g – 1 EL +2,3 20 g – 1 EL 11,3111
Cornflakes +2,4 40 g +2,4 40 g 6,054
Erbsen +2,4 200 g +2,4 200 g 1,254
Maistortilla +2,4 50 g – 1 Stück +2,4 50 g – 1 Stück 4,8109
Zwieback +2,4 40 g – 4 Scheiben +1,2 20 g – 2 Scheiben 5,9
Chiasamen +2,6 15 g – 1 EL +2,6 15 g – 1 EL 17,3111
Reis, geschält, roh +2,7 60 g roh +2,7 60 g roh 4,5110 4,654
Weizenvollkornbrot +2,7 150 g – 3 Scheiben +1,8 100 g – 2 Scheiben 1,854
Löffelbiskuit +2,8 20 g – 4 Stück +2,8 20 g – 4 Stück 13,8111
Macadamianusskerne +2,9 25 g – 1 Handvoll +2,9 25 g – 1 Handvoll 11,5111
Paranusskerne +3,2 20 g – 1 Handvoll +3,2 20 g – 1 Handvoll 16111
Reis, gekocht +3,2 200 g gekocht +3,2 200 g gekocht 1,654
Nüsse +3,5 25 g – 1 Handvoll +3,5 25 g – 1 Handvoll 13,8109
Schweinewurst +3,5 60 g – 1 Stück +3,5 60 g – 1 Stück 5,8109
Hühnereigelb +3,6 20 g – 1 Dotter +3,6 20 g – 1 Dotter 18,1109 23,454
Hanfsamen, geschält +4,3 20 g – 1 EL +4,3 20 g – 1 EL 21,34111
Weizentortilla +4,3 60 g – 1 Stück +4,3 60 g – 1 Stück 7,2109
Weißbrot +4,4 120 g – 4 Scheiben +2,2 60 g – 2 Scheiben 3,711054
Dinkel (Grünkern, Vollkorn) +4,5 60 g roh +4,5 60 g roh 7,5
Vollbier, hell +4,5 500 ml – 0,5 l +1,8 200 ml – 1 Glas 0,954
Eiernudeln +5,1 80 g trocken +5,1 80 g trocken 6,454
Räucherlachs +5,2 50 g +5,2 50 g 10,5111
Quinoa, roh +5,3 60 g roh +5,3 60 g roh 8,9111
Hühnerei (Vollei) +5,4 60 g – 1 Ei +5,4 60 g – 1 Ei 9,0109 8,254 4,0110
Blauschimmelkäse +5,6 60 g – 2 Portionen +2,8 30 g 9,3111
Weizenmischbrot +5,7 150 g – 3 Scheiben +3,8 100 g – 2 Scheiben 3,854
Vollkornspaghetti +5,8 80 g trocken +5,8 80 g trocken 7,354
Roggenvollkornmehl +5,9 100 g – Backanteil +5,9 100 g – Backanteil 5,954
Roggenmischbrot +6,0 150 g – 3 Scheiben +4,0 100 g – 2 Scheiben 4,054
Roquefort +6,0 60 g – 2 Portionen +3,0 30 g 10111
Mittagsfleisch +6,1 60 g – 2 Scheiben +6,1 60 g – 2 Scheiben 10,254
Roggenbrot +6,2 150 g – 3 Scheiben +4,1 100 g – 2 Scheiben 4,154
Haferflocken (Vollkorn) +6,4 60 g +6,4 60 g 10,754
Leberwurst +6,4 60 g – 2 Portionen +3,2 30 g aufs Brot 10,654
Parmesan +6,4 30 g – 2 EL gerieben +3,2 15 g – 1 EL gerieben 21,4109 34,254
Schafskäse +6,6 80 g – 2 Portionen +4,1 50 g 8,2111
Wiener Würstchen / Frankfurter Würstchen +6,7 100 g – 2 Stück +6,7 100 g – 2 Stück 6,754
Weizenmehl, Auszug +6,9 100 g – Backanteil +6,9 100 g – Backanteil 6,954
Salami +7,0 60 g – 2 Portionen +3,5 30 g aufs Brot 11,654
Weißbrot +7,2 120 g – 4 Scheiben +3,6 60 g – 2 Scheiben 6,0110
Frischkäse +7,4 60 g – 2 Portionen +3,7 30 g – 1 Portion aufs Brot 12,4109
Brauner Reis +7,5 60 g roh +7,5 60 g roh 12,554
Shrimps +7,6 100 g +7,6 100 g 7,6
Edamer +7,8 60 g – 2 Scheiben +3,9 30 g – 1 Scheibe 13,1111
Corned beef +7,9 60 g – 2 Scheiben +7,9 60 g – 2 Scheiben 13,254
Hüttenkäse +7,9 100 g +7,9 100 g 7,9109 8,754
Bergkäse +8,0 60 g – 2 Scheiben +4,0 30 g – 1 Scheibe 13,3111
Griechischer Joghurt +8,0 150 g – 1 Becher +8,0 150 g – 1 Becher 5,3109
Butterkäse +8,2 60 g – 2 Scheiben +4,1 30 g – 1 Scheibe 13,7111
Weizenmehl, Vollkorn +8,4 100 g – Backanteil +8,4 100 g – Backanteil 8,454
Camembert +9,0 60 g – 2 Portionen +4,5 30 g 15,0112 14,654
Maismehl, Vollkorn +9,6 100 g – Backanteil +9,6 100 g – Backanteil 9,6111
Schellfisch +10,2 150 g – 1 Filet +10,2 150 g – 1 Filet 6,854
Hering +10,5 150 g +10,5 150 g 7,054
Shrimps +11,1 100 g +11,1 100 g 11,1111
Backpulver (Natriumhydrogencarbonat + Säure + Trennmittel) +11,9 4 g – 1 Päckchen +11,9 4 g – 1 Päckchen 297,99111
Cheddar +12,0 60 g – 2 Scheiben +6,0 30 g – 1 Scheibe 20,0110
Einkornmehl +12,0 100 g – Backanteil +12,0 100 g – Backanteil 12111
Fisch +12,0 150 g +12,0 150 g 8,0112
Fleisch +12,0 150 g +12,0 150 g 8,0112
Gouda +12,0 60 g – 2 Scheiben +6,0 30 g – 1 Scheibe 20,0109 18,654
Mozzarella +12,9 125 g – 1 Kugel +6,2 60 g – 1/2 Kugel 10,4111
Emmentaler +13,0 60 g – 2 Scheiben +6,5 30 g – 1 Scheibe 21,5
Garnelen +13,2 100 g +13,2 100 g 13,2109
Kasseler +13,2 150 g +13,2 150 g 8,8111
Kalbsfilet +13,5 150 g +13,5 150 g 9,054
Lachs +13,7 150 g – 1 Filet +13,7 150 g – 1 Filet 9,1111
Rotbarsch +13,7 150 g – 1 Filet +13,7 150 g – 1 Filet 9,1111
Schnitzel, Schwein +13,9 150 g – 1 Schnitzel +13,9 150 g – 1 Schnitzel 9,3111
Greyerzer +14,0 60 g – 2 Scheiben +7,0 30 g – 1 Scheibe 23,32111
Ente +14,2 150 g +14,2 150 g 9,5111
Truthahnfleisch +14,8 150 g +14,8 150 g 9,954
Hering +15,2 150 g +15,2 150 g 10,1111
Krabben +15,5 100 g +15,5 100 g 15,5
Cheddar, fettarm +15,8 60 g – 2 Scheiben +7,9 30 g – 1 Scheibe 26,454
Pute +15,8 150 g +15,8 150 g 10,5111
Ölsardinen +15,9 100 g – 1 Dose abgetropft +15,9 100 g – 1 Dose abgetropft 15,9109
Forelle, braun, gedünstet +16,2 150 g – 1 Filet +16,2 150 g – 1 Filet 10,854
Kalbsleber, roh +16,4 150 g +16,4 150 g 10,9111
Rumpsteak +17,6 200 g – 1 kleines Steak +17,6 200 g – 1 kleines Steak 8,854
Lammfleisch +18,0 150 g +18,0 150 g 12111
Rindfleisch +18,8 150 g +18,8 150 g 12,5109 mager 7,854
Lachs +21,0 150 g – 1 Filet +21,0 150 g – 1 Filet 14,0109
Kalbsleber +21,3 150 g +21,3 150 g 14,2
Rinderleber +22,1 150 g +22,1 150 g 14,7111
Schweinefleisch +22,1 150 g +22,1 150 g 14,7109 mager 7,954
Quark +22,2 200 g +22,2 200 g 11,154
Miesmuscheln +22,8 150 g +22,8 150 g 15,2109
Hühnerfleisch +24,8 150 g +24,8 150 g 16,5109, 11,81111, 8,754
Kabeljau +29,7 150 g – 1 Filet +29,7 150 g – 1 Filet 19,8109 Filet 7,154

5.7. Messung des Urin-pH-Werts

Der Urin-pH-Wert kann zu Hause selbst gemessen werden. pH-Teststreifen aus Drogerie oder Internet reichen dafür völlig aus (Spearman im Labor 0,94 bis 0,95, bei Eigenmessung durch Probanden 0,86 bis 0,87).107 Eine andere Studie berichtet eine Genauigkeit von 70 bis 80 %:113 Bei 114 Patienten mit Harnsteinen unter Kaliumcitrat zeigten Teststreifen mit 6,07 ± 0,74 im 24-Stunden-Urin und 6,02 ± 0,82 in der Nüchternprobe. Ein digitales Messgerät fand dagegen 5,8 ± 0,78 und 5,75 ± 0,83 (p > 0,05). Das wären noch hilfreiche Werte. Allerdings wichen Messungen derselben Probe mit Streifen und Messgerät wichen signifikant voneinander ab (p < 0,05).

6. Mechanische Wirkung von Nahrungsaufnahme

6.1. Nahrungsaufnahme als Voraussetzung für Retardwirkung bei Medikinet

Bei Medikinet adult und Medikinet retard ist eine vorhergehende oder gleichzeitige Nahrungsaufnahme Voraussetzung für die retardierte Wirkstofffreisetzung. Die Fachinformation schreibt die Einnahme zusammen mit oder unmittelbar nach dem Frühstück vor. Bei Einnahme auf nüchternen Magen wird das MPH schneller freigesetzt; der Spitzenspiegel steigt und die Wirkdauer verkürzt sich entsprechend.

Andere Retardpräparate verwenden andere Mechanismen zur retardierten Wirkstofffreisetzung, die nicht auf eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme angewiesen sind, wie z.B.

  • Ritalin adult
  • Ritalin LA
  • Methysym
  • Equasym Retard/XL
  • Methylphenidathydrochlorid-neuraxpharm
  • Kinecteen
  • Methylphenidathydrochlorid Ratiopharm
  • Methylphenidathydrochlorid Hexal

6.2. Nahrungsaufnahme beeinflusst Wirkdauer und tMax

Unabhängig von der Notwendigkeit für die retardierende Wirkung bei einigen MPH-Präparaten und unabhängig von der Beeinflussung des Urin-pH-Werts (in Bezug auf Amphetaminmedikamente) oder des Magen-pH-Werts (in Bezug auf MPH) beeinflussen bestimmte Formen der Nahrungsaufnahme die Wirkung und Wirkdauer von Stimulanzien auf eher mechanische Art und Weise.
Lisdexamfetamin (Elvanse) hat bei fettreichen Mahlzeiten einen um eine Stunde verzögerten maximalen Blutspiegel (4,7 Stunden anstatt 3,8 Stunden nach Einnahme) 31 51 114. Nach Weichnahrung wie Joghurt liegt die Tmax bei 4,2 Stunden. Eine Einnahme in Joghurt eingerührt verschiebt den Wirkbeginn demnach um rund 25 Minuten, eine Einnahme nach einem fettreichen Frühstück dagegen um knapp eine Stunde. Andere Parameter, wie z.B. die Wirkungsdauer, die aufgenommene Gesamtmenge oder die Spitzenkonzentration des Wirkstoffs, ändern sich durch Essen nicht.114 31
Orangensaft zur Einnahme: Das Auflösen des Kapselinhalts in Orangensaft, das die Fachinformation ausdrücklich erlaubt, beeinflusst AUC und Cmax nicht und lässt die aufgenommene Wirkstoffmenge damit unverändert. Der in Abschnitt 5.4 genannte Urin-pH-Effekt von Orangensaft (+ 0,68) betrifft dagegen die Ausscheidung über Stunden, nicht die Aufnahme.
Bei erwachsenen Frauen liegen die auf Körpergewicht und Dosis normalisierten Werte für AUC um 22 % und für Cmax um 12 % niedriger als bei erwachsenen Männern. Das sind erhebliche Unterschiede, die sich bei Kindern nicht fanden. 31

Ein Betroffener berichtet:
“Ich nehme Medikinet adult durchgängig nun seit drei Monaten und habe auch lange gebraucht, meine richtige Einstellung zu finden. Neben der Dosis (bei mir 20-10-0) sind auch andere Bedingungen zur Nahrungsaufnahme bei mir wichtig gewesen. Zu viel Essen während der Einnahme ist bei mir problematisch, zu wenig auch. Und ich habe eine bessere Wirkung, wenn ich zur Einnahme etwas Kohlenhydratlastiges zu mir nehme.”

6.3. Wirkstoffabsorption

Manche Nahrungsmittel haben die Fähigkeit, Wirkstoffe zu absorbieren und dadurch den Wirkbeginn und die Wirkdauer zu verzögern.
Beispiel:

  • Flohsamen115116, weshalb hier ein Abstand zur Einnahme anderer Medikamente von einer halben bis einer Stunde empfohlen wird117

7. Körperliche Betätigung / Sport

Einzelne Betroffene berichten, dass intensiver Sport die Wirkdauer von Stimulanzien deutlich verkürzen kann (ein Betroffener schätzte 40 %)118. Systematische Untersuchungen zur Medikamentenwirkung liegen nicht vor. Der zugrunde liegende Mechanismus ist jedoch gut belegt: Schwere körperliche Arbeit unter Hitze senkt den Urin-pH-Wert messbar.101 Intensive körperliche Belastung erzeugt eine Laktatazidose, die den Urin ansäuert, was die Wirkdauer von Amfetaminmedikamenten verkürzen kann.

8. Nikotin / Rauchen

Mehrere Betroffene berichteten von einer Veränderung der Stimulanzienwirkung durch Rauchen.
Berichtet wurde (jeweils im Einzelfall als Besonderheit bei Stimulanzieneinnahme):

  • Ein Betroffener berichtet:
    • erhöhtes Nikotinverlangen 4 h nach Elvanse-Einnahme
    • nach der ersten Zigarette am Tag etwas antriebslos und Müdigkeitseintritt
    • Ein Tag ohne Zigarette und nur mit Elvanse läuft ok bis auf die auftretende Unruhe durch Nikotinentzug, aber Motivation und Wirkung ist bis nachmittags/abends da
    • Umstieg auf Nikotin-„Kaugummis“ statt zu rauchen/dampfen bewirkte deutlich höhere Ausgeglichenheit und keine Müdigkeit mehr mittags
  • Eine Betroffene beschrieb eine medikamentenabhängige Wirkung:
    • Elvanse + Nikotin: abgeschwächte Wirkung, negative Gefühle
    • MPH + Nikotin verstärkte Wirkung, Kick (zugleich größerer Abfall/Rebound)
  • Eine Gelegenheitsraucherin:
    • schon ein, zwei Zigaretten bewirken bereits, dass Elvanse und MPH nicht mehr richtig wirken
    • es dauert dann einige Tage, bis sie wieder richtig wirken
    • Normalerweise schlafe ich mit Elvanse mittlerweile gut. Wenn ich geraucht habe, schlafe ich schlechter.
    • der Unterschied der Wirkung von Elvanse, wenn ich länger nicht geraucht habe, ist enorm
  • Ein Betroffener:
    • Wenn ich mich überfordere, bekomme ich Lust auf Rauchen, als Mittel zur Kompensation bzw. als Mittel, um mich weiter anzutreiben.
    • Anfangs funktioniert das auch, nach ein paar Tagen schlägt es um. Ich werde energieloser und die Stimmung wird schlechter.
    • Langfristig tut es mir nicht gut und es verträgt sich nicht mit den Medikamenten. Die Wirkung wird schlechter und am Ende geht es mir schlechter
  • Eine Dampferin:
    • Nach der MPH-Einnahme bewirkt Dampfen bei mir Müdigkeit und Kopfschmerzen
    • Nikotin verstärkt die MPH-Wirkung

9. Alkohol

Für Alkohol wird eine Erhöhung des Dexamfetaminspiegels beschrieben; die zugrunde liegenden Messdaten zeigen allerdings keinen klinisch bedeutsamen Effekt bei d-Amfetamin und sogar eine umgekehrte Tendenz (Einzeldosis 0,09 mg/kg): AUC über vier Stunden von 46,3 mit Ethanol (850 mg/kg) vs. 49,4 ohne).119
Anders bei Methylphenidat: Bei gleichzeitigem Alkoholkonsum entsteht der Metabolit Ethylphenidat, und die d-Methylphenidat-Exposition steigt signifikant.120

10. Zyklus

Der weibliche Zyklus beeinflusst den Dopaminspiegel. Östrogen beeinflusst COMT, welches im PFC Dopamin abbaut.121
Betroffene mit bestimmten COMT-Genvarianten sind besonders anfällig.
Je nach Zyklusphase kann die erforderliche Stimulanziendosis schwanken.122123
Bei der Eindosierung von Stimulanzien sollten Frauen einen entsprechenden Beobachtungsbogen führen, um Zyklusschwankungen und Medikamentenwirkung gemeinsam zu erfassen. Nur so wird erkennbar, ob in bestimmten Zyklusphasen die Medikamentendosis angepasst werden muss. Die Eindosierungshilfetabelle, die im Downloadbereich des adhs-forum.adxs.org kostenlos zur Verfügung steht, erleichtert die Erfassung von Medikamenteneinnahme, Symptomentwicklung und Zyklus.

11. Leberfunktion

11.1. Alter

Die hepatische Metabolisierung kann sich im Alter verlangsamen, unter anderem durch eine schlechtere Durchblutung der Leber.2124

Ein verringerter CYP-Metabolismus im Alter ist für folgende Psychopharmaka bekannt:3536

  • Alprazolam (nur Männer)
  • Chlordiazepoxid
  • Desipramin (nur Männer)
  • Diazepam
  • Imipramin
  • Nortriptylin
  • Trazodon
  • Triazolam (nur Männer)

Der Abbau verringert sich im Schnitt um 30 bis 40 %, jedoch individuell so unterschiedlich, dass wie bei der Eindosierung jeder Einzelfall zu betrachten ist.

11.2. Krankheiten

Erkrankungen der Leber können die Leberfunktionalität (stark) einschränken. Eine verringerte Eiweißsynthese in der Leber verringert automatisch die Plasmaproteinbindung, was den Abbau von Stoffen durch die Enzyme in der Leber abschwächt.
Bei einer Einschränkung der Gallensaftproduktion in der Leber wird die Ausscheidung großer Moleküle reduziert und der enterohepatische Kreislauf beeinträchtigt.
Herzinsuffizienz vermindert den Leberblutfluss.

11.3. First-Pass-Effekt

“Die Darmvenen werden über die Leber zum Herzen geführt, sodass ein im Darm resorbierter Stoff eine Leberpassage durchmacht, bevor er über große Hohlvene und Herz weiter verteilt werden kann. Falls ein Stoff diese erste Leberpassage nur in geringem Maße übersteht, spricht man von einem hohen First-Pass-Effekt. Ergebnis dieses Effektes ist, dass trotz guter Resorption nur kleine Mengen des Wirkstoffs systemisch zur Verfügung stehen. Durch den “First-pass-Effekt” können Substanzen schnell in der Leber verändert oder inaktiviert werden (präsystemische Elimination).”44

Auch der First-Pass-Effekt unterliegt individuellen Unterschieden.
Ab dem 40. Lebensjahr nimmt der First-Pass-Effekt jährlich um rund 1 % ab, sodass bei gleicher Dosis bei Älteren die Blutserumwerte erhöht sind.3536

11.4. Rauchen

Rauchen kann die Metabolisierung durch Leberenzyme beeinflussen.

12. Nierenfunktion

Der Abbau von Sympathomimetika ist von der Nierenfunktion abhängig.125 Hinsichtlich Amfetaminmedikamenten ist zusätzlich relevant, dass die Nierenfunktion auch den pH-Wert beeinflusst, der wiederum den Abbau von Amfetamin beeinflusst.126

13. Rezeptor-Sensibilität

Arzneiwirkstoffe können an Rezeptoren, Transportern, Ionenkanälen oder Enzymen binden und dort Wirkungen auslösen. Die Empfindlichkeit dieser Empfängerstrukturen beeinflusst die Wirksamkeit.
Die Empfindlichkeit der Empfängerstrukturen kann durch Varianten der sie codierenden Gene beeinflusst werden.

Beispiele:

  • Eine Kombination von sechs Polymorphismen in Genen, die für die 5-HT2A-, 5-HT2C-, Histamin-H2-Rezeptoren und den Serotonintransporter codieren, sagte in einer frühen Untersuchung das Ansprechen auf Clozapin bei Schizophrenie mit 76,6 % Trefferquote voraus.127128 Die sechs Polymorphismen wurden aus 33 untersuchten Polymorphismen in 19 Genen ausgewählt. Bei einem Heraussuchen der passendsten Kombinationen aus 33 Kandidaten ist eine hohe Trefferquote in derselben Stichprobe statistisch zu erwarten. Die Ergebnisse konnten nicht reproduziert werden.129
  • Fehlende Wirkung von Tamoxifen beim Mammakarzinom bei fehlender Östrogenrezeptorexpression130
  • Bei ADHS-Medikamenten wird ein Einfluss des DAT-Gens auf die MPH-Response erörtert, hat sich aber bislang nicht bestätigt131
  • Bei ausreichendem Vitamin-D-Blutspiegel können verringert empfindliche Rezeptoren gleichwohl zu einem funktionellen Vitamin-D-Mangel führen

14. Blut-Hirn-Schranke: Übertritt ins Gehirn

Durch die Blut-Hirn-Schranke werden Blutgefäße im Gehirn sehr dicht gegen unkontrollierten Austausch von Stoffen in das Gehirn abgeschlossen. Es soll möglichst nur ein kontrollierter Austausch über Transporter und Vesikel erfolgen.
Die Blut-Hirn-Schranke umfasst eine Reihe von physiologischen Eigenschaften, die in den Endothelialzellen des Gehirns im Vergleich zu denen im Körper entweder induziert (Tight Junctions, Transporter, Stoffwechselenzyme) oder gehemmt (Transzytose, LAM) werden müssen.132
Eine grundlegende Einführung zur Blut-Hirn-Schranke in deutscher Sprache findet sich bei Physiologie.cc133, in englischer Sprache bei Daneman und Prat.132

Beispiel:

  • P-Glykoprotein (MDR1-Gen): kontrolliert den Transfer von Arzneistoffen in das Gehirn
    • MDR1-Genvarianten beeinflussen dessen Wirksamkeit. Herabgesetzte MDR1-Funktion schwächt Blut-Hirn-Schranke, Arzneistoffe können vermehrt ins Gehirn übertreten, was deren Wirkung erhöhen kann, obwohl der Blutplasmaspiegel unverändert ist.130

Ungleichgewichte im Darmmikrobiom können die Blut-Hirn-Schranke beeinflussen und dadurch den Schutz des Gehirns vor Giftstoffen, Erregern oder die Versorgung mit Nährstoffen beeinträchtigen. Mehr hierzu unter Darm-Hirn-Achse und ADHS im Kapitel Entstehung

Mehr zur Blut-Hirn-Schranke unter Blut-Hirn-Schranke und ADHS im Kapitel Entstehung

15. Metabolisierungsenzyme: Abbau

Man geht von mehreren hundert Genen beziehungsweise Genprodukten aus, die die Arzneimittelwirkung verändern können. Ein Wirkstoff kommt auf seinem Weg durch den Körper – von der Aufnahme bis zur Ausscheidung – mit etwa 30 bis 40 Proteinen in Kontakt. 134 Dies erklärt, warum die Wirkung so stark zwischen Menschen schwanken kann.
Viele Medikamente werden durch Enzyme abgebaut, vornehmlich in der Leber.
Manche Wirkstoffe entstehen erst durch einen vorhergehenden enzymatischen Umbau von Arzneistoffen.
Wirkstärke: Je nach Genvariante wird das durch das Gen kodierte Enzym vermehrt oder verringert synthetisiert, was die Abbaukapazität beeinflusst.
Konkurrenz: Werden mehrere Medikamente eingenommen, die über dasselbe Enzym abgebaut werden, konkurrieren diese um das abbauende Enzym, was die Wirkdauer dieser Medikamente verlängert und Nebenwirkungen erhöht.
Daneben gibt es Wirkstoffe, die ein Enzym hemmen (Inhibitoren) oder fördern (Induktoren), was deren Wirksamkeit in Bezug auf den Medikamentenabbau entsprechend beeinflusst.

Metabolisierungsenzyme katalysieren beim Menschen zwei Arten von Biotransformationsreaktionen130

  • Phase-1-Reaktionen:
    • Funktionalisierungsreaktionen
      • Oxidation, Reduktion, Hydrolyse und Hydratisierung
    • Wirkweise:
      • Einführung funktioneller Gruppe(n) (z.B. einer Hydroxylgruppe) in das unpolare Molekül oder
      • Freilegung entsprechender funktioneller Gruppen
  • Phase-2-Reaktionen
    • Konjugationsreaktionen
      • Glucuronidierung, Sulfatierung, Methylierung, Acetylierung sowie die Konjugation mit Aminosäuren und Glutathion
    • Wirkweise:
      • Koppelung funktioneller Gruppen mit sehr polaren, negativ geladenen endogenen Molekülen (z.B. Glucuronsäure)

Wir gehen im Folgenden nur auf diejenigen Enzyme ein, die ADHS-Medikamente betreffen. Dies deckt jedoch bereits die wichtigsten Enzyme ab.
CYP3A4 (Guanfacin) ist am Abbau von etwa der Hälfte aller Arzneistoffe beteiligt, CYP2D6 (Atomoxetin, nachrangig auch Amphetaminmedikamente) an rund einem Viertel.

15.1. Abbau erhöht / verringert je nach Metabolisierungsenzym-Genvariante

Der Abbau von Wirkstoffen oder Neurotransmittern wird davon beeinflusst, wie aktiv die Genvariante ist, die das Protein exprimiert, das ihre Metabolisierungsenzyme synthetisiert. Manche Genvarianten bewirken eine erhöhte oder überhöhte, manche eine verringerte oder gar keine Proteinproduktion.
Gen-Polymorphismus haben ebenfalls einen solchen Einfluss. Ein gut untersuchtes Beispiel ist der COMT-Val158Met-Polymorphismus. Bei Trägern des Val/Val-Genotyps – die wegen der hohen COMT-Aktivität einen vergleichsweise niedrigen Dopaminspiegel im präfrontalen Kortex haben – steigerte Amfetamin die Effizienz des PFC, indem es den Dopaminspiegel erhöhte. Bei Trägern des Met/Met-Genotyps hatte Amfetamin dagegen bei niedriger bis mittlerer Arbeitsgedächtnislast keinen Effekt und verschlechterte die kortikale Effizienz bei hoher Arbeitsgedächtnislast. Zugrunde liegt die umgekehrt-U-förmige Beziehung zwischen präfrontalem Dopamin und Leistung: Val/Val liegt links vom Optimum und wird durch Amphetamin in Richtung Optimum erhöht, Met/Met liegt bereits nahe am Optimum und wird durch Amphetamin über das Optimum hinausgeschoben.
Menschen mit Met/Met-Genotyp – in europäischstämmigen Bevölkerungen etwa 15 bis 20 % – scheinen damit ein erhöhtes Risiko für eine ungünstige Reaktion auf Amfetamin zu haben.135 Bei Trägern des COMT-Val-158-Met-Gen-Polymorphismus erhöht Amphetamin die Effizienz des PFC bei Probanden mit vermutlich geringem Dopaminspiegel im PFC. Bei Trägern des COMT Met-158-Met-Polymorphismus hatte Amphetamin dagegen keinen Effekt auf die kortikale Effizienz bei niedriger bis moderater Arbeitsgedächtnislast und verursachte eine Verschlechterung bei hoher Arbeitsgedächtnislast. Individuen mit dem Met-158-Met-Polymorphismus scheinen ein erhöhtes Risiko für eine nachteilige Reaktion auf Amphetamin zu haben.135
Dies konnte indes nicht reproduziert werden.136

15.1.1. ADHS-Wirkstoffe und ihre Hauptabbauenzyme

ADHS-Wirkstoffe werden von unterschiedlichen Enzymen abgebaut:

Methylphenidat: CES1
Amphetaminmedikamente: CYP2D6 (daneben stark von pH-Wert abhängig)
Atomoxetin: CYP2D6
Bupropion: CYP2B6130 sowie etwas über CYP2A6
Guanfacin: CYP3A4
Clonidin: unbekannt
Buspiron: CYP3A4
Memantin: unbekannt, wohl nicht durch CYP55
Viloxazin: CYP2D6, UGT1A9, UGT2B15, möglicherweise auch durch CYP1A2
Melatonin: CYP1A
Dasotralin: unbekannt
Agomelatin: CYP1A2 (90 %), CYP2C9/2C19 (10 %)

Siehe hierzu die umfassenden Beiträge zu den Metabolisierungsenzymen der jeweiligen ADHS-Medikamente:

CES1 Metabolisierungsenzym:

  • Methylphenidat (MPH)

CYP2D6 Metabolisierungsenzym:

  • Amphetaminmedikamente (AMP)
  • Atomoxetin
  • Bupropion: CYP2B6130 sowie etwas über CYP2A6, aber starker CYP2D6 Inhibitor

CYP3A4 Metabolisierungsenzym:

  • Guanfacin
  • Buspiron

15.1.2. Pharmakogenetische Diagnostik

Durch Genuntersuchungen können die Genvarianten von Metabolisierungsenzymen festgestellt werden. 134

Geeignete Labore finden sich bei einer Suche nach Labor CES1 (für MPH) oder Labor CYP2D6 (Amphetaminmedikamente, Atomoxetin). Die Laborleistung soll in Deutschland via Krankenkassen abgerechnet werden können, wenn diese von einem Arzt verschrieben wurde.

Eine Labordiagnostik der 22 wichtigsten Metabolisierungs-Gene (einschließlich des für die CYP-Genfamilie wichtigen POR-Gens) kostete Stand September 2023 rund 600 €.
Ein Muster-Diagnosebericht findet sich bei CeGaT, einem Anbieter für genetische Diagnostik in Tübingen.137 Genanalysen einzelner Metabolisierungs-Gene lagen im September 2023 bei rund 300 €.

15.2. Konkurrenz um Abbau und Kreuzwirkungen

Die Wirkung von Medikamenten kann durch ihre Abbauenzyme auf verschiedene Weise beeinflusst werden.

Risiko:
Die nachfolgend beschriebenen Mechanismen von Konkurrenz, Inhibition, Induktion oder Beeinflussung der Genexprimierung müssen bei der Medikationsplanung beachtet werden. Ihre Missachtung stellt ein Risiko oder gar einen Behandlungsfehler dar. Ein neues Medikament kann die Wirkung eines bereits eindosierten Medikaments beeinflussen (und umgekehrt), sodass das Risiko von Wirkungsverlust und/oder Überdosierung des neuen oder des oder der bestehenden Medikamente entsteht.

Nutzen:
Dieselben Wirkpfade können jedoch auch geplant genutzt werden und dann hilfreich wirken.
Eine bewusste Kombination von zueinander konkurrierenden, inhibierenden oder genetisch regulierenden Medikamenten kann dagegen hilfreich sein, die Wirksamkeit einzelner Medikamente zu verbessern. So können Medikamente, die gleichzeitig eindosiert werden, bei Beachtung der Interaktionen entsprechend vorsichtig oder nachdrücklich dosiert werden. Ebenso ist eine bewusste Nutzung solcher Kombinationen möglich, um beispielsweise bei Superschnellverstoffwechslern die Wirkung zu verbessern oder bei Langsammetabolisierern den Abbau zu verbessern.
Beispiel: Ein Betroffener, der eine Dosis Lisdexamfetamin in 5-6 Stunden verstoffwechselte, berichtete uns, dass eine Kombination mit 150 mg Bupropion die Wirkungsdauer des Lisdexamfetamin sehr hilfreich verlängerte. Elvanse wird via CYP2D6 verstoffwechselt; Bupropion und seine Metaboliten hemmen in vitro CYP2D6 schwach und reversibel und bewirken genetisch eine Herunterregulation von CYP2D6. 138 Erst beide Wirkpfade gemeinsam können die starke Wirkung in vivo erklären.
Allerdings senkt Bupropion die Krampfschwelle, weshalb eine Kombination keine harmlose Feinjustierung darstellt, sondern in ärztliche Hand gehört. Zu den klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen von ADHS-Medikamenten siehe auch Schoretsanitis et al. (2019). 119

15.2.1. Konkurrenz

Konkurrenz anderer Substrate: Wenn mehrere Wirkstoffe an dasselbe Enzym binden (Substrate) und von diesem abgebaut werden, konkurrieren sie bei gleichzeitiger Gabe um die vorhandene Menge an Abbauenzymen. Dies kann den Abbau verzögern.

15.2.2. Inhibition

Inhibition: Arzneimittel können die Wirkung von Enzymen behindern (inhibieren), selbst wenn sie von ganz anderen Enzymen abgebaut werden

15.2.3. Induktion

Induktion: Arzneimittel können die Wirkung von Enzymen verstärken (induzieren)

15.2.4. Genetische Regulation

Genetische Regulation: Medikamentenwirkstoffe können Metabolisierungsenzyme auch durch genetische Regulation beeinflussen.
Beispielsweise sind Bupropion und seine Metaboliten in vitro nur schwache Inhibitoren von CYP2D6 – zu schwach, um das Ausmaß der in vivo beobachteten Wechselwirkung zu erklären. In Leberzellkulturen zeigte sich zusätzlich eine Herunterregulation von CYP2D6. Erst beide Mechanismen zusammen, reversible Hemmung und Herunterregulation, erklären die starke CYP2D6-Hemmung durch Bupropion im Körper.138

16. Ausscheidung: Renaler Blutfluss

Da Amphetamin über die Nieren ausgeschieden wird, spielt neben der Gesamtdosis auch der renale Blutfluss eine zwar geringe, aber messbare Rolle für die Wirkungsdauer.5
Eine weitere Folge davon ist, dass sich der Amphetamin-Blutspiegel langsamer verändert und weniger anfällig für Rebound ist als bei Methylphenidat.5
Die glomeruläre Filtrationsrate verringert sich ab dem 40. Lebensjahr im Schnitt um 8 ml/min/1,73 m²/Dekade (0,1 ml/s/m²/Dekade). Es bestehen erhebliche individuelle Unterschiede.3536

  • Brexpiprazol
  • Lurasidone
  • Paliperidon
  • Risperidon

Die Serumkreatininspiegel bleiben im Alter trotz Abnahme der glomerulären Filtrationsrate oft im Normbereich, aufgrund verringerter Muskelmasse und verringerter körperlicher Aktivität, sodass der Serumkreatininspiegel im Alter nicht mehr die normale Nierenfunktion widerspiegelt. Der Abbau von durch die Niere ausgeschiedenen Psychopharmaka ist im Alter verringert.3536

17. Genvarianten und Response

Eine Studie, die eine genomweite Assoziationsanalyse (GWAS) mit Methoden des maschinellen Lernens kombinierte, fand Einflüsse verschiedener Gene auf die Response auf MPH und ATX:139

  • auf Chromosom 12, SNP: rs10880574 (p = 2,39 × 10⁻⁹), in der 5-Prime-UTR-Intron-Region des Gens TMEM117 (Transmembranprotein 117). TMEM117 findet sich in der Plasmamembran und ist zudem am intrinsischen apoptotischen Signalweg bei der Reaktion auf Stress im endoplasmatischen Retikulum beteiligt.
  • auf Chromosom 18, SNP: rs2000900 (p = 3,31 × 10⁻⁹). Nächstgelegenes Gen: MYO5B (Myosin 5 B), das am vesikulären Transport beteiligt ist und in einem Komplex mit RAB11A und RAB11FIP2 für den Transport von NPC1L1 zur Plasmamembran benötigt wird. MYO5B wird vor allem in Verdauungsorganen exprimiert und spielt eine Rolle bei Stoffwechselprozessen.
  • NKAIN2, ein ADHS-Kandidatengen
  • PUS7L
  • CTD-2561J22.3.

18. Darreichungsformen

Die Bindung von ionisierbaren Wirkstoffen an Salze beeinflusst pharmakologisch140

  • physikalisch-chemische Eigenschaften
    • Verbesserung der Wasserlöslichkeit schwach saurer und basischer Wirkstoffe
  • Eigenschaften der Darreichungsform
  • biopharmazeutische Merkmale
    • z.B. Sicherheit und Verträglichkeit
  • therapeutische Wirksamkeit

Die meistverwendeten Gegenionen sind140

  • für basische Wirkstoffmoleküle
    • Hydrochlorid
    • Mesylat
      • hohe Wasserlöslichkeit; in einer Vergleichsreihe von dreizehn Salzformen eines basischen Wirkstoffs war das Dimesylat mit 59,1 mg/ml das löslichste141
    • Hydrobromid
    • Acetat
    • Fumarat
    • Sulfonat141
      • Methansulfonat
      • Kampfersulfonat
  • für schwach saure Wirkstoffe
    • Natrium
    • Calcium
    • Kalium

19. Erythrozytenfunktion bei Lisdexamfetamin

Die bisherige Studienlage zeigt, dass die Umwandlungsgeschwindigkeit von LDX durch die Erythrozyten zu dAMP beim Menschen um mindestens 56 % schwanken kann. Diese Spanne stammt aus nur sechs Menschen, bei denen die Erythrozyten-Hydrolyse individuell (nicht gepoolt, nicht verdünnt) vermessen wurde – vier davon in Pennick (2013), zwei in Pennick (2010). Bei einer Analyse einer größeren Probandenzahl ist eine größere Bandbreite zu erwarten. Andere Studien deuten auf eine noch größere mögliche Bandbreite hin.
LDX wird als intaktes Prodrug über den Peptidtransporter PEPT1 aufgenommen, der im Dünndarm stark, im Dickdarm aber kaum vorhanden ist. Nach Perfusion des Rattendünndarms waren LDX und d-Amfetamin im Blut nachweisbar, nach Perfusion des Dickdarms nicht. 37
Das erklärt, warum die Aufnahme bei beschleunigter Darmpassage leiden kann, und passt zu der Beobachtung in Abschnitt 3 zu Magen-Darm-Einflüssen.

Eine kurze t½ entspricht einer schnellen Umwandlung. Der Minimalwert der Geschwindigkeit entspricht also dem Maximalwert der Halbwertszeit.

Ebene t½-Spanne k (h⁻¹) Bandbreite Grundlage
In vivo, individuell 0,39 – 0,55 h 1,26 – 1,77 40 % 6 Personen, kₑ im Original berichtet
In vivo, alle Gruppenmittel (Dosis + Nahrung) 0,41 – 0,9 h 0,77 – 1,69* 120 % 4 Studien
In vitro, individuell (unverdünnt) 0,87 – 1,36 h 0,51 – 0,80* 56 % 6 Personen
Gesamt human 0,39 – 1,6 h 0,43 – 1,78* 310 % s. o.

* kₑ-Werte mittels k = ln2/t½ berechnet

Bandbreite von 310 % bedeutet: Die am langsamsten umwandelnde Person brauchte 4,1-mal so lange wie die schnellste.

Die In-vivo-t½ scheint mithin nicht die Hydrolysegeschwindigkeit, sondern die Summe aus Hydrolyse, Verteilung und renaler Ausscheidung abzubilden und ist daher von der in vitro-t1/2 zu unterscheiden.

19.1. In vitro

LDX 1 µg/mL, 37 °C, Inkubation bis 4 h, LC-MS/MS

Matrix / Bedingung Design t½ berichtet t½ min t½ max Bandbreite d-Amfetamin nach 4 h Quelle
Humanes Vollblut in vitro 1,6 h Pennick (2010)37
Humanes Vollblut (gepoolt, n = 3 Spender) in vitro 1,6 h (SD 0,5); 82 % (SD 8) Verlust nach 4 h 1,1 h * 2,1 h * 91 % * 446 ng/mL (SD 20) Sharman & Pennick (2014)142
Humanes Vollblut, 2 gesunde Spender in vitro 1,15 / 1,13 h; Rest 13,1 % / 10,5 % 1,13 h 1,15 h 1,8 % 297,0 / 324,3 ng/mL Pennick (2013)143
Humanes Vollblut, 2 Spender mit Sichelzellkrankheit in vitro 1,30 / 1,36 h; Rest 14,1 % / 15,3 % 1,30 h 1,36 h 4,6 % ‡ 304,5 / 286,6 ng/mL Pennick (2013)143
Isolierte Erythrozyten, 2 Spender in vitro Ø 1,0 h 0,87 h 1,10 h 26,4 % ‡ Pennick (2010)37
Erythrozyten, variierender Hämatokrit (10–90 %) in vitro nur grafisch publiziert n. b. n. b. n. b. Pennick (2010)37Abb. 8; Pennick (2013)143
Erythrozyten-Lysat (1:5 verdünnt) in vitro keine t½ berechnet; 24 % Verlust / 4 h 102 ng/mL Sharman & Pennick (2014)142
Erythrozyten-Zytosolextrakt (1:3 verdünnt) in vitro 4,1 h (SD 0,99); ca. 50 % Verlust / 4 h 3,1 h * 5,1 h * 65 % * 223 ng/mL (SD 53) Sharman & Pennick (2014)142
Erythrozyten-Membranfraktion in vitro kein messbarer Abbau 29 ng/mL Sharman & Pennick (2014)142
Humanes Plasma in vitro über 4 h vollständig stabil < LOD (10 ng/mL) Sharman & Pennick (2014)142
PBMC, PMN, Thrombozyten in vitro stabil vernachlässigbar Pennick (2010)37
Humanes Nierenhomogenat in vitro 2,3 h Pennick (2010)37
Humanes Leberhomogenat in vitro 9,7 h Pennick (2010)37
Vergleich: Rattenvollblut in vitro 1,0 h Pennick (2010)37
Vergleich: Rattenleber in vitro 2,5 h Pennick (2010)37
Studienübergreifend: alle Einzelpersonen, unverdünnte Matrix in vitro 0,87 h 1,36 h 56,3 % Pennick (2010)37Pennick (2013)143

* Aus Mittelwert ± 1 SD abgeleitet, nicht publiziert; SD aus Wiederholungsexperimenten mit gepooltem Blut (Assay-Streuung), keine interindividuelle Variabilität.

‡ Aus nur zwei Messwerten berechnet — beschreibt den Abstand dieser beiden Personen, keine belastbare Streuungsschätzung.

19.2. In vivo

Gesunde Erwachsene, orale Einzeldosis

Parameter Design Wert berichtet min max Bandbreite Art der Spanne Quelle
LDX Plasma-t½, 70 mg (n = 6) in vivo 0,45 ± 0,06 h 0,39 h 0,55 h 41,0 % individuell Comiran et al. (2021)144, Tab. 1
LDX Plasma-t½, 70 mg nüchtern (n = 13) in vivo 0,41 ± 0,07 h Gruppenmittel Krishnan & Zhang (2008)31, Tab. III
LDX Plasma-t½, 70 mg als Lösung (n = 17) in vivo 0,44 ± 0,10 h Gruppenmittel Krishnan & Zhang (2008)31
LDX Plasma-t½, 70 mg mit fettreicher Mahlzeit (n = 16) in vivo 0,63 ± 0,20 h (53,7 %) † Gruppenmittel, Nahrungseffekt Krishnan & Zhang (2008)31
LDX Plasma-t½, 50–250 mg (n = 9–20 je Dosis) in vivo 0,6 / 0,7 / 0,7 / 0,9 / 0,9 h (50,0 %) † Dosistrend Ermer et al. (2010)30, Tab. II
LDX kₑ Plasma, 70 mg in vivo 1,57 ± 0,19 h⁻¹ 1,26 1,77 40,5 % individuell Comiran et al. (2021)144
LDX tmax, 70 mg in vivo 1,2 ± 0,3 h 0,8 h 1,5 h 87,5 % individuell Comiran et al. (2021)144
LDX tmax, nüchtern / Lösung / mit Nahrung in vivo 1,15 / 0,97 / 2,08 h (114,4 %) † Gruppenmittel, Nahrungseffekt Krishnan & Zhang (2008)31
LDX tmax, 50–250 mg in vivo 1,0–1,5 h (Median) 1,0 h 1,5 h 50,0 % Dosisgruppen Ermer et al. (2010)30
d-Amfetamin Plasma-t½, 70 mg in vivo 10,70 ± 2,09 h 7,77 h 13,95 h 79,5 % individuell Comiran et al. (2021)144, Tab. 2
d-Amfetamin Plasma-t½, nüchtern / fed / Lösung in vivo 9,69 / 9,59 / 9,37 h (3,4 %) † Gruppenmittel Krishnan & Zhang (2008)31, Tab. I
d-Amfetamin Plasma-t½, 50–250 mg in vivo 10,9–12,4 h (Mean) (13,8 %) † Dosisgruppen Ermer et al. (2010)30, Tab. I
d-Amfetamin Plasma-t½, 50 mg (n = 35) in vivo 11,43 ± 1,94 h Gruppenmittel Faison et al. (2021)145, Tab 1.
d-Amfetamin kₑ Plasma, 70 mg in vivo 0,07 ± 0,01 h⁻¹ 0,05 0,09 80,0 % individuell Comiran et al. (2021)144
d-Amfetamin tmax, 70 mg in vivo 3,8 ± 0,8 h 3,0 h 5,0 h 66,7 % individuell Comiran et al. (2021)144
d-Amfetamin tmax, nüchtern / fed / Lösung in vivo 3,78 / 4,72 / 3,33 h (41,7 %) † Gruppenmittel Krishnan & Zhang (2008)31
d-Amfetamin tmax, 50–250 mg in vivo 4 bis 6 h (Median) 4 h 6 h 50,0 % Dosisgruppen Ermer et al. (2010)30
d-Amfetamin tmax, 50 mg (n = 35) in vivo 3,00 h (Median) 2,0 h 5,03 h 151,5 % individuell Faison et al. (2021)145, Tab 1.
Studienübergreifend: LDX Plasma-t½, alle Bedingungen in vivo 0,39 h 0,90 h 130,8 % gemischt Comiran et al. (2021)144 Krishnan & Zhang (2008)31; Ermer et al. (2010)30

† Wert in Klammern: aus Gruppenmittelwerten berechnet, bei denen min/max-Zellen leer sind. Dies bildet einen Nahrungs- bzw. Dosiseffekt ab, keine interindividuelle Spannweite. Nicht mit den ungeklammerten Werten in einer Aussage zu vergleichen.


  1. Weih, Haen (2023): Therapeutisches Drug Monitoring in der Psychiatrie; NeuroTransmitter 2023; 34 (7-8), S. 25 - 29; deutsch

  2. Le (2022): Übersicht Pharmakokinetik; MSD manuals deutsch

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  8. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/media/53ec94e833af614b730097d1/source/20080530092715_adhs2.pdf

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  10. https://www.adhspedia.de/wiki/Medikamente

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  12. Umfrage ADxS.org, n = 20; Stand 09.09.23

  13. Rodden (2021): Short-Acting Stimulants Vs. Long-Acting Stimulants: Comparing ADHD Medications and Durations; Stand14.09.2022

  14. Umfrage ADxS.org, n = 15; Stand 09.09.23

  15. Medikamenten-Fachinformation des Herstellers ratiopharm

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  17. Kohns (2019): Arzneimittel in der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), neue Akzente 3/19

  18. https://www.adhspedia.de/wiki/Ritalin_Adult

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