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Bupropion bei AD(H)S

Inhaltsverzeichnis

Bupropion bei AD(H)S

Handelsnamen: Elontril, Wellbutrin, Zyban
Wirkstoffname vor 2000: Amfebutamon

Der Wirkstoff Bupropion ist ein Amphetamin-Derivat.1
Es wird klassisch nicht als Stimulanz eingeordnet, obwohl es – wie Nikotin und Koffein – anregend wirkt.
Bupropion benötigt kein Betäubungsmittelrezept.

Bupropion ist als Wirkstoff selbst wirksam und wird zu Hydroxybupropion sowie threohydrobupropion metabolisiert. Alle drei sind potente Noradrenalinwiederaufnahmehemmer.2 Hydroxybupropion z. B. kann eine bis zu 16-20fache Konzentration von Bupropion erreichen.[7]

Bupropion agiert als Dopamin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer. Bei Ratten ist die Wirkverteilung von Dopamin : Noradrenalin 2:1.3

Eine Studie zeigte jedoch eine sehr schwache Affinität zu DAT beim Menschen (DAT-Belegung von 14 %), sodass fraglich ist, ob Bupropion bei medikamentenüblicher Dosierung tatsächlich auch beim Menschen als Dopaminwiederaufnahmehemmer wirkt.4 Bei Rhesusaffen fand sich dagegen eine DAT-Belegung von 85 %, bei Nagetieren von 35 %.5
Diese Befunde könnten schlüssig erklären, warum Bupropion in der Praxis nur wenig erfolgreich als AD(H)S-Medikament eingesetzt wird und sehr hohe Dosen benötigt. Daher sollte Bupropion bei AD(H)S nur verwendet werden, wenn alle besseren Alternativen keine Wirkung zeigen.

Daneben wirkt Bupropion auch schwach Dopamin und Noradrenalin ausschüttend,6 sowie in geringem Maße serotonerg.

Bupropion verringert den TNF-alpha-Spiegel.7

Bupropion ist weiter ein nichtkompetitiver Antagonist mehrerer nikotinischer Acetylcholinrezeptoren (AChR).8

Bupropion soll laut dreier Studien vergleichbare Effektstärke in Bezug auf AD(H)S haben wie Methylphenidat, eine weitere Studie fand eine schwächere Wirkung als Methylphenidat.9

Bupropion wirkt (noch) stärker aktivierend / antriebssteigernd als Nortryptilin und ist damit bei schwererer Symptomatik von ADHS-I (ohne Hyperaktivität) angezeigt. Die Gabe von Bupropion bei ADHS-HI- oder ADHS-C-Betroffenen (mit Hyperaktivität) kann Aggressionen oder Hibbeligkeit auslösen.

Zwei Studien an 30 bzw. 47 Erwachsenen mit AD(HS) mit 300 mg bzw. bis zu 400 mg Bupropion / Tag fanden Trends für eine Wirksamkeit von Bupropion bei AD(H)S ohne statistische Signifikanz.1011

Brauchbare Ergebnisse bei der alleinigen Verwendung bei AD(H)S wurden in der Praxis erst bei recht hohen Dosen von 400 bis 450 mg / Tag gefunden, weshalb der aktualisierte europäische Konsensus zur Diagnose und Behandlung von AD(H)S bei Erwachsenen empfiehlt, Bupropion nur dann zu verwenden, wenn weder MPH noch Amphetaminmedikamente Wirkung zeigen (doppeltes Nonresponding).12

Bupropion kann im Einzelfall eine hilfreiche Ergänzung neben der Medikation mit Stimulanzien darstellen.
Beim kombinationsmedikativen Einsatz gegen AD(H)S ist eine sehr viel niedrigere Dosierung erforderlich als es bei einem Einsatz als Antidepressivum üblich wäre.
Bei AD(H)S mit komorbider Depression kann Bupropion möglicherweise hilfreich sein.

Bei Depression sollte für ein positives Ansprechen eine Hydroxybupropion-Serumkonzentration von mehr als 860 ng/ml erreicht werden. Der therapeutische Referenzbereich für Depression liegt zwischen 850 und 1500 ng/ml Hydroxybupropion.5

Bupropion ist ein CYP2D6-Inhibitor, sodass Vorsicht bei der Gabe weiterer Medikamente mit CYP2B6-Beeinflussung geboten ist. Eine gleichzeitige Gabe von CYP2B6-Inhibitoren wie Clopidogrel oder Ticlopidin erhöhte den Bupropionspiegel AUC um 60 % bzw. 90 %. Eine gleichzeitige Gabe Carbamazepin (Induktor von CYP2B6 und CYP3A4) verringerte die Bupropion-AUC um 90 % und einem Anstieg Hydroxybupropion-AUC um 50 %.5


  1. http://flexikon.doccheck.com/de/Bupropion

  2. Caye, Swanson, Coghill, Rohde (2019): Treatment strategies for ADHD: an evidence-based guide to select optimal treatment. Mol Psychiatry. 2019 Mar;24(3):390-408. doi: 10.1038/s41380-018-0116-3. PMID: 29955166.

  3. Wikipedia: Buprorion

  4. Meyer, Goulding, Wilson, Hussey, Christensen, Houle (2002): Bupropion occupancy of the dopamine transporter is low during clinical treatment. Psychopharmacology (Berl). 2002 Aug;163(1):102-5. doi: 10.1007/s00213-002-1166-3. PMID: 12185406.

  5. Eap, Gründer, Baumann, Ansermot, Conca, Corruble, Crettol, Dahl, de Leon, Greiner, Howes, Kim, Lanzenberger, Meyer, Moessner, Mulder, Müller, Reis, Riederer, Ruhe, Spigset, Spina, Stegman, Steimer, Stingl, Suzen, Uchida, Unterecker, Vandenberghe, Hiemke (2021): Tools for optimising pharmacotherapy in psychiatry (therapeutic drug monitoring, molecular brain imaging and pharmacogenetic tests): focus on antidepressants. World J Biol Psychiatry. 2021 Oct;22(8):561-628. doi: 10.1080/15622975.2021.1878427. PMID: 33977870.

  6. Arias, Santamaría, Ali (2009): Chapter 9 – Pharmacological and Neurotoxicological Actions Mediated By Bupropion and Diethylpropion; International Review of Neurobiology; Volume 88, 2009, Pages 223-255

  7. Wilkes (2006): Bupropion. Drugs Today (Barc). 2006 Oct;42(10):671-81.

  8. Arias, Santamaría, Ali (2009); Pharmacological and neurotoxicological actions mediated by bupropion and diethylpropion. Int Rev Neurobiol. 2009;88:223-55. doi: 10.1016/S0074-7742(09)88009-4. PMID: 19897080.

  9. Ng (2017): A Systematic Review of the Use of Bupropion for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2017 Mar;27(2):112-116. doi: 10.1089/cap.2016.0124. EPMID: 27813651. REVIEW

  10. Kuperman, Perry, Gaffney, Lund, Bever-Stille, Arndt, Holman, Moser, Paulsen (2001): Bupropion SR vs. methylphenidate vs. placebo for attention deficit hyperactivity disorder in adults. Ann Clin Psychiatry. 2001 Sep;13(3):129-34. doi: 10.1023/a:1012239823148. PMID: 11791949. n = 30

  11. Reimherr, Hedges, Strong, Marchant, Williams (2005): Bupropion SR in adults with ADHD: a short-term, placebo-controlled trial. Neuropsychiatr Dis Treat. 2005 Sep;1(3):245-51. PMID: 18568102; PMCID: PMC2416755.

  12. Kooij, Bijlenga, Salerno, Jaeschke, Bitter, Balázs, Thome, Dom, Kasper, Filipe, Stes, Mohr, Leppämäki, Brugué, Bobes, Mccarthy, Richarte, Philipsen, Pehlivanidis, Niemela, Styr, Semerci, Bolea-Alamanac, Edvinsson, Baeyens, Wynchank, Sobanski, Philipsen, McNicholas, Caci, Mihailescu, Manor, Dobrescu, Krause, Fayyad, Ramos-Quiroga, Foeken, Rad, Adamou, Ohlmeier, Fitzgerald, Gill, Lensing, Mukaddes, Brudkiewicz, Gustafsson, Tania, Oswald, Carpentier, De Rossi, Delorme, Simoska, Pallanti, Young, Bejerot, Lehtonen, Kustow, Müller-Sedgwick, Hirvikoski, Pironti, Ginsberg, Félegeházy, Garcia-Portilla, Asherson (2018): Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD, European Psychiatrie, European Psychiatry 56 (2019) 14–34, http://dx.doi.org/10.1016/j.eurpsy.2018.11.001, Seite 22, 7.4.6.