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Wahl des Medikaments bei ADHS oder ADHS mit Komorbidität

Inhaltsverzeichnis

Wahl des Medikaments bei ADHS oder ADHS mit Komorbidität

ADHS behandeln ist einfach. ADHS gut zu behandeln, ist sehr schwierig.”

Die Wahl des individuell am besten wirksamen Medikaments bei ADHS und dessen optimale Eindosierung ist eine Herausforderung. Es gibt zwar etliche Anhaltspunkte für eine Orientierung. Oft genug stellen jedoch die individuellen Besonderheiten jedes einzelnen Betroffenen alle Erfahrungswerte auf die Probe. Da es “das eine ADHS” nicht gibt, sondern die ADHS-Symptomatik aus einer großen Anzahl verschiedener Ursachen entstehen kann, muss für jeden Betroffenen erforderlichenfalls eine Vielzahl verschiedener Optionen ausprobiert werden.

ADHS-Medikamente können in zwei Kategorien eingeteilt werden: Stimulanzien und Nichtstimulanzien. Stimulanzien wie Methylphenidat (MPH) und Amphetaminmedikamente (AMP) haben den Vorteil, dass sie eine hohe Effektstärke bei geringen Nebenwirkungen haben. Es gibt keine andere Medikamentenklasse in der Psychiatrie mit derart hoher Effektstärke.1 Sie wirken ab dem ersten Tag der Einnahme und können jederzeit ohne Absetzerscheinungen abgesetzt werden. Allerdings können Stimulanzien bei einigen besonders | | | empfindlichen Betroffenen oder bei Überdosierung das emotionale Empfinden beeinträchtigen und sind BtM. Nichtstimulanzien wie Atomoxetin und Guanfacin haben dagegen eine längere Wirkdauer, haben Vorteile in Bezug auf emotionale Dysregulation und keine dämpfende Wirkung auf das emotionale Empfinden.Dafür ist ihre Effektstärke geringer und die Nebenwirkungen sind deutlich höher. Zudem sind sie schwieriger einzudosieren als Stimulanzien.

Weiter müssen spezifische Problemfällen und Komorbiditäten bei der Medikamentenwahl berücksichtigt werden. Zum Beispiel können bei Patienten, die nicht auf verschiedene MPH-Präparate ansprechen, AMP, Atomoxetin oder Guanfacin eingesetzt werden. Falls Stimulanzien trotz Vermeidung einer zu hohen Dosierung eine Beeinträchtigung des emotionalen Empfindens verursachen, können sie durch Atomoxetin oder Guanfacin ersetzt werden oder niedriger dosiert und mit diesen kombiniert werden. Eine Kombinationsmedikation aus Stimulanzien und Atomoxetin kann den Antrieb verbessern und gleichzeitig die emotionale Dysregulation reduzieren. Bestimmte Medikamente haben bei Tic-Störungen, Angststörungen, Substanzmissbrauch und andere Komorbiditäten besondere Vorteile.

Die Wirkungsweisen der verschiedenen Medikamente unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bindungsaffinität an Transporter und ihrer Auswirkungen auf Dopamin und Noradrenalin in verschiedenen Gehirnregionen. Es ist wichtig, die richtige Medikation individuell anzupassen, um die bestmögliche Wirkung bei geringfügigen Nebenwirkungen zu erzielen.

Bei der Eindosierung ist eine häufig erhöhte Empfindlichkeit von ADHS-Betroffenen auf schon geringe Dosisunterschiede oder auf unterschiedliche Wirkung verschiedener Präparate desselben Wirkstoffs zu berücksichtigen. Dies geht so weit, dass bereits der Austausch eines Generikums gegen ein vermeintlich bioäquivalentes Präparat eines anderen Herstellers erhebliche Unterschiede bis hin zum Verlust der Wirksamkeit führen kann. Dies betrifft retardierte wie unretardierte Stimulanzien und ebenso Nichtstimulanzien. Es ist nicht die Regel, aber, wie wir aus dem ADHS-Forum von ADxS.org wissen, weitaus häufiger, als bislang angenommen. Mehr hierzu unter Eindosierung von Medikamenten bei ADHS.

Angaben ohne Gewähr. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

1. Vorteile und Nachteile verschiedener ADHS-Medikamente

1.1. Stimulanzien

  • Vorteile (gemeinsame Vorteile von Stimulanzien)
    • Stimulanzien sind Methylphenidat und Amphetaminmedikamente.
    • Stimulanzien für ADHS haben eine Sonderstellung in der gesamten psychiatrischen Medikation: keine andere Medikamentenklasse hat eine derart hohe Effektstärke bei zugleich derart niedrigen Nebenwirkungen.1
      • Es empfiehlt sich, einmal die Beipackzettel von Aspirin oder Antidepressiva und Methylphenidat zu vergleichen
      • Stimulanzien werden seit vielen Jahrzehnten als ADHS-Medikamente eingesetzt, so lang wie kaum eine andere Medikamentenklasse
    • Stimulanzien wirken ab dem ersten Tag der Einnahme
    • Stimulanzien können jederzeit abgesetzt werden, ohne Gefahr von Absetzerscheinungen (im Gegensatz zu Antidepressiva, die z.T. Abhängigkeit und massive Ausdosierungenebenwirkungen verursachen können)
  • Nachteile (gemeinsame Nachteile von Stimulanzien
    • Beeinträchtigung des emotionalen Empfindens bei ca. 20 % der Betroffenen aufgrund der dämpfenden Wirkung von Stimulanzien auf das limbische System
      • Ursachen: Überempfindlichkeit oder Überdosierung
      • in diesem Fall Kombinationsmedikation aus Atomoxetin und MPH oder AMP in Betracht ziehen (bei jeweils niedrigerer Dosierung im Vergleich zur Monotherapie)
    • BtM-Pflichtig, weil theoretische Missbrauchsmöglichkeit
      • keinerlei Missbrauchsrisiko bei ordnungsgemäßer Einnahme (oral in Medikamentendosis)
      • an jedem Bahnhof und auf jedem Discoklo gibt es besser “drehende” Sachen für weniger Geld
      • dennoch möglicher Reiz zur Drogeneinnahme bei Betroffenen mit akuter oder früherer Amphetaminsucht; dann eher Atomoxetin und Guanfacin testen
      • Stimulanzien verringern die Wahrscheinlichkeit einer Suchtentwicklung,23 erhöhen sie jedenfalls nicht.45
        Eine möglichst frühzeitige Behandlung von ADHS mit Stimulanzien verringerte das Risiko einer Suchtentwicklung im Erwachsenenalter. Jedes Jahr, um das Stimulanzienbehandlung später begann, erhöhte sich das Risiko einer Suchtentwicklung im Erwachsenenalter um das 1,46-fache.6
  • Methylphenidat (MPH)
    • Vorteile:
      • besonders gute Antriebssteigerung
      • unretardiert kurze Wirkdauer (2,5 - 3 Stunden)
    • Nachteile:
      • Nonresponderquote ca. 30 %
        • MPH-Nonresponding nicht deckungsgleich mit AMP-Nonresponding
  • Amphetaminmedikamente (AMP)
    • Vorteile
      • Stimmungsausgleichender als MPH
      • etwas bessere Effektstärke und etwas niedrigere Nebenwirkungen als MPH, insbesondere bei Erwachsenen
    • Nachteile:
      • Nonresponderquote ca. 20 %
        • AMP-Nonresponding nicht deckungsgleich mit MPH-Nonresponding

1.2. Nichtstimulanzien

  • Atomoxetin (ATX)
    • Vorteile
      • Spiegelmedikament (wirkt (fast) über den ganzen Tag)
      • keine Beeinträchtigung des emotionalen Empfindens, da keine dämpfende Wirkung auf das limbische System
    • Nachteile
      • schwierig einzudosieren
      • Vollständige Wirkung erst nach 4 bis 8 Wochen
      • zuweilen sehr enger Bereich zwischen Unter- und Überdosierung
      • erheblich höhere Nebenwirkungen als Stimulanzien
      • geringere Effektstärke als Stimulanzien
      • sollte langsam ausdosiert werden
    • mehr zu Atomoxetin unter Atomoxetin bei ADHS
  • Guanfacin
    • Vorteile
      • gute Wirkung bei komorbiden Ticstörungen
      • blutdrucksenkend – hilfreich bei erhöhtem Blutdruck
    • Nachteile
      • wirkt bei Erwachsenen kaum
      • geringere Effektstärke als Stimulanzien
      • höhere Nebenwirkungen als Stimulanzien
    • mehr zu Guanfacin unter Guanfacin bei ADHS

1.3. Eignung in tabellarischer Darstellung

Legende:
Quellen, soweit nicht anders angegeben78
ungeeignet
(—) eingeschränkt geeignet, unter enger Überwachung
o eingeschränkt geeignet
+ besonders geeignet
kein Eintrag: keine Eignungsbeschränkung bekannt

** Unsere Ansicht nach oder noch einzuarbeitende Quellenangaben

Allgemeine körperliche Gegenanzeigen

Allgemeine körperliche Gegenanzeigen LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
Glaukom (Engwinkelglaukom)
Hyperthyreose oder Thyreotoxikose
Phäochromozytom
Magen nicht sauer genug / zu basisch, pH-Wert über 5,5
Tumor im zentralen Nervensystem
schwere Leberzirrhose
Histaminunverträglichkeit Viloxazin scheint das einzige ADHS-Medikament, das Histamin nicht erhöht

Herz-Kreislaufprobleme

Herz-/Kreislaufprobleme: LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Symptomatische Herz-Kreislauferkrankung
Fortgeschrittene Arteriosklerose
Mittelschwere bis schwere Hypertonie ** +**
Schwerwiegende kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Erkrankungen, bei denen ein klinisch bedeutsamer Blutdruck- oder Herzfrequenzanstiegs den Zustand verschlechtern könnte, z.B.: schwere Hypertonie, Herzinsuffizienz, arterielle Verschlusskrankheit, Angina pectoris, hämodynamisch relevanter angeborener Herzfehler, Kardiomyopathien, Myokardinfarkt, möglicherweise lebensbedrohliche Arrhythmien, Erkrankungen die durch eine veränderte Funktion von Ionenkanälen verursacht werden (—)** (—)** +**
Zerebrovaskuläre Erkrankungen (z.B. zerebrale Aneurysmen, Gefäßabnormalitäten, Vaskulitis oder Schlaganfall)
Mittlere bis schwere Hypotonie geeignet geeignet geeignet o

Suchtprobleme

Suchtprobleme: LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Alkoholsucht, akut o** o** o** o** o**
Amphetaminsucht, akut ** **
Amphetaminsucht, lange her (—)** (—)**
THC-Sucht o** o**
einem geplanten Entzug, der mit erhöhter Krampfneigung einhergehen kann
Alkoholkonsum bei Einnahme (Genussmengen) o o o / (—)** Quelle9

Komorbide psychische Probleme

Komorbide psychische Probleme: LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Schwere Depression, Suizidneigung
Manie
bipolar, auch früher
Angst +** +** Quellen siehe Abschnitt unten
Psychotische Symptome, Schizophrenie Klinikaufenthalte verringert bei ADHS + Psychose/Schizophrenie durch Stimulanzien bei fortgeführter Antipsychotikamedikation**
psychopathische / Borderlinepersönlichkeitsstörungen
Epilepsieneigung mit Vorsicht anzuwenden
Tourette ++**
Erregungszustände
Anorexia nervosa/anorektische Störungen **
Bulimie

Einnahme anderer Medikamente

Einnahme anderer Medikamente LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Einnahme von Monoaminooxidase-Hemmern binnen der letzen 14 Tage
Einnahme sedierender Arzneimittel
Einnahme blutdrucksenkender Arzneimittel (—)** (—)** (—)** + (ggf. Dosisanpassung)
Einnahme anderer Bupropion-haltiger Arzneimittel
H2-Rezeptorenblocker- oder Antazida

Mutterschaft

Mutterschaft LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Verhütungsmittel verwenden
Schwangerschaft (insbesondere erstes Trimester) (—)
Stillzeit (—)

Fahrtüchtigkeit

Fahrtüchtigkeit LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
Fahrtüchtigkeit / führen gewährlicher Maschinen o Patienten vor möglicher Beeinträchtigung durch Müdigkeit und Sehstörungen warnen, bis feststeht, dass beim Betroffenen diese Nebenwirkungen nicht auftreten oder bei Dauereinnahme weggehen o Patienten vor möglicher Beeinträchtigung durch Müdigkeit, Somnolenz und Schwindelgefühl warnen, bis feststeht, dass beim Betroffenen diese Nebenwirkungen nicht auftreten oder bei Dauereinnahme weggehen o Patienten vor möglicher Beeinträchtigung durch Müdigkeit, Schwindel, Sehproblenen warnen, bis feststeht, dass beim Betroffenen diese Nebenwirkungen nicht auftreten oder bei Dauereinnahme weggegehen o Moderat bis stark variierender Einfluss auf die Verkenhrstüchtigkeit oder die Fähigkeit Maschinen zu bedienen, durch Schwindel und Müdigkeit (vornehmlich bei Einnahmebeginn) sowie Ohnmachtsanfälle o Fahrtüchtigkeit gegeben, sofern keine schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Schwindel auftreten

Einnahme anderer Medikamente

Einnahme anderer Medikamente mit Wirkung auf: LDX /D-AMP ATX MPH Guanfacin Bupropion Kommentare
CYP3A4/5
OCT-1
MATE1
Arzneimittel, die QT-Intervall verlängern können
CES1
CYP2D6

Legende:
Quellen, soweit nicht anders angegeben78
ungeeignet
(—) eingeschränkt geeignet, unter enger Überwachung
o eingeschränkt geeignet
+ besonders geeignet
kein Eintrag: keine Eignungsbeschränkung bekannt

** Unsere Ansicht nach oder noch einzuarbeitende Quellenangaben.
Alle Angaben ohne Gewähr. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

2. Medikamentenwahl ohne spezifische Problemfälle

Medikamente bei ADHS – Übersicht

  • Von den Betroffenen, denen eine Medikamentierung helfen würde, erhalten lediglich rund 20 bis 25 % Medikamente. Von Nichtbetroffenen erhalten weniger als 1 % Medikamente, die sie nicht benötigen.10
  • Vor einer Behandlung mit Stimulanzien empfiehlt sich
    • eine kardiovaskuläre Untersuchung.11 zur Suche nach kardiovaskulären Anomalien wie:12
      • erhöhtem Blutdruck
      • Herzgeräusche
      • Synkopen bei körperlicher Anstrengung
      • EKG ist fakultativ
  • Kontraindikationen bei Stimulanzien (die meisten davon ungewöhnlich in der Kindheit):12
    • Schizophrenie
    • schwere Depressionen
    • Schilddrüsenüberfunktion
    • Herzrhythmusstörungen
    • mäßiger bis schwerer Bluthochdruck
    • Angina pectoris
    • Glaukom
    • Monoaminoxidase (MAO)-Hemmern
      • frühere Überempfindlichkeit
      • gleichzeitiger Gebrauch
      • Gebrauch innerhalb der letzten 2 Wochen
  • Vorsicht ist geboten bei Patienten mit12
    • motorischen Tics
    • bekannter Drogenabhängigkeit
    • Vorgeschichte von Drogenabhängigkeit, Alkoholismus, Koffeinsucht
      • aber:
        • Stimulanzien bei ADHS können den Suchtdruck erheblich verringern
        • Alkohol und MPH gleichzeitig vertragen sich gar nicht
        • Alkohol und AMP gleichzeitig sind nicht gut, aber weitaus weniger schlimm als Alkohol und MPH
      • Kein Koffein bei der Eindosierung von Stimulanzien - Gefahr von Kreuzwirkungen
    • Schwangerschaft
    • Stillen
    • Anorexia nervosa
    • Vorgeschichte von Suizidalität
2.2.1. Erwachsene: Amphetaminmedikamente vor Methylphenidat (ggf. verschiedene MPH-Präparate testen) vor Atomoxetin vor Guanfacin

Bei Erwachsenen ist die aus wissenschaftlicher Sicht hilfreichste* Priorisierung der Medikamente:1314
*Kassenzulassungen können hiervon abweichen

  • Amphetaminmedikamente vor

  • Methylphenidat (mehrere Präparate testen) vor

  • Atomoxetin vor

  • Guanfacin (off label)

    • im hohen Alter Vorsicht wegen erhöhter Sturzgefahr bei schneller Blutdrucksenkung
  • Amphetaminmedikamente (z.B. Lisdexamfetamin (Elvanse/Vyvanse), Amphetaminsalze (Adderall))

    • wirken bei Erwachsenen meist besser und werden besser vertragen
    • Nonresponder: ca. 20 %
    • ca. 30 % der Erwachsenen, die von MPH auf Elvanse wechseln, wechseln wieder zurück15
      • zu schnelle Eindosierung in zu hohen Schritten erhöht Abbruchrate wegen Nebenwirkungen oder Überdosierung
  • Methylphenidat:

    • falls nicht wirksam: mehrere andere MPH-Präparate testen
    • verschiedene MPH-Präparate können sehr unterschiedlich wirken
    • Wirkunterschiede sind eher individuell als präparatetypisch
    • Nonresponder: ca. 30 %
      • zu schnelle Eindosierung in zu hohen Schritten erhöht Abbruchrate wegen Nebenwirkungen oder Überdosierung
2.2.2. Kinder und Jugendliche: Methylphenidat (ggf. verschiedene MPH-Präparate testen) vor Amphetaminmedikamente vor Guanfacin vor Atomoxetin

Bei Kindern und Jugendlichen ist die aus wissenschaftlicher Sicht hilfreichste* Priorisierung der Medikamente:
*Kassenzulassungen können hiervon abweichen

  • Methylphenidat16 vor
  • Amphetaminmedikamenten vor1314
  • Guanfacin vor
  • Atomoxetin

Die Hinweise zu Methylphenidat und Amphetaminmedikamenten im vorangegangenen Abschnitt zu Erwachsenen treffen bei Kindern und Jugendlichen ebenso zu.

3. Medikamentenwahl nach spezifischen Problemfällen

3.1. Responding

Nach einer Metaanalyse zeigten Kinder mit ADHS die beste Symptomverbesserung mit:17

  • Dextroamphetamin: 35,5 %
  • Methylphenidat: 26,2 %
  • mit beiden Wirkstoffen gleich gut: 38,3 %

3.1.1. MPH-Nonresponder

  • Erwachsene: AMP, dann Atomoxetin, dann Guanfacin, dann Bupropion.
  • Kinder: AMP, dann Guanfacin, dann Atomoxetin, dann Bupropion.

3.1.2. Amphetaminmedikamente-Nonresponder

  • Erwachsene: MPH, dann Atomoxetin, dann Guanfacin, dann Bupropion.
  • Kinder: MPH, dann Guanfacin, dann Atomoxetin, dann Bupropion.

3.2. Behandlung spezifischer ADHS-Symptome

3.2.1. Inhibition / Impulskontrollsteuerung

Das ADHS-Symptom der mangelnden Inhibition der exekutiven Funktionen wird dopaminerg durch die Basalganglien (Striatum, Putamen) verursacht.18 Eine mangelnde Inhibition der Emotionsregulierung wird noradrenerg durch den Hippocampus verursacht.18
Daher dürfte ersteres einer dopaminergen Behandlung besser zugänglich sein, während Emotionsregulierung und Affektkontrolle besser noradrenerg zu behandeln sein dürften.

Impulsivität wird zudem serotonerg vermittelt
Ist starke Impulsivität ein herausragendes Symptom des Betroffenen, wäre es fahrlässig, Stimulanzien unbesehen so hoch zu dosieren, dass dieses adäquat beseitigt wird, da damit hinsichtlich der übrigen Symptome überdosiert würde. Bei hervorstechend hoher Impulsivität kann für diese eine Behandlung mit niedrigdosierten SSRI hilfreich sein.

  • Serotoninwiederaufnahmehemmer
    • deutlich geringer dosiert als bei Verwendung als Antidepressiva
    • z.B.:
      • (Es)Citalopram 2-4 mg / Tag
      • Imipramin 10 mg / Tag

3.2.2. Unaufmerksamkeit

In einer kleinen placebokontrollierten Studie verbesserte Selegilin lediglich Unaufmerksamkeit, nicht jedoch Hyperaktivität/Impulsivität.19

3.2.3. Emotionale Dysregulation

Emotionale Dysregulation bei ADHS kann mit Stimulanzien oder Atomoxetin behandelt werden.20
Unserer Erfahrung nach sind Atomoxetin und Guanfacin bei der Behandlung emotionaler Dysregulation gegenüber Stimulanzien im Vorteil. Atomoxetin und Guanfacin wirken über den ganzen Tag. Gerade das sozial sehr beeinträchtigende Symptom der Rejection Sensitivity, die vor allem ´soziale Beziehungen und Partnerschaften sehr belasten kann, was vor allem außerhalb der Wirkzeit von Stimulanzien zum Tragen kommt, kann durch ganztägig wirkende Nichtstimulanzien deutlich verbessert werden.
Dafür haben diese Medikamente die Nachteile einer schwierigeren Eindosierung (Pegelmedikamente), die Wochen dauern kann sowie eine deutlich niedrigere Effektstärke auf die übrigen ADHS-Symptome bei zugleich höheren Nebenwirkungen. Insbesondere die durch Stimulanzien erreichbare Steuerung des Antriebs und der Motivation ist durch Nichtstimulanzien nicht erzielbar. Daher empfiehlt sich hier eine Kombination von (jeweils niedriger dosierten) Nichtstimulanzien und Stimulanzien. Bei Betroffenen, die zu einer fein abgestuften Dosierung in der Lage sind, wird dies häufig der optimale Weg sein.

3.3. Vermeidung spezifischer Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten

Siehe hierzu unter Eindosierung von Medikamenten bei ADHS

3.4. Medikamentenwahl bei Komorbiditäten zu ADHS

3.4.1. Angststörung komorbid zu ADHS

Atomoxetin kann helfen, komorbide Angstsymptome bei Kindern und Jugendlichen zu verringern.21222324
Es wurde von positiven Effekten von Atomoxetin auf komorbide Angststörungen berichtet.25

Eine Studie untersuchte die Kombinationsbehandlung von Atomoxetin mit SNRI und SSRI bei Erwachsenen mit ADHS und komorbider generalisierter Angststörung. Bei allen Probanden versagten SNRI oder SRI allein in Bezug auf die Verbesserung der Angstsymptome. Eine Kombinationsbehandlung von SNRI oder SSRI mit Atomoxetin zeigte deutliche Verbesserungen der Angstsymptomatik gegenüber der vorhergehenden Monotherapie mit SNRI/SSRI.26

Auch MPH kann bei Angstsymptomatik helfen, wobei die Verbesserung der Angstsymptomatik durch Atomoxetin etwas größer war.27 Ein Einzelfallbericht notierte bei einer 15-jährigen ADHS-Betroffenen, die auf Atomoxetin nicht ansprach, auf MPH mit Dysphorie reagierte und augmentierendes Clonidin nicht vertrug, langfristig eine gute Wirkung einer Kombinationsmedikation von Vortioxetin (10 mg / Tag) und MPH auf die stimulanzbedingte Angst und die ADHS-Symptomatik. Diese wurde mit hoher Verträglichkeit erreicht.28

Eine Analyse der durch Elvanse adressierten Proteine zeigte Hinweise, dass Elvanse auch bei der Behandlung von Angstzuständen positiv mitwirken könnte.29

3.4.2. Depression komorbid zu ADHS

3.4.2.1. Stimulanzien-Monotherapie als erster Schritt bei komorbider Depression und ADHS

Bei ADHS mit milder komorbider Depression sollte zunächst eine Monotherapie mit Stimulanzien vorgenommen werden. Stimulanzien wirken sehr viel schneller und haben vor allem keinerlei Absetznebenwirkungen, die bei Antidepressiva massiv sein können. In Anbetracht der schnellen Wirksamkeit von Stimulanzien kann dann beobachtet werden, ob durch die Beseitigung der ADHS-Problematik der die Depression treibende Stressor entfällt. Dies ist recht häufig der Fall.
Bei rund einem Drittel aller behandlungsresistenten Depressionen findet sich ein zuvor nicht diagnostiziertes ADHS.

Bei ADHS-Betroffenen mit komorbider Depression fand sich während der Zeit einer ADHS-Medikation ein um 20 % niedrigeres Depressions-Risiko als in der unmedikamentierten Zeit. Das 3-Jahres-Langzeitrisiko einer Depression verringerte sich um 43 %.30
Eine Analyse der durch Elvanse adressierten Proteine zeigte Hinweise, dass Elvanse auch bei der Behandlung von Depression positiv mitwirken könnte.29

Unsere Erfahrung ist, dass Elvanse im Rahmen einer ADHS-Behandlung größere Verbesserung depressiver Symptome zeigt als Methylphenidat.

3.4.2.2. Atomoxetin bei komorbider Depression und ADHS
3.4.2.2.1. Atomoxetin als Monotherapie

Ob Atomoxetin eine Wirkung auf Depression hat, ist umstritten. Es gibt Stimmen dagegen123132 wie dafür. Die Verbesserung der Depressionssymptome entsprach in einer Studie der von Paroxetin und Venlaflaxin.33

3.4.2.2.2. Atomoxetin und Fluoxetin

Eine doppelblinde placebokontrollierte Studie untersuchte die Kombinationsbehandlung mit Atomoxetin und Fluoxetin (einem SSRI) im Vergleich zur Monotherapie mit Atomoxetin bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS und komorbiden Symptomen von Depression oder Angst. Die Studie fand keine relevanten Verbesserungen der ADHS-Symptomatik bei der Kombinationsbehandlung. Es fanden sich kleine Verbesserungen im Bereich der Symptomatik komorbider Depression durch Kombinationstherapie im Vergleich zur Monotherapie mit Atomoxetin, wobei letztere neben den ADHS Symptomen bereits die Depressions- und Angstsymptome verbesserte. Die Kombinationsbehandlung zeigte keine erhöhten Nebenwirkungen. Der Blutdruck bei der Kombinationstherapie war etwas stärker erhöht als bei der Monotherapie.24

3.4.2.2.3. Atomoxetin und Sertralin

Eine Studie fand Hinweise auf eine Wirkung von Atomoxetin zusammen mit Sertralin beim HTTLPR- (SERT) Genotyp s/s im Vergleich zu einer Sertralin-Monotherapie.34

3.4.2.3. SSRI und MPH bei komorbider Depression zu ADHS

Eine Studie problematisiert, dass SSRI (wie z.B. Fluoxetin) eine mäßige suchtbedingte Genregulation von MPH im Striatum von Ratten verstärken, und damit eine Abhängigkeit von Methylphenidat verstärken könnten. Bei Vilazodon sei dies schwächer ausgeprägt.35

3.4.2.4. Escitalopram und MPH bei komorbider Depression zu ADHS

Eine Studie fand kein erhöhtes Risiko einer augmentierten Gabe von Escitalopram zu MPH bei ADHS, mit Ausnahme bei zusätzlicher komorbider TIC-Störungen.36

3.4.2.5. Fluoxetin und MPH bei komorbider Depression und ADHS

Eine Studie an ADHS-Betroffenen mit komorbider Depression, die durch MPH allein keine ausreichende Verbesserung der ADHS-Symptome zeigten, fand durch augmentierend gegebenes Fluoxetin bei fast allen Probanden deutliche Verbesserungen der ADHS-Symptomatik. Bei 40 % der Probanden genügte dazu bereits eine zusätzliche Gabe von unter 20 mg Fluoxetin. Erhöhte Nebenwirkungen zeigten sich nicht.37 Eine weitere Studie fand für Fluoxetin keine erhöhten Nebenwirkungen bei einer MPH-Medikation bei ADHS und eine deutlich geringeres Risiko im Vergleich zu Escitalopram bei komorbiden TIC-Störungen.36
Eine kombinierte Gabe von MPH und Fluoxetin verringerte bei Ratten Angstzustände und depressionsähnlichen Verhaltensweisen deutlich stärker als eines der beiden Medikamente allein.38

Fluoxetin soll das einzige SSRI mit einer antriebssteigernden Wirkung sein. Als Monotherapie scheint es zur Behandlung von ADHS nicht geeignet. Fluoxetin bei ADHS

Eine gemeinsame Gabe von MPH und Fluoxetin an jugendliche Ratten bewirkte eine erhöhte Sensitivität auf Belohnungsreize (was bei ADHS positiv sein dürfte) und eine erhöhte Ängstlichkeit und Stressempfindlichkeit (was bei ADHS nachteilig wäre) bei erwachsenen Tieren.39 Es wurden jedoch gesunde Tiere und keine ADHS-Modelltiere getestet.

3.4.2.6. Selegilin und Lisdexamfetamin bei komorbider Depression

Eine Studie berichtet von einer erfolgreichen Komedikation von Selegilin und Lisdexamfetamin (Elvanse) bei ADHS und komorbider Depression.40 Eine weitere Studie zur Komedikation von Stimulanzien und MAO-Hemmern bei Depression fand keine dabei entstehenden Probleme.41
Somit kann auch eine Kombinationsmedikation von Selegilin mit Stimulanzien bei ADHS in Betracht gezogen werden.

2.4.2.7. MAO-Hemmer und Stimulanzien bei komorbider Depression

Eine Studie zur Komedikation von Stimulanzien und MAO-Hemmern bei Depression fand keine dabei entstehenden Probleme,41 entgegen der häufig angenommenen Problematik von Blutdruckkrisen.

3.4.3. Bipolar komorbid zu ADHS

MPH zusammen mit einem Stimmungsstabilisator erhöht das Risiko eines manischen Wechsels oder psychotischer Symptome nicht. Sind Stimulanzien unwirksam oder werden diese schlecht vertragen, scheint Atomoxetin eine Option zu sein.22

Eine Analyse der durch Elvanse adressierten Proteine zeigte Hinweise, dass Elvanse auch bei der Behandlung von bipolarer Störung positiv mitwirken könnte.29

3.4.4. Aggression komorbid zu ADHS

Mehrere atypische Antipsychotika, insbesondere Risperidon, verbesserten Aggressionen wirksam. Einige Studien zeigten - entgegen der Warnungen der FDA, dass Stimulanzien Aggressionen verschlimmern könnten, dass Stimulanzien ebenso wie Antipsychotika Aggressionen, speziell bei hyperaktiven Kindern, wirksam verbesserten.42

Eine Kombinationsbehandlung mit (niedrig dosierten) Antipsychotika und Psychostimulanzien kann insbesondere bei komorbider Aggressivität hilfreich sein, wenn eine Monotherapie mit Stimulanzien und eine Kombination von Stimulanzien mit verhaltenstherapeutischen Interventionen zur Behandlung von Aggressionen nicht ausreichend waren.43 Verschiedene Expertengremien kamen zu dem Ergebnis, dass wenn komorbid zum ADHS bestehende Aggression (nicht: aus Stimulanzien folgende Aggression) durch die Verschreibung von Stimulanzien nicht ausreichend verbessert werden, die gleichzeitige Einnahme von atypischen Antipsychotika angezeigt ist, bei vorsichtiger Eindosierung.4445

Zur Komedikation von Antipsychotika und Psychostimulanzien siehe auch oben unter Gewichtsverlust.

3.4.5. Oppositionelles Trotzverhalten komorbid zu ADHS

Bei komorbidem oppositionellem Trotzverhalten ist Atomoxetin hilfreich.22

3.4.6. Verhaltensstörung / Conduct disorder (CD) komorbid zu ADHS

Bei komorbider Conduct disorder ist Atomoxetin hilfreich.2246

Verhaltensstörung (Conduct disorder) wird daneben häufig behandelt mit:46

  • Antipsychotika
  • Antidepressiva wie Imipramin, Desipramin, SSRI
  • Lithium

Eine Studie fand bei Kindern und Jugendlichen, die in den Jahren 2005 bis 2013 eine Medikation mit Methylphenidat begannen, 67.595 Kinder, die eine Kombinationstherapie von MPH und Antipsychotika erhielten. Darunter war eine Kombination mit

  • Risperidon (72 %)
  • Pipamperon (15 %)
  • Tiaprid (8 %)

Ein Viertel der Nutzer einer Kombinationstherapie von MPH und Antipsychotika bekam diese nur einmalig verschrieben.
Die Anwendung der Kombinationen von MPH mit Risperidon und Tiaprid war häufig geeignet (> 72 %), die Anwendung der Kombination MPH-Pipamperon dagegen nur selten geeignet (< 15 %).47

Bei komorbidem ODD und ADHS erwies sich eine Kombinationsbehandlung mit Risperidon und MPH als hilfreich48, ebenso bei komorbider Verhaltensstörung (CD).49

3.4.7. Disruptive Mood Dysregulation Disorder (DMDD) komorbid zu ADHS

DMDD ist durch eine dauerhafte starke Reizbarkeit und hohe Impulsivität gekennzeichnet. ADHS tritt häufig komorbid auf.

Eine Studie fand eine positive Wirkung einer Kombinationstherapie von Aripiprazol und Methylphenidat Kindern mit komorbider DMDD und ADHS. Erhöhte Nebenwirkungen fanden sich nicht.50

3.4.8. Borderline komorbid zu ADHS

Eine vergleichende Wirksamkeitsstudie an N = 22.601 Betroffenen von Emotional-Instabiler Persönlichkeitsstörung mit komorbidem ADHS zeigte, dass ADHS-Medikamente die einzige Medikamentengruppe waren, die das Suizidalitätsrisiko signifikant verringerten.51

3.4.9. ASS komorbid zu ADHS

Medikation bei Autismus-Spektrums-Störung und komorbidem ADHS:

  • Es wird häufig von einer erhöhten Empfindlichkeit auf ADHS-Medikamente bzw. einem verringerten Dosisbedarf berichtet.
  • MPH:
    • schlechtere Wirkung auf Hyperaktivität bei intellektueller Beeinträchtigung52
    • schlechtere Wirkung und schlechteres Nebenwirkungsniveau als bei ADHS ohne ASS53
  • Atomoxetin:
    • schlechtere Wirkung auf ADHS-Symptome bei gleichem Verträglichkeitsniveau5253
  • Guanfacin:
    • gleiche Wirkung auf Hyperaktivität bei intellektueller Beeinträchtigung, bei schlechterer Verträglichkeit52
    • gleiche Wirkung auf Hyperaktivität bei ASD wie bei TD53
  • Amitriptylin:
    • in einer Dosierung von etwa 1 mg/kg/Tag bei vorsichtiger Anwendung Wirksamkeit bei53
      • Schlaf, Angst, Impulsivität und ADHS, repetitivem Verhalten und Enuresis

Reine ASS-Medikation:
In den USA sind nur Risperidon und Aripiprazol von der FDA zur ASS-Behandlung zugelassen53

  • Risperidon
    • Hyperaktivität/Impulsivität bei Autismus oder mentaler Retardierung kann durch Stimulanzien wie durch Risperidon verbessert werden. Risperidon ist nicht allgemein für die Behandlung von ADHS zugelassen, könnte jedoch bei komorbidem Autismus in Betracht gezogen werden. Aufgrund des Potenzials für verstärkte Nebenwirkungen ist eine vorsichtige Dosierung für diese Symptomkombinationen erforderlich.12
  • Citalopram und Fluoxetin (SSRI):
    • schlechte Verträglichkeit und mangelnde Wirksamkeit bei repetitiven Verhaltensweisen53
  • Oxytocin:
    • zeigte keine Wirksamkeit53
  • Amitriptylin und Loxapin:
    • vielversprechend53
  • Loxapin:
    • in einer Dosierung von 5 bis 10 mg täglich in PET ähnlich wie atypisches Antipsychotikum, möglicherweise ohne Gewichts-Nebenwirkungen53

3.4.10. Tic-Störungen komorbid zu ADHS

  • Guanfacin54
  • Atomoxetin54
  • Selegilin55
  • Clonidin
    • wirkte bei Kindern mit ADHS und komorbiden Ticstörungen besser als Methylphenidat mit Halperidol.56

Eine Analyse der durch Elvanse adressierten Proteine zeigte Hinweise, dass Elvanse auch bei der Behandlung von Tic-Störungen positiv mitwirken könnte.29

Barkley berichtet in einem Vortrag von Vorteilen einer Kombination von Stimulanzien und Guanfacin (welches bei komorbiden Tics hilfreich sei), um der durch Stimulanzien verursachte Dämpfung des limbischen Systems und der damit einhergehenden verringerten Emotionswahrnehmung zu begegnen.57

Eine Studie fand eine gute Verbesserung der ADHS-Symptomatik durch Selegilin bei Kindern mit ADHS und komorbider Ticstörung über einen Testzeitraum von mehr als 6 Monaten. Nur 2 der 29 Probanden berichteten eine Verschlimmerung der Tics. Die Nebenwirkungen waren gering.55 Eine andere Studie an 24 Kindern mit ADHS und komorbidem Tourette fand nur geringe Verbesserungen der ADHS-Symptomatik bei zugleich hoher Abbruchquote der Teilnehmer.58

3.4.11. Zwangsstörung komorbid zu ADHS

Atomoxetin zeigte positive Effekte auf zwanghafte Verhaltensweisen.59
Ein Bericht über 2 Kinder mit Zwang und AD(H)D (9 und 10 Jahre) deutete eine positive Wirkung einer Kombination aus Verhaltenstherapie, Sertralin und Guanfacin an.60

3.4.12. Substanzmissbrauch / Sucht komorbid zu ADHS

Dass Stimulanzien bei ADHS das Suchtrisiko nicht erhöhen, sondern während der Einnahme deutlich verringern, ist laut dem aktualisierten europäischen Konsensus zur Diagnose und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen von 201831 und anderen Quellen (Rückgang um rund 35 % in der mit Stimulanzien medikamentierten ggüber der unmedikamentierten Zeit61 inzwischen gut belegt. Methylphenidat wird inzwischen als Behandlungssoption bei Suchstörungen betrachtet.62 Ein Case-Report berichtet beispielhaft die Wirkung von Lisdexamfetamin bei einem ehemals Süchtigen.63
Ein früherer Substanzmissbrauch ist daher normalerweise keine Kontraindikation für Stimulanzien.
Bei akutem komorbidem Amphetamin-Substanzmissbrauch ist Atomoxetin aufgrund der geringeren Missbrauchsgefahr vorteilhaft.22

Lisdexamfetamin (Elvanse) bewirkt auch bei verordnungswidriger intranasler (schnupfen)64 oder intravenöser (spritzen)65 Einnahme gleichartige D-Amp-Spiegel wie bei oraler Einnahme. Die Wirkung war ungefähr gleich, bei leicht erhöhten Nebenwirkungen. Es ergab sich keine Rauschwirkung. Dies zeigt, dass das Missbrauchsrisiko von Lisdexamfetamin sehr niedrig ist.

Eine Studie verglich das Missbrauchspotenzial von oralen Einzeldosen von Lisdexamfetamin (LDX) 50, 100 (entspricht 40 mg d-Amp) und 150 mg, 40 mg d-Amphetamin und 200 mg Diethylpropion bei 36 Personen mit früherem Stimulanzienmissbrauch. Bei der Messung der Missbrauchsanfälligkeit mittels der Drug Rating Questionnaire-Subject Liking Scale zeigte Lisdexamfetamin bei 50 mg und 100 mg keine signifikante Erhöhung im Vergleich zu Placebo (2,1), bei 150 mg jedoch eine signifikante Erhöhung (6,1). D-Amphetamin und Diethylpropion zeigten mit 4,0 bzw. 4,5 signifikant erhöhte Werte zeigten. Die Probanden bevorzugten 40 mg D-Amp gegenüber 100 mg LDX, während 150 mg LDX und 40 mg D-Amp gleichauf lagen.66

Bei akutem THC oder Alkohol-Substanzmissbrauch ohne akute Amphetamin-Sucht halten wir das Risiko, dass ein Betroffener versucht, verschriebene Stimulanzien als Droge zu missbrauchen, für sehr gering.

3.4.13. Binge Eating komorbid zu ADHS

Eine Analyse der durch Elvanse adressierten Proteine zeigte Hinweise, dass Elvanse auch bei der Behandlung von Binge Eating positiv mitwirken könnte.29

3.4.14. Chronische Schmerzen komorbid zu ADHS

Chronische Schmerzen sind eine bei ADHS überhäufige Komorbidität
Stimulanzien wie auch Atomoxetin67 können bei ADHS-Betroffenen auch die chronischen Schmerzen verringern.

3.4.15. Enuresis komorbid zu ADHS

Duloxetin lindert komorbide Enuresis (Bettnässen) und stimulanzieninduzierte Dysphorie bei ADHS.
Ein Einzelfallbericht notierte eine Linderung einer komorbiden Enuresis (Einnässen), einer durch Stimulanzien verursachten Dysphorie und eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten bei einem Jugendlichen mit ADHS.68

3.4.16 Schlafprobleme und ADHS

ADHS-Betroffene leiden häufig an Schlafproblemen. Stimulanzien können Schlafprobleme verbessern (viele Betroffene berichten, dass sie seit der Einnahme von Stimulanzien einen deutlich verbesserten Schlaf haben). Bei manchen Betroffenen (wir schätzen ca. 5 bis 10 %) können geringe Dosen (14/ bis 1/3 einer Tageseinzeldosis) unretardiertes MPH auch das Einschlafen verbessern.
Stimulanzien können aber auch Schlafprobleme verursachen. Meist handelt es sich um Eindosierungsnebenwirkungen, die innerhalb der ersten Wochen wieder verschwinden. Manchmal handelt es sich um eine Folge einer zu späten Einnahme oder einer zu langen Wirkdauer der Medikamente aufgrund eines verlangsamten Abbaus. Zu letzterem siehe unter Wirkung und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten

Zur Behandlung von Schlafproblemen bei ADHS siehe den ausführlichen Beitrag Schlafprobleme bei ADHS - Behandlung

3.4.16.1. Melatonin und Stimulanzien

Eine schwedische Kohortenstudie fand, dass zwei Drittel der Jungen und die Hälfte der Mädchen, die Melatonin erhielten, auch ADHS-Medikamente erhielten69, was auf eine hohe Wirksamkeit von Melatonin bei ADHS-bezogenen Schlafproblemen hindeutet.
Mehr zu Melatonin als Medikament zur Behandlung von Schlafproblemen bei ADHS unter Melatonin bei ADHS

3.4.16.2. Guanfacin (insb. abends)

Eine Betroffene berichtete uns gute Erfahrungen mit einer Einnahme von Guanfacin ca. 5 Stunden vor dem Schlafengehen. Müdigkeit ist eine häufige Nebenwirkung von Guanfacin, Guanfacin ist ein Pegelmedikament und wirkt fast den ganzen Tag, sodass auch am nächsten Tag noch eine positive Wirkung auf die ADHS-Symptome vorliegen sollte.

3.4.16.3. Amitriptylin

Amitryptilin in einer Dosierung von etwa 1 mg/kg/Tag bei vorsichtiger Anwendung zeigte Verbesserung von Schlaf, Angst, Impulsivität und ADHS, repetitivem Verhalten und Enuresis.53

Wie bei allen serotonergen Antidepressiva sind Absetznebenwirkungen zu beachten und ein Ausschleichen zu empfehlen.

3.4.17. Bruxismus (Zähneknirschen) bei ADHS

Eine Case-Study berichtet eine positive Wirkung auf einen durch Atomoxetin verursachten Bruxismus.70

3.4.18. Komorbide Sozialphobie bei ADHS

Es wurde von positiven Effekten von Atomoxetin auf komorbide soziale Ängste berichtet.25

3.4.19. SCT (Sluggish cognitive tempo)

In einer Untersuchung verbesserte Atomoxetin bei SCT 7 von 9 Symptomen des Kiddie-Sluggish Cognitive Tempo Interview (K-SCT) signifikant. Die Symptomverbesserung bei SCT war völlig unabhängig von den ADHS-Symptomen.71

SCT-Betroffene sind zudem besonders häufig MPH-Nonresponder. Die Subtypen ADHS-HI und ADHS-I unterscheiden sich dagegen in der MPH-Respondingrate nicht.72

3.4.20. Adipositas

Stimulanzien sind dafür bekannt, den Appetit zu verringern.
Atomoxetin ist von der FDA zur Behandlung von Adipositas zugelassen.59

3.4.21. Histaminintoleranz / Mastzellaktivierungssyndrom

Als eines der wenigen nicht Histamin erhöhenden ADHS-Medikamente wird genannt:

  • Viloxazin
    • Viloxazin scheint an den Histaminrezeptoren H1 und H2 eine schwache kompetitive Hemmung auszuüben (< 25 %).73

Die meisten gängigen ADHS-Medikamente scheinen dagegen Histamin zu erhöhen:

  • Atomoxetin7475
    • ATX erhöht extrazelluläres Histamin im PFC
  • Methylphenidat75
    • die Histamin-Erhöhung scheint nicht durch eine Diaminoxidase-Hemmung zu erfolgen
    • MPH induzierte Diaminoxidase, was den Histaminabbau erhöht76
  • Amphetamin7778
    • die Histamin-Erhöhung scheint nicht durch eine Diaminoxidase-Hemmung zu erfolgen
    • Lisdexamfetamin bewirkte in Caco-2-Zellen eine starke Hochregulierung der DAO-mRNA-Spiegel, was den Histaminabbau erhöht76
  • Modafinil79
  • Nikotin
  • Koffein

Eine Liste weiterer Medikamente, die Histamin erhöhend wirkt, findet sich bei Histaminintioleranz.ch: Medikamentenliste.

Eine ADHS-Betroffene mit Histaminintoleranz berichtete, dass sie AMP und retardiertes MPH gar nicht vertrug, unretardiertes MPH in geringen Dosen jedoch tolerieren konnte.

3.4.22. Schizophrenie und Psychosen komorbid zu ADHS

Eine Einnahme von Stimulanzien oder Atomoxetin verringerte das Risiko einer psychosebedingten Krankenhauseinweisung in den 12 Monaten nach Einführung dieser Medikamente um 2/3 (HR = 0,36), wenn diese in Kombination mit Antipsychotika eingenommen wurden.80

4. Unterschiedliche Wirkungsweisen von ADHS-Medikamenten

4.1. Bindungsaffinität von MPH, AMP, ATX an DAT / NET / SERT

Die Wirkstoffe Methylphenidat (MPH), d-Amphetamin (d-AMP), l-Amphetamin (l-AMP) und Atomoxetin (ATX) binden mit unterschiedlicher Affinität an Dopamintransporter (DAT), Noradrenalintransporter (NET) und Serotonintransporter (SERT). Die Bindung bewirkt eine Hemmung der Aktivität der jeweiligen Transporter.81

Bindungsaffinität: stärker bei kleinerer Zahl (KD = Ki) DAT NET SERT
MPH 34 - 200 339 > 10.000
d-AMP (Elvanse, Attentin) 34 - 41 23,3 - 38,9 3.830 - 11.000
l-AMP 138 30,1 57.000
ATX 1451 - 1600 2,6 - 5 48 - 77

4.2. Wirkung von MPH, AMP, ATX auf Dopamin / Noradrenalin je Gehirnregion

Die Wirkstoffe Methylphenidat (MPH), d-Amphetamin (AMP) und Atomoxetin (ATX) verändern extrazelluläres Dopamin (DA) und Noradrenalin (NE) in verschiedenen Gehirnregionen unterschiedlich stark. Tabelle basierend auf Madras,81 modifiziert.

PFC Striatum Nucleus accumbens Cortex okzipital Hypothalamus lateral Hippocampus dorsal Cerebellum
MPH DA +
NE (+)
DA +
NE +/- 0
DA +
NE +/- 0
AMP DA +
NE +
DA +
NE +/- 0
DA +
NE +/- 0
ATX DA +
NE +
DA +/- 0
NE +/- 0
DA +/- 0
NE +/- 0
DA +/- 0
NE + (Ratte)
DA +/- 0
NE + (Ratte)
DA +/- 0
NE + (Ratte)
DA +/- 0
NE + (Ratte)

Hinweis: der NET bindet Dopamin im PFC etwas besser als Noradrenalin, der DAT bindet Dopamin sehr viel besser als Noradrenalin.
Gleichwohl erhöht Atomoxetin Dopamin nur im PFC und nicht überall, wo es an den NET bindet, sodass hier eine spezieller Wirkmechanismus vorzuliegen scheint.

5. Wirkdauer verschiedener ADHS-Medikamente

Siehe hierzu unter Medikamentenwirkdauer bei ADHS

6. Zulassungsstatus ADHS-Medikamente

6.1. Zulassungsstatus ADHS-Medikamente in Deutschland

In Deutschland sind folgende Substanzen zur ADHS-Behandlung zugelassen:82

Wirkstoff Kinder und Jugendliche - Zulassung Erwachsene - Zulassung
Methylphenidat unretardiert Ritalin® unretardiert; Methylphenidat HEXAL®; Methylpheni TAD® unretardiert; diverse Generika nur off label
Methylphenidat retardiert Medikinet retard; Ritalin LA, Equasym, Methysym (seit 2021) Medikinet Adult; Ritalin Adult; Kinecteen (seit 2023); Concerta (nur Behandlungsfortsetzung)
Lisdexamphetamin (d-Amp in verzögerter Wirkstofffreisetzung) Elvanse Elvanse adult
D-Amphetamin unretardiert Attentin nur off label
Atomoxetin Strattera, Agakalin Strattera, Agakalin
Guanfacin Intuniv nur off label

6.2, Zulassungsstatus ADHS-Medikamentein Frankreich

In Frankreich ist Methylphenidat für Kinder zugelassen und darf an Erwachsene verschrieben werden, wenn diese bereits als Kind Methylphenidat erhielten. In Anbetracht der Erkenntnis zwischenzeitlich jahrzehntelangen Erkenntnis, dass ADHS bei rund 2/3 der Betroffenen im Erwachsenenalter fortbesteht, ist dies äußerst verwunderlich und für diejenigen Betroffenen, die das Pech hatten, als Kind nicht diagnostiziert und behandelt zu werden, sehr bedauerlich.
Eine Erstverschreibung an Erwachsene scheint im Rahmen eines off-label-use möglich zu sein.83

6.3. Zulassungsstatus ADHS-Medikamente in den USA

In den USA sind Stand Januar 2023 folgende ADHS-Medikamente zugelassen:84

Wirkstoff Zulassung
Dexmepthylhenidat unretardiert Focalin®
Dexmepthylhenidat retardiert Focalin® XR
Methylphenidat unretardiert Methylin®, Ritalin®, Metadate CD®
Methylphenidat Halbtagesretard Metadate® ER, Methylin® ER, QuilliChew ER™, Quillivant XR®, Ritalin LA®
Methylphenidat Ganztagesretard Adhansia XR™, Azstarys™, Aptensio XR™, Concerta®, Cotempla™XRODT, Daytrana®, Focalin XR®, Jornay PM™
Amphetaminmedikamente unretardiert Adderall ®, Desoxyn®, Dexedrine®, Evekeo®, Evekeo ODT ™, ProCentra®, Zenzedi®
Amphetaminmedikamente Halbtagesretard Dexedrine®
Amphetaminmedikamente Ganztagesretard / Ganztageswirkung Adderall XR®, Adzenys ER, Adzenys XR-ODT™, Dexedrine Spansule®, Dyanavel® XR, Dyanavel® XR, Mydayis™, Vyvanse® Kautablette, Vyvanse® Kapsel, Xelstrym™
Noradrenalinwiederaufnahmehemmer Strattera (Atomoxetin), Qelbree™ (Viloxazine)
Alpharezeptoragonisten Kapvay® (Clonidin), Intuniv (Guanfacin)

Die tatsächliche Wirkdauer ist nach unserer Erfahrung in der Regel niedriger als angegeben.

6.3.1. Methylphenidat Zulassung in den USA

6.3.1.1. Methylphenidat unretardiert
  • Focalin®
    • Dexmethylphenidat (Hydrochlorid)
    • Tablette
    • 3 bis 5 Stunden
    • 2,5 mg, 5 mg, 10 mg
  • Methylin® Oral Solution
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • Flüssigkeit
    • 3 bis 5 Stunden
    • 5 mg/5 ml, 10 mg/5 ml
  • Ritalin®
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • Tablette
    • 3 bis 5 Stunden (in der Praxis meist eher 2,5 bis 3,5)
    • 5 mg, 10 mg, 20 mg
6.3.1.2. Methylphenidat halbtagesretard
  • Metadate CD®
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 8 Stunden
    • 10 mg, 20 mg, 30 mg, 50 mg
  • Metadate® ER
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 8 bis 12 Stunden
    • 20 mg
  • Methylin® ER
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 8 Stunden
    • 10 mg, 20 mg
  • QuilliChew ER™
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kautablette
    • 8 bis 12 Stunden
    • 20 mg, 30 mg, 40 mg
  • Quillivant XR®
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Flüssigkeit
    • 8, 10 und 12 Stunden
    • 25 mg/ 5ml (5 mg/ml)
  • Ritalin LA®
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 8 Stunden
    • 10 mg, 20 mg, 30 mg, 40 mg
6.3.1.3. Methylphenidat ganztagesretard
  • Adhansia XR™
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 16 Stunden
    • 25 mg, 35 mg, 45 mg, 55 mg, 70 mg, 85 mg
  • Azstarys™
    • Serdexmethylphenidat und Dexmethylphenidat
    • Kapsel
    • 10 Stunden
    • 26,1 mg/5,2 mg; 39,2 mg/7,8 mg; 52,3 mg/10,4 mg
  • Aptensio XR™
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 12 Stunden
    • 10 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg, 40 mg, 50 mg, 60 mg
  • Concerta®
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Tablette (OROS)
    • 10 bis 12 hours
    • 18mg 27mg 36mg 54mg 72mg
  • Cotempla™XRODT
    • Methylphenidat
    • verlängerte Freisetzung
    • Im Mund zerfallende Tablette
    • 8 bis 12 Stunden
    • 8.6 mg, 17.3 mg, 25.9 mg
  • Daytrana®
    • Methylphenidat
    • Transdermales Pflaster
    • 10 bis 16 Stunden
    • 10 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg
  • Focalin XR®
    • Dexmethylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 12 Stunden
    • 5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg, 25 mg, 30 mg, 35 mg, 40 mg
  • Jornay PM™
    • Methylphenidat (Hydrochlorid)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 12+ Stunden
    • 20 mg, 40 mg, 60 mg, 80 mg, 100 mg

6.3.2. Amphetaminmedikamente, Zulassung in den USA

6.3.2.1. Amphetaminmedikamente unretardiert
  • Adderall ®
    • Amphetamine und Dextroamphetamin (Mischsalze)
    • Tablette
    • 4 bis 8 Stunden
    • 5 mg, 7,5 mg, 10 mg, 12,5 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg
  • Desoxyn®
    • Methamphetamin (Hydrochlorid)
    • Tablette
    • 4 bis 8 Stunden
    • 5 mg
  • Dexedrine®
    • Dextroamphetamin (Sulfat)
    • Tablette
    • 4 bis 6 Stunden
    • 2,5 mg, 5 mg, 7,5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg
  • Evekeo®
    • Amphetamin (Sulfat)
    • Tablette
    • 4 bis 7 Stunden
    • 5 mg, 10 mg
  • Evekeo ODT ™
    • Amphetamin (Sulfat)
    • Im Mund zerfallende Tablette
    • 4 bis 6 Stunden
    • 5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg
  • ProCentra®
    • Dextroamphetaminsulfat
    • Flüssigkeit
    • 4 bis 8 Stunden
    • 5 mg/5 ml
  • Zenzedi®
    • Dextroamphetaminsulfat
    • Tablette
    • 4 bis 8 Stunden
    • 2,5 mg, 5 mg, 7,5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg
6.3.2.2. Amphetaminmedikamente halbtagesretardiert
  • Dexedrine®
    • Dextroamphetamin (Sulfat)
    • verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 6 bis 9 Stunden
    • 15 mg
6.3.2.3. Amphetaminmedikamente ganztagesretardiert / ganztageswirkung
  • Adderall XR®
    • Amphetamin und Dextroamphetamin (Mischsalze)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 8 bis 12 Stunden
    • 5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg, 25 mg, 30 mg
  • Adzenys ER
    • Amphetamin
    • verlängerte Freisetzung
    • Orale Suspension
    • 9 bis 12 Stunden
    • 3,1 mg/ 2.5 ml; 6,3 mg/5 ml; 9,4 mg/7,5 ml; 12,5 mg/10 ml; 15,7 mg/12,5 ml; 18,8 mg/15 ml
  • Adzenys XR-ODT™
    • Amphetami
    • verlängerte Freisetzung
    • im Mund zerfallende Tablette
    • 9 bis 12 Stunden
    • 3,1 mg, 6,3 mg, 9,4 mg; 12,5 mg; 15,7 mg, 18,8 mg
  • Dexedrine Spansule®
    • Dextroamphetamin (Sulfat)
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 8 bis 12 Stunden
    • 15 mg
  • Dyanavel® XR
    • Amphetamin
    • verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 8 bis 12 Stunden
    • 2,5 mg, 5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg
  • Dyanavel® XR
    • Amphetamin
    • verlängerte Freisetzung
    • Orale Suspension
    • 8 bis 12 Stunden
    • 2,5 mg/ml, 12,5 mg/tsp
  • Mydayis™
    • Mischsalze eines Amphetamins
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 16 Stunden
    • 12,5 mg, 25 mg, 37,5 mg, 50 mg
  • Vyvanse®
    • Lisdexamfetamin (Dimesylat)
    • Kautablette
    • 8 bis 12 Stunden
    • 10 mg, 20 mg, 30 mg, 40 mg, 50 mg, 60 mg
  • Vyvanse®
    • Lisdexamfetamin (Dimesylat)
    • Kapsel
    • 10 bis 12 Stunden
    • 10 mg, 20 mg, 30 mg, 40 mg, 50 mg, 60 mg, 70 mg
  • Xelstrym™
    • Dextroamphetamin
    • Transdermales Pflaster
    • 9 Stunden
    • 15 mg
    • 10 mg, 15 mg, 20 mg, 30 mg

6.3.3. Noradrenalinwiederaufnahmehemmer für ADHS, Zulassung in den USA

  • Strattera®
    • Atomoxetin (Hydrochlorid)
    • Kapsel
    • 24 Stunden
    • 10 mg, 18 mg, 25 mg, 40 mg, 60 mg, 80 mg, 100 mg
  • Qelbree™
    • Viloxazine
    • verlängerte Freisetzung
    • Kapsel
    • 24 Stunden
    • 100 mg, 150 mg, 200 mg

6.3.4. Alpharezeptoragonisten für ADHS, Zulassung in den USA

  • Kapvay®
    • Clonidin (Hydrochlorid)
    • Verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 12 bis 24 Stunden
    • 0,1 mg, 0,2 mg
  • Intuniv®
    • Guanfacin (Hydrochlorid)
    • Verlängerte Freisetzung
    • Tablette
    • 12 bis 24 Stunden
    • 1 mg, 2 mg, 3 mg, 4 mg

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