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Taurin bei AD(H)S

Taurin (2-Aminoethansulfonsäure) ist eine organische Säure. Als Aminosulfonsäure kann Taurin keine Peptide bilden.
Taurin ist ein Abbauprodukt der Aminosäure Cystein.
Ein gesunder Mensch hat 50 bis 70 g Taurin im Körper.

Taurin wird in bestimmten Energydrinks verwendet, mit z.B. 1000 mg / 250 ml. Energydrinks sind aufgrund des sehr hohen Gehalts an Zucker und Koffein bei AD(H)S ungeeignet,

1. Wirkungen von Taurin

Taurin beeinflusst die Signalübertragung im Gehirn. Es stimuliert den Einstrom und die Membranbindung von Kalzium und unterstützt die Bewegung von Natrium und Kalium durch die Zellmembran. Dies erhöht die Kontraktion und wirkt am Herzen antiarrhytmisch.
Als Antioxidans schützt Taurin Gewebe vor oxidativen Schäden.(1)(2)
Taurinmangel korreliert häufig mit Nierenversagen und Immunsystemstörungen, insbesondere mit erhöhten Entzündungen.(1)
Ob Taurin den Stoffwechsel verstärkt, indem es den Insulinspiegel beeinflusst, ist offen.
Taurin wirkt blutdrucksenkend.
Taurin und Salz können zu einem überhöhten Natriumgehalt in den Zellen führen, was lebensgefährlich sein kann.

2. Taurin bei AD(H)S

Taurin wurde bislang nur in wenigen Berichten als mögliches AD(H)S-Medikament genannt.(1)

Eine Untersuchung an Ratten kam zu dem Ergebnis, dass Taurin bei AD(H)S positive Effekte aufweisen kann.(3)

  • Niedrige Tauringaben erhöhten
    • die DAT im Striatum signifikant (nur) bei WKY-Ratten (die das Gegenmodell für Nichtbetroffene darstellen)
    • die Dopaminaufnahme im Striatum bei SHR- wie bei WKY-Ratten.
  • Hochdosiertes Taurin verringert (nur) bei SHR-Ratten (die ein Tiermodell von ADHS mit Hyperaktivität darstellen)
    • die DAT im Striatum signifikant
      • die DAT im Striatum sind bei AD(H)S erhöht
    • die Dopaminaufnahme im Striatum
      • die Dopamin(wieder)aufnahme im Striatum ist bei AD(H)S erhöht
    • Interleukin (IL)-1β und C-reactives Protein
    • die horizontale Bewegung
    • die funktionelle Konnektivität des Hippocampus (auch in WKY)
    • die mittlere Amplitude der niederfrequenten (0,01-0,08 Hz) Schwankungen (“mean amplitude of low-frequency fluctuation (mean ALFF)”) im Hippocampus beidseitig (auch in WKY)
  • Niedrige wie hohe Tauringaben erhöhen
    • den BDNF-Wert im Striatum bei SHR- wie bei WKY-Ratten signifikant
      BDNF ist bei AD(H)S verringert

Bei AD(H)S-Betroffenen fand eine kleine Studie(4)

  • eine verminderte ALFF
    • im rechten inferioren frontalen Cortex
    • im Cerebellum beidseitig
    • im Vermis
  • eine erhöhte ALFF
    • im rechten vorderen cingularen Cortex
    • im linken sensomotorischen Cortex
    • im Hirnstamm beidseitig

Eine sehr umfassende Studie mit 985 Probanden fand dagegen erhebliche Unterschiede, jedoch ebenfalls nicht im Hippocampus.(5) Eine weitere kleine Studie fand keine Korrelation zwischen ALFF und AD(H)S.(6)

Ein hoher Konsum von Energydrinks mit Taurin könnte als Selbstmedikation zu betrachten sein. Ein gravierender Nachteil dabei ist der immense Zuckeranteil dieser Getränke.

Zuletzt aktualisiert am 29.12.2020 um 11:33 Uhr


5.)
Tang, Wei, Zhao, Zhang, Nie (2017): Abnormal Brain Activity in ADHD: A Study of Resting-State fMRI. In: Zeng, He, Kotaleski, Martone, Xu, Peng, Luo (Hrsg) (2017): Brain Informatics: International Conference, BI 2017, Beijing, China, November 16-18, 2017, Proceedings, Seite 181 ff) n = 985 - (Position im Text: 1)