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Sprache und Sprachentwicklung bei ADHS

Sprache und Sprachentwicklung bei ADHS

1. Einleitung

Sprachentwicklungsstörungen und Kommunikationsstörungen, die im Zusammenhang mit ADHS auftreten, sind nur in geringem Umfang verstanden und gelten aufgrund fehlender eindeutiger Hinweise im verbalen Arbeitsgedächtnis als nicht spezifisch für die Aufmerksamkeitsstörung.1
Als wesentliches kognitives Grundmerkmal der ADHS gilt ein Defizit des visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnisses, aber kein Defizit der phonologischen Schleife.2
Auch wenn bei Kindern mit ADHS-Defizite im verbalen Arbeitsgedächtnis festgestellt werden können, beschränken sich diese i. d. R. auf Schwierigkeiten beim Abruf von richtigen Wortreihenfolgen oder lassen sich durch Aufmerksamkeitsprobleme erklären. Die klangliche bzw. akustische Informationsverarbeitung und die auditive Merkfähigkeit sind nicht beeinträchtigt.3
Möglicherweise gibt es sogar eine Leistungsverschiebung zugunsten der phonologischen Schleife, was z. B. erklären könnte, weshalb viele Menschen mit ADHS musikalisch sind (Hypothese45. Allerdings ist nach wie vor ungeklärt, weshalb spezifische Sprachentwicklungsstörungen häufiger zusammen mit ADHS auftreten und weshalb sich die neuropsychologischen Befunde erheblich von idiopathischen Sprachentwicklungsstörungen unterscheiden.
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2. ADHS & Phonologische Sprachstörungen

Eine phonologische Sprachstörung liegt dann vor, wenn der Sprechstörung ein mangelhaftes Erkennen und Verarbeiten von Sprachlauten (Phonemen)8 vorausgeht. Phonologische Sprachstörungen müssen von phonetischen Sprachstörungen (Artikulationsstörungen), bei welchen nur die motorische Aussprache beeinträchtigt ist, unterschieden werden. Liegen phonologischen Sprachstörungen vor, können Wortkontraste wie beispielsweise Kanne-Tanne, Katze-Tatze, Keller-Teller nicht unterschieden werden.9
Bei phonologischen Sprachentwicklungsstörungen werden bei hoher diagnostischer Relevanz unzureichende Leistungen in der „phonologischen Schleife“ erreicht. Es liegt keine Präferenz für geläufige sprachliche Klangmuster vor und der Wortschatz ist i. d. R. kleiner als bei altersgerechter Sprachentwicklung. Personen mit Sprachentwicklungsstörungen können i. d. R. lautliche Informationen nicht für kurze Zeit im phonologischen Arbeitsgedächtnis repräsentieren, diesbezüglich werden bei Probanden mit ADHS selten auffällige Befunde gefunden.6
Bei ADHS des überwiegend hyperaktiv-impulsiven und dem kombinierten Subtyp (ADHS-C) werden gewöhnlicherweise keine signifikanten Defizite im verbalen Arbeitsgedächtnis festgestellt. Bei einer Gruppe des überwiegend unaufmerksamen Subtyps (ADHS-I) wurden in einer Studie von Rhonda Martinussen leichte Defizite im verbalen Arbeitsgedächtnis von 0.30 Standardabweichungen ermittelt. Die etwas schlechteren Ergebnisse können laut den Autoren der Studie auf Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten zurückgeführt werden.10

3. ADHS & Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS)

Ähnlich wie bei phonologischen Sprachstörungen, werden bei Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) sprachliche Informationen auf höheren Verarbeitungsebenen nur unzureichend verarbeitet und abgespeichert, jedoch umfasst die AVWS darüber hinaus auch sensorische Schwächen des Gehörten, sowie Störungen der Höraufmerksamkeit.11
Kinder mit AVWS können zwar leise Geräusche oder Töne ohne Probleme hören, doch wird das Gehörte, einschließlich sprachlicher Informationen nicht regelgerecht verarbeitet. Dies führt zu einer Reihe von Schwierigkeiten, unter anderem beim Hören von Sprache bei Störgeräuschen oder in schwierigen Hörsituationen wie z. B. in Klassenräumen, in Turnhallen und auf dem Pausenhof. Weil die Unterscheidung von Tönen, Sprachlauten und Geräuschen oft beeinträchtigt ist, kann auch das Lesen- und Schreibenlernen betroffen sein.12
Umfangreiche Defizite hinsichtlich der auditiven Merkfähigkeit, sind nicht unbedingt Voraussetzung für die Diagnosestellung und laut der „American Speech-Language-Hearing Association“ bezieht auditive Aufmerksamkeit, die auditive Merkfähigkeit und den phonologischen Speicher, d. h. kurzfristige Halten einer sprachlichen Information im Arbeitsgedächtnis (rehearsal), nicht zwingend mit ein. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass in einigen Stichproben, bis zu 32 % der Kinder mit diagnostizierter AVWS keine Beeinträchtigungen in den Tests zum auditiven Kurzzeitgedächtnis aufwiesen.13
Aufmerksamkeitsprobleme, Schwierigkeiten bei der Zuwendung zu einer Schallquelle und beim gezielten Zuhören gehören zu den wesentlichen Charakteristika der AVWS. Außerdem werden sensorische Leistungen subkortikaler Verarbeitung im Gehirn, wie beispielsweise: Lokalisation, Diskrimination, Identifikation, Intensität, Differenzierung und Integration von Schallsignalen in das Konzept AVWS einbezogen.

4. Symptome einer AVWS

Symptome einer AVWS sind:14

  • Beeinträchtigung der auditiven Aufmerksamkeit
  • Probleme mit dem Verstehen auditiver Informationen
  • Missverständnisse bei verbalen Aufforderungen
  • verlangsamte Verarbeitung von verbaler Information
  • verzögerte Reaktion auf auditive oder verbale Stimuli
  • schwaches auditives Gedächtnis
  • gestörte Erkennung und Unterscheidung von Schallreizen
  • gestörte Schallquellenlokalisation
  • Einschränkungen des Sprachverstehens und des Fokussierens auf das Gesprochene bei Störgeräuschen
  • Einschränkungen beim Verstehen von veränderten Sprachsignalen (z. B. von unvollständigen oder in der Redundanz reduzierten Sprachsignalen)
  • Erhöhte Anstrengung beim Hören und Verstehen, insbesondere in Störgeräuschsituationen und/oder bei Gesprächen mit mehreren Personen
  • Erhöhte Empfindlichkeit für Lautstärke/Lärm wie Hyperakusis oder Misophonie

Ist das beeinträchtigte Verstehen von verbalen Informationen auf eingeschränkte kognitive Ressourcen zurückzuführen, ist die Diagnose AVWS nicht gerechtfertigt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen mit Aufmerksamkeitsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen oder Lese-Rechtschreibstörungen kombiniert sein können.

Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten gehörter Informationen sind in der Regel auch Bestandteil der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, allerdings werden im Vergleich zu Auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen keine auffälligen Befunde in den Tests des Sprachverstehens unter Störschall oder im auditiven Arbeitsgedächtnis gefunden. Kinder mit AVWS zeigen wiederum keine Auffälligkeiten bei der Bearbeitung von strukturierten Aufgaben in anderen Modalitäten oder beim Bearbeiten von Arbeitsblättern und/oder beim Erledigen von Hausaufgaben. Probanden mit ADHS schneiden bei Aufgaben die, die exekutiven Funktionen/Inhibition einschließen z. B. Continuous Performance Tests, Go/No-Go- oder dem Wisconsin Card Sorting-Aufgaben schlechter ab.15 Geräuschüberempfindlichkeiten werden öfter von Patienten mit ADHS angegeben.16
Ein weiterer Unterschied ist, dass bei ADHS mehr Leistungsschwankungen innerhalb gleicher Aufgaben und ein typischer Leistungsabfall nach wenigen Minuten zu erwarten ist, was für AVWS-Probanden unüblich wäre. 171813

5. ADHS & Artikulationsstörungen (Aussprachestörungen)

Artikulationsstörungen werden laut ICD 1119 als Entwicklungsstörungen der Lautbildung und Sprachproduktion, die sich nicht durch eine andere Sprachentwicklungsstörung oder intellektuelle Behinderungen erklären lassen, aufgeführt. Eine umschriebene Entwicklungsstörung, bei der die Artikulation des Kindes unterhalb des seinem Intelligenzalter angemessenen Niveaus liegt, seine sprachlichen Fähigkeiten jedoch im Normbereich liegen. Häufige Aussprachestörungen sind beispielsweise Sigmatismus (Lispeln), Schetismus (Sch-Lautbildung), Kappazitismus (K-Lautbildung) usw.9
Bei Schulkindern mit ADHS kommen Artikulationsstörungen sechsmal häufiger vor als in der Gesamtbevölkerung.20
Als Ursache bei ADHS im Zusammenhang mit dem häufigen Auftreten von Artikulationsstörungen kommen insbesondere Defizite in Mund-motorischen Fertigkeiten in Betracht, da sich phonologische Verarbeitungsstörungen, die auf ein eingeschränktes Hörverstehen von Lauten zurückzuführen ist, nicht häufiger als in der Gesamtbevölkerung finden lassen. Statt von einer Beeinträchtigung des phonologischen Arbeitsgedächtnisses kann von einer Beeinträchtigung der somatosensorischen Rückmeldung an den motorischen Kortex21 ausgegangen werden. Hiermit ist gemeint, dass taktile sensorische Reize, Druck und Position (Propriozeption (Glossarfenster: Propriozeption: Wahrnehmung des eigenen Körpers nach dessen Lage im Raum22 der Zunge, Lippen und Kieferbewegungen von dem Teil des Gehirns, der die Bewegungen des menschlichen Körper steuert23, fehlerhaft verarbeitet und fehlerhaft im Gedächtnis abgespeichert werden.
Diese bieten sich dann undeutlicher Sprechweise dar. Artikulationsstörungen korrelieren mit dem Schweregrad der ADHS-Symptomatik und bleiben nicht selten in leichterer, subtilerer Weise lebenslang bestehen.24

6. ADHS & Redeflussstörungen

Viele Kinder zeigen zwischen drei und sechs Jahren Phasen von Sprechunflüssigkeiten, wie Wiederholungen von Lauten (z. B. „D-d-d-d-das ist doof.“), Silben oder Wörtern. Diese können sich zu Stottern entwickeln, besonders wenn das Kind dagegen ankämpft und verunsichert ist. Meist verschwindet frühes Stottern wieder, bei etwa 1 % aller Kinder entwickelt sich jedoch ein manifestes Stottern mit Wiederholungen, Dehnungen oder Blockaden.
Poltern ist eine sehr schnelle, hastige Sprechweise, oft verbunden mit undeutlicher Artikulation und Schwierigkeiten im Sprachverständnis. Poltern und Stottern können auch gemeinsam auftreten.25
Stottern ist ein weitverbreitetes Phänomen bei ADHS.
17 % der Kinder mit ADHS stottern.26 Als mögliche Ursache stellte eine bildgebende MRT-Studie mit n = 82 erwachsenen Probanden heraus, dass ADHS-Patienten ein reduziertes Volumen von grauer Materie im rechten Gyri temporales transversi27 aufweisen und 30 ADHS-I-Betroffene ein reduziertes Graumaterievolumen in den linken Gyri temporales transversi hatten. Dies sind Hirnareale, die für die auditive Wahrnehmung zuständig sind. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die strukturellen Unterschiede in den Gyri temporales transversi und im Planum temporale eine Rolle bei der Sprachentwicklung spielen könnten. Die linken Gyri temporales transversi und das linke Planum temporale28 sind insbesondere für die schnelle zeitliche Verarbeitung und die phonemische Wahrnehmung wichtig, die für die Sprachdiskriminierung (Unterscheidung) entscheidend sind. Eine reduzierte Graue Materie in diesen Bereichen, wie sie bei der ADHS-I-Präsentationsform festgestellt wurden, könnte die Verarbeitung von sprachlichen Informationen beeinträchtigen. Bei ADHS-Betroffenen, die eine asymmetrische Verarbeitung zwischen der rechten und linken Hemisphäre zeigen, könnte dies ebenfalls Auswirkungen auf die Sprachverarbeitung haben, primär in Bezug auf prosodische und rhythmische Informationen, die stärker mit der rechten Hemisphäre verbunden sind. Solche strukturellen und funktionellen Unterschiede könnten die Sprachentwicklung und Verarbeitung bei betroffenen Personen beeinflussen.29
Weitere bildgebende Verfahren (funktionelle Magnetresonanztomografie) legen einen Zusammenhang zur Basalganglien Hypothese nahe. Sie besagt, dass sprachliche Dysfluenz Folge möglicher Läsionen der Basalganglien ist.3031
Die Untersuchungen beweisen funktionelle Störungen und Konnektivitätsstörungen im Bereich der Basalganglien (mehr hierzu unter: basal-ganglia-striatum-substantia-nigra-subthalamic-nucleus): Nucleus causatus, Substantia nigra, Putamen sowie in der kortiko-stiato-thalamo-kortikalen Schleife, einer komplexen Regelschleife, die in die exekutiven und motorischen Funktionen eingebunden ist. Die Basalganglien sind entscheidend für die Hemmung von Bewegungen und eine Schädigung führt zu Fehlregulation der motorischen Bewegungen beim Sprechen.32
Bei ADHS kommen stotter-ähnliche Redeflussstörungen sehr oft vor, sie erreichen aber nicht immer die Dimension einer originären Redeflussstörung. Die klinische Schwelle wird dann überschritten, wenn bei mind. 3 % der Silben einer repräsentativen Sprachprobe die typische Sprechunflüssigkeit des Stotterns festgestellt wird. Dennoch zeigen die Studien, dass Stottern nicht nur öfter mit ADHS zusammen vorkommt, sondern auch, dass Sprechunflüssigkeiten proportional häufiger in einer Sprachprobe vorkommen, als bei idiopathischen Redeflussstörungen.3334

7. ADHS & Sprachentwicklung

Sprachentwicklungsstörungen werden nach der „Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie – DGP“, als eine Sprachentwicklung definiert, die zeitlich und inhaltlich von normaler Sprachentwicklung abweicht. Sprachentwicklungsstörungen (SES) im engeren Sinne haben organische Ursachen, Hörstörungen, Schädigungen linkshemisphärischer Hirnareale oder Schädigungen des für die sprachliche Motorik zuständige Broca-Areals35 im Gehirn etc.36 Spezifische Sprachentwicklungsstörungen (SSES) wiederum treten häufig zusammen mit Entwicklungsstörungen auf. Im Gegensatz zu organischen SES sind spezifischen Sprachentwicklungsstörungen nicht modalitätsübergreifend, das heißt, die Störung erstreckt sich nicht auf alle expressiven und rezeptiven Modalitäten: Sprechen, Verstehen, Lesen, Schreiben (Supramodalitätsannahme). 37 Spezifische Sprachentwicklungsstörungen sind in der Regel auf Störungen im Arbeitsgedächtnis zurückzuführen. Bei Personen mit Sprachentwicklungsstörungen bestehen keine Defizite in der auditiven Wahrnehmung, jedoch Schwächen hinsichtlich der auditiven Merkfähigkeit, Zeitverarbeitung oder Probleme der korrekten Ausführung von Sprache in einem bestimmten Kontext. (Suchodoletz et. al. 2004) 38
Spezifische Sprachentwicklungsstörungen mit langfristigen Folgen kommen gemeinsam mit ADHS nur gelegentlich vor, allerdings beginnt fast jedes 4. Kind mit ADHS verspätet zu Sprechen, Artikulationsstörungen und Schwierigkeiten bei der korrekten Verwendung von Grammatik bleiben nicht selten bestehen.39. Besonders häufig betrifft dies Kinder mit ADHS und einer zusätzlichen umschriebenen Entwicklungsstörung motorischer Funktionen. Hier weist die Hälfte aller Kinder eine klinische Sprachentwicklungsverzögerung auf.40

„Störungen der motorischen Sprachentwicklung zeigt der weitaus größere Teil hyperkinetischer Kinder. Dabei handelt es sich häufig zunächst einmal um einen verzögerten Beginn des Sprechens, dessen erste Worte bisweilen nicht vor dem Ende des zweiten oder im Laufe des dritten Jahres zustande kommen, manchmal aber auch im vierten Jahre noch nicht da sind.“41

Paradoxerweise zeigen Kinder mit ADHS mit großer statistischer Wahrscheinlichkeit in der späteren Intelligenzdiagnostik besonders hohe IQ-Werte in den Bereichen, die das sprachliche Verständnis messen. Im Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Kinder (HAWIK-IV) weisen die getesteten Kinder regelmäßig das beste Ergebnis in der Kategorie „Sprachliches Verständnis“ auf.42 Eine Auswertung von Testergebnissen aus Deutschland ergab, dass Kinder mit ADHS im Sprachverständnis 3,3 Punkte über dem Gesamt-IQ liegen. Die Ergebnisse englischsprachiger Studien sind sehr ähnlich.43 Sogar ADHS-Kohorten mit zusätzlichen umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (z. B. Legasthenie) erreichen in der Kategorie „Sprachliches Verständnis“ die höchste Punktzahl.42
Wortschatz, Sprachverständnis (Semantik) und Morphologie scheinen bei ADHS nicht unterentwickelt zu sein. Schwierigkeiten bestehen aber in der selektiven (gezielt gerichteten) Aufmerksamkeit, weil ablenkende Reize unterdrückt (inhibiert) werden müssen, z. B. Störgeräusche, unwichtige Informationen, eigene Emotionen und Impulse. Dies führt dazu, dass wichtige Zielinformationen der Kommunikation und des Lernens nicht richtig verarbeitet werden können, was zusätzlich zu den motorischen Herausforderungen zu einem verzögerten Beginn sprachlicher Fertigkeiten beitragen könnte.444546
Umgekehrt besteht bei selektiven Sprachentwicklungsstörungen (SSES) ADHS als häufigste Komorbidität. Kinder mit SSES können aufgrund ihrer Verständnisprobleme als unaufmerksam eingeschätzt werden. Wenn sie auf Aufforderungen nicht reagieren, unpassend antworten oder im Unterricht unkonzentriert, müde und erschöpft sind, weil sie, um dem Geschehen folgen zu können, mehr kognitive Ressourcen aufbringen mussten, kann dies mit einer originären ADHS verwechselt werden. Eine exakte neuropsychologische Diagnostik ist unerlässlich. Bei einer einfachen SSES können keine Defizite im visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis festgestellt werden. Darüber hinaus sind Hinweise auf unzureichende Verhaltenshemmung selten.474849

8. Expressive Sprachentwicklungsverzögerung

Aufgrund der derzeitigen Diagnosevergabepraxis, ADHS erst ab einem Alter von sechs Jahren zu stellen und wegen des unzureichenden Testmaterials, sind nur wenige Datenquellen für Sprachentwicklungsverzögerungen bei ADHS vorhanden.5051
In einer großen norwegischen Langzeitstudie zur Entwicklung von Kindern mit ADHS „Norwegian Longitudinal ADHD Study“52 wurden 1195 Kinder im Alter von 36 Monaten untersucht. Bei der Studie wurden Vorschulkinder mit ADHS ohne Sprachverzögerung und Kinder mit ADHS und zusätzlichen Sprachentwicklungsverzögerungen verglichen. Die Kohorten wurden mithilfe von Eltern- und Erzieher-Exploration, unter Berücksichtigung erhöhter Hyperaktivität, vergleichbaren nonverbalen Arbeitsgedächtnisleistungen und einer eintägigen neuropsychiatrischen Testung ermittelt. 41 % der Vorschulkinder zeigten klinisch bedeutende Defizite im verbalen Arbeitsgedächtnis, jedoch nicht im phonologischen Bewusstsein, welches bei Sprachentwicklungsverzögerungen typischerweise beeinträchtigt ist. In den anderen Testkategorien, den Arbeitsgedächtnistests, der Inhibition, Impulsivität und motorische Hemmung zeigte die gesamte Kohorte schlechtere Ergebnisse, als die Kontrollgruppe. Somit unterschieden sich die Ergebnisse der Kleinkinder mit ADHS und Sprachentwicklungsverzögerungen eindeutig von denen typischer Sprachentwicklungsverzögerungen und allgemeiner Entwicklungsstörungen.5354

9. Früher Wortschatz

Im Gegensatz zu den sprachverzögerten Kindern mit ADHS wird von einigen Kindern mit ADHS, vor allem bei hyperaktiv-impulsiven Symptomen berichtet, dass sie schon sehr früh zu sprechen begannen und über einen beeindruckenden Wortschatz verfügten.55
Eine genomweite Assoziationsstudie mit Daten von 17.298 Kindern kam zu dem Ergebnis, dass ein großer Wortschatz im Alter von 15–18 Monaten genetisch mit einem größeren Risiko für ADHS verknüpft ist (rg=0.23), während ein großer rezeptiver Wortschatz im Alter von 2–3 Jahren mit einem geringeren genetischen Risiko für ADHS verknüpft ist (rg= -0.6 bis -0.74).56
Ein größerer Wortschatz alleine ist aber nicht unbedingt Kennzeichen für die tatsächliche oder die zukünftige Sprachkompetenz, wesentlich dafür ist die Länge des Gesagten. Sprachkompetenz zeichnet sich durch die Anzahl der benutzten Phoneme aus. Das bedeutet, nicht der Wortschatz in einer Äußerung, sondern die Anzahl benutzter Phoneme, Sprachlaute unabhängig von Wortgrenzen gibt Aufschluss über die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes. (siehe LMU, Mean Length of Utterance)5758
Hierbei muss berücksichtigt, dass Kinder mit ADHS signifikant (=0.054) kürzere Sätze produzieren als typisch entwickelten Kinder.59
Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Wortschatz jüngerer Kinder mit ADHS dem tatsächlichen Sprachverständnis vorauseilen könnte.6061

10. ADHS & pragmatische Sprachstörungen

Allgemeine Merkmale der Kommunikation bei ADHS

Personen mit ADHS weisen oftmals einen ganz charakteristischen Kommunikationsstil auf, der in ähnlicher Weise auch bei anderen Erkrankungen mit exekutiver Funktionsstörung beobachtet werden kann, deren Gemeinsamkeit Defizite der Verhaltenshemmung sind.6263
Einige Beispiele sind:64 (ICD10, WHO, Abschnitt G3.) 65

  • Distanzloses und aufdringliches Verhalten gegenüber Fremden, aufgrund einer reduzierten Impulskontrolle. Schwierigkeiten eine soziale Situation richtig einschätzen oder initiieren zu können, kann dazu führen, dass auch im Kontakt zu vertrauten Personen der Eindruck von unangemessenem Verhalten aufkommt.
  • Gesprächsregeln werden nicht eingehalten. Häufig kommt es zum Fehlen von Gruß-, Abschieds- oder Höflichkeitsformeln.
  • Unterbrechen und Stören Anderer. Einmischen in Gespräche anderer.
  • Unangemessene Länge von Redebeiträgen und Nichteinhalten von Sprecherwechseln, Unterbrechen des Gesprächspartners.
  • Erhöhter Rededrang mit Weitschweifigkeit und Umständlichkeit, assoziatives Abschweifen und semantische Vagheit (ungenaue Formulierungen).
  • In unangemessenen Situationen anzügliche Witze erzählen.
  • Trotz deutlicher Hinweise nicht bemerken, dass der andere gehen will.
  • Häufiges exzessives Reden, ohne angemessen auf soziale Beschränkungen zu reagieren.
  • Häufiges Herausplatzen mit einer Antwort, bevor eine Frage beendet worden ist.

11. ADHS & Sprachpragmatik

Kinder mit ADHS haben oftmals Schwierigkeiten, kommunikative Äußerungen und deren Interpretationen sozialen Kontexten anzupassen. Spätestens in der Grundschule, manchmal auch schon im Kindergarten fallen die Kinder durch Streitereien mit Altersgenossen auf, die nicht selten auf Missverständnisse zurückzuführen sind. Defizite im sprachpragmatischen Gebrauch hängen besonders stark mit Hyperaktivität und Impulsivität zusammen.
Deutliche Schwierigkeiten hatten laut einer Studie von Nina Crespo Kinder mit ADHS im Alter von 8 Jahren. Sie schnitten bei Aufgaben mit unklar formulierten sozialen und kontextbezogenen Aufgaben signifikant (>0,01) schlechter ab als die Kontrollgruppe. Dabei schnitten vor allem die Probanden mit ausgeprägter Inhibitionsstörung, die außerdem Defizite im Arbeitsgedächtnis aufwiesen, schlechter ab.66
Eine systematische Übersichtsstudie der University of Oviedo untersuchte die sprachpragmatische Auffassungsgabe bei ADHS in Bezug auf das Entwicklungsalter, welche zeigte, dass Kinder mit ADHS im Jugendalter, im Vergleich zu Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen, ihre Defizite deutlich besser aufholen konnten. Überdies zeigen die zitierten Studien, dass ein Zusammenhang zwischen schwacher Sprachpragmatik und ADHS mit Hyperaktivität und Impulsivität besteht, allerdings gab es keine Unterschiede des pragmatischen Sprachverständnisses zwischen dem vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADHS-I) und der Kontrollgruppe.67
Große Schwierigkeiten haben Kinder mit ADHS im Bereich der Erzählkompetenz. Kinder mit ADHS geben Erlebnisberichte, Geschichten und Aufsätze in der Schule meistens chaotisch, sinnlos und zusammenhanglos wieder.68 Wenn Kinder mit ADHS über Erlebnisse berichten sollen, können sie diese meistens nicht kohärent, vollständig und wahrheitsgetreu wiedergeben. Dies ist Folge von Läsionen im präfrontalen Kortex und sollte nicht als beabsichtigtes Lügen aufgefasst werden.69 Schulkinder mit ADHS haben zusätzlich erhebliche Schwierigkeiten beim Erschließen von nicht explizit Gesagtem (Implikationen), beim Verstehen von Gesprächspartnern sowie beim Textverständnis.70

Folgende Verhaltensmuster deuten auf pragmatische Sprachverständnisstörungen hin:6

  • Reaktionen auf sprachliche Äußerungen bleiben aus.
  • Fehlender referenzieller Blickkontakt
  • Sprache ist meist handlungsbegleitend, Fragen werden kaum gestellt
  • Fragen werden oft mit „ja“ beantwortet oder die Antworten passen nicht zur gestellten Frage
  • Unruhige Gespräche mit plötzlichem Gesprächsabbruch

12. ADHS & Exzessives Sprechen

Kinder mit ADHS fallen häufig durch ihre mangelhafte Selbstkontrolle auf, die sich oftmals in übersteigertem Redebedürfnis abzeichnet. Nicht selten gibt genau dieses Symptom Anlass für eine diagnostische Abklärung, denn die Kinder mit ADHS stören mit ihrer andauernden Sprachproduktion im Unterricht oder die Kindergartengruppe. Sie reden schnell, lenken ihre Sitznachbarn ab, unterbrechen andere innerhalb eines Gesprächs, führen Selbstgespräche, singen und summen vor sich hin, auch wenn sie dabei andere stören.71

„…Wieder andere müssen immer reden. Sie überfallen den Nachbarn mit völlig unwichtigen Mitteilungen. Sie flüstern. Sie sagen hilfsbereit einem anderen vor. Ja, sie reden laut vor sich, wenn ihnen niemand zuhört. Sie „denken“ laut und schließen zum Beispiel eine Arbeit ab mit dem zufriedenen Selbstgespräch: „So. Fertig! Es war gar nicht so schwer.“ Oder äußern laut ihren Missmut, ihren Ärger.“ 72

Übermäßiges und häufiges Reden (DSM 5 Abschnitt: Hyperaktivität, Punkt (f)) ist ein Symptom, das mit motorischer Hyperaktivität, Erzeugen von Lautmalereien und Tics in enger Wechselbeziehung steht.73
Laut Johanna und Klaus-Henning Krause kann der ungezügelte Rededrang bis in das Erwachsenenalter bestehen bleiben. Größere Beachtung verdient diese Besonderheit jedoch wegen seiner Rolle in der Entwicklungspsychologie.
Russel Barkley betrachtet die Externalisierung innerer Sprachprozesse als ein Kardinalsymptom der ADHS und setzt dieses in enge Verbindung mit der exekutiven Dysfunktion.
Barkleys theoretisches Modell der exekutiven Dysfunktion, dessen Kerndefizit die mangelnde Verhaltenshemmung ist, die sich aus diesen vier exekutiven Funktionen zusammensetzt, lauten:
7475

(a) Arbeitsgedächtnis (Kurzfristiges Halten und Verändern von Informationen im Kopf etc.)

(b) Selbstregulation von Affekt, Motivation und Erregung (Die Fähigkeit eigene Gefühle von Ereignissen und Informationen zu trennen)

(c) Internalisierung von Sprache (Das Entwickeln innerer Monologe, z. B. um sich selbst Anweisungen zu geben, Prüfung der Angemessenheit eigenen Verhaltens, einschließlich Metakognition)

(d) Handlungsplanung (Reihenfolgen auf mentaler Ebene planen, Problemlösungen finden usw.)

Die Grundlage für Barkleys Modell ist die Theorie Bronowskis (1977) über die Einzigartigkeit der menschlichen Sprache.
Bronowski identifizierte vier einzigartige Eigenschaften der menschlichen Sprache, die sie von der Kommunikation der Tiere unterscheidet. Er argumentierte, dass die menschliche Sprache nicht nur ein Mittel der Kommunikation ist, sondern auch der Selbstreflexion dient, bei der soziale Handlungen vorgeschlagen, durchgespielt und getestet werden. Reflexion kann nur stattfinden, wenn es eine Verzögerung zwischen dem Eintreffen eines Reizes oder Ereignisses und der Reaktion auf dieses Ereignis gibt. Bronowski betrachtete diese Fähigkeit, Reaktionen zu hemmen und zu verzögern, als zentrales und prägendes Merkmal in der Evolution der einzigartigen Eigenschaften der menschlichen Sprache.76
Nach Barkley schafft die Fähigkeit, zwischen Ereignis und Reaktion eine Verzögerung (Inhibition) herbeizuführen, einen kleinen Zeitraum, in dem eine Situation bewertet werden und Hypothesen zukünftiger Ereignisse vorgenommen werden können. Dieser Teil der exekutiven Funktion ermöglicht es Menschen, sich von der „Herrschaft des Augenblicks der unmittelbaren Umstände zu befreien, unter welcher alle anderen Lebewesen stehen“.
Die Internalisierung der Sprache verleiht dem menschlichen Denken und Sprechen eine einzigartige Form. Während der Verzögerung der Reaktion wird die Sprache auf das Selbst gerichtet. Sie wird dadurch von einem primären Kommunikationsmittel mit Anderen zu einem Mittel der Kommunikation mit sich selbst, einem Mittel der Reflexion und Erkundung, das die Konstruktion möglicher Nachrichten oder Reaktionen erlaube, bevor eine ausgewählt wird, um sie zu äußern oder auszuführen. Sie ermöglicht auch die Erstellung von selbstgesteuerten Anweisungen und wird somit zu einem grundlegenden Werkzeug für die Selbstkontrolle.
Der Psychologe Lew Wygotski erkannte bereits 1930, dass Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren häufig Selbstgespräche führen, die in der Regel mit voranschreitendem Entwicklungsstand in internalisierte Sprache, eine Art innerer Monolog, übergeht. Kleinkinder kommentieren ihre Handlungen und nehmen zunehmend soziale Handlungen mit in ihr Repertoire auf. Ein Beispiel aus den Aufzeichnungen von Jean Piaget: „Ich, ich will das da zeichnen … Ich will was malen… Dafür brauch ich ein großes Stück Papier… Und alles fällt um! (der Junge wirft ein Spiel um)…Jetzt will ich was anderes machen“ usw.77
Wygotski verstand Sprache über ihre Funktion als Kommunikationsmittel mit anderen hinaus, als eine Art Werkzeug, dessen Funktion es sei, Gedanken zu ordnen.
Wygotski stellte fest, dass die Kinder mit der Hilfe der bezeichnenden Funktion der Wörter beginnen ihre Aufmerksamkeit zu steuern, ihre Gedanken zu ordnen und ihre Vorstellungen im Kopf festzuhalten.

„Das sprechende Kind hat die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit auf dynamische Weise zu lenken. Es kann Veränderungen in seiner gegenwärtigen Lage aus dem Blickwinkel vergangener Tätigkeiten betrachten, und es kann vom Blickwinkel der Zukunft aus in der Gegenwart handeln.“7879

Barkley zeigt in seinem theoretischen Modell der Internalisierung von Sprache außerdem auf, dass selbstgerichtete Sprache über ihre Funktion Probleme rein informativ zu lösen und zu reflektieren auch der Entwicklung von Regeln dient, welche Voraussetzung sind, um das eigene Verhalten zu steuern, ohne Situationen komplett neu bewerten zu müssen.75

Die Theorie Barkleys steht Alan Baddeleys Modell des Arbeitsgedächtnisses sehr nahe.80
Insbesondere die (mentale) Manipulation von Informationen im Arbeitsgedächtnis umfasst die Fähigkeit, Informationen kurzfristig halten, verändern und ordnen zu können, um beispielsweise eine sprachliche Äußerung einer veränderten Situation entsprechend anpassen zu können.
Manipulation im Arbeitsgedächtnis wiederum setzt Inhibition voraus.81
Baddeley beschrieb darüber hinaus auch die Funktion des „rehearsals“, das innere Nachsprechen und Wiederholen in der Artikulationschleife als Teil des Arbeitsgedächtnisses, die der „Erhaltung der Gedächtnisspur“ dient und eine Art inneres Üben, Weiterdenken des Gehörten darstellt.

Bei einem Experiment Baddeleys sollten Probanden im Zuge eines Gedächtnistests Silben laut vorsichhinsprechen, um die innere Stimme zu blockieren, mit dem Ergebnis, dass die Merkfähigkeit der Probanden deutlich nachließ. Seine Tests simulieren nicht nur einen Mangel an internalisierter Sprache, sondern verlangen den Probanden auch ein hohes Maß an geteilter Aufmerksamkeit ab.
Inhibition ist ebenso die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren, indem ablenkende, konkurrierende Informationen ignoriert und unangemessene Reaktionen unterdrückt werden, während ihr Fehlen infolge der ADHS, Betroffenen große Anstrengung abverlangt.8283

13. ADHS & Theory of Mind

Das psychologische Konzept „Theorie of Mind“ (ToM) beschreibt die Fähigkeit, psychische Zustände anderer Menschen, z. B. Gedanken, Gefühle, Erwartungen, mentale Zustände, Handlungsabsichten usw. zuzuschreiben und vorhersagen zu können. Die ToM ist bei unter fünfjährigen Kindern noch nicht vollständig ausgreift. Wie andere soziale Kompetenzen, entwickelt sich die ToM ebenfalls individuell, in unterschiedlichem Tempo.8485

13.1. Inhibitionsstörung als Ursache für das ToM-Defizit

Um sich in die Gedanken, Emotionen und mentalen Zustände anderer Menschen hineinversetzen zu können, ist die Hemmung (Inhibition) der eigenen Gedanken, Emotionen bzw. eigener Repräsentationen nötig. Personen mit ADHS bzw. exekutiver Dysfunktion haben aufgrund der unvollständigen Maturation des inferioralen Frontallappens* Mehr hierzu unter Gehirnhemisphaeren) große Probleme, ihre eigene Sichtweise zu hemmen, um eine fremde Sichtweise korrekt zu übernehmen.86 Das bedeutet, Menschen mit ADHS glauben öfter, dass andere Menschen in einem Moment das Gleiche denken und fühlen, wie sie selbst. Der Mangel, eigene psychische Zustände von anderen trennen zu können (Self Indistinction) fällt Menschen mit ADHS schwer, jedoch gibt es keine ausreichenden Hinweise darauf, dass außerdem Probleme mit sozialen Vorhersagen und dem Erkennen von intentionalen Absichten vorhanden sind. Das Niveau der verbalen Reziprozität bleibt wegen der Inhibitionsstörung bei ADHS allerdings niedrig.8788
Kinder mit ADHS im Alter zwischen vier und 19 Jahren zeigten in einer Studie mithilfe bildgebender Verfahren, Magnetresonanztomografie (fMRI) größere ToM-Defizite als typisch-entwickelte Kinder. Die Probanden mit ADHS zeigten zwar ToM-Defizite, diese sind jedoch weniger stark ausgeprägt als bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen. Ihre Schwierigkeiten liegen vor allem in der Verarbeitung von sozialen Interaktionen, insbesondere bei der Unterscheidung zwischen sozialen Hilfe- und Bedrohungsszenarien. Die Autoren folgern, dass atypische Aktivierungsmuster im orbitofrontalen Kortex und anderen ToM-Gehirnregionen zu ihren sozialen und kognitiven Herausforderungen beitragen.8990
919293

13.2. Gemeinsame Aufmerksamkeit (Joint Attention) & Theory of Mind

Seine Aufmerksamkeit auf zwei oder mehrere Stimuli gleichzeitig richten zu können, z.B. einem Gespräch zu folgen und gleichzeitig zu schreiben, wird geteilte Aufmerksamkeit genannt. Menschen mit ADHS schneiden bei Aufgaben, die geteilte Aufmerksamkeit verlangen, merkbar schlechter ab.94 95
Das populärste theoretische Modell zur ursächlichen Erklärung von Theory-of-Mind-Defiziten geht auf die Annahme unzureichenden geteilter Aufmerksamkeit bei Kleinkindern von Simon Baron-Cohen zurück. Baron-Cohen und seine Kollegen nahmen an, dass die gemeinsame Aufmerksamkeit (Joint Attantion), z. B. das referenzierende Zeigen auf einen Gegenstand, das gemeinsame Schauen von Mutter und Kind auf einen Gegenstand, eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Fähigkeit ist, die Gedanken und Gefühle Anderer zu verstehen. Wenn Kinder Schwierigkeiten mit geteilter Aufmerksamkeit haben, können sie auch Schwierigkeiten haben, einen triangulären Blick zu initiieren, der laut Barons Theorie Lernvoraussetzungen dafür ist, die Perspektive oder Absichten Anderer zu erkennen. Daher werden die Defizite in der geteilten Aufmerksamkeit als eine mögliche Ursache für die Schwierigkeiten bei der Entwicklung der ToM bei autistischen Kindern diskutiert.9697
Michael Tomasello geht davon aus, dass die gemeinsame Aufmerksamkeit (Joint Attention) nicht ausschließlich ein Prozess geteilter (sozialer) Aufmerksamkeit ist, sondern daneben die Qualität des Erkennens von kommunikativen Symbolen und das Verständnis anderer Menschen als absichtsvoll handelnde Wesen elementar sind. Möglicherweise ist das Interesse an menschlicher Gegenseitigkeit eine stärkere Voraussetzung für die Kompetenz „Joint Attention“, als Aufmerksamkeitsprozesse der exekutiven Funktion.9899
Die meisten Studien können keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen erbrachten Leistungen in Aufgaben zur geteilten Aufmerksamkeit und sozialer Kommunikation belegen.100
Eine interdisziplinäre Studie (Children With Autism Illuminate the Role of Social Intention in Word Learning) hat die Fähigkeiten gemeinsamer Aufmerksamkeit und soziale Perspektivenübernahme von Kindern im ASS mit typisch entwickelten Kindern verglichen. Die autistischen Kinder konnten soziale Reize genauso gut benennen, wenn soziale und wahrnehmungsbezogene Zielreize übereinstimmten, z. B. durch Zeigegesten, Berührungen und Blickrichtungen der erwachsenen Personen auf ein Objekt vorgegeben wurden. Deutlich schlechter schnitten die Kinder bei Aufgaben ab, bei welchen die Absichten des Testers erkannt werden mussten, sog. False-belief-Aufgaben.

Beispiel für eine False-Belief-Aufgabe:

Zwei Kinder, Sally und Ann, beschäftigen sich mit einem Ball: Sally legt den Ball in den Korb und geht spazieren, danach nimmt Ann den Ball aus dem Korb und legt ihn, unbeobachtet für Sally, in eine Schachtel. Daraufhin kommt Sally zurück.

Die Frage an den Betrachter ist nun: »Wo sucht Sally den Ball?«

Während Vierjährige antworten: »Im Korb, weil Sally denkt, dass er dort ist«, antworten Zwei- und Dreijährige noch: In der Schachtel, weil sie noch nicht den Wechsel der Perspektive vortragen können und zwischen ihren eigenen Überzeugungen und denen der anderen Personen noch nicht sicher unterscheiden können.101

Die Größe des Wortschatzes hing bei den autistischen Kindern im Vorschulalter von ihrer Fähigkeit zu Intentionalisieren (Menschen als absichtsvolle Wesen erkennen zu können) ab, allerdings nicht von der geteilten bzw. gemeinsamen Aufmerksamkeit.102

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder mit ADHS über eine schlechtere ToM verfügen, als ihre Altersgenossen, was in enger Beziehung zur hemmenden Regulierung steht. In der Regel können sie den Theory of Mind Rückstand dank ihrer hervorragenden Abstraktionsfähigkeit bis ins Erwachsenenalter aufholen.103104


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