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ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen

Vollständig überarbeitet 10/2026

 

Autor: Ulrich Brennecke
Review: Dipl.-Psych. Waldemar Zdero

ADHS ist nicht nur eine Störung des Kindesalters. Bei rund zwei Dritteln der als Kind Diagnostizierten besteht ADHS bis ins Erwachsenenalter fort. Die Symptome verändern sich dabei häufig. In einer Erhebung in 20 Ländern war ADHS bei 18- bis 44-Jährigen sogar etwas häufiger als die rückblickend erfragte Häufigkeit in der Kindheit.

Wenn ADHS zurückgeht (Remission), heißt das meist nicht, dass die Symptome verschwunden sind. Die Symptome reichen dann lediglich nicht mehr für eine Diagnose aus. In einer großen Langzeitstudie hatten bis zu 90 % der Betroffenen im jungen Erwachsenenalter noch Restsymptome oder deutliche Einschränkungen. Oft bleiben Nachteile in Schule, Ausbildung und Beruf. Bei vielen verläuft ADHS schwankend. Die Symptome gehen zurück und kehren später wieder. Stress und wechselnde Anforderungen des Alltags dürften dazu beitragen. Ein Fortbestehen bis ins Erwachsenenalter hing in Studien unter anderem mit einem schweren ADHS in der Kindheit und mit zusätzlichen Störungen wie Störungen des Sozialverhaltens oder Depressionen zusammen.

Manche Menschen erhalten die Diagnose erst als Jugendliche oder Erwachsene (Late-Onset-ADHS). Meist waren Symptome schon in der Kindheit vorhanden, wurden aber übersehen oder waren noch schwach ausgeprägt. Ob ADHS ganz ohne Vorzeichen in der Kindheit neu entstehen kann, ist umstritten. Nach sorgfältiger Abklärung wurden über 90 % der scheinbar spät beginnenden Fälle ausgeschlossen. Wird ADHS erst nach der Kindheit erkennbar, geschieht dies meist im Alter von 12 bis 16 Jahren. Fehlende Nachweise von Symptomen in der Kindheit sollten kein Grund sein, Erwachsenen eine Behandlung zu verweigern.

Bei Frauen wird ADHS häufiger erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. In einer Studie erhielten Frauen die Diagnose im Mittel etwa 4 Jahre später als Männer. Frauen mit später Diagnose haben häufig zusätzlich Angststörungen oder Depressionen. Als möglicher Grund für das späte Hervortreten wird das Hormon Östradiol diskutiert, das Symptome überdecken kann und mit dem Alter, besonders in den Wechseljahren, nachlässt.

Bei Erwachsenen nimmt die sichtbare körperliche Hyperaktivität meist ab und wandelt sich oft in innere Unruhe. Unaufmerksamkeit bleibt häufiger bestehen als Hyperaktivität und Impulsivität. Hinzu kommen oft Probleme mit der Organisation, emotionale Überreaktionen und Stimmungsschwankungen. Erwachsene können ihr Leben eher so einrichten, dass die Eigenheiten von ADHS weniger belasten.

Die empfohlenen Tagesdosen von Stimulanzien unterscheiden sich bei Erwachsenen kaum von denen bei Kindern. Unabhängig vom Alter sollte eine Behandlung mit niedriger Dosis beginnen und schrittweise gesteigert werden. In einer großen Auswertung vieler Studien wirkten ADHS-Medikamente bei Erwachsenen etwas schwächer auf die Kernsymptome als bei Kindern und Jugendlichen. Viele Betroffene setzten ihre Medikation als junge Erwachsene ab, am häufigsten mit 18 bis 19 Jahren.

ADHS kann bis ins hohe Alter diagnostiziert werden. Bei älteren Menschen kann ADHS mit einer beginnenden Demenz verwechselt werden. Ältere Erwachsene mit ADHS hatten in einer Studie eine ähnlich eingeschränkte Lebensqualität wie jüngere Betroffene. Eine medikamentöse Behandlung kann auch bei Senioren sinnvoll sein. Sie sollte mit niedriger Dosis beginnen und langsam gesteigert werden. Dabei ist auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und den im Alter veränderten Abbau der Wirkstoffe zu achten. Lisdexamfetamin ist für Erwachsene ohne obere Altersgrenze zugelassen. Methylphenidat ist bei älteren Menschen nur außerhalb der Zulassung (off-label) einsetzbar. Eine pauschale Ablehnung von Stimulanzien allein wegen des Alters ist nach Einschätzung von ADxS nicht gerechtfertigt.

ADHS endet nicht, wie man bis zum Ende des letzten Jahrtausends annahm, (E 4)1 automatisch mit dem Erwachsenwerden.

ADHS bleibt bei rund zwei Dritteln der Betroffenen, die als Kind diagnostiziert wurden, bis ins Erwachsenenalter bestehen. Bei vielen zeigen sich veränderte Symptome, während bei anderen eine vollständige Remission oder Remission mit schwankenden Phasen festgestellt werden kann. Bis zu 90 % der Betroffenen haben im jungen Erwachsenenalter noch Restsymptome oder erhebliche Einschränkungen im Vergleich zu Nichtbetroffenen. (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)2 Es werden unterschiedliche Gründe für das Fortbestehen von ADHS bis ins Erwachsenenalter diskutiert, wie z.B. niedriger sozioökonomischer Hintergrund, hohe Stressbelastung in der Kindheit oder späte Traumata. Eine Theorie geht davon aus, dass ADHS bereits im Kindesalter existiert, aber durch Coping-Mechanismen überspielt wird und erst im Erwachsenenalter sichtbar wird. Late-Onset-ADHS, d.h. ein erstmaliges Auftreten (oder zumindest Erkennbarwerden) nach der Kindheit, wird diskutiert und scheint insbesondere bei Frauen vorzukommen. Nach Anwendung differenzialdiagnostischer Verfahren werden jedoch über 90 % der scheinbaren Late-Onset-Fälle ausgeschlossen. Die meisten (wenn nicht alle) Late-Onset-Fälle treten zwischen 12 und 16 Jahren auf. (Narrativer Review, E 4.)3
Die Symptome von ADHS verändern sich bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern, wobei Hyperaktivität abnimmt und innere Unruhe sowie Unaufmerksamkeit und Organisationsprobleme in den Vordergrund treten.

(E 4): Eine Diagnostik von ADHS ist bis ins hohe Alter möglich. (Narrativer Review, E 4)3 (Narrativer Review, E 4)4 Bei älteren Erwachsenen (ab 50 Jahren) wird empfohlen, eine ADHS-Medikation mit niedriger Anfangsdosis zu beginnen und langsam zu steigern. (Systematischer Review, E 4.)5

1. Häufigkeit von ADHS bei Erwachsenen

Bedeutung für Betroffene

In Deutschland hatten knapp 5 % der Kinder und Jugendlichen eine ADHS-Diagnose, bei weiteren knapp 5 % bestand ein Verdacht. Auch bei Erwachsenen ist ADHS häufig. Je nach Studie und Definition waren etwa 2,5 % bis knapp 7 % der Erwachsenen betroffen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ADHS bei Erwachsenen beschrieben. Die adulte ADHS ist damit keine Erfindung der modernen Psychiatrie.

Bei einem großen Teil der Betroffenen besteht ADHS bis ins Erwachsenenalter fort, vollständig oder teilweise. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt stark davon ab, wie ADHS gemessen wird und wer Auskunft gibt. Betroffene selbst berichteten ihre Symptome oft schwächer als ihre Eltern. In Deutschland hatte nur ein Teil der Jugendlichen mit ADHS-Diagnose diese Diagnose auch noch mit 21 Jahren, noch weniger erhielten weiterhin Medikamente.

Auch wenn die Diagnosekriterien nicht mehr erfüllt sind, bleiben häufig Einschränkungen bestehen, etwa in Schule, Ausbildung und Beruf. Bei vielen Betroffenen schwankt die Symptomatik über die Jahre, mit Phasen der Besserung und erneuter Verschlechterung.

Welche Kinder ihr ADHS als Erwachsene behalten, lässt sich im Einzelfall nicht sicher vorhersagen. Eine stärkere Ausprägung in der Kindheit, zusätzliche psychische Störungen, psychische Probleme der Eltern und belastende Lebensumstände gingen in Studien häufiger mit einem Fortbestehen einher.

In Deutschland hatten 4,8 % der 3- bis 17-Jährigen eine ärztlich oder psychologisch gestellte ADHS-Diagnose (Elternangabe), bei weiteren 4,9 % bestand ein ADHS-Verdacht. (Querschnittstudie, n = 14.836, E 3.)6

(E 3): Die Prävalenz von ADHS bei Erwachsenen betrug:

  • 6,76 % (95%-KI 4,31 bis 10,61) für symptomatisches ADHS (unabhängig von einem Beginn in der Kindheit), standardisiert auf die Weltbevölkerung 2020 (Metaanalyse, k = 40, E 3.)7

  • 1 % bis 4,7 % in vier Bevölkerungsstudien, je nach Diagnosekriterien (Systematischer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)8

  • 4,5 % mit 22 Jahren (brasilianische Geburtskohorte Jahrgang 1993, n = 3.780, DSM-5, M.I.N.I.) (Geburtskohorten, n = 7.354, E 2b.)9

  • 4,4 % mit 30 Jahren (brasilianische Geburtskohorte Jahrgang 1982, n = 3.574, DSM-5, M.I.N.I.) (Geburtskohorten, n = 7.354, E 2b.)9

  • 4,4 % bei 18- bis 44-Jährigen in den USA (Querschnittstudie, n = 3.199, teilweise herstellerfinanziert, E 3.)10

  • 4,4 % als beste verfügbare Schätzung (Narrativer Review, Sekundärzitat über Polanczyk & Rohde 2007, E 4.)11 Für Kinder und Jugendliche nannte der Review 5,29 %

  • 2,8 % bei 18- bis 44-Jährigen in 20 Ländern (WHO-Erhebung), höher als die retrospektiv erfragte Prävalenz in der Kindheit (2,2 %) (Querschnittstudie, k = 20 Surveys, n = 26.744, E 3.)12 Dies könnte sich damit decken, dass die Erblichkeit von Erwachsenen-ADHS möglicherweise geringer ist als von Kinder-ADHS, dass also der Anteil von Umwelteinflüssen auf die ADHS-Entstehung bei Erwachsenen höher sein könnte als bei Kindern. (Narrativer Review über Zwillingsstudien, E 4)13

  • 2,58 % (95%-KI 1,51 bis 4,45) für persistierendes ADHS (Beginn in der Kindheit), standardisiert auf die Weltbevölkerung 2020 (Metaanalyse, k = 40, E 3.)7

  • 1 % bis 2,5 %, errechnet aus einer Persistenz von 35 % bis 50 % und einer Kindheitsprävalenz von 3 % bis 5 % (Narrativer Review, E 4.)14

Weitere Untersuchungen finden sich bei Krause. (E 4)15

Bereits Gustav Specht (1905) und Hermann Paul Nitsche (1910) beschrieben unter den Begriffen “chronische Manie” bzw. “chronisch-manische Zustände” Erwachsene mit ADHS-Kernsymptomen. Specht sah darin eine “völlig selbständige Geisteskrankheit”. Erwachsenen-ADHS ist damit kein Konstrukt der modernen Psychiatrie. (Historische Analyse, E 4.)16 Nervenärzte des frühen 20. Jahrhunderts berichteten unter Begriffen der “chronischen Manie” über Patienten, die heute mit großer Wahrscheinlichkeit die Diagnose Erwachsenen-ADHS erhielten. Ihre Konzepte zeigen deutliche Parallelen zu den heutigen Diagnosekriterien. (Historische Analyse, E 4.)17

Medizinische Beschreibungen zu ADHS insgesamt sind noch sehr viel älter. Mehr hierzu unter Historische Beschreibungen und Namen von ADHS

Von 5.593 AOK-versicherten 15-Jährigen mit ADHS-Diagnose hatten mit 21 Jahren nur noch 31,2 % eine ADHS-Diagnose. Der Anteil mit ADHS-Medikation sank im selben Zeitraum von 51,8 % auf 6,6 %. (Kohortenstudie, n = 5.593, 6 Jahre, E 2b.)18 Dies beschreibt die diagnostische (administrative) Persistenz (Kodierung in Abrechnungsdaten), nicht die wahre Persistenz. Die Autoren werten den starken Rückgang als Hinweis auf Versorgungsprobleme in der Transition.

Langzeitverlaufsstudien stützen überwiegend die Vulnerabilitätshypothese, nach der in Kindheit und Jugend beginnende psychische Störungen (u. a. ADHS, Angststörungen, Depression, Störungen des Sozialverhaltens) häufig Vorläufer psychischer Störungen im Erwachsenenalter sind. (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)19

2. Arten des Fortbestehens von ADHS ins Erwachsenenalter

Bedeutung für Betroffene

Bei den meisten Kindern mit ADHS besteht die Störung bis ins Erwachsenenalter fort. Studien nannten dafür sehr unterschiedliche Anteile, von wenigen Prozent bis zu etwa 80 %.

Diese großen Unterschiede entstehen vor allem durch die Art der Messung. Entscheidend ist, ob die Betroffenen selbst oder ihre Eltern befragt werden, welche Diagnosekriterien gelten und ob auch Restsymptome mit Beeinträchtigung zählen. Betroffene schätzten ihre eigenen Symptome oft zu gering ein. Studien, die sich nur auf die Selbstauskunft stützten, dürften das Fortbestehen daher unterschätzt haben.

Wurden Selbst- und Fremdurteil kombiniert, eine Beeinträchtigung verlangt und altersgerechte Schwellen verwendet, bestand ADHS bei etwa 40 % bis 50 % fort. Nach einem Review besteht die mit ADHS verbundene Beeinträchtigung bei 50 % bis 70 % der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fort.

Nach einer älteren Übersicht zeigte etwa ein Drittel der Kinder mit ADHS als Erwachsene ein weitgehend unauffälliges Funktionsniveau. Etwa die Hälfte behielt erhebliche Probleme mit Konzentration, Impulsivität und sozialem Umgang. Ein kleinerer Teil entwickelte zusätzlich schwere psychische oder antisoziale Probleme.

Es ist bei weitem eher die Regel als die Ausnahme, dass ein in der Kindheit bestehendes ADHS im Erwachsenenalter persistiert (fortbesteht).

(E 2b): Die berichteten Persistenzraten von ADHS von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter schwankten erheblich. Übersichtsarbeiten nannten:

  • 60 % bis 86 % für ein symptomatisches Fortbestehen in 7 nordamerikanischen kontrollierten prospektiven Follow-up-Studien (Montreal, New York, Milwaukee, Pittsburgh, MGH, Berkeley, MTA) (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 4 % bis 80 % (Narrativer Review, Sekundärzitat über Polanczyk & Rohde 2007, E 4.)11
  • 4 % bis 77 % (41 Schätzungen aus 12 Längsschnittstichproben) (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21
  • 5,7 % bis 77 % für das Vollbild in denselben 7 Follow-up-Studien (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 5 % bis 66 % in prospektiven Follow-up-Studien (Narrativer Review, E 4.)22
  • 4 % bis 66 % für die Persistenz der Symptome in Follow-up-Studien (Systematischer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)8
  • bis zu 50 % (Narrativer Review, E 4.)14
  • 40 % bis 50 % in den wenigen Schätzungen, die Selbst- und Fremdurteil kombinierten, eine Beeinträchtigung verlangten und eine altersgerechte Symptomschwelle nutzten (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21
  • 30 % bis 50 %, vor allem Fortbestehen der Aufmerksamkeitsstörung (Narrativer Review, E 4.)23 Viele als Unaufmerksamkeit eingeordnete Symptome seien eigentlich Beeinträchtigungen exekutiver Funktionen.

Die mit ADHS verbundene Beeinträchtigung besteht bei 85 % der Betroffenen bis in die Adoleszenz und bei 50 % bis 70 % bis ins Erwachsenenalter fort. Die DSM-IV-Kriterien passen deutlich besser zu Kindern als zu Jugendlichen und Erwachsenen. (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)24

Die kumulative Inzidenz zwischen 5 und 19 Jahren lag in einer Bevölkerungsstudie bei 7,5 % bis 16 %. (Systematischer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)8

Die ermittelten Persistenz- und Remissionsraten hingen ab von:

  • Informanten (Selbsturteil / Elternurteil / kombiniertes Urteil) (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21 (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25 (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26 (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20 (Narrativer Review, E 4.)22 (Narrativer Review, E 4.)27 (Narrativer Review, Sekundärzitat über Polanczyk & Rohde 2007, E 4.)11 (Kommentar, E 4.)28
  • Diagnosekriterien, wobei viele ältere Longitudinalstudien die Kinder nach DSM-II rekrutierten, beim Follow-up aber das jeweils aktuelle DSM (DSM-III, DSM-III-R oder DSM-IV) verwendeten, sodass Remissionsraten durch veränderte Diagnosemaßstäbe beeinflusst sein könnten, anstatt alleine durch die Veränderung der Symptomatik (Literaturübersicht, k = 7 Follow-up-Studien, herstellerfinanziert, E 4.)29 (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26 (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20 (Narrativer Review, E 4.)22 (Narrativer Review, E 4.)27 (Narrativer Review, Sekundärzitat über Polanczyk & Rohde 2007, E 4.)11
  • Symptomschwelle (DSM oder Normwerte, altersbezogene Schwellen) (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21 (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25 (Narrativer Review, E 4.)22 (Kommentar, E 4.)28
  • Beeinträchtigungskriterium (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21 (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • Erhebungsmethode (Fragebogen oder Interview, Instrument) (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21 (Kommentar, E 4.)28
  • Rekrutierung und Stichprobenmerkmale (z. B. Ausschluss aggressiver Kinder, Komorbidität) (Narrativer Review, E 4.)22 (Narrativer Review, E 4.)27
  • Definition der Remission (Narrativer Review, Sekundärzitat über Polanczyk & Rohde 2007, E 4.)11
  • selektive Attrition (Ausmaß der Studienabbrüche) (Narrativer Review, E 4.)22

(E 2b): Selbstberichte ergaben deutlich niedrigere Raten als Eltern- oder kombinierte Urteile. (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25 (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26 Ausschließliches Selbsturteil und eine strikte Schwelle von 6 DSM-Symptomen führten zu sehr niedrigen Schätzungen. (Systematischer Review, k = 12, E 2b.)21 Frühere Follow-up-Studien, die sich auf Selbstberichte stützten, dürften die Persistenz erheblich unterschätzt haben. (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26 Betroffene unterberichteten ihre aktuellen Symptome, Nichtbetroffene überberichteten sie. Das Elternurteil war diagnostisch sensitiver als das Selbsturteil, ein zusätzliches Selbsturteil brachte keinen signifikanten Zusatznutzen. (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25 Elternberichte hingen enger mit wichtigen Lebensbereichen zusammen als Selbstberichte. (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26

Empfohlen wurden Fremdurteile, eine niedrigere Symptomschwelle und die Gewichtung der Beeinträchtigung (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25 sowie für Studien zu Persistenz, Remission und Late-Onset-ADHS eine gründliche Erfassung im Erwachsenenalter, die Selbst- und Elternurteil kombiniert. (Kommentar, E 4.)28

(E 2b): Je nach Informant und Kriterium bestand ADHS in Einzelkohorten fort bei:

  • 65 % bis 86 % nicht remittiert (Milwaukee, 27 Jahre), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 77 % mit Vollbild oder subsyndromalem ADHS (MGH, 22 Jahre), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 76,6 % nach DSM-5 (Berkeley), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 75,6 % mit erhöhter Symptomschwere im kombinierten Urteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 71,8 % mit erhöhter Symptomschwere im Elternurteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 66 % nach Elternbericht und entwicklungsbezogenem Kriterium (über 2 SD), Kontrollen 8 % (Milwaukee, 19 bis 25 Jahre) (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26
  • 60,4 % mit klinisch bedeutsamer Beeinträchtigung im kombinierten Urteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 57 % nach DSM-IV (Berkeley), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 55,6 % mit klinisch bedeutsamer Beeinträchtigung im Elternurteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 49,9 % nach DSM-5 (MTA, 25 Jahre), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 46 % nach Elternbericht und DSM-Kriterien, Kontrollen 1,4 % (Milwaukee, 19 bis 25 Jahre) (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26
  • 41,5 % nach DSM-III in der späten Adoleszenz (New York), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 24,4 % mit erhöhter Symptomschwere im Selbsturteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 22,2 % im mittleren Erwachsenenalter (New York), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 19,7 % mit Erreichen der DSM-IV-TR-Symptomschwelle im kombinierten Urteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 14,6 % mit klinisch bedeutsamer Beeinträchtigung im Selbsturteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 12,0 % mit Erreichen der DSM-IV-TR-Symptomschwelle im Elternurteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 12 % nach Selbstbericht und entwicklungsbezogenem Kriterium (über 2 SD), Kontrollen 10 % (Milwaukee, 19 bis 25 Jahre) (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26
  • 9,6 % mit Erreichen der DSM-IV-TR-Symptomschwelle im Selbsturteil (Pittsburgh/PALS, im Mittel 20,2 Jahre) (Kohortenstudie, N = 321, n = 200, E 2b.)25
  • 5,7 % nach DSM-III-R im frühen Erwachsenenalter, nur Selbstbericht (New York), Sekundärzitat über Cherkasova et al. (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • 5 % nach Selbstbericht und DSM-Kriterien, Kontrollen 0 % (Milwaukee, 19 bis 25 Jahre) (Kohortenstudie, N = 218, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)26

Ebenso stark hing die Remission von ihrer Definition ab. Bei Jungen mit ADHS im Alter von 18 bis 20 Jahren lag sie bei:

  • syndromaler Remission (Vollbild nicht mehr erfüllt) über 60 % (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)30
  • funktioneller Remission (weniger als 5 Symptome und keine Beeinträchtigung) 10 % (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)30

(E 4): Ungünstige Funktionsergebnisse im Erwachsenenalter sagten am konsistentesten vorher:

  • Komorbidität, insbesondere Störung des Sozialverhaltens (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20 (Narrativer Review, E 4.)27
  • Fortbestehen des ADHS (Narrativer Review, k = 7, E 4.)20
  • ADHS-Schwere in der Kindheit (Narrativer Review, E 4.)27

Als Hauptprädiktoren eines Fortbestehens nannte ein Review die ADHS-Schwere, eine komorbide Störung des Sozialverhaltens, eine Major Depression sowie eine ADHS-Behandlung. (Narrativer Review, E 4.)27

Eine frühe Metaanalyse von 9 prospektiven Studien (Nachuntersuchung 4 bis 16 Jahre nach Diagnose) beschrieb einen exponentiellen Rückgang der ADHS-Rate, die sich etwa alle 5 Jahre halbiere. Bei angenommener Kindheitsprävalenz von 4 % ergäbe dies hochgerechnet rund 0,8 % mit 20 Jahren und 0,05 % mit 40 Jahren. (Metaanalyse, k = 9, E 2b.)31 Diese Hochrechnung beruhte nur auf dem Verlust des Vollbilds nach damaligen Kriterien und überwiegend auf Selbstberichten. Sie wurde durch spätere Studien widerlegt, die mit Fremdurteil, altersgerechten Schwellen und Einbezug von Teilremission deutlich höhere Persistenzraten fanden.

Das Erwachsenen-Outcome von Kindern mit ADHS verteilte sich nach einer Übersicht über Follow-up-Studien auf drei Gruppen: (Narrativer Review, E 4.)32

  • fortbestehende erhebliche Probleme mit Konzentration, Impulsivität und sozialer Interaktion (etwa 50 bis 60 %)
  • weitgehend unauffälliges Funktionsniveau, nicht verschieden von Kontrollen (etwa 30 %)
  • erhebliche psychiatrische und/oder antisoziale Probleme (etwa 10 bis 15 %)

2.1. Vollständiges Fortbestehen bis ins Erwachsenenalter

Bedeutung für Betroffene

Ein vollständiges Fortbestehen von ADHS fand sich je nach Studie bei sehr unterschiedlichen Anteilen der Betroffenen, von wenigen Prozent bis zu etwa zwei Dritteln. Viele Studien reichen nur bis ins Jugend- oder junge Erwachsenenalter.

Die niedrigen Werte stammen überwiegend aus älteren Studien mit engeren Diagnosekriterien und reiner Selbstauskunft. Wurden auch die Eltern befragt oder Teilremissionen mitgezählt, lagen die Anteile deutlich höher. Neuere Studien fanden im Mittel höhere Persistenzraten als ältere.

Das Fortbestehen betraf Jungen wie Mädchen. Fortbestehendes ADHS ging häufiger mit weiteren Problemen einher, etwa mit Depression, Substanzkonsum, antisozialem Verhalten oder geringerer Lebensqualität.

In einer Kohorte mit sehr langer Nachbeobachtung hatten noch 22 % der früher betroffenen Männer mit durchschnittlich 41 Jahren ein ADHS.

(E 2b): Ein Fortbestehen von ADHS (Definition und Nachbeobachtungsdauer je nach Studie unterschiedlich), ggf. mit veränderten Symptomen, fand sich nach Übersichtsarbeiten bei:

  • 50 % bis 75 % der Kinder mit ADHS-Diagnose (Narrativer Review, E 4.)33

  • zwei Dritteln bis drei Vierteln mit problematischen ADHS-Symptomen in der frühen und mittleren Adoleszenz (New Yorker und Montrealer Kohorte) (Narrativer Review, E 4.)34

  • bis zu zwei Dritteln mit ADHS-Symptomen auch als Erwachsene (Narrativer Review, E 4.)35

  • (E 3): rund 66 % (Konsensus, E 4)36 (Genomweite Assoziationsstudie, n = 77.914, Angabe aus der Einleitung, E 3.)37

  • 65 % im Alter von 25 Jahren (Vollbild oder Teilremission) (Metastudie, k = 21, E 2b.)38

  • rund 60 % (Narrativer Review, E 4.)39

  • 55 % in nach 2011 veröffentlichten prospektiven Studien (Kindheit oder Jugend bis Erwachsenenalter) (Systematischer Review, k = 39, davon 27 quantitativ ausgewertet, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)40

  • 43 % im Mittel aller prospektiven Studien (Kindheit oder Jugend bis Erwachsenenalter) (Systematischer Review, k = 39, davon 27 quantitativ ausgewertet, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)40

  • etwa zwei Fünfteln mit klinisch bedeutsamen ADHS-Symptomen bis ins späte Jugendalter (New Yorker und Montrealer Kohorte) (Narrativer Review, E 4.)34

  • 34 % in prospektiven Studien von 1985 bis 2011 (Systematischer Review, k = 39, davon 27 quantitativ ausgewertet, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)40

  • etwa einem Drittel mit vollen Diagnosekriterien mit 18 Jahren, mit weiterem altersabhängigem Rückgang bis Mitte 20 (Narrativer Review, E 4.)35

  • mindestens einem Drittel mit Symptomen im Erwachsenenalter (Schätzung anhand von Longitudinalstudien) (Narrativer Review, E 4.)41

  • 32 % Vollbild (gewichteter Mittelwert aus Follow-up-Studien) (Literaturübersicht, k = 7, herstellerfinanziert, E 4.)42

  • 15 % vollständiges Fortbestehen (Vollbild) im Alter von 25 Jahren (Metastudie, k = 21, E 2b.)38

(E 2b): In Einzelkohorten fand sich ein Fortbestehen bei:

  • 86,5 % weiterhin nach DSM-5-Kriterien 6 Jahre später (ADHS-Mischtyp, mittleres Alter 11,4 Jahre zu Studienbeginn, 17,4 Jahre bei Nachuntersuchung) (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43 Weitere 8,4 % erfüllten subschwellige Kriterien, 5,1 % waren remittiert, 48,5 % waren weiterhin funktionell beeinträchtigt.

  • 83,3 % im Jugendalter mit normbezogenem Grenzwert (Kohortenstudie, N = 189, n = 123, 8 Jahre, E 2b.)44

  • 79 % Vollbild (DSM-IV, Elterninterview) im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (Median 18,8 Jahre) bei in der Kindheit diagnostiziertem kombiniertem Subtyp (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45

  • 78 % bei Einbezug von subsyndromaler, funktioneller und medikamentös behandelter Persistenz (Jungen) (Kohortenstudie, N = 215, n = 110, 10 Jahre, E 2b.)46

  • 77,1 % bei Einbezug von subsyndromaler, funktioneller und medikamentös behandelter Persistenz (Mädchen, mittleres Alter 22 Jahre) (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

  • 75,6 % weiterhin mit beeinträchtigenden ADHS-Symptomen 6 Jahre nach Diagnose im Alter von 7 bis 10 Jahren (Türkei) (Kohortenstudie, n = 73, 6 Jahre, E 2b.)48

  • 71,5 % im Jugendalter nach DSM-III-R (Kohortenstudie, N = 189, n = 123, 8 Jahre, E 2b.)44

  • 71 % (95%-KI 61 bis 79 %) mit Vollbild oder Residualkriterien mit Beeinträchtigung (Mädchen, bis zum Alter von 16 Jahren) (Kohortenstudie, n = 123 mit ADHS, n = 106 Kontrollen, 5 Jahre, E 2b.)49 Auch remittierte Mädchen blieben gegenüber Kontrollen funktionell beeinträchtigt. Ein Fortbestehen sagte eine stärkere Verhaltensbeeinträchtigung zu Studienbeginn vorher.

  • 66,6 % weiterhin mit ADHS-Diagnose 6 Jahre nach Diagnose im Alter von 7 bis 10 Jahren (Türkei) (Kohortenstudie, n = 73, 6 Jahre, E 2b.)48 24,4 % Vollremission

  • 65,8 % volles oder subschwelliges ADHS 4 Jahre nach Diagnose im Alter von 6 bis 12 Jahren (französische Bevölkerungsstichprobe) (Kohortenstudie, N = 1.012, n = 875, 4 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)50

  • 65,8 % Vollbild oder subsyndromal (mittleres Alter 19 Jahre, China) (Kohortenstudie, n = 193, 6,8 Jahre, E 2b.)51

  • 65,6 % (kombinierter Subtyp, 12 Jahre nach Diagnose, DSM-5-Symptomschwelle) (Follow-up-Studie, N = 115, n = 61, 12 Jahre, E 2b.)52

  • 61,4 % nach entwicklungsbezogenem Kriterium (4 HI- und 5 Unaufmerksamkeitssymptome) (Mädchen, mittleres Alter 19,6 Jahre) (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53

  • 58 % mit fortbestehender Diagnose 25 Jahre später (11 von 19 männlichen Jugendlichen mit ADHS) (Kohortenstudie, n = 19 ADHS, 26 Kontrollen, 25 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)54

  • 57 % im Mütterurteil mit normbezogenem Grenzwert (Frauen mit Kindheits-ADHS, mittleres Alter 20 Jahre) (Kohortenstudie, N = 58, n = 34, E 2b.)55

  • 55,9 % Gesamtrate nach DSM-IV-Schwelle (71 von 127) (Mädchen, mittleres Alter 19,6 Jahre) (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53

  • 39,7 % bis 55,9 % (DSM-5, je nach Messzeitpunkt, bis zum mittleren Alter von 25 Jahren) (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)2

  • 53 % bei den letzten beiden Untersuchungen (Kinder mit überwiegend erhöhten Manie-Symptomen, mittleres Alter bei Studienende 16,3 Jahre) (Kohortenstudie, n = 431, 8 Jahre, E 2b.)56

  • 49,5 % Vollbild (DSM-IV) im Alter von 11 bis 16 Jahren (Diagnose im Mittel mit 7,3 Jahren) (Kohortenstudie, n = 186, E 2b.)57 Weitere 33,3 % subschwellig (mehr als die Hälfte der erforderlichen Symptome), 17,2 % mit nur noch wenigen Symptomen

  • 49 % mit durchgehendem Verlauf (Kinder mit überwiegend erhöhten Manie-Symptomen, mittleres Alter bei Studienende 16,3 Jahre) (Kohortenstudie, n = 431, 8 Jahre, E 2b.)56

  • 45 % 18 Jahre nach der Kindheitsdiagnose (Kohortenstudie, n = 421, davon 154 mit Kindheits-ADHS, 18 Jahre, E 2b.)58 Persistierendes ADHS ging mit Major Depression, internalisierenden Problemen, Stress und schlechterem Schlaf einher.

  • 44 % nach Elternurteil 8 Jahre nach einem Schulscreening im Grundschulalter (ethnisch gemischte US-Gemeindestichprobe, Kinder mit subschwelligen Symptomen 15 %, Vergleichsgruppe 2 %) (Fall-Kontroll-Studie, n = 94 mit ADHS, n = 75 subschwellig, n = 163 Kontrollen, 8 Jahre, E 3.)59 Geschlecht, Ethnie und Armut moderierten die Ergebnisse nicht.

  • 44 % mit Symptomen über der 93. Perzentile plus Beeinträchtigung (Milwaukee-Kohorte, mittleres Alter 27 Jahre) (Kohortenstudie, N = 202, rund 20 Jahre, E 2b.)60

  • 44 % mit vollen DSM-IV-Kriterien nach Elternurteil, Kontrollen 1 %, ϕ = 0,47 (Mädchen, mittleres Alter 19,6 Jahre) (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53

  • 43 % fortbestehende ADD, Kontrollen 4 % (Replikationskohorte hyperaktiver Jungen, mittleres Alter 18 Jahre) (Kohortenstudie, N = 172, n = 94, 8 bis 14 Jahre, E 2b.)61

  • 41 % im Mütterurteil (DSM-Symptomzahl) (Frauen mit Kindheits-ADHS, mittleres Alter 20 Jahre) (Kohortenstudie, N = 58, n = 34, E 2b.)55

  • 40 % mit jeglicher ADD-Diagnose bzw. unter Einbezug einzelner Symptomkomponenten oder Zweierkombinationen, Kontrollen 3 % (hyperaktive Jungen, 6 bis 12 Jahre bei Diagnose, 16 bis 23 Jahre bei Nachuntersuchung) (Kohortenstudie, N = 201, n = 101, rund 9 Jahre, E 2b.)62 (Kohortenstudie, n = 100, 9 Jahre, Sekundärzitat über Remschmidt & Herpertz-Dahlmann 1989, E 2b.)63

  • 39 % mit klinischer Symptomschwelle nach Interview oder Selbstbeurteilung plus Funktionsbeeinträchtigung (mittleres Alter 21,4 Jahre, klinische Stichprobe) (Kohortenstudie, N = 85, n = 59, 10 Jahre, E 2b.)64

  • rund 36 % mit mindestens einem mäßig oder schwer beeinträchtigenden ADHS-Symptom, Kontrollen 2 % (Montreal, Mitte 20) (Narrativer Review, E 4.)34

  • 35 % Vollbild (DSM-IV) (Jungen) (Kohortenstudie, N = 215, n = 110, 10 Jahre, E 2b.)46

  • 33,3 % Vollbild (DSM-IV) (Mädchen, mittleres Alter 22 Jahre) (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

  • 31 % Vollbild (DSM-III-ADDH), Kontrollen 3 % (hyperaktive Jungen, 6 bis 12 Jahre bei Diagnose, 16 bis 23 Jahre bei Nachuntersuchung) (Kohortenstudie, N = 201, n = 101, rund 9 Jahre, E 2b.)62 (Kohortenstudie, n = 100, 9 Jahre, Sekundärzitat über Remschmidt & Herpertz-Dahlmann 1989, E 2b.)63 Weitere 5 % mit Residualform

  • 27,8 % volles oder subschwelliges ADHS im Alter von im Mittel 18 Jahren, 9 Jahre nach Diagnose im Alter von 6 bis 12 Jahren (französische Bevölkerungsstichprobe) (Kohortenstudie, N = 1.012, n = 492, 9 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)65

  • 23 % im Selbsturteil mit normbezogenem Grenzwert (Frauen mit Kindheits-ADHS, mittleres Alter 20 Jahre) (Kohortenstudie, N = 58, n = 34, E 2b.)55

  • 22,2 % im Alter von im Mittel 41 Jahren, 33 Jahre nach Diagnose, Kontrollen 5,1 % (p unter 0,001) (Männer ohne Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit) (Kohortenstudie, N = 271, 33 Jahre, E 2b.)66

  • 22 % mit vollen DSM-IV-Kriterien nach Selbsturteil, Kontrollen 2 %, ϕ = 0,28 (Mädchen, mittleres Alter 19,6 Jahre) (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53

  • 21,1 % bis zum Alter von 18 Jahren (Kohortenstudie, n = 2.232, 18 Jahre, E 2b.)67

  • 17,2 % (anhand der 1993 Pelotas Birth Cohort Study) (Kohortenstudie, n = 5.249, 18 bis 19 Jahre, E 2b)68

  • 16,7 % Vollbild (DSM-5) im Alter von im Mittel 18 Jahren, 9 Jahre nach Diagnose im Alter von 6 bis 12 Jahren (französische Bevölkerungsstichprobe) (Kohortenstudie, N = 1.012, n = 492, 9 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)65 Weitere 11,1 % subschwelliges ADHS

  • 12 % im Selbsturteil (DSM-Symptomzahl) (Frauen mit Kindheits-ADHS, mittleres Alter 20 Jahre) (Kohortenstudie, N = 58, n = 34, E 2b.)55

  • 11 % einschließlich klinisch beeinträchtigender Einzelsymptome (Vollbild nach DSM-III-R, Rekrutierung nach DSM-II, Erhebung nur per Selbstauskunft, Kinder mit primär aggressivem Verhalten nicht aufgenommen) (Kohortenstudie, N = 186, n = 91, 16 Jahre, E 2b.)69

  • 10,8 % durchgehend an allen Messzeitpunkten bis zum mittleren Alter von 25 Jahren (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)2

  • 8 % Vollbild nach DSM-III-R (Rekrutierung nach DSM-II, Erhebung nur per Selbstauskunft, Kinder mit primär aggressivem Verhalten nicht aufgenommen) (Kohortenstudie, N = 186, n = 91, 16 Jahre, E 2b.)69(Narrativer Review, E 4.)34

  • 4 % Vollbild nach DSM-III-R, keine weiteren Fälle mit beeinträchtigenden Einzelsymptomen (mittleres Alter 24,1 Jahre, Kinder mit ausgeprägter Aggressivität nicht aufgenommen) (Kohortenstudie, N = 158, n = 85, E 2b.)70 (Alte, deutlich engere ADHS-Kriterien: DSM III R zu DSM II)

(E 2b): Die ermittelte Persistenz hing stark vom Informanten ab. (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53 (Kohortenstudie, N = 58, n = 34, E 2b.)55 Bei Mädchen mit ADHS war die Übereinstimmung von Eltern- und Selbsturteil im jungen Erwachsenenalter (mittleres Alter 19,6 Jahre) gering (κ = 0,22). (Kohortenstudie, n = 140 mit ADHS, n = 88 Kontrollen, rund 10 Jahre, E 2b.)53

(E 3): Bei retrospektiv erhobenem Kindheits-ADHS bestand ADHS im Erwachsenenalter fort bei:

  • 72,8 % bei Erwachsenen in Suchtbehandlung (Querschnittstudie, N = 1.276, n = 290, herstellerfinanziert, E 3.)71
  • 70,0 % (95%-KI 52,8 bis 82,9) in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe (18 bis 44 Jahre) (Querschnittstudie, n = 3.309, E 3.)72 Kindheitsprävalenz 2,9 %, Prävalenz im Erwachsenenalter 2,1 %
  • 63,0 % bei Männern nach vollen DSM-IV-Kriterien (australische Erwachsene, mittleres Alter rund 32 Jahre) (Querschnittstudie, retrospektiv, Zwillingsregister, n = 3.795, E 3.)73
  • 55,3 % nach vollen DSM-IV-Kriterien (australische Erwachsene, mittleres Alter rund 32 Jahre) (Querschnittstudie, retrospektiv, Zwillingsregister, n = 3.795, E 3.)73 Erwachsenenprävalenz 1,1 %
  • 50,3 % nach DSM-IV-Kriterien ohne Onset-Kriterium (australische Erwachsene, mittleres Alter rund 32 Jahre) (Querschnittstudie, retrospektiv, Zwillingsregister, n = 3.795, E 3.)73 Erwachsenenprävalenz 2,3 %
  • 47,6 % bei Frauen nach vollen DSM-IV-Kriterien (australische Erwachsene, mittleres Alter rund 32 Jahre) (Querschnittstudie, retrospektiv, Zwillingsregister, n = 3.795, E 3.)73
  • 40,2 % mit beeinträchtigenden ADHS-Symptomen (australische Erwachsene, mittleres Alter rund 32 Jahre) (Querschnittstudie, retrospektiv, Zwillingsregister, n = 3.795, E 3.)73 Erwachsenenprävalenz 2,7 %

Nach einer Übersicht über die New Yorker und die Montrealer Kohorte zeigten zwei Drittel der früher hyperaktiven Kinder Mitte 20 keine psychische Störung. (Narrativer Review, E 4.)34

Im Alter von 25 Jahren zeigten Teilnehmer der MTA-Studie mit Kindheits-ADHS (Mischtyp) weiterhin deutlich stärkere ADHS-Symptome als eine lokale Vergleichsgruppe ohne ADHS. Kennwerte ADHS gegenüber Vergleichsgruppe (CAARS) für: (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), n = 515 mit ADHS, n = 258 ohne ADHS, 16 Jahre, E 2b.)74

  • Symptomschwere (Mittel aus Eltern- und Selbsturteil), d = 1,11
  • Diskrepanz Eltern- gegenüber Selbsturteil (Eltern berichteten mehr Symptome), d = 0,60
  • Symptomschwere nach Muster der langfristigen Stimulanzieneinnahme (durchgehend, wechselnd, kaum), keine signifikanten Unterschiede

Bei Jugendlichen mit ADHS-Mischtyp (mittleres Alter 17,4 Jahre) war die aktuelle Symptomschwere höher (zusammen 20,9 % erklärte Varianz) bei: (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43

  • ADHS eines Elternteils
  • höherer ADHS-Symptomschwere zu Studienbeginn
  • höherer von den Eltern berichteter Beeinträchtigung zu Studienbeginn
  • medikamentöser Behandlung, kein Einfluss

Gegenüber Nichtbetroffenen war bei Kindern mit ADHS aus einer US-Gemeindestichprobe das Risiko in der Adoleszenz erhöht für: (Fall-Kontroll-Studie, n = 94 mit ADHS, n = 75 subschwellig, n = 163 Kontrollen, 8 Jahre, E 3.)59

  • oppositionelles Trotzverhalten, OR = 12,9 (5,6 bis 30,0)
  • Angst/Depression, OR = 10,3 (2,7 bis 39,3)
  • deutliche funktionelle Beeinträchtigung, OR = 3,4 (1,7 bis 6,9)
  • Kontakt mit der Jugendgerichtsbarkeit, OR = 3,1 (1,0 bis 9,1)
  • verminderte Lebensqualität, OR = 2,5 (1,3 bis 4,7)

2.2. Teilweises persistieren bis ins Erwachsenenalter

Bedeutung für Betroffene

Bei einer Teilremission gehen die Symptome zurück, ohne ganz zu verschwinden. Nach einer Übersicht behielten einschließlich der Fälle mit Vollbild etwa 60 % der Betroffenen als Erwachsene zumindest einen Teil der Symptome. Einzelne Kohorten fanden bei etwa einem Zehntel bis einem Drittel einen Teil der Symptome ohne volles Störungsbild.

Auch bei Teilremission bleiben oft Einschränkungen bestehen, etwa bei Bildung und Beruf. In einer Studie bestanden nach einem Rückgang unter die Diagnoseschwelle vor allem Unruhe sowie Probleme beim Planen und Organisieren fort. Viele frühere Kinder mit ADHS berichteten als Erwachsene noch mindestens ein beeinträchtigendes Symptom, etwa Unruhe oder Konzentrationsprobleme. In einer kleinen Studie blieben auch messbare Veränderungen der Hirnaktivität trotz Wegfall der vollen Diagnose bestehen.

Wer als Erwachsener noch deutliche Symptome hatte, hatte häufiger Probleme mit Alkohol, antisozialem Verhalten und seelischer Belastung.

Symptomzahl und Alltagsfunktion hängen nur teilweise zusammen. Manche Jugendliche mit fortbestehender Diagnose kamen im Alltag gut zurecht, andere Betroffene waren ohne volles Störungsbild deutlich beeinträchtigt.

Ein Rückgang des ADHS im Sinne einer Verringerung der Anzahl der Symptome wird als Teilremission bezeichnet. Bei den meisten Betroffenen bleiben z.B. erhebliche Einschränkungen im Hinblick auf Bildungs- und berufliche Erfolge im Vergleich zu Nichtbetroffenen.
Der Anteil der in der Kindheit von ADHS Betroffenen, die als Erwachsene ein teilweise persistierendes ADHS haben, wurde beziffert mit:

  • 69 % Vollbild oder subsyndromal nach 11 Jahren (Mädchen, bei Nachuntersuchung 15 bis 30 Jahre, 42 % weiterhin in Behandlung) (Kohortenstudie, 11 Jahre, Sekundärzitat über Geissler & Lesch 2011, E 2b.)75
  • 66 % der als Kinder hyperaktiven berichteten bei einer Nachuntersuchung im Erwachsenenalter mindestens ein ADHS-Symptom, das zu Beeinträchtigungen führte. (Narrativer Review, Sekundärzitat über Weiss et al. (2002), E 4.)76
  • 60 % (partielle Diagnose einschließlich Vollbild, gewichteter Mittelwert aus Follow-up-Studien) (Literaturübersicht, k = 7, herstellerfinanziert, E 4.)29
  • rund 60 % (vollständig oder als Teilsyndrom) (Narrativer Review, E 4.)77
  • 29,2 % subsyndromal, weitere 10,4 % funktionell beeinträchtigt ohne Erfüllen der Symptomkriterien (Mädchen, 11 Jahre nach Rekrutierung) (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
  • 22 % subsyndromal, weitere 15 % funktionell beeinträchtigt ohne Erfüllen der Symptomkriterien (Jungen, 10 Jahre nach Rekrutierung) (Kohortenstudie, N = 215, n = 110, 10 Jahre, E 2b.)46
  • 15,6 % stabile Teilremission bis zum mittleren Alter von 25 Jahren (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)2
  • 0,23 % für eine stabile Teilremission (1 von 431 Kindern, bis ins Jugendalter) (Kohortenstudie, n = 431, 8 Jahre, E 2b.)56

Eine Studie beobachtete bei jungen Erwachsenen, deren kindliches ADHS (kombinierte Präsentationsform) unter die DSM-5-Symptomschwelle remittiert war, im Vergleich zu Nichtbetroffenen keine signifikant erhöhten Werte mehr bei: (Follow-up-Studie mit Querschnittvergleich, N = 115, n = 61, 12 Jahre, E 3.)52

  • Inhibition und kognitiver Flexibilität
  • Arbeitsgedächtnis
  • Impulsivität/emotionaler Labilität
  • Selbstkonzeptproblemen

während

  • Hyperaktivität/Ruhelosigkeitsverhalten
  • Planungs-/Organisationsdefizite

fortbestanden.

Als Kind Hyperaktive mit mäßig bis schwer fortbestehenden ADHS-Symptomen nach 15 Jahren (n = 22) zeigten gegenüber jenen ohne oder mit nur leichten Restsymptomen (n = 39) häufiger mäßige bis schwere Probleme bei: (Kohortenstudie, N = 102, n = 61, 15 Jahre, E 2b.)78

  • Alkoholkonsum (15 von 22 gegenüber 13 von 39, p = 0,01)
  • antisozialem Verhalten (14 von 22 gegenüber 7 von 39, p = 0,001)
  • emotionalen Problemen (17 von 22 gegenüber 16 von 37, p = 0,02)

Beim Drogenkonsum unterschieden sich die Untergruppen nicht. Hyperaktive ohne fortbestehende Symptome unterschieden sich beim antisozialen Verhalten nicht von Kontrollen.

15 Jahre nach Diagnose (mittleres Alter 25 Jahre) hatten als Kind Hyperaktive häufiger als Kontrollen: (Kohortenstudie, N = 102, n = 61, 15 Jahre, E 2b.)79

  • mindestens ein leicht bis schwer beeinträchtigendes ADHS-Symptom (Ruhelosigkeit, Konzentrationsprobleme, Impulsivität, Explosivität) (66 % gegenüber 7 %)
  • im Interview beobachtbare motorische Unruhe (44 % gegenüber 9,7 %)
  • ein subjektives Unruhegefühl

Trotz fortbestehender ADHS-Diagnose funktionierten Jungen mit ADHS bis zur mittleren Adoleszenz sehr unterschiedlich: 20 % funktionierten in allen drei Bereichen (Schule, soziales, emotionales) gut, 20 % in allen schlecht, 60 % lagen dazwischen. Mütterliche Psychopathologie, größere Familie, Komorbidität und Impulsivität standen einer Normalisierung entgegen. Funktionsniveau und Syndrompersistenz sind damit teilweise unabhängig. (Kohortenstudie, N = 153, n = 85, 4 Jahre, E 2b.)80

 

Von 11 Betroffenen, die von der Kindheit (durchschnittlich 10,9 Jahre) bis ins junge Erwachsenenalter (21,9 Jahre) viermal untersucht wurden, erfüllten 8 als Erwachsene nicht mehr die vollen ADHS-Kriterien. Dennoch blieb die CNV (contingent negative variation, EEG-Marker der Reaktionsvorbereitung) vermindert und die Reaktionszeitvariabilität erhöht. Die Unterschiede in Cue-P300 und NoGo-P300 waren im jungen Erwachsenenalter nicht mehr signifikant. Die verminderte CNV erscheint als besonders stabiler ADHS-Marker, auch bei Wegfall der vollen Diagnose. (Kohortenstudie, N = 23, n = 11, 11 Jahre, E 2b.)81

Erwachsene mit ADHS-Diagnose (Mischtyp) in der Kindheit ließen sich rund 12 Jahre später nach ihrer Selbstregulation (Exekutivfunktionen, Effortful Control, emotionale Labilität) in drei Profile einteilen. Ein „normalisiertes“ Profil (49,18 %) unterschied sich von Nichtbetroffenen nur im Hyperaktivitätsindex. Ein Profil mit moderaten Beeinträchtigungen umfasste 27,86 %. Ein Profil mit schweren generalisierten Beeinträchtigungen (22,96 %) hatte die geringsten Selbstregulationsfähigkeiten und war in allen funktionalen Bereichen (Selbstkonzept, Lebensqualität, Komorbidität) beeinträchtigt. (Querschnittstudie mit Kindheitsdiagnose, N = 115, n = 61, E 3.)82

2.3. Vollremission von Kindheits-ADHS

Bedeutung für Betroffene

Eine Remission bedeutet meist nicht, dass alle Symptome verschwunden sind. Meist wird nur die Schwelle für eine Diagnose nicht mehr erreicht. Je nach Studie und Definition fand sich eine Remission bei 0 % bis etwa 40 % der Betroffenen. Eine dauerhafte Vollremission war deutlich seltener, in der MTA-Studie bei etwa 9 %. Viele Remissionen waren nur vorübergehend.

Auch nach einer Remission bleiben häufig Nachteile bestehen, etwa Bildungsrückstände, schwächere Exekutivfunktionen, ein geringeres Selbstwertgefühl oder ein schlechteres Funktionsniveau als bei Nichtbetroffenen. Diese Nachteile waren meist geringer als bei fortbestehendem ADHS.

Kinder mit mittelschwerer Ausprägung und gutem Ansprechen auf die Behandlung verloren die Diagnose in einer Studie häufiger. Auch bei erst im Erwachsenenalter diagnostiziertem ADHS erfüllte nach 7 Jahren ein Teil der Betroffenen die Kriterien nicht mehr. Ein Fortbestehen war dort häufiger bei mehr Symptomen und bei zusätzlichen Störungen wie sozialer Phobie.

Studien zu Hirnfunktion und Hirnstruktur fanden teils Unterschiede zwischen remittierten und fortbestehenden Verläufen, teils nicht. Einige Merkmale von Aufmerksamkeit und Reaktionsvorbereitung besserten sich zusammen mit den Symptomen.

(E 2b): Eine Remission (Definition je nach Studie unterschiedlich, meist Unterschreiten der Diagnoseschwelle ohne Teilremission) fand sich

  • nach Diagnose in der Kindheit bei:
    • 60 % syndromale Remission (Verlust des Vollbilds) bei 18- bis 20-Jährigen mit ADHS in der Kindheit, Remissionsrate stark von der Definition abhängig (Narrativer Review, Sekundärzitat über Mick et al. 2004, E 4.)83
    • rund 40 % (rechnerisch: keine partielle Diagnose, gewichteter Mittelwert aus Follow-up-Studien) (Literaturübersicht, k = 7, herstellerfinanziert, E 4.)42
    • 35 % im Alter von 25 Jahren (rechnerisch: weder Vollbild noch Teilremission) (Metastudie, k = 21, E 2b.)38
    • 34,4 % (Unterschreiten der DSM-5-Symptomschwelle, Restdefizite bestanden fort) (Follow-up-Studie, N = 115, n = 61, 12 Jahre, E 2b.)52
    • 31,4 % mindestens zeitweise Vollremission, davon 59,4 % mit späterem Wiederauftreten (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)84
    • 31 % Remission bei den letzten beiden Untersuchungen (mittleres Alter bei Studienende 16,3 Jahre) (Kohortenstudie, n = 431, 8 Jahre, E 2b.)56
    • 30 % symptomatische Remission (weniger als die Hälfte der erforderlichen Symptome) bei 18- bis 20-Jährigen mit ADHS in der Kindheit (Narrativer Review, Sekundärzitat über Mick et al. 2004, E 4.)83
    • 22,9 % vollständige Remission (Mädchen, 11 Jahre nach Rekrutierung) (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
    • 22 % vollständige Remission (Jungen, 10 Jahre nach Rekrutierung) (Kohortenstudie, N = 215, n = 110, 10 Jahre, E 2b.)46
    • 10 % funktionelle Remission (symptomatische Remission mit voller Funktionsfähigkeit) bei 18- bis 20-Jährigen mit ADHS in der Kindheit (Narrativer Review, Sekundärzitat über Mick et al. 2004, E 4.)83
    • 9,1 % dauerhafte Vollremission bis Studienende (mittleres Alter 25 Jahre) (Kohortenstudie, n = 558, 16 Jahre, E 2b.)84
    • 0 % (E 4)85
  • nach Diagnose im Erwachsenenalter bei:
    • 30,2 % erfüllten die DSM-IV-Kriterien nicht mehr (7 Jahre später), unabhängig von Veränderungen der Komorbidität oder der kognitiven Anforderungen und unabhängig vom Lebensalter (Kohortenstudie, n = 344, davon n = 227 nachuntersucht, mittleres Alter 34,1 Jahre, 7 Jahre, E 2b.)86
    • 12,4 % vollständig remittiert (unter 4 Symptome, 7 Jahre später) (Kohortenstudie, n = 344, davon n = 227 nachuntersucht, mittleres Alter 34,1 Jahre, 7 Jahre, E 2b.)86
    • 5,7 % binnen 13 Jahren
      • Eine Studie untersuchte Erwachsene mit ADHS dreimal im Abstand von 7 und 6 Jahren, vom Altersdurchschnitt 34 bis zum Altersdurchschnitt 47. Von 157 dreimal untersuchten und auswertbaren Betroffenen zeigten 9 (5,7 %) einen Remissionsverlauf, 68,8 % einen stabilen und 25,5 % einen instabilen Verlauf. Querschnittlich waren bei der dritten Untersuchung 10,2 % remittiert. (Kohortenstudie, N = 323, n = 157, 13 Jahre, E 2b.)87

(E 2b): Ein Fortbestehen der ADHS-Diagnose war häufiger bzw. ein Diagnoseverlust seltener

  • bei im Erwachsenenalter diagnostiziertem ADHS (Fortbestehen nach 7 Jahren) bei: (Kohortenstudie, n = 344, davon n = 227 nachuntersucht, mittleres Alter 34,1 Jahre, 7 Jahre, E 2b.)86
    • höherer Zahl der Unaufmerksamkeitssymptome, OR = 8,05 (2,54 bis 25,45)
    • sozialer Phobie, OR = 3,59 (1,12 bis 11,47)
    • oppositionellem Trotzverhalten, OR = 3,12 (1,20 bis 8,11)
    • höherer Zahl der Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome, OR = 1,18 (1,04 bis 1,34)
  • bei Kindern (Nachbeobachtung 3 bis 10 Jahre) bei: (Retrospektive Kohortenstudie, n = 376, 3 bis 10 Jahre, E 2b.)88
    • mittelschwerer gegenüber schwerer Ausgangsschwere (CGI-S), Diagnoseverlust 47,36 % gegenüber 17,54 %, p = 0,023
    • Nichtansprechen auf die Behandlung: Diagnoseverlust bei Ansprechen (CGI-I gleich oder niedriger 2) gegenüber Nichtansprechen 42,85 % gegenüber 24,15 %, p unter 0,001

Von 376 Kindern mit ADHS verloren 117 innerhalb von 3 bis 10 Jahren die Diagnose. Geschlecht, Subtyp, Behandlungsabbruch, Komorbidität und chronische Erkrankungen hingen nicht mit dem Diagnoseverlust zusammen. (Retrospektive Kohortenstudie, n = 376, 3 bis 10 Jahre, E 2b.)88

Eine Remission bedeutet meist nicht, dass die Symptome vollständig verschwunden wären, sondern lediglich, dass die Symptome nicht mehr das für eine Diagnose erforderliche Maß erreichen. Auch nach einer Symptomremission bestehen oft weiterhin Bildungsrückstände und geringere schulische Leistungen. (Narrativer Review, E 4)89

(E 2b): Bei remittiertem Kindheits-ADHS bestanden auch nach Remission der ADHS-Diagnose gegenüber Nichtbetroffenen bzw. Kontrollen Probleme weiter bei:

  • Exekutivfunktionen
    • Frauen, die als Mädchen ADHS hatten, verbesserten ihre Exekutivfunktionen von der Kindheit (9,5 Jahre) bis zum Ende des jungen Erwachsenenalters (25,6 Jahre) wie Kontrollen, blieben aber durchgehend hinter diesen zurück, auch wenn ihr ADHS bis zum frühen Erwachsenenalter remittiert war (Kohortenstudie, N = 228, n = 140, 16 Jahre, E 2b.)90
    • männliche Jugendliche und junge Erwachsene mit fortbestehendem und mit remittiertem ADHS gleichermaßen, über 10 Jahre stabil und unabhängig vom Verlauf des ADHS (Kohortenstudie, n = 217, 10 Jahre, E 2b.)91
    • schwächere Interferenzkontrolle (Stroop-Test, η² = 0,147) bei fortbestehendem und bei remittiertem ADHS, ohne Unterschied zwischen beiden Gruppen (Querschnittstudie, n = 104, E 3.)92 Die Autoren sehen die Interferenzkontrolle als möglichen Kernbefund von ADHS über die Lebensspanne.
  • IQ, Lese- und Rechenleistung bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit fortbestehendem und mit remittiertem ADHS gleichermaßen, über 10 Jahre stabil (Kohortenstudie, n = 217, 10 Jahre, E 2b.)91
  • Zeitreproduktion bei ehemals als Kinder diagnostizierten Betroffenen im jungen Erwachsenenalter (im Mittel 27 Jahre), mit kürzeren und variableren Zeitreproduktionen bei längeren Intervallen, unabhängig davon, ob das ADHS fortbestand oder remittiert war (Kohortenstudie, N = 202, rund 20 Jahre, E 2b.)60 Die Zeitfehler hingen mit nonverbalem Arbeitsgedächtnis und Designflüssigkeit zusammen, nicht mit Angst oder Depression.
  • Reaktionszeiten (langsamer) im Alter von 19 bis 25 Jahren bei ehemals Hyperaktiven mit und ohne fortbestehendes ADHS (Kohortenstudie, N = 218, E 2b.)93 Aufmerksamkeit und Inhibition verbesserten sich seit der Jugend in allen Gruppen, der Abstand zu den Kontrollen blieb bestehen.
  • Funktionsniveau 18 Jahre nach der Kindheitsdiagnose (mittleres Alter 27,4 Jahre): Kindheits-ADHS war bei über 60 % der erfassten Merkmale aus allen Lebensbereichen mit schlechterem Funktionsniveau verbunden (kleine bis große Effekte), bei Remittierten mit kleineren Effekten als bei Persistenz, ADHS bestand bei 45 % fort (Kohortenstudie, n = 421, davon 154 mit Kindheits-ADHS, 138 Geschwister ohne Kindheits-ADHS, 18 Jahre, E 2b.)58 Geschwister ohne Kindheits-ADHS glichen weitgehend Nichtbetroffenen. Die Verteilungen der Ergebnisse überlappten zwischen den Gruppen stark, viele Unterschiede waren klein.
  • Selbstwertgefühl und Wohlbefinden mit 17 Jahren bei subklinisch remittierendem ADHS-Symptomverlauf (14,4 %) (Kohortenstudie, n = 10.262, 14 Jahre, E 2b.)94
  • Schulanpassung bei früher hyperaktiven Jungen, die mit 16 bis 23 Jahren keine DSM-III-Diagnose mehr hatten (52 von 101), nicht aber bei beruflicher Anpassung, Temperament, Alkoholmissbrauch oder antisozialem Verhalten (Kohortenstudie, n = 132, rund 9 Jahre, E 2b.)95 Diese unterschieden sich kaum von Kontrollen ohne Diagnose (n = 80). Sie berichteten zwar häufiger über Konzentrationsprobleme (21 % gegenüber 8 %), Ablenkbarkeit und Hyperaktivität (“ständig auf Achse”, 21 % gegenüber 9 %) zwischen 16 und 18 Jahren, die Interviewer sahen dadurch aber keine Funktionsbeeinträchtigung. Die Autoren schlossen auf eine bimodale Verteilung der Dysfunktion: Früher hyperaktive Kinder entwickeln entweder eine diagnostizierbare Störung oder sind weitgehend unauffällig.

Fortbestehendes ADHS zeigte im Vergleich zu Remittiertenten erhöhte Probleme in Bezug auf: (Kohortenstudie, n = 421, davon 154 mit Kindheits-ADHS, 138 Geschwister ohne Kindheits-ADHS, 18 Jahre, E 2b.)58

  • Major Depression (auch gegenüber Nichtbetroffenen)
  • internalisierenden Problemen (auch gegenüber Nichtbetroffenen)
  • wahrgenommenem Stress (auch gegenüber Nichtbetroffenen)
  • Schlafqualität (auch gegenüber Nichtbetroffenen)
  • basalen Aufmerksamkeitsleistungen, Remittierte wie Kontrollen (Querschnittstudie, n = 104, E 3.)92
  • Inhibitionsfehlern im CPT und ADHS-Verhalten beim Testen im Alter von 19 bis 25 Jahren, nur bei ehemals hyperaktiven Kindern mit fortbestehendem ADHS gegenüber Kontrollen erhöht (Kohortenstudie, N = 218, E 2b.)93

Junge Menschen mit persistierendem und mit remittiertem Kindheits-ADHS unterschieden sich

  • 6 Jahre nach der Erstuntersuchung in Maßen der Vorbereitung und Vigilanz (kontingente negative Variation, Delta-Aktivität, Reaktionszeitvariabilität, Auslassungsfehler), im IQ und in der Bewegungsaktivität (Aktigrafie) (Kohortenstudie, n = 110 ADHS, 169 Kontrollen, 6 Jahre, E 2b.)96
  • 6 Jahre nach der Erstuntersuchung nicht in Maßen der exekutiven Kontrolle (NoGo-P3-Amplitude, Kommissionsfehler, Zahlenspanne rückwärts). Die Vorbereitungs- und Vigilanzmaße verbesserten sich parallel zur Symptomremission und galten daher als Remissionsmarker. (Kohortenstudie, n = 110 ADHS, 169 Kontrollen, 6 Jahre, E 2b.)96
  • in keinem Maß der Reaktionszeitverteilung (ex-Gauß-Parameter mu, sigma, tau) und der EEG-Oszillationen von Kontrollen. (Querschnittstudie, n = 110 ADHS, 169 Kontrollen, E 3.)97

Persistierende zeigten gegenüber Kontrollen höhere mu-, sigma- und tau-Werte sowie eine geringere Theta-Power und Theta-Phasenkonsistenz. Remittierte hatten gegenüber Persistierenden niedrigere tau-Werte und eine höhere Theta-Power und Theta-Phasenkonsistenz. (Querschnittstudie, n = 110 ADHS, 169 Kontrollen, E 3.)97

Junge Erwachsene mit remittiertem kombiniertem Kindheits-ADHS hatten gegenüber Persistierenden ein größeres Volumen der weißen Substanz in rechten hippocampo-frontalen und parieto-insulären Faserbahnen sowie in Bahnen zwischen Nucleus caudatus und frontalem, parietalem, okzipitalem, temporalem und insulärem Kortex. Eine höhere fraktionelle Anisotropie der linken Caudatus-Parietal-Bahn korrelierte mit geringeren hyperaktiv-impulsiven Symptomen. Gegenüber Kontrollen hatten alle Betroffenen ein verringertes Volumen der grauen Substanz im rechten Putamen. (Querschnittstudie, n = 32 ADHS, 35 Kontrollen, E 3.)98

Eine stärkere Symptomremission zwischen einem mittleren Alter von 16,9 und 20,6 Jahren war mit geringerer fraktioneller Anisotropie (FA) zum Follow-up im linken Fasciculus longitudinalis superior und im linken Tractus corticospinalis assoziiert, nicht jedoch mit der FA zu Studienbeginn oder mit deren Veränderung. Die Autoren folgerten, dass FA-Veränderungen der Remission eher folgen als ihr vorausgehen. (Kohortenstudie, n = 99, E 2b.)99

Im Ruhe-EEG (Augen geschlossen) zeigten junge Erwachsene mit persistierendem ADHS gegenüber Kontrollen eine verlängerte Dauer des Mikrozustands C, eine erhöhte Delta-Power und verringerte Amplituden zweier Alpha-Komponenten. Remittierte zeigten eine verlängerte Dauer und Abdeckung von Mikrozustand C, eine verringerte Delta-Aktivität, eine weitgehend intakte Amplitude der ersten und eine verringerte Amplitude der zweiten Alpha-Komponente. Ein Klassifikationsalgorithmus (Support Vector Machine) unterschied Persistierende, Remittierte und Kontrollen mit einer Genauigkeit von 93,59 %. (Querschnittstudie, n = 50 ADHS, 28 Kontrollen, E 3.)100

Junge Erwachsene, die als Kind eine ADHS-Diagnose (Mischtyp) erhalten hatten, zeigten bei der Reaktionsvorbereitung eine geringere Aktivierung in Thalamus, anteriorem Cingulum, supplementär-motorischem Areal, inferiorem Parietallappen und dorsolateralem präfrontalem Cortex, unabhängig von einer Remission. Remittierte zeigten eine stärkere funktionelle Konnektivität zwischen rechtem Thalamus und präfrontalen Regionen als Persistierende. Eine bessere Integration des thalamo-kortikalen Netzwerks könnte mit der Symptomrückbildung einhergehen. (Kohortenstudie, n = 70, E 2b.)101

2.4. Fluktuierendes ADHS

Bedeutung für Betroffene

Bei vielen Betroffenen verläuft ADHS über die Lebensspanne nicht gleichmäßig. Die Symptome wurden in Studien zeitweise schwächer und später wieder stärker. In der MTA-Studie zeigten fast zwei Drittel der Kinder mit ADHS bis ins junge Erwachsenenalter einen solchen schwankenden Verlauf. Nur wenige zeigten eine dauerhafte Remission.

Phasen mit weniger Symptomen traten häufig erstmals in der Jugend auf. Umweltanforderungen, Stress, Übergänge wie der Schulwechsel und die Lebensumstände können beeinflussen, ob die Symptome gerade über oder unter der Diagnoseschwelle liegen. Beeinträchtigungen können dabei auch unterhalb der Schwelle fortbestehen.

Ein Teil der Schwankungen dürfte auf die Messung zurückgehen, etwa auf die Tagesform oder einen Wechsel der Auskunftsperson, besonders wenn die Symptome nahe an der Diagnoseschwelle liegen.

Schwankende Verläufe könnten erklären, warum viele Betroffene ihre Medikation nach einigen Jahren absetzen und später wieder aufnehmen. Jugendliche und junge Erwachsene setzten ADHS-Medikamente besonders häufig ab.

(E 2b): Studien berichten über einen schwankenden Verlauf von ADHS, bei dem ADHS während der Entwicklung mehrfach verschwand (remittierte) und wieder auftrat (rezidivierte). (Narrativer Review, E 4)89 (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), N = 558, 16 Jahre, E 2b)2 (Kohortenstudie, N = 323, n = 157, 13 Jahre, E 2b)87 (Kohortenstudie, n = 344, 7 Jahre, E 2b)102 (Narrativer Review, E 4)3(Narrativer Review, E 4.)103

Zwei Studien belegen eher Symptomschwankungen im Erwachsenenalter als ein mehrfaches Verschwinden und Wiederauftreten:

  • Unter 157 Erwachsenen mit ADHS (mittleres Alter 34 bis 47 Jahre, 3 Messzeitpunkte über 13 Jahre) fanden sich unterschiedliche Verläufe: (Kohortenstudie, N = 323, n = 157, 13 Jahre, E 2b)87
    • 68,8 % stabil
    • 25,5 % instabil (fluktuierend)
    • 5,7 % remittierend
  • Nach 7 Jahren fand sich ein Symptomanstieg in Bezug auf: (Kohortenstudie, n = 344, 7 Jahre, E 2b)102
    • Hyperaktivität: 25 %
    • Impulsivität: 17 %
    • Unaufmerksamkeit: ca. 13 %

Ältere Übersichtsarbeiten gingen noch von einem chronischen Verlauf aus und werteten einen phasischen Verlauf als Hinweis auf eine affektive Störung. (Narrativer Review, E 4.)104

Auch Symptome und Komorbiditäten von ADHS können über die Lebensspanne schwanken und sich verändern. Wegen der Instabilität des Symptomprofils im Entwicklungsverlauf wurden die DSM-IV-Subtypen im DSM-5 durch Präsentationsformen ersetzt. (Narrativer Review, E 4.)103

(E 2b): ADHS verlief schwankend, mit Phasen der Remission und des Wiederauftretens,

  • in der MTA-Studie bei:
    • 63,8 % während der Kindheit und des jungen Erwachsenenalters (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), N = 558, 16 Jahre, E 2b)2
      • 31,4 % remittierten mindestens zu einem Zeitpunkt vollständig, davon erlitten 59,4 % ein volles oder partielles Rezidiv. Nur 9,1 % zeigten eine anhaltende Remission bis zum Studienende (Durchschnittsalter 25 Jahre), 10,8 % eine stabile Persistenz, 15,6 % eine anhaltende Teilremission. (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), N = 558, 16 Jahre, E 2b.)2
      • Eine weitere Auswertung der MTA-Studie untersuchte Kinder mit ADHS-C insgesamt 9 Mal vom Beginn (Durchschnittsalter 8,46 Jahre) bis zum 16-Jahres-Follow-up (Durchschnittsalter 25,12 Jahre). Die fluktuierende Gruppe (63,8 %) zeigte im Schnitt 3,58 Schwankungen. Innerhalb einer Person lagen zwischen Spitzen- und Tiefstwerten 6 bis 7 Symptome. Remissionsphasen traten meist erstmals in der Adoleszenz auf und gingen mit höheren Umweltanforderungen einher, besonders in jüngerem Alter. Der ADHS-Schweregrad dieser Gruppe war moderat. Die Gruppe mit stabil persistentem ADHS (10,8 %) zeigte ein frühes und anhaltendes Risiko für affektive Störungen, Substanzkonsumprobleme im Jugend- und jungen Erwachsenenalter, geringere Medikamenteneinnahme und ein schlechteres Ansprechen auf die Behandlung im Kindesalter. (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), N = 483, 16 Jahre, E 2b.)105
      • Schutzfaktoren waren
        • bei der Genesungsgruppe (9,1 %): sehr geringe elterliche Psychopathologie
        • in der partiellen Remissionsgruppe (15,6 %): höhere Raten an komorbider Angst (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), N = 483, 16 Jahre, E 2b.)105
  • in einer Kohorte von Kindern mit ADHS-Beginn vor dem 12. Lebensjahr (jährliche Untersuchung über 8 Jahre, 86 % mit erhöhten manischen Symptomen) bei: (Kohortenstudie, n = 431, 8 Jahre, E 2b.)56
    • 15 % instabile Symptomatik zum Studienende
    • 13 % fluktuierender Verlauf
    • 53 % persistierendes ADHS
    • 31 % in Remission
  • in einer Kohorte erfüllten nach 10 Jahren: (Kontrollierte Kohortenstudie, N = 215, n = 110, 10 Jahre, E 2b.)46
    • 65 % der Jungen mit ADHS nicht mehr die vollen DSM-IV-Kriterien
    • 78 % erfüllten jedoch mindestens eine Persistenzdefinition (volle oder subsyndromale Kriterien, GAF gleich oder niedriger 60 oder laufende ADHS-Behandlung).
  • in drei Kohorten von Kindern und Jugendlichen (mindestens zwei Wechsel zwischen Erfüllen und Nichterfüllen der ADHS-Kriterien, Anteil an den jemals von ADHS Betroffenen) für: (Kohortenstudie, 3 Kohorten, n = 9.735 + 258 + 149, E 2b.)106
    • die klinische NCR-Kohorte (4 bis 18 Jahre, 3 bis 9 Untersuchungen) bei:
      • 41,9 % bei 5 oder mehr Untersuchungen
      • 30 % bei durchgehend unmedizierten Teilnehmern
      • 26,6 % insgesamt
      • 20 % bei 4 Untersuchungen
      • 14 % bei 3 Untersuchungen
      • 9,8 % bei einer strengeren Definition der Remission wie in der MTA-Studie
    • die bevölkerungsbezogene ABCD-Kohorte (9 bis 13 Jahre, 3 Untersuchungen) bei:
      • 31,3 % bei durchgehend unmedizierten Teilnehmern
      • 29,3 % insgesamt
      • 19,7 % bei einer strengeren Definition der Remission wie in der MTA-Studie
    • die NKI-Rockland-Kohorte (6 bis 18 Jahre, 3 Untersuchungen) bei:
      • 18,1 % bei durchgehend unmedizierten Teilnehmern
      • 17 % insgesamt

In den letztgenannten drei Kohorten von Kindern und Jugendlichen war die fluktuierende Gruppe nie die größte Untergruppe. Ihr Anteil stieg mit der Anzahl der Untersuchungen. Fluktuationen fanden sich auch bei durchgehend unmedizierten Teilnehmern. Bei einer strengeren Definition der Remission wie in der MTA-Studie sank der Anteil. Die Autoren sehen Ähnlichkeiten zu rezidivierend-remittierenden affektiven Störungen oder eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber entwicklungsbedingten Umweltveränderungen. (Kohortenstudie, 3 Kohorten, n = 9.735 + 258 + 149, E 2b.)106

Eine Studie fand bei Kindern mit ADHS in Shanghai schwankende Verhaltensprobleme (einschließlich Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität) während der COVID-19-Maßnahmen, mit einem Gipfel um Tag 260 der Isolation, anschließendem Rückgang und erneutem Anstieg nach dem Lockdown. (Kohortenstudie, n = 1.102, E 2b.)107

Bei Kleinkindern im Alter von 24 Monaten erfasste ADHS-Symptome zeigten eine moderate Stabilität bis ins Vorschulalter (36 bis 64 Monate) mit Korrelationen der Summenwerte von r = 0,56 bis 0,60. (Kohortenstudie, N = 256, E 2b.)108

Wir meinen, ein gewisser Anteil von fluktuierenden ADHS (aber nicht alles) dürfte sich bei einer Symptomschwere in der Nähe der diagnostischen Grenze anhand der Tagesform und der diagnostischen Unsicherheitsbandbreite ergeben. Zusätzlich dürfte Stress die ADHS-Symptomschwere erhöhen. (Einschätzung ADxS)

(E 2b): Die ADHS-Symptomschwere in Kindheit und Jugend wurde moduliert durch:

  • den Wechsel auf die weiterführende Schule (Middle School), der den entwicklungsbedingt deutlichen Rückgang von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität bei Kindern mit ADHS vorübergehend unterbrach, mit Effekten für: (Kohortenstudie, N = 370, n = 258, 6 Jahre, E 2b.)109
    • Impulsivität im Elternurteil, d = 0,25
    • Hyperaktivität im Elternurteil, d = 0,24
    • Unaufmerksamkeit im Elternurteil, d = 0,22
    • Unaufmerksamkeit im Lehrerurteil, d = 0,20
    • Hyperaktivität im Lehrerurteil, d = 0,14
  • Umweltanforderungen, Stressoren und allostatische Last, komorbide Symptome, Kompensationsfähigkeiten, Lebensstil, soziale Unterstützung und familiäres Chaos (Annahme für die Jugend) (Narrativer Review, E 4.)110 Solche Kontextschwankungen könnten dazu führen, dass Betroffene vorübergehend oder dauerhaft über oder unter die Diagnoseschwelle rutschen, obwohl beeinträchtigende Probleme fortbestehen.

Die Anteile von 7 Verlaufsklassen von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität zwischen 5 und 28 Jahren betrugen für: (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111

  • stabil niedrig, 44,3 %
  • schwer kombiniert abnehmend, 13 %
  • stabil mild, 12,9 %
  • moderat kombiniert abnehmend, 12,7 %
  • moderat kombiniert zunehmend, 7,5 %
  • schwer kombiniert stabil, 4,8 %
  • schwer unaufmerksam stabil, 4,8 %

Schwere Symptome in der Kindheit gingen trotz deutlicher Abnahme meist mit erhöhten bis schweren Symptomen in Jugend und jungem Erwachsenenalter einher. (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111

Erwachsene mit ADHS (mittleres Alter 47 Jahre) hatten einen höheren Neuroimaging-Assoziationsscore (NAS, gewichtete Summe metaanalytisch bekannter Hirnunterschiede) für die kortikale Oberfläche als Kontrollen. Mit der Symptomzahl und mit einem stabilen oder schwankenden Verlauf über 13 Jahre hing der NAS nicht zusammen. (Kohortenstudie mit Querschnitt-MRT, N = 203, n = 121, 13 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)112

Nur relativ wenige Betroffene zeigen einen stabil remittierenden Verlauf. Studien zu Neurobiologie und Genetik von ADHS, die sich auf eine einzige Messung stützen, könnten biologisch bedingte Unterschiede zwischen Personen mit unterschiedlichem Lebensverlauf übersehen. (Kommentar, E 4.)113

Klinisch erhöhte Lehrerurteile zur Unaufmerksamkeit bei Grundschulkindern blieben im Folgejahr nur bei 33 bis 46 % erhöht. Auch bei Kindern mit gesicherter ADHS-Diagnose (MTA) blieb weniger als die Hälfte erhöht, 25 % sanken in den Normbereich. Der Rückgang erklärte sich nicht durch Hyperaktivität, oppositionelles Verhalten, Angst zu Beginn oder einen Medikationsbeginn. (Kohortenstudie, k = 3 Stichproben, N = 79, 12 bis 14 Monate, E 2b.)114

(E 2b): ADHS-Medikamente wurden im Jugend- und jungen Erwachsenenalter häufig abgesetzt. (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)115 (Registerstudie, n = 19.233, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)116 Der Anteil medikamentös behandelter Patienten mit ADHS betrug:

  • 36,1 % mit 21 Jahren (80,1 % mit 18 Jahren) in Schweden (Registerstudie, n = 19.233, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)116
  • 27 % nach knapp 4 Jahren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 21 Jahre) (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)115

Jugendliche und junge Erwachsene setzten ADHS-Medikamente häufiger ab als andere Altersgruppen. Die Abbruchrate war höher als nach der Persistenz des ADHS zu erwarten war. (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)115

Von 181 Patienten einer forensisch-psychiatrischen Ambulanz in der Schweiz hatten 12 (7 %) eine gesicherte ADHS-Diagnose aus Kindheit oder Jugend. Im Erwachsenenalter wurde die Diagnose bei 1 Person (8 %) durchgehend beibehalten, bei 4 (33 %) im ersten Gutachten vergeben und später fallengelassen, bei 4 (33 %) fallengelassen und später wieder vergeben und bei 3 (25 %) durchgehend nicht vergeben. Bei 50 % der Diagnosewechsel fiel der Wegfall der ADHS-Diagnose mit einer neu diagnostizierten Persönlichkeitsstörung zusammen (oder umgekehrt). Die Autoren diskutierten fluktuierende Verläufe ähnlich der Depression, aber auch „verlorene“ Diagnosen und unterschwellige Restsymptome. (Retrospektive Aktenanalyse, N = 181, n = 12, E 2b.)117

3. Häufigkeit des Fortbestehens von Kindheits-ADHS im Erwachsenenalter

In Studien zu Prädiktoren fand sich ein Fortbestehen von ADHS

  • nach Diagnosekriterien bzw. Symptomen bei:
    • 85 % mit vollen oder subschwelligen Kriterien und Beeinträchtigung nach 4 Jahren (Jungen, 6 bis 17 Jahre) (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118 15 % waren remittiert, etwa je zur Hälfte bis zum Alter von 12 Jahren bzw. danach.
    • 65 % bis ins Jugendalter bei Velo-kardio-fazialem Syndrom (22q11.2-Deletion) (Kohortenstudie, n = 72, 4 Jahre, E 2b.)119
    • 105 von 163 Jugendlichen (16 bis 18 Jahre) mit retrospektiv erfragter Kindheits-ADHS (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120 58 remittierten.
    • 50 % im Mittel (je nach Land 32,8 bis 84,1 %) nach DSM-IV bei Erwachsenen mit retrospektiv berichtetem Kindheits-ADHS in 10 Ländern (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
    • 50 % (10 von 20) nach DSM-5 bei 2012 bis 2013 diagnostizierten und medikamentös behandelten Kindern, Nachuntersuchung 2020 bis 2022 im Alter von 13 bis 25 Jahren (Kohortenstudie, N = 121, n = 20, E 2b.)122
    • 49 % (64 von 130) mit Vollbild im Jugendalter (mittleres Alter 14,0 Jahre, zu Beginn 8,9 Jahre) (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123 18 % (24) waren vollständig remittiert.
    • 36,3 % nach DSM-IV bei 18- bis 44-Jährigen mit retrospektiv erfasstem Kindheits-ADHS, verblindete klinische Interviews (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • bei chinesischen Kindern im frühen Erwachsenenalter (mittleres Alter 18,8 Jahre) je nach Persistenzdefinition bei: (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125 27,32 % waren vollständig remittiert.
    • 46,37 % nach DSM-IV
    • 19,55 % mit symptomatischer Persistenz
    • 6,77 % mit funktioneller Persistenz
  • als anhaltend hoher Symptomverlauf bei:
    • 14,3 % stabil hoch bei Messungen mit 8, 14 und 23 Jahren (abnehmend 24,7 %, stabil niedrig 61,0 %) (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126
    • 13 % anhaltend hoch von der 3. bis zur 12. Klasse in einer Hochrisikostichprobe (Kinder mit erhöhten Verhaltensproblemen im Kindergarten), Elternurteil (dauerhaft niedrig 71 %, anfangs klinisch bedeutsam, dann unter die klinische Schwelle abnehmend 16 %) (Kohortenstudie, n = 413, E 2b.)127
    • 10,6 % anhaltend hoch bis zum Alter von 16 Jahren (Kohortenstudie, n = 1.730, 5 Jahre, E 2b.)128

(E 2b): Verlaufsklassen mit anhaltend hohem und mit abnehmendem Verlauf hatten in der (frühen) Kindheit eine ähnliche Symptomschwere. (Kohortenstudie, n = 413, E 2b.)127 (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111 Ein anhaltend hoher Verlauf ging mit ungünstigeren Folgen einher. Die stabil hohe Klasse hatte mit 32 Jahren mehr psychosoziale Beeinträchtigungen und einen geringeren sozioökonomischen Status. (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126 Im späten Jugendalter war die anhaltend hohe Gruppe dissozialer als die niedrige (mehr Festnahmen, Schulabbrüche, Arbeitslosigkeit), die abnehmende Gruppe unterschied sich dagegen nicht von der niedrigen. (Kohortenstudie, n = 413, E 2b.)127 In der Adoleszenz soll sich der Verlauf von ADHS verzweigen. Eine Teilgruppe erreicht ein weitgehend günstiges Outcome, eine größere Gruppe bleibt auf einem problematischen Weg. (Narrativer Review, E 4.)110

Prognosemodelle aus Kindheitsmerkmalen erreichten eine Vorhersagegüte (AUC) von: (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129

  • 0,82 (95%-KI 0,79 bis 0,83) für ADHS im jungen Erwachsenenalter (ohne Onset-Kriterium), interne Validierung
  • 0,76 (0,73 bis 0,80) für ADHS im jungen Erwachsenenalter, externe Validierung in der MTA
  • 0,76 für ein multivariates Risikoprofil der Persistenz (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • 0,75 (0,71 bis 0,78) für ADHS im jungen Erwachsenenalter, externe Validierung in E-Risk
  • 0,57 (0,54 bis 0,60) für ADHS im jungen Erwachsenenalter in der brasilianischen Pelotas-Kohorte

Der Risikorechner sagte ADHS in europäischen und nordamerikanischen Stichproben gut vorher, in der Pelotas-Kohorte kaum. Angststörungen und Depression im Erwachsenenalter sagte das Modell nicht vorher. (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129

Ein Fortbestehen von ADHS ging einher mit einem erhöhten Risiko für: (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130

  • Major Depression, OR 3,19 (95%-KI 1,71 bis 5,95)
  • Substanzgebrauchsstörungen, OR 2,12 (95%-KI 1,53 bis 3,17)
  • Störungen des Sozialverhaltens und Substanzkonsumstörungen bei hyperaktiven Jungen mit 16 bis 23 Jahren, bei denen die ADDH fortbestand (Kohortenstudie, N = 201, n = 101, rund 9 Jahre, E 2b.)62 Ohne die Fälle mit fortbestehender ADD unterschieden sich frühere Patienten und Kontrollen nicht mehr signifikant bei antisozialen Störungen (13 % gegenüber 8 %) und Substanzkonsumstörungen (10 % gegenüber 7 %). Substanzkonsumstörungen folgten fast immer auf eine Störung des Sozialverhaltens.

Die Unterschiede der Präsentationsformen in der Symptomschwere während der Kindheit waren im Jugendalter (16 bis 18 Jahre) nicht mehr signifikant. Kinder mit Mischtyp erfüllten im Jugendalter am häufigsten nur noch die Kriterien des unaufmerksamen Typs. (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120
Polygenes ADHS-Risiko und Misshandlung wirkten unabhängig voneinander, eine Gen-Umwelt-Interaktion fand sich nicht. Das ADHS-PGS war mit Misshandlung assoziiert (β = 0,09, 0,01 bis 0,17). Etwa 47 % dieses Effekts wurden über die ADHS-Symptome mit 6 Jahren vermittelt, was auf eine evokative Gen-Umwelt-Korrelation hindeutet (Kinder mit ADHS-Symptomen erfahren häufiger Misshandlung). (Geburtskohorte, n = 4.231, 18 Jahre, E 2b.)131

Aktuelle ADHS-Symptome (ASRS) hingen direkt und zusätzlich indirekt über Kindheitstraumata (CTQ) und dissoziative Erfahrungen (DES) mit retrospektiv berichteten ADHS-Symptomen der Kindheit (WURS) zusammen, unabhängig von demografischen und klinischen Störfaktoren. Dies fand sich sowohl bei Studierenden (n = 1.148) als auch bei Erwachsenen mit ADHS (n = 202). (2 Querschnittstudien, N = 1.350, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)132
Bei Frauen (35 bis 88 Jahre) waren subklinisches (n = 82) und volles ADHS (n = 43) mit mehr belastenden Kindheitserfahrungen und geringerer elterlicher Bindung assoziiert. (Querschnittstudie, populationsbasiert, N = 2.741, E 3.)133
Ein Teil der Erwachsenen mit ADHS zeigt keine wesentlichen Beeinträchtigungen im Alltag, in Beziehungen oder in Beruf und Ausbildung, was auf eine prognostische Heterogenität hinweist. Die Autoren vermuten, dass eine erhaltene Verarbeitung verzögerter Belohnungen (im Sinne des Dual-Pathway-Modells) das neurobiologische Korrelat von Beharrlichkeit ist, die mit höherem Leistungserfolg einhergeht. (Narrativer Review, E 4.)134

(E 4): Das Langzeit-Outcome von ADHS soll von Merkmalen des Kindes und der Familie abhängen (Narrativer Review, E 4.)135 (Narrativer Review, E 4.)32, und zwar von Gesundheit, Temperament und IQ des Kindes, sozioökonomischem Status, emotionalem Klima, psychischer Gesundheit der Eltern und Familienstruktur sowie dem weiteren sozialen Umfeld (Narrativer Review, E 4.)135 bzw. von Symptomschwere, Komorbidität und IQ des Kindes, elterlicher Psychopathologie, sozioökonomischem Status, familiärer Belastung und der Behandlung, die kumulativ und interaktiv wirken sollen. (Narrativer Review, E 4.)32 Ungünstig waren insbesondere eine komorbide Störung des Sozialverhaltens, ein niedriger IQ und elterliche Psychopathologie. Die Langzeitwirkung einer Behandlung blieb unklar. (Narrativer Review, E 4.)32

Das Funktionsniveau von als Kind Hyperaktiven im jungen Erwachsenenalter (17 bis 24 Jahre) hing nicht von einzelnen kindlichen Merkmalen (6 bis 12 Jahre) ab, sondern von deren kumulativem Zusammenwirken. Besonders häufig gingen als Prädiktoren ein: (Kohortenstudie, n = 64, 10 bis 12 Jahre, E 2b.)136

  • sozioökonomischer Status (Bildung, Beruf, Polizeikontakte)
  • psychische Gesundheit der Familienangehörigen (emotionale Anpassung, Polizeikontakte, Drogenkonsum)
  • IQ (Bildungsabschluss, Drogenkonsum)
  • emotionale Instabilität, geringe Frustrationstoleranz und Aggressivität (Polizeikontakte, emotionale Anpassung, Unfallschäden)

Versuche, anhand kindlicher Merkmale vorherzusagen, welche hyperaktiven Kinder einen ungünstigen Verlauf nehmen, waren weitgehend erfolglos. In einer Studie waren nur IQ (negativ) und Geschwisterzahl (positiv) mit antisozialer Persönlichkeitsstörung und nur der IQ mit Alkoholismus verbunden, alle Prädiktoren zusammen erklärten weniger als 10 % der Varianz. In einer anderen Studie waren von rund 300 Korrelationen zwischen Kindheitsmerkmalen und Verlauf 29 signifikant, keine davon stark. (Narrativer Review, E 4.)137

Die CBCL-Skala Aufmerksamkeitsprobleme mit 11 Jahren war mehrdimensional (SCT-Items und ADHS-Items). Ein Bifaktormodell sagte Psychopathologie, Bildungsabschluss, finanzielle Lage und Beziehungsfähigkeit im jungen Erwachsenenalter teils etwas besser vorher als einfache Summenwerte. (Kohortenstudie, N = 1.352, E 2b.)138

Selbstberichtetes SCT in Kindheit und Jugend sagte 12 Jahre später Depressionssymptome (β = 0,26) und Unaufmerksamkeit (β = 0,12) im Erwachsenenalter vorher. SCT und Depression korrelierten in der Jugend jedoch stark (r = 0,84 im Selbsturteil, r = 0,78 im Elternurteil). Gemeinsam betrachtet sagte keiner der beiden Prädiktoren adulte Unaufmerksamkeit oder Depression vorher. (Kohortenstudie, Zwillinge, 449 Zwillingspaare, 12 Jahre, E 2b.)139

Es gibt verschiedene Theorien, warum ADHS in der Kindheit bei manchen Erwachsenen verschwindet und bei anderen fortbesteht.

  • Bei Kindern mit ADHS aus einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund war die Wahrscheinlichkeit einer (von den Eltern berichteten) Remission in US-Bundesstaaten mit inklusiverer Sonderpädagogik höher. Bei Kindern aus höheren Schichten hing sie nicht davon ab. (Querschnittstudie, E 3.)140 Dies deutet in unseren Augen darauf hin, dass Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status weniger in der Lage sind, die Defizite ihrer Kinder auszugleichen. Das dürfte auf alle psychischen Problemstellungen zutreffen. (Einschätzung ADxS)
  • Eine Untersuchung der Stressbelastung von Kindern mit ADHS fand, dass sehr hohe, in der mittleren Adoleszenz gipfelnde Stressbelastung mit zwei persistierenden Verläufen eines schweren kombinierten ADHS (mit schwerer emotionaler Dysregulation bzw. mit zunehmenden internalisierenden Problemen) einherging. Geringe und abnehmende Stressbelastung ging mit teilweise remittierenden Verläufen (vorwiegend unaufmerksamer Typ und moderater kombinierter Typ) einher. (Kohortenstudie, N = 1.587, n = 609, 8 Jahre, E 2b.)141 Eine große schwedische Registerkohorte fand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen kumulierten Belastungen in der Kindheit und behandeltem ADHS im späten Jugend- und jungen Erwachsenenalter (4 oder mehr Belastungen: OR 5,5). (Kohortenstudie, n = 543.650, E 2b.)142
  • Eine andere Untersuchung fand bei Jugendlichen mit Late-Onset-ADHS gegenüber Nicht-Betroffenen eine 11,8-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit multipler Traumaexposition (OR 11,82). Klinisch und neurokognitiv unterschied sich das Late-Onset-ADHS nicht von ADHS mit Beginn in der Kindheit. Late-Onset-Betroffene erlebten jedoch höhere elterliche Anforderungen (d = 1,09) und wechselten häufiger auf alternative Schulen (26,7 % gegenüber 0 %). Gegenüber Nichtbetroffenen zeigten sie Defizite der Metakognition (d = 1,25) und der schulischen Motivation (d = 0,80). Bei multipler Traumaexposition unterschieden sie sich nicht signifikant von Betroffenen mit Kindheits-ADHS. Nach einem Jahr erfüllten 50 % der Late-Onset-Betroffenen die DSM-5-Symptomkriterien, 67,7 % zeigten erhöhte Symptome mit klinisch bedeutsamer Beeinträchtigung. (Fall-Kontroll-Studie mit 1-Jahres-Follow-up, N = 50, n = 15, E 3.)143 Die fehlende Persistenz bei einem Teil der Fälle könnte auch ein Hinweis auf eine hohe Quote an Falschdiagnosen sein. (Einschätzung ADxS)
    • Die Pubertät geht mit einer stark veränderten dopaminergen Innervation im PFC einher. Der PFC ist in dieser Zeit für dopaminerge Stimulation besonders vulnerabel. Damit wird das zwischen den Polen Novelty Seeking und starkem Rückzug schwankende Verhalten Pubertierender erklärt. Die starke dopaminerge Vulnerabilität in dieser Entwicklungsphase erklärt weiter die Gefahren von Alkohol- und Drogenmissbrauch oder exzessivem Medienkonsum. Diese können bleibende Störungen des Dopaminsystems verursachen, was das Risiko für Impulsivität, Suchterkrankung oder Psychosen erhöht. (Volltext für uns nicht einsehbar, E 4)144
      Eine verlängerte kortikale Reifung im frontoparietalen Netzwerk wirkt sich dabei günstig auf die finale Leistungsfähigkeit des Gehirns aus, eine Beschleunigung z.B. durch zu viel dopaminerge Stimulation hingegen ungünstig. (Volltext für uns nicht einsehbar, E 4)145 Bei ADHS wie bei hoher Intelligenz erreichte die Cortexdicke ihr Maximum später. (Längsschnittstudie, N = 446, E 2b.)146 (Längsschnittstudie, n = 307, E 2b.)147
      Siehe ⇒ Hochbegabung und ADHS im Abschnitt ⇒ Differentialdiagnostik bei ADHS im Kapitel ⇒ Diagnostik
  • Angstsymptome im Alter von 15 Jahren sagten psychische Störungen im späten Jugend- und frühen Erwachsenenalter vorher (adjustiert für ADHS, ASS und Entwicklungsstörung der motorischen Koordination) (Kohortenstudie an Zwillingen, n = 14.106 + 9.211, E 2b.):148
    • Angststörung: 4,9-fach
    • Depression: 4,8-fach
    • jegliche psychiatrische Diagnose: 3,4-fach
      Dies könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass die mittlere Jugend neben der frühen Kindheit ein zweites besonders verletzliches Entwicklungszeitfenster darstellt. (Einschätzung ADxS)
  • Eine Theorie geht von einer Nachreifung von Gehirnfunktionen aus (Konvergenz zu typischer Gehirnstruktur und -funktion). (Narrativer Review, E 4.)149 Doch nicht jede Verzögerung der Gehirnreifung ist zugleich ein Zeichen für ADHS. Bei ADHS erreichte der Cortex sein Dickemaximum im Median mit 10,5 Jahren statt mit 7,5 Jahren. (Längsschnittstudie, N = 446, E 2b.)146 Auch Kinder mit sehr hoher Intelligenz (IQ 121 bis 149) zeigten eine anfangs beschleunigte und verlängerte Phase der Cortexverdickung (Maximum im oberen Frontalgyrus mit etwa 11 statt 7 bis 8 Jahren), gefolgt von einer ebenso ausgeprägten Ausdünnung ab der frühen Adoleszenz. (Längsschnittstudie, n = 307, E 2b.)147
    ⇒ ADHS und Hochbegabung.
  • Mit relativer Unreife im Kindesalter verbundene genetische Faktoren erklärten 10 % bis 14 % der Varianz von ADHS-Symptomen bis zum Alter von 16 bis 17 Jahren, mit 19 bis 20 Jahren nur noch 4 %. (Zwillings-Kohortenstudie, n = 1.302 Zwillingspaare, rund 11 Jahre, E 2b.)150 Dies passt zur Theorie einer Nachreifung, erklärt aber nur einen kleinen Teil der Symptomvarianz.
  • Mädchen mit Kindheits-ADHS verbesserten sich von der Kindheit (6 bis 12 Jahre) bis ins junge Erwachsenenalter (17 bis 24 Jahre) stärker als Kontrollen bei Daueraufmerksamkeit und globalen Exekutivfunktionen, gleich stark bei Arbeitsgedächtnis und Reaktionsinhibition. Wer sich bei den globalen Exekutivfunktionen am stärksten verbesserte, zeigte den stärksten Rückgang von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität. Eine Verbesserung der Reaktionsinhibition ging mit einem Rückgang der Hyperaktivität/Impulsivität einher. Veränderungen des Arbeitsgedächtnisses hingen nicht mit Symptomveränderungen zusammen, was die Autoren als möglichen Hinweis auf ein Kerndefizit werten. (Kohortenstudie, n = 228, rund 10 Jahre, E 2b.)151
  • Ein Aufholen exekutiver Funktionen, insbesondere die Entwicklung des Arbeitsgedächtnisses, soll mit einem Rückgang der Symptome einhergehen. (Narrativer Review, E 4.)110
  • Eine andere Theorie besagt, dass bestimmte Gehirnregionen kompensatorische Aufgaben übernehmen, sodass die kindlichen ADHS-Defizite hierdurch korrigiert werden können. (Narrativer Review, E 4)149
  • Ein weiteres Modell geht davon aus, dass bestimmte kindliche ADHS-Defizite lebenslänglich weiter bestehen. (Narrativer Review, E 4)149
  • Ein Defizit der Reaktionsinhibition (Stop-Signal-Aufgabe) bestand bei Kindern mit ADHS bis in die Adoleszenz fort, unabhängig davon, ob das ADHS persistierte, teilweise oder vollständig remittierte. Arbeitsgedächtnis und Reaktionsvariabilität unterschieden sich in der Adoleszenz nicht mehr signifikant von Kontrollen. Die kognitive Leistung verbesserte sich mit dem Alter unabhängig vom Verlauf der Symptomatik und unterschied sich weder in der Kindheit noch in der Adoleszenz zwischen persistierendem, teilremittiertem und remittiertem ADHS. (Kohortenstudie, n = 130 (64 persistierend, 42 teilremittiert, 24 remittiert), Kontrollen n = 40 bzw. 28, E 2b.)152
  • Weder automatisch gesteuerte (niedrigstufige) noch bewusst gesteuerte (höherstufige) neurokognitive Funktionen unterschieden persistierendes von remittiertem ADHS. Persistierende und Remittierte schnitten beide schwächer ab als Nichtbetroffene, Remittierte mit geringerem Abstand. In der Kindheit gemessene neurokognitive Funktionen sagten ADHS einige Jahre später vorher, unabhängig von der Art der Funktion. Das Reifungsmodell von Halperin und Schulz (2006), nach dem bei Remission die bewusst gesteuerten Funktionen nachreifen, wird dadurch nicht gestützt. (Systematischer Review, k = 18, E 2b.)153
  • (E 3): Eine Untersuchung bei Erwachsenen, bei denen die Unaufmerksamkeit fortbestand, fand ein Ungleichgewicht zwischen den Verbindungen im Gehirn innerhalb des Default-Mode-Networks einerseits und denjenigen zwischen dem Default-Mode-Network und jenen Bereichen, die Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle unterstützen, andererseits. Bei Erwachsenen, deren Unaufmerksamkeit remittiert war, gab es diese Unterschiede zu Nie-Betroffenen nicht. (Querschnittuntersuchung in einer Längsschnittkohorte, n = 205, E 3.)154 (Konsensus, E 4.)155
  • In einer Ruhe-fMRT-Studie an Erwachsenen mit Kindheits-ADHS war die positive Konnektivität zwischen posteriorem Cingulum und medialem präfrontalem Cortex (Default-Mode-Netzwerk) nur bei persistierendem ADHS verringert, Remittierte unterschieden sich nicht von Kontrollen. Eine verringerte Antikorrelation zwischen medialem und dorsolateralem präfrontalem Cortex fand sich dagegen bei beiden ADHS-Gruppen, unabhängig vom aktuellen Status. (Narrativer Review, Sekundärzitat über Uchida et al. 2015 zu Mattfeld et al. 2014, E 4.)156
  • Ein Vergleich von teilremittierten mit nichtremittierten Jugendlichen fand bei Teilremission eine deutlich geringere Aktivierung des vlPFC. Diese Verbesserung der Effizienz des vlPFC korrelierte mit der Leistung bei einer Go/No-Go-Aufgabe und lag zwischen der ADHS-Diagnose und normalen Kontrollen. (Querschnittstudie mit fMRT, N = 15, E 3)157
  • Eine Genanalysestudie fand vier genomweit signifikante Loci für ADHS im Kindesalter und einen für erst im Erwachsenenalter diagnostiziertes ADHS. Persistierendes ADHS zeigte höhere polygene Risikoscores für ADHS (ADHS-PRS) als die beiden anderen Gruppen. ADHS im Kindesalter zeigte eine größere genetische Überlappung mit Hyperaktivität und Autismus sowie die höchste Belastung durch seltene Protein-abbrechende Varianten in evolutionär beschränkten Genen. Spät diagnostiziertes ADHS zeigte dagegen eine größere genetische Überschneidung mit Depressionen und keine erhöhte Belastung durch seltene Protein-abbrechende Varianten. (GWAS, n = 23.312 Fälle, 38.303 Kontrollen, Analyse seltener Varianten 7.650 Fälle, 8.649 Kontrollen, E 3.)37

Kinder mit ADHS (Mischtyp) und ihre nicht betroffenen Geschwister holten vom mittleren Alter 11,4 Jahre bis 17,3 Jahre bei einem Teil der neurokognitiven Maße gegenüber Nichtbetroffenen auf, bei: (Kohortenstudie, n = 838, davon 339 mit ADHS, 271 nicht betroffene Geschwister, E 2b.)158

  • Betroffenen 4 von 9 Maßen (44,4 %)
  • nicht betroffenen Geschwistern 5 von 9 Maßen (55,6 %)

Verbales Arbeitsgedächtnis und Reaktionszeitvariabilität blieben beeinträchtigt. Die Veränderung der neurokognitiven Leistung stand nicht mit der späteren ADHS-Symptomschwere oder dem Gesamtfunktionsniveau (K-GAS) in Zusammenhang. (Kohortenstudie, n = 838, davon 339 mit ADHS, 271 nicht betroffene Geschwister, E 2b.)158

 

4. Mögliche Gründe für Fortbestehen von ADHS bis ins Erwachsenenalter

Bedeutung für Betroffene

Warum ADHS bei manchen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fortbesteht und bei anderen zurückgeht, ist nur teilweise geklärt. Im Einzelfall lässt sich der Verlauf nicht sicher vorhersagen.

Häufiger fortbestehend war ADHS in Studien bei stärkerer Ausprägung in der Kindheit, bei zusätzlichen psychischen Störungen wie Depression, Angst oder Störungen des Sozialverhaltens, bei ADHS oder anderen psychischen Problemen der Eltern und bei belastenden Lebensumständen wie Stress, Misshandlung oder elterlicher Ablehnung. Eine medikamentöse Behandlung in der Kindheit ging ebenfalls häufiger mit einem Fortbestehen einher. Dies dürfte vor allem anzeigen, dass stärker Betroffene häufiger behandelt werden. Ein höherer IQ und günstige soziale Verhältnisse schützten in manchen Studien, in anderen nicht. Ob ein Kind zu den Jüngsten seiner Schulklasse gehörte, beeinflusste das Fortbestehen nicht.

Für die Rückbildung von ADHS werden drei Erklärungen diskutiert. Das Gehirn könnte nachreifen und sich typischen Verhältnissen annähern. Andere Hirnregionen könnten Aufgaben übernehmen und Defizite ausgleichen. Manche Defizite könnten auch trotz Rückgang der Symptome dauerhaft bestehen bleiben. Für alle drei Erklärungen fanden sich Hinweise in Studien zu Hirnstruktur, Hirnaktivität und Denkleistungen.

Die Pubertät gilt als besonders empfindliche Entwicklungsphase. Alkohol, Drogen oder exzessiver Medienkonsum können in dieser Zeit das Dopaminsystem dauerhaft beeinträchtigen.

(E 4): Die Datenlage zu Prädiktoren von Persistenz gegenüber Remission ist schwach und weitgehend inkonsistent. (Narrativer Review, E 4.)103 Bekannte Prädiktoren erklären den Verlauf nur unzureichend. (Narrativer Review, E 4.)110
Die Persistenz von ADHS soll keine bloße Fortsetzung einer früh hohen Symptomschwere sein, sondern ein Produkt aus genetischer Last, sozioökonomischem Kontext und deren Wechselwirkung. Diese Einflüsse unterschieden sich deutlich zwischen Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität, die bei der Untersuchung des Persistenzrisikos getrennt betrachtet werden sollten. (Editorial, E 4.)159
Erscheinungsbild und Prädiktoren von ADHS verändern sich über die Entwicklung. Im Vorschulalter sagen Symptomschwere, kognitive Funktionen und familiäre Faktoren den Verlauf im Schulalter vorher. Diese bleiben bei Schulkindern prädiktiv für den Langzeitverlauf, hinzu kommt die Komorbidität als weiterer Prädiktor. (Narrativer Review, herstellerfinanziert, E 4.)160

4.1. Einflussfaktoren auf ein Fortbestehen von ADHS bis ins Erwachsenenalter

 

Die frühere absolute Aussage “Es kann nicht vorhergesagt werden, bei welchen Betroffenen ADHS im Erwachsenenalter verschwindet” wurde relativiert. Sie beruhte auf einer einzelnen, bei Barkley et al. (2008) berichteten Kohorte. Eine Metaanalyse (16 Studien, davon 6 populationsbasierte retrospektive und 10 klinische Follow-up-Studien) fand Schwere, Behandlung, komorbide Störung des Sozialverhaltens und Major Depression in der Kindheit als Prädiktoren der Persistenz.161
Bei stärkerer Symptomschwere, weiblichem Geschlecht, Komorbiditäten und genetischer Depressionsneigung fand sich häufiger ein stabiler Verlauf im mittleren Erwachsenenalter.87Die Prädiktoren bleiben allerdings individuell unsicher.162

Als Einflussfaktoren auf ein Fortbestehen von ADHS bis ins Erwachsenenalter wurden untersucht:

4.1.1. ADHS-Schwere und Symptomzahl in der Kindheit

  • OR 8,05 für mehr Unaufmerksamkeitssymptome bei Erwachsenen, Fortbestehen der Diagnose nach 7 Jahren (Kohortenstudie, n = 227, 7 Jahre, E 2b.)86
  • OR 2,33 für die ADHS-Schwere (Metaanalyse, k = 16, E 2b.)161
  • OR 2,0 für die Symptomschwere (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 1,89 für die anfängliche ADHS-Schwere, Fortbestehen der Symptomatik bis zum Alter von durchschnittlich 25 Jahren (MTA-Kohorte) (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163
  • OR 1,62 für Unaufmerksamkeitssymptome (bei vollständig Remittierten als Kinder weniger als bei vollständig Persistierenden), Jugendalter (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • OR 1,18 für mehr Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome bei Erwachsenen, Fortbestehen der Diagnose nach 7 Jahren (Kohortenstudie, n = 227, 7 Jahre, E 2b.)86
  • OR 1,15 (1,06 bis 1,25) je Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptom, adjustiert, frühes Erwachsenenalter (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • R² = 20,9 % für die ADHS-Schwere 6 Jahre später, gemeinsam mit ADHS eines Elternteils und höherer Beeinträchtigung zu Studienbeginn (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43
  • 18 % im Jugendalter unter der Symptomschwelle bei allen 9 Unaufmerksamkeitssymptomen in der Kindheit, 58 % bei höchstens 5 Symptomen (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • Aufmerksamkeitsprobleme im Elternfragebogen (CBCL) in der Jugend, Fortbestehen der Diagnose 25 Jahre später (Kohortenstudie, n = 19 ADHS, 26 Kontrollen, 25 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)54vom Elternurteil erfasste ADHS-Symptome (nicht das Lehrerurteil) für ADHS-Symptome und Beeinträchtigung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45
  • bestimmte Unaufmerksamkeitssymptome (Anweisungen befolgen, Aufgaben organisieren, Vermeiden von Aufgaben, Vergesslichkeit, Verlieren von Dingen), Persistenz mit 16 bis 18 Jahren (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120
  • Zahl der ADHS-Symptome (nichtlinear modelliert) für ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • stärkere Hyperaktivität bei Velo-kardio-fazialem Syndrom (Kohortenstudie, n = 72, 4 Jahre, E 2b.)119
  • Symptomschwere in der Kindheit (Narrativer Review, E 4.)164
  • Symptomschwere ab dem Vorschulalter (Narrativer Review, herstellerfinanziert, E 4.)160
  • Schwere des kindlichen ADHS als einziger Prädiktor neben einer Behandlung in der Kindheit, keine modifizierbaren Risikofaktoren (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • kein Zusammenhang der Schwere der Störung mit einer vollständigen Genesung (Symptome und Beeinträchtigung unter der 84. Perzentile) bis zum Alter von 27 Jahren (E 4.)165
  • keine höhere Persistenz von ADHS-Symptomen oder Beeinträchtigung im jungen Erwachsenenalter trotz anfänglich stärkerer Symptomatik bei Kindern mit ADHS-Mischtyp, die zusätzlich die strengeren ICD-10-Kriterien einer hyperkinetischen Störung (HKS) erfüllten (Anteil mit ICD-10-HKS im jungen Erwachsenenalter 5,5 % (6 von 109) mit gegenüber 6,8 % (25 von 367) ohne kindliche HKS) (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), n = 476 (109 mit, 367 ohne HKS in der Kindheit), 16 Jahre, E 2b.)166
  • kein signifikanter Zusammenhang mit der Zahl der Unaufmerksamkeitssymptome (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • keine Vorhersage durch die Symptomzahl bei Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

4.1.2. komorbide Störung des Sozialverhaltens, oppositionelles Trotzverhalten und Verhaltensprobleme

  • OR 3,12 für komorbides oppositionelles Trotzverhalten bei Erwachsenen, Fortbestehen der Diagnose nach 7 Jahren (Kohortenstudie, n = 227, 7 Jahre, E 2b.)86
  • OR 1,85 für eine komorbide Störung des Sozialverhaltens (Metaanalyse, k = 16, E 2b.)161
  • OR 1,81 (1,21 bis 2,71) für oppositionelles Trotzverhalten oder Störung des Sozialverhaltens, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • OR 0,23 für komorbides oppositionelles Trotzverhalten (bei vollständig Remittierten als Kinder seltener als bei vollständig Persistierenden), Jugendalter (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • schwerere Symptomatik, stärkere Funktionsbeeinträchtigungen und höhere Persistenz von ADHS ins Erwachsenenalter bei komorbidem oppositionellem Trotzverhalten und Störungen des Sozialverhaltens (Narrativer Review, E 4.)103
  • Komorbidität mit Störung des Sozialverhaltens, Jungen (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118
  • Störung des Sozialverhaltens und bipolare Störung (nur bei Persistenz gegenüber Kontrollen erhöht), Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
  • komorbide Major Depression und/oder oppositionelle Störung, Persistenz mit 16 bis 18 Jahren (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120
  • Störung des Sozialverhaltens als Teil multipler psychiatrischer Komorbidität (Narrativer Review, E 4.)164
  • komorbide Symptome, vor allem oppositionelles Verhalten, in Verlaufsklassen mit ähnlicher kindlicher Symptomschwere (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111
  • mehr Aggression und Hyperaktivität in der Schule bei anhaltend hohem gegenüber abnehmendem Verlauf (Kohortenstudie, n = 413, E 2b.)127
  • oppositionelles Verhalten in der Kindheit, assoziiert mit hoher und abnehmender Symptomklasse (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126
  • geringe Aggression bei günstigerem Verlauf (Narrativer Review, E 4.)110
  • OR 1,03 (0,87 bis 1,24) für ODD/Störung des Sozialverhaltens, nicht signifikant (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • kein signifikanter Zusammenhang mit oppositionellem Trotzverhalten (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • kein Zusammenhang mit oppositionellem Verhalten nach Kontrolle der ADHS-Symptome (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45
  • selteneres Fortbestehen bei einer Verhaltensstörung in der Kindheit (58,2 % gegenüber 79,6 %), OR 0,2 (0,1 bis 0,8), beruhend auf der Störung mit oppositionellem Trotzverhalten (OR 0,05, 0,01 bis 0,3), nicht auf der Störung des Sozialverhaltens (OR 0,6, 0,1 bis 3,1) (Querschnittstudie, n = 3.309, E 3.)72
  • kein Zusammenhang von Verhaltensproblemen in der Kindheit (bei Studienbeginn) mit einer vollständigen Genesung bis 27 Jahre (E 4.)165
  • kein Zusammenhang des Schweregrads von ADHS, ODD oder CD in der Adoleszenz mit einer vollständigen Genesung bis 27 Jahre (E 4.)165

4.1.3. belastende Kindheitserfahrungen, Misshandlung und ungünstiges Familienklima

  • Frühe Widrigkeiten (Early Life Adversity wie z.B. körperliche Misshandlung oder Vernachlässigung) sollen nach Human- und Tierstudien erheblich zur Persistenz von ADHS ins Erwachsenenalter und zur Vulnerabilität für Erwachsenen-ADHS beitragen. Als Mechanismen werden eine Dysregulation der HPA-Achse, epigenetische Veränderungen, Schlafstörungen, oxidativer Stress, Neuroinflammation und gestörte Myelinisierung diskutiert, die sich gegenseitig verstärken könnten. (Narrativer Review, E 4.)167
  • OR 3,74 (1,89 bis 7,42) für wahrgenommene elterliche Ablehnung mit 11 Jahren, anhaltend hoher Symptomverlauf bis 16 Jahre gegenüber niedrigem Verlauf (Kohortenstudie, n = 1.730, 5 Jahre, E 2b.)128
  • OR 2,38 (1,10 bis 5,14) für wahrgenommene elterliche Ablehnung, anhaltend hoher gegenüber hohem, abnehmendem Verlauf (Kohortenstudie, n = 1.730, 5 Jahre, E 2b.)128
  • OR 2,14 (1,05 bis 4,38) für wahrgenommene elterliche Ablehnung, anhaltend hoher gegenüber moderat stabilem Verlauf (Kohortenstudie, n = 1.730, 5 Jahre, E 2b.)128 Wechselwirkungen mit DRD4, MAOA und 5-HTTLPR fanden sich nicht
  • OR 2,07 (1,26 bis 3,38) für einen hohen Score belastender Kindheitserfahrungen (ACE), teilremittierender Verlauf zwischen 7 und 16 Jahren bei unmedizierten Kindern, adjustiert für Geschlecht und psychiatrische Komorbidität. Die mittleren Scores belastender Kindheitserfahrungen (ACE) betrugen bei unmedizierten Kindern mit einem ADHS-Verlauf zwischen 7 und 16 Jahren bei: (Kohortenstudie, n = 457, 9 Jahre, E 2b.)168
    • 1,93 bei teilremittierendem ADHS (n = 18)
    • 1,29 bei persistierendem ADHS (n = 90)
    • 1,19 bei remittierendem ADHS (n = 40)
    • 1,12 bei subklinischem ADHS (n = 25)
    • 1,03 bei Kontrollen (n = 269)
    • 1,0 bei Late-Onset-ADHS (n = 15)
  • OR 1,28 (1,01 bis 1,64) für wahrscheinliche Misshandlung in der Kindheit, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • β = 0,51 (0,26 bis 0,77) für Misshandlung mit 6 und 11 Jahren, ADHS-Symptome mit 18 Jahren im Selbstbericht (ASRS), unabhängig vom polygenen Risiko (Geburtskohorte, n = 4.231, 18 Jahre, E 2b.)131
  • β = 0,24 (0,18 bis 0,29) für Misshandlung mit 6 und 11 Jahren, ADHS-Symptome mit 18 Jahren im Mutterurteil (SDQ) (Geburtskohorte, n = 4.231, 18 Jahre, E 2b.)131
  • psychosoziale Belastung (Rutter-Index), Jungen (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118
  • nicht intakte Familie, mehr Familienkonflikte, weniger Zusammenhalt, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
  • retrospektiv berichtete Kindesmisshandlung stärker mit stabil hoher als mit niedriger Symptomklasse verbunden, sexueller Missbrauch stärker mit stabil hoher als mit abnehmender Klasse (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126
  • höhere Persistenzraten bei subklinischem wie vollem ADHS in einer durch belastende Kindheitserfahrungen gekennzeichneten Untergruppe gegenüber einer „idiopathischen“ Untergruppe, Frauen (Querschnittstudie, populationsbasiert, N = 2.741, E 3.)133
  • soziale Belastung (Narrativer Review, E 4.)164
  • indirekter Zusammenhang aktueller mit retrospektiv berichteten kindlichen ADHS-Symptomen über Kindheitstraumata und dissoziative Erfahrungen (2 Querschnittstudien, N = 1.350, Volltext für uns nicht einsehbar, E 3.)132
  • kein Vorhersagewert von Belastungen in der Kindheit (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • kein Vorhersagewert kindlicher Belastungen und Traumata nach Kontrolle der Schwere (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • kein signifikanter Zusammenhang mit Überbehütung und elterlicher Wärme (Kohortenstudie, n = 1.730, 5 Jahre, E 2b.)128
  • kein Zusammenhang mit der Eltern-Kind-Beziehung, MTA-Kohorte (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163

4.1.4. IQ in der Kindheit

  • OR 0,45 (0,24 bis 0,84) für einen überdurchschnittlichen IQ (ab 115, gegenüber IQ unter 90), adjustiert (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • OR 0,89 (0,85 bis 0,95) je 10 IQ-Punkte, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • OR 0,99 (0,98 bis 1,00) für einen höheren IQ (schützend), nach Ausschluss qualitativ schwacher Studien nicht mehr signifikant (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • niedrigerer IQ (Gesamt- und Handlungs-IQ) für ADHS-Symptome und Beeinträchtigung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45
  • überdurchschnittliche Intelligenz bei günstigerem Verlauf (Narrativer Review, E 4.)110
  • hoher IQ begünstigte bessere Kompensationsstrategien (Narrativer Review, E 4.)164
  • IQ in Verlaufsklassen mit ähnlicher kindlicher Symptomschwere (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111
  • kein Zusammenhang des IQ der Kindheit mit einer vollständigen Genesung bis 27 Jahre (E 4.)165
  • kein Zusammenhang des kindlichen IQ, MTA-Kohorte (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163
  • kein Vorhersagewert des IQ (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • kein Schutz durch einen hohen IQ (120 oder mehr), Fortbestehen der Diagnose über 4,5 Jahre bei 78 % der hochbegabten Kinder und Jugendlichen mit ADHS gegenüber 82,4 % bei einem IQ unter 120 (kein signifikanter Unterschied) (Kohortenstudie, N = 117, n = 38, 4,5 Jahre, E 2b.)169 Alle hochbegabten Betroffenen, die die Kriterien nicht mehr erfüllten, zeigten subschwellige Symptome
  • keine Vorhersage des Verlaufs durch die Intelligenz (Kohortenstudie, n = 226, 6 Jahre, E 2b.)170

4.1.5. psychische Störungen der Eltern

  • OR 2,4 für Angst- oder affektive Störung des Vaters (nicht der Mutter) (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 2,2 für antisoziale Persönlichkeitsstörung eines Elternteils (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 1,41 (1,13 bis 1,75) für Depression der Mutter, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • OR 1,35 für psychische Probleme der Eltern, MTA-Studie (über 450 Teilnehmer, mittleres Alter 24,7 Jahre), auch nach Kontrolle für die kindliche Symptomschwere um 28 % erhöhtes Persistenzrisiko (Kommentar, Sekundärzitat über Agnew-Blais 2017 zu Roy et al. 2016, E 4.)171
  • OR 1,30 für psychische Probleme der Eltern, MTA-Kohorte (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163
  • familiäre multiple Angststörungen (61 % gegenüber 36 % bei Remittierten), Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
  • Exposition gegenüber psychischen Störungen der Mutter, Jungen (Kohortenstudie, n = 110 mit ADHS, n = 105 Kontrollen, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)172
  • negative mütterliche Stimmung in der Kindheit, assoziiert mit hoher und abnehmender Symptomklasse (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126
  • psychische Störungen der Eltern (Narrativer Review, E 4.)164
  • familiäre Faktoren ab dem Vorschulalter (Narrativer Review, herstellerfinanziert, E 4.)160

4.1.6. ADHS-Behandlung in der Kindheit

  • OR 4,5 (1,7 bis 11,8) bei einer Behandlung in der Kindheit, kontrolliert für Schwere (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • OR 2,09 bei einer ADHS-Behandlung (Metaanalyse, k = 16, E 2b.)161
  • OR 2,18 (1,41 bis 3,36) bei einer medikamentösen Behandlung (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • OR 1,88 (1,28 bis 2,75) bei einer Stimulanzienbehandlung in der Vorgeschichte (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • ADHS-Diagnose und ADHS-Medikation in Verlaufsklassen mit ähnlicher kindlicher Symptomschwere (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111
  • kein Zusammenhang der Dauer der Stimulanzienbehandlung bis zur Adoleszenz mit einer vollständigen Genesung bis 27 Jahre (E 4.)165
  • kein Einfluss einer medikamentösen Behandlung auf Symptomschwere oder Gesamtfunktionsniveau nach 6 Jahren (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43
  • keine Vorhersage durch die Behandlung, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

4.1.7. Zahl komorbider Störungen und Multimorbidität

  • OR 1,7 für 3 oder mehr komorbide Störungen in Kindheit/Jugend (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 1,19 für die Zahl komorbider Störungen, MTA-Kohorte (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163
  • OR 1,15 für kindliche Komorbidität, MTA-Studie (Kommentar, Sekundärzitat über Agnew-Blais 2017 zu Roy et al. 2016, E 4.)171
  • 42,5 % (95%-KI 33,9 bis 51,1 %) der Kinder mit bis ins 17. Lebensjahr persistierenden ADHS-Symptomen mit Beeinträchtigungen in mehreren weiteren Entwicklungsbereichen (IQ, soziale Kommunikation, pragmatische Sprache, Sozialverhalten) im Alter von 7 bis 9 Jahren (häufigste Gruppe), unabhängig vom polygenen Risiko prädiktiv (Kohortenstudie, n = 9.757, 4 bis 17 Jahre, E 2b.)173
  • psychiatrische Komorbidität (höhere CBCL-Werte für Sozialverhalten, Aggression, Delinquenz, soziale Probleme, Denkprobleme), Jungen (Kohortenstudie, n = 110 mit ADHS, n = 105 Kontrollen, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)172
  • multiple psychiatrische Komorbidität (Störung des Sozialverhaltens, Angst- und affektive Störungen), geringe Komorbidität begünstigte bessere Kompensationsstrategien (Narrativer Review, E 4.)164
  • Komorbidität als zusätzlicher Prädiktor ab dem Schulalter (Narrativer Review, herstellerfinanziert, E 4.)160
  • externalisierende und soziale Probleme, narrativ ausgewertet (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • kein Vorhersagewert komorbider Störungen nach Kontrolle der Schwere (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • kein Zusammenhang mit sozialen und emotionalen Problemen nach Kontrolle der ADHS-Symptome (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45

4.1.8. ADHS der Eltern und familiäre Häufung von ADHS

  • 69 % familiäre ADHS gegenüber 35 % bei Kontrollen, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47
  • familiäre Häufung von ADHS, Jungen (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118
  • ADHS eines Elternteils für die ADHS-Schwere 6 Jahre später (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43
  • familiäre ADHS bei Velo-kardio-fazialem Syndrom (Kohortenstudie, n = 72, 4 Jahre, E 2b.)119
  • Aufmerksamkeitsprobleme des Vaters (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120
  • familiäre Häufung prägte volles ADHS (OR 7,56, 95%-KI 3,54 bis 16,17), spielte für die Persistenz aber eine geringere Rolle, Frauen (Querschnittstudie, populationsbasiert, N = 2.741, E 3.)133
  • kein Vorhersagewert elterlichen ADHS (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123

4.1.9. komorbide Major Depression

  • OR 2,2 für eine komorbide Major Depression (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 1,8 für eine komorbide Major Depression (Metaanalyse, k = 16, E 2b.)161
  • affektive Störungen, Jungen (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118

  • komorbide Major Depression und/oder oppositionelle Störung, Persistenz mit 16 bis 18 Jahren (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120

  • kindliche Depression bei Velo-kardio-fazialem Syndrom (Kohortenstudie, n = 72, 4 Jahre, E 2b.)119

  • affektive Störungen als Teil multipler psychiatrischer Komorbidität (Narrativer Review, E 4.)164

4.1.10. komorbide Angststörungen und internalisierende Störungen

  • OR 6,9 (95%-KI 1,4 bis 35,1) für eine Angststörung vor dem 16. Lebensjahr (Fortbestehen 89,0 % gegenüber 59,3 %) (Querschnittstudie, n = 3.309, E 3.)72
  • OR 3,59 für soziale Phobie bei Erwachsenen, Fortbestehen der Diagnose nach 7 Jahren (Kohortenstudie, n = 227, 7 Jahre, E 2b.)86
  • signifikant höhere Persistenz bei Kindern, die die HKS-Kriterien nur wegen einer internalisierenden Komorbidität (Angst, Depression) verfehlten (Kohortenstudie (Follow-up eines RCT), n = 476 (109 mit, 367 ohne HKS in der Kindheit), 16 Jahre, E 2b.)166
  • Angststörungen, Jungen (Kohortenstudie, n = 128, 4 Jahre, E 2b.)118
  • Angststörungen als Teil multipler psychiatrischer Komorbidität (Narrativer Review, E 4.)164
  • Angststörungen, narrativ ausgewertet (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • kein Zusammenhang mit Angst nach Kontrolle der ADHS-Symptome (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45

4.1.11. Mischtyp bzw. kombinierte Unaufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssymptome

  • OR 12,4 (4,5 bis 34,5) für kombinierte Unaufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome gegenüber nur hyperaktiv-impulsiven (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 629 mit Kindheits-ADHS, herstellerfinanziert, E 3.)121
  • OR 2,4 für kombinierte Unaufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssymptome in der Kindheit gegenüber nur einem Bereich (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • OR 1,75 (1,17 bis 2,62) für den Mischtyp gegenüber dem unaufmerksamen Typ (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125
  • 28,2 % Persistenz bei nur Hyperaktivitätssymptomen (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • 28,0 % Persistenz bei nur Unaufmerksamkeitssymptomen (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • Mischtyp (Narrativer Review, E 4.)164
  • kombinierter Subtyp und hyperaktiv-impulsive Symptome, narrativ ausgewertet (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • häufigere Remission beim hyperaktiv-impulsiven Typ (Kohortenstudie, n = 457, E 2b.)120

4.1.12. ADHS-bedingte Beeinträchtigung

  • OR 3,4 für eine pervasive Rollenbeeinträchtigung in der Kindheit (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124
  • OR 0,92 für Beeinträchtigung (bei vollständig Remittierten als Kinder geringer als bei vollständig Persistierenden), Jugendalter (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • 63 % mit schwerer ADHS-bedingter Beeinträchtigung bei Fortbestehen über 11 Jahre bis ins junge Erwachsenenalter (mittleres Alter 22 Jahre) gegenüber 33 % bei später Remittierten, Jungen (Kohortenstudie, n = 110 mit ADHS, n = 105 Kontrollen, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)172
  • höhere Beeinträchtigung zu Studienbeginn für die ADHS-Schwere 6 Jahre später (Kohortenstudie, n = 347, 6 Jahre, E 2b.)43
  • Funktionsbeeinträchtigung in Verlaufsklassen mit ähnlicher kindlicher Symptomschwere (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111
  • OR 2,12 (0,99 bis 4,54) für ADHS-bedingte Beeinträchtigung, nicht signifikant (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • keine Vorhersage durch die Beeinträchtigung, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

4.1.13. niedriger sozioökonomischer Status

  • OR 1,58 (1,15 bis 2,16) für mittlere gegenüber oberer sozialer Schicht, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • OR 1,55 (1,11 bis 2,15) für untere gegenüber oberer sozialer Schicht, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • niedrigerer sozioökonomischer Status für ADHS-Symptome und Beeinträchtigung im Jugend- und jungen Erwachsenenalter (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45
  • Beruf der Eltern für weniger ADHS-Symptome im Alter von 19,8 Jahren, unabhängig von der Ausgangssymptomatik (Kohortenstudie, n = 53 mit ADHS, n = 50 Kontrollen, 7 Jahre, E 2b.)174
  • guter sozioökonomischer Status begünstigte bessere Kompensationsstrategien (Narrativer Review, E 4.)164
  • niedriger sozioökonomischer Status, narrativ ausgewertet (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • kein Zusammenhang mit sozioökonomischem Status und Bildung der Eltern, MTA-Kohorte (Kohortenstudie, n = 453, rund 17 Jahre, E 2b.)163
  • kein Vorhersagewert soziodemografischer Faktoren nach Kontrolle der Schwere (Querschnittstudie, retrospektiv, n = 3.197, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 3.)124

4.1.14. höheres polygenes Risiko

  • β = 0,53 (0,03 bis 1,03) für das polygene ADHS-Risiko (PGS), ADHS-Symptome mit 18 Jahren im Selbstbericht (ASRS), unabhängig von Misshandlung (Geburtskohorte, n = 4.231, 18 Jahre, E 2b.)131
  • β = 0,20 (0,08 bis 0,32) für das ADHS-PGS, ADHS-Symptome mit 18 Jahren im Mutterurteil (SDQ) (Geburtskohorte, n = 4.231, 18 Jahre, E 2b.)131
  • höheres polygenes ADHS-Risiko, unabhängig von der Multimorbidität prädiktiv für Persistenz bis ins 17. Lebensjahr (Kohortenstudie, n = 9.757, 4 bis 17 Jahre, E 2b.)173
  • polygenes Risiko für Depression in Verlaufsklassen mit ähnlicher kindlicher Symptomschwere (Kohortenstudie, n = 485 ADHS, 665 Geschwister, 399 Kontrollen, teilweise herstellerfinanziert, E 2b.)111
  • geringeres genetisches Risiko bei günstigerem Verlauf (Narrativer Review, E 4.)110

4.1.15. neuropsychologische und motorische Funktionen

  • erklärte Varianz 5,6 % für geringere Reaktionszeitvariabilität und besseres Funktionsniveau über 6 Jahre (Mischtyp, mittleres Alter 11,5 Jahre, schwache Vorhersage) (Kohortenstudie, n = 226, 6 Jahre, E 2b.)170
  • erklärte Varianz 3,0 % für besseres Arbeitsgedächtnis und geringere ADHS-Symptomschwere über 6 Jahre (Kohortenstudie, n = 226, 6 Jahre, E 2b.)170
  • motorische Koordination und visuelle Wahrnehmung in der Jugend, Fortbestehen der Diagnose 25 Jahre später (Kohortenstudie, n = 19 ADHS, 26 Kontrollen, 25 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)54
  • bessere kognitive Flexibilität (Intra-/Extradimensional Shift) mit durchschnittlich 12,8 Jahren für weniger ADHS-Symptome im Alter von 19,8 Jahren, unabhängig von der Ausgangssymptomatik (Kohortenstudie, n = 53 mit ADHS, n = 50 Kontrollen, 7 Jahre, E 2b.)174 Der Symptomrückgang korrelierte nicht linear mit der neuropsychologischen Verbesserung
  • mehr Intrusionsfehler in einem verbalen Listenlerntest (CVLT-C) bei Velo-kardio-fazialem Syndrom (Kohortenstudie, n = 72, 4 Jahre, E 2b.)119
  • kognitive Funktionen ab dem Vorschulalter (Narrativer Review, herstellerfinanziert, E 4.)160
  • keine Vorhersage durch motorische und kognitive Inhibition, Timing, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Motorik (Kohortenstudie, n = 226, 6 Jahre, E 2b.)170
  • kein Vorhersagewert exekutiver Funktionen (Kohortenstudie, n = 130, 5 Jahre, E 2b.)123
  • keine Vorhersage durch andere kognitive Maße (Zahlenspanne, Reaktionszeitvariabilität, Auslassungs- und Verwechslungsfehler, Wahlimpulsivität) (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45

4.1.16. Geschlecht

  • OR 0,72 (0,58 bis 0,89) für weibliches Geschlecht, ADHS im jungen Erwachsenenalter (Prognosemodell aus Kohortenstudien, n = 5.113 (Entwicklung), Validierung an n = 2.040, n = 3.911 und n = 717, E 2b.)129
  • männliches Geschlecht, assoziiert mit hoher und abnehmender Symptomklasse (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126
  • OR 0,93 (0,71 bis 1,23) für männliches Geschlecht, nicht signifikant (Metaanalyse, k = 36, E 2b.)130
  • kein signifikanter Zusammenhang mit dem Geschlecht (Kohortenstudie, n = 399, Median 6,58 Jahre, E 2b.)125

4.1.17. Alter beim ersten Auftreten von ADHS

  • kein Zusammenhang mit einer vollständigen Genesung bis 27 Jahre (E 4.)165

  • früher Beginn prägte volles ADHS, spielte für die Persistenz aber eine geringere Rolle, Frauen (Querschnittstudie, populationsbasiert, N = 2.741, E 3.)133

  • keine Vorhersage durch das Beginnalter, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

4.1.18. emotionale Dysregulation

  • Profil defizitärer emotionaler Selbstregulation (CBCL-DESR) beim Follow-up bei 50 von 101 Jugendlichen mit persistierendem ADHS, bei keinem der 18 Remittierten (p unter 0,001), DESR-Profil über 4 Jahre bei 57 % bestehend (Kohortenstudie, N = 381, n = 177, 4 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)175
  • mehr emotionale Dysregulation zu Hause bei anhaltend hohem gegenüber abnehmendem Verlauf (Kohortenstudie, n = 413, E 2b.)127
  • kein Unterschied der emotionalen Dysregulation (Kohortenstudie, N = 121, n = 20, E 2b.)122

4.1.19. Weitere Faktoren

  • geringere psychische Resilienz und mehr autistische Züge bei Persistierenden (Kohortenstudie, N = 121, n = 20, E 2b.)122 Autistische Züge und Resilienz korrelierten negativ

  • per Aktigraphie gemessene Bewegungsintensität (Kohortenstudie, n = 116, 6,6 Jahre, E 2b.)45

  • Klassenwiederholung und Sonderklasse, Mädchen (Kohortenstudie, N = 187, n = 96, 11 Jahre, herstellerfinanziert, E 2b.)47

  • erhöhte Immun- und kardiometabolische Marker (Monozyten, Neutrophile, hsCRP, Insulin, Leptin), mit denen die Persistenz vor allem zusammenhing, Frauen (Querschnittstudie, populationsbasiert, N = 2.741, E 3.)133

  • niedriges Geburtsgewicht, assoziiert mit hoher und abnehmender Symptomklasse (Kohortenstudie, n = 306, 24 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)126

  • relativ junges Alter in der Schulklasse (Geburtsmonat kurz vor dem Einschulungsstichtag), OR 1,02 (95%-KI 0,99 bis 1,06), kein Zusammenhang (Metaanalyse individueller Teilnehmerdaten prospektiver Kohorten, k = 41, n = 4.708, 4 bis 33 Jahre, E 2b.)176 Eine ADHS-Diagnose bei den jüngsten Kindern einer Klasse erwies sich im Verlauf also nicht häufiger als unzutreffend als bei den ältesten

 

4.2. Hirnorganische Korrelationen zu Persistierendem ADHS

Bei Erwachsenen mit ADHS ging eine schnellere kortikale Ausdünnung im medialen und dorsolateralen präfrontalen Cortex während Kindheit und Jugend mit mehr ADHS-Symptomen im Erwachsenenalter einher. Remittierte näherten sich typischen Werten an, bei Persistenz blieb ein fixes, nicht progredientes Defizit bestehen. (Kohortenstudie, N = 276, n = 92, rund 13 Jahre, E 2b.)162ADHS persistierte bei 37 von 92 Teilnehmenden (40 %). Eine kortikale Verdickung oder minimale Ausdünnung fand sich ausschließlich bei Remittierten.

Eine verringerte Aktivierung im medialen frontalen Kortex und im Thalamus während der Belohnungserwartung (Monetary-Incentive-Delay-Aufgabe) im Alter von 14 Jahren war mit bis zum Alter von 16 Jahren persistierend hohen ADHS-Symptomen assoziiert. Die Thalamusaktivierung unterschied explorativ Persistierende von Remittierten (OR 9,43 in der Explorations-, OR 4,64 in einer unabhängigen Generalisierungsstichprobe). Der polygene ADHS-Risikowert war mit dem Persistenzstatus und mit der Aktivierung beider Regionen assoziiert. (Kohortenstudie, n = 1.368, 2 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)177

Männer, die als Kinder (6 bis 12 Jahre) ein ADHS vom Mischtyp hatten, zeigten mit durchschnittlich 41 Jahren unabhängig von der aktuellen Diagnose einen dünneren Cortex im dorsalen Aufmerksamkeitsnetzwerk und in limbischen Arealen sowie weniger graue Substanz im rechten Nucleus caudatus, im rechten Thalamus und in beiden Kleinhirnhemisphären. Persistierende (n = 17) und Remittierte (n = 26) unterschieden sich nach Korrektur für multiples Testen nicht. Ohne Korrektur hatten Remittierte einen dickeren Cortex im medialen Okzipitalcortex, in der Insula, im Parahippocampus und in präfrontalen Regionen. (Querschnittanalyse in einer Kohortenstudie, N = 139, n = 59, 33 Jahre, E 3.)178

(E 3): Jugendliche und junge Erwachsene mit remittiertem ADHS

  • unterschieden sich in EEG-Untersuchungen von Persistierenden und glichen Kontrollen bei: (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 279, n = 110, 6 Jahre, E 3.)179
  • Fehlern in der konfliktarmen Bedingung einer Flanker-Aufgabe
  • Reaktionszeitvariabilität in einer Flanker-Aufgabe
  • fehlerbezogener Negativität (ERN, Fehlererkennung)
  • fehlerbezogener Positivität (Pe, bewusste Fehlerverarbeitung)
  • P3-Amplitude (Aufmerksamkeitszuweisung) in einer Reaktionszeitaufgabe, Remittierte n = 18, Persistierende n = 73 (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 235, n = 91, E 3.)180
  • CNV-Amplitude unter Belohnung (Reaktionsvorbereitung) (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 235, n = 91, E 3.)180
  • unterschieden sich unabhängig von einer Remission wie Persistierende weiterhin von Kontrollen bei: (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 279, n = 110, E 3.)181
    • niedriger Hautleitfähigkeit als Zeichen einer peripheren Unteraktivierung (Hypoarousal) (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 235, n = 91, E 3.)180
    • erhöhter funktioneller EEG-Konnektivität in einer Aufgabe zur kognitiven Kontrolle (Theta, Alpha und Beta vor dem Reiz, Beta nach dem Reiz)
    • geringerer aufgabenabhängiger Anpassung der Theta-Konnektivität

Persistierende schnitten in der Flanker-Aufgabe bei allen kognitiven Maßen und ereigniskorrelierten Potenzialen (EEG) schlechter ab als Kontrollen. Bei Fehlern in der konfliktreichen Bedingung, der mittleren Reaktionszeit und der N2 (Konfliktüberwachung) unterschieden sich Remittierte von keiner der beiden Gruppen signifikant. Aktuelle Symptome und Beeinträchtigung korrelierten mit Fehlern in der konfliktarmen Bedingung, Reaktionszeitvariabilität und Pe (r = 0,19 bis 0,23). (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 279, n = 110, 6 Jahre, E 3.)179

Remittierte unterschieden sich bei den meisten Konnektivitätsmaßen von Kontrollen, nicht aber von Persistierenden. Die Konnektivität hing nicht mit aktuellen Symptomen oder Beeinträchtigung zusammen. (Fall-Kontroll-Studie in einer Follow-up-Kohorte, N = 279, n = 110, E 3.)181

Bei jungen Erwachsenen (mittleres Alter 21 bis 22 Jahre) mit ADHS vom Mischtyp in der Kindheit reagierte der linke präfrontale Cortex nur bei Persistierenden (n = 17) umgekehrt auf Bestrafung, nicht bei Remittierten (n = 15) und Kontrollen. Nur Remittierte und Kontrollen zeigten eine funktionelle Kopplung zwischen frontostriatalen Belohnungs- und Ergebnisbewertungsnetzwerken. Die Deaktivierung nach Bestrafung lag bei Remittierten in anderen präfrontalen Bereichen als bei Kontrollen, was die Autoren als erlernte Kompensation deuteten. (fMRT-Fall-Kontroll-Studie, N = 64, n = 32, E 3.)182

Kinder mit remittierendem wie mit persistierendem ADHS zeigten gegenüber Nichtbetroffenen eine beschleunigte Faserentwicklung der weißen Substanz in thalamischen und striatalen Bahnen sowie im Fasciculus longitudinalis superior (mittleres Alter zu Beginn 10,4 Jahre, bis zu 3 MRT-Untersuchungen). Bei Remittierten ging eine beschleunigte Entwicklung kortikospinaler, frontopontiner, striato-prämotorischer und thalamo-prämotorischer Bahnen mit einem stärkeren Rückgang der ADHS-Symptome einher. Bei persistierendem ADHS bestanden anhaltende Veränderungen sensomotorischer Bahnen. (Kohortenstudie, n = 184 (62 persistierend, 37 remittiert, 85 ohne ADHS), 390 Diffusions-MRT-Aufnahmen, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)183

Eine Ruhe-fMRT-Untersuchung 16 Jahre nach der Kindheitsdiagnose fand eine verringerte positive funktionelle Kopplung zwischen posteriorem Cingulum und medialem präfrontalem Cortex (Kernregionen des Default-Mode-Networks) nur bei Erwachsenen mit fortbestehendem ADHS. Die negative Kopplung zwischen medialem und dorsolateralem präfrontalem Cortex war dagegen bei persistierendem wie bei remittiertem ADHS verringert. (Querschnittvergleich in einer Längsschnittkohorte, n = 52, E 3.)184

Kinder mit ADHS hatten einen global dünneren Cortex (im Mittel 0,09 mm), am deutlichsten medial und superior präfrontal sowie präzentral. Kinder mit ungünstigem klinischem Verlauf hatten bereits zu Beginn einen dünneren linken medialen präfrontalen Cortex als Kinder mit günstigem Verlauf (0,38 mm) und als Kontrollen (0,25 mm), ohne Annäherung im Verlauf (“fixiertes” Defizit). Im rechten parietalen Cortex normalisierte sich die Cortexdicke nur bei günstigem Verlauf, was die Autoren als kompensatorische Veränderung deuten. (Kohortenstudie, N = 329, n = 97, 5,7 Jahre, E 2b.)185

Männer mit ADHS in der Kindheit zeigten 33 Jahre nach der Diagnose (im Mittel 41 Jahre) eine niedrigere fraktionelle Anisotropie in der rechten superioren und posterioren Corona radiata, im rechten Fasciculus longitudinalis superior sowie links in posteriorer Thalamusstrahlung, retrolentikulärem Teil der Capsula interna und Stratum sagittale. Die Veränderungen fanden sich bei persistierendem wie bei remittiertem ADHS, die sich nicht signifikant unterschieden. Die Autoren deuten dies als überdauerndes Merkmal (Trait) von ADHS. (Querschnittvergleich in einer Längsschnittkohorte, n = 117, E 3.)186

Strukturelle und funktionelle Auffälligkeiten in fronto-striatalen, fronto-parieto-temporalen, fronto-zerebellären und fronto-limbischen Netzwerken bestehen nach einem Review trotz relativer Symptombesserung bis ins Erwachsenenalter fort. Medikamentennaive junge Männer, bei denen 20 Jahre zuvor im Kindesalter ADHS diagnostiziert worden war und die weiterhin ADHS-Verhalten zeigten, hatten gegenüber Kontrollen eine verringerte Aktivierung lateraler fronto-striato-parietaler Regionen bei Daueraufmerksamkeit und ventromedialer orbitofrontaler Regionen bei Belohnung. Die fronto-striatalen Defizite glichen denen, die dieselbe Arbeitsgruppe mit derselben Aufgabe bei Kindern mit ADHS gefunden hatte. Die orbitofrontalen Defizite hingen mit einer komorbiden Störung des Sozialverhaltens zusammen. (Narrativer Review mit fMRT-Fall-Kontroll-Studie, n = 26, E 4.)187

Bei jungen Erwachsenen (mittleres Alter 19 Jahre), die als Kinder hyperaktiv waren, unterschied sich das EEG nicht von gematchten Kontrollen. Leichte EEG-Auffälligkeiten (überwiegend Verlangsamung) normalisierten sich vor allem zwischen dem 5- und dem 10-Jahres-Follow-up (etwa 13 bis 19 Jahre). Weder das EEG bei Studienbeginn noch das EEG nach 5 oder 10 Jahren sagten das globale Outcome nach 10 Jahren vorher. (Kohortenstudie, N = 64, n = 37, 10 Jahre, E 2b.)188Die Autoren deuten die Befunde als unreifes Muster, das sich mit dem Alter normalisiert. Dies stützt die Nachreifungstheorie von Sudre et al. (2018)149

Erwachsene (mittleres Alter 34 Jahre) mit in der Kindheit diagnostiziertem ADHS hatten gegenüber Kontrollen eine geringere fraktionale Anisotropie in umschriebenen Abschnitten der weißen Substanz (vorderer Teil des linken Fasciculus longitudinalis inferior, mittlerer Teil des linken und rechten Cingulum-Angularbündels, F = 2,1, p = 0,007). Nur die Veränderung im linken Fasciculus longitudinalis inferior unterschied persistierende von remittierter Symptomatik. Die Cingulum-Befunde könnten “Narben” des Kindheits-ADHS sein. (Querschnittstudie in einer Kohorte, N = 184, n = 126, E 3.)189

Bei Erwachsenen mit Kindheits-ADHS gingen fortbestehende Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome mit einer geringeren Aktivierung von Pallidum und primärem Motorcortex einher, wenn eine zuvor belohnte Reaktion zugunsten einer späteren größeren Belohnung gehemmt werden sollte. Die verringerte Rekrutierung des pallido-thalamo-motorischen Kreislaufs vermittelte den Zusammenhang zwischen Hyperaktivität/Impulsivität und schlechterer belohnungsmodulierter Inhibition. Eine geringere Pallidumaktivierung ging zudem mit mehr Versuchen einher, bis ein Rauchstopp gelang. (Querschnittstudie in einer Kohorte, n = 106, E 3.)190

Bei Kindern mit ADHS gingen das DRD4-7-Repeat-Allel und der DAT1-10/10-Genotyp unabhängig von der Symptomschwere mit einem niedrigeren IQ einher (Dunedin: 7,0 IQ-Punkte weniger bei einem, 11,2 bei beiden Risikogenotypen, E-Risk repliziert). Mehr Risikogenotypen sagten eine schlechtere psychosoziale Anpassung mit 26 Jahren vorher, teilweise vermittelt über den IQ. (Kohortenstudie, k = 2 Geburtskohorten, N = 3.269, E 2b.)191Die “Erwachsenenprognose” ist ein Summenwert aus 10 psychosozialen Outcomes (u. a. Verurteilungen, Substanzabhängigkeit, psychiatrische Diagnose, fehlender Schulabschluss, Sozialleistungen, Langzeitarbeitslosigkeit), nicht die Persistenz von ADHS. Nach Kontrolle für IQ war der Zusammenhang nicht mehr signifikant (p = 0,10).

Über durchschnittlich 5,9 Jahre (Ausgangsalter im Mittel 11,9 Jahre) besserten sich bei ADHS (Mischtyp) vor allem die hyperaktiv-impulsiven Symptome. Diese Besserung ging mit niedrigerer fraktionaler Anisotropie und höherer mittlerer Diffusivität im linken Tractus corticospinalis einher. Unaufmerksamkeit veränderte sich kaum und stand nicht mit der Mikrostruktur der weißen Substanz in Zusammenhang. Dimensionale Auswertung und kategorialer Vergleich (59 persistierend, 42 remittiert) stimmten überein. (Kohortenstudie mit DTI zum Follow-up, n = 141, davon 101 mit ADHS, 5,9 Jahre, E 2b.)192

Jungen mit ADHS (6 bis 12 Jahre) hatten längere Stoppsignal-Reaktionszeiten (Inhibition) und längere Reaktionszeiten beim Wechsel auf eine neue Antwort (Shifting). Ältere Kinder mit ADHS reagierten schneller und hatten größere regionale Volumina grauer Substanz, bei Nichtbetroffenen waren Reaktionszeiten und Volumina kaum altersabhängig. Die Autoren werten dies als Hinweis auf eine verzögerte Hirnreifung, mit der sich einige ADHS-Merkmale mit dem Alter bessern. (Querschnittstudie, MRT, n = 51, davon 22 mit ADHS, E 3.)193

Eine Besserung der ADHS-Symptome bis ins junge Erwachsenenalter (18 bis 34 Jahre) ging einher mit: (Kohortenstudie, fixelbasierte DWI-Analyse, n = 139, 3 klinische und 2 DWI-Messzeitpunkte, E 2b.)194

  • höherer Faserdichte im linken Tractus corticospinalis bei Besserung der Hyperaktivität/Impulsivität, standardisierter Effekt 0,044, pFWE = 0,016
  • größerem Faserquerschnitt im linken Tractus corticospinalis bei Besserung der Gesamtsymptomatik, standardisierter Effekt 0,051, pFWE = 0,019

Junge Erwachsene (22 bis 23 Jahre) mit ADHS im Jugendalter, die nie medikamentös behandelt worden waren und deren Symptome weitgehend abgeklungen waren, zeigten gegenüber Nichtbetroffenen eine erhöhte fraktionale Anisotropie durch verminderte radiale Diffusivität im linken Forceps minor (p unter 0,05). Die mittlere Diffusivität unterschied sich nicht. Die Autoren deuten dies bei Remission als möglichen Kompensationsmechanismus. (Fall-Kontroll-Studie, DTI, n = 60, davon 30 mit ADHS, E 3.)195

Ein ansteigender Verlauf der ADHS-Symptome im Schulalter ging mit dem höchsten polygenen Risikoscore für ADHS einher, ein absteigender (remittierender) Verlauf mit einem mittleren. Neuronale Grundlage der Verläufe waren Aufmerksamkeits-Hubregionen (ACC/mPFC, IPL, MFG/PCG). (Kohortenstudie, n = 487, E 2b.)196

Bei Kindern mit ADHS, die ab durchschnittlich 10,8 Jahren über 2,5 Jahre bis in die Adoleszenz dreimal untersucht wurden, entwickelte sich die NoGo-P300 (EEG-Marker der Reaktionshemmung) später und schwächer als bei Kontrollen, was für eine anfängliche Entwicklungsverzögerung der Inhibition spricht. Die Minderung von Cue-P300 und CNV (EEG-Marker von Aufmerksamkeit und Reaktionsvorbereitung) bestand dagegen zu allen Zeitpunkten und entsprach nicht dem Muster jüngeren Alters. Dies spricht für mehrere anhaltende neuronale Verarbeitungsdefizite bei ADHS und gegen eine bloße Entwicklungsverzögerung der Aufmerksamkeit. (Kohortenstudie, N = 50, n = 28, 2,5 Jahre, E 2b.)197

Junge Männer (19 bis 27 Jahre), bei denen im Alter von 7 bis 11 Jahren ADHS diagnostiziert worden war (50 % mit vollem ADHS, 50 % teilremittiert), zeigten in einer Go/No-Go-Aufgabe mit emotionalen Gesichtern weniger korrekte Reaktionen und Inhibitionen als Nichtbetroffene. Die funktionelle Konnektivität des rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex mit subgenualem Cingulum, Gyrus frontalis inferior und Putamen war verringert. Eine valenzabhängige Aktivierung von Amygdala, ventralem Striatum, subgenualem Cingulum und orbitofrontalem Kortex fand sich nur bei Nichtbetroffenen. Die präfrontal-subgenuale Konnektivität hing bei den Betroffenen mit emotionaler Labilität (CAARS), nicht mit der aktuellen ADHS-Gesamtsymptomatik zusammen. (Fall-Kontroll-Studie, fMRT, N = 28, n = 14, E 3.)198

Bei persistierendem ADHS stieg das medial-präfrontale Glutamat mit dem Alter an, während es bei remittiertem ADHS und bei Nichtbetroffenen abnahm. Veränderte präfrontale Glutamatkonzentrationen gingen mit Veränderungen der intrinsischen Konnektivität zwischen Default-Mode-Netzwerk und subkortikalen Regionen einher. (Kohortenstudie, MR-Spektroskopie, N = 161, n = 89, E 2b.)199

Kindliche MRT-Befunde sagten das Funktionsniveau im Erwachsenenalter (Global Assessment of Functioning, im Mittel 8,2 Jahre später) besser vorher als klinische Merkmale. Die Vorhersagegüte (AUC) betrug bei: (Kohortenstudie, n = 104, 8,2 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)200

  • klinischen Merkmalen allein 0,589
  • struktureller MRT 0,611
  • Ruhe-fMRT 0,778
  • multimodalen Merkmalen 0,816

ADHS geht mit einer deutlich verzögerten kortikalen Reifung und mit neuroanatomischen Unterschieden einher, die sich im Erwachsenenalter offenbar nicht vollständig auflösen, sowie mit atypischer Gehirnfunktion und atypischen kognitiven Prozessen. Betroffen sind unter anderem Arbeitsgedächtnis, Inhibitionskontrolle, kognitive Flexibilität, Alerting, Belohnungsverarbeitung, Langzeitgedächtnis, Reaktionszeit, Zeitwahrnehmung und -schätzung, Planung sowie komplexes Entscheiden und Problemlösen. Die Befunde sind sehr heterogen. (Integrativer Review von Reviews und Metaanalysen, E 3.)201

Jugendliche mit fortbestehender ADHS tragen wahrscheinlich eine höhere Last häufiger genetischer Risikoallele. Jugendliche, deren ADHS remittiert ist, unterschieden sich in mehreren Studien neuronal nicht von Nichtbetroffenen, andere Studien fanden eigenständige, möglicherweise kompensatorische Aktivierungsmuster. Nach einigen funktionellen Bildgebungsstudien spiegeln subkortikale Auffälligkeiten den Beginn der ADHS wider und bleiben unabhängig vom Symptomverlauf lebenslang bestehen, während die Plastizität der Großhirnrinde den variablen Verlauf bestimmt. (Narrativer Review, E 4.)202

Bei Inhibitionsaufgaben war die Aktivierung des rechten Nucleus caudatus bei Kindern mit ADHS stärker vermindert als bei Erwachsenen mit ADHS. Die Autoren vermuten, dass ein Fortbestehen funktioneller Auffälligkeiten des Nucleus caudatus mitbestimmt, ob ADHS persistiert. Insgesamt zeigten Betroffene eine verminderte Aktivierung in supplementär-motorischem Areal, Insula, Nucleus caudatus und Gyrus praecentralis sowie eine erhöhte Aktivierung in Gyrus postcentralis, Gyrus frontalis inferior und Precuneus. (Metaanalyse, k = 23, E 3.)203

Neuroanatomische Befunde bei Erwachsenen mit ADHS (vor allem inferiorer frontaler und dorsolateraler präfrontaler Cortex, Striatum, anteriores Cingulum, parietotemporale Regionen, Kleinhirn) unterscheiden sich teilweise von denen bei Kindern. Ob die anatomischen und funktionellen Defizite bis ins Erwachsenenalter fortbestehen, ist noch zu klären. (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)204

Kinder mit ADHS (4 bis 14 Jahre) hatten eine geringere kortikale Oberfläche, vor allem frontal, cingulär und temporal (Gesamtoberfläche d = −0,21), sowie eine geringere kortikale Dicke in Gyrus fusiformis und Temporalpol. Bei Jugendlichen (15 bis 21 Jahre) und Erwachsenen (22 bis 63 Jahre) mit ADHS fanden sich keine Unterschiede in kortikaler Oberfläche oder Dicke. (Mega-Analyse, n = 4.180, E 3.)205

Nie medikamentös behandelte junge Männer (26 bis 30 Jahre), deren ADHS in der Kindheit im Rahmen einer epidemiologischen Längsschnittstudie diagnostiziert worden war und deren Symptome fortbestanden, zeigten bei vergleichbarer Aufgabenleistung dieselben fronto-striatalen und parietalen Minderaktivierungen wie Kinder mit ADHS in denselben Aufgaben (Stop-Aufgabe zur motorischen Inhibition, Switch-Aufgabe zur kognitiven Flexibilität). Dies spricht für ein Fortbestehen der neurofunktionellen Auffälligkeiten von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Die Minderaktivierung betraf:

  • bilateralen inferioren präfrontalen Cortex, Nucleus caudatus und Thalamus (beide Aufgaben)
  • linken Parietallappen (Switch-Aufgabe)
  • funktionelle Konnektivität des rechten inferioren präfrontalen Cortex mit linkem inferiorem präfrontalem Cortex, Caudatus/Thalamus, anteriorem und posteriorem Cingulum und parieto-temporalen Regionen (Stop-Aufgabe)

Je schwerer die Symptome, desto geringer war die Aktivierung in fronto-striatalen, parietalen und zerebellären Regionen. (fMRT-Fall-Kontroll-Studie, n = 25 (11 ADHS, 14 Kontrollen), nur Männer, E 3.)206

5. Genetik des Erwachsenen-ADHS

5.1. Genetische Unterschiede zwischen Kindheits-ADHS und Erwachsenen-ADHS?

Bedeutung für Betroffene

Die Gene beeinflussen ADHS in der Kindheit und im Erwachsenenalter zu einem großen Teil in ähnlicher Weise. Kindheits-ADHS und fortbestehendes Erwachsenen-ADHS sind genetisch eng verwandt. Im Laufe der Entwicklung kamen neue genetische Einflüsse hinzu.

Ein höheres genetisches Risiko für ADHS ging in mehreren Studien mit einem Fortbestehen der Störung einher. Dagegen zeigte ein erst im Erwachsenenalter diagnostiziertes ADHS eine größere genetische Nähe zu Depression. Einzelne Gene, die bei Kindern mit ADHS in Verbindung gebracht wurden, zeigten bei Erwachsenen oft keinen Zusammenhang.

Wird ADHS bei Erwachsenen nicht nur per Selbsteinschätzung erfasst, ist die Erblichkeit ähnlich hoch wie bei Kindern.

Ein Einzelfall berichtete eine vorübergehende vollständige Remission nach einer Coronainfektion. Dass Krankheiten das Dopaminsystem in verschiedene Richtungen verändern können, ist denkbar.

(E 2b): Die bei Erwachsenen anfangs niedrigeren Heritabilitätsschätzungen wurden auf Beurteilereffekte durch reine Selbsteinschätzung zurückgeführt. Bei Einbezug mehrerer Informationsquellen bzw. bei klinisch diagnostizierter ADHS war die Heritabilität bei Erwachsenen mit der bei Kindern vergleichbar. (Zwillingsstudie, Register, n = 59.514, E 2b.)207 (Narrativer Review, E 4.)208 (Narrativer Review, E 4.)209 Die Heritabilität betrug:

  • 0,88 (95%-KI 0,83 bis 0,92) für klinisch diagnostizierte ADHS über die gesamte Lebensspanne (Zwillingsstudie, Register, n = 59.514, E 2b.)207
  • rund 75 % bei Kindern (Narrativer Review, E 4.)209
  • 0,72 (0,56 bis 0,84) für klinisch diagnostizierte ADHS bei Erwachsenen (Diagnose ab 18 Jahren), nicht geteilte Umwelt 0,28 (0,16 bis 0,44) (Zwillingsstudie, Register, n = 59.514, E 2b.)207
  • rund 30 bis 50 % in anfänglichen Erblichkeitsschätzungen bei Erwachsenen (Narrativer Review, E 4.)209
  • 30 bis 40 % (mäßig) in Zwillingsstudien mit Selbsteinschätzung Erwachsener (Narrativer Review, E 4.)208
  • 30 bis 40 % in früheren, niedrigen Heritabilitätsschätzungen bei Erwachsenen, nach den Autoren durch Beurteilereffekte durch reine Selbsteinschätzung erklärt (Zwillingsstudie, Register, n = 59.514, E 2b.)207

Ein Einzelfall mit deutlichem Erwachsenen-ADHS-C berichtete uns eine vollständige Remission in der Folge einer Coronainfektion. Nach einem Dreivierteljahr kamen die ADHS-Symptome langsam zurück. (Erfahrung ADxS) Es ist durchaus vorstellbar, dass Krankheiten das Dopaminsystem verändern. So wie bestimmte Viruserkrankungen ein ADHS-Risiko sein können, weil sie einen extrazellulären Dopamin- und Noradrenalinmangel in manchen Gehirnregionen auslösen können, ist dies ebenso in der Gegenrichtung möglich. (Einschätzung ADxS)

Auch wenn Studien zu fluktuierendem ADHS selten sind, könnte ein fluktuierendes ADHS das bekannte Phänomen erklären, dass viele ADHS-Betroffene ihre zunächst als sehr hilfreich und notwendig empfundene Medikation nach wenigen Jahren absetzen, um sie einige Jahre später wieder aufzunehmen. (Einschätzung ADxS)

5.2. Kindheits- und Erwachsenen-ADHS genetisch betrachtet

(E 2b): Längsschnittstudien an Zwillingen zeigen Hinweise darauf, dass genetische Einflüsse auf ADHS nicht statisch sind, sondern sich im Laufe der Entwicklung verändern. Etwa die Hälfte der genetischen Varianz der ADHS-Symptome, die während der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter auftreten, ließ sich auf neue, altersspezifische genetische Faktoren zurückführen. Im Alter von 11 Jahren waren 52 bis 62 % der genetischen und geteilten Umwelteinflüsse neu (nicht aus dem Alter von 8 Jahren übertragen). Mehr als die Hälfte der genetischen Varianz des Symptomverlaufs zwischen 8 und 16 Jahren war nicht mit dem Ausgangsniveau geteilt. Genetische Einflüsse aus dem Alter von 8 bis 9 Jahren erklärten mit 13 bis 14, 16 bis 17 und 19 bis 20 Jahren noch 41 %, 34 % und 24 % der Gesamtvarianz, zugleich traten neue genetische Risikofaktoren hinzu. (Narrativer Review, E 4.)89 (Zwillingsstudie, n = 8.395 Zwillingspaare, 8 Jahre, E 2b.)210 (Zwillingsstudie, n = 7.234 Zwillingspaare, rund 3,5 Jahre, E 2b.)211 (Zwillingsstudie, n = 1.480 Zwillingspaare, rund 11 Jahre, E 2b.)212
Eine Metaanalyse von GWAS fand starke Übereinstimmungen der genetischen Einflüsse von Kindheits-ADHS und persistierendem Erwachsenen-ADHS. (Metaanalyse von GWAS, N = 49.560, E 3.)213
Eine GWAS zu Impulsivität bei 9- bis 10-jährigen Kindern fand eine teilweise Überlappung mit der Genetik bei Erwachsenen für Delay Discounting und positive wie negative Dringlichkeit (Urgency), was auf eine zumindest teilweise Kontinuität der zugrundeliegenden Genetik über Entwicklungsstufen hinweg hindeutet. Die genetischen Korrelationen zwischen kindlicher und erwachsener Impulsivität waren moderat (r = 0,28 bis 0,46, positive Dringlichkeit r = 0,83). Polygene Scores (PGS) Erwachsener erklärten 0,36 bis 0,44 % der Varianz der entsprechenden kindlichen Merkmale. Die übrigen Impulsivitätsindikatoren waren nicht mit ihren PGS assoziiert. (GWAS, n = 5.548, E 3.)214

(E 2b): Für das polygene ADHS-Risiko je nach Verlauf fanden sich:

  • ein mittlerer polygener Risikowert im Alter von 18 Jahren von: (Kohortenstudie, Zwillinge, n = 2.232, 13 Jahre, E 2b.)215
    • 0,37 bei persistierendem ADHS
    • 0,21 bei remittiertem ADHS
    • −0,03 bei Kontrollen
  • ein im persistierenden Verlauf (4. bis 17. Lebensjahr) einer Bevölkerungskohorte erhöhter Wert im Vergleich zu den Verläufen: (Kohortenstudie, n = 9.757, 4 bis 17 Jahre, E 2b.)173
    • niedrig (82,6 % der Kinder), OR = 1,31
    • auf die Kindheit begrenzt (5,8 %), OR = 1,27
    • intermediär (7,7 %), OR = 1,22
  • kein erhöhtes polygenes ADHS-Risiko bei spät beginnendem ADHS, nämlich bei:
    • Late-Onset-ADHS (ADHS erst mit 18 Jahren), auch kein erhöhter PRS für Depression, Alkoholabhängigkeit oder Cannabiskonsumstörung (Kohortenstudie, Zwillinge, n = 2.232, 13 Jahre, E 2b.)215
    • erst in der Adoleszenz beginnendem ADHS, mit niedrigerem polygenem ADHS-Risiko als bei Nichtbetroffenen sowie als bei auf die Kindheit begrenztem oder persistierendem ADHS (Kohortenstudie, n = 924, rund 3 Jahre, E 2b.)216
    • Late-Onset-ADHS in drei Studien, die aber eine geringe statistische Power hatten (für Late-Onset-ADHS gilt die genetische Ähnlichkeit möglicherweise nicht) (Narrativer Review, E 4.)217

Beide ADHS-Gruppen (persistierend und remittiert) hatten einen höheren PRS als Kontrollen, unterschieden sich aber nicht signifikant voneinander. Ein höherer PRS war in der Kindheit mit einem erhöhten Risiko für eine ADHS-Diagnose verbunden (OR 1,17 mit 10 Jahren bis 1,54 mit 12 Jahren). (Kohortenstudie, Zwillinge, n = 2.232, 13 Jahre, E 2b.)215

PRS für andere psychische Störungen unterschieden sich zwischen den Verläufen nicht. (Kohortenstudie, n = 9.757, 4 bis 17 Jahre, E 2b.)173

Eine Zwillingsstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen der von Eltern wahrgenommenen relativen Unreife mit 8 bis 9 Jahren und ADHS-Symptomen bis ins junge Erwachsenenalter. Überwiegend genetisch beeinflusste, mit Unreife verbundene Faktoren erklärten folgende Anteile der Varianz der ADHS-Symptome bei: (Zwillings-Kohortenstudie, n = 1.302 Zwillingspaare, rund 11 Jahre, E 2b.)150

  • 8 bis 9 bis 16 bis 17 Jahren, 10 % bis 14 %
  • 19 bis 20 Jahren, 4 %

Davon unabhängige genetische Faktoren blieben relativ stabil und erklärten von 13 bis 14 bis 19 bis 20 Jahren 19 % bis 30 % der Symptomvarianz. (Zwillings-Kohortenstudie, n = 1.302 Zwillingspaare, rund 11 Jahre, E 2b.)150

 

(E 3): Die genetischen Korrelationen (rg) von ADHS mit anderen Merkmalen waren

  • bei erst im Erwachsenenalter (nach dem 18. Lebensjahr) diagnostiziertem ADHS im Vergleich zu in der Kindheit diagnostiziertem ADHS stärker (rg Erwachsenen- gegenüber Kindheitsdiagnose) für: (Genetische Assoziationsstudie, Sekundäranalyse, n = 14.878 Kindheits- und 6.961 Erwachsenendiagnosen, 38.303 Kontrollen, E 3.)218
    • Suizidversuche, rg 0,74 gegenüber 0,46
    • Alter beim ersten Geschlechtsverkehr, rg −0,68 gegenüber −0,51
    • Bildungsabschluss, rg −0,63 gegenüber −0,48
    • Major Depression, rg 0,58 gegenüber 0,38
    • nicht-kognitive Anteile des Bildungsabschlusses, rg −0,49 gegenüber −0,31
    • Intelligenz, rg = -0,42 (spät, ab 18 Jahren diagnostiziertes ADHS) gegenüber rg = -0,34 (Kindheits-ADHS, Diagnose vor 18 Jahren) (Genomweite Cross-Trait-Analyse, N über 300.000, E 3.)219
  • für Intelligenz außerdem negativ bei: (Genomweite Cross-Trait-Analyse, N über 300.000, E 3.)219
    • persistierendem ADHS (Diagnose vor und nach 18 Jahren), rg = -0,40
    • ADHS insgesamt, rg = -0,38

Die stärkere genetische Überlappung mit internalisierenden Störungen bestätigte sich für einen latenten Internalisierungsfaktor. Die Autoren hielten eine klinische Relevanz der Unterscheidung beider Gruppen oder häufigere Fehldiagnosen bei später Diagnose für möglich. (Genetische Assoziationsstudie, Sekundäranalyse, n = 14.878 Kindheits- und 6.961 Erwachsenendiagnosen, 38.303 Kontrollen, E 3.)218

Von 184 gemeinsamen Genorten von ADHS und Intelligenz waren 21 spezifisch für Kindheits-ADHS und 5 für spät diagnostiziertes ADHS, für persistierendes ADHS fand sich kein gemeinsamer Genort. Die Genorte des Kindheits-ADHS waren mit frühen neuronalen Entwicklungsprozessen verbunden, die des spät diagnostizierten ADHS mit synaptischen und neuronalen Signalwegen. Mendelsche Randomisierung sprach für eine wechselseitige Beziehung mit stärkerer Evidenz für einen Einfluss der Intelligenz auf das ADHS-Risiko. (Genomweite Cross-Trait-Analyse, N über 300.000, E 3.)219

(E 3): Kandidatengen- und genomweite Studien bei Erwachsenen-ADHS fanden teilweise dieselben Gene wie bei Kindern, teils aber andere Allele oder Gene. (Narrativer Review, E 4.)208 (Systematischer Review, k = 441, E 3.)220 Ein Review diskutierte, ob Kindheits-ADHS und adultes bzw. persistierendes ADHS genetisch unterschiedliche Subtypen sind, was einen Teil der “fehlenden Erblichkeit” erklären könnte. (Narrativer Review, E 4.)209 Für einzelne Kandidatengene fanden sich bei:

  • DRD4 48-bp-VNTR: (Metaanalyse, N über 19.000, E 3.)221
    • lange Allele bei Kindern europäisch-kaukasischer Herkunft, OR 1,36 (1,20 bis 1,55)
    • 7R-Allel bei Kindern europäisch-kaukasischer Herkunft, OR 1,31 (1,17 bis 1,47)
    • 4R-Allel bei Kindern europäisch-kaukasischer und südamerikanischer Herkunft, OR 0,83 (0,75 bis 0,92)
    • bei Erwachsenen mit persistierendem ADHS keine Assoziation (Sekundärzitat über Bonvicini, Faraone, Scassellati 2016, zitiert in Bonvicini et al. 2020). (Metaanalyse, E 3.)222
    • bei Erwachsenen mit ADHS keine Assoziation (Metaanalyse von Kandidatengen-Studien) (Metaanalyse, k = 87, E 3.)223
  • DAT1 (SLC6A3): (Metaanalyse genetischer Assoziationsstudien, N = 3.209, E 3.)224
    • das 10-Repeat-Allel des DAT1-3’-UTR-VNTR (SLC6A3) war wiederholt mit Kindheits-ADHS assoziiert, nicht aber mit adultem ADHS in europäischen, deutschen, brasilianischen und norwegischen Stichproben (Narrativer Review, E 4.)209
    • bei persistierendem ADHS im Erwachsenenalter 9-6-Haplotyp, OR 1,39 (95%-KI 1,03 bis 1,88)
    • bei persistierendem ADHS im Erwachsenenalter 9/9-Genotyp, OR 1,34 (95%-KI 1,03 bis 1,76)
    • bei persistierendem ADHS im Erwachsenenalter der bei Kindern als Risiko geltende 10/10-Genotyp des DAT1-3’-UTR-VNTR, OR 0,93. Dies könnte auf eine unterschiedliche Rolle von DAT1 bei ADHS im Kindes- und im Erwachsenenalter hinweisen.
    • bei Erwachsenen ohne Korrektur ein Trend für das 9R-Allel des 40-bp-VNTR und den 6/6-Genotyp des 30-bp-VNTR im Dopamintransportergen SLC6A3, für den DAT-9-6-Haplotyp keine Assoziation (Metaanalyse, k = 87, E 3.)223
  • BAIAP2 (brain-specific angiogenesis inhibitor 1-associated protein 2)
    • bei Erwachsenen mit ADHS nach Bonferroni-Korrektur als einziges Gen eine robuste Assoziation (protektiver GC-Haplotyp rs8079626-rs7210438, Effektmaß 0,79 (95%-KI 0,68 bis 0,92)) (Metaanalyse, k = 87, E 3.)223
    • möglicherweise spezifischer mit adultem ADHS verbunden (Narrativer Review, E 4.)209
  • COMT
    • ein Polymorphismus (im Review als “val66met” bezeichnet) war anders als bei Kindern nicht mit persistierendem ADHS assoziiert (Narrativer Review, E 4.)209
    • COMT rs4680 bei Erwachsenen mit ADHS keine Assoziation (Metaanalyse, k = 87, E 3.)223
  • DRD5-VNTR: keines der häufigen Allele (148 bp, 136 bp), die bei Kindern mit ADHS in Verbindung gebracht wurden, war bei Erwachsenen mit dem ADHS-Risiko oder der Zahl der Unaufmerksamkeits- oder Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome verbunden (Metaanalyse von Fall-Kontroll-Kohorten, k = 6, N = 6.979, n = 3.344, E 3.)225
  • AAED1, ATAD2: möglicherweise mit persistierendem ADHS verbunden (Narrativer Review, E 4.)209

Genetische und periphere biochemische Befunde unterschieden sich teilweise zwischen Kindern und Erwachsenen mit ADHS. Spezifisch assoziiert waren bei: (Systematischer Review, k = 441, E 3.)220

  • Erwachsenen (k = 91) Gene zirkadianer Rhythmen, HTR2A, MAOB und ein Netzwerk für Neuroentwicklung und Neuritenwachstum (BCHE, SNAP25, BAIAP2, NOS1, KCNIP4, SPOCK3), OR 3,30 (1,33 bis 8,29)
  • Kindern (k = 350) Gene des dopaminergen Systems (SLC6A3, DRD4, MAOA), neuroentwicklungsbezogene Gene (LPHN3, DIRAS2) und OPRM1, OR 2,27 (95%-KI 1,15 bis 4,47)
  • beiden Altersgruppen Marker für oxidativen Stress (MAD, SOD, PON1, ARES, TOS, TAS, OSI), nachrangig DISC1, DBH, DDC, microRNA und Adiponectin

Eine epigenomweite Assoziationsstudie zu ADHS-Symptomen bei Erwachsenen (18 bis 38 Jahre, Blut-DNA-Methylierung) fand in der Metaanalyse keine kohortenübergreifend robust assoziierten Methylierungspositionen. Regionale Analysen ergaben 6 (Niederlande), 19 (Dunedin) und 0 (E-Risk) differenziell methylierte Regionen, darunter 6 im Haupthistokompatibilitätskomplex mit Einfluss auf die Expression von C4A und C4B. (Metaanalyse, k = 3, N = 4.689, E 3.)226

Gemeinsame Umwelteinflüsse waren nicht signifikant. (Zwillingsstudie, Register, n = 59.514, E 2b.)207 Familienstudien an klinischen Stichproben weisen auf eine stärkere familiäre Belastung bei Erwachsenen-ADHS als bei Kindheits-ADHS hin. Kopplungsstudien führten zu LPHN3 und CDH13 als mit ADHS über die Lebensspanne verbundenen Genen. (Narrativer Review, E 4.)208

Eine Interaktion zwischen LPHN3 (rs6551665) und TTC12 (rs2303380, NTAD-Gencluster NCAM1-TTC12-ANKK1-DRD2) beeinflusste bei Erwachsenen mit ADHS die Gesamtsymptomzahl (p = 0,002) und die Zahl hyperaktiv-impulsiver Symptome (p = 0,005). Dieselbe Allelkonstellation (LPHN3-G-Allel bei TTC12-AA-Genotyp) war mit einem erhöhten ADHS-Risiko bei überwiegend hyperaktiv-impulsiver oder gemischter Präsentation verbunden (p = 0,026) und mit deren Fortbestehen nach 7 Jahren (p = 0,008). (Klinische Kohortenstudie, n = 1.191, davon 548 mit ADHS, 7 Jahre, E 2b.)227

Väter von Kindern mit ADHS (Mischtyp), die selbst ganz überwiegend keine ADHS-Symptome oberhalb der Diagnoseschwelle aufwiesen, zeigten im EEG eine schwächere Aufmerksamkeitsorientierung auf Hinweisreize und eine schwächere Inhibitionsverarbeitung als Kontrollen. Darin unterschieden sie sich nicht von Erwachsenen mit ADHS. Dies spricht für eine familiäre und neurobiologische Verbindung zwischen ADHS im Kindes- und im Erwachsenenalter. (Fall-Kontroll-Studie, N = 61, n = 21, E 3.)228

5.3. Persistenz von ADHS ins Erwachsenenalter genetisch betrachtet

(E 2b): Ein höherer polygener Risikowert (PRS) für ADHS ging mit einem Fortbestehen von ADHS einher. (Kohortenstudie, Zwillinge, n = 2.232, 13 Jahre, E 2b.)215 (Kohortenstudie, n = 9.757, 4 bis 17 Jahre, E 2b.)173 (Narrativer Review, E 4.)217 Kindheits-ADHS und persistierendes Erwachsenen-ADHS scheinen genetisch ähnlich zu sein. Dieselbe polygene ADHS-Belastung trägt über die Lebensspanne bei und sagte in Längsschnittstudien einen persistierenden Verlauf vorher. (Narrativer Review, E 4.)217

Eine zweistufige GWAS bei Erwachsenen mit persistierendem ADHS fand keinen genomweit signifikanten Genort, jedoch Hinweise auf eine Beteiligung von FBXO33 (F-Box-Protein 33) beim kombinierten Subtyp (Entdeckungsstichprobe p = 9,02 × 10⁻⁷, gemeinsame Analyse beider Stufen p = 0,0097). Risikoallele gingen mit geringerer FBXO33-Expression in lymphoblastoiden Zelllinien und mit nominal verringertem frontalem Volumen grauer Substanz (n = 1.300 gesunde Erwachsene) einher. Die Autoren sehen darin einen ersten Hinweis auf das Ubiquitinierungssystem als Krankheitsmechanismus adulter ADHS. (GWAS, N = 1.191 Entdeckung, N = 4.005 Replikation, E 3.)229

Die DNA-Methylierung im Blut unterschied sich bei 12- bis 23-Jährigen an keiner einzelnen CpG-Stelle epigenomweit signifikant zwischen persistierendem ADHS (n = 35), remittiertem ADHS (n = 19) und Kontrollen (n = 19). Hypermethylierte Regionen in den Genen APOB und LPAR5 (beide an der Cholesterinsignalgebung beteiligt) waren mit Persistenz gegenüber Remission verbunden (p = 1,68 × 10⁻²⁴ bzw. p = 9,06 × 10⁻⁷). Beide Befunde schienen mit genetischer Variation in der Nähe (in cis) zusammenzuhängen. (Epigenomweite Assoziationsstudie, N = 73, E 3.)230

Träger des C-Allels des DRD4-SNP rs916455 hatten häufiger persistierende ADHS-Symptome im Erwachsenenalter. Die Studie sagt einerseits, dass CT- oder TT-Träger eher remittierten (Hazard Ratio 1,025, 95%-KI 1,002 bis 1,049, NNT 4,1) und anderseits, dass 58,0 % mit CC-Allel im Vergleich zu 26,6 % ohne CC-Allel (= ohne CT oder TT) remittierten. Letztere Aussage ist vermutlich eine fehlerhafte Zuordnung der Prozentwerte oder bezieht sich auf die Persistenzraten. Der SNP rs1800955 hing nicht mit dem Verlauf zusammen. (Kohortenstudie, n = 193, 63 Träger von CT/TT, 6,8 Jahre, E 2b.)51

Erwachsene mit persistierendem ADHS (mittleres Alter 35,6 Jahre) trugen mehr als doppelt so häufig seltene (Allelfrequenz unter 1 %) Missense- oder disruptive Varianten im modifizierten IMAGE-Set von 52 ADHS-Kandidatengenen (überwiegend dopaminerge, noradrenerge, serotonerge Neurotransmission und zirkadianer Rhythmus) wie Nichtbetroffene (18,3 % gegenüber 7,8 %, p = 0,019). Von 8 als schädlich eingestuften Varianten fanden sich 7 bei Betroffenen (einseitig p = 0,09). (Exom-Sequenzierung, Fall-Kontroll-Studie, n = 197, davon 120 mit persistierendem ADHS, E 3.)231Letter to the Editor, kleine Stichprobe, Vergleich nur mit Kontrollen, nicht mit remittiertem ADHS, daher kein direkter Beleg für Persistenz-spezifische Gene.


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  222. Bonvicini C, Cortese S, Maj C, Baune BT, Faraone SV, Scassellati C (2020): DRD4 48 bp multiallelic variants as age-population-specific biomarkers in attention-deficit/hyperactivity disorder. Transl Psychiatry. 2020;10(1):70. doi: 10.1038/s41398-020-0755-4. PMID: 32075956; PMCID: PMC7031506. ↥

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  224. Franke B, Vasquez AA, Johansson S, Hoogman M, Romanos J, Boreatti-Hümmer A, Heine M, Jacob CP, Lesch KP, Casas M, Ribasés M, Bosch R, Sánchez-Mora C, Gómez-Barros N, Fernàndez-Castillo N, Bayés M, Halmøy A, Halleland H, Landaas ET, Fasmer OB, Knappskog PM, Heister AJ, Kiemeney LA, Kooij JJ, Boonstra AM, Kan CC, Asherson P, Faraone SV, Buitelaar JK, Haavik J, Cormand B, Ramos-Quiroga JA, Reif A (2009): Multicenter analysis of the SLC6A3/DAT1 VNTR haplotype in persistent ADHD suggests differential involvement of the gene in childhood and persistent ADHD. Neuropsychopharmacology. 2010;35(3):656-64. doi: 10.1038/npp.2009.170. PMID: 19890261; PMCID: PMC3055604. METASTUDY, k = 5, N = 3.209 ↥

  225. Klein M, Berger S, Hoogman M, Dammers J, Makkinje R, Heister AJGAM, Galesloot TE, Kiemeney LALM, Weber H, Kittel-Schneider S, Lesch KP, Reif A, Ribasés M, Ramos-Quiroga JA, Cormand B, Zayats T, Hegvik TA, Jacobsen KK, Johansson S, Haavik J, Mota NR, Bau CHD, Grevet EH, Doyle A, Faraone SV, Arias-Vásquez A, Franke B (2016): Meta-analysis of the DRD5 VNTR in persistent ADHD. Eur Neuropsychopharmacol. 2016;26(9):1527-1532. doi: 10.1016/j.euroneuro.2016.06.012. PMID: 27480019. METASTUDY, k = 6, N = 6.979 ↥

  226. van Dongen J, Zilhão NR, Sugden K, Hannon EJ, Mill J, Caspi A, Agnew-Blais J, Arseneault L, Corcoran DL, Moffitt TE, Poulton R, Franke B, Boomsma DI (2019): Epigenome-wide Association Study of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Symptoms in Adults. Biol Psychiatry. 2019;86(8):599-607. doi: 10.1016/j.biopsych.2019.02.016. PMID: 31003786; PMCID: PMC6717697. METASTUDY, k = 3, N = 4.689 ↥

  227. Kappel DB, Schuch JB, Rovaris DL, da Silva BS, Cupertino RB, Winkler C, Teche SP, Vitola ES, Karam RG, Rohde LA, Bau CHD, Grevet EH, Mota NR (2017): Further replication of the synergistic interaction between LPHN3 and the NTAD gene cluster on ADHD and its clinical course throughout adulthood. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2017;79(Pt B):120-127. doi: 10.1016/j.pnpbp.2017.06.011. PMID: 28624582. ↥

  228. McLoughlin G, Asherson P, Albrecht B, Banaschewski T, Rothenberger A, Brandeis D, Kuntsi J (2011): Cognitive-electrophysiological indices of attentional and inhibitory processing in adults with ADHD: familial effects. Behav Brain Funct. 2011;7:26. doi: 10.1186/1744-9081-7-26. PMID: 21752266; PMCID: PMC3168399. ↥

  229. Sánchez-Mora C, Ramos-Quiroga JA, Bosch R, Corrales M, Garcia-Martínez I, Nogueira M, Pagerols M, Palomar G, Richarte V, Vidal R, Arias-Vasquez A, Bustamante M, Forns J, Gross-Lesch S, Guxens M, Hinney A, Hoogman M, Jacob C, Jacobsen KK, Kan CC, Kiemeney L, Kittel-Schneider S, Klein M, Onnink M, Rivero O, Zayats T, Buitelaar J, Faraone SV, Franke B, Haavik J, Johansson S, Lesch KP, Reif A, Sunyer J, Bayés M, Casas M, Cormand B, Ribasés M (2015): Case-control genome-wide association study of persistent attention-deficit hyperactivity disorder identifies FBXO33 as a novel susceptibility gene for the disorder. Neuropsychopharmacology. 2015;40(4):915-26. doi: 10.1038/npp.2014.267. PMID: 25284319; PMCID: PMC4330505. ↥

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  231. Demontis D, Lescai F, Børglum A, Glerup S, Østergaard SD, Mors O, Li Q, Liang J, Jiang H, Li Y, Wang J, Lesch KP, Reif A, Buitelaar JK, Franke B (2016): Whole-Exome Sequencing Reveals Increased Burden of Rare Functional and Disruptive Variants in Candidate Risk Genes in Individuals With Persistent Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2016;55(6):521-3. doi: 10.1016/j.jaac.2016.03.009. PMID: 27238071. ↥