Eindosierung von Stimulanzien bei ADHS
Vollständig überarbeitet 09/2026
Wir erachten die nachfolgend beschriebene Vorgehensweise für grundsätzlich sinnvoll. Dies sind jedoch lediglich Gedanken aus wissenschaftlicher Sicht, die keine therapeutische Handlungsempfehlung im Einzelfall darstellen können.
In jedem Fall muss eine individuell abgestimmte Therapieplanung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten erarbeitet werden.
Unsere Darstellung dient nicht zur Selbstmedikation, sondern dazu, Betroffenen und deren Familien ärztliche Empfehlungen verständlicher zu machen und die beschriebenen Optionen mit dem behandelnden Arzt und Therapeuten erörtern zu können.
Jede konkrete Behandlung muss die Weisungen des behandelnden Arztes für den jeweiligen Einzelfall beachten.
Worum es auf dieser Seite geht
Ein ADHS-Medikament kann nur dann gut wirken, wenn die Dosis stimmt. Die passende Dosis ist bei jedem Menschen anders. Sie lässt sich weder aus dem Körpergewicht, noch dem Alter oder der Schwere der Symptome berechnen. Man muss sie suchen. Diese Suche heißt Eindosierung oder Titration. Diese Seite beschreibt, wie das geht und worauf dabei zu achten ist.
Der Grundgedanke: klein anfangen, langsam steigern
Man beginnt mit einer sehr niedrigen Dosis und erhöht sie schrittweise. Jede Stufe bleibt einige Tage bestehen, damit man ihre Wirkung beurteilen kann. Wir empfehlen kleinere Schritte und mehr Geduld, als vielerorts üblich ist. Der Grund: Bei manchen Betroffenen ist der Bereich, in dem ADHS-Medikamente optimal wirken, sehr schmal. Wer in großen Sprüngen aufdosiert, springt unbemerkt über diesen Bereich hinweg.
Mehr ist nicht besser
Die Wirkung von Stimulanzien folgt keiner geraden Linie. Sie steigt bis zu einem Punkt an und wird darüber hinaus wieder schlechter, während gleichzeitig die Nebenwirkungen zunehmen. Fachleute sprechen von einer umgekehrten U-Kurve. Die beste Dosis ist deshalb nicht die höchste, die man verträgt, sondern die niedrigste, die eine wirklich gute Wirkung erzielt.
Eine besonders wichtige Warnung: Die erste spürbare Verbesserung ist noch nicht die richtige Dosis. Viele Betroffene und auch manche Behandler hören an dieser Stelle auf, zu erhöhen, und verschenken damit einen erheblichen Teil des möglichen Nutzens.
Zwei Dinge müssen stimmen: die Höhe der Einzeldosis und die Abdeckung des Tages
Die Einzeldosis bestimmt, wie stark ein Medikament wirkt. Die Anzahl der Einzeldosen bestimmt, wie lange es über den Tag wirkt. Beides muss getrennt eingestellt werden. Ein häufiger Fehler ist, eine zu kurze Wirkdauer durch eine höhere Dosis ausgleichen zu wollen. Das führt zu einer Überdosierung am Vormittag und ändert nichts daran, dass die Wirkung am Nachmittag endet. Richtig ist in diesem Fall eine zusätzliche Dosis, nicht eine höhere.
Ziel ist eine Abdeckung des ganzen Tages, in der Regel 12 bis 16 Stunden. ADHS endet nicht mit dem Schul- oder Arbeitstag. Hausaufgaben, Familie und Freizeit leiden ebenso darunter, und im unmedikamentierten Teil des Tages ist das Unfallrisiko erhöht.
Die Herstellerangaben zur Wirkdauer stimmen oft nicht
Wie lange eine Einzeldosis wirkt, hängt davon ab, wie schnell der Körper den Wirkstoff abbaut. Das ist erblich verschieden. Rund 15 bis 20 % der Betroffenen bauen Stimulanzien so schnell ab, dass eine Dosis nur etwa halb so lange wirkt wie angegeben. Bei Lisdexamfetamin (Elvanse) berichtet nach unseren Umfragen sogar etwa die Hälfte der Betroffenen eine deutlich kürzere Wirkdauer als die genannten 12 Stunden. Wer das nicht weiß, hält das Nachlassen der Wirkung am Nachmittag für ein Versagen des Medikaments oder für eigenes Versagen. Jeder Betroffene sollte deshalb wissen, wie lange sein Präparat üblicherweise wirkt und dass dieser Wert bei ihm anders ausfallen kann.
Beobachten und aufschreiben
Während der Eindosierung sollte täglich ein kurzes Tagebuch geführt werden: Symptome, Dosis, Einnahmezeiten, Essen, Schlaf, Belastungen. Wichtig ist, die Wirkung nie an einzelnen Tagen zu beurteilen, sondern immer im Durchschnitt von drei bis vier Tagen. Einzelne Tage schwanken zu stark.
Hilfreich ist außerdem eine zweite Meinung von außen. Wer ADHS hat, nimmt Veränderungen an sich selbst nicht immer zuverlässig wahr. Besonders aussagekräftig sind Rückmeldungen von Menschen, die nichts von der Medikation wissen, weil bei ihnen keine Erwartung mitspielt.
Koffein und Alkohol weglassen
Das ist der wichtigste einzelne Praxishinweis dieser Seite. Koffein und Stimulanzien verstärken sich gegenseitig in ihren Nebenwirkungen. Eine Kaffeemenge, die vorher problemlos vertragen wurde, kann während der Eindosierung Herzrasen, Zittrigkeit und Unruhe auslösen, die dann fälschlich dem Medikament zugeschrieben werden. Nach unserer Erfahrung führt das immer wieder dazu, dass ein gut wirksames Medikament zu Unrecht abgesetzt wird. Koffein gehört deshalb während der Eindosierung kompromisslos weggelassen, einschließlich Cola, Schwarztee, Energydrinks und dunkler Schokolade. Wer sehr viel Koffein konsumiert hat, muss dabei mit Entzugssymptomen rechnen.
Alkohol erhöht den Methylphenidat-Spiegel im Blut erheblich und ist ebenfalls zu meiden.
Mit dem Rauchen sollte man während der Eindosierung dagegen gerade nicht aufhören. Ein gleichzeitiger Nikotinentzug verfälscht die Beobachtung und kann eigene Entzugssymptome verursachen.
Wenn es nicht passt
Nicht jedes Medikament wirkt bei jedem. Rund 30 % sprechen auf Methylphenidat nicht an, bei rund 20 % wirken Amfetaminmedikamente nicht („Nonresponding“). Auf beide Wirkstoffe reagiert nur eine kleine Minderheit nicht. Wirkt ein Medikament nicht, lohnt sich zuerst der Wechsel des Präparats innerhalb desselben Wirkstoffs und danach der Wechsel des Wirkstoffs. Dasselbe gilt bei Nebenwirkungen: Welches Präparat jemand gut verträgt, ist erstaunlich individuell und nicht vorhersagbar.
Nebenwirkungen sind meist beherrschbar
Die meisten Nebenwirkungen treten in den ersten Wochen auf und verschwinden wieder. Bei der individuell passenden Dosis haben die wenigsten Betroffenen dauerhafte Beschwerden. Diese Seite beschreibt für die häufigsten Beschwerden konkrete Gegenmaßnahmen: Kopfschmerzen sind oft eine Unterzuckerung und bessern sich durch Essen. Einschlafprobleme lassen sich meist durch eine frühere letzte Dosis lösen. Ein Gefühl emotionaler Abstumpfung (“Zombie-Modus”) ist in der Regel ein Zeichen von Überdosierung und nur selten eine unvermeidbare Nebenwirkung eines Medikaments – jedenfalls ist es kein Zustand, den man hinnehmen müsste.
Bei Frauen kann die Wirkung im Monatszyklus schwanken, weil Östrogen den Dopaminabbau beeinflusst. In den Tagen vor der Menstruation ist der Bedarf häufig höher.
Was Sie von dieser Seite erwarten können
Diese Seite ist sehr ausführlich und enthält an vielen Stellen Studiendaten und Zahlen. Diese richten sich vor allem an Behandler. Für Betroffene findet sich am Anfang jedes größeren Abschnitts eine kurze Zusammenfassung unter der Überschrift Bedeutung für Betroffene. Fachlich vertiefende Passagen sind in aufklappbare Abschnitte ausgelagert, die mit Wissenschaftlich beginnen. Wer nur wissen möchte, worauf es praktisch ankommt, kann diese überspringen.
Eine rein schematische Medikation ist bei ADHS nicht möglich. Wie genau eingestellt wird, hängt zudem davon ab, welches Medikament verwendet wird. Stimulanzien, Atomoxetin und Guanfacin folgen jeweils eigenen Regeln.
Erste Ansätze, die Eindosierung bei ADHS durch künstliche Intelligenz zu unterstützen, werden derzeit erforscht.(E 2b)1
1. Wahl des Wirkstoffs
Siehe hierzu unter Wahl des Medikaments bei ADHS oder ADHS mit Komorbidität
2. Eindosierung von Stimulanzien
Bedeutung für Betroffene
Stimulanzien (Methylphenidat und Amfetaminmedikamente) sind die wirksamsten ADHS-Medikamente. Ihre Dosis muss bei jedem Menschen einzeln gesucht werden. Man beginnt niedrig, erhöht schrittweise und beobachtet jede Stufe einige Tage lang („Start low, go slow“). Dieses Kapitel beschreibt, wie diese Suche abläuft: wie hoch man startet, wie groß die Schritte sein sollten, wie lange man auf einer Stufe bleibt und woran man erkennt, dass die passende Dosis erreicht ist.
2.1. Grundlagen der Eindosierung von Stimulanzien
Bedeutung für Betroffene
(E 1a): Die wichtigste Regel lautet: langsam von unten herantasten. Feste Standarddosen führen bei ADHS regelmäßig zu schlechteren Ergebnissen als eine individuelle Aufdosierung. Das ist seit Jahrzehnten bekannt und durch große Auswertungen bestätigt.
Mehr ist dabei nicht besser. Ab einer bestimmten Höhe bringt eine weitere Steigerung kaum noch zusätzlichen Nutzen, während die Nebenwirkungen deutlich zunehmen. Die persönlich beste Dosis findet man nur durch geduldiges Ausprobieren.
(E 1a): Grundsätzlich ist eine Aufdosierung, die mit niedrigen Dosen beginnt und diese flexibel und individuell erhöht, gegenüber einer Gabe fixer Dosen deutlich im Vorteil.(E 4)2 Dies ist bereits seit den 70er-Jahren bekannt (E 4)3 und wird durch eine neue, umfangreiche Metastudie (E 1a)4 bestätigt. Auch Studien verwenden eine langsame Eindosierung, um Nebenwirkungen zu vermeiden.(E 1b)5
(E 1a): Bei MPH wie bei AMP steigt zusammen mit der Dosishöhe einerseits die Wirksamkeit und andererseits die Wahrscheinlichkeit des Absetzens aufgrund von Nebenwirkungen. In Studien mit fixer Dosierung an Kindern und Jugendlichen nahm der zusätzliche Wirksamkeitsnutzen oberhalb von rund 30 mg MPH bzw. rund 20 mg AMP pro Tag ab (umgerechnet auf unretardiertes MPH-Hydrochlorid bzw. gemischte Amfetaminsalze).(E 1a)4 Bei Erwachsenen liegt diese Schwelle etwas höher: Bei MPH werden die Zugewinne oberhalb von etwa 35 bis 40 mg/Tag kleiner, bei AMP flacht die Kurve ab etwa 30 bis 35 mg/Tag zu einem Plateau ab.(E 1a)6
Eine neuere Dosis-Wirkungs-Netzwerkmetaanalyse fand bei Kindern / Jugendlichen existiert Plateaus bei ca. 45 mg/Tag MPH und ca. 25 mg/Tag AMP.(E 1a)7
Mehr ist nicht besser. Für jeden Betroffenen muss die individuell passende Dosis mit optimaler Symptomverbesserung und geringen Nebenwirkungen durch Versuch und Irrtum gesucht werden.(E 4)8
Wissenschaftlich: Warum Zulassungsstudien mit festen Dosen arbeiten
Dass die in der Praxis deutlich weniger geeignete Vorgehensweise mit festen Dosen teilweise immer noch anzutreffen ist, scheint auch daraus zu resultieren, dass die FDA für die Medikamentenzulassung Studien mit fixen Dosen fordert. So auch Dreher in Bezug auf rezeptorbezogene Medikamente (E 4)9, auch wenn dies auf ADHS-Medikamente, die vornehmlich transporterbezogen wirken, nicht 1:1 übertragbar ist. Fakt ist jedoch, dass Zulassungsstudien nicht auf die individuelle klinische Anwendung zielen.
(E 1b): Zur Bestimmung der unteren Grenze des therapeutischen Bereichs sind Studiendesigns sinnvoller, in denen verschiedene Patientengruppen jeweils Dosen erhalten, die zu einem zuvor definierten Blutkonzentrationsbereich des Arzneistoffs führen.(E 4)10 Als positives Beispiel wurde die Clozapin-Studie von VanderZwaag et al. genannt.(E 1b)11 Aufgrund des logistischen Aufwands und der daraus resultierenden Kosten werden zur Ermittlung der unteren Grenze des therapeutischen Referenzbereichs Studien mit fixer Dosis bevorzugt.
(Erfahrung ADxS): Nach unserer Erfahrung empfiehlt sich eine Vorgehensweise, die noch etwas langsamer vorgeht, als in den Leitlinien vorgesehen ist.
Siehe auch die Darstellung verschiedener internationaler Leitlinien zur Eindosierung von MPH, die durchgängig einen Beginn mit niedriger Dosis und überwiegend eine wöchentliche Titration nach individuellem Ansprechen empfehlen.
2.1.1. Leitlinien
2.1.1.1. Europäische Leitlinie
Die europäische Leitliniengruppe hält fest, dass das Ansprechen auf ADHS-Medikamente individuell stark schwankt und dass sich bisher keine Merkmale finden ließen, die diese Streuung zuverlässig vorhersagen. Die Auswahl des passenden Medikaments bleibt damit ein Vorgehen nach Versuch und Irrtum - was die sorgfältige, schrittweise Eindosierung zum eigentlichen diagnostischen Instrument macht.12
Die EMA empfiehlt eine sorgfältige Dosistitration beim Behandlungsbeginn mit MPH. Die Dosistitration sollte mit der niedrigstmöglichen Dosis begonnen werden.(E 4)13
Die Leitlinien in Deutschland und den USA arbeiten nicht mit fixen Dosen, sondern sehen eine Aufdosierung vor.
2.1.1.2. Deutsche S3-Leitlinien
In der deutschen S3-Leitlinie 2018 heißt es:
“Ziel ist eine möglichst niedrige Dosierung zu implementieren. Dies wird auch das Problem der unerwünschten Wirkungen (…) reduzieren bzw. vermeiden. Unter diesen Bedingungen kann ausgehend von einer niedrigen Einstiegsdosis die Dosis graduell so lange erhöht werden, bis keine weitere klinisch signifikante Verbesserung der Symptomatik (z.B. auf der Ebene der Kernsymptome, aber auch im Sinne einer Änderung von Problemverhalten) zu erreichen ist und die unerwünschten Wirkungen tolerabel bleiben.” (E 4)14
In der Leitlinie 2009 hieß es: “Bei Stimulanzien: Keine strenge Korrelation zwischen Körpergewicht und notwendiger Dosis! (E 2a). Immer individuelle Titration. Die angegebenen mg/kg KG sind Durchschnittswerte und können individuell unter- oder überschritten werden.” (E 4)15
MPH:
Während die Leitlinien bei MPH eine Eindosierung in 10 mg-Titrationsschritten von halbtagesretardiertem MPH vorsehen, halten wir mit Kühle halb so hohe Titrationsstufen für sinnvoll - auch wenn dies die Geduld mancher Betroffener herausfordert. Hierfür kann unretardiertes MPH (2,5 mg/Einzeldosis) oder retardiertes MPH (5 mg/Einzeldosis, was aufgrund der doppelten Wirkdauer 2 nacheinander genommenen Dosen von 2,5 mg unretardiertem MPH entspricht) verwendet werden.
AMP:
Beim in Deutschland für Erwachsene häufig verschriebenen Lisdexamfetamin (Elvanse) ist die kleinste Dosis für Kinder 20 mg und - bis 2023 - für Erwachsene 30 mg, ab 2023 auch 20 mg. Hier begegnete uns noch häufiger als bei MPH, dass diese kleinste Kapseldosis für einen relevanten Anteil der Betroffenen bereits zu viel war. Wir kennen eine nennenswerte Anzahl Erwachsener, die - teils deutlich - weniger als 20 mg/Dosis benötigen. Für einige Betroffene waren Dosen von 2,5 mg richtig und höhere Dosen zu viel, ein Betroffener berichtete eine passende Dosis von 0,5 mg. Ein nennenswerter Anteil der Betroffenen benötigt Dosen, die zwischen den 10 mg - Schritten der Kapseln liegen, sodass sie mit der niedrigeren Kapsel unterdosiert und der höheren Kapsel überdosiert sind. Diese sind auf ein - entgegen der Herstellerinformation im Beipackzettel - Teilen der Kapseln für die passende Dosierung angewiesen. Nachteilige Erfahrungen bezüglich des Aufteilens wurden keine berichtet. Das Teilen wurde mechanisch nach Augenmaß, mittels Feinwaage oder durch Auflösen in Wasser (der Wirkstoff ist wasserlöslich, nur manche Zusatzstoffe sind nicht löslich) und Abmessen mit einer Spritze berichtet. Aufgeteilte Portionen wurden einige Tage gelagert. Wenn sie in Wasser gelöst waren, meist im Kühlschrank. Es wurden keine Nachteile durch die Lagerung aufgeteilter Dosen berichtet.
Dass der Hersteller in 2023 die bisher für Erwachsene angebotenen Dosen von 30, 50 und 70 mg um 20, 40 und 60 mg ergänzt hat, deckt sich mit unseren Erfahrungen und verringerte die Anzahl der Betroffenen, die für eine für sie optimale Dosis auf ein nicht zulassungskonformes Teilen von Kapseln angewiesen sind.
Ärzte können im Rahmen individueller Heilversuche von den Angaben der Hersteller abweichen.
Für Betroffene maßgeblich ist ganz ausdrücklich die vom jeweiligen Arzt verschriebene Anwendungsweise.
Die hier mitgeteilten Erfahrungen dienen zur Information und zur Besprechung mit dem verschreibenden Arzt.
2.1.1.3. Amerikanische Leitlinien
Die amerikanische “Clinical Practice Guideline for the Diagnosis, Evaluation, and Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents” der American Academy of Pediatrics von 2019 empfiehlt, dass MPH mit einer niedrigen Dosis begonnen werden sollte, insbesondere bei Kindern, da sie das Medikament langsamer verstoffwechseln und unterschiedlich darauf ansprechen. Die Dosis sollte dann in 7-Tages-Schritten (in dringenden Fällen in 3-Tages-Schritten) stufenweise erhöht werden, um eine Zieldosis mit optimaler Wirksamkeit und minimalen Nebenwirkungen zu erreichen.(E 4)16 Dosierungsstufen nennt diese Leitlinie nicht.
(E 3): Das Texas Children’s Medication Algorithm Project empfahl für Kinder bereits im Jahr 2000 (E 4)17 (E 3)18 (E 4)19
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bei MPH (unretardiert)
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mit 5 mg MPH pro Tag zu beginnen
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die Dosis in den ersten vier Wochen in wöchentlichem Abstand auf bis zu 60 mg MPH pro Tag zu erhöhen
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bei Dextroamfetamin oder gemischten Amfetaminsalzen (unretardiert)
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mit 2,5 mg pro Tag zu beginnen
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die Dosis in den ersten vier Wochen in wöchentlichem Abstand auf bis zu 30 mg pro Tag zu erhöhen.
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Jede Dosis-Erhöhung wird durch eine wöchentliche Bewertung der Symptome durch Lehrer und Eltern an den Behandler begleitet
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Nach der vierten Woche wird ein Arztbesuch empfohlen, um die Symptombewertungen zu überprüfen und über eine weitere Titration der Stimulanzien-Dosis zu entscheiden.
Der überarbeitete Algorithmus des Texas Children’s Medication Algorithm Project empfahl ein individuelles Titrationsschema auf Basis von Milligramm pro Tag, das an die individuelle Reaktionskurve jedes einzelnen Patienten angepasst wird.(E 4)20
2.1.1.3.1. Amfetaminmedikamente nach US-Fachinformationen
Eine Übersichtsdarstellung (Patel et al. 2025, StatPearls) fasst die US-Fachinformationen zu Amfetaminmedikamenten so zusammen: (E 4)21
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3 Jahre oder jünger: Dextroamfetamin wird nicht empfohlen.
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3 bis 5 Jahre:
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unretardiertes AMP
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Einstiegsdosis 2,5 mg unretardiert einmal täglich morgens nach dem Aufwachen
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Weitere Dosen können in Abständen von 4 bis 6 Stunden gegeben werden
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wöchentliche Dosiserhöhung um 2,5 mg, bis optimale Wirkung erzielt wird
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tägliche Gesamtdosis zwischen 2,5 und 40 mg, aufgeteilt in 1 bis 3 gleich große Dosen.
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ab 6 Jahre:
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unretardiertes oder verlängert wirkendes Amfetamin
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unretardiertes AMP:
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empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 mg ein- bis zweimal täglich
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erste Dosis nach dem Aufwachen
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weitere Dosen können in Abständen von 4 bis 6 Stunden gegeben werden
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wöchentliche Erhöhung der Tagesdosis um 5 mg, bis optimale Wirkung erzielt wird
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tägliche Gesamtdosis zwischen 5 und 40 mg, verabreicht in 1 bis 3 gleichmäßig verteilten Dosen.
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Retardkapseln
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empfohlene Anfangsdosis 5 bis 10 mg einmal täglich morgens
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wöchentliche Erhöhung der Tagesdosis um 5 bis 10 mg, bis eine optimale Wirkung erzielt wird
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empfohlene Tageshöchstdosis 30 mg
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Jugendliche:
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unretardierte Tabletten oder verlängert wirksame Präparate
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unretardierte Tabletten
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empfohlene Anfangsdosis 5 mg ein- bis zweimal täglich
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Dosis nach dem Aufwachen
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folgende Dosen können in Abständen von 4 bis 6 Stunden gegeben werden
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wöchentliche Erhöhung der Tagesdosis um 5 mg, bis optimale Wirkung erzielt wird
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tägliche Gesamtdosis zwischen 5 und 40 mg, aufgeteilt auf 1 bis 3 Dosen.
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verlängert wirksame Präparate
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empfohlene Anfangsdosis: 10 mg einmal täglich morgens
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Erhöhung nach einer Woche auf 20 mg täglich, falls erforderlich
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es gebe keine ausreichenden Belege dafür, dass höhere Dosen zusätzliche Vorteile bieten (Anmerkung ADxS.org: dies entspricht weder der Studienlage noch der empirischen Erfahrung)
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Erwachsene
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unretardierte Tabletten oder verlängert wirksame Präparate
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unretardierte Tabletten:
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Anfangsdosis beträgt 5 mg ein- bis zweimal täglich
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wöchentliche Erhöhung der Tagesdosis um 5 mg, bis optimale Wirkung erzielt wird
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typischer Dosierungsbereich zwischen 5 und 40 mg täglich, aufgeteilt auf 1 bis 3 Dosen
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nachfolgende Dosen können in Abständen von 4 bis 6 Stunden verabreicht werden
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verlängert wirksame Präparate
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Anfangsdosis 20 mg einmal täglich morgens
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Höhere Dosen (bis zu 60 mg/Tag) sollen keinen zusätzlichen Nutzen bieten (Anmerkung ADxS: Dies entspricht weder der uns bekannten Studienlage noch der empirischen Erfahrung)
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Amfetaminmedikamente bei älteren Erwachsenen / Senioren
Bei älteren Patienten sollten Amfetaminmedikamente mit Vorsicht angewendet werden, beginnend mit der niedrigsten Dosierung.(E 4)21
Zur Eindosierung bei über 55-Jährigen liegen kaum kontrollierte Daten vor. In einer Auswertung von Behandlungsakten von n = 113 Erstbehandelten zwischen 55 und 79 Jahren berichteten 65 % ein positives Ansprechen. 42 % beendeten die Medikation wegen Nebenwirkungen oder fehlender Wirkung. Unter den knapp 30 % der Teilnehmer mit einem bereits vorher bestehenden kardiovaskulären Risikoprofil fand sich keine bedeutsame Veränderung von Gewicht, Herzfrequenz oder Blutdruck. Die Autoren halten Methylphenidat in dieser Altersgruppe für vergleichbar wirksam wie bei jüngeren Erwachsenen, sofern somatische Beschwerden und insbesondere die kardiovaskulären Parameter vor und während der Behandlung kontrolliert werden.22 Die Autoren empfehlen für ältere Betroffene:
- ein EKG vor Behandlungsbeginn
- Kontrolle von Herzfrequenz und Blutdruck zu Beginn und danach zweimal jährlich
- eine sorgfältige Eigen- und Familienanamnese zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Da eine verhältnismässig grosse Gruppe die Behandlung wegen Angst- und depressiver Symptome, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Schlafproblemen beendete, raten sie zudem, bei jeder älteren Person vor Behandlungsbeginn Stimmung, Angst, Schlaf und Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erfassen und diese vor und während der ADHS-Behandlung mitzubehandeln.
In einer bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie an n = 6.457 Personen ab 66 Jahren, die eine Stimulanzienbehandlung begannen, verglichen mit 24.853 nach Neigungsscore gepaarten Nichtbehandelten, war das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse in den ersten 30 Tagen um 40 % erhöht. Im ersten Jahr traten insgesamt 932 kardiovaskuläre Ereignisse auf: 820 in der unbehandelten Gruppe (3,66 je 100 Personenjahre) und 112 in der behandelten (5,11 je 100 Personenjahre). Das Risiko nach 30 Tagen (HR 1,4; 95%-KI 1,1 bis 1,8) fiel nach 180 Tagen auf 1,2 (0,9 bis 1,6) und nach 365 Tagen auf 1,0 (0,6 bis 1,8). Für Herzinfarkte fand sich zu keinem Zeitpunkt eine Erhöhung (jeweils HR 1,0). Erhöht waren nach 30 Tagen Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke (HR 1,6; 1,1 bis 2,1) sowie ventrikuläre Herzrhythmusstörungen (HR 3,0; 1,1 bis 8,7). Letztere blieben auch nach 180 Tagen erhöht (HR 3,0; 1,4 bis 6,4).
Die Autoren erklären den Rückgang unter anderem damit, dass Betroffene mit kardialen Beschwerden die Behandlung vermutlich beendeten, und halten für die Eindosierung in den ersten vier Wochen engmaschige kardiale Kontrolle für geboten.23
(Einschätzung ADxS): Zwei Punkte mahnen zur vorsichtigen Deutung. Erstens: Die Gesamtsterblichkeit war nach 30 Tagen stark erhöht (HR 2,4), nach 180 Tagen unauffällig (1,0) und nach 365 Tagen deutlich verringert (0,3). Dieses Muster könnte darauf hindeuten, dass Stimulanzien, die ja bei älteren Menschen bisher nur selten verordnet wurden, vorliegend häufig in bereits kritischen Krankheitslagen verordnet worden sein könnten (etwa bei Erschöpfung nach Schlaganfall, als ultima ratio) und nicht zwingend, dass sie diese verursachten. Zweitens: In zwei ergänzenden Auswertungen mit anderem Aufbau fand sich kein bedeutsamer Zusammenhang. Weder der Vergleich von Erkrankten mit Kontrollpersonen (Odds Ratio 0,9 bei laufender Einnahme und 1,1 bei kürzlicher Einnahme) noch der Vergleich innerhalb derselben Person zwischen Risiko- und Kontrollzeitraum (Odds Ratio 0,8) ergab eine Erhöhung. Der Befund der Hauptauswertung steht damit nicht auf besonders festem Grund.
Zur Einordnung der Größenordnung nennt dieselbe Arbeit23Vergleichswerte aus einer Metaanalyse von zehn randomisierten Studien. Stimulanzien gingen dort mit einer Steigerung der Herzfrequenz um 5,7 Schläge je Minute und des systolischen Blutdrucks um 2,0 mmHg einher. Für Betroffene ohne kardiale Vorerkrankung sind das geringe Veränderungen. Bei älteren Menschen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung können sie jedoch ins Gewicht fallen. Das stützt die Empfehlung, in den ersten Wochen engmaschig gezielt auf Herzrhythmusstörungen und Schlaganfallzeichen zu kontrollieren.
(Einschätzung ADxS): Unserer Auffassung nach sollte auch hier eine besonders niedrig startende und langsame Aufdosierung angedacht werden, um dem Körper Gelegenheit zu geben, sich an die Änderung zu gewöhnen.
2.1.1.3.2. Methylphenidat Empfehlungen für den amerikanischen Markt
Eine Veröffentlichung zu Methylphenidat fasst Empfehlungen für den amerikanischen Markt zusammen: (E 4)24
Soweit keine andere Quelle angegeben ist, beziehen sich die Angaben auf diese Veröffentlichung.
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Erwachsene: (E 4)24
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Adhansia XR Kapseln:
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Startdosis: 25 mg oral einmal täglich morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 bis 15 mg in Abständen von mindestens 5 Tagen
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Maximaldosis: 100 mg/Tag (höhere Nebenwirkungen ab 85 mg/Tag)
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Aptensio XR-Kapseln:
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Startdosis: 10 mg oral einmal täglich morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg/Tag
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Concerta- / Relexxii-Tabletten:
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Jornay PM-Kapseln:
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Startdosis: 20 mg einmal täglich abends innerhalb von 3 Stunden vor dem Schlafengehen
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Erhöhung: Stufen von 20 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 100 mg/Tag
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Metadate CD-Kapseln, QuilliChew ER-Kautabletten und Quillivant XR-Suspension zum Einnehmen
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Startdosis: 20 mg einmal täglich morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 bis 20 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg/Tag
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Kinder: (E 4)24
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Sofortige Freisetzung (kurz wirksam) (Kautabletten, Ritalin-Tabletten und Methylin-Lösung zum Einnehmen):
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Startdosis: 5 mg oral zweimal täglich morgens / mittags
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Erhöhung: Stufen von 5 bis 10 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg/Tag
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Halbtagesretards (AB-bewertete Generika zu Metadate ER oder Methylin ER): ’
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Startdosis: 10 mg oral zweimal täglich morgens / mittags
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Erhöhung: Stufen von 10 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg/Tag (zwei Dosen zu je 30 mg)
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Ganztagesretards
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Adhansia XR-Kapseln:
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Startdosis: 25 mg oral morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 mg bis 15 mg in Abständen von mindestens 5 Tagen
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Maximaldosis: 100 mg/Tag (höhere Nebenwirkungen ab 85 mg/Tag)
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Aptensio XR-Kapseln:
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Startdosis: 10 mg oral einmal täglich morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg/Tag
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Concerta- / Relexxii-Tabletten:
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Erhöhung: Stufen von 9 bis 18 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen (E 4)25 (E 2a)26
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Maximaldosis: 72 mg/Tag
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(E 2b): In den USA wird häufiger mit einer höheren Tagesdosis begonnen und seltener aufdosiert als etwa in Japan. In Japan begannen 91,9 % der Kinder und 77,9 % der Jugendlichen die Behandlung mit OROS-MPH bei der niedrigsten Dosis von 18 mg/Tag, während sich die Startdosen in den USA breiter verteilten (18 bis 54 mg/Tag) und die Tagesdosen insgesamt höher lagen. In beiden Ländern durchlief nur eine Minderheit von unter 40 % der Behandelten überhaupt eine Dosistitration.(E 2b)27 (ADxS empfiehlt dringend,m eine slangsam auftitrierung)
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Jornay PM-Kapseln:
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Startdosis: 20 mg einmal täglich abends innerhalb von 3 Stunden vor dem Schlafengehen
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Erhöhung: Stufen von 20 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 100 mg/Tag
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Metadate CD-Kapseln, QuilliChew ER-Kautabletten und Quillivant XR-Suspension zum Einnehmen
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Startdosis: 20 mg einmal täglich morgens
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Erhöhung: Stufen von 10 bis 20 mg in Abständen von mindestens 7 Tagen
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Maximaldosis: 60 mg / Tag
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Transdermal (langwirksam)
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Startdosis: 10 mg-Pflaster einmal täglich morgens 2 Stunden vor gewünschtem Wirkbeginn
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Erhöhung: Zulassungsdokument schreibt ein festes Titrationsschema vor.
- Woche 1 ein Pflaster von 12,5 cm² (10 mg pro 9 Stunden, 1,1 mg/h)
- Woche 2 18,75 cm² (15 mg, 1,6 mg/h)
- Woche 3 25 cm² (20 mg, 2,2 mg/h)
- Woche 4 37,5 cm² (30 mg, 3,3 mg/h)
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Maximaldosis: 30 mg/Tag
- In individuellen Fällen bis 60 mg
- Eine Steigerung von 20 mg auf 30 mg pro 9 Stunden brachte nach den Zulassungsstudien im Allgemeinen keinen zusätzlichen Nutzen
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Die Pflaster dürfen nicht zerschnitten werden, eine Feindosierung zwischen den vier Stufen ist nicht möglich
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Entfernung des Pflasters vor Ablauf von 9 Stunden, wenn kürzere Wirkung gewünscht wird oder Tragen bis 16 Stunden, wenn eine längere Wirkungsdauer erforderlich ist. Neben der Dosis lässt sich damit auch die Tragedauer anpassen.
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Die Aufnahme über die Haut setzt sich nach dem Abnehmen fort, die Wirkung endet daher nicht mit dem Entfernen und hält noch einige Stunden an
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Pflastergrösse und Tragedauer bestimmen die abgegebene Menge. Die Zusammensetzung je Flächeneinheit ist bei allen Stärken identisch.
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Bei täglicher Anwendung stieg die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve nach 7 Tagen um 13 bis 14 %, nach 28 Tagen um 64 bis 76 % gegenüber dem aus der Einzelgabe erwarteten Wert. Die Spitzenkonzentration stieg innerhalb von vier Wochen um etwa 69 % (Kinder) beziehungsweise 100 % (Jugendliche). Weder Anreicherung noch veränderte Ausscheidung erklären das, die Hautaufnahme nimmt bei wiederholter Anwendung offenbar zu. Eine anfangs passende Pflasterdosis kann daher nach einigen Wochen zu hoch sein. Im Verlauf ist eher eine Reduktion als eine Steigerung der benötigten Pflastermenge zu erwägen. Uns ist unbekannt, ob dies nur die Anwendung auf derselben Haustelle betrifft oder auch bei wechselnden Stellen der Pflasteraufbringung gilt.
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Anwendungsfehler können Wirkungsschwankungen auslösen.
- Das Pflaster gehört auf eine saubere, trockene Hautstelle an der Hüfte unter Aussparung des Bundes, weil Kleidung es ablösen kann, am Folgetag auf die gegenüberliegende Seite.
- Es ist etwa 30 Sekunden mit der Handfläche anzudrücken, besonders an den Rändern.
- Wasserkontakt beim Baden, Schwimmen oder Duschen beeinträchtigt die Haftung. Verbände, Klebeband oder andere Klebemittel sind nicht zulässig.
- Löst sich der Liner mit Klebstoffresten, ist das Pflaster zu verwerfen. Bei scheinbar schwankender Wirkung ist daher zuerst zu prüfen, ob das Pflaster über die gesamten neun Stunden vollflächig haftete.
- Bei Anwendung auf entzündeter Haut nehmen Geschwindigkeit und Ausmass der Aufnahme zu. Wer das Pflaster auf eine gerötete, gereizte oder wundgescheuerte Stelle klebt, erhält also mehr Wirkstoff als vorgesehen. Da wiederholtes Kleben an derselben Stelle Hautreizungen begünstigt, kann dies einen sich selbst verstärkender Kreislauf in Gang setzen.
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Die transdermale Aufnahme umgeht weitgehend den First-Pass-Effekt. Eine gewichtsbezogen niedrigere Pflasterdosis kann daher höhere Konzentrationen des wirksamen d-Methylphenidats erzeugen als eine orale Gabe. Bei oraler Gabe gelangt kaum l-Methylphenidat in den Kreislauf, nach transdermaler Gabe wird es fast ebenso hoch angereichert wie das d-Enantiomer. Die Halbwertszeit des d-Methylphenidats nach Pflasterentfernung beträgt 4 bis 5 Stunden. Bei Jugendlichen lagen Spitzenkonzentration und Gesamtbelastung etwa 50 % niedriger als bei Kindern, sie benötigen daher eher höhere Pflasterstärken
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Spitzenkonzentration und Fläche unter der Kurve von d-MPH stiegen bei 34 Kindern proportional zur Pflasterstärke, das Pflaster ist damit linear dosierbar
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Dosistitration, Enddosis und Tragedauer sind individuell nach Bedarf und Ansprechen festzulegen
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Eine Umrechnung Milligramm für Milligramm gegen orale Präparate ist nicht möglich, bei Umstellung wird mit 10 mg begonnen
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Vorteile von Pflastern sind insbesondere
- die Möglichkeit, die Wirkdauer über die Tragezeit anzupassen
- die sichtbare Kontrolle der Einnahme
- die Eignung für Betroffene, die Tabletten nicht schlucken können oder wollen (Kinder oder komorbides ASS)
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Xelstrym (USA, seit 03/2022)30
- Dexamfetamin-Pflaster
- zugelassen ab 6 Jahren, auch für Erwachsene
- Startdosis
- bei Kindern und Jugendlichen 4,5 mg/9 Stunden
- bei Erwachsenen 9 mg/9 Stunden
- Steigerung
- Wöchentliche Schritten von 4,5 mg
- Maximaldosis
- 18 mg/9 Stunden
- Nach einer Einzelgabe von 18 mg/9 Stunden lag die Spitzenkonzentration bei Erwachsenen bei 44,6 ng/ml gegenüber 67,6 ng/ml nach 70 mg Lisdexamfetamin.
- max 1 Pflaster/Tag
- 18 mg/9 Stunden
- Anwendung zwei Stunden vor dem gewünschten Wirkbeginn
- Entfernung innerhalb von neun Stunden
- Anbringung
- auf Hüfte, Oberarm, Brust, oberer Rücken oder Flanke
- Stelle soll jedes Mal gewechselt werden
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In einer Befragung gaben bereits 2004 die meisten Kinderärzte (81,3 %) und Hausärzte (81,7 %) in den USA an, Stimulanzien bei Kindern mit ADHS einzutitrieren.(E 3)31 Eine Auswertung von US-Abrechnungsdaten der Jahre 2000 bis 2004 an Kindern von 6 bis 12 Jahren fand, dass je nach Präparat 51,8 % (retardierte gemischte Amfetaminsalze) bis 61,6 % (unretardiertes MPH) der Kinder eine Dosistitration erhielten. Bei OROS-MPH waren es 52,7 %, bei unretardierten Amfetaminsalzen 59,5 %.(E 3)18 Die durchschnittliche tägliche Anfangsdosis betrug 23,8 mg/Tag für OROS-MPH, 14,8 mg/Tag für unretardiertes MPH, 12,7 mg/Tag für retardierte gemischte Amfetaminsalze und 11,2 mg/Tag für unretardierte gemischte Amfetaminsalze. Die durchschnittlichen Maximaldosierungen betrugen 33,4 / 21,8 / 17,4 / 16,5 mg/Tag. Titrierung führte je nach Präparat zu um 26 bis 44 % höheren Enddosen als (OROS-MPH: 39,1 gegenüber 27,1 mg/Tag. Unretardiertes MPH: 23,6 gegenüber 18,8 mg/Tag). Lisdexamfetamin war seinerzeit noch nicht auf dem Markt.
2.1.2. Darreichungsformen: Unretardierte oder retardierte Stimulanzien
Bedeutung für Betroffene
Unretardierte Medikamente wirken kurz (etwa 2,5 bis 3 Stunden) und lassen sich sehr fein dosieren. Retardierte Medikamente und Prodrugs geben den Wirkstoff über den Tag verteilt ab und müssen seltener eingenommen werden.
Beides ist zur Eindosierung möglich. Unretardierte Präparate haben den Vorteil, dass Sie Wirkung und Wirkende deutlicher spüren und die Dosis in kleineren Schritten anpassen können. Der Nachteil ist die häufigere Einnahme. Welcher Weg gewählt wird, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Die Darreichungsform beeinflusst, wie fein eindosiert werden kann. Retardierte MPH-Suspensionen und retardierte Kautabletten sind in den USA (nicht aber in Deutschland) verfügbar und ermöglichen eine Feindosierung, die Kapseln nicht erlauben: Bei der Suspension wird die Menge per Dosierspritze abgemessen, bei den Kautabletten sind die 20- und 30-mg-Tabletten teilbar. Das ist besonders für Betroffene relevant, deren optimale Dosis zwischen den verfügbaren Kapselstärken liegt, sowie für alle, die Kapseln nicht schlucken können. Beim Wechsel von einem anderen MPH-Präparat ist keine Umrechnung Milligramm für Milligramm vorgesehen, sondern es wird neu auftitriert.32
Die Wahl des Stimulanzienwirkstoffs beschränkt sich auf Methylphenidat oder Amfetamin. Die Zahl der Darreichungsformen ist dagegen gross, und jede bringt eigene Vorteile und Einschränkungen mit. Die Weiterentwicklung der Freisetzungssysteme brachte unter anderem einen früheren Wirkbeginn, eine längere Wirkdauer, eine bessere Verträglichkeit durch geringere Spiegelschwankungen, mehr Spielraum bei der Dosisanpassung, nichtorale Alternativen und eine geringere Streuung des Ansprechens. Wenn Wirkstoff und Dosis stimmen, das Ergebnis aber nicht befriedigt, ist die Freisetzungstechnik der nächste Ansatzpunkt für das Medikations-Feintuning.33
Die Präparatewahl lässt sich an den erwünschten Merkmalen ausrichten:
- rascher Wirkeintritt
- lange und gleichmässige Wirkdauer
- geringe Wechselwirkung mit anderen Medikamenten und mit Nahrung
- niedriges Missbrauchspotenzial
- gleichmässiger Konzentrationsverlauf ohne scharfe Spitze und ohne abruptes Ende
Die Freisetzungstechnik beeinflusst sowohl den Zeitpunkt der Wirkstofffreigabe als auch die über den Tag erreichten Blutspiegel und damit Wirkeintritt, Wirkdauer und Verträglichkeit. Entscheidend ist neben dem Verhältnis von sofort und verzögert freisetzendem Anteil auch die Art der Freisetzung. Getrennte Schübe oder ein fortlaufender Strom ergeben unterschiedliche Spiegelverläufe und damit unterschiedliche Symptomkontrolle über den Tag.
Freisetzungstechniken, die auf bestimmte Bedingungen angewiesen sind, etwa auf einen bestimmten pH-Wert, können durch äußere Einflüsse wie andere Medikamente oder die Ernährung gestört werden. Wer unter einem solchen Präparat schwankende Wirkung erlebt, sollte zuerst Magensäurehemmer und Ernährungsgewohnheiten prüfen, bevor die Dosis verändert wird. 33
Das Prodrug-Prinzip ist nicht auf Amfetamin beschränkt. In den USA ist mit Azstarys ein Kombinationspräparat aus Serdexmethylphenidat, einem Prodrug von Dexmethylphenidat, und unretardiertem Dexmethylphenidat im festen Molverhältnis 70 zu 30 zugelassen. Das Prodrug wird überwiegend im unteren Verdauungstrakt umgewandelt. Die Halbwertszeit liegt bei 5,7 Stunden für das Prodrug und 11,7 Stunden für den freigesetzten Wirkstoff. Eindosiert wird bei 39,2/7,8 mg mit wöchentlicher Anpassung nach oben auf 52,3/10,4 mg oder nach unten auf 26,1/5,2 mg. Wie bei allen Prodrugs und retardierten Präparaten ist auch hier keine Umrechnung Milligramm für Milligramm gegen andere Methylphenidat-Präparate zulässig. Der Zulassungstext nennt eine Monatsfrist, bleibt eine Besserung nach angemessener Dosisanpassung binnen eines Monats aus, soll abgesetzt werden.34
Eine MPH-Eindosierung kann mit unretardiertem MPH oder retardierten Wirkstoffen erfolgen.
(E 4): Die Eindosierung mit unretardiertem MPH ist häufig. Eine Eindosierung mit retardiertem MPH wird ebenso vertreten.(E 4)35 (E 4)36 Der Arzt wird abzuwägen haben zwischen dem Nachteil der häufigeren Einnahme bei unretardiertem MPH, da nur eine regelmäßige Einnahme eine durchgängige Wirkung ohne Rebounds ermöglicht, und dem Vorteil einer feineren Dosierbarkeit durch ausreichend verantwortungsbewusste Patienten. Bei Schulkindern stellt sich diese Frage in der Regel nicht.
(Einschätzung ADxS): In Anbetracht der positiven Erfahrungen erwachsener ADHS-Betroffener war die Entscheidung, Lisdexamfetamin in Europa nun auch zur Ersteindosierung Erwachsener zuzulassen, richtig.
In Deutschland steht dem bei Kassenpatienten jedoch weiterhin das Wirtschaftlichkeitsgebot entgegen, wonach Ärzte zunächst die günstigste Behandlungsmethode anwenden müssen. Daher muss hier vor einer Lisdexamfetaminverschreibung weiterhin Methylphenidat als günstigere Behandlung versucht worden sein und fehlgeschlagen haben.
(Kein Beleg): In den USA ist eine Eindosierung mit lang wirksamen Amfetaminsalzen häufig (Adderall XR).
2.2. Titration
Die Eindosierung von Stimulanzien erfolgt nicht nach Alter oder Gewicht. Diese Faktoren beeinflussen allenfalls die Startdosis. Die individuelle Wirkung ist der entscheidende Maßstab.
In einer dänischen Beobachtungsstudie an 207 neu diagnostizierten Kindern von 7 bis 12 Jahren wurde MPH anhand wöchentlicher Symptom- und Nebenwirkungsbeurteilungen auftitriert. 90,8 % erreichten eine mittlere Enddosis von 1,0 mg/kg/Tag. Bei 81,2 % normalisierten sich die Werte auf mindestens einer Subskala. 15,0 % waren Nonresponder.37
Bei 148 Kindern derselben Kohorte, die nach drei Jahren nachuntersucht wurden, hing das Langzeitergebnis mit dem frühen Ansprechen zusammen, definiert als mindestens 20 % Symptomreduktion nach drei Wochen beziehungsweise mindestens 40 % nach zwölf Wochen.38Mittleres Alter bei der Nachuntersuchung 12,4 Jahre, 77 % Jungen. Der Symptomwert sank von 41,9 auf 27,5, der Beeinträchtigungswert von 41,6 auf 35,6. Die Vorhersage gilt nur für die Symptomatik, nicht für die Alltagsbeeinträchtigung. Dort erreichte weder Woche 3 noch Woche 12 die Signifikanzschwelle, bedeutsam war allein der Ausgangswert. Angaben zur Einnahmetreue und zur Behandlung nach Woche 12 fehlen.
2.2.1. Höhe der Startdosis
Bedeutung für Betroffene
Begonnen wird mit der kleinsten sinnvoll verfügbaren Dosis.
(Einschätzung ADxS): Das sind heute 2,5 mg unretardiertes Methylphenidat, 5 mg halbtagesretardiertes Methylphenidat oder 5 mg Lisdexamfetamin.
Erwarten Sie von der ersten, niedrigsten, Dosis bewusst noch keine Wirkung. Sie dient nur dazu, den Körper an den Wirkstoff zu gewöhnen und Nebenwirkungen zu vermeiden. Die vom Hersteller genannte Startdosis von 30 mg Lisdexamfetamin ist für viele Betroffene zu hoch.
Wichtig ist, dass Sie nach einem Start mit niedriger Dosis auch wirklich weiter erhöhen. Eine niedrige Startdosis nützt nur dann etwas, wenn sie konsequent bis zur ärztlich vorgegebenen Zieldosis gesteigert wird.
Grundsätzlich muss die passende Dosis für jeden Betroffenen individuell ermittelt werden.
2.2.1.1. Startdosis bei MPH
Bei Vorschulkindern von 3 bis 5,5 Jahren lag die mittlere optimale MPH-Tagesdosis bei 14,2 ± 8,1 mg, entsprechend 0,7 ± 0,4 mg/kg/Tag. 1,25 mg dreimal täglich wirkten noch nicht signifikant, 2,5 mg dreimal täglich bereits. Die Effektstärken (0,4 bis 0,8) fielen geringer aus als bei Schulkindern, die Nebenwirkungsrate höher. 11 % brachen wegen Nebenwirkungen ab. Je jünger das Kind, desto niedriger die Startdosis und desto engmaschiger die Kontrolle.39 In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit flexibler Titration erhielten Kinder von 4 bis unter 6 Jahren retardiertes Methylphenidat (Aptensio XR), beginnend mit 10 mg einmal täglich, mit wöchentlicher Anpassung bis höchstens 40 mg täglich. Die mittlere optimierte Dosis lag bei 27,5 mg. Bis auf einen Fall schwerer Schlaflosigkeit war das Nebenwirkungsprofil leicht bis mittelschwer.40
Daher sind Studien, die statistisch die “optimale” Dosis von Stimulanzien ermitteln, für die individuelle Behandlung nur bedingt hilfreich.
Im Allgemeinen werden Stimulanzien mit den niedrigsten verfügbaren Dosen eindosiert. Dies sind heute 2,5 mg unretardiertes MPH durch Teilung von höheren Tablettendosen, 5 mg bei MPH-Halbtages-Retard-Präparaten, 18 mg bei Concerta, 5 mg bei Adderall-XR-Kapseln etc.. In der Folge wird die Dosis in gleichen Schritten erhöht, bis der optimale Nutzen erreicht ist. Bei der Dosis mit der optimalen Symptomverbesserung berichten die meisten erwachsenen ADHS-Betroffenen nur wenige Nebenwirkungen außer einer leichten und vorübergehenden Appetitlosigkeit.(E 4)8
Die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (AACAP) empfahl 2002 als Startdosis bei MPH von 5 mg und bei Dextroamfetamin oder gemischten Amfetaminsalzen von 2,5 mg, jeweils unretardiert, bei 2 bis 3 Tagesdosen.(E 4)19
Die EMA empfiehlt einen Eindosierungsbeginn von MPH mit der niedrigstmöglichen Dosis.(E 4)13
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(E 4): niedrige Einstiegsdosis (2,5 mg unretardiertes MPH/Einzeldosis oder Äquivalent bei anderen Medikamenten) (E 4)41 (E 4)42 oder 5 mg halbtagesretardiertes MPH (E 4)43
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mindestens 5 Tage / Dosisstufe
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Aufdosierungsschritte max. 2,5 mg unret. MPH/Einzeldosis
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Auswirkung langsamer Eindosierung:
In Deutschland wurde 2004 eine Eindosierung mit 5 mg unretardiertem MPH für Schulkinder empfohlen. (E 4)44 Dies war zu jener Zeit die kleinste verfügbare MPH-Dosis. Erst zwei Jahre später erfolgte die erste Zulassung eines 5-mg-Halbtagesretard-Präparates (Medikinet retard 5 mg), das zwei nacheinander freigesetzten Dosen von 2,5 mg unretardiertem MPH entspricht.
(E 4): Das Äquivalent von 5 mg unretardiertem MPH bei Elvanse sind 10 mg. Bei einer Eindosierung in 2,5 mg-Schritten unretardiert oder 5 mg retardiert sind das entsprechende Äquivalent 5 mg Elvanse-Schritte.(E 4)45 (E 4)46 Eine weitere Umrechnungstabelle, insbesondere für amerikanische Präparate, findet sich bei Stutzman et al.(E 4)47
2.2.1.2. Startdosis bei Lisexamfetamin (LDX)
Die herstellerseitig genannte Startdosis für Lisdexamfetamin von 30 mg wurde nicht in Studien ermittelt. Der Hersteller hat keinerlei Studien mit niedrigeren Startdosen als 30 mg unternommen. Die Festsetzung der Startdosis von 30 mg entspricht daher allein zulassungsrechtlichen Erwägungen. Es liegen keinerlei pharmakologische Studien zugrunde.
(Erfahrung ADxS): Es gibt Berichte von Betroffenen über Eindosierungsnebenwirkungen auch bei niedrigen Startdosen von Lisdexamfetamin. Die Häufigkeit ist unbekannt, ebenso, ob diese nicht auch (oder gar: erst recht) bei einer Eindosierung mit höheren Startdosen aufgetreten wären.
Eindosierungsnebenwirkungen sind bei Stimulanzien grundsätzlich ungefährlicher als Überdosierungsfolgen und können sich durch kontrolliertes Aufdosieren bessern, weshalb wir gleichwohl eine geringere Initialdosis für sinnvoller halten.
Betroffene, die grundsätzlich robust gegenüber Medikamenten reagieren, könnten auch mit höheren Startdosen (wie z.B. den in der Fachinformation empfohlenen 30 mg Lisdexamfetamin bei Erwachsenen oder 10 mg Medikinet retard) zurechtkommen. Sie sollten jedoch in Betracht ziehen, dass auch 30 mg Elvanse bereits über der optimalen Zieldosis liegen können, und bei entsprechenden Anzeichen eine niedrigere Dosierung in Betracht ziehen.
In einer offenen herstellerfinanzierten 7-Wochen-Studie an n = 316 Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren begannen praktisch alle Teilnehmer mit 20 mg/Tag Lisdexamfetamin. Wer nicht ausreichend ansprach, wurde wöchentlich in 10-mg-Schritten bis maximal 70 mg/Tag erhöht. Unter den angebotenen Zieldosen (angeboten waren 20, 30, 40, 50, 60 und 70 mg LDX), waren optimal: (E 2b)48
| optimale Dosis | von n = 316 Kindern (6-12 Jahre) |
|---|---|
| 20 mg | 10,8% |
| 30 mg | 22,5% |
| 40 mg | 19,3% |
| 50 mg | 22,2% |
| 60 mg | 14,9% |
| 70 mg | 10,4% |
(Erfahrung ADxS): Bei der Medikamentenwirkungsdauerumfrage von ADxS (Stand 19.12.23) haben von 223 Elvanse-Nutzern 13 % eine optimale Dosis unterhalb von 30 mg angegeben und 11,7 % eine optimale Dosis von 20 mg oder weniger. 1,8 % gaben 10 mg oder weniger an. Die 11,7 % mit 20 mg oder weniger hatten ein Durchschnittsgewicht von 71 kg und ein Durchschnittsalter von 40 Jahren.
Betroffene, die eine bekannte erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten haben, sollten mit niedrigen Startdosen beginnen. Hier ist es allerdings wichtig, dass diesen bewusst ist, dass
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eine konstante und konsequente Aufdosierung alle 5 bis 7 Tage bis zur vom Arzt vorgegebenen Zieldosis zwingend notwendig ist, um den Nutzen von Stimulanzien beurteilen zu können (und ein vorheriges “aussteigen” oft weniger eine Medikamentenunverträglichkeit als vielmehr die Ungeduld des Betroffenen dokumentiert) und
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etwa doch auftretende Eindosierungsnebenwirkungen sich bei höheren Dosierungsstufen verringern können.
Bei besonders (medikamenten-)ängstlichen Betroffenen ist zu überlegen, ob ein Hineinspringen in die Zieldosis nicht zu bevorzugen ist, weil die bei jeder Erhöhung der Dosis neu auftretenden Sorgen um mögliche Nebenwirkungen das Risiko von Placebo-Nebenwirkungen erhöhen könnten.
Letztendlich ist es wie bei der Frage, ob man bei dem Weg durch einen Wald links oder rechtsherum um einen Baum geht. Beide Wege können ans Ziel führen, aber man sollte die Tücken des jeweiligen Weges kennen.
Eine Sammlung von Eindosierungsstandards für verschiedene amerikanische ADHS-Medikamente von Lurie A, Lurie RH, Children’s Hospital of Chicago (2024) findet sich bei Romba et al.(E 4)49
Wissenschaftlich: Dosisgrößen in Zulassungsstudien zu Lisdexamfetamin
Die Zulassungsstudien zu Lisdexamfetamin bei Erwachsenen begannen sämtlich bei 30 mg. In der vierwöchigen doppelblinden Zulassungsstudie mit erzwungener Titration (n = 420, 18 bis 55 Jahre) starteten alle Teilnehmer mit 30 mg/Tag. Die höheren Gruppen wurden in 20-mg-Schritten wöchentlich auf 50 beziehungsweise 70 mg gesteigert. Als gebessert oder deutlich gebessert galten 57 % (30 mg), 62 % (50 mg) und 61 % (70 mg) gegenüber 29 % unter Placebo, zwischen den drei Dosisstufen bestand also kaum ein Unterschied. Die meisten Nebenwirkungen traten in der ersten Behandlungswoche auf, also zu einem Zeitpunkt, an dem alle Teilnehmer der aktiven Gruppen einheitlich 30 mg erhielten, weil die Steigerung auf 50 beziehungsweise 70 mg erst danach erfolgte. Anschliessend nahm die Häufigkeit der Nebenwirkungen ab. Die Nebenwirkungen der ersten Woche gehen demnach auf den Behandlungsbeginn zurück und nicht auf die Dosishöhe. Das stützt die Empfehlung, in den ersten Wochen abzuwarten statt die Dosis sofort zu senken oder abzubrechen. Die Abbruchrate stieg nicht mit der Dosis an. Von 420 Teilnehmern brachen 71 (17 %) vorzeitig ab. Die Abbruchraten lagen in den LDX-Gruppen bei 13 bis 20 % und damit im Bereich der Placebogruppe (16 %). Wegen Nebenwirkungen brachen 21 von 358 mit LDX-Behandelten ab (6 %) gegenüber 1 von 62 unter Placebo (2 %). Als Abbruchgründe wurden mehrfach genannt: Schlaflosigkeit (8), Blutdruckanstieg oder Bluthochdruck (4), Tachykardie (3), Atemnot (3) sowie je zweimal Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Angst. Die Wirkstärke stieg über die Dosisstufen an (Effektstärken 0,73 bei 30 mg, 0,89 bei 50 mg und 0,99 bei 70 mg), während der Anteil der Gebesserten nahezu gleich blieb. Die höhere Dosis wirkt also stärker bei denen, die ansprechen, verschafft aber kaum zusätzlichen Personen ein Ansprechen (Tabelle 1 und Abbildungen 4 und 5).
(Einschätzung ADxS): Zulassungsstudien messen die Wirkung am Endpunkt, nicht die Verträglichkeit bei der Eindosierung. Die Tatsache, dass (die sehr teuren) Zulassungsstudien grundsätzlich keine Dosistitrierung vornehmen, erlaubt nicht den Umkehrschluss, dass die Startdosis gleich der Zieldosis sein sollte. Dass die meisten Nebenwirkungen in der ersten Woche auftreten, deckt sich mit unserer Erfahrung.
Von 327 Erwachsenen, die aus der Zulassungsstudie in die einjährige offene Fortsetzung übergingen, wurden 44 auf 30 mg/Tag, 112 auf 50 mg/Tag und 171 auf 70 mg/Tag titriert.Nur ein Achtel kam also mit der Startdosis aus, während mehr als die Hälfte die Höchstdosis benötigte. 191 (54,7 %) schlossen die zwölf Monate ab. Dosen unterhalb von 30 mg wurden dabei nicht angeboten.50Die Symptomwerte besserten sich bereits in Woche 1 bedeutsam und blieben über die gesamte Studiendauer gebessert. Die mittlere Verbesserung betrug am Ende 24,8 Punkte.Die hier verwendete flexible Dosierung, die dem Vorgehen im Versorgungsalltag entspricht, habe vermutlich zur Erreichung der bestmöglichen Dosis beigetragen und könne die verhältnismässig niedrigen Raten an Nebenwirkungen und Abbrüchen mit erklären. Dieselben Wirkstoffmengen wurden besser vertragen, wenn sich der Weg dorthin nach Wirkung und Verträglichkeit richtete, anstatt nach einem festen Schema. Alle Teilnehmer hatten zuvor an der vierwöchigen Zulassungsstudie teilgenommen und wiesen zu deren Beginn eine mittelschwere bis schwere Symptomatik auf.
2.2.2. Eindosierungsstufen: Kleine Stufen besser als große Stufen
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Wir empfehlen Erhöhungsschritte von 2,5 mg unretardiertem oder 5 mg retardiertem Methylphenidat (was 2 x 2,5 unretardiertem MPH entspricht). Das ist halb so viel, wie meist üblich ist.
Bei einem Teil der Betroffenen ist der Bereich, in dem das Medikament optimal wirkt, sehr schmal. Bei großen Schritten wird dieser Bereich übersprungen, ohne dass es jemand bemerkt. Kleine Schritte schaden niemandem, verringern Nebenwirkungen und erhöhen die Chance, die wirklich passende Dosis zu finden.
Die Behandlung von ADHS bei Kindern beginnt ausgehend von einer niedrigen Dosis unter langsamer Dosissteigerung
(Einschätzung ADxS): Unserer Ansicht nach ist eine kleinschrittigere Aufdosierung gegenüber der derzeit üblichen Aufdosierung im 10 mg/Halbtagesretard-MPH-Dosis-Schritten deutlich im Vorteil, woraus sich die nachfolgenden Eindosierungsempfehlungen ableiten. Die üblicherweise empfohlene Stufenlänge von 7 Tagen kann damit auf 4 bis 5 Tage verkürzt werden, sodass sich die Gesamtgeschwindigkeit der Aufdosierung nur wenig ändert.
Als Titrationsschritte für Retardpräparate wurden genannt: (E 4)36
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Concerta: Start 18 mg, wöchentliche 18 mg-Steigerung
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Medikinet retard: Start 10 mg, wöchentliche 10-mg-Steigerung
Für den Beginn mit einer niedrigen Dosis unter niedriger Dosissteigerung auch Mutschler.(E 4)51
“Unerwünschte Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn der Behandlung zu erwarten, weswegen die Dosierung schrittweise erhöht werden sollte.” (E 4)52
Im italienischen ADHS-Register berichteten rund drei Viertel der mit MPH behandelten Kinder und Jugendlichen keine Nebenwirkungen: 25,9 % erlebten mindestens eine leichte und 4,5 % mindestens eine schwere Nebenwirkung.(E 2b)53 Auch im Interesse des verbleibenden Viertels sollten Nebenwirkungen durch langsame Titration verringert werden.
Die Häufigkeitsangabe hängt stark von der Erhebungsmethode ab. In der Cochrane-Übersicht zu retardiertem Methylphenidat bei Erwachsenen (k = 14 Studien, N = 4.214 Teilnehmer) war das Risiko, überhaupt eine Nebenwirkung zu erleben, gegenüber Placebo um 27 % erhöht (RR 1,27; 95%-KI 1,19 bis 1,37). Auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse hatte Methylphenidat keinen Einfluss. Die Autoren stufen die Vertrauenswürdigkeit sämtlicher Ergebnisse als sehr niedrig ein.54
Wissenschaftlich: Nebenwirkungsraten im italienischen ADHS-Register im Einzelnen
Von n = 1.350 mit MPH behandelten Kindern und Jugendlichen (6 bis 18 Jahre) erlebten 369 (25,9 %) mindestens eine leichte und 64 (4,5 %) mindestens eine schwere Nebenwirkung. Die Rate schwerer Nebenwirkungen unter MPH war höher als unter Atomoxetin (4,5 % gegenüber 3,1 %), während MPH bei den leichten Nebenwirkungen besser abschnitt. MPH hatte insgesamt das günstigere Sicherheitsprofil nach Inzidenzraten je 100 Personenjahre. Da es sich um ein Spontanmeldesystem handelt, ist von einer Untererfassung auszugehen.(E 2b)53
Eine langsame Titration der ADHS-Medikamente in kleinen Dosisstufen hat verschiedene Zwecke.
2.2.2.1. Niedrige Dosen wirken anderes und in anderen Gehirnregionen
Niedrige Dosen von Stimulanzien wirken anders und in anderen Gehirnregionen als höhere Dosen.(E 4)55
MPH erhöhte in Tierstudien in kognitionsverbessernden niedrigen Dosen die Katecholaminfreisetzung bevorzugt im präfrontalen Kortex (PFC). Außerhalb des PFC fielen die Effekte deutlich geringer aus, etwa in Bezug auf Dopamin im Nucleus accumbens (motorische Aktivierung) oder auf Noradrenalin im Septum (Arousal). Erst höhere Dosen erhöhten Noradrenalin und Dopamin im gesamten Gehirn. Eine Erhöhung über den wirksamen Bereich hinaus bewirkte keine bessere kognitive Wirkung, sondern nur erhöhte subkortikalen Nebenwirkungen. Diese primäre Wirkung auf den PFC war unabhängig vom Einnahmeweg, solange die Dosis auf vergleichbare Plasmaspiegel eingestellt wird.56
Die umgekehrt U-förmige Dosis-Wirkungs-Kurve wurde auch auf Ebene einzelner Nervenzellen nachgewiesen: Niedrig dosiertes MPH steigerte die erregbare Antwort präfrontaler Neurone in umgekehrt U-förmiger Weise, im somatosensorischen Kortex dagegen nicht. Im Verhaltenstest verbesserte 0,5 mg/kg das räumliche Arbeitsgedächtnis signifikant, während 2,0 mg/kg es signifikant verschlechterte.57
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Niedrig dosiertes MPH
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(ca. 0,75–3,0 mg/kg oral bei Ratten) erhöhte extrazelluläres Noradrenalin im Hippocampus, nicht aber Dopamin im Nucleus accumbens . Erst höher dosiertes MPH (5,0 mg/kg oral) wirkte auch dopaminerg im Nucleus accumbens.(E 2b)58
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(0,25 mg i.P. / kg) aktivieren selektiv die Noradrenalin- und Dopamin-Neurotransmission im PFC (Arbeitsgedächtnis, Exekutivfunktionen, Inhibition, Emotionsregulation), kaum aber in anderen Gehirnbereichen (E 2b)59
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Mehr hierzu unter Wirkungsweise von Methylphenidat im Beitrag MPH Teil 1: Wirkstoffe, Wirkung, Responding.
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Höhere Dosen erhöhen den Efflux von Dopamin und Noradrenalin im gesamten Gehirn und adressieren damit auch das Striatum (Antrieb, Motivation). Aufmerksamkeitsprobleme entstehen bei ADHS maßgeblich durch einen Mangel an Selbstmotivierbarkeit (weshalb Aufmerksamkeit für intrinsisch interessante Dinge funktioniert, für intrinsisch uninteressante Dinge dagegen nicht). Da Stimulanzien in höheren Dosen auch im Striatum Dopamin und Noradrenalin erhöhen, erhöhen sie dann auch Antrieb und Aufmerksamkeit. Atomoxetin, das Dopamin lediglich im PFC erhöht, hat diese Wirkung nicht oder kaum.
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Niedrig dosiertes D-Amphetamin (von 0,5 bis 1 mg/kg bei Ratten, was ca. 0,08 bis 0,16 mg/kg bei Menschen entspricht, bei 70 kg mithin 5,7 bis 11,4 mg) verringert die (Hyper-)aktivität, während höhere Dosen den Antrieb erhöhen (E 4)60 Niedrige Dosen erhöhten den Dopamin-Ruhespiegel und verkleinerten dadurch den impulsbezogenen Dopamin-Anstieg. Die Signalspitzen wurden dadurch flacher, ohne dass die Dopaminmenge bei reizbezogenen Ausschüttungen verringert wurde.
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Noradrenalin und Dopamin haben sehr eng verwandte Rollen bei der Verbesserung von ADHS-Symptomen. Was bei einem Betroffenen besser wirkt, muss individuell ausgetestet werden
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(E 1b): Auch bei starker Symptomatik kann individuell eine sehr geringe Dosis passend sein.(E 4)61 Huberman berichtet einen Einzelfall einer optimalen Tagesdosis von 2,5 mg Adderall (Frau mit 150 kg).(E 4)62 In einer klassischen Studie an 20 hyperkinetischen Kindern, die nacheinander Placebo, 0,3 mg/kg und 1,0 mg/kg MPH erhielten, lag das Optimum je nach Zielsymptom bei einer anderen Dosis: Die Lernleistung war bei 0,3 mg/kg am besten und fiel bei 1,0 mg/kg sogar leicht unter das Placeboniveau, während die Lehrerbeurteilung des Sozialverhaltens bei 1,0 mg/kg am besten war und die Sitzunruhe mit steigender Dosis kontinuierlich abnahm. Ihr persönliches Optimum erreichten bei der Lernaufgabe 10 % der Kinder unter Placebo, 65 % bei 0,3 mg/kg und 25 % bei 1,0 mg/kg - bei der Lehrerbeurteilung dagegen 0 %, 28 % und 72 %.(E 1b)63 Wir kennen mehrere Betroffene, für die eine Einzeldosis von 1,25 mg unretardiertem MPH optimal ist.
2.2.2.2. Nebenwirkungsvermeidung durch vorsichtiges EIndosieren
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(E 4): das vorsichtige Gewöhnen des Körpers an den Wirkstoff zur Vermeidung von Nebenwirkungen, die zu einem vermeidbaren Absetzen der ADHS-Medikamente führen könnten.(E 4)64 (E 4)65
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Vorhersehbare Nebenwirkungen wie Appetitminderung und Schlaflosigkeit lassen sich durch niedrigen Beginn und schrittweise Steigerung gering halten66
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Eine zu hohe Dosierung führt zu einem Wiederauftreten der bei der passenden Dosierung vermiedenen ADHS-Symptome (Inverted-U).(E 2b)67
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Unerwünschte Nebenwirkungen steigen jenseits der optimalen Dosis deutlich an.(E 4)68
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In einer Dosis-Wirkungs-Netzwerkmetaanalyse stieg bei MPH bei Erwachsenen das Abbruchrisiko wegen Nebenwirkungen bei der zugelassenen Höchstdosis von 60 mg/Tag auf 7,3 % und bei 90 mg/Tag auf 10 %, während die Wirksamkeit in diesem Bereich nur noch geringfügig zunahm.69
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Bei Kindern stieg das Abbruchrisiko unter Amfetaminen ab dem Wirksamkeitsplateau von 25 mg/Tag.69
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Weder bei MPH noch bei Amfetaminmedikamenten verbesserte bei Kindern oder Erwachsenen das ein Überschreiten der zugelassenen Höchstdosis die mittlere Wirksamkeit. Dabei handelt es sich um Werte auf Bevölkerungsebene, nicht um Schwellen für den Einzelfall.69
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In einer Netzwerkmetaanalyse aus k = 48 Studien mit N = 4.964 Kindern und Jugendlichen zeigte die Wirksamkeit eine umgekehrt U-förmige Kurve mit Gipfel bei etwa 45 mg MPH beziehungsweise 25 mg Amfetaminmedikamente, während die Abbruchwahrscheinlichkeit wegen Nebenwirkungen mit der Dosis stetig anstieg. Oberhalb des Plateaus stiegen nur noch die Nebenwirkungen an.70Studien mit gewichtsbezogener Dosierung erzielten dabei signifikant grössere Effektstärken als solche mit festen Dosisstufen (Koeffizient 0,24; 95%-Kredibilitätsintervall 0,06 bis 0,41). Lehrerbeurteilungen ergaben grössere Behandlungseffekte als Beurteilungen durch Behandelnde (Koeffizient 0,26), und mit jeder zusätzlichen Woche Studiendauer sank die SMD um 0,05. Kurze Studien überschätzen die Wirkung also systematisch.
(Erfahrung ADxS): Diese Berichte beziehen sich auf Gruppenwerte. Uns liegen auch einzelne Berichte Betroffener vor, bei denen niedrige Dosisstufen starke Nebenwirkungen verursachten, die bei höheren Dosen verschwanden. Wir wissen allerdings nicht, ob die Nebenwirkungen von der niedrigen Dosis oder aus der Erstdosierung an sich resultierten.
2.2.2.3. Besonders feinstufige Eindosierung durch Suspenisonen
Für Dyanavel XR ist die Eindosierung feiner abgestuft als bei den meisten Amfetaminpräparaten. Begonnen wird mit 2,5 oder 5 mg einmal morgens. Gesteigert wird um 2,5 bis 10 mg alle 4 bis 7 Tage bis höchstens 20 mg/Tag. Möglich ist das durch die Darreichung als Suspension mit 2,5 mg Amfetamin-Base je Milliliter, die per Dosierspritze abgemessen wird, eine Feindosierung in 2,5-mg-Schritten ohne Kapselteilung. In der Zulassungsstudie an 108 Kindern von 6 bis 12 Jahren lag die mittlere optimierte Dosis bei 15,4 mg beziehungsweise 0,47 mg/kg, die individuellen Optimaldosen streuten von 10 bis 20 mg/Tag. Kein Kind brach wegen Nebenwirkungen ab. Für Kinder unter 6 Jahren wird das Präparat nicht empfohlen, weil dort bei gleicher Dosis höhere Plasmaspiegel und mehr Nebenwirkungen auftraten.71
2.2.2.4. Sonderfall: Titration von Abends eingenommenem, verzögert freisetzendem MPH (DR/ER-MPH, Jornay PM)
Beim abends eingenommenem, verzögert freisetzendem MPH (DR/ER-MPH, Jornay PM) wird nicht nur die Dosis, sondern auch der Einnahmezeitpunkt titriert. In einer Phase-3-Studie erfolgte über sechs Wochen eine offene Optimierung von Dosis (20, 40, 60, 80 oder 100 mg/Tag) und Einnahmezeit (20:00 Uhr ± 1,5 Stunden). Die mittlere optimierte Dosis lag bei 66,2 mg, die häufigste Einnahmezeit bei 20:00 Uhr. Gegenüber Placebo besserte sich die Funktionsfähigkeit am frühen Morgen, über den Schultag und am späten Nachmittag bzw. Abend.72
Bei einem Wechsel auf DR/ER-MPH ist eine Umrechnung nach Milligramm nicht möglich, da der Wirkstoff überwiegend im Dickdarm aufgenommen wird. Die Dosis muss daher neu titriert werden. 72Nach sechswöchiger offener Dosisoptimierung bei Kindern von 6 bis 12 Jahren lag die benötigte Dosis beim 1,8- bis 4,3-Fachen eines retardierten und beim 4,7- bis 6,0-Fachen eines unretardierten Vorpräparats, für D-Enantiomer-Zubereitungen jeweils am oberen Rand. Die mittlere optimierte Dosis betrug 68,6 mg täglich. Diese Verhältnisse liegen weit über dem, was die Bioverfügbarkeit von 73,9 % erwarten liesse (etwa 1,3 razemisch, 2,7 für D-Enantiomer). Ursache ist eine dosisabhängige Wirkdauer. Mit steigender Dosis verlängert sich die Aufnahme im Dickdarm, während die Spitzenkonzentration weniger stark ansteigt. Die höhere Dosis kauft mehr Wirkdauer, nicht mehr Wirkstärke. Die Verhältnisse schätzen die zu erwartende Enddosis, nicht Startdosis oder Titrationsablauf. Eingeschlossen waren nur Kinder von 6 bis 12 Jahren ohne bedeutsame Begleiterkrankungen und mit mindestens teilweisem Ansprechen auf Methylphenidat, eine Übertragung auf andere Gruppen ist nicht gesichert. Waren die Teilnehmer unter der Vormedikation unterdosiert, sind die Verhältnisse überschätzt. Drei der fünf Autoren arbeiten bei Highland Therapeutics und Ironshore.
Eine Untersuchung zum Aufnahmeort veränderte dieselbe Formulierung so, dass der Wirkstoffim Dünndarm, im proximalen oder im distalen Dickdarm freigesetzt wurden und verglich die Ergebnisse von 18 gesunden Erwachsenen im Crossover-Verfahren. Der Konzentrationsverlauf der Dickdarmfassung zeigt eine Verzögerung von 8 bis 10 Stunden bis zum Aufnahmebeginn, dann allmählichen Anstieg und langsamen Abfall. Die Verläufe der Dünndarmfassung und eines morgens eingenommenen Retardpräparats, die beide im oberen Verdauungstrakt freigesetzt werden, glichen einander. Je weiter distal die Freisetzung erfolgte, desto länger war die Verzögerung bis zur ersten Aufnahme, desto niedriger und später war die Spitzenkonzentration erreicht und desto geringer war die Bioverfügbarkeit. Die verzögert freisetzende Schicht war in allen drei Formulierungen identisch zusammengesetzt. Das Erreichen eines bestimmten pH-Werts war demnach nicht der Auslöser der Freisetzung. Die zeitlichen Unterschiede ergeben sich vielmehr aus dem Zusammenspiel von verzögernder und retardierender Schicht.73
Das abends einzunehmende, verzögert und verlängert freisetzende Methylphenidat wird voraussichtlich im aufsteigenden Dickdarm aufgenommen. Sein Konzentrationsverlauf ist gekennzeichnet durch eine Verzögerung von 8 bis 10 Stunden bis zum Beginn der Aufnahme, einen anschliessend allmählichen Anstieg und einen langsamen Abfall. Verglichen wurden drei Fassungen derselben Zubereitung, die den Wirkstoff im Dünndarm, im aufsteigenden oder im absteigenden Dickdarm freisetzen, im offenen Crossover-Verfahren an 18 gesunden Erwachsenen. Gegenüber der Dünndarmfassung zeigte die Fassung für den aufsteigenden Dickdarm eine längere Verzögerung, eine niedrigere Spitzenkonzentration, einen späteren Zeitpunkt der Spitzenkonzentration und eine geringere Bioverfügbarkeit. Bei der Fassung für den absteigenden Dickdarm waren diese Merkmale noch ausgeprägter.73
Damit bestimmt die Darmpassage mit, wann und wie stark der Wirkstoff ankommt. Die Untersuchung stammt vom Hersteller Ironshore Pharmaceuticals.
2.2.2.5. Langsames Aufdosieren bei anderen Medikamentenklassen
Wissenschaftlich: Langsames Aufdosieren bei anderen Medikamentenklassen und die Studienlage bei ADHS
(E 1b): Langsames Aufdosieren ist bei vielen (anderen) Medikamentenklassen hilfreich, (E 4)74 (E 2b)75 (E 4)76 (E 4)77 (E 2b)78 (E 2b)79 (E 2a)80 (E 4)81 (E 1b)82 (E 4)83 (E 4)84 (E 2b)85 (E 2b)86 (E 4)87 (E 4)88 (E 4)89 (E 4)90 (E 4)91 (E 4)92 (E 1b)93 (E 2b)94 (E 1b)95 (E 1b)96 während eine Gleichwertigkeit von schneller zu langsamer Aufdosierung (E 2b)97 (E 2b)98 (E 2b)99 oder Nachteile einer langsameren Aufdosierung (E 1b)100 über das spätere Einsetzen der vollen Wirkung hinaus in Studien sehr viel seltener berichtet werden.
(Einschätzung ADxS): Auffällig ist, dass eine langsame Eindosierung bei geriatrischer Medikation einen besonderen Stellenwert zu haben scheint. Möglicherweise ist die Erfahrung der klinischen Praxis zu Stimulanzien noch aus der Zeit geprägt, als vorwiegend Kinder behandelt wurden. Unsere überwiegend von erwachsenen Betroffenen geprägten Erfahrungen mit Erwachsenen zeigen jedenfalls, dass auch bei diesen eine langsame Aufdosierung von Stimulanzien vorteilhaft ist.
(E 4): Erstaunlicherweise konnten wir zu Stimulanzien bei ADHS keinerlei Studien zur Auswirkung einer kleinstufigeren Eindosierung von Stimulanzien auf Nebenwirkungen oder die Bestimmung der optimalen Dosis finden, obwohl unsere Erfahrungen ebenso wie die anderer (E 4)64 (E 4)65 (E 4)61 hierzu recht deutlich sind.
Eine Studie zur Nutzung von MPH bei Altersdepression berichtet von Vorteilen einer langsamen Aufdosierung.(E 1a)101
(E 1a): Zwar existieren Studien zu ADHS, bei denen MPH titriert wurde.(E 1a)102 Diese scheinen jedoch eher auf die maximale Wirksamkeit als auf eine Vermeidung von Nebenwirkungen abgestellt zu haben. Zudem berichten nicht alle Studien über die Dosierungsschritte.(E 1a)103
Studien zur langsamen oder schnellen Aufdosierung von ADHS-Medikamenten betrafen lediglich Atomoxetin, wobei eine langsamere Titration Nebenwirkungen reduzierte.(E 4)104
(Einschätzung ADxS): Möglicherweise wird die ADHS-typische Ungeduld der Betroffenen als Hindernis für eine langsame Eindosierung wahrgenommen.
Da keine Nachteile einer langsamen Aufdosierung von ADHS-Medikamenten berichtet werden, sollte unserer Ansicht nach vor allem das Risiko vermieden werden, dass ein ADHS-Medikament zu Unrecht aufgrund einer vermeintlichen Unverträglichkeit abgesetzt wird, weil dies das Leben eines Betroffenen massiv beeinträchtigen würde.
2.2.3. Geschwindigkeit der Eindosierungsstufen: 5 bis 7 Tage / Stufe
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Jede Dosisstufe sollte 5 bis 7 Tage getestet werden, bei Methylphenidat mindestens 4 Tage. Kürzer ist nicht sinnvoll, weil man sonst gar nicht beurteilen kann, was die neue Dosis bewirkt. Einzelne Tage schwanken zu stark, deshalb gilt: täglich beobachten, aber immer den Durchschnitt von drei Tagen beurteilen.
Deutlich längere Stufen von mehreren Wochen bringen keinen Vorteil und verlängern nur die Zeit, in der man noch nicht gut eingestellt sind. Bei lang wirksamen Medikamenten wie Lisdexamfetamin sollten die Stufen eher am oberen Ende liegen, weil der Wirkstoff einige Tage braucht, bis sich ein stabiler Spiegel einstellt.
Rein wirktechnisch betrachtet könnte das Auftitrieren schnell erfolgen, da Stimulanzien sofort wirksam sind, sobald sie das Gehirn erreichen. Klinisch gesehen könnte die Dosis täglich erhöht werden, da alle Wirkungen und Nebenwirkungen einer unretardierten Dosis 1 Stunde nach der Einnahme sichtbar werden. Lässt die Dosis nach, gibt es keinen weiteren oder akkumulierten Nutzen.(E 4)8
(Einschätzung ADxS): Etliche Argumente sprechen unserer Ansicht nach jedoch deutlich gegen eine tägliche Aufdosierung:
-
Es geht nicht nur um die (erwünschte) Wirkung, sondern auch um die Anpassung des Körpers an die neue Station (Vermeidung von Nebenwirkungen)
-
Die Wirkung retardierter Medikamente muss über den Tagesverlauf beobachtet werden
-
Die Wahrnehmung der Wirkung erfolgt nicht durch den Arzt, sondern durch die Betroffenen selbst
-
Betroffene haben keine Erfahrung und wissen daher nicht, worauf sie achten müssen
-
Betroffene können Placeboeffekte erleiden, die stark von der subjektiven Einstellung zum Medikament abhängen, und die erst nach etlichen Tagen von der tatsächlichen Wirkung unterschieden werden können
-
Individuelle Tageseinflüsse können die Ergebnisse verfälschen
- Faustregel daher: täglich beobachten, aber nur den 3-Tages-Durchschnitt beurteilen
-
Bei Frauen ist der aktuelle Zyklusstand zu berücksichtigen
-
Je länger ein Medikament wirkt (Retardierung, Prodrug), desto länger sollten die Stufen sein. Aufgrund der langen Halbwertszeit unterliegt Dextroamfetamin einer Steady-State-Bildung. In einer Mehrfachdosisstudie an gesunden Erwachsenen war der Steady State etwa am fünften Tag erreicht.(E 2b)105 Bei Langsamverstoffwechslern verlängert sich das nochmals deutlich. Daraus folgt, dass bei der Eindosierung von Lisdexamfetamin Dosistitrationen nicht unterhalb eines Wochenrhythmus erfolgen sollten.
-
Dosisschritte von mehreren Wochen verbessern die Eindosierung jedoch nicht (erst recht nicht bei Methylphenidat) und verlängern lediglich die Dauer bis zur passenden Dosierung. Sie überfordern meist lediglich unnötig die bei ADHS-Betroffenen ohnehin eingeschränkte Geduld.
Daher sind 1-Tages-Dosisschritte auch bei MPH nicht zu empfehlen.
Dies gilt selbst bei stationärer Eindosierung, wenn auch die Dauer der Stufen dort reduziert werden kann.
Bei MPH sollten 4 Tage nicht unterschritten, aber auch nicht unnötig überdehnt werden.
Wir empfehlen Betroffenen, tägliche Aufzeichnungen über die Einnahme, die Symptome und die Nebenwirkungen zu führen (z.B. Mittels der Eindosierungshilfetabelle aus dem ADHS-Forum von AdxS.org), diese jedoch nie tagesweise zu bewerten, sondern stets einen 3-Tages-Schnitt zu bilden. Daraus folgt, dass eine Stufe 3 bis 4 (E 4)44 (wir meinen: eher 5 bis 7) Tage benötigt, um eine Bewertung zuzulassen.
(Einschätzung ADxS): Die von manchen Ärzten praktizierte Stufendauer von 1 Monat halten wir für wenig sinnvoll. Sie bringt keinerlei Vorteil und ist möglicherweise nur erforderlich, um zu großschrittige Eindosierungsstufen auszugleichen.
Ein deutsches Eindosierungsschema für Schulkinder mittels unretardiertem MPH sah vor: (E 4)44 Diese Empfehlung stammt jedoch aus 2004, als 5 mg unretardiertes MPH die kleinste verfügbare MPH-Dosis darstellte und es die heutigen erprobten Retardpräparate noch nicht gab. Erst zwei Jahre später erfolgte die erste Zulassung eines 5-mg-Halbtagesretard-Präparates (Medikinet retard 5 mg, 2006).)
| Dauer | Morgens | Mittags |
|---|---|---|
| 3 Tage | 5 mg | - |
| 4 Tage | 10 mg | - |
| Arztgespräch zur Beurteilung | ||
| 5 - 8 Tage | 10 mg | 5 mg |
| weitere individuelle Dosistitration in 5 - 8 Tage-Schritten |
(Kein Beleg): Die meisten Kinder benötigen 10 - 20 mg vormittags und 5 bis 10 mg am frühen Nachmittag.
Bei Bedarf auch 3 Dosen Morgens / Spätvormittags / Nachmittags.
2.2.4. Zieldosis
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Zwei Dinge müssen getrennt eingestellt werden: wie hoch die einzelne Dosis ist und wie viele Dosen über den Tag benötigt werden. Eine zu kurze Wirkung lässt sich nicht durch eine höhere Dosis beheben, sondern nur durch eine zusätzliche Dosis.
Die für einen Betroffenen optimale Dosierung eines an sich passenden Wirkstoffes und Präparates muss in zwei Dimensionen individuell ermittelt werden: (E 4)106
-
Einzeldosishöhe
-
Tagesdosenanzahl
(Einschätzung ADxS): In Anbetracht der unzureichenden Flexibilität der deutschen Zulassungskriterien führt dies dazu, dass häufig eine Off-Label-Anwendung erforderlich ist.
Dies ist für Betroffene wie für Ärzte unbefriedigend und in Anbetracht der weltweit eindeutigen Erfahrungen von ADHS-Experten und der Studienlage eine nur schwer erträgliche Beeinträchtigung der optimalen Versorgung der Betroffenen.
2.2.4.1. Zielfaktor 1: Höhe der Einzeldosis
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Die richtige Dosis ist die niedrigste, mit der eine wirklich gute Wirkung erreicht wird, nicht die höchste, die noch vertragen wird.
Die erste spürbare Verbesserung ist noch nicht das Ziel. Wer hier aufhört, verschenkt einen großen Teil des möglichen Nutzens. Es sollte in Absprache mit dem Arzt weiter gesteigert werden, bis eine deutliche Besserung erreicht ist und eine weitere Erhöhung nichts mehr bringt oder Nebenwirkungen auftreten.
(E 2b): Die “optimale Dosis” sollte unserer Auffassung nach die niedrigste Dosis sein, die eine optimale therapeutische Wirkung verursacht. Manche Leitlinien empfehlen stattdessen die Dosierung, ab der sich keine weitere Verbesserung ergibt.(E 4)68 Letzteres übersieht unseres Erachtens, dass zwei Dosen eine gleich gute Wirkung haben können. Vor dem Hintergrund, dass die Behandlungstreue bei ADHS insgesamt schlecht ist - in einer Metastudie betrug die durchschnittliche Behandlungsdauer innerhalb eines Beobachtungsjahres nur 136 Tage bei Kindern und Jugendlichen und 230 Tage bei Erwachsenen, wobei nur zu 70 % der Zeit Medikamente vorgehalten waren, (Metastudie, k = 127) (E 2b)107, mit ähnlich hohen Abbruchraten in weiteren Untersuchungen (E 2b)108 (E 2b)109 -, sollte auf möglichst niedrige Nebenwirkungen Wert gelegt werden. Nebenwirkungen waren in dieser Übersicht der am häufigsten genannte Abbruchgrund.(E 2b)107
Da sich ausgeprägte individuelle Unterschiede in Bezug auf das Dosis-Wirkungs-Muster finden, muss die optimale Dosis individuell ermittelt werden. Dabei geht die Kunst der Behandlung mit MPH (und Stimulanzien insgesamt) deutlich über eine bloße “Feinabstimmung der Dosierung” hinaus.(E 4)68
2.2.4.1.1. Dosierung nicht pauschal oder nach Körpergewicht
Die optimale Zieldosis ist bei ADHS sehr individuell und nicht pauschal ermittelbar.
Die Fehlannahme, Stimulanzien seien im Verhältnis zum Körpergewicht zu dosieren, wird erfreulicherweise inzwischen seltener verbreitet.
(E 4): Wie viel von eingenommenem Methylphenidat resorbiert wird (tatsächlich im Blut ankommt), schwankt individuell erheblich.
- Die Bioverfügbarkeit von Methylphenidat liegt bei Kindern zwischen 11 % und 53 %, im Mittel bei etwa 30 %. Ursache ist der ausgeprägte First-Pass-Metabolismus durch die Carboxylesterase 1. Trotz der niedrigen und stark schwankenden Bioverfügbarkeit lassen sich therapeutische Spiegel durch Titration erreichen, die Aufdosierung gleicht also aus, was sich vorab nicht berechnen lässt.110
- Eine ältere Studie berichtete für das allein wirksame rechtsdrehende MPH-Isomer Werte zwischen 11 % und 43 % .(E 4)8
- Berichtet werden bis zu 30-fache Unterschiede der Plasmakonzentration eine Stunde nach der Einnahme und bis zu 7-fache Unterschiede der Spitzenkonzentration, bei gleicher Dosis. In einer eigenen Messung an 28 Erwachsenen mit ADHS und einer Substanzgebrauchsstörung unter Tagesdosen zwischen 30 und 600 mg (Median 160 mg) schwankte das Verhältnis von d-MPH-Plasmakonzentration zu Dosis um das 25-Fache zwischen den Personen. Eine Dosisbemessung nach Körpergewicht war unpassend, eine durch individuelle Titration einmal gefundene Dosis blieb weitgehend stabil.111
- Der Resorbtionsanteil blieb für dieselbe Person über die Zeit weitgehend konstant, unterschied sich aber stark zwischen Personen. Schon deshalb ist eine Pauschalierung nach Körpergewicht nicht sinnvoll.(E 4)2111
Es mag ein statistisches Mittel geben, welche Dosierung bei welchem Körpergewicht häufiger passend sein könnte. Da die individuellen Schwankungen jedoch so groß sind, ist jede Eindosierung eine individuelle Angelegenheit. Ein pauschales Abstellen auf einen statistischen Mittelwert wäre ein Behandlungsfehler.
Es wird gleichwohl berichtet, dass bei Adipositas häufiger die Maximaldosis von 1 mg/kg benötigt werde.(E 4)112
Auch bei Intelligenzminderung ist eine individuelle Eindosierung sinnvoll (RCT an 122 medikamentennaiven Kindern von 7 bis 15 Jahren mit hyperkinetischer Störung und einem IQ zwischen 30 und 69).11324 von 60 erreichten unter MPH eine Besserung oder deutliche Besserung.
Es ist nachdrücklich davor zu warnen, das erste Eintreten einer Verbesserung bereits als Marke für eine passende Dosishöhe oder willkürliche Dosen als Zieldosen misszuverstehen.
Die Reaktion auf die allererste Dosis ist gleichwohl nicht bedeutungslos. Bei Erwachsenen mit ADHS sagte die klinische Reaktion auf eine einzelne MPH-Testdosis das Ansprechen nach zwei Monaten voraus. Das betrifft die Frage, ob der Wirkstoff grundsätzlich passt, nicht die Frage, welche Dosis die richtige ist. Ein spürbarer Effekt der Startdosis ist ein günstiges Zeichen für den Wirkstoff, aber kein Hinweis darauf, dass die Zieldosis bereits erreicht wäre.114
Versuche, das Ansprechen aus Vorabdaten zu berechnen, sind bislang nicht praxistauglich. In einer Untersuchung an 83 jungen Betroffenen wurden vor Behandlungsbeginn Elternfragebögen, Daueraufmerksamkeits- und Stroop-Test, funktionelle Kernspinuntersuchung, vier Genvarianten sowie Blei im Blut und Cotinin im Harn erhoben und anschliessend das Ansprechen auf eine achtwöchige Methylphenidatbehandlung berechnet. Die Trefferquote stieg von 64,1 % bei blossen demografischen Angaben auf 84,6 %, wenn Gen-, Umwelt- und Bildgebungsdaten hinzukamen. Am stärksten unterschieden Alter, Gewicht, zwei Varianten des Alpha-2A-Adrenozeptor-Gens, der Bleiwert, die Stroop-Leistung und oppositionelle Symptome.115 Die Autoren halten ihr Verfahren angesichts der Kosten von Bildgebung und genetischen Untersuchungen und angesichts des vergleichsweise geringen Risikos einer Methylphenidatbehandlung derzeit für klinisch nicht bedeutsam nutzbar.
Wissenschaftlich: Placebokontrollierte Eindosierung
Eine Studie, die wöchentlich Placebo sowie 5, 10, 15 und 20 mg Methylphenidat zweimal täglich bei 45 Kindern von 5 bis 13 Jahren verglich, fand auf im Gruppenmittel eine positiv-lineare Dosis-Wirkungs-Kurve im Eltern- und Lehrerrating der Symptome sowie für die elternberichteten Nebenwirkungen. Lehrkräfte sahen bei sämtlichen Dosisstufen eine Besserung gegenüber Placebo, Eltern erst oberhalb von 5 mg je Gabe.
Auf individueller Ebene war das Bild jedoch uneinheitlich.116
- 73 bis 88 % der Kinder zeigten eine positiv ansteigende Dosis-Wirkungs-Kurve.
- bei den übrigen 27 bis 18 % brachte die Dosiserhöhung keine zusätzliche Besserung oder zeigte sich eine negative Dosis-Wirkungs-Kurven (ine höhere Dosis verschlechterte das Ergebnis)
Auf eine Dosiserhöhung sprachen eher positiv Betroffene mit folgenden Merkmalen an:
- stärker ausgeprägte hyperaktiv-impulsive Symptomatik
- weniger nach innen gerichtete Beschwerden
- niedrigeres Körpergewicht
- jüngeres Alter
- positivere Einstellung zu Diagnose und Medikation.
Die Streuung zwischen den Kindern war gross, und höhere Dosen führten nicht bei allen zu stärkerer Besserung. Für die Praxis heisst das, dass die Aussage,d ass eine hlöhere Dosis eine bessere Wirkung verureacht, nur im Gruppenmittelwert gültig ist, als Regel für den Einzelfall jedoch untauglich ist.116
Wissenschaftlich: Größte Studie zur MPH-Titration bei Kindern
Die grösste kontrollierte Titrationsstudie zu MPH bei Kindern arbeitete mit täglichem verblindetem Dosiswechsel. Bei 289 Kindern von 7 bis 9 Jahren zeigten sich klare Dosiseffekte, stärker im Lehrer- als im Elternurteil (Effektstärken 0,8 bis 1,3 SMD gegenüber 0,4 bis 0,6 SMD). Die Ansprechrate lag bei 77 %, die individuell besten Dosen streuten über den gesamten Bereich von 10 bis 50 mg/Tag. Für Kinder unter 25 kg wurde eine Tageshöchstdosis von 35 mg festgelegt. Eine Standarddosis gab es nicht.117 Von den Kindern, die die Titration abschlossen, fanden sich folgende individuelle optimalen Dosen:
- 23 % (n = 58) kein MPH (sondern Placebo oder Amfetamin)
- 22 % (n = 57) bis 15 mg/Tag MPH
- 25 % (n = 65) 16 bis 34 mg/Tag MPH
- 30 % (n = 76) ab 35 mg/Tag MPH
Die Optimaldosen waren damit nahezu gleichmässig über den gesamten Bereich verteilt.
Die Autoren empfehlen, dass Behandelnde bei Kindern ab 25 kg zu Behandlungsbeginn die volle Spannweite der Methylphenidatdosen erproben sollten. Die mittlere Optimaldosis lag bei 30,4 mg beziehungsweise 1,04 mg/kg. Bei Kindern unter 25 kg bei 22,1 mg, bei schwereren bei 35,4 mg. Von 289 Teilnehmern schlossen 256 (88,6 %) die Titration erfolgreich ab.117
Wissenschaftlich: Titrationsstudie bei Jugendlichen mit OROS-MPH
Jugendliche von 13 bis 18 Jahren begannen sämtlich mit 18 mg OROS-Methylphenidat täglich. Bei unzureichendem Ansprechen wurde wöchentlich um 18 mg bis höchstens 72 mg gesteigert. Als Ansprechen galt ein Rückgang des ADHS-Gesamtwerts um mindestens 30 % zusammen mit einem guten oder sehr guten ärztlichen Gesamturteil. Die Mehrheit derjenigen, die auf eine niedrigere Dosis nicht angesprochen hatten, sprach auf der jeweils nächsthöheren Stufe an, und zwar auf jeder Stufe. Rund zwei Drittel benötigten 54 mg oder mehr, um die Besserungskriterien zu erreichen. Nach Erreichen der Besserungskriterien durfte nicht weiter gesteigert werden, auch wenn eine zusätzliche Besserung möglich erschien.118Ausser der Ausgangsschwere der Symptomatik, die mässig mit der minimal wirksamen Dosis zusammenhing, fanden sich kaum Vorhersagegrössen. Alter, Körpergrösse und Gewicht korrelierten nicht mit der absoluten Dosis. Für die Abbildung der Nebenwirkungen erwies sich die gewichtsbezogene Dosis allerdings als etwas geeigneter als die absolute. Jugendliche benötigten im Mittel eine höhere absolute, aber eine niedrigere gewichtsbezogene Dosis als zuvor für Kinder berichtet.
Die gefundenen Optimaldosen verteilten sich über 182 Jugendliche wie folgt: 118
- 7,1 % (13): 18 mg
- 27,5 % (50): 36 mg
- 27,5 % (50): 54 mg
- 37,9 % (69): 72 mg
Vermitlich hätte ein Teil der Jugendlichen noch mehr benötigt, was die Studie jedoch nicht testete.
2.2.4.1.2. Eindosierungsschema beeinflusst optimale Dosis und Responding
Für Erwachsene liegen zwei Studien mit gegensätzlichen Titrationsschemata vor. Eine Eindosierung, die mit niedriger Dosis begann und je nach Wirkung und Verträglichkeit gesteigert wurde, führte bei gleicher Responderquote zu niedrigeren optimalen Dosen als eine fix gewichtsbezogene Dosierungsschema. Da das Ziel ist, die niedrigste Dosis zu finden, die eine optimale Wirkung erreicht, spricht dies klar gegen eine gewichtsbezogene Dosierung.
- In einer 24-wöchigen randomisierten, doppelblinden Studie an 359 Erwachsenen wurde retardiertes MPH ab 10 mg/Tag begonnen und je nach Wirkung und Verträglichkeit bis 60 mg/Tag gesteigert. Die mittlere optimale Tagesdosis betrug 0,55 mg/kg. 61 % (Rückgang der Wender-Reimherr-Skala um über 30 %) bzw. 55 % (ärztliches Gesamturteil) der MPH-Empfänger waren Responder. Dies belegt, dass eine niedrig beginnende, individuell gesteuerte Aufdosierung bei Erwachsenen über ein halbes Jahr wirksam und verträglich ist.119
- Eine achtwöchige Studie derselben Arbeitsgruppe an 162 Erwachsenen dosierte gewichtsbezogen auf bis zu 1 mg/kg/Tag, verteilt auf zwei Gaben nach Frühstück und Mittagessen im Abstand von 6 bis 8 Stunden. Zugeordnet wurden feste Tagesdosen nach Gewichtsklasse: 40 mg unter 55 kg, 60 mg bei 55 bis 69 kg, 80 mg bei 70 bis 104 kg und 120 mg bei 105 bis 130 kg. Die Responderrate lag bei 50 % (nach Wender-Reimherr-Verbesserung ebenso wie nach ärztlichem Gesamturteil) gegenüber 18 % unter Placebo.120
- Die gewichtsbezogene Zuordnung erreicht dabei deutlich höhere Enddosen bei spürbar niedrigeren Responderraten.
2.2.4.1.3. Optimale Einzeldosis kann unter niedrigster Standarddosis oder über Standard-Obergrenze liegen
Bestimmte Gruppen brauchen häufig eine niedrigere Zieldosis als üblich. Das schließt jedoch nicht aus, dass manche Betroffene aus diesen Gruppen sehr hohe Dosen benötigen. Häufig genannt werden hier:
-
Erwachsene
- benötigen häufig geringere Dosierungen als Jugendliche oder Kinder.
-
unaufmerksame Präsentationsform (ADHS-I)
- In einer placebokontrollierten Crossover-Studie mit erzwungener Titration über drei Dosisstufen an n = 47 Kindern von 5 bis 16 Jahren zeigte sich bei ADHS-I bei 60 % eine Verbesserung bereits bei 36 mg oder weniger, höhere Dosen brachten weniger Zusatznutzen. Bei ADHS-C errechten zwei Drittel bis drei Viertel erst bei 36 oder 54 mg OROS-MPH eine klinisch relevante Symptomreduktion. 121 Nebenwirkungen traten bei allen Dosisstufen und unter Placebo auf. Nur Schlaflosigkeit und Appetitminderung nahmen mit der Dosis zu.
-
komorbides ASS
- besonders niedrig starten und besonders langsam aufdosieren122123
- Bei komorbidem ASS sprachen in der bislang größten Stimulanzienstudie zu ASS (n = 72, 5 bis 14 Jahre, MPH in drei Dosisstufen) nur 49 % an. 19 % brachen wegen Nebenwirkungen ab. Die Effektstärken lagen unter denen bei ADHS ohne ASS. Bei ASS ist daher besonders niedrig zu starten und besonders langsam aufzudosieren.122
- In einer Pilotstudie an 27 jungen Kindern mit ASS und ADHS wurde eine langwirksame flüssige MPH-Zubereitung nach unterschiedlichen Titrationsschemata gegeben. Niedrige bis mittlere Dosen besserten die ADHS-Symptomatik wirksam und wurden gut vertragen. Auch in der ersten Stimulanzienstudie bei Erwachsenen mit hochfunktionaler ASS und ADHS wurde bewusst eine flüssige Zubereitung gewaehlt, weil sie eine sehr allmähliche Steigerung ab 5 mg täglich ermöglicht. Die Feindosierbarkeit ist bei dieser Gruppe von besonderer Bedeutung.123 Verträglichkeit und Einnahmetreue fielen besser aus als nach früheren Studien erwartet, vermutlich, weil die Untersuchenden die Dosis nach eigenem Ermessen vorausschauend anpassen durften, anstatt bis zur vorgesehenen Höchstdosis der jeweiligen Gruppe steigern zu müssen. In den verwendeten niedrigen Dosisbereichen und bei diesem behutsamen Vorgehen zeigten sich keine dosisabhängigen Zunahmen von Schlaflosigkeit oder anderen Nebenwirkungen. Es gab keinen Teilnahmeabbruch wegen Unverträglichkeit. Die flüssige Zubereitung erlaubt zudem eine genaue Abstufung und eignet sich für Kinder, die Tabletten nicht schlucken können. Es handelt sich um eine Pilotstudie ohne Placebokontrolle.
In Einzelfällen kann die optimale MPH- oder AMP-Dosis unterhalb von 5 mg/Tag liegen. Im ADHS-Forum.adxs.org berichtet ein Betroffener eine optimale Wirkung von 0,5 mg Elvanse/Einzeldosis.(Erfahrung ADxS)124
Huberman berichtet einen Einzelfall einer optimalen Tagesdosis von 2,5 mg Adderall bei einer Frau mit 150 kg Körpergewicht und erforderliche Tagesdosen von 180 bzw. 210 mg Adderall bei zwei Schwestern mit 60 und 70 kg Körpergewicht.(E 4)62 Auch wir kennen einzelne Fälle, bei denen erst extrem hohe Dosen Elvanse (mehrere hundert mg/Tag und 50 mg als erforderliche Schlafmedikation nachts) eine angemessene Wirkung und erhebliche Verbesserung erzielten. Später stellte sich einer dieser Fälle als eine chronische Vergiftung mit Stickoxiden in der Atemluft bzw. Eine besondere Empfindlichkeit hierauf heraus. Derart hohe Dosen dürfen nur bei engmaschiger Betreuung durch einen besonders erfahrenen Arzt angewendet werden. Vor Selbstversuchen muss sehr dringend gewarnt werden.
(Erfahrung ADxS): Bei der Medikamentenwirkungsdauerumfrage von ADxS (Stand 19.12.23) haben von 223 erwachsenen Elvanse-Nutzern 13 % eine optimale Dosis unterhalb von 30 mg angegeben und 11,7 % eine optimale Dosis von 20 mg oder weniger. 1,8 % gaben 10 mg oder weniger an. Die 11,7 % mit 20 mg oder weniger hatten ein Durchschnittsgewicht von 71 kg und ein Durchschnittsalter von 40 Jahren.
Die optimale Dosishöhe kann die Standardhöchstdosis überschreiten (insb. Schnellverstoffwechsler). Dies gilt für Methylphenidat ebenso wie für Amphetaminmedikamente.(E 4)106
Bei MPH liegt die Standardhöchstdosis für Kinder und Jugendliche bei 60 mg/Tag und für Erwachsene bei 80 mg/Tag. Diese Werte gelten allerdings nicht einheitlich, sondern hängen von Präparat und Land ab (in Deutschland z. B. 54 mg/Tag für Concerta bei Kindern und 72 mg/Tag bei Erwachsenen). Zu Einzelheiten siehe die nachfolgenden Tabellen.
Eine Dosierungsobergrenze von 1 mg/kg MPH ist im Regelfall ein guter Anhaltspunkt zur Vermeidung von erhöhten Nebenwirkungen. In Einzelfällen (bei entsprechend schneller Verstoffwechselung) werden jedoch auch deutlich höhere Dosierungen benötigt und vertragen.
Die europäischen Behandlungsleitlinien nennen für unretardiertes MPH bei Erwachsenen einen wirksamen Dosisbereich von meist 10 bis 20 mg drei- bis fünfmal täglich und weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Einzelfall auch höhere oder niedrigere Dosierungen erforderlich sind. Als Höchstdosis je Einzelgabe empfiehlt die Leitlinie 30 mg.(E 4)36
Es gibt auch Gruppen, bei denen die optimale Dosis häufig oberhalb der üblichen Obergrenze liegt.
Bei komorbider Substanzgebrauchsstörung werden häufig höhere Dosen benötigt. In einer 13-wöchigen randomisierten Studie an 126 Erwachsenen mit ADHS und Kokaingebrauchsstörung erreichten unter retardierten gemischten Amfetaminsalzen 75,0 % (bei 60 mg) und 58,1 % (bei 80 mg) eine Symptomminderung um mindestens 30 %, gegenüber 39,5 % unter Placebo. Signifikant war nur der Unterschied der 60-mg-Gruppe (OR 5,23; 95%-KI 1,98–13,85), nicht der der 80-mg-Gruppe (OR 2,27; 95%-KI 0,94–5,49). Die Kokainabstinenz stieg umgekehrt mit der Dosis (30,2 % gegenüber 17,5 % und 7,0 % unter Placebo). 125Für die ADHS-Symptomatik brachte die höhere Dosis damit zwar keinen Zusatznutzen, für einen verringerten Substanzkonsum schon. Die empfohlene Maximaldosis retardierter Amfetaminsalze (Adderall XR) für Erwachsene liegt bei 20 mg/Tag.
Dasselbe Muster zeigt sich bei Methylphenidat. In einer 24-wöchigen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie an 54 inhaftierten Männern mit ADHS und Amphetaminabhängigkeit (Durchschnittsalter 42 Jahre) wurde OROS-MPH auf bis zu 180 mg/Tag titriert. Die Verumgruppe zeigte eine stärkere ADHS-Symptomreduktion, mehr amphetaminnegative Urinproben und eine bessere Behandlungsretention.126
(E 4)127 Es sollte so lange geduldig weiter gesteigert werden, bis zwei aufeinanderfolgende Dosen Verschlechterungen gezeigt haben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine höhere Dosis schlechter wirkt als die nächstniedrigere Dosis, während die noch eine Stufe höhere Dosis wieder eine deutliche Verbesserung erbringt.
2.2.4.1.4. Maximaldosis
Bedeutung für Betroffene
Häufig genannte Obergrenzen sind 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht, 60 mg pro Tag bei Kindern und 80 mg pro Tag bei Erwachsenen. Diese Zahlen sind wissenschaftlich weniger gut begründet, als es scheint. Sie stammen überwiegend aus Zulassungsunterlagen, in denen höhere Dosen schlicht nicht untersucht wurden.
Für die meisten Betroffenen sind sie ein sinnvoller Anhaltspunkt. Einzelne Betroffene, vor allem Schnellverstoffwechsler, brauchen jedoch mehr. Das ist keine Sucht und kein Missbrauch, sondern ein Stoffwechselunterschied. In solchen Fällen ist eine engmaschigere ärztliche Kontrolle angezeigt.
Die folgenden Tabellen sind vor allem für Behandler gedacht und stehen deshalb in aufklappbaren Abschnitten.
Häufig wird eine Maximaldosis von 1 mg/kg Körpergewicht oder 60 mg/Tag für Kinder und 80 mg/Tag für Erwachsene genannt.
Eine Dosis-Wirkungs-Netzwerkmetaanalyse von 113 doppelblinden RCT mit über 25.000 Teilnehmern fand je nach Altersgruppe und Wirkstoffklasse unterschiedliche Muster. Bei Kindern und Jugendlichen stieg die mittlere Wirksamkeit bis 45 mg/Tag MPH (SMD -0,89; 95%-KrI -1,18 bis -0,60), bis 25 mg/Tag Amfetamine und bis 4 mg/Tag Guanfacin. Darüber fand sich kein Zusatznutzen. Bei Erwachsenen erreichten Amfetamine oberhalb von etwa 50 mg/Tag ein Plateau, während die Abbruchrate wegen Nebenwirkungen weiter stieg. Für MPH war wegen dünner Datenlage im Hochdosisbereich kein Plateau nachweisbar. Die Dosen wurden auf eine gemeinsame Skala umgerechnet, Amfetamine als Dextroamfetamin-Äquivalente, MPH als Äquivalente von unretardiertem MPH-Hydrochlorid. Ein Nutzen einer Steigerung über die zugelassenen Höchstdosen hinaus zeigte sich auf Gruppenebene nicht. Aussagen zu Gruppenmittelwerten gelten nicht für den Einzelfall.128
Eine systematische Übersicht über 11 randomisierte Studien und 38 Kohortenstudien kam zu dem Ergebnis, dass die Literatur zwar eine ganze Bandbreite von Höchstdosen empfiehlt (0,8 bis 1,8 mg/kg/Tag), für keine einzelne dieser Grenzen aber eine erkennbare wissenschaftliche Begründung liefert. Die Autoren fordern Studien zu einer rein klinisch geführten Titration ohne feste Obergrenze. (Metastudie, k = 11 RCT mit n = 1.304, N = 2.191 sowie k = 38 Kohortenstudien, N = 5.524) (E 1a)103 Die üblichen Werte stammen überwiegend aus den Zulassungsunterlagen der Hersteller, bei denen auch die Begrenzung von Haftungsrisiken eine Rolle spielt.
(E 4): In der Fachliteratur wird empfohlen, MPH-Dosen von mehr als 150 mg/Tag nicht zu überschreiten.(E 4)129 (E 4)130 Die europäischen Behandlungsleitlinien halten für OROS-MPH in Einzelfällen Dosen bis höchstens 2 mg/kg/Tag bzw. Bis 108 mg/Tag für vertretbar und indiziert - je nachdem, welcher Wert niedriger ist - und liegen damit deutlich über der zugelassenen Höchstdosis von 54 mg/Tag.(E 4)36
Eine placebokontrollierte Studie an 103 Erwachsenen mit ADHS berichtet für OROS-MPH eine Auftitration bis 1,3 mg/kg/Tag, eine mittlere Tagesdosis von 72 mg und eine Höchstdosis von 108 mg/Tag.(E 1b)131
Wissenschaftlich: Schwellenwert für die Klinikeinweisung und Laborwerte beim Drug-Monitoring
Das niederländische Giftinformationszentrum hat seinen Schwellenwert, ab dem es bei versehentlicher oder absichtlicher MPH-Überdosierung eine Krankenhauseinweisung empfiehlt, auf Basis von 364 ausgewerteten Vergiftungsfällen bei Kindern und Erwachsenen auf 3 mg/kg angehoben (zuvor 2 mg/kg). Unabhängig von der Dosis wird weiterhin eingewiesen, wenn die Symptome es erfordern.(E 3)132
Für ein therapeutisches Drug-Monitoring nennen die Konsensusleitlinien der AGNP für Methylphenidat einen Laborwarnwert (ab dem der Behandler zu benachrichtigen ist) von 50 ng/ml. Der therapeutische Referenzbereich liegt bei Kindern und Jugendlichen bei 6 bis 26 ng/ml und bei Erwachsenen bei 12 bis 79 ng/ml, jeweils gemessen 2 Stunden nach einer unretardierten Dosis von 20 mg oder 4 bis 6 Stunden nach einer retardierten Dosis von 40 mg.(E 4)133
Therapeutisches Drug-Monitoring macht die hohe interindividuelle Variabilität der Pharmakokinetik sichtbar und ermöglicht dadurch eine personalisierte Pharmakotherapie. Als Gruppen, die davon besonders profitieren, werden unter anderem Kinder und Jugendliche, Schwangere, ältere Menschen, Personen mit intellektueller Beeinträchtigung oder substanzbezogenen Störungen sowie Betroffene mit bekannten oder vermuteten pharmakokinetischen Besonderheiten genannt. Bei einer Substanz mit bis zu 25-fachen Konzentrationsunterschieden bei gleicher Dosis ist eine Spiegelbestimmung deshalb kein Luxus, sondern die einzige Möglichkeit, eine ungewöhnliche Dosisanforderung von einem Anwendungsfehler zu unterscheiden. Referenzbereiche und Warnschwellen beziehen sich, sofern nicht anders vermerkt, auf Talspiegel.134
Als Referenzbereiche wurden hier genannt:
- Methylphenidat, gemessen 2 Stunden nach 20 mg unretardiert oder 4 bis 6 Stunden nach 40 mg retardiert
- 6 bis 26 ng/ml bei Kindern und Jugendlichen
- 12 bis 79 ng/ml bei Erwachsenen
- Laborwarnwert 50 ng/ml
- MPH ist bei Raumtemperatur nicht stabil, die Probe muss entsprechend behandelt werden.
- Dexmethylphenidat
- 13 bis 23 ng/ml (4 Stunden nach 20 mg)
- Laborwarnwert 44 ng/ml
- 5,2 bis 5,5 ng/ml entsprechen einer 50-prozentigen Blockade des DAT
- Atomoxetin, gemessen 60 bis 90 Minuten nach 1,2 mg/kg,
- 200 bis 1.000 ng/ml
- Laborwarnwert 2.000 ng/ml
- Halbwertszeit
- 2 bis 5 Stunden
- bei langsamen CYP2D6-Verstoffwechslern 21 Stunden
Die Messung ist nützlich, aber nicht regelhaft angezeigt.134
Der Referenzbereich orientiert sich an der Bevölkerung und muss nicht für jeden gelten, einzelne sprechen ausserhalb davon am besten an. Ein hoher Spiegel allein rechtfertigt keine Dosissenkung. Wird die Konzentration gut vertragen und würde eine Reduktion die Symptomatik verschlechtern, bleibt die Dosis unverändert, die Entscheidung ist zu begründen. Die Warnwerte beruhen bei den meisten Wirkstoffen nicht auf Vergiftungsberichten, sondern wurden willkürlich als das Doppelte der oberen Referenzgrenze festgelegt.
(Einschätzung ADxS): Offenkundig ist, dass einzelne Betroffene deutlich höhere Tagesdosen als 60 oder 80 mg benötigen. Richtig ist, dass in diesen Fällen ein engmaschigeres Monitoring sinnvoll ist. Eine pauschale Ablehnung einer für eine angemessene Wirkung erforderlichen Dosierung von bis zu 150 mg/Tag ist jedenfalls nicht gerechtfertigt.
Wissenschaftlich: Metastudie zu Dosen oberhalb der zugelassenen Tageshöchstdosen
Eine Metastudie von k = 47 Studien mit n = 7.714 Erwachsenen fand für eine Dosierung über die von der FDA empfohlenen Tageshöchstdosen hinaus (E 1a)6
-
bei MPH Hinweise auf kleine weitere Verbesserungen der Symptomatik (SMD -0,23; 95-%-KI, -0,44 bis -0,02; sehr niedrige Ergebnissicherheit)
-
bei AMP keinen zusätzlichen Symptomrückgang (SMD -0,08; 95-%-KI, -0,24 bis 0,08; sehr niedrige Ergebnissicherheit)
-
bei MPH zugleich eine deutlich schlechtere Verträglichkeit: Der Abbruch wegen Nebenwirkungen war unter nicht zugelassenen Dosen doppelt so häufig (OR 2,02; 95-%-KI, 1,19 bis 3,43; moderate Ergebnissicherheit)
-
bei AMP war der Unterschied im Abbruch wegen Nebenwirkungen zwischen zugelassenen und nicht zugelassenen Dosen dagegen nicht signifikant (OR 1,19; 95-%-KI, 0,71 bis 2,02). Die Dosis-Wirkungs-Kurve zeigte allerdings über den gesamten untersuchten Bereich ein kontinuierlich steigendes Abbruchrisiko
Die Ergebnisse sind Durchschnittswerte und lassen sich nicht auf jeden Patienten übertragen. Die Autoren schlussfolgern: “Praktiker können Dosen über die empfohlenen Höchstdosen bei Bedarf und wenn sie vertragen werden, ausprobieren, sollten jedoch bedenken, dass es möglicherweise keine großen Gewinne bei der Reaktion auf das Medikament mit diesen weiteren Dosenerhöhungen gibt.”
Bei mehrfacher AMP-Gabe täglich wird bei Kindern und Jugendlichen als höchste Einzeldosis 25 mg genannt. (E 4)19
Tageshöchstdosen für ADHS-Medikamente nach Alter und Formulierung laut FDA
-
Methylphenidat
-
Amphetaminmedikamente
-
gemischte Amphetaminsalze
-
Kinder ab 6 Jahre und Jugendliche
-
Erwachsene
-
-
(E 1a): Die FDA betont, dass diese Höchstdosen auf begrenzten klinischen Studien basieren. Einige klinische Leitlinien empfehlen höhere Dosen als die FDA-Zulassungen, insbesondere bei Erwachsenen, wo Leitlinien teilweise bis zu 100 mg/Tag Methylphenidat empfehlen.(E 1a)6 Die Dosierung sollte individuell titriert werden, um optimale therapeutische Effekte bei minimalen Nebenwirkungen zu erreichen.(E 1a)141 (E 1a)142
Weitere Informationen finden sich bei den Gesundheitsbehörden der jeweiligen Regionen:
-
Europa: EMA: ema.europa.eu
- United Kingdom: MHRA/BNF: bnf.nice.org.uk
-
Australien: TGA: tga.gov.au
-
Kanada: Health Canada: canada.ca/en/health-canada → Drug Product Database
-
Deutschland: Rote Liste (Bertelsmann): fachinfo.de
-
Österreich: ages.at
-
Schweiz: swissmedicinfo.ch
2.2.4.1.5. Maximaldosis Methylphenidat
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Methylphenidat in USA, UK, EU und Australien
| Formulierung | Altersgruppe | USA (FDA) | Europa (keine europaeinheitliche Höchstgrenze) (E 4)143 | Australien |
|---|---|---|---|---|
| IR (Immediate-Release = unretardiert) | Kinder 3-6 J. | Österreich: 1,4 mg/kg/Tag oder 30 mg/Tag (E 4)144 | ||
| IR (Immediate-Release = unretardiert) | Kinder 6-12 J. | 60 mg/Tag (E 4)145 | Lizenziert: 60 mg/Tag oder 1,4 mg/kg/Tag; unter Spezialist: bis 2,1 mg/kg/Tag, max. 90 mg/Tag (E 4)146 Deutschland: 60 mg/Tag auf 2-3 Dosen / Tag verteilt (E 4)147 Schweiz: 60 mg/Tag (E 4)148; Österreich: 2 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag (E 4)144 | titriert bis 1 mg/kg/Tag oder 40 mg/Tag (2-12 J.) (E 4)149; 1 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag (ab 4 J.) (E 4)150 |
| IR (Immediate-Release = unretardiert) | Jugendliche 13-17 J. | 60 mg/Tag (E 4)145 | Lizenziert: 1,4 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag; unter Spezialist: 2,1 mg/kg/Tag oder 90 mg/Tag (E 4)146 Deutschland: 60 mg/Tag auf 2-3 Dosen / Tag verteilt (E 4)147; Schweiz: 60 mg/Tag (E 4)148; Österreich: 2 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag (E 4)144 | titriert bis 1 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag (ab 13 J.) (E 4)151 |
| IR (Immediate-Release = unretardiert) | Erwachsene | 60 mg/Tag (E 4)145 | Individuelle Titration (E 4)146 Deutschland: nicht zugelassen (off-label). | titriert bis 1 mg/kg/Tag oder 60 mg/Tag (ab 13 J.) (E 4)151 |
| XR (extended release 2 Freisetzungsstufen / Dosis | Kinder über 6 J. / Jugendliche | Deutschland: 60 mg/Tag für Medikinet retard (E 4)152 Schweiz: 60 mg/Tag für Ritalin LA (E 4)153, Medikinet MR (E 4)154 Österreich: 60 mg/Tag (E 4)144 | Dosistitration 0,5 bis 2,0 mg/kg/Tag (über 6 J.) (E 4)150 | |
| XR (extended release 2 Freisetzungsstufen / Dosis | Erwachsene 18-65 J. | Deutschland: 1 mg/kg oder 80 mg/Tag für Medikinet adult (E 4)155, Medikinet retard (E 4)156; Ritalin adult (E 4)157; Schweiz: 1 mg/kg oder 80 mg/Tag für Medikinet MR (E 4)154 | 80 mg/Tag (E 4)149 | |
| OROS (Concerta u.a.) 3 Freisetzungsstufen / Dosis | Kinder 6-12 J. | 54 mg/Tag (E 4)136 | Lizenziert: 54 mg/Tag; unter Spezialist: bis 2,1 mg/kg/Tag, max. 90 mg/Tag (E 4)146; Deutschland: 54 mg (E 4)158; Schweiz: 54 mg/Tag (E 4)159 Österreich: 54 mg/Tag (E 4)144 | 54 mg/Tag (E 4)149 Dosistitration 0,5 bis 2,0 mg/kg/Tag (über 6 J.) (E 4)150 |
| OROS (Concerta u.a.) 3 Freisetzungsstufen / Dosis | Jugendliche 13-17 J. | 72 mg/Tag, max 2 mg/kg/Tag (E 4)136 | Unter Spezialist: bis 2,1 mg/kg/Tag, max. 90 mg/Tag (E 4)146 Deutschland: 54 mg (E 4)158; Schweiz: 54 mg/Tag (E 4)159 Österreich: 72 mg/Tag (E 4)144 | 72 mg/Tag (OROS) (E 4)149 |
| OROS (Concerta u.a.) 3 Freisetzungsstufen / Dosis | Erwachsene 18-65 J. | 72 mg/Tag (E 4)136 | Individuelle Titration (E 4)146 Deutschland: 72 mg (E 4)158; Schweiz: 72 mg/Tag (E 4)159 | 72 mg/Tag (E 4)149 |
| Transdermal (Daytrana) | Kinder / Jugendliche 6-17 J. | 30 mg/9 Stunden (E 4)160 | Nicht verfügbar | Nicht verfügbar (E 4)161 |
Die Angaben der FDA für die USA und der Behörden in Europa beziehen sich auf jeweils einzelne zugelassene Präparate (Ritalin, Concerta etc.) und nicht auf Methylphenidat generell. Die Grenzen wurden auf Basis weniger randomisierter klinischer Studien festgelegt. Die Evidenz für diese Maximaldosen ist begrenzt, da Studien mit höheren Dosen selten sind.(E 1a)103
Eine Veröffentlichung zu Methylphenidat fasst Empfehlungen für den amerikanischen Markt zusammen: (E 4)24
-
Kinder: (E 4)24
-
Sofortige Freisetzung (kurz wirksam):
- (Kautabletten, Ritalin-Tabletten und Methylin-Lösung zum Einnehmen): Maximaldosis: 60 mg/Tag
-
Halbtagesretards
- AB-bewertete Generika zu Metadate ER oder Methylin ER: Maximaldosis: 60 mg/Tag (zwei Dosen zu je 30 mg)
-
Ganztagesretards:
-
Adhansia-XR-Kapseln: Maximaldosis: 100 mg/Tag (höhere Nebenwirkungen ab 85 mg/Tag)
-
Aptensio-XR-Kapseln: Maximaldosis: 60 mg/Tag
-
Concerta- / Relexxii-Tabletten: Maximaldosis: 72 mg/Tag
-
Jornay-PM-Kapseln: Maximaldosis: 100 mg/Tag
-
-
- Metadate-CD-Kapseln, QuilliChew-ER-Kautabletten und Quillivant-XR-Suspension zum Einnehmen: Maximaldosis: 60 mg/Tag
- Transdermal (langwirksam, Daytrana): Maximaldosis: 30 mg/Tag (in individuellen Fällen bis 60 mg)
-
Erwachsene: (E 4)24
-
Adhansia XR Kapseln: Maximaldosis: 100 mg/Tag (höhere Nebenwirkungen ab 85 mg/Tag)
-
Aptensio XR-Kapseln: Maximaldosis: 60 mg/Tag
-
Concerta- / Relexxii-Tabletten: Maximaldosis: 72 mg/Tag
-
Jornay-PM-Kapseln: Maximaldosis: 100 mg/Tag
-
Metadate-CD-Kapseln, QuilliChew-ER-Kautabletten und Quillivant-XR-Suspension zum Einnehmen: Maximaldosis: 60 mg/Tag
-
2.2.4.1.6. Maximaldosis Amfetaminmedikamente
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Amfetaminmedikamenten in USA, UK, EU und Australien
| Wirkstoff / Formulierung | Altersgruppe | USA (FDA) | UK / Europa (NICE 2018) | Australien |
|---|---|---|---|---|
| Lisdexamfetamin | Kinder ≥ 6 J. / Jugendliche / Erwachsene | 70 mg/Tag (E 4)162 | Deutschland: 70 mg/Tag (E 4)163; Schweiz: 70 mg/Tag (E 4)164; Österreich: 70 mg/Tag (E 4)165 | 70 mg/Tag |
| Lisdexamfetamin | Schwere Niereninsuffizienz (GFR 15-30) | 50 mg/Tag (E 4)162 | Analog FDA | Analog FDA |
| Lisdexamfetamin | Nierenversagen (GFR unter 15 ) | 30 mg/Tag (E 4)162 | Analog FDA | Analog FDA |
| Dextroamphetamin IR (unretardiert) | Kinder 3-5 J. | Start 2,5 mg/Tag; individuelle Titration (E 4)166 | Deutschland: nicht zugelassen für Kinder unter 6 Jahre (E 4)167 | Verfügbar |
| Dextroamphetamin IR (unretardiert) | Kinder ab 6 J. / Jugendliche | 40 mg/Tag (E 4)166 | Deutschland: 20 mg/Tag, ältere Kinder 40 mg/Tag (E 4)167; Schweiz: 20 mg/Tag, ältere Kinder 40 mg/Tag (E 4)168; Österreich: 20 mg/Tag, ältere Kinder 40 mg/Tag (E 4)169 | 40 mg/Tag (E 1a)139 |
| Dextroamphetamin IR (unretardiert) | Erwachsene | 40 mg/Tag (E 4)166 | Deutschland: nicht zugelassen für Erwachsene (E 4)167 | 40 mg/Tag (E 1a)139 |
| Gemischte Amphetaminsalze IR (unretardiert, Adderall u.a.) | Kinder 3-5 J. | Start 2,5 mg/Tag; individuelle Titration (E 4)137 | Nicht zugelassen in EU und UK (E 4)170 | Nicht verfügbar |
| Gemischte Amphetaminsalze IR (unretardiert, Adderall u.a.) | Kinder ≥ 6 J. / Jugendliche / Erwachsene | 40 mg/Tag („nur in seltenen Fällen überschreiten“) (E 4)137 | Nicht zugelassen in UK und EU (E 4)170 | Nicht verfügbar (E 4)170 |
| Gemischte Amphetaminsalze ER (retardiert, Adderall XR u.a.) | Kinder 6-12 J. | empfohlen max. 30 mg/Tag (E 4)137 | Nicht zugelassen in UK und EU (E 4)170 | Nicht verfügbar |
| Gemischte Amphetaminsalze ER (retardiert, Adderall XR u.a.) | Jugendliche 13-17 J. | Start 10 mg/Tag, Erhöhung auf 20 mg/Tag (E 4)137 | Nicht zugelassen in UK und EU (E 4)170 | Nicht verfügbar (E 4)170 |
| Gemischte Amphetaminsalze ER (retardiert, Adderall XR u.a.) | Erwachsene | 20 mg/Tag (empfohlen) (E 4)137 | Nicht zugelassen (E 4)170 | Nicht verfügbar |
| Amphetamin ER ODT (retardiert, Adzenys) | Kinder 6-12 J. | 18,8 mg/Tag (≙ 30 mg Adderall XR) (E 4)171 | Nicht verfügbar | Nicht verfügbar |
| Amphetamin ER ODT (retardiert, Adzenys) | Jugendliche 13-17 J. | 12,5 mg/Tag (≙ 20 mg Adderall XR) (E 4)171 | Nicht verfügbar | Nicht verfügbar |
| Amphetamin ER ODT (retardiert, Adzenys) | Erwachsene | 12,5 mg/Tag (≙ 20 mg Adderall XR) (E 4)171 | Nicht verfügbar | Nicht verfügbar |
2.2.4.1.7. Maximaldosis Atomoxetin
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Atomoxetin in USA, UK, EU, Australien und Kanada
| Patientengruppe | Max. Tagesdosis USA (FDA) | UK / Europa | Australien | Kanada |
|---|---|---|---|---|
| Kinder/Jugendliche unter 70 kg | 1,4 mg/kg/Tag oder 100 mg/Tag (je nachdem, was geringer ist) (E 4)172 | 1,2 mg/kg/Tag, kein zusätzlicher Nutzen über 1,2 mg/kg, Sicherheit über 1,8 mg/kg ungeprüft | 1,2 mg/kg/Tag oder 100 mg/Tag (je nachdem, was geringer ist) (TGA analog FDA) | Max. 1,4 mg/kg/Tag oder 100 mg (je nachdem, was geringer ist) (E 4)173 |
| Kinder/Jugendliche ≥ 70 kg | 100 mg/Tag (E 4)172 | 100 mg/Tag (EMA-SmPC) | 100 mg/Tag (TGA analog FDA) | 100 mg/Tag (E 4)173 |
| Erwachsene | 100 mg/Tag (E 4)172 | 100 mg/Tag Die Sicherheit von Einzeldosen über 120 mg und Tagesgesamtdosen über 150 mg wurde nicht systematisch untersucht.(E 4)174 | 100 mg/Tag (TGA analog FDA) | 100 mg/Tag (E 4)173 |
| CYP2D6-Poor-Metabolizer / Komedikation starker CYP2D6-Inhibitoren | Die maximale Dosierung bei gleichzeitiger Anwendung eines starken CYP2D6-Hemmers oder bei Patienten mit CYP2D6-Stoffwechselinsuffizienz wurde nicht ermittelt.(E 4)172 | Analog FDA (EMA-SmPC) | Analog FDA | |
| Leberinsuffizienz Child-Pugh B | 50 % der Normaldosis (E 4)172 | Analog FDA (EMA-SmPC) | Analog FDA | |
| Leberinsuffizienz Child-Pugh C | 25 % der Normaldosis (E 4)172 | Analog FDA (EMA-SmPC) | Analog FDA |
2.2.4.1.8. Maximaldosis Guanfacin
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Guanfacin in USA, UK, EU, Australien und Kanada
| Patientengruppe | Max. Tagesdosis USA (FDA) | UK / Europa (EMA) | Australien (TGA) | Kanada |
|---|---|---|---|---|
| Kinder 6-12 J. (Monotherapie) | 4 mg/Tag (höhere Dosen nicht evaluiert) (E 4)175 | 4 mg/Tag (EMA-Zulassung: Intuniv zugelassen für Kinder/Jugendliche 6-17 J., wenn Stimulanzien nicht geeignet oder nicht vertragen werden. NICE 2018: Guanfacin als Option nach Stimulanzien und Atomoxetin) (E 4)176 (E 4)170 | 4 mg/Tag (TGA: Intuniv zugelassen für Kinder/Jugendliche 6-17 J.) | 4 mg/Tag (Health Canada: Intuniv XR zugelassen für 6-17 J.) |
| Jugendliche 13-17 J. (Monotherapie) | 7 mg/Tag (höhere Dosen nicht evaluiert) (E 4)175 | 7 mg/Tag (EMA-Zulassung; gewichtsbasiert 0,05-0,12 mg/kg/Tag) (E 4)176 (E 4)170 | 7 mg/Tag (TGA analog FDA) | 7 mg/Tag (Health Canada analog FDA) |
| Kinder/Jugendliche (adjunktiv mit Stimulanzien) | 4 mg/Tag (höhere Dosen nicht untersucht) (E 4)175 | 4 mg/Tag (EMA-SmPC analog FDA) | 4 mg/Tag (TGA analog FDA) | 4 mg/Tag (Health Canada analog FDA) |
| Erwachsene | Nicht zugelassen für ADHS (E 4)175 | Nicht zugelassen für Erwachsene (EMA: nur 6-17 J.) | Nicht zugelassen für Erwachsene | Nicht zugelassen für Erwachsene |
| Komedikation von CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol) | Hälfte der empfohlenen Dosis (E 4)175 | Analog FDA (EMA-SmPC) | Analog FDA | Analog FDA |
| Komedikation von CYP3A4-Induktoren (z. B. Carbamazepin) | Bis Doppelte der empfohlenen Dosis (E 4)175 | Analog FDA (EMA-SmPC) | Analog FDA | Analog FDA |
2.2.4.1.9. Maximaldosis Clonidin
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Clonidin in USA, UK, EU, Australien und Kanada
| Formulierung / Anwendung | Patientengruppe | Max. Tagesdosis USA (FDA) | UK / Europa | Australien | Kanada |
|---|---|---|---|---|---|
| Clonidin ER 2 x tgl. (Kapvay, ADHS-Monotherapie) | Kinder/Jugendliche 6-17 J. | 0,4 mg/Tag (0,2 mg morgens + 0,2 mg abends); höhere Dosen nicht evaluiert (E 4)177 | Nicht zugelassen für ADHS (kein EMA-zugelassenes Clonidin-ER-Präparat für ADHS) (E 4)178 (E 4)179 | Keine direkte Behördenquelle verfügbar. TGA direkt konsultieren | Keine direkte Behördenquelle verfügbar. Health Canada direkt konsultieren |
| Clonidin ER 2 x tgl. (Kapvay, ADHS-Zusatzmedikation) | Kinder/Jugendliche 6-17 J. | 0,4 mg/Tag (0,2 mg morgens + 0,2 mg abends) (E 4)177 | Nicht zugelassen für ADHS (E 4)178 (E 4)179 | Keine direkte Behördenquelle verfügbar | Keine direkte Behördenquelle verfügbar |
| Clonidin ER 1 x tgl. (Onyda XR, ADHS-Monotherapie) | Kinder/Jugendliche ≥ 6 J. | 0,4 mg/Tag (1× abends); höhere Dosen nicht evaluiert (E 4)170 | Nicht zugelassen für ADHS | Keine direkte Behördenquelle verfügbar | Keine direkte Behördenquelle verfügbar |
| Clonidin ER 1 x tgl. (Onyda XR, ADHS-Zusatzmedikation) | Kinder/Jugendliche ≥ 6 J. | 0,4 mg/Tag (1× abends) (E 4)170 | Nicht zugelassen für ADHS | Keine direkte Behördenquelle verfügbar | Keine direkte Behördenquelle verfügbar |
| Clonidin IR (Immediate-Release, ADHS) | Alle Altersgruppen | Nicht zugelassen für ADHS (nur für Hypertonie zugelassen) (E 4)177 | Nicht zugelassen für ADHS (Off-label-Einsatz bei komorbider Schlafstörung/Tics) (E 4)178 | Off-label | Off-label |
2.2.4.1.10. Maximaldosis Bupropion
Wissenschaftlich: Tabelle der Maximaldosen von Bupropion in USA, UK, EU, Australien und Kanada
| Formulierung / Indikation | Patientengruppe | Max. Tagesdosis USA (FDA) | UK / Europa | Australien / Kanada |
|---|---|---|---|---|
| Bupropion IR (Immediate-Release, MDD) | Erwachsene | 450 mg/Tag (max. 150 mg/Einzeldosis, 3-4 x tgl.) (E 4)180 | Keine direkte Behördenquelle verfügbar. EMA/MHRA-SmPC direkt konsultieren | Keine direkte Behördenquelle verfügbar. TGA/Health Canada direkt konsultieren |
| Bupropion SR (Sustained-Release, MDD) | Erwachsene | 400 mg/Tag (2 x tgl. 200 mg/Einzeldosis) (E 4)181 | Keine direkte Behördenquelle verfügbar | Keine direkte Behördenquelle verfügbar |
| Bupropion XR (Extended-Release, MDD) | Erwachsene | 450 mg/Tag (E 4)182 | Keine direkte Behördenquelle verfügbar | Keine direkte Behördenquelle verfügbar |
| Alle Formulierungen (ADHS) | Kinder/Jugendliche | Nicht zugelassen (Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt) (E 4)180 | Nicht zugelassen für Kinder/Jugendliche | Nicht zugelassen für Kinder/Jugendliche |
| Alle Formulierungen (ADHS) | Alle Altersgruppen | Nicht zugelassen (Off-label: Studien verwendeten 150-450 mg/Tag) (E 1a)183 | Nicht zugelassen für ADHS | Nicht zugelassen für ADHS |
2.2.4.2. Zielfaktor 2: Ganztagesabdeckung / Anzahl der Einzeldosen
Bedeutung für Betroffene
Ziel ist, dass die Medikation den ganzen wachen Tag abdeckt, in der Regel 12 bis 16 Stunden. ADHS endet nicht nach der Schule oder nach Feierabend.
Reicht eine Dosis nicht aus, wird eine zweite oder dritte ergänzt, gegebenenfalls auch ein unretardiertes Präparat zusätzlich zu einem retardierten. Der Fehler, stattdessen die Einzeldosis zu erhöhen, führt zu Überdosierung am Vormittag und löst das Problem am Nachmittag trotzdem nicht.
Die letzte Dosis muss früh genug liegen, damit ihre Wirkung mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen endet.
2.2.4.2.1. Ganztagesabdeckung als Ziel
(E 4): Ziel sollte eine Ganztagesabdeckung sein (E 4)170 (E 4)184 (E 4)185 (E 4)186 (E 4)187, also eine Abdeckung von 12 bis 16 Stunden.(E 4)188 (E 4)187
In einer Querschnittsbefragung von 616 medikamentös behandelten Erwachsenen mit ADHS und 200 Vergleichspersonen berichteten die Behandelten trotz Medikation erhebliche Beeinträchtigungen über den Tag hinweg, besonders am Nachmittag und Abend. Beschwerden traten auf, wenn die Medikamentenwirkung nachliess, mit negativen Auswirkungen auf Hausaufgaben, Arbeitsaufgaben, Haushaltspflichten, Emotionsregulation, Stimmung und Beziehungen. Der am häufigsten genannte unerfüllte Bedarf betraf die Wirkdauer. Gerade Teilnehmer unter langwirksamer Medikation berichteten signifikant häufiger, dass der Abend problematisch sei, die längere Wirkdauer allein löst das Problem also nicht.189Befragt wurde im Dezember 2016 online. Die Behandelten teilten sich in langwirksam einmal täglich (n = 201), kurzwirksam bis zweimal täglich (n = 166) und Aufstocker (n = 249; langwirksam mehr als einmal, kurzwirksam mehr als zweimal oder beides kombiniert). Dass 40 % aufstockten, ist selbst ein Befund. Für viele reicht das Grundschema nicht aus. Die Folgerung der Autoren lautet, Behandelnde sollten gezielt nach dem Funktionsniveau zu bestimmten Tageszeiten und für bestimmte Tätigkeiten fragen, um die Abdeckung über den Tag und in den Abend hinein anzupassen. Die Studie wurde dinanziert von Shire, mit Beteiligung des Geldgebers an Planung, Auswertung und Manuskriptfreigabe. Zwei Autoren sind ehemalige Shire-Mitarbeiter und Takeda-Aktionäre. Diagnosen wurden nicht geprüft, Selbstauswahl bei Onlinebefragung.
Eine Optimierung der Behandlung bei Erwachsenen mit ADHS erfordert die Berücksichtigung des individuellen Abdeckungsbedarfs zu verschiedenen Tageszeiten und eine passende Dosisoptimierung. Unterschiede zwischen den Präparaten hinsichtlich Wirkeintritt und Wirkdauer sind zu berücksichtigen, um die Abdeckung derjenigen Tätigkeiten zu gewährleisten, die sich über wesentliche Teile des Tages erstrecken, insbesondere in den Nachmittag und Abend hinein.190
Erforderlichkeit einer Ganztagesabdeckung am Beispiel Autofahren
Beim Autofahren wird die Abendabdeckung sicherheitsrelevant. Eine systematische Durchsicht von 15 randomisierten Studien fand, dass Stimulanzien die Fahrleistung von Betroffenen verbessern, am deutlichsten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Therapeutische Dosen von Stimulanzien oder Atomoxetin beeinträchtigten die Fahrleistung nicht. Unretardiertes Methylphenidat wirkte tagsüber ebenso gut wie OROS-Methylphenidat, verlor seine Wirkung am Abend jedoch. Retardierte gemischte Amfetaminsalze verbesserten die Fahrleistung tagsüber, verschlechterten sie am Abend aber, beschrieben wird ein Rebound-Effekt, der das Risiko von Fahrproblemen erhöhen kann. OROS-Methylphenidat behielt seine Wirkung auch spätabends bei. Die Abdeckung am Abend ist damit nicht nur eine Frage des Komforts. Bei Betroffenen, die abends fahren, kann die Wahl des Präparats über die Verkehrssicherheit mitentscheiden.191(Auswertung von k = 15 randomisierte Studien, überwiegend im Crossover-Verfahren, mit unretardiertem und OROS-Methylphenidat, dem Methylphenidat-Pflaster, retardierten gemischten Amfetaminsalzen, Atomoxetin und Lisdexamfetamin. Verfahren umfassten Fahrsimulatoren bis echte Fahrzeuge. Die Untersuchung zur Abenddeckung verglich 72 mg OROS-Methylphenidat, 30 mg retardierte Amfetaminsalze und Placebo bei 35 Jugendlichen, gefahren im Simulator um 17, 20 und 23 Uhr nach Einnahme um 8 Uhr. OROS-Methylphenidat war dem Placebo deutlich überlegen (Effektstärke 0,82), die Amfetaminsalze nur schwach (0,28). Unretardiertes Methylphenidat wirkte tagsüber ähnlich gut wie OROS, verlor die Wirkung aber am Abend.
In einer US-Kohorte von 2.319.450 Erwachsenen mit ADHS war das Unfallrisiko gegenüber gepaarten Vergleichspersonen erhöht (OR 1,49 bei Männern, 1,44 bei Frauen). Im Vergleich innerhalb derselben Person sank das Unfallrisiko unter Medikation deutlich, bei Männern um 38 %, bei Frauen um 42 %. Die Autoren schätzen, dass bis zu 22,1 % der Unfälle vermeidbar gewesen wären, wenn die Betroffenen behandelt worden wären. Einschränkend erfasst die Datenbank nur Notaufnahmebesuche, keine tödlichen oder leichteren Unfälle, und eine eingelöste Verordnung belegt nicht die tatsächliche Einnahme.192 Ausgewertet wurden Versicherungsdaten von 2005 bis 2014, mittleres Alter 32,5 Jahre, 51,7 % weiblich. Verglichen wurden Monate mit und ohne Medikation innerhalb derselben Person, wodurch Persönlichkeit, Schweregrad und Fahrerfahrung als Erklärung entfallen. Im blossen Vergleich zwischen Personen fiel der Effekt deutlich kleiner aus (OR 0,88 bei Männern, 0,86 bei Frauen).Die Ergebniss waren über allen Altersgruppen und in mehreren Sensitivitätsanalysen stabil.
Zum Rebound unter retardierten Amfetaminsalzen liegt eine eigene Untersuchung an 19 männlichen Jugendlichen von 17 bis 19 Jahren vor, mit Simulator und zusätzlich 25 Minuten realer Fahrt über 16 Meilen. Die Simulatorfahrten erfolgten um 17, 20, 23 und 1 Uhr, die Straßenfahrt um 24 Uhr. Gemessen wurde der Rebound 16 bis 17 Stunden nach Einnahme um 8 Uhr.Im Simulator um 1 Uhr nachts fiel die Leistung unter den Amfetaminsalzen gegenüber Placebo nicht bedeutsam ab, auf der Strasse traten dagegen mehr Unaufmerksamkeitsfehler auf als unter Placebo (p unter 0,04; Effektstärke 0,42) und als unter OROS-Methylphenidat (p unter 0,008; Effektstärke 0,90). Die Messwerte unter den Amfetaminsalzen streuten stärker. Grenzen sind die kleine Stichprobe und das Fehlen des hyperaktiven Erscheinungsbildes. Finanziert von McNeil Pediatrics, dem Hersteller von Concerta.193
Die benötigte Dauer der Medikamentenabdeckung über den Tag wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.(E 4)8
(Kein Beleg): Hier sind zu unterscheiden:
-
Aufmerksamkeits- und Organisationssymptome (Medikation nach Bedarf vertretbar, sofern der Betroffene dies bevorzugt)
-
Länge des Schul- oder Arbeitstages
-
Fordernde Situationen außerhalb der Arbeit (Veranstaltungen, soziale Events)
-
-
Impulsivität und emotionale Dysregulation (Ganztagesabdeckung rund um die Uhr erforderlich, gegebenenfalls Kombination mit ATX oder Guanfacin)
- Bedarf einer Medikation zur erträglichen Gestaltung des sozialen Lebens
ADHS endet jedenfalls nicht nach der Schule.
-
eine Behandlung sollte nicht nur eine Schulfähigkeit herstellen
-
Hausaufgaben, Sozialleben und Familienleben leiden unter ADHS ganz erheblich
-
Unbehandeltes ADHS geht mit einem deutlich erhöhten Unfallrisiko einher, und für ADHS insgesamt wird eine deutlich verkürzte Lebenserwartung berichtet (mehr hierzu unter: Lebenserwartung um 8 bis 11 Jahre verkürzt im Kapitel Folgen von ADHS). Eine medikamentöse Behandlung senkt diese Risiken messbar. Unter Stimulanzien sank die Gesamtsterblichkeit um rund 20 %, die Sterblichkeit durch unnatürliche Todesursachen um rund 22 %, und das Risiko von Suizidversuchen je nach Studie um 12 % bis 72 % (wobei die Verringerung mit der Dauer der Einnahme zunahm). Mehr hierzu unter: Verringerte vorzeitige Sterblichkeit, weniger Suizide im Kapitel Folgen von ADHS). Eine bestehende ADHS gar nicht oder nur für einen Teil des Tages zu behandeln, ist vor diesem Hintergrund sachlich schwer zu rechtfertigen.
Ein Unfall im unmedikamentierten Tagesteil beinhaltet das Risiko eines Haftungsfalls.
2.2.4.2.2. Anzahl der für Ganztagesabdeckung erforderlichen Einzeldosen
(E 4): Die für eine Tagesabdeckung erforderliche Anzahl der Einzeldosen eines an sich passenden Wirkstoffs und Präparates muss individuell ermittelt werden.(E 4)106 Bei MPH beeinflusst die Einzeldosishöhe die Wirkdauer der Einzeldosis nicht, während bei Lisdexamfetamin eine höhere Einzeldosis auch die Wirkdauer der Einzeldosis verlängert. (E 4)194
Wird eine Tagesabdeckung mit einer Einzeldosis eines Präparates nicht erreicht:
-
Mehrfacheinnahme über den Tag verteilt (bis hin zu 3 Halbtagesretard-Präparate-Dosen)
-
Retardierte Präparate lassen sich auch durch unretardierte ergänzen
-
Eine Ganztagesabdeckung kann die Kombination von retardierten und unretardierten Stimulanzien erfordern.(E 4)195
-
Dyanavel XR, ein besonders lang wirksames Amfetaminpräparat (in Deutschland nicht zugelassen), geht mit einem verringerten Bedarf an zusätzlicher Einnahme unretardierter Stimulanzien einher (E 2b)196
(E 1b): Die Befürchtung, dass stimulierende Medikamente den Schlaf beeinträchtigen würden, ist nach Dodson häufig unbegründet.(E 4)8 In der Regel verbessern Stimulanzien die Schlafqualität von ADHS-Betroffenen. Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an Erwachsenen mit ADHS fand unter Methylphenidat eine verkürzte Schlafdauer bei zugleich verbesserter Schlafqualität.(E 1b)5
Wissenschaftlich: Metaanalyse zu objektiv gemessenen Schlafparametern bei Kindern
Bei Kindern und Jugendlichen fand eine Metaanalyse objektiv gemessener Schlafparameter durch Stimulanzien im Mittel eine verlängerte Einschlafdauer, eine schlechtere Schlafeffizienz und eine kürzere Schlafdauer. (Effektstärke für die Schlafdauer -0,59). (Metastudie, k = 9, n = 246) (E 1a)197
Daher ist insbesondere auf eine rechtzeitige Beendigung der Einnahme am späten Nachmittag zu achten. Mehr hierzu unter Behandlung von Schlafproblemen bei ADHS
Je länger die Halbwertszeit des Abbaus des Wirkstoffes im Verhältnis zur Wirkdauer einer Einzeldosis, desto öfter ist eine Anpassung der Anzahl der Tagesdosen erforderlich. Bei ADHS-Medikamenten betrifft dies folglich insbesondere Lisdexamfetamin. Unretardiertes MPH hat eine Wirkdauer von 2,5 bis 3,5 Stunden. Unretardiertes Amphetamin hat eine Wirkdauer von bis zu 4,5 Stunden. MPH-Halbtagesretards wirken 4,5 bis 6 Stunden, Ganztages-MPH-Retards bis zu 10 oder 12 Stunden, dAMP aus LDX hat eine Halbwertszeit von 12 Stunden. Die Einzeldosiswirkdauer liegt laut Hersteller bei 12 Stunden, in der Realität jedoch bei mehr als der Hälfte der Betroffenen nur bei 7 Stunden und weniger - siehe unter Erfahrungswerte der Wirkdauer einer Einzeldosis Lisdexamfetamin).
Dies ist ein deutlicher Hinweis auf einen schmalen therapeutischen Wirkungsbereich. Nach unserem Verständnis wäre in diesem Fall eine höhere Einzeldosis, um eine längere Einzeldosiswirkung zu erzielen, hochgradig unsinnig - jedenfalls solange die Einnahmecompliance nicht entgegensteht. Es entspricht den pharmakologischen Grundlagen, dass bei Wirkstoffen, die einen beachtenswerten Steady State haben (wie LDX), eine Erhöhung der Einzeldosis über das für eine ausreichende Wirkstärke einer Einzeldosis hinaus das Risiko einer zeitweiligen Überdosierung beinhaltet.
Online-Umfrage von ADxS.org zur selbstberichteten Wirkdauer einer Einzeldosis Lisdexamfetamin, Stand 03.05.2026, 781 Teilnehmer.
*“Die Verabreichung intermittierender Bolusdosen eines Arzneimittels mit enger therapeutischer Breite setzt den Patienten toxischen und unwirksamen Spiegeln während der Spitzen- bzw. Talphase aus.
Eine Erhöhung der Häufigkeit der intermittierenden Verabreichung bei gleichzeitiger Verringerung der Dosis kann dazu beitragen, die Fluktuation zu verringern und die Verabreichung der Praxis einer Infusion anzunähern, was jedoch wahrscheinlich mit einer schlechteren Compliance der Patienten bei der Einnahme des Arzneimittels einhergeht.“* (E 4)198
Gerade bei Stimulanzien sollte eine unnötig hohe Dosierung möglichst vermieden werden.
Die empirische Erfahrung zeigt, dass ein relevanter Anteil der Betroffenen mit mehreren und dafür niedrigeren Einzeldosen LDX (oft zudem absteigend, z.B. 20-10-0 oder 25-10-5) sehr viel besser zurechtkommt, als mit einer einzelnen höheren Einzeldosis. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Behandlungsform bei LDX off-Label ist, da dies unserer Auffassung nach unnötige Überdosierungsspitzen provoziert.
2.2.4.2.3. Individuelle Wirkdauer einer Einzeldosis kann stark verkürzt / verlängert sein
Bedeutung für Betroffene
Die Angaben der Hersteller zur Wirkdauer gelten für Menschen mit durchschnittlichem Stoffwechsel. Sehr viele Betroffene weichen davon ab.
Normalerweise bauen rund 15 bis 20 % den Wirkstoff so schnell ab, dass eine Dosis nur etwa halb so lange wirkt wie angegeben. Bei Elvanse berichtet nach unseren Umfragen etwa die Hälfte der Betroffenen eine deutlich kürzere Wirkdauer als 12 Stunden.
Deutlich seltener ist der umgekehrte Fall, dass die Wirkung länger anhält als angegeben und sich über die Tage aufsummiert, was dann wie eine Überdosierung wirkt.
Beides ist kein Zeichen dafür, dass das Medikament nicht passt. Es bedeutet nur, dass die Anzahl der Tagesdosen angepasst werden muss.
2.2.4.2.4. Herstellerangaben
(E 4): Herstellerangaben zur Wirkdauer (in der Praxis selten erreicht) (E 4)41 (E 4)42
-
unretardiertes MPH wirkt 2,5 - 3,5 Stunden/Einzeldosis
-
4 bis 5 Einzeldosen für Tagesabdeckung erforderlich
-
auf Dauer und insb. Bei Kindern kaum umsetzbar
-
zum Eindosieren ist unretardiertes MPH dennoch vorteilhaft, da am feinsten regulierbar
-
-
halbtagesretardiertes MPH wirkt im Schnitt 4,5 - 6 Stunden/Einzeldosis
-
2 Dosen + ggf. unretardiertes MPH zur Restabdeckung (E 4)187
-
zweite Dosis idR 50 % bis 75 % der ersten Dosis
-
-
Ganztages-retardiertes MPH wirkt im Schnitt 10 - 12 Stunden
-
Attentin (unretardiertes AMP) wirkt im Schnitt 4,5 Stunden / Einzeldosis.(E 4)49
-
2 Dosen und ggf. unretardiertes MPH zur Restabdeckung
-
Zweite Dosis idR 50 % bis 75 % der ersten Dosis
-
-
Lisdexamfetamin (Elvanse) wirkt bis zu ca. 10 - 12 Stunden (Achtung: in der Praxis bei mehr als 50 % der Betroffenen sehr viel kürzer!)
-
Amphetaminmedikamente benötigen bis zum Steady State 3 bis 5 Tage
-
1 Dosis und ggf. unretardiertes MPH zur Restabdeckung
-
bei Schnellverstoffwechslern (mehr als 50 %) ggf. zweite Dosis erforderlich)
-
bei Superschnellverstoffwechslern ist auch eine dritte oder vierte Dosis anzudenken
-
-
Guanfacin
- Spiegelmedikament, 1 x täglich
-
Atomoxetin
- Spiegelmedikament, 1 x täglich
2.2.4.2.5. Verlängerte Wirkung (eher selten)
(Erfahrung ADxS): Eher selten begegnen uns Betroffene, die eine deutlich längere Wirkung einer Einzeldosis eines ADHS-Medikaments haben, als herstellerseitig angegeben.
Dies zeigt sich zuweilen in einer adäquaten Wirkung einer Dosishöhe am ersten und ggf. Noch am zweiten Tage der Einnahme. An Folgetagen ergeben sich bei gleichbleibender Dosierung Überdosierungssymptome. Sofern Amphetaminmedikamente betroffen sind, sollte in diesem Zusammenhang auch der Steady-State aufgrund der recht langen Halbwertszeit berücksichtigt werden.
2.2.4.2.6. Verkürzte Wirkung (recht häufig)
(Erfahrung ADxS): Häufiger sind dagegen Betroffene, bei denen eine Einzeldosis deutlich kürzer wirkt als vom Hersteller angegeben.
Nach unserer Erfahrung sind rund 15 bis 20 % der Betroffenen ausgeprägte Schnellverstoffwechsler, bei denen eine Einzeldosis nur etwa halb so lange wirkt wie vom Hersteller angegeben. Eine mäßig verkürzte Wirkdauer ist deutlich häufiger.
-
Schnellverstoffwechsler benötigen oft mehrere Dosen/Tag anstatt höheren Einzeldosen
-
Insbesondere bei Lisdexamfetamin berichtet nach unseren Umfragedaten etwa die Hälfte der Betroffenen eine Wirkdauer deutlich unterhalb der Herstellerangabe
-
meist Superschnellverstoffwechsler (z.B. saurer pH-Wert oder schnellmetabolisierende CYP- oder CES1-Genvariante)
-
mehrfache Dosierung auch von Ganztagesretards am Tag
-
Kombinationsmedikation für Feineinstellung / bei schwierigen Fällen
- mehr hierzu unter Kombinationsmedikation bei ADHS
-
insbesondere:
-
50 % ATX zur Ganztagesbehandlung der emotionalen Dysregulation
-
50 % MPH oder AMP, da meist bessere Wirkung auf Antrieb / Konzentration
-
-
Reboundbehandlung
-
Rebound besonders häufig bei MPH
-
Abhilfe:
-
Zweite Dosis so rechtzeitig nehmen, dass diese einsetzt, bevor erste Dosis in Rebound ausläuft
-
unretardiertes MPH kurz vor Ende der letzten Dosis
-
1/4 bis 1/3 dessen, was einer Behandlungsdosis am Tage entspräche
-
Beispiel: 20 mg halbtagesretardiertes MPH entspricht 2 x 10 mg unretardiertes MPH. Hier also 2,5 bis 3,5 mg unretardiertes MPH 30 min vor Ende der letzten retardierten Dosis.
-
-
Das Phänomen der verkürzten Einzeldosiswirkdauer findet sich bei Elvanse deutlich häufiger als bei MPH:
-
Anders als bei MPH berichtet bei Elvanse eine deutlich höhere Anzahl Betroffener von deutlich kürzerer Wirkdauer als die vom Hersteller angegebenen 12 bis 14 Stunden. Viele davon konnten eine optimale Tagesabdeckung durch mehrere Einzeldosen erreichen. Mehr hierzu unter Amphetaminmedikamente bei ADHS: Wirkungsprofil (zeitlich) / Wirkdauer
-
Einzelne Betroffene berichten, dass intensiver Sport die Wirkdauer von Stimulanzien um bis zu 40 % verkürzen kann. (Erfahrung ADxS)199
- Mehr hierzu unter Körperliche Betätigung / Sport im Beitrag Wirkstärke und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten
-
Innerhalb einer Person wirken höhere Dosen von Amphetamin länger (E 4)8
-
Da Amfetamin überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, beeinflussen neben der Gesamtdosis auch die Nierenfunktion und vor allem der Harn-pH die Wirkdauer
-
Eine weitere Folge davon ist, dass sich der Amphetamin-Blutspiegel langsamer verändert und weniger anfällig für Rebound ist als bei Methylphenidat
-
2.2.4.2.7. Aufklärung über Wirkdauer der verschriebenen Dosen
Betroffene müssen bei der Eindosierung ausdrücklich auf die typische Wirkdauer einer Einzeldosis des jeweiligen Präparats hingewiesen werden. Dies ist nicht nur ethisch geboten, sondern auch medizinisch und therapeutisch erforderlich.
Wir erhalten immer wieder Berichte von Betroffenen, die im Glauben gelassen wurden, dass eine Einmaldosis unretardierten oder halbtagesretardierten MPHs (z.B. Ritalin adult) über den ganzen Tag wirken würde, anstatt auf die übliche Wirkzeit von 2,5 bis 3 Stunden (unretardiert) bzw. 5 bis 6 Stunden (Halbtagesretard) hinzuweisen. Dies führt naturgemäß zu fehlerhaften Rückmeldungen an den Arzt, wenn berichtet wird, dass die Symptomatik unverändert sei, weil in Unkenntnis der begrenzten Wirkdauer irrtümlich über den Zeitraum am Nachmittag oder Abend außerhalb der Wirkung berichtet wird.
2.2.5. Dosierungsanpassungen
Bedeutung für Betroffene
Wenn eine anfangs sehr gute Wirkung nach einigen Wochen nachzulassen scheint, liegt das meist nicht am Medikament. Man gewöhnt sich an den besseren Zustand und nimmt ihn nicht mehr als Verbesserung wahr. Ein Vergleich mit dem Eindosierungstagebuch hilft hier weiter.
Ziel der Behandlung ist nicht, gar keine Symptome mehr zu haben. Auch Menschen ohne ADHS zeigen einen Teil dieser Symptome.
Eine Studie untersuchte über 14 Monate, wie gut die Eindosierung die spätere Dauerdosis vorhersagt. Ausgangspunkt war eine placebokontrollierte, doppelblinde Titration mit täglichem Dosiswechsel. Verglichen wurde deren Ergebnis mit der anschließenden Erhaltungstherapie. Die in der Titration bestimmte Dosis blieb nicht unverändert, im Verlauf waren Anpassungen nötig. Eine einmal gefundene optimale Dosis ist damit kein Dauerwert, sondern regelmäßig zu überprüfen.200Von 230 Kindern mit gefundener Optimaldosis blieben nur 39 (17 %) über die Erhaltungsphase von durchschnittlich 11,8 Monaten bei derselben Behandlung und Dosis. Bei 186 (81 %) kam es zu mindestens einer Änderung, 20 davon kehrten bis zum Ende zur ursprünglichen Einstellung zurück, sodass am Ende 59 Kinder (25 %) wieder bei der Titrationsdosis lagen. Im Mittel waren 2,8 Änderungen je Kind nötig, die erste nach 4,7 Monaten. Die Korrelation zwischen Titrationsdosis und Enddosis lag zwischen 0,52 und 0,68. Kinder mit zusätzlicher Verhaltenstherapie kamen mit 31,1 mg aus gegenüber 38,1 mg unter alleiniger Medikation. Bei dem verwendeten Anpassungsverfahren war eine Änderung um bis zu 10 mg gegenüber der laufenden Dosis erlaubt. Jede Änderung wurde in der Regel einen Monat erprobt. Weitergehende Erhöhungen bedurften der Zustimmung eines Fachgremiums. Eine Dosisverringerung war nur bei mittelschweren bis schweren Nebenwirkungen zulässig, ein planmäßiges Absenken zur Prüfung war nicht vorgesehen.
Ein Vergleich der MTA-Behandlungsarme zeigte, dass die Behandlungsqualität auf die Dosishöhe durchschlägt. Die mittlere MPH-Tagesdosis lag bei Kindern in der üblichen Versorgung deutlich niedriger (18,7 mg/Tag) als bei Behandlung durch Studienärzte (32,8 mg/Tag). Letztere Gruppe hatte die besseren Ergebnisse. Eine Übersichtsarbeit schlussfolgerte daraus, dass eine scheinbare Unwirksamkeit von Stimulanzien auf eine zu zögerliche Titration oder schlicht auf Unterdosierung zurückgehen kann. Diese Unterdosierung kann zu Behandlungsbeginn oder Monate bis Jahre später auftreten, wenn ein zuvor wirksames Schema an Wirkung verliert, z.B. weil das Kind gewachsen ist. Innerhalb der ersten sechs Behandlungsmonate kann eine leichte Toleranz auftreten, die eine einmalige Dosiserhöhung um 20 bis 30 % erfordert. Vorhersehbare Nebenwirkungen wie Appetitminderung und Schlaflosigkeit lassen sich durch niedrigen Beginn und schrittweise Steigerung geringhalten. Eigentümliche Nebenwirkungen, die sich aus den Wirkstoffeigenschaften nicht ableiten lassen, machen in der Regel ein Absetzen erforderlich. Dazu zählen die Autoren Tics und Stimmungsänderungen.66
Ziel ist, dass die Symptome nicht mehr erheblich beeinträchtigen.
Das Empfinden, dass eine sehr gute Wirkung nach der ersten Einstellung nach einigen Tagen bis Wochen nachlässt, ist oft nicht auf eine veränderte Wirkung, sondern auf ein verändertes Empfinden der Betroffenen zurückzuführen. In der sogenannten Honeymoonphase unmittelbar nach Erreichen einer wirksamen Dosis wird der Unterschied zum defizitären Zustand davor als besonders positives Erlebnis wahrgenommen. Ein solches Gefühl einer besonderen Verbesserung ist naturgemäß vergänglich, wie das Hochgefühl eines Fußballfans nach gewonnener Meisterschaft sich binnen Tagen normalisiert, obwohl die ganze Saison mitgezittert wurde. Hier ist genau zu prüfen, ob wirklich ein höherer Dosierungsbedarf besteht. Dabei können Fremdbeurteilungen hilfreich sein.
-
Es kann passieren, dass nach einigen Monaten einmalig eine Nachjustierung erforderlich ist. Dies stellt keinen Gewöhnungseffekt dar, der sich regelmäßig wiederholt.
-
Einmal im Jahr sollte ein Auslassversuch erfolgen, um zu überprüfen, ob das Verhalten ohne Medikamente weiterhin ADHS-Symptome aufweist.
-
ADHS-Betroffene zeigen 75 % der möglichen ADHS-Symptome häufig, Nichtbetroffene 12 bis 25 %. Ziel der optimalen Dosierung ist daher nicht eine völlige Symptomfreiheit, sondern eine Reduzierung der Symptome auf ein gesundes Maß. Ein Versuch, solange höher zu dosieren, bis sämtliche Symptome komplett beseitigt wären, würde zwangsläufig in einer Überdosierung enden.
2.2.6. Bedarfsabhängige Einnahme
Bedeutung für Betroffene
Während der Eindosierung ist es wichtig, sich genau an das vorgegebene Schema zu halten. Eigenmächtige Änderungen von Dosis oder Zeitpunkt machen die Beobachtung wertlos, und die Eindosierung muss von vorn beginnen.
Erst wenn man gut eingestellt ist, kann bei Erwachsenen eine bedarfsabhängige Einnahme sinnvoll sein. Bei Kindern ist ein festes Schema in der Regel der sicherere Weg.
Je größer die Eigensteuerungsfähigkeit ist, desto eher können Betroffene Stimulanzien bedarfsabhängig einnehmen. Während für Kinder ein starres Einnahmeschema in der Regel der sicherere Weg ist, können Erwachsene nach Abschluss der Eindosierung eher tageweise entscheiden, ob und in welcher Dosis sie die ihnen verschriebenen Stimulanzien einnehmen (innerhalb des mit dem Arzt abgestimmten Einnahmekorridors). Manche Betroffene können damit gut regulieren, wenn besondere Aufgaben (z.B. Abendliche Veranstaltungen) eine zusätzliche Abenddosis oder die einzige Dosis eines ansonsten medikamentenfreien (weil anforderungsfreien) Wochenendtages (Einkäufe am Samstagnachmittag oder im Urlaub) erfordern. Der Leitsatz lautet: „Ich steuere mein ADHS, nicht mein ADHS steuert mich“. (E 4)112
(Erfahrung ADxS): Während der Eindosierung dürfen Erwachsene nicht vom vorgegebenen Schema abweichen. Wir erleben immer wieder, dass die Impulsivität und Ungeduld der Betroffenen zu Wechseln der Dosis oder der Einnahme innerhalb von 2 oder 3 Tagen führen. Das ist jedoch vornehmlich ein Zeichen der Störung. Stimulanzien benötigen mehrere Tage gleicher Dosis, um eine stabile Selbstwahrnehmung zu ermöglichen.
Bei Frauen sind die Tage vor der Menstruation häufig mit einem erhöhten Stimulanzienbedarf verbunden. Siehe hierzu unten unter Zyklusabhängige Symptomschwankungen bei Frauen.
2.2.7. Präparate- und Wirkstoffwechsel
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Wirkt ein Medikament nicht oder wird es schlecht vertragen, ist das kein Grund aufzugeben. Erstaunlich viele Betroffene vertragen ein anderes Präparat desselben Wirkstoffs deutlich besser. Welches das ist, lässt sich vorher nicht vorhersagen.
Deshalb gilt die Reihenfolge: erst ein anderes Präparat versuchen, dann den Wirkstoff wechseln.
Rund 30 % sprechen nicht auf Methylphenidat an und rund 20 % nicht auf Amfetaminmedikamente. Beides zugleich betrifft nur eine kleine Minderheit, sodass die allermeisten Betroffenen mit einem der beiden Wirkstoffe zurechtkommen.
Ein Wechsel zwischen Methylphenidat und Amfetaminmedikamenten erfordert keine Medikamentenpause.
(Einschätzung ADxS): Nicht optimale Medikamentenansprache kann Medikamentenwechsel erfordern
z.B.:
-
Nonresponding / Teilresponding
-
Präparate innerhalb der Wirkstoffgruppe wechseln
-
Wirkstoffgruppe wechseln
-
Medikamente kombinieren ⇒ Medikamentenkombinationen bei ADHS
-
-
Nebenwirkungen, die Einnahme erforderlicher Dosierung verhindern
-
die meisten Nebenwirkungen treten (nur) in Eindosierungsphase auf (erste Wochen)
-
je langsamer die Eindosierung, desto geringer die zu erwartenden Eindosierungsnebenwirkungen
-
Wirkstoff wechseln
-
-
ggf. Medikamente kombinieren ⇒ Medikamentenkombinationen bei ADHS
* z.B. bei verringerter Emotionalität (Zeichen von Überempfindlichkeit oder Überdosierung von MPH/AMP - dann 50/50 ATX und MPH oder AMP oft besser).
-
Komorbiditäten
Präparate- oder Wirkstoffwechsel können aufgrund ungünstiger Nebenwirkungsreaktionen oder aufgrund von Nonresponding (ausbleibende Wirkung) erforderlich oder hilfreich sein.
Zeigt eine Medikamentengabe keine Wirkung (Nonresponding), sollte insbesondere bei MPH zunächst auf ein anderes MPH-Präparat gewechselt werden. Erstaunlich häufig reagieren Betroffene auf ein MPH-Präparat negativ oder mit zu starken Nebenwirkungen und auf ein anderes MPH-Präparat positiv, während es anderen genau andersherum ergehen kann. Eine landesweite koreanische Auswertung von 132.017 medikamentös behandelten ADHS-Betroffenen fand, dass bei 85 % im Behandlungsverlauf zwischen verschiedenen MPH-Präparaten gewechselt wurde.(E 3)201
Zeigt ein Wirkstoff insgesamt (unabhängig vom Präparat) keine Wirkung (Nonresponding), sollte zunächst ein anderer Wirkstoff versucht werden.
(E 1a): Rund 40 % aller Betroffenen reagieren nicht auf MPH, ebenso reagieren rund 30 % nicht auf AMP (Nonresponder). 87 % der ADHS-Betroffenen hätten auf einen der beiden Wirkstofftypen angesprochen.(E 4)202 Zum selben Ergebnis (deutlich bessere Ansprechraten auf Amphetaminmedikamente als auf MPH) kommt eine Metaanalyse von 32 Untersuchungen.(E 1a)203
Ein Wechsel zwischen den Wirkstoffklassen lohnt sich auch dann, wenn der erste Wirkstoff wirkte, aber nicht ausreichend. In zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Vergleichsstudien an Jugendlichen wurden Lisdexamfetamin und retardiertes Methylphenidat direkt gegeneinander geprüft. Beide waren Placebo überlegen, unterschieden sich aber in Ansprechraten und Nebenwirkungsprofil.204
Das Nonresponding betrifft jedoch nur selten beide Wirkstoffe zugleich, sodass rund 85 % bis 90 % der Betroffenen entweder auf MPH oder auf AMP reagieren. Rund 40 % derjenigen, die nicht auf MPH ansprechen, sprechen auf Atomoxetin an.(E 4)36
Das Ansprechen geht zwischen den Wirkstoffklassen weit auseinander. In einer sechswöchigen placebokontrollierten Vergleichsstudie bei Kindern und Jugendlichen erreichte OROS-Methylphenidat eine Ansprechrate von 56 %, Atomoxetin von 45 %, Placebo von 24 %. In der anschließenden verblindeten Umstellungsphase sprach ein Drittel der Betroffenen auf jeweils nur eines der beiden Medikamente an. Ein Nichtansprechen auf den einen Wirkstoff sagt also wenig über den anderen aus, was den Wechsel zu einer eigenständigen Behandlungsoption macht und nicht zu einem Notbehelf.205
In den sechs aussagekräftigsten Crossover-Studien mit zusammen 174 Betroffenen sprachen 48 besser auf Amfetamin an, 27 besser auf Methylphenidat und mindestens 72 auf beide, also eine Gesamtansprechrate von mindestens 87 %, wenn beide Wirkstoffe erprobt werden. Die Autoren folgern daraus, dass Betroffene, bei denen ein Stimulans versagt, das jeweils andere versuchen sollten. Pharmakologisch begründet sich das damit, dass Methylphenidat ein reiner Wiederaufnahmehemmer ist, während Amfetamin zusätzlich Katecholamine freisetzt.206 Ohne die beiden Studien aus einem ganztägigen verhaltenstherapeutischen Sommerprogramm, das die Ausgangswerte normalisierte, lag die Rate bei 92 %. Bei der Auswertungsmethode einiger Studien blieben Doppelresponder unentdeckt, die 87 % sind daher eine Untergrenze. Keine Crossover-Studie zeigte eine Übereinstimmung des Ansprechens auf individueller Ebene. In jeder Studie gab es Teilnehmer, die auf das eine ansprachen und auf das andere nicht, in beide Richtungen.
In einer Untersuchung an 49 zuvor unbehandelten Erwachsenen mussten 41 % innerhalb von 90 Tagen wegen schlechter Verträglichkeit von der zuerst verordneten Wirkstoffklasse auf die andere wechseln. Zuerst verordnet wurde bei 67 % Methylphenidat, bei 33 % ein Amfetaminpräparat. Die Wechselrate war bei zuerst verordnetem Methylphenidat signifikant höher. Unter Amfetamin waren dafür häufiger Formulierungswechsel oder Zusatzmedikation nötig. Unter Amfetamin blieben mehr bei der Klasse, brauchten aber eine andere Zubereitungsform oder eine zusätzliche angstlösende beziehungsweise antidepressive Behandlung. Es waren keine Merkmale erkennbar, die vorhersagen konnten, wer wechseln musste.207
Bei einem Wechsel zwischen Methylphenidat und Amfetaminmedikamenten wird aufgrund der kurzen Halbwertszeit keine Medikamentenpause benötigt. Auch bei ADHS-Spiegelmedikamenten wie Guanfacin oder Atomoxetin werden keine nachteiligen Wirkungen bei einem zeitnahen Wechsel berichtet. Bei einem Wechsel von MAO-Hemmern zu Stimulantien oder Atomoxetin sowie von Stimulantien oder Atomoxetin zu einem MAO-Hemmer muss eine 14-tägige Wartezeit eingehalten werden - und selbstverständlich ist eine gleichzeitige Einnahme nicht erlaubt.
Es wird berichtet, dass die häufig sehr individuelle optimale Stimulanziendosis bei MPH und AMP unterschiedlich sein kann. Ein Betroffener kann für eine angemessene Wirkung eine relativ hohe Dosis MPH oder eine relativ niedrige Dosis AMP benötigen. Daher ist bei einem Wechsel des Wirkstoffs ein erneutes individuelles Titrieren erforderlich.(E 4)112 In der Folge wären die bekannten Umrechnungstabellen bei einem Wirkstoffwechsel mit Vorsicht zu betrachten.
2.2.7.1. Nonresponding: Wirkstoffwechsel
-
MPH: 30 % Nonresponder
-
bei Nichtwirkung von MPH:
-
Magensäure checken
-
Wirkstoff wechseln
-
-
-
AMP: 20 % Nonresponder
-
bei Nichtwirkung von AMP:
- pH-Wert des Urins zum Einnahmezeitpunkt checken
-
Über 40 % der Betroffenen hilft bei Nonresponding ein Präparatewechsel in den ersten 3 Monaten.(E 2b)208
(E 4): Bei einem Wirkstoffwechsel zwischen MPH und AMP aufgrund Nonresponding verbleiben nur noch ca. 10 % (E 4)49 bis 15 %, die Nonresponder für beide Stimulanzienarten sind.(E 4)41 (E 4)42 Dies ist immerhin das 1,6- bis 2,5-Fache eines rein zufälligen Doppelnonrespondings (30 % x 20 % = 6 %), was darauf hindeutet, dass es doch gemeinsame Respondingfaktoren gibt, wenn auch wenige.
REVIEW zu Handlungsoptionen bei therapieresistentem ADHS: Cortese et al.(E 4)209
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Stimulanzien optimieren
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alternative Monotherapien versuchen
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Nicht-Stimulanzien versuchen
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kombinierte Pharmakotherapie
- Eine Kombination von Stimulanzien mit Nichtstimulanzien ist einer Monotherapie mit nur einer Wirkstoffgruppe überlegen
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Off-Label-Medikamente verwenden, die nachweislich bei ADHS helfen
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komorbide Erkrankungen behandeln
2.2.7.2. Nebenwirkungen: Präparate- oder Wirkstoffwechsel
Zur Vermeidung von Nebenwirkungen siehe zunächst unten unter “Nebenwirkungen vermeiden”.
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MPH
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bei unangemessenen Nebenwirkungen:
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Prüfen: Wurden die Empfehlungen unter “Nebenwirkungen vermeiden” beachtet, insbesondere Koffein komplett weggelassen?
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Überdosierung?
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Bedarf sehr geringer Dosierung?
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bei grundsätzlichem Responding von MPH:
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erst Präparat wechseln
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erstaunlich individuelle Nebenwirkungsreaktionen
- Person A verträgt Präparat A nicht und B prima, Person B genau umgekehrt: nicht vorhersagbar
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Präparate-Alternativen z.B.:
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unretardiert
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Medikinet retard / Adult
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Ritalin LA / Adult
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Concerta
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Kinecteen
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dann Wirkstoff wechseln
- Reihenfolgenempfehlung siehe oben unter Wahl des Wirkstoffs
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AMP
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bei unangemessenen Nebenwirkungen:
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Prüfen: Wurden die Empfehlungen unter “Nebenwirkungen vermeiden” beachtet, insbesondere Koffein komplett weggelassen?
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Überdosierung?
-
Bedarf sehr geringer Dosierung?
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bei grundsätzlichem Responding von AMP:
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erst Präparat wechseln
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erstaunlich individuelle Nebenwirkungsreaktionen
- Person A verträgt Präparat A nicht und B prima, Person B genau umgekehrt: nicht vorhersagbar
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Präparate-Alternativen z.B.:
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Lisdexamfetamin (Elvanse)
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unretardiert (Attentin)
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Amfetaminsaft (von Apotheke herzustellen)
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USA: hohe Anzahl weiterer zugelassener Präparate
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dann Wirkstoff wechseln
- Reihenfolgenempfehlung siehe oben unter Wahl des Wirkstoffs
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2.2.7.3. Umrechnungstabellen für den Wechsel zwischen Stimulanzien
Neben Medikamentenwechseln aufgrund von Nonresponding sind Lieferprobleme ein weiterer Anlass für die Beschäftigung mit Umrechnungen. Seit Oktober 2022 stehen in den USA gemischte Amfetaminsalze, seit Juli 2023 auch Lisdexamfetamin und Methylphenidat auf der Engpassliste der FDA. In Grossbritannien wurde im September 2023 ein Engpass bei retardiertem Methylphenidat, Lisdexamfetamin und retardiertem Guanfacin gemeldet.
Eine Umrechnungstabelle von Dexamfetamin zu Elvanse findet sich bei ADHSpedia.(E 4)210
Bei einem Präparate- oder Wirkstoffwechsel aufgrund von Nebenwirkungen ist die Umrechnungstabelle von Kühle sehr hilfreich (deutsch). Diese vermittelt einen Anhaltspunkt, welche Dosis einer anderen Stimulanzienart der Dosis eines bisher genommenen Medikaments entspricht. Hilfreich ist auch die Umrechnungstabelle von UpToDate (englisch).(E 4)211
Eine umfassende Umrechnungstabelle für amerikanische Stimulanzien-Präparate samt Empfehlungen für den Ablauf der Umstellung findet sich bei Stutzman et al.(E 4)47
Für den Wechsel zwischen racemischem Methylphenidat und Dexmethylphenidat gilt laut Zulassungstext ein festes Verhältnis von 2 zu 1. Die Dexmethylphenidat-Tagesdosis entspricht der Hälfte der bisherigen Methylphenidat-Tagesdosis, weil nur das d-Enantiomer wirksam ist. Eine Umstellung 1 zu 1 führt zur Unterdosierung. Bei unretardiertem Dexmethylphenidat wird mit 2,5 mg ein- bis zweimal täglich begonnen und wöchentlich um 2,5 bis 5 mg gesteigert. Die Tageshöchstdosis liegt bei 20 mg. Eine Umstellung im Verhältnis 1 zu 1 ist dagegen bei Onyda XR, DR/ER-MPH und retardiertem Clonidin ausdrücklich ausgeschlossen, diese Präparate müssen neu titriert werden.212
Eine Übersichtsarbeit von 2026 legt einen systematischen Rahmen samt Dosisäquivalenztabelle und Umrechnungsformeln vor. Die dort genannten Grundsätze lauten:213
- Zuerst innerhalb der Wirkstoffklasse wechseln
- ein Wechsel zwischen Methylphenidat-Zubereitungen erhält die Symptomkontrolle
- Isomerzusammensetzung ist zu beachten, da Dexmethylphenidat etwa doppelt so wirkstark ist wie razemisches Methylphenidat und beim Wechsel eine Halbierung der Dosis erfordert.
- Freisetzungsverfahren sind zu berücksichtigen, da sich OROS-Technik und perlenbasierte Systeme deutlich unterscheiden.
- Erst wenn Alternativen innerhalb der Klasse ausgeschöpft sind, kommt der Wechsel zwischen Amfetamin und Methylphenidat in Betracht.
Eine Auswertung von Beiträgen aus einem Onlineforum zwischen August 2021 und Februar 2024 famnd, dass Lieferengpässe Betroffenen erhebliche kognitive, emotionale und funktionelle Beeinträchtigungen, Schwierigkeiten beim Zugang durch unübersichtliche Versorgungsstrukturen, finanzielle Belastung und mangelnde Aufklärung über die Ursachen auferlegen können. Als Bewältigungsversuche wurden unter anderem genannt;214
- Änderung von Dosis oder Präparat in Eigenregie
- Auslassen von Dosen
- Aufsparen von Medikamenten
- Ausweichen auf Koffein und Nikotin
Für die Eindosierung ist das insofern bedeutsam, als Lieferengpässe zu unkontrollierten Dosisänderungen führen, die anschliessend als Wirkungsschwankung oder Toleranz fehlgedeutet werden können.
2.2.8. Toleranzentwicklung gegenüber Stimulanzien / Gewöhnungseffekte
Siehe hierzu ausführlich unter ⇒ Medikamente: Toleranzentwicklung
2.2.9. Absetzen von Stimulanzien
Bedeutung für Betroffene
Stimulanzien können in der Regel jederzeit abgesetzt werden. Ein Ausschleichen ist normalerweise nicht nötig, da sie unmittelbar wirken und schnell wieder abgebaut werden.
Vereinzelt berichten Betroffene nach dem Absetzen von Amfetaminmedikamenten über einige Tage Müdigkeit oder Antriebslosigkeit. Anders ist es bei Guanfacin und bei antidepressiv wirkenden Medikamenten: Diese müssen langsam ausgeschlichen werden.
(Erfahrung ADxS): Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetaminmedikamente wirken unmittelbar und dosisabhängig. Sie können in aller Regel sofort und ohne Nebenwirkungen abgesetzt werden. Im Vergleich zu den - teils sehr schweren - Nebenwirkungen, die Betroffene immer wieder vom - insbesondere zu schnellen - Absetzen von Antidepressiva berichten (hilfreich zum Verständnis: Dreher (2026) (E 4)9), kann pauschal gesagt werden, dass bei Stimulanzien keinerlei Absetzproblematik besteht. Die Betroffenen leiden dann allerdings am Wiederauftreten der ADHS-Symptome, was subjektiv auch als Absetznebenwirkung fehlinterpretiert werden kann.
(Erfahrung ADxS): Es gibt allerdings Betroffenenberichte von Absetzerscheinungen bei Amfetaminmedikamenten, in Einzelfällen sogar von bis zu 14 Tagen. Bei einer Minderheit der Betroffenen scheinen diese tatsächlich über die unangenehme Erfahrung des Wiederauftretens der ADHS-Symptome hinauszugehen. Ob dies mit einer vorherigen Überdosierung zusammenhängt, ist nicht bekannt. Auffällig ist, dass diese Berichte insbesondere aus den USA stammen. In einem uns bekannten Einzelfall wurden Entzugssymptome beim Absetzen von einer 10-fachen Überdosierung von Elvanse berichtet (50 mg, während der Patient lediglich 5 mg benötigte).
Gegebenenfalls wäre Entzugserscheinungen beim Absetzen mit einem langsamen Ausdosieren zu begegnen.
Eine systematische Durchsicht von 35 Arbeiten zum geplanten Absetzen von Stimulanzien bei Kindern und Jugendlichen fand grundsätzlich keine Absetzprobleme bei Stimulanzien. Es fanden sich zwei Besonderheiten: 215
- Es gab eine eigene Gruppe von Betroffenen, die beim Absetzen weder einen Rückfall noch eine Verschlechterung erleiden, was regelmässige Auslassversuche zur Prüfung des Fortbestands der Behandlungsnotwendigkeit rechtfertige.
- Bei gleichzeitiger Gabe von Antipsychotika (Risperidon, Aripiprazol) ist Vorsicht geboten. In mehreren Fallberichten trat nach abruptem Absetzen des Stimulans innerhalb von 33 Stunden bis 10 Tagen eine Dystonie auf. In dieser Konstellation wird ein langsames Ausschleichen unter Beobachtung auf Bewegungsstörungen empfohlen.
- Vier Veröffentlichungen beschreiben sieben Kinder mit akuter Dystonie nach dem Absetzen eines Stimulans (MPH wie AMP, zusammen mit Risperidon oder Aripiprazol). In fünf Fällen trat sie innerhalb von 33 Stunden auf, in zwei innerhalb von zehn Tagen.
- Mit dem Stimulans entfällt das erhöhte Dopamin als Gegengewicht zur Dopaminblockade, wodurch sich die Bindung des Antipsychotikums im Striatum verstärkt.
- Die Störungen bildeten sich unter anticholinergen Mitteln oder nach Wiederansetzen zurück.
- Umgekehrt können Entzugsdyskinesien auftreten, wenn bei laufender Stimulanzienbehandlung das Antipsychotikum abgesetzt wird, beschrieben in drei Fallberichten nach plötzlichem wie schrittweisem Absetzen. Sie halten teils mehrere Wochen an, nachdem das Stimulans beendet wurde. Empfohlen wird, das Antipsychotikum über Wochen auszuschleichen und das Stimulans sofort abzusetzen, sobald unwillkürliche Bewegungen auftreten.
- Ein weiterer Fallbericht betrifft ein 13-jähriges Mädchen mit schmerzhaften Wadenkrämpfen nach Absetzen von unretardiertem Methylphenidat für die Sommerferien.
2.2.10. Medikamententreue
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Ein großer Teil der Betroffenen setzt die Medikamente früher ab, als medizinisch sinnvoll wäre. Der häufigste Grund sind Nebenwirkungen.
Bei Unzufriedenheit mit der Medikation sollte dies zuerst mit dem Arzt besprochen werden, bevor sie abgesetzt wird. Sehr oft lässt sich das Problem durch eine andere Dosis, ein anderes Präparat, eine andere Einnahmezeit oder andere Nahrungsaufnahme zhur Einnahme lösen.
Obwohl ADHS-Medikamente keine Heilungswirkung zeigen, nehmen die meisten Betroffenen Medikamente nicht lebenslänglich oder machen Medikamentenpausen von mehr als 12 Monaten.
Dies kann auf ein fluktuierendes ADHS hinweisen. Mehr hierzu unter Fluktuierendes ADHS im Beitrag ADHS bei Erwachsenen.
In der grössten Untersuchung zur Medikamentenadhärenz an 1.229.972 Neueinstellungen aus 9 Ländern zwischen 2010 und 2020 nahmen ein Jahr nach Behandlungsbeginn noch 65 % der Kinder, 47 % der Jugendlichen, 39 % der jungen Erwachsenen und 48 % der Erwachsenen ihr Medikament. Nach fünf Jahren waren es 24 % der Kinder, 9 % der Jugendlichen, 10 % der jungen Erwachsenen und 15 % der Erwachsenen. Einschließlich von Wiederaufnahmen der Behandlung nach Unterbrechungen, blieben 30 bis 60 % über fünf Jahre in Behandlung. Die Behandlungskontinuität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen fiel niedriger aus, als es die bekannte Symptompersistenz in diesen Altersgruppen hätte erwarten lassen.216
Unter n = 43.825 Kindern und Jugendlichen von 6 bis 18 Jahren nahmen nur 43 % das Medikament durchgehend ein. Der stärkste Einflussfaktor war das Alter bei Behandlungsbeginn. Wer mit 6 bis 12 Jahren begann, blieb mehr als viermal so häufig dabei wie ein Beginn mit 17 bis 18 Jahren (OR 4,29; 95%-KI 3,93-4,69). Je länger zwischen Diagnose und erster Medikation verging, desto geringer die Einnahmetreue (OR 0,80 je Jahr). Als erstes Medikament war Lisdexamfetamin mit der höchsten Einnahmetreue verbunden (OR 2,2; 95%-KI 1,86-2,59) und zeigte als einziger Wirkstoff über alle Altersgruppen hinweg gleichbleibende Werte. Die Fallzahl war hier allerdings klein (n = 654). Männliches Geschlecht (OR 1,47) und niedriger sozioökonomischer Status waren ebenfalls mit höherer Einnahmetreue verbunden.217 Die Studie maß diefortgesetzte Rezepteinlösung, nicht den Behandlungserfolg.
Ein systematischer Überblick über k = 91 Originalstudien zeigte, dass ein Teil der scheinbar schlechteren Einnahmetreue bei unretardierten gegenüber retardierten Stimulanzien auf den Eindosierungsvorgang selbst zurückgeht. Unretardierte Präparate werden häufig zur ersten Titration eingesetzt und danach planmässig auf retardierte umgestellt. Für Studien, die auf Medikationsdatenbanken abstellen, sieht dieser reguläre Präparatewechsel wie ein Abbruch aus.218
Die berichteten Fortführungsraten schwankten zwischen 0,1 % und 89,9 %, je nach zulässiger Verordnungslücke und Beobachtungszeitraum. Die meisten Studien fanden Einnahmetreuewerte unter 80 %, was für die ADHS-Behandlung insgesamt als niedrig gilt. Langwirksame Medikamente hatten durchgöngig eine höhere Fortführungsrate als kurzwirksame Stimulanzien. Die Einnahmetreue bei ADHS ist mit derjenigen bei Schizophrenie, bipolarer Störung, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Bluthochdruck vergleichbar, das Problem ist also kein ADHS-spezifisches. Häufigster Abbruchgrund waren durchgängig Nebenwirkungen, unabhängig von der Wirkstoffgruppe. Eine sorgfältige Begleitung der Eindosierung auch im Hinblick auf Verträglichkeit beugt damit dem häufigsten Abbruchgrund vor(start low, go slow vermeidet unnötige Nebenwirkungen). Kinder und Jugendliche zeigten unter Nichtstimulanzien eine höhere Einnahmetreue als unter Stimulanzien. Bei Erwachsenen tendierte die Einnahmetreue unter Amfetaminpräparaten höher als unter Methylphenidat.
Wissenschaftlich: Studien zur Behandlungsdauer und zur Medikamententreue
Von n = 198 Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren (Schnitt 10,4 Jahre) wurden je nach Erhebungszeitpunkt 66,1 % bis 75,4 % als vollständig therapietreu eingestuft. Ein Viertel bis ein Drittel nahm die Medikation also nicht wie verordnet ein. Ein höheres Alter und ein niedrigerer IQ korrelierten mit einer Nichtadhärenz. Weder Mono- oder Multimedikation noch die Unterscheidung Stimulanzien gegenüber Nichtstimulanzien sagten die (teilweise) Medikamentenabsetzung oder unterbrochene Einnahme voraus.(E 2b)219
Bei finnischen Kindern und Jugendlichen mit ADHS lag die Medikamenteneinnahmedauer (bis zu einer Nichteinnahme von mindestens 12 Monaten) im Median 3,2 Jahre. Jungen hatten eine längere Behandlungsdauer als Mädchen, und je jünger die Probanden waren, desto länger war die Anwendungsdauer. Jungen von 6 bis 8 Jahren hatten mit einem Median von 6,3 Jahren die längste Behandlungsdauer.(E 2b)220
Von n = 7.661 ADHS-Betroffenen mit einem Durchschnittsalter von 21,8 Jahren erhielten nur 55,4 % Medikamente. Von den n = 4.011 Betroffenen, für die Informationen zur Medikamenteneinnahme vorlagen, lag die durchschnittliche Medikamenteneinnahmetreue bei 56 %. 27,5 % nahmen diese binnen 2 Jahren an mindestens 80 % der Tage ein.(E 3)221
2.3. Eindosierung mit unretardiertem MPH
Bedeutung für Betroffene
Dieser Abschnitt beschreibt den Ablauf Schritt für Schritt: Start mit 2,5 mg, dann schrittweise mehr Einzeldosen über den Tag, danach schrittweise höhere Einzeldosen, jeweils alle 4 bis 7 Tage und immer nur eine Änderung auf einmal.
Zwei Erfahrungen sind besonders wertvoll. Erstens: Nach Erreichen der scheinbar optimalen Dosis sollte in Absprache mit Ihrem Arzt noch zwei Stufen weiter gesteigert werden. Nur so lässt sich erkennen, wie sich eine zu hohe Dosis anfühlt, um sicherzustellen, dass das Optimum getroffen wurde. Zweitens: Nebenwirkungen auf einer niedrigen oder mittleren Stufe verschwinden manchmal bei einer höheren Stufe wieder.
Unretardiertes MPH ermöglicht einerseits eine bessere Kontrolle über die Symptomverbesserung, andererseits erfordert dies aufgrund der höheren Anzahl an Einzeldosen/Tag eine zuverlässigere Patientenmitwirkung. Daher kann sich bei Kindern und ganz besonders bei jüngeren Kindern eine Eindosierung mit retardierten Medikamenten empfehlen.
Gemäß der deutschen S3-Leitlinie 2018 kann z.B. Aus folgenden Gründen unretardiertes MPH erwogen werden: (E 4)222
• genauere Dosisanpassung während der initialen Titrierungsphase der Medikation
• erforderliche höhere Flexibilität in den Dosierungsschemata
Nach unserer Erfahrung empfiehlt sich:
-
Mit einer einmaligen, sehr geringen Dosierung starten (2,5 mg unretardiertes MPH) und davon erst mal ganz bewusst keinerlei Wirkung erwarten.
- Da halbtagesretardiertes MPH ab 5 mg erhältlich ist, kann anstatt 2 Dosen unretardiertem MPH auch eine 5 mg-Dosis retardiertes MPH genommen werden (übliche Wirkdauer ca. 5-6 Stunden)
-
Nach 4 bis 7 Tagen 2,5 mg unretardiert zweimal am Tag
-
Weitere Steigerung der Anzahl der Einzeldosen alle 4 bis 7 Tage bis zur Abdeckung des Tages.
Da unretardiertes MPH nur 2,5 bis 3 Stunden wirkt, sind für eine Tagesabdeckung 3 bis 5 Einzeldosen erforderlich. Mit nur zwei Dosen bliebe fast der gesamte Tag unmedikamentiert. Dies könnte die Beurteilung durch Betroffene oder Dritte völlig verfälschen, insbesondere wenn sie über das begrenzte Wirkzeitfenster (und den zu erwartenden Rebound) nicht aufgeklärt wurden. Vor allem aber würde es die Symptomatik und damit die Belastung des Betroffenen nicht ausreichend verringern.
-
Einzeldosen auf 5 mg steigern (retardiert auf 10 mg/Einzeldosis)
- Dabei je Dosierungsschritt immer nur eine Einzeldosis erhöhen und dabei von der ersten Dosis an vorgehen (z.B.: 2,5 / 2,5 / 2,5 auf 5 / 2,5 / 2,5 auf 5 / 5 / 2,5 etc.)
-
Danach alle 4 bis 7 Tage die Dosierung um maximal 2,5 mg / Einzeldosis unretardiertes MPH steigern.
Dosissprünge von 5 mg unretardiertem MPH / Einzeldosis (oder 10 mg / Einzeldosis Halbtagesretard, wie es z.B. Die Medikinet-Fachinformationen empfehlen), halten wir für nachteilig
-
Zweck: Das langsame Hochdosieren vermeidet, dass die optimale Dosis übersprungen wird.
- Nicht viele, aber ein durchaus nennenswerter Teil der Betroffenen hat nach unserer Erfahrung ein sehr schmales Fenster für eine optimale Dosierung von deutlich unter 5 mg, sodass 2,5 mg weniger / Einzeldosis nicht ausreichend und 2,5 mg mehr bereits erste Überdosierungsphänomene auslösen können. Ebenso: Dreher.(E 4)64 Es dürfte bislang recht häufig eine Unverträglichkeit angenommen worden sein, die in Wirklichkeit auf unpassende Dosierungen zurückzuführen war.
- (E 1a): Da so kleinteilige Eindosierungsstufen den anderen Betroffenen nicht schaden (sondern im Gegenteil Eindosierungsnebenwirkungen vermeiden helfen), (E 4)223 sollten Dosierungsschritte in 2,5-mg-Schritten (bezogen auf eine unretardierte MPH-Einzeldosis) der Goldstandard sein. So auch Kühle.(E 4)224 In dieselbe Richtung weist eine große Metastudie.(E 1a)102
- Andere Quellen empfehlen einen Start mit 1-2 Einzeldosen zu 5 mg und eine wöchentliche Steigerung der Einzeldosis in 5 mg-Schritten.(E 4)225 Aus den genannten Gründen halten wir diese Dosissprünge bereits für zu groß.
- Für Betroffene, bei denen bereits extrem kleine Dosisunterschiede entscheidend sind, bietet eine Apotheke in der Schweiz MPH-Tropfen an. Ein Tropfen enthält 0,35 mg MPH. Es wird in Chargen hergestellt und mittels E216 und E218 konserviert.(E 4)226 Eine Betroffene berichtet, dass ein Auflösen von unretardiertem MPH in Alkohol in so exakter Menge, dass diese per Tropfen abgemessen werden konnten, ein vergleichbares Ergebnis zeigte. Die typische Alkoholmenge von 20 Tropfen = 1 ml mit 50 % Alkohol entspricht 1/40 von 0,2 l Wein oder 0,5 l Bier.
-
-
Betroffene und (eingeweiht) beobachtende Dritte aufklären über
-
die übliche Wirkdauer des jeweiligen Präparats
-
die Möglichkeit einer individuell kürzeren oder längeren Wirkdauer
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über den zu erwartenden Rebound
- Die Kenntnis der üblichen Wirkungsdauer, dass diese individuell variieren kann, ist für die Beobachtung der Wirkung und ihres Endes ebenso wichtig wie dafür, dass die letzte Dosis so rechtzeitig vor dem zu Bett genommen werden kann, dass die Wirkung mindestens eine Stunde vorher abgeklungen ist. Bei einigen Betroffenen (wir vermuten, eher bei ADHS-I als bei ADHS-HI) kann eine verringerte Dosis (1/5 bis 1/2 einer optimierten Einzeldosis) in unretardierter Form beim Einschlafen helfen. Auch hierbei gilt: Gabe als Einschlafhilfe mit sehr geringen Dosen (1/10 der Tageseinzeldosis) antesten. Dabei sind retardierte Tagesdosen auf die unretardierte Wirkzeit umzurechnen. (Beispiel: 20 mg retardiert bei 5-6 Stunden Wirkzeit entsprechen 10 mg unretardiert bei 2,5-3 Stunden Wirkzeit).
-
-
Die Dosierung so lange steigern, bis eine sehr zufriedenstellende Wirkung erreicht ist.
- Auf Gruppenebene nimmt die Symptomatik mit steigender Dosis linear ab - allerdings gilt das nicht für jedes Kind gleichermaßen, und mit der Dosis nehmen auch die von den Eltern berichteten Nebenwirkungen linear zu.(E 1b)227
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Bei einer Tagesdosis von 20, 40, 60 mg MPH sollte jeweils ein Feedbackgespräch mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
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Zusätzlich empfiehlt sich die Führung eines Tagebuches (siehe unten). Manche Ärzte erwarten eine wöchentliche Übermittlung des Tagebuchs, z.B. Per Mail. Dies kann helfen, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
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Nach Erreichen der vermeintlich optimalen Dosis noch 2 weitere Steigerungen vornehmen, um festzustellen, dass jetzt eine negative Symptomatik dazukommt.
Zweck:
Es wird sichergestellt, dass nicht nur eine Verbesserung der Symptomatik, sondern die optimale Dosis ermittelt wird. Weiterhin erfährt der Betroffene, wie es sich anfühlt, wenn eine leicht zu hohe Dosierung besteht. Dies ist wichtig, damit der Betroffene ein Gefühl dafür entwickelt, was die optimale Dosierung ist, um gegebenenfalls weitere Dosisverringerungen anregen zu können.
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Es ist möglich, dass in bestimmten Dosierungsstufen unterhalb der optimalen Dosis Nebenwirkungen auftreten, die bei höheren Dosierungsstufen wieder verschwinden. Insbesondere eine innere Zittrigkeit (wie eine Tasse Kaffee zu viel) kann sich innerhalb von 2 bis 3 Tagen nach einer Dosiserhöhung wieder geben. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Anpassung des noradrenergen Systems. Uns haben mehrere Betroffene berichtet, dass bei der nächsten oder übernächsten Dosisstufe dieses innere Zittern nicht mehr auftrat. Wird es deutlicher oder besteht es dauerhaft, ist es ein Zeichen von Überdosierung
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Eine “Zombie”-Symptomatik deutet häufig entweder auf Überdosierung oder auf eine demaskierte Depression hin.
- Eine Metaanalyse von Studien zu stimmungs- und emotionsbezogenen Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen zeigte, dass MPH gegenüber Placebo zwar das Risiko für Reizbarkeit, Angst und Euphorie, aber das Risiko für Apathie und verringertes Sprechen erhöhte. Amfetamine erhöhten das Risiko emotionaler Labilität. Relevante Einflussfaktoren auf das Risiko waren unter anderem Dosis und Freisetzungsform. Besonders hohe unretardierte MPH-Dosen bei jüngeren Kindern und Mädchen gingen mit erhöhtem Risiko affektiver Abflachung (Zombie Modus) einher, was die Deutung von Apathie und emotionaler Abflachung als dosisabhängige Erscheinung stützt, nicht als unvermeidbare Wirkstoffeigenschaft.228
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Stimulanzien schließen Reizfilter: Dies dürfte einer der Gründe sein, warum Studenten Stimulanzien zwar für stressige Prüfungszeiten “ausprobieren” (wovon wir dringend abraten), diese danach aber aus eigenem Antrieb nicht weiternehmen. Tatsächlich haben Studenten, die missbräuchlich Stimulanzien für Prüfungsphasen nehmen, überdurchschnittlich viele ADHS-Symptome.(E 3)229
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Wer (anders als ADHS-Betroffene) keinen zu weit geöffneten Reizfilter hat, verliert damit an Lebensqualität. Uns sind kaum Berichte von Studenten bekannt, die MPH freiwillig außerhalb sehr stressiger Prüfungsphasen nehmen (es sei denn, sie haben starke ADHS-Symptome (E 2b)230 )
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Stimulanzien hemmen das limbische System. Eine Überdosierung kann daher das emotionale Empfinden herabsetzen.(E 4)231
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Die Herstellerangaben zur typischen Wirkdauer betreffen nur Personen mit Standard-Genvarianten der Metabolisierungs-Gene. Viele Betroffene haben jedoch Abweichungen im jeweils relevanten Metabolisierungs-Gen (MPH: CES1-Gen, AMP / Atomoxetin / Bupropion: CYP2D6-Gen, Guanfacin: CYP3A4-Gen) Bei über CYP 450-Enzyme treten Genvarianten des POR-Gens hinzu, die ihrerseits die Wirksamkeit der CYP-Enzyme beeinflussen, sodass die CYP-Genvariante alleine noch nicht aussagekräftig ist. Mehr hierzu unter CYP2D6 Metabolisierungsenzym, CYP3A4 Metabolisierungsenzym, CES1 Metabolisierungsenzym. Hinzu treten weitere pharmakologische Einflüsse, die die Wirkdauer beeinflussen. Mehr hierzu unter Wirkung und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten
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Die Abweichungen sind so häufig, dass die typische Wirkdauer nicht vorausgesetzt werden darf. Sie muss bei jedem Betroffenen einzeln überprüft werden.
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Eine Einzeldosis Elvanse wirkt nach unserer Umfrage bei 2/3 der Betroffenen lediglich maximal 5 bis 7 Stunden. Der vom Hersteller angegebene typische Wert von 12 Stunden wird demnach bei der Mehrheit der Betroffenen bei weitem nicht erreicht.
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Bei Schnellverstoffwechslern (ca. 15 bis 20 % der Betroffenen) wirkt unretardiertes MPH nur ca. 1 bis 1,25 Stunden anstatt der üblichen 2,5 bis 3 Stunden, Medikinet oder Ritalin adult nur rund 3 Stunden anstatt der üblichen 5 bis 6 Stunden und Elvanse 5 bis 7 Stunden anstatt der üblichen 10 bis 12 Stunden. Die uns bekannten Schnellverstoffwechsler berichteten, dass sie entsprechend häufigere Einnahmen und entsprechend höhere Tagesdosierungen ohne jegliche Nebenwirkungen gut vertrugen. Dennoch ist bei der hier erforderlichen Erhöhung der Anzahl der Dosen/Tag und der daraus folgenden möglichen Überschreitung der allgemeinen Maximaldosisempfehlungen sicherlich eine engmaschigere Überwachung erforderlich.
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(E 4): Amfetamine werden nur zum Teil in der Leber abgebaut (unter anderem über CYP2D6). Ein erheblicher Anteil wird unverändert über die Nieren ausgeschieden. Diese Ausscheidung hängt stark vom pH-Wert des Urins ab: Ein saurer Harn (niedriger pH-Wert) beschleunigt die Ausscheidung deutlich und verkürzt damit Wirkstärke und Wirkdauer, ein basischer Harn verlangsamt sie. Bei zu schwacher oder zu kurzer Wirkung von Amfetaminmedikamenten könnte daher eine pH-Wert-Messung des Urins zum Einnahmezeitpunkt und gegebenenfalls eine Beeinflussung des Harn-pH über die Ernährung hilfreich sein (Stichwort: PRAL-Wert). Umgekehrt erhöht eine gezielte Alkalisierung des Harns das Risiko einer Überdosierung. Sie darf daher nur nach ärztlicher Absprache erfolgen.(E 4)232 (E 4)233
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Einer zu schnellen Verstoffwechselung kann gegebenenfalls durch Kreuzwirkung mit Inhibitoren des jeweiligen Metabolisierungsenzyms begegnet werden. Beispielsweise berichteten mehrere Betroffene, bei denen LDX (dessen Wirkstoff dAMP sekundär auch via CYP2D6 metabolisiert wird) viel zu kurz oder gar nicht wirkte, eine befriedigende Wirkung und Wirkdauer nach einer Kombination mit Bupropion, (das CYP2D6 hemmt). Da beide Substanzen die Krampfschwelle senken können, kommt eine solche Kombination nur nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung in Betracht.
2.4. Übergang zu retardiertem MPH / AMP
Bedeutung für Betroffene
Ist die passende Gesamtdosis mit unretardiertem Methylphenidat gefunden, wird sie meist auf ein Retardpräparat umgestellt, damit eine seltenere Einnahme ausreicht.
Ob unretardiert oder retardiert besser passt, ist individuell verschieden. In einer Einjahresstudie bevorzugte etwa die Hälfte der Betroffenen die eine, die andere Hälfte die andere Form. Wichtig zu wissen: (Nur) Medikinet adult und Medikinet retard müssen zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, sonst wird die gesamte Dosis auf einmal freigesetzt.
(E 3): Nach der erfolgten Einstellung mit unretardiertem MPH sollte die Anzahl der Einzeldosen/Tag durch Verwendung von Retardpräparaten verringert werden, da eine Gabe der andernfalls 4 bis 6 erforderlichen Einzeldosen unretardiertes MPH am Tag (E 4)234 für Kinder und Jugendliche kaum durchhaltbar sind. Die Medikamenten-Einnahme-Compliance nimmt proportional zur erforderlichen Einnahmehäufigkeit ab.(E 3)235 Da ADHS-Betroffene notorisch desorganisiert und vergesslich sind, stellt jede zusätzliche Dosis eine weitere Gelegenheit dar, die Einnahme zu vergessen. Darüber hinaus sind die Peinlichkeit und die Hänseleien, die Jugendliche erleben, wenn sie ihre Medikamente bei der Schulkrankenschwester abholen müssen, mit die häufigsten Gründe für den Abbruch einer medikamentösen Behandlung.(E 4)8 Eine einzelne einzunehmende Dosis am Tag verbessert die Compliance.(E 4)236
Für Erwachsene ist unretardiertes MPH in Deutschland nicht zugelassen und nur off-label verschreibbar.
Ob unretardiertes oder retardiertes MPH besser funktioniert, ist individuell unterschiedlich. In einer 1-Jahres-Studie bevorzugte etwa die Hälfte der Betroffenen unretardiertes MPH, die andere OROS-MPH.(E 2b)237 In der Regel können Betroffene besser beurteilen, mit welchem Medikamententyp sie besser zurechtkommen, als der Arzt. Daher sollte die Erfahrung des Betroffenen berücksichtigt werden.
Bei retardiertem MPH werden mittels pharmakologischer Methoden mehrere Dosen hintereinander freigesetzt.
Aufgrund der erheblichen individuellen Wirkdauerunterschiede ist es (wenn auch selten) möglich, dass die erste Dosis so schnell verstoffwechselt wird, dass bis zum Wirkeintritt der zweiten Dosis eine Wirklücke entsteht. Dies kann durch versetzte Einnahme von mehreren (ggf. Reduzierten) Dosen vermieden werden. Wenn beispielsweise 20 mg retardiertes MPH ein Wirkprofil von 2 Stunden Wirkung + 30 Minuten Wirkloch + 2 Stunden Wirkung zeigen, wäre eine Option, zwei retardierte Dosen von 10 mg im Versatz von 30 Minuten zu geben.
Für Menschen, die morgens Schwierigkeiten haben, etwas zu essen, sind Medikinet adult und Medikinet retard ungeeignet, da diese ihre retardierte Wirkung nur bei vorheriger Nahrungsaufnahme entfalten. Hier sollte Ritalin adult, Ritalin LA oder ein OROS-Präparat wie Concerta in Betracht gezogen werden.
2.5. Eindosierung von AMP
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Für Amfetaminmedikamente gilt dasselbe Grundprinzip wie für Methylphenidat: klein anfangen, langsam steigern.
Eine Besonderheit ist Lisdexamfetamin (Elvanse). Es wird erst im Körper in den Wirkstoff umgewandelt und braucht bis zu fünf Tage, bis sich ein stabiler Spiegel eingestellt hat. Die Stufen sollten deshalb eher länger sein. Die vom Hersteller genannte Startdosis von 30 mg ist für viele Betroffene zu hoch.
Zusätzlich zu den oben genannten allgemeinen Informationen zur Eindosierung von Stimulanzien und zur Findung der geeigneten Startdosis gilt:
2.5.1. Lisdexamfetamin (Elvanse)
Die herstellerseitig genannte Startdosis für Lisdexamfetamin von 30 mg wurde nicht in Studien ermittelt. Der Hersteller hat keinerlei Studien mit niedrigeren Startdosen als 30 mg unternommen. Die Festsetzung der Startdosis von 30 mg entspricht daher allein zulassungsrechtlichen Erwägungen. Es liegen keinerlei pharmakologische Studien zugrunde.
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Da bei Erwachsenen Amphetaminmedikamente das Mittel erster Wahl sind (höchste Effektstärke und geringste Nebenwirkungen unter allen ADHS-Medikamenten) wäre eine direkte Eindosierung mit Elvanse sinnvoll.
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Elvanse adult ist in Deutschland in Kapseln von 30, 50 und 70 mg verfügbar (2023 wurden auch 20, 40 und 60 mg zugelassen, waren aber erst Mitte 2024 erhältlich), Elvanse (ohne “adult”), das vollkommen bioidentisch ist, ist in Größen von 20, 30, 40, 50, 60 und 70 mg verfügbar. Anders als in den USA sind 10‑mg-Kapseln in Europa nicht erhältlich. Für Elvanse und Elvanse adult wurde inzwischen eine einheitliche Zulassung erlangt.
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30 mg zur Eindosierung beinhalten unserer Erfahrung nach ein relevantes Risiko einer Überdosierung und erhöhen das Risiko von Eindosierungsnebenwirkungen.
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Wir kennen etliche Betroffene, bei denen der optimale Dosierungsbereich von Elvanse unterhalb eines Spielraums von 5 mg / Einzeldosis liegt. 5 mg weniger sind zu wenig, 5 mg mehr sind überdosiert. Wir kennen zudem einzelne Betroffene, die mit 3 mg Elvanse / Tag optimal dosiert sind. Daher halten wir Eindosierungsstufen von 5 mg für optimal, was einem Äquivalent von 2,5 mg unretardiertem MPH oder 5 mg retardiertem MPH entspricht.(E 4)45 Siehe hierzu auch oben unter Höhe der Erstdosis und Eindosierung von unretardiertem MPH.
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Die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (AACAP) empfahl 2002 als Startdosis bei Dextroamfetamin oder gemischten Amfetaminsalzen 2,5 mg, jeweils unretardiert, bei 2 bis 3 Tagesdosen.(E 4)19
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Die seitens der FDA maximale empfohlene Tagesdosis von Dextroamfetaminsulfat aus Lisdexamfetamin (28 mg Dextroamfetaminsulfat, resultierend aus 70 mg Lisdexamfetamin) ist niedriger als die maximale empfohlene Tagesdosis Dextroamfetaminsulfat aus unretardierten Dextroamfetaminpräparaten (40 mg).
| Lisdexamfetamindimesylat (Kapsel, z.B. Elvanse) | Dextroamfetaminsulfat (Tablette, z.B. Attentin) | Dextroamfetamin-Base (pharmakologisch wirksam) | Lisedexamfetamin-Base (irrelevant) |
|---|---|---|---|
| 10 mg | 2,95 mg | 5,78 mg | |
| 5 mg | 3,67 mg | ||
| 20 mg | 8,04 mg | 5,90 mg | 11,56 mg |
| 10 mg | 7,39 mg | ||
| 30 mg | 12,06 mg | 8,85 mg | 17,34 mg |
| 40 mg | 16,08 mg | 11,80 mg | 23,12 mg |
| 20 mg | 14,68 mg | ||
| 50 mg | 20,10 mg | 14,75 mg | 28,90 mg |
| 60 mg | 24,12 mg | 17,70 mg | 34,68 mg |
| 70 mg | 28,14 mg | 20,65 mg | 40,46 mg |
| 30 mg | 22,01 mg | ||
| 40 mg | 29,35 mg |
Wissenschaftlich: Umrechnung zwischen Lisdexamfetamin, Dextroamfetaminsulfat und Dextroamfetamin-Base
Die Umrechnungsrate von Lisdexamfetamindimesilat (LDX-Kapseln) zur pharmakologisch wirksamen Dextroamfetamin-Base beträgt 0,2948.(E 4)238
Die Umrechnungsrate von Dextroamfetaminsulfat (Attentin-Tabletten) in Dextroamfetaminbase kann mit 0,7338 angesetzt werden.(E 4)239
Lisdexamfetaminbase ist lediglich informatorisch angegeben.
-
In einer Studie an 4- bis 5-jährigen Kindern mit ADHS, bei der die Eindosierung mit 5 mg LDX begann und wöchentlich um 5 mg LDX gesteigert wurde, fanden 19/24 eine optimale Dosis: (E 2b)240
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10 mg bei 10,5 % (2/19)
-
15 mg bei 31,6 % (6/19)
-
20 mg bei 10,5 % (2/19)
-
30 mg bei 47,4 % (9/19)
-
5/24 brachen die Behandlung ab
-
Die mittlere tägliche LDX-Dosis in Woche 8 betrug 22,9 mg/Tag (SD 7,25 mg).
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-
In einer nachfolgenden Phase-III-Studie an N = 199 Vorschulkindern mit Festdosen von Lisdexamfetamindimesilat zwischen 5 und 30 mg fand sich ebenfalls kein Hinweis auf Nachteile einer niedrigen Dosis oder Vorteile einer höheren Dosis. Die Dosiswirkung war vielmehr sehr individuell.(E 1b)241
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Obwohl der Beipackzettel von Elvanse ein Aufteilen der Kapselinhalte nicht erlaubt, ist dies nach langjähriger Erfahrung einer Vielzahl an Betroffenen für die Eindosierung wie auch für die Findung der optimalen Dosis ein gut gangbarer Weg. Berichte über Wirkungsschwankungen aufgrund einer ungleichen Verteilung des Wirkstoffs kennen wir nicht. Eine feingliedrige Dosierung kann durch Auflösen des Kapselinhalts in Wasser und ein Aufteilen mittels einer Spritze nahezu milligrammgenau erfolgen. So auch Kühle in der Äquivalenztabelle.(E 4)45 Eine etwas gröbere Methode ist die Aufteilung von Kapseln in gleich große Häufchen mittels einer Rasierklinge auf einer Glasfläche.
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In Wasser aufgelöstes Elvanse hält sich im Kühlschrank einige Tage. Trocken auf einer Glasplatte aufgeteilte Elvansehäufchen halten sich bei Zimmertemperatur mehrere Tage. Die Haltbarkeit kann durch luftdichtes Abdecken mit Lebensmittel-Frischhaltefolie noch weiter abgesichert werden. Dies ist jedoch in der Regel nicht erforderlich. Die Aufbewahrung muss stets vor Kindern geschützt sein.
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Elvanse benötigt aufgrund der langen Halbwertszeit bis zu 5 Tage bis zur Erreichung des Steady-State.(E 2b)105 Nach Einnahmepausen kann es in den ersten Tagen zu unangenehmen Nebeneffekten kommen, die aber schnell vergehen.
Dieses Video erläutert die Aufteilung von Elvanse-Kapseln in kleine Dosierungen.
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