Eindosierung: Eindosierung beobachten, Nebenwirkungen vermeiden, Allgemeines
4. Eindosierung beobachten und dokumentieren
Bedeutung für Betroffene
Die Eindosierung steht und fällt damit, dass jemand die Wirkung zuverlässig beobachtet. Ohne Aufzeichnungen lässt sich hinterher nicht mehr sagen, welche Dosis wie gewirkt hat.
Zwei Dinge helfen: ein tägliches Tagebuch und eine zweite Person, die von außen mitbeobachtet.
4.1. Selbstbeobachtung: Eindosierungstagebuch führen (z.B. ADxS-Eindosierungshilfetabelle)
Bedeutung für Betroffene
Täglich sollten notiert werden: Die Symptome, die Dosis, die Einnahmezeiten, was gegessen und getrunken wurde, Sport sowie besondere Belastungen. ADxS.org stellt dafür eine fertige Tabelle bereit.
Beurteilen sollte man die Wirkung nie an anhand einzelner Tagen, sondern immer am Durchschnitt von drei bis vier Tagen. Ein einzelner schlechter Tag sagt fast nichts aus.
Download ADxS-Eindosierungshilfetabelle: ⇒ Eindosierungshilfetabelle im ADHS-Forum von ADxS.org
In der Eindosierungszeit sollte ein Tagebuch geführt werden, das jeden Tag das Befinden protokolliert. Dieses sollte enthalten:
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Tagesbewertung für jedes relevante Symptom
- individuell vorhandene Symptome anhand Gesamtsymptomliste ermitteln: ⇒ Gesamtliste der Symptome von ADHS nach Erscheinungsformen
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Präparat
- nicht nur Wirkstoff
- Bei Generika auch Hersteller
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Dosis
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Einnahmezeitpunkt(e)
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weitere eingenommene Medikamente (Art, Dosis, Zeitpunkt(e))
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Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme (Art, Menge)
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Koffeinkonsum (Koffein bei der Eindosierung von ADHS-Medikamenten immer komplett weglassen)
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Nikotinkonsum- Monatszyklus bei Mädchen / Frauen
Mehr hierzu unter ⇒ Geschlechtsunterschiede bei ADHS -
Sport
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Besondere Belastungen (emotionale wie körperliche, z.B. Streits, Erkrankungen, Allergien etc.)
Wichtig: Die Bewertung der Wirkung des Medikaments und der Dosierung soll nie anhand einzelner Tage erfolgen, sondern immer erst im Nachhinein anhand eines Durchschnitts von 3 bis 4 Tagen. Andernfalls werden irrelevante und zufällige Korrelationen überbewertet.
4.2. Fremdbeobachtung
Bedeutung für Betroffene
Viele Betroffene nehmen eine Besserung an sich selbst nicht sofort wahr. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn eine vertraute Person mitbeobachtet und ebenfalls notiert, was ihr auffällt.
Besonders aussagekräftig sind Rückmeldungen von weiteren Personen, die nichts von der Medikation wissen. Bei ihnen spielt keine Erwartungshaltung mit. Deshalb kann es sinnvoll sein, Lehrkräfte, Kollegen oder Freunde zunächst nicht zu informieren.
(Einschätzung ADxS): Da nicht alle Betroffene eine tatsächlich entstehende positive Wirkung zeitnah selbst wahrnehmen (insbesondere komorbide autistische Traits können dies erschweren), ist eine ergänzende Fremdbeobachtung ratsam.
Eine Fremdbeobachtung sollte durch einen eingeweihten Familienangehörigen oder Partner erfolgen und ebenfalls mittels eines Eindosierungstagebuchs wie z.B. der ADxS-Eindosierungshilfetabelle dokumentiert werden.
Daneben ist es hilfreich, unauffällig nicht in die Medikamenteneinnahme eingeweihte Dritte nach von diesen bemerkten Veränderungen zu befragen.
Solche Rückmeldungen sind besonders wertvoll und aussagekräftig, wenn diese Dritten nicht wissen, dass Medikamente eingenommen werden. Andernfalls würde stets die Einstellung zu und Erwartung an Medikamenten seitens dieser Dritter unterbewusst in die Bewertung einfließen und das Ergebnis verändern.
Um einen Bias bei der Beurteilung der Wirkung durch Lehrer oder andere Bezugspersonen zu vermeiden, ist es daher vorteilhaft, diese zunächst nicht über die Einnahme zu informieren. Berichten diese dann gleichwohl innerhalb der ersten Wochen eine signifikante Veränderung des Verhaltens, ist diese unvoreingenommene Beobachtung sehr viel aussagekräftiger.
Die Kombination einer dauerhaften Fremdbeobachtung durch einen eingeweihten Familienangehörigen (der möglichst nur von der Medikation an sich, aber nichts von Dosisveränderungen, Wirkstoffwechseln oder Auslassungen weiß) und unbefangenen Dritten, die auch die Tatsache der Medikation insgesamt nicht kennen, können sehr wertvolle Hinweise über die Wirkung geben.
Berichte machen nur Sinn, wenn die Wirkdauer der Medikation lang genug ist. Eine einzige unretardierte MPH-Tablette morgens kann keine Veränderungen bewirken, die über die 2,5 bis 4 Stunden Wirkzeit hinausgehen.
Bei kleineren Kindern kann es sehr helfen, diesen selbst nicht zu erzählen, dass sie nun Medikamente bekommen, sondern diese in der Eindosierungsphase als Vitamine zu bezeichnen. Nach einigen Wochen können Gespräche mit den ebenfalls nicht eingeweihten Lehrern aufschlussreich sein, ob diese Veränderungen bemerkt haben. Bei größeren Kindern wäre eine solche Täuschung ethisch nicht zu verantworten.
4.3. Messung der Medikationswirkung
Bedeutung für Betroffene
Es gibt bisher keinen Bluttest, mit dem sich die richtige Dosis bestimmen ließe. Blutspiegel sagen bei ADHS-Medikamenten wenig über die Wirkung aus.
Computergestützte Aufmerksamkeitstests wie der QbTest können ergänzend eingesetzt werden, um Veränderungen unter verschiedenen Dosen sichtbar zu machen. Sie ersetzen die Beobachtung im Alltag aber nicht.
Verschiedene Versuche, die Eindosierung von Medikamenten bei ADHS anhand von Blutwerten zu kontrollieren, haben bisher wenig Erfolge gezeigt.
In Bezug auf ATX wurde berichtet, dass Blutspiegelmessungen keine hilfreichen Werte ergaben.
Da Stimulanzien bekanntermaßen nicht gewichtsabhängig zu dosieren sind, und individuell sehr unterschiedliche Dosen für eine angemessene Wirkung erforderlich sind, ist für uns nicht ganz nachvollziehbar, welchen Nutzen eine Blutspiegelmessung haben kann.
Einzelne Ärzte verwenden Daueraufmerksamkeitstests, um intraindividuelle Unterschiede ohne Medikation und mit verschiedenen Medikationsdosen zu ermitteln und das Responding und eine Wirkung von Stimulanzien zu kontrollieren. Da Aufmerksamkeitstests stark von der Motivation des individuellen Probanden abhängen und bei hoher intrinsischer Mitwirkungsmotivation auch bei ausgeprägtem ADHS fälschlich das Bild eines Nichtbetroffenen vermitteln können, sollten derartige Test nicht als einziges Kriterium herangezogen werden. Eine Nutzung als zusätzliches Evaluationsinstrument, insbesondere bei geschulter und stets gleichbleibender (langweiliger) Testumgebung, kann dagegen hilfreich sein.
Eine Metastudie berichtet über brauchbare Ergebnisse des Qb-Test zur Messung von Medikationserfolgen bei ADHS.(E 2b)1
Der Qb-Test misst die körperliche Bewegungsunruhe, während der Proband einen Go/NoGo-Test absolviert: Eine Infrarotkamera verfolgt einen Reflektionsmarker auf der Stirn und zeichnet so die Kopfbewegungen auf. Ob die Ergebnisse konsistent genug sind, um Einzelfälle beurteilen zu können, bleibt abzuwarten. Zudem dürfte in der ärztlichen Praxis der erforderliche Zeitaufwand eine breitere Anwendung verhindern.
Der QbTest ist ein hochauflösendes Bewegungserfassungssystem (Infrarotkamera verfolgt Kopfbewegungen anhand Reflektor auf der Stirn) in Kombination mit einem computergestützten Go/No-Go-Paradigma. Beim Go/No-Go-Paradigma für Kinder muss der Teilnehmer jedes Mal, wenn ein Kreis auf dem Bildschirm erscheint, eine Taste am Handgerät drücken, diese Reaktion jedoch unterlassen , wenn vor dem Kreis ein Kreuz erscheint. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wird eine „One-Back“-Aufgabe verwendet, die vier Arten von Reizen umfasst. Der Zielreiz ist die Form und die Farbe des vorangegangenen. . Die Übersicht umfasst k = 15 Arbeiten, davon 13 an ADHS-Diagnostizierten. In der Mehrzahl fand sich unter Medikation in therapeutischer Dosis ein klinisch relevanter Rückgang der Q-Werte. Der Test kann Behandlungseffekte bereits innerhalb von Stunden nach einer Dosisanpassung abbilden.(E 2b)1
4.4. Medikamentenadhärenz kontrollieren
Bedeutung für Betroffene
ADHS-Medikamente machen bei bestimmungsgemäßer Einnahme als Tablette oder Kapsel nicht abhängig, sondern reduzieren sogar das Sucthrisiko. Das häufigere Problem ist im Gegenteil, dass die Einnahme vergessen wird.
Erinnerungshilfen wie Wecker, Tablettendosen oder Apps sind deshalb sinnvoll, gerade in der Eindosierungsphase.
Dass ADHS-Medikamente, insbesondere Stimulanzien, süchtig machen könnten, ist ein bekanntes Meme. Bei bestimmungsgemäßer oraler Anwendung entsteht bei ADHS keine Abhängigkeit. (E 4)2 Ein praktischer Hinweis darauf ist, dass das häufigere Problem im Gegenteil das Vergessen der Einnahme ist.
Die Nutzung einer Medikamenten-Erinnerungs-App verbesserte die Medikamentenadhärenz den Medikamentenrefill-Abstand zwischen zwei Rezepteinlösungen deutlich von 46 auf 34 Tage.(E 4)3 Es handelt sich um ein kleines Projekt ohne Kontrollgruppe. Die Aussagekraft ist entsprechend begrenzt.
5. Nebenwirkungen vermeiden
Bedeutung für Betroffene
Bei der individuell passenden Dosis haben die wenigsten Betroffenen dauerhafte Nebenwirkungen. Wenn Beschwerden auftreten, verschwinden diese mridt in den ersten Wochen wieder.
Sehr viele vermeintliche Nebenwirkungen sind in Wahrheit Zeichen einer Überdosierung oder Folge von gleichzeitigem Koffeinkonsum. Beides lässt sich beheben. Bevor Sie ein Medikament aufgeben, sollten diese beiden Punkte geprüft werden.
Seltene, schwerere Nebenwirkungen wie stark erhöhter Blutdruck oder ausgeprägte Aggressivität gehören unverzüglich zum Arzt.
(Erfahrung ADxS): Bei der individuell optimal symptomverbessernden Dosis (die erheblich unter den typischen Dosen liegen kann!) treten bei den wenigsten Betroffenen Nebenwirkungen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen sind
- Mundtrockenheit (wenige Tage)
- leichte, vorübergehende Appetitlosigkeit
Nebenwirkungen und Effektstärke sind unterschiedlich gegeneinander abzuwägen.
Um ein um 1 %-Punkt niedrigeres Risiko von Nebenwirkungen zu erreichen, waren Erwachsene mit ADHS bereit, auf Prozentpunkte der ADHS-Symptomverbesserung zu verzichten: (E 3)4
0,59 Schlaflosigkeit (ein Prozentpunkt weniger Risiko für Schlaflosigkeit war 0,59 Prozentpunkte weniger Symptomverbesserung wert)
0,57 Übelkeit
0,49 Angstzustände
0,32 Nervosität bzw. Zittrigkeit
0,17 Mundtrockenheit
Seltene, schwerere Nebenwirkungen (Bluthochdruck, Aggressivität oder anderes) sollten unverzüglich mit dem Arzt besprochen werden.
5.1. Besondere Herausforderung: Eindosierung bei komorbider Angst
(Erfahrung ADxS): Unserer Erfahrung nach erleben Betroffene mit einer komorbiden Angststörung oder hohen Angstwerten häufig stärkere Nebenwirkungen.
Mehr hierzu unter Behandlungsleitfäden bei spezifischen Komorbiditäten: ADHS und Angst im Beitrag Leitfaden ADHS-Behandlung.
5.2. Kein Koffein bei der Eindosierung von Stimulanzien (WICHTIG!)
Bedeutung für Betroffene
(Erfahrung ADxS): Lassen Sie Koffein während der Eindosierung vollständig weg: Kaffee, Cola, Schwarztee, viele Grüntees, Mate, Energydrinks und dunkle Schokolade.
Dies ist der wichtigste praktische Hinweis dieser Seite.
Koffein und Stimulanzien verstärken sich gegenseitig. Eine Menge an Koffein, die Sie vorher problemlos vertragen haben, kann zusammen mit Stimulanzien Herzrasen, Zittrigkeit und Unruhe auslösen. Diese Beschwerden werden dann dem Medikament zugeschrieben, obwohl sie vom Koffein kommen. So wird immer wieder ein gut wirksames Medikament zu Unrecht abgesetzt.
Wenn viel Koffein konsumiert wurde, rechnen Sie in den ersten 2 bis 3 Tagen des Absetzens mit Koffeinentzug (Kopfschmerzen, Müdigkeit). Nach abgeschlossener Eindosierung können Sie Koffein vorsichtig wieder einführen. Dann wissen Sie, woher eine etwaige Zittrigkeit kommt.
(Erfahrung ADxS): Koffein sollte bei der Eindosierung von Stimulanzien ganz kompromisslos komplett weggelassen werden.
Da sich die Nebenwirkungen von Koffein und Stimulanzien aufdosieren können (E 4)5, können bei gemeinsamem Konsum Nebenwirkungen auftreten, die bei der Einnahme von Koffein alleine oder Stimulanzien alleine nicht auftreten. Daher ist bei der Eindosierung von Stimulanzien Koffein komplett und konsequent wegzulassen. Dies mag Betroffenen, die ihre ADHS-Symptome zuvor mit hohem Koffeinkonsum bekämpft haben, subjektiv schwerfallen. Die Funktion der Symptomreduktion wird jedoch nun (und sehr viel besser) durch die Stimulanzien übernommen.
Neben den genannten Überdosierungsnebenwirkungen wurden zuweilen auch andere Symptome während der Eindosierung von Stimulanzien berichtet, die beim Weglassen von Koffein schlagartig verschwanden, wie Zitterigkeit, Herzrasen, Kreislaufprobleme, erhöhter Blutdruck, Übelkeit, Marmorhaut oder Raynaud-Syndrom.
Nach unseren Beobachtungen erlebt ein erheblicher Teil der Betroffenen - wir schätzen etwa die Hälfte - bei fortgesetztem Koffeinkonsum von einer zuvor problemlos vertragenen Koffein-Einnahme während der Eindosierung von Stimulanzien Symptome, wie sie für eine Überdosierung (bis hin zu einer schweren Überdosierung) typisch sind, obwohl dieselbe Koffeinmenge zuvor problemlos vertragen wurde. Kontrollierte Studien zu dieser Wechselwirkung liegen uns nicht vor. Wir kennen viele Betroffene, die dies nicht beachteten und daher irrig glaubten, Stimulanzien nicht zu vertragen. Ein neuer Versuch ohne Koffein und mit langsamer Eindosierung war dagegen häufig erfolgreich.
Bei zuvor hohem Koffeinkonsum kann es beim Absetzen für 2 bis 3 Tage zu Koffeinentzugserscheinungen kommen. Häufig umfasst dies Kopfschmerzen, Erschöpfung und Energieverlust, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit, Kreislaufprobleme und Übelkeit, Verstopfung, Lethargie, Reizbarkeit und Unkonzentriertheit. Auch diese sollten nicht als Nebenwirkungen neu eingenommener Stimulanzien missverstanden werden.
Nach erfolgreicher Eindosierung von Stimulanzien kann Koffein wieder vorsichtig hinzugenommen werden. Der Unterschied ist, dass die Betroffenen dann wissen, dass nun etwa auftretende Nebenwirkungen nicht aus den Stimulanzien resultieren.
Wir kennen auch Berichte einzelner Betroffener, die - nach jahrelanger Einnahme von Stimulanzien - selbst auf entkoffeinierten Kaffee noch mit einer leichteren Zittrigkeit reagieren.
Manche Betroffene berichten, dass sie eine nachlassende Stimulanzienwirkung am Nachmittag durch Koffein verlängern können.
5.3. Kein gleichzeitiger Nikotinentzug
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Während der Eindosierung sollte nicht gleichzeitig mit dem Rauchen aufgehört werden. Nikotin wirkt selbst auf Dopamin und Noradrenalin. Ein gleichzeitiger Entzug verfälscht die Beobachtung und kann eigene Beschwerden verursachen. Die Nikotin-Entzugserscheinungen könnten fälschlich als Medikamentennebenwirkungen missverstanden werden.
Viele Betroffene verlieren die Lust auf Nikotin ohnehin von selbst, wenn die Medikation wirkt. Der Rauchstopp fällt dann leichter.
Nikotin ist ein Stimulans und erhöht Dopamin und Noradrenalin. Starke Raucher haben dadurch eine tiefgehende Anpassung dieser Neurotransmitterhaushalte im Gehirn erfahren. Ein Rauchentzug, insbesondere von heute auf morgen, führt zu starken Anpassungsreaktionen und Entzugserscheinungen. Bei einer gleichzeitigen Eindosierung berichtete uns ein zuvor starker Raucher von sehr massiven und nicht zu tolerierenden Nebenwirkungen, die verschwanden, als er wieder rauchte.
Auch wenn Rauchen gesundheitsschädlich ist, sollte es daher nicht gleichzeitig mit einer Eindosierung beendet werden.
Zudem ist es für die Beobachtung der Medikamentenwirkung bei der Eindosierung hilfreich, diese nicht durch fremde Faktoren zu verzerren.
Anders als in Bezug auf Koffein liegen uns zu Nikotin sehr viel seltener Berichte von Kreuzwirkungen vor.
Häufig verlieren die Betroffenen während oder nach der Eindosierung die Lust auf Nikotin. In vereinzelten Fällen wurde auch eine erhöhte Lust auf Nikotin berichtet.
5.4. Überdosierungsanzeichen
Bedeutung für Betroffene
Anzeichen einer zu hohen Dosis ähneln denen von zu viel Kaffee: Zittrigkeit, Nervosität, Herzklopfen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Kreislaufprobleme. Auch emotionale Abstumpfung kann dazugehören.
Schwierig ist, dass eine Unterdosierung sich ganz ähnlich anfühlen kann. Treten solche Beschwerden bei noch sehr niedrigen Dosen auf, ist meist nicht eine Verringerung richtig, sondern zunächst eine weitere vorsichtige Steigerung in Absprache mit dem Arzt.
Überdosierungs-Anzeichen entsprechen meist denen eines übermäßigen Koffeinkonsums: (E 4)6
- Zittrigkeit
- leichte Dysphorie
- Nervosität
- Herzklopfen
- Herzrasen
- Kopfschmerzen
- Reizbarkeit
- Kreislaufprobleme
Emotionsverlust (“Zombie-Modus”) kann ein Zeichen von Überdosierung sein. Mehr hierzu siehe unten in diesem Abschnitt.
Überdosierungssymptome sind schwer von Symptomen einer Unterdosierung abzugrenzen. Sollten die Symptome während des Eindosierens bei sehr niedrigen Dosen auftreten, sollte regelmäßig zunächst noch ein Versuch mit einer Erhöhung der Dosis erfolgen, unter besonderer Beobachtung der weiteren Symptomatik. Bei schweren Nebenwirkungen oder kardialen Symptomen (Herzrasen, Herzklopfen, Brustschmerz, Kreislaufproblemen) ist stets unverzüglich ärztlicher Rat einzuholen.
5.5. Kopfschmerzen
Bedeutung für Betroffene
Kopfschmerzen unter Stimulanzien sind sehr häufig eine Folge von Unterzuckerung. ADHS- Medikamente steigern die Hirnaktivität und damit den Zuckerverbrauch, und gleichzeitig vergisst man unter ihrer Wirkung leicht das Essen.
Essen Sie deshalb vor jeder Dosis etwas und halten Sie Snacks bereit. Treten Kopfschmerzen auf, hilft schnell verfügbarer Zucker wie Traubenzucker, eine Banane oder Fruchtsaft. Warten Sie damit nicht zu lange, weil sich der Kopfschmerz sonst festsetzt.
Zwei weitere häufige Ursachen sind zu wenig Trinken und eine Histaminunverträglichkeit.
Diese Darstellung basiert auf Simchen (E 4)7 und deckt sich mit unseren Erfahrungen.
5.5.1. Unterzuckerung
(Erfahrung ADxS): Kopfschmerzen als Nebenwirkung einer Stimulanzieneinnahme sind häufig Folge eines Glucosemangels.
Stimulanzien erhöhen die Aktivität des PFC, was den Glucoseverbrauch steigert und den Blutzuckerspiegel senkt.
Symptome einer Unterzuckerung sind
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit (Gähnen)
- Blässe
- Schwindelgefühl
- Zittrigkeit (kann aber auch von Überdosierung oder Kreuzwirkung mit Koffein herrühren).
Abhilfe:
- gut frühstücken / essen vor jeder Dosiseinnahme
- Snacks für zwischendurch
- beim Auftreten von Kopfschmerzen sofort schnell verdauliche Kohlenhydrate essen
- Traubenzucker
- Bananen
- Fruchtsäfte (ohne Süßstoff)
Bei längerer Unterzuckerung bildet das Gehirn über den Milchsäurestoffwechsel saure Stoffwechselzwischenprodukte, die zu länger anhaltenden und schlechter beseitigbaren Kopfschmerzen führen.
Betroffene berichten häufiger, dass beim Nachlassen der Stimulanzienwirkung eine schnelle Nahrungsaufnahme die Konzentration wiederherstellen kann.
5.5.2. Flüssigkeitsmangel
(Erfahrung ADxS): Eine weitere häufige Ursache von Kopfschmerzen bei der Eindosierung von Stimulanzien ist eine ungenügende Flüssigkeitsaufnahme.
5.5.3. Histaminunverträglichkeit
(Einschätzung ADxS): Als dritte Ursache kommt eine Histaminüberempfindlichkeit oder Histaminintoleranz in Betracht, da alle ADHS-Medikamente (wohl bis auf Viloxazin) histaminerhöhend wirken. Dann treten die Kopfschmerzen allerdings zusammen mit anderen typischen Symptomen einer Histaminunverträglichkeit auf.
Obwohl ADHS-Medikamente Histamin angeblich lediglich zentral und nicht peripher erhöhen, berichten im ADxS-Forum immer wieder Betroffene von histaminergen Nebenwirkungen. Offen ist, ob diese von den Beistoffen resultieren könnten.
Mehr zu den Symptomen einer Histaminintoleranz unter Histaminintoleranz, Histaminunverträglichkeit im Beitrag Differentialdiagnostik bei ADHS
5.6. Magen-Darm-Beschwerden
Stimulanzien können die Magen-Darm-Motorik erhöhen, was bei empfindlichen Betroffenen (wenn, dann eher bei Kindern) als schmerzhaft wahrgenommen werden kann.(E 4)7
Gerade höhere Dosen auf nüchternen Magen können etwa 30 Minuten nach der Einnahme ein seltsames, krampfartiges Gefühl unter dem rechten Rippenbogen verursachen. Dies wird vermutlich durch einen Krampf der glatten Muskulatur des Zwölffingerdarms aufgrund des plötzlichen Anstiegs des Stimulanzienspiegels ausgelöst.(E 4)6
(E 4): Abhilfe: (E 4)7 (E 4)6
Ausreichende Nahrungseinnahme vor der Medikamenteneinnahme.
Ein größerer Zeitabstand vor der Medikamenteneinnahme (eine Stunde) kann nochmals besser wirken als kein kleiner Zeitabstand (15 Minuten).
5.7. Einschlafprobleme
Bedeutung für Betroffene
(Einschätzung ADxS): Viele Betroffene schlafen unter Stimulanzien besser ein, weil das abendliche Gedankenkreisen nachlässt.
Bei manchen treten anfangs jedoch Einschlafprobleme auf, die sich meist in den ersten Wochen geben. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist, die letzte Dosis so früh zu nehmen, dass ihre Wirkung mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen endet. Möglicherweise ist dies nur in den ersten Wochen erforderlich. Dafür muss man wissen, wie lange das Präparat bei einem wirkt.
Bei einem Teil der Betroffenen hilft umgekehrt eine sehr kleine unretardierte Dosis MPH am Abend beim Einschlafen. Das sollte vorsichtig und in Absprache mit dem Arzt getestet werden.
(Erfahrung ADxS): Viele Betroffene berichten, dass sie seit der Einnahme von Stimulanzien besser einschlafen können und einen erholsameren Schlaf haben.
Bei manchen Betroffenen können gleichwohl als Eindosierungsnebenwirkung Einschlafprobleme auftreten. Diese geben sich normalerweise innerhalb der ersten Wochen.
Abhilfe:
- letzte Dosis so frühzeitig nehmen, dass ihre Wirkung mindestens eine Stunde vor der Schlafenszeit endet
- dafür ist Kenntnis über die typische Wirkdauer des jeweiligen Medikaments erforderlich. Siehe hierzu unter Wirkung und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten
- ggf. Zeitabstand vergrößern
- ggf. zunächst 1 bis 2 Wochen Nachmittagsdosis weglassen, nur mit einer Dosis halbtagesretardierten MPHs morgens arbeiten
- Möglichkeit einer verlangsamten Verstoffwechselung (verlängerter Wirkdauer) berücksichtigen
- mehr hierzu unter Wirkung und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten
- Bei einigen Betroffenen (wir vermuten, eher bei ADHS-I als bei ADHS-HI) kann eine verringerte Dosis (1/5 bis 1/2 einer optimierten Einzeldosis) in unretardierter Form beim Einschlafen helfen
- Gabe als Einschlafhilfe mit sehr geringen Dosen (1/10 der Tageseinzeldosis) antesten
- Retardierte Tagesdosen sind auf die kürzere Wirkzeit von unretardiertem Wirkstoff umzurechnen (Beispiel: 20 mg retardiert bei 5-6 Stunden Wirkzeit entsprechen 10 mg unretardiert bei 2,5-3 Stunden Wirkzeit).
- OROS-MPH (Concerta) vermeiden
- (E 2b): In zwei getrennten offenen Einjahresstudien wurde unter OROS-MPH eine höhere Quote an Einschlafproblemen berichtet als unter langwirksamem MPH vom Ritalin-LA-Typ.(E 2b)8 (E 2b)9 Da es sich nicht um einen direkten Vergleich innerhalb einer Studie handelt, lässt sich daraus kein belastbarer Unterschied zwischen den Präparaten ableiten.
5.8. Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz), Blutdruckanstieg, Zitterigkeit
Bedeutung für Betroffene
Zuerst sollte geprüft werden, ob Koffein wirklich vollständig weggelassen wurde. Koffein ist bei Stimulanzieneinnahme die mit Abstand häufigste Ursache.
Stimulanzien erhöhen Puls und Blutdruck im Durchschnitt nur leicht. Bei einzelnen Betroffenen fällt die Reaktion aber stärker aus. Vor Behandlungsbeginn sollten Blutdruck und Puls gemessen und nach Herzerkrankungen in der Familie gefragt werden.
Ein deutlicher Anstieg sollte immer dem Arzt mitgeteilt werden. Er lässt sich oft durch langsameres Aufdosieren, eine niedrigere Dosis oder ein anderes Präparat beheben.
(Einschätzung ADxS): Treten diese Symptome bei Stimulanziengabe auf, sollte zunächst sichergestellt werden, dass Koffein vollständig gemieden wurde.
Stimulanzien regen den Sympathikus an.(E 4)7
Wissenschaftlich: Metastudie zu Blutdruck- und Herzfrequenzveränderungen unter ADHS-Medikamenten
Eine Metastudie an k = 18 Studien mit n = 5.837 Kindern und Jugendlichen fand für alle drei Wirkstoffe einen kleinen, aber statistisch bedeutsamen Anstieg des systolischen Blutdrucks (MPH: SMD 0,25; AMP: SMD 0,09; ATX: SMD 0,16). Beim diastolischen Blutdruck und bei der Herzfrequenz zeigte MPH keinen bedeutsamen Effekt, während AMP und ATX beides erhöhten (diastolisch: AMP SMD 0,16, ATX SMD 0,22; Herzfrequenz: AMP SMD 0,37, ATX SMD 0,43). Ein direkter Vergleich der drei Wirkstoffe ergab keine signifikanten Unterschiede. Etwaige kardiovaskuläre Wirkungen klangen bei den meisten Betroffenen spontan ab. 2 % der Betroffenen beendeten ihre medikamentöse Behandlung aufgrund kardiovaskulärer Wirkungen. Es gab keine Berichte über Herzinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod.(E 1a)10 Hat sich der Körper einmal gewöhnt, treten diese auch bei erneuter Einnahme nach längeren Therapiepausen nicht wieder auf.
(Einschätzung ADxS): Da die Studien nicht auf Koffein-Kreuzwirkungen achteten, könnte ein Teil der Abbrüche auf Koffein zurückzuführen sein.
(E 4): Die American Heart Association (AHA) empfiehlt vor Beginn einer Stimulanzientherapie eine Eigen- und Familienanamnese hinsichtlich kardialer Auffälligkeiten sowie die Kontrolle von Blutdruck und Puls bei den Nachuntersuchungen. Ein Routine-EKG wird bei herzgesunden Kindern nicht gefordert.(E 4)11 (E 4)12
Insbesondere Betroffene mit hohem Blutdruck scheinen durch Stimulanzien selbst bei fein abgestimmter Dosierung einen weiteren Blutdruckanstieg zu erleiden. Ist der Bluthochdruck vor Beginn der ADHS-Behandlung unter Kontrolle, können Stimulanzien verwendet werden, wobei der Blutdruck bei jeder Nachuntersuchung überwacht werden sollte.(E 4)6
(Einschätzung ADxS): Bei besonders empfindlichen Betroffenen kann bei der Eindosierung ein höherer Anstieg der Herzfrequenz auftreten. Dies sollte stets sofort mit dem Arzt besprochen werden.
Abhilfe:
- langsameres Aufdosieren
- niedrigere Dosierung
- Prüfung auf Kreuzwirkungen
- Prüfen, ob Koffein komplett weggelassen wurde
(Erfahrung ADxS): Ein Betroffener berichtete unter 20 mg Lisdexamfetamin als Nebenwirkungen:
- erhöhter Ruhepuls (ca. 70-90 anstatt 50-60)
- erhöhter Puls bei Aktivität (z.B. 130 anstatt 90 bei normalem Spazierengehen)
- Stark empfundenes Herzklopfen
- Zittrig, aufgekratzt sein
- Abends ein Gefühl von künstlicher Wachheit im Kopf
- Einschlaf- und Durchschlafprobleme
- Manchmal „Dizzyness“, surreal wirkende Wahrnehmung des Sichtfelds, Druck im Kopf
Ein Kardiologe stellte bei ihm daraufhin durch ein Langzeit-EKG fest, dass Nervensystem und Sinusknoten übersensibel auf Adrenalin reagierten.
Eine Gabe von 2 x 10 mg/Tag Propranolol (Betablocker) beseitigte die Nebenwirkungen vollständig. Elvanse wird seither sehr gut vertragen, sogar bei einer Tasse koffeinhaltigen Kaffee am Tag.
Achtung: Einzelfallberichte können nicht verallgemeinert werden, sondern allenfalls als möglicher Kristallisationskeim für ärztliche Untersuchungen dienen.
5.9. Rebound
Bedeutung für Betroffene
Als Rebound bezeichnet man eine kurze Verstärkung der Symptome unmittelbar nach dem Ende der Medikamentenwirkung. Er dauert etwa 20 bis 30 Minuten, ist unangenehm, aber ungefährlich.
Am häufigsten tritt er bei unretardiertem und halbtagesretardiertem Methylphenidat auf. Abhilfe schafft, die nächste Dosis so früh zu nehmen, dass sie bereits wirkt, wenn der Rebound einsetzen würde. Nach der letzten Tagesdosis hilft eine kleine unretardierte Dosis kurz vor dem erwarteten Rebound.
Der Rebound ist eine kurzzeitige Erhöhung der Symptome unmittelbar nach dem Ende der Wirkzeit von Stimulanzien. Er ist unangenehm, aber ungefährlich und stellt keinen Hinweis auf Probleme mit dem Medikament dar.(E 4)6 Dennoch kann er in Einzelfällen so stark sein, dass die Betroffenen einen Abbruch der Medikation erwägen.
(Erfahrung ADxS): Rebound tritt nach unserem Eindruck vor allem bei unretardiertem und halbtagsretardiertem MPH auf. Der Rebound dauert ca. 20 bis 30 Minuten.
Ganztages-Retard-Präparate zeigen einen geringeren Rebound.
Amphetamine haben ein geringeres Rebound-Risiko als Methylphenidat.(E 4)6 Das langsam freisetzende Elvanse hat nach unserer Erfahrung (fast) keinen Rebound. Wird bei Elvanse ein Rebound berichtet, betrifft dies nach unserem Eindruck insbesondere Betroffene, bei denen eine Einzeldosis Elvanse verkürzt wirkt (7 Stunden oder weniger, anstatt der vom Hersteller angegebenen 12 bis 14 Stunden).
Abhilfe:
- (Erfahrung ADxS): Rechtzeitige Einnahme der Folgedosis, sodass deren Wirkbeginn bereits zu dem Zeitpunkt eintritt, an dem der Rebound zu erwarten ist
- Rebound nach der letzten Tagesdosis kann durch eine geringe Menge unretardiertes MPH vermieden werden
- ca. 1/5 bis 1/2 der Menge, die einer optimalen Tageseinzeldosis entspräche (von retardierten Medikamenten ist dies umzurechnen, siehe oben unter Einschlafprobleme)
- ca. 15 Minuten vor erwartetem Reboundeintritt
5.10. Wirkungslöcher
(Erfahrung ADxS): Bei retardierten MPH Präparaten nehmen manche Betroffene Wirkungslöcher zwischen der ersten und der zweiten Freisetzung wahr. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf eine Schnellverstoffwechslung.
Retardierte MPH-Präparate setzen mehrere Dosen MPH zeitversetzt frei. Wird die erste Freisetzung zu schnell verstoffwechselt, kann deren Wirkung bereits wieder abflauen, bevor die zweite Freisetzung einsetzt. Bei derartigen Problemen mit Wirkstoffschwankungen bei MPH kann innerhalb des MPH-Präparate-Spektrums eine Umstellung auf ganztägig wirkende MPH-Präparate wie Concerta, Kinecteen oder (das zu Concerta bioidentische) Methylphenidathydrochlorid Neuraxpharm, die ebenfalls eine 12-Stunden-Wirkung haben. Alternativ sollte ein Wirkstoffwechsel auf Amphetaminmedikamente in Erwägung gezogen werden, da diese auf andere Weise metabolisiert werden, sodass die Chance auf eine Normalverstoffwechslung besteht.
5.11. Appetitlosigkeit / Gewichtsverlust
Bedeutung für Betroffene
Appetitminderung ist eine der häufigsten Nebenwirkungen und oft auf die ersten Wochen beschränkt.
Hilfreich ist, die Medikamente nicht vor, sondern zu oder nach den Mahlzeiten einzunehmen und Mahlzeiten in die Zeiten zu legen, in denen die Wirkung nachlässt, also früh morgens und abends. Achten Sie besonders auf ein kräftiges Abendessen.
Bei anhaltendem Gewichtsverlust sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von einem Präparate- oder Wirkstoffwechsel bis zu appetitanregenden Medikamenten.
Stimulanzien und Desipramin sind häufig mit der Nebenwirkung eines verringerten Appetits und daraus folgend eines Gewichtsverlusts verbunden. Meist ist dies lediglich eine Eindosierungsnebenwirkung und gibt sich im Verlauf von einigen Wochen oder Monaten.
Bei klinisch bedenklichem Gewichtsverlust wird empfohlen: (E 4)2
- Medikamente nicht vor, sondern während oder nach den Mahlzeiten einnehmen
- zusätzliche Mahlzeiten oder Snacks am frühen Morgen oder späten Abend (außerhalb der Medikamentenwirkzeiten)
- Ernährungsberatung
- kalorienreiche Lebensmittel mit hohem Nährwert
- geplante Behandlungspause
- Medikamentenwechsel
Da viele Menschen Schwierigkeiten haben, morgens etwas zu essen (für diese ist Medikinet adult oder Medikinet retard ungeeignet), sollte auf reichliche Nahrungsaufnahme am Abend geachtet werden.
Es wurde berichtet, dass Appetitlosigkeit unter Concerta schwächer sein könne als unter anderen MPH-Präparaten.
Wissenschaftlich: Vergleich der Appetitminderung zwischen den Wirkstoffgruppen
(E 1a): Auch Atomoxetin ist häufig mit einem Appetitverlust verbunden. Zwischen Stimulanzien und Nichtstimulanzien fand sich dabei kein bedeutsamer Unterschied (RR 0,82; 95-%-KI 0,53 bis 1,26; Metastudie, k = 8, n = 1.463).(E 1a)13 Atomoxetin bewirkte eine Gewichtsabnahme von 0,6 kg, Concerta von 0,9 kg, Placebo eine Zunahme von 1,1 kg.(E 1b)14
Das Risiko von Methylphenidat und Amphetaminmedikamenten war identisch (RR 1,01; Metastudie, k = 3, n = 414).(E 1a)13
(Erfahrung ADxS): Eine Umfrage im ADxS-Forum ergab (113 Teilnehmer, Stand April 2026):
- 44 % Lisdexamfetamin (LDX) wirkte stärker appetithemmend als Methylphenidat (MPH)
- 30 % LDX und MPH wirkten gleich stark appetithemmend
- 26 % MPH wirkte stärker appetithemmend als LDX
Nortriptylin soll als Nebenwirkung mit einer Gewichtszunahme verbunden sein.(E 1a)15
(Einschätzung ADxS): Vereinzelt wird erwogen, einer durch Stimulanzien ausgelösten Gewichtsabnahme durch niedrig dosierte Antipsychotika entgegenzuwirken. Dies ist ausdrücklich keine empfohlene Vorgehensweise. Antipsychotika sind zu diesem Zweck nicht zugelassen und tragen ein erhebliches eigenes Risiko (metabolisches Syndrom, Bewegungsstörungen, bei Kindern und Jugendlichen zusätzlich Prolaktinerhöhung).
Wissenschaftlich: Studienlage zu Antipsychotika und Gewichtsentwicklung
(E 1b): Während MPH häufig mit Appetitmangel einherging, zeigte das typische Antipsychotikum Thioridazin (inzwischen weltweit wegen QT-Verlängerung und Torsade de pointes vom Markt genommen bzw. massiv eingeschränkt) als Nebenwirkung eine Appetitsteigerung.(E 1b)16 Atypische Antipsychotika sollen eine noch stärkere Wirkung in Richtung Appetitsteigerung, aber auch in Richtung metabolisches Syndrom zeigen.(E 4)17
(E 2b): Eine Kombinationsbehandlung mit Psychostimulanzien und Antipsychotika wird immer häufiger eingesetzt.(E 2b)18 Vereinzelt wurde auch eine gegenüber einer Stimulanzien-Monotherapie verbesserte Wirkung berichtet.(E 4)17 Eine Registerstudie fand, dass 3,9 % der ADHS-betroffenen Kinder und Jugendliche, die Stimulanzien erhielten, mit atypischen Antipsychotika komedikamentiert wurden.(E 3)19 Dies eröffnet die Option, durch eine Kombinationsmedikation einem zu starken Gewichtsverlust bei Stimulanzien entgegenzuwirken.
Eine weitere Option ist die Gabe von Cyproheptadin.(E 4)20
Mehr hierzu unter Cyproheptadin bei ADHS
Notfalls sind Medikamentierungspausen erforderlich, um das Gewicht wieder zu erhöhen.
5.12. Emotionsverlust / Zombie-Modus: Überdosierung oder Unverträglichkeit
Bedeutung für Betroffene
Wenn sich jemand unter der Medikation gedämpft, gefühllos oder “wie neben sich” fühlt, ist das kein Zustand, den man hinnehmen muss. Richtig eingestellte ADHS-Medikamente sollen dazu führen, dass man sich mehr wie sich selbst fühlt, nicht weniger.
Meistens ist die Ursache eine zu hohe Dosis. Dann hilft eine Verringerung oder ein Neustart der Eindosierung in kleineren Schritten. Selten liegt es am Präparat oder Wirkstoff, dann hilft ein Wechsel.
Bleibt die Dämpfung auch bei niedriger Dosis, könnte eine bisher unerkannte Depression dahinterstehen. Das wäre dann ärztlich abzuklären.
Bei empfindlichen Betroffenen, vor allem bei ADHS-HI und ADHS-C (E 4)6, kann eine Verlangsamung des Denkens und ein abgeflachter Affekt (Emotionsverarmung) auftreten (“Zombie-Syndrom”). Hier hilft eine Vermeidung einer Überdosierung oder eine Verringerung der Stimulanziendosis unter Kombinationsmedikation mit Nichtstimulanzien. Mehr hierzu unter Kombinationsmedikation bei ADHS
(Erfahrung ADxS): Eine Einschränkung der Emotionalität durch ADHS-Medikamente braucht keinesfalls in Kauf genommen zu werden. ADHS-Medikamente wirken dann richtig, wenn der Betroffene sich mehr wie sich selbst fühlt. Jede Form eines sich selbst als fremd Wahrnehmens oder weniger Wahrnehmens ist ein Hinweis auf eine unpassende Medikation.
Stimulanzien dämpfen das limbische System. Einige wenige Betroffene reagieren in dieser Hinsicht besonders empfindlich. Meist hilft dann ein geduldiges Austesten verschiedener Präparate und Wirkstoffe.
Häufiger ist eine Emotionseinschränkung nach unserem Eindruck die Folge einer Überdosierung. Dann sollte ein nochmaliger Neustart der Eindosierung in möglichst kleinen Eindosierungsschritten erwogen werden. Manche (wenn auch sehr wenige) Betroffene benötigen nur wenige mg eines Stimulanz über den gesamten Tag.
Die folgenden Optionen sollten erst dann in Betracht gezogen werden, wenn sichergestellt ist, dass eine Dosierungsverringerung, bei der die emotionale Beeinträchtigung gerade so eben ausbleibt, die ADHS-Symptome nicht ausreichend verbessert:
- Atomoxetin oder Guanfacin statt Stimulanzien
- Nichtstimulanzien
- hemmen das limbische System nicht
- verbessern Antrieb nicht
- Nichtstimulanzien
- Stimulanzien-Dosisverringerung bei Komedikation von Nichtstimulanzien (Vorteil: Antrieb durch Stimulanzien bleibt, emotionale Dysregulation wird ganztägig verbessert)
- Erwachsene: Stimulanzien und Atomoxetin
- Kinder: Stimulanzien und Guanfacin oder Stimulanzien und Atomoxetin
5.13. Zyklusabhängige Symptomschwankungen bei Frauen
Bedeutung für Betroffene
(Erfahrung ADxS): Viele Frauen mit ADHS bemerken, dass die Medikamente im Monatsverlauf unterschiedlich gut wirken. Das ist keine Einbildung: Östrogen beeinflusst den Dopaminstoffwechsel im Gehirn.
In den Tagen vor der Menstruation sind die Symptome häufig stärker. Eine zeitlich begrenzte Anhebung der Stimulantiendosis in dieser Woche kann helfen. Das muss ärztlich abgestimmt werden. Kontrollierte Studien dazu fehlen bislang.
Nichtstimulanzien lassen sich aufgrund der langfristigen Wirkung nicht tagesweise steuern.
Der Dopaminhaushalt wird unter anderem durch COMT geprägt. COMT ist der wesentlichste Abbaumechanismus im PFC, während der Abbau im Striatum vor allem durch DAT gesteuert wird.
Der Abbau wird stark durch die COMT-Genvariante beeinflusst. Östrogen hemmt die COMT-Aktivität und damit den Dopaminabbau im PFC zyklusabhängig.(E 2b)21
Ein relevanter Anteil der Frauen mit ADHS berichtet von stärkeren Symptomen in der prämenstruellen Phase. Im Falle einer Stimulanziengabe lässt sich diese mit einer zeitlich begrenzten Anhebung der Stimulanziendosis in dieser Phase verbessern. Eine Fallserie aus einer niederländischen Spezialambulanz berichtet von guten Erfahrungen mit einer Anhebung der Stimulanziendosis in der prämenstruellen Woche: Bei neun Frauen wurde die Dosis um 30 bis 50 % (Schnitt 41 %) erhöht, alle berichteten über verbesserte ADHS- und Stimmungssymptome bei minimalen Nebenwirkungen, und alle entschieden sich, die erhöhte prämenstruelle Dosierung beizubehalten.(E 4)22 Kontrollierte Studien hierzu fehlen bislang.
5.14. Schwankende Wirkung
(Erfahrung ADxS): Zuweilen berichten Betroffene, auch nach längerer stabiler Wirkung, von Wirkungsschwankungen.
Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Mehr hierzu unter Wirkung und Wirkdauer von ADHS-Medikamenten
Beispiele:
- hinzugetretene oder weggefallene andere Medikamente
- bei ADHS-Medikamenten insbesondere:
- Antazida
- bei ADHS-Medikamenten insbesondere:
- Kreuzwirkungen mit Nahrungsmitteln
- hier gibt es viele Möglichkeiten. Ernährungstagebuch führen
- insbesondere
- Grapefruit
- Vitamin C
- Einnahme ggf. auf eine oder mehrere Stunden nach der Medikamenteneinnahme verlegen
- Veränderungen der Magensäure
- MPH wie AMP reagieren empfindlich auf Änderungen der Magensäure
- ggf. Säuregehalt des Harns messen
- Fehlerhafte Medikamentenchargen
- selten, aber haben wir tatsächlich mehrfach erlebt
- trat Wirkungsänderung mit Anbrechen neuer Packung auf?
- Medikamente zu heiß gelagert
- Anpassungsreaktionen
- selten nach längerer Einnahme mit konstanter Wirkung
- mehr hierzu unter Medikamente: Toleranzentwicklung
5.15. Überlastungssymptome
Bedeutung für Betroffene
(Erfahrung ADxS): Nach einer erfolgreichen Eindosierung nehmen sich viele Betroffene sehr viel auf einmal vor und überlasten sich dabei, manchmal bis zum Zusammenbruch.
Der Grund: Medikamente machen leistungsfähiger, aber nicht unbegrenzt leistungsfähig. Sie verschieben Ihre Grenzen, sie heben sie nicht auf. Von innen spürt man nur, dass es (endlich) besser geht, aber (nich) nicht, wo die neuen Grenzen liegen.
In den ersten Monaten der Medikation sollte man sich bewusst weniger vornehmen, als man sich zutraut oder wünscht, und die neuen Grenzen in Ruhe austesten und kennenlernen.
(Erfahrung ADxS): Viele Betroffene entwickeln nach dem Beginn der Medikation eine hohe Aktivität, mit der sie ihre Probleme und Aufgaben angehen.
Bei manchen Betroffenen kann dies zu einer Überlastungssymptomatik und zuweilen sogar bis hin zum Zusammenbruch führen.
Wir halten dies nicht für eine pharmakologische, sondern für eine psychologische Folge der Medikation. Es ist insbesondere kein Ausdruck von Hyperaktivität oder innerer Unruhe, sondern im Gegenteil der einer gegenüber der Zeit vor der Medikation deutlich erhöhten Effektivität und Arbeitsintensität.
Viele Betroffene können sich durch die Medikamente nun besser motivieren und denken deshalb, jetzt auch gleich alles schaffen zu können, was sie wollen, sollen oder zu müssen meinen. Sie wollen das schlechte Gewissen darüber, dass sie zuvor nicht so leistungsfähig waren, wie sie hätten sein sollen oder wollen, kompensieren.
Doch zwischen “mehr” können und “alles” können liegt ein Unterschied.
Medikamente führen zwar dazu, dass man jetzt mehr schafft, aber sie stellen eben nicht eine volle Leistungsfähigkeit her. Zwar wird häufig die Leistungsfähigkeit von Nichtbetroffenen erreicht, jedoch nicht immer und nicht bei allen. Medikamente verhelfen auch nicht zu Superkräften, mit denen nun alles zu schaffen wäre, was man schon immer können wollte.
Subjektiv ist das aber nicht wahrnehmbar. Man spürt von innen her ja nur, dass es einem jetzt besser geht. Dass das immer noch nicht alles ist, kann man ja nicht fühlen, weil man es nie kannte und nicht weiß, wie es wäre, wenn man keine ADHS-Belastung mehr hätte. Hier könnte auch ein Konflikt mit einem inneren dysfunktionalen Perfektionismus zutage treten.
Gerade kurz nach der Eindosierung sollten Betroffene daher besonders darauf achten, sich nicht zu überlasten.
Mit Medikamenten muss man erst einmal die neuen eigenen Grenze kennenlernen, was jetzt möglich ist und was man sich abverlangen darf.
Medikamente können diese Grenzen verschieben, sie können sie jedoch nicht aufheben.
5.16. Raynaud (Fingerdurchblutungsstörung)
Bedeutung für Betroffene
Selten kommt es unter ADHS-Medikamenten zu weißen, kalten und tauben Fingern oder Zehen bei Kälte oder Stress. Meist bessert sich das durch eine niedrigere Dosis oder einen Wechsel des Wirkstoffs.
(Erfahrung ADxS): In einigen uns bekannten Fällen war gleichzeitiger Koffeinkonsum die Ursache, und die Beschwerden verschwanden mit dem Weglassen des Koffeins. Anhaltende oder schmerzhafte Beschwerden sind ärztlich abzuklären.
ADHS-Medikamente können Raynaud auslösen oder verschlimmern. Raynaud wurde bei Atomoxetin seltener beobachtet als bei Stimulanzien.(E 3)23 Berichtet wird, dass eine Dosisreduktion, ein Absetzen oder ein Wechsel des Wirkstoffs die Beschwerden bessern konnte. Sehr selten wurden auch schwerwiegende Verläufe beschrieben.
(Erfahrung ADxS): Uns sind Fälle bekannt, in denen Raynaud bei ADHS-Medikamenteneinnahme durch parallelen Koffeinkonsum ausgelöst wurde und durch das Weglassen des Koffeins verschwand.
6. Allgemeine Hinweise
Bedeutung für Betroffene
Dieser Abschnitt sammelt praktische Punkte, die im Alltag der Eindosierung immer wieder wichtig werden: Koffein und Alkohol weglassen, Grapefruit meiden, Medikinet zusammen mit Essen einnehmen, an Wochenenden und in den Ferien nicht einfach absetzen, und bei Frauen den Monatszyklus mitdenken.
- (Einschätzung ADxS): Zur Eindosierung sollte ca. in der ersten Woche unretardiertes MPH verwendet werden. Die kürzere Wirkdauer und die linearere Dosis-Wirkungskorrelation (ohne ein zweites Hoch bei Wirkungsbeginn der retardierten Teilmenge) erleichtern die Findung der passenden Dosis, insbesondere für ungeübte Beobachter (Betroffene wie Dritte).
- Bei retardiertem Medikinet muss beachtet werden, dass dies zusammen mit Nahrung aufgenommen werden muss, da andernfalls die gesamte Dosis unretardiert abgegeben wird. Andere Präparate benötigen in der Regel keine Nahrungseinnahme, wobei dies in jedem Fall im Beipackzettel nachgeprüft werden muss. Bei allen lang wirkenden ADHS-Medikamenten empfiehlt sich eine Einnahme zusammen mit einer Nahrungsaufnahme.
- Koffein (Kaffee, Cola, Schwarztee, manche Grüntees, Mate, Energydrinks), dunkle Schokolade / Kakao (Theobromin) während der Eindosierung unbedingt vollständig weglassen. Viele Betroffene vertragen bei Stimulanzien-Einnahme kein Koffein oder sonstige Stimulanzien mehr, die vorher problemlos oder sogar in größeren Mengen konsumiert wurden. Koffein (Teein) und Theobromin sind Stimulanzien, die auch noradrenalin- und dopaminerhöhend wirken. Sie können sich mit ADHS-Medikamenten addieren. Dies kann schnell mit einer Überdosierung (innere Hibbeligkeit, innere Unruhe, Zittrigkeit) verwechselt werden.
Nach der Eindosierung kann Koffein wieder konsumiert werden, wobei sich empfiehlt, diesen zunächst vorsichtig zu testen. Löst Koffein jetzt eine Zittrigkeit aus, ist transparent, dass dies am Koffein liegt und nicht an den Medikamenten.
Alkohol erhöht den MPH-Blutspiegel deutlich und muss bei einer MPH-Eindosierung komplett gemieden werden. Ursache ist, dass das Enzym Carboxylesterase 1 (CES1), das MPH abbaut, in Gegenwart von Alkohol stattdessen l-MPH zu Ethylphenidat umbaut. Dadurch wird weniger des wirksamen d-MPH abgebaut und der Blutspiegel steigt. (E 1b)24
Wissenschaftlich: Ausmaß der Alkohol-Methylphenidat-Wechselwirkung im Versuch
Die d-MPH-Plasmaspiegel stiegen bei n = 24 gesunden Probanden unter gleichzeitigem Alkohol (0,6 g/kg) in der Resorptionsphase um 44 bis 99 % (p < 0,005).(E 1b)25
Vor diesem Hintergrund ist bei ADHS-Betroffenen mit einem akut nicht behebbaren Alkoholproblem reines Dexmethylphenidat (Focalin, Focalin XR) anzudenken.(E 2b)26
- Zitrusfrüchte während der Eindosierung vermeiden. Manche Betroffene reagieren auf Zitrusfrüchte mit variierender Medikamentenwirkung. Grapefruit sollte bei jeder Medikamenteneindosierung vermieden werden. Das ist nicht immer pharmakologisch begründet, aber für Patienten einfacher zu merken, als dies nach Medikamenten zu differenzieren.
- Einnahme an Nachmittagen, Wochenenden und in den Ferien
- Da ADHS keine rein schulische Problematik ist, auch wenn sie dort aufgrund der extrinsischen Anforderungen und den durch Mangel an neurotrophen Stoffen bestehenden Lernproblemen besonders deutlich zutage tritt, ist eine durchgehende Medikation dringend zu empfehlen. Ob lediglich während der Schulzeit vormittags zu medikamentiert werden soll, hängt davon ab, ob die Betroffenen mit dieser Medikation noch in der Lage sind, ihre Hausaufgaben konzentriert und ihre sozialen Kontakte ohne emotionale Dysregulation bis zum frühen Abend hin ohne Symptomatik zu bewältigen.
- Ein Absetzen der Medikamente an den Wochenenden oder in den Ferien sollte vermieden werden. Zum einen halten sich die Symptome nicht sehr diszipliniert an Schulzeiten, und zum anderen kann eine längere Einnahmepause erfordern, dass wieder langsam eindosiert wird, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Denkbar ist es allerdings, die Dosierung in Zeiten geringerer Anforderungen etwas zu verringern (auf 2/3 oder 3/4). Hier kommt es sehr auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen an. Alle Dosierungsänderungen müssen mit dem Arzt abgestimmt werden. Ein erfahrener Arzt wird einem vertrauenswürdigen Patienten allerdings einen erheblichen Handlungsspielraum einräumen.
- Mischen von Stimulanzien
- Stimulanzien können kombiniert werden. Insbesondere können retardierte und unretardierte Medikamente an einem Tag genommen werden. Auch eine Kombination von AMP und MPH verursacht keine besonderen Probleme.
In der Regel wird tagsüber eine retardierte Medikamentenform genommen werden, die optimalerweise den ganzen Tag abdeckt. Verantwortungsvolle und vertrauenswürdige Patienten können vereinzelte besondere Belastungen, z.B. einen besonders langen Abend, mittels unretardiertem MPH ergänzend abdecken.
Die Weisungen des behandelnden Arztes sind maßgeblich!
- Stimulanzien können kombiniert werden. Insbesondere können retardierte und unretardierte Medikamente an einem Tag genommen werden. Auch eine Kombination von AMP und MPH verursacht keine besonderen Probleme.
- Menstruationszyklus kann Medikamentenwirkung stark beeinflussen.
- Bei Schwankungen der Medikamentenwirkung bei Frauen sollte der bei bestimmten COMT-Genvarianten mögliche erhebliche Einfluss von Östrogen beachtet werden. Eine Eindosierungshilfetabelle, die dabei unterstützt, die Menstruation und ihre Auswirkungen abzubilden, findet sich unter ADHS-Forum.ADxS.org.
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