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Behandlung von ADHS bei Erwachsenen

Behandlung von ADHS bei Erwachsenen

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Bedeutung für Betroffene

Die Tagesdosen von Stimulanzien sind bei Erwachsenen und Kindern ähnlich. Bezogen auf das Körpergewicht erhalten Erwachsene damit meist weniger. In jedem Alter sollte die Behandlung mit einer niedrigen Dosis begonnen und die Dosis langsam gesteigert werden.

ADHS-Medikamente wirkten in Studien bei Erwachsenen etwas schwächer als bei Kindern, aber weiterhin deutlich. Stimulanzien (Amfetamine, Methylphenidat) wirkten stärker als Nichtstimulanzien wie Atomoxetin. Erwachsene brachen die Behandlung häufiger wegen Nebenwirkungen ab als unter Placebo. Nach einem Review sprachen rund 30 % der Betroffenen auf die verfügbaren Medikamente nicht an. Methylphenidat verringerte in einer Studie auch emotionale Beschwerden wie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Bei Kindern, nicht aber bei Erwachsenen, veränderte Methylphenidat in einer Studie das Dopaminsystem und die Hirnrinde über die Behandlung hinaus.

Medikamente heilen ADHS nicht. Für die meisten Betroffenen gilt eine Kombination aus Medikation und psychosozialer Behandlung als am günstigsten, etwa Psychoedukation und kognitive Verhaltenstherapie. Kognitive Verhaltenstherapie besserte bei Erwachsenen auch Depression, Angst und emotionale Probleme. Ziel der Behandlung ist nicht nur ein Rückgang der Symptome, sondern auch ein besseres Zurechtkommen im Alltag und mehr Lebensqualität. Da sich ADHS und das Ansprechen auf die Behandlung im Lauf des Lebens verändern können, werden regelmäßige Verlaufskontrollen empfohlen.

Viele Erwachsene mit ADHS werden nicht behandelt. In Deutschland erhielten 2023 rund 44 % der Erwachsenen mit ADHS-Diagnose weder Medikamente noch Psychotherapie. Besonders beim Wechsel von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenversorgung brechen viele die Behandlung ab, obwohl die Beschwerden oft fortbestehen. Als Gründe wurden unter anderem fehlendes Wissen über ADHS, Schwierigkeiten mit der Selbstorganisation, der Wegfall elterlicher Unterstützung und zu wenige spezialisierte Angebote für Erwachsene genannt. Empfohlen wird ein geplanter Übergang mit strukturierter Übergabe.

Nach dem Absetzen der Medikamente kehrten die Beschwerden in Studien häufig zurück. Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren bei jungen und mittelalten Erwachsenen unter ADHS-Medikamenten nicht signifikant häufiger.

Bei Frauen deuteten mehrere Studien auf eine Verschlechterung der ADHS-Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte hin. In einer kleinen Fallserie half eine höhere Stimulanziendosis in der Woche vor der Menstruation. Methylphenidat in der Schwangerschaft erhöhte in einer Studie das Risiko großer Fehlbildungen nicht, Fehlgeburten waren jedoch häufiger. Viele Frauen setzten ihre ADHS-Medikamente rund um die Schwangerschaft ab oder unterbrachen sie.

Die empfohlenen Tagesdosen von Stimulanzien unterscheiden sich bei Erwachsenen absolut kaum von denen bei Kindern. Für Lisdexamfetamin betragen die Initialdosis (30 mg) und die empfohlene Höchstdosis (70 mg/Tag) bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen gleichermaßen. (E 4.)1 (E 4.)2 Bezogen auf das Körpergewicht erhalten Erwachsene damit meist geringere Dosen als Kinder. Ob dies damit zusammenhängt, dass die Anzahl der Dopamintransporter mit dem Alter abnimmt, ist ungeklärt. (Einschätzung ADxS)
Unabhängig vom Alter sollte eine Stimulanzienbehandlung mit niedriger Dosis begonnen und schrittweise auftitriert werden.

Bei gesunden Erwachsenen nahm die Verfügbarkeit dopaminerger Zielstrukturen pro Lebensjahrzehnt ab für: (Metaanalyse, k = 95, N = 2.611, E 3.)3

  • D1-Rezeptoren (k = 5, n = 106), −14,0 %, Korrelation mit Alter r = −0,77
  • striatale Dopamintransporter (k = 29, n = 897), −8,9 %, r = −0,68
  • D2-Rezeptoren (k = 42, n = 1.067), −8,2 %, r = −0,56
  • Dopaminsynthesekapazität (k = 10, n = 222), −3,7 %, r = −0,06 (nicht signifikant)

Die Dosis-Wirkungs-Kurven unterschieden sich zwischen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen bei: (Dosis-Wirkungs-Netzwerkmetaanalyse, k = 113, N = 25.154, E 1a.)4

  • Amphetaminen bei Kindern/Jugendlichen, Gipfel bei etwa 25 mg/Tag (Dexamfetamin-Äquivalent), SMD −1,06 (−1,35 bis −0,78)
  • Methylphenidat bei Kindern/Jugendlichen, Wirkungsgipfel bei etwa 45 mg/Tag, SMD −0,89 (95%-CrI −1,18 bis −0,60)
  • Amphetaminen bei Erwachsenen, Plateau ab etwa 50 mg/Tag (Dexamfetamin-Äquivalent), SMD −0,74 (−1,26 bis −0,20)
  • Methylphenidat bei Erwachsenen, Wirkungszunahme über den gesamten Dosisbereich ohne erkennbares Plateau, mit abnehmendem Zusatznutzen gegen 50 mg/Tag

Abbrüche wegen Nebenwirkungen nahmen dosisabhängig zu bei Amphetaminen über 25 mg/Tag (Kinder) bzw. 50 mg/Tag (Erwachsene) und bei Methylphenidat über 50 mg/Tag (Erwachsene). (Dosis-Wirkungs-Netzwerkmetaanalyse, k = 113, N = 25.154, E 1a.)4

(E 1a): Die Wirksamkeit von ADHS-Medikamenten auf die Kernsymptome war bei Erwachsenen geringer als bei Kindern und Jugendlichen. (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5 (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6 Bei Erwachsenen zeigten Methylphenidat, Atomoxetin und kognitive Verhaltenstherapie kurzfristig mittlere Effekte auf die ADHS-Symptomatik mit mindestens moderater Evidenzsicherheit (GRADE). (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6 Die Effektstärken (SMD gegenüber Placebo) auf ADHS-Kernsymptome betrugen

  • bei Erwachsenen für:
    • Amfetamine
      • SMD 0,72 bis 1,07, metaanalytisch berichtet (Narrativer Review, E 4.)7
      • SMD −0,79 (95%-KI −0,99 bis −0,58), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5
      • mindestens moderat gesicherte Wirksamkeit nur bei Beschränkung auf hochwertige Studien (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
    • kognitive Verhaltenstherapie
      • SMD 0,43 bis 1,0, metaanalytisch berichtet (Narrativer Review, E 4.)7
      • SMD 0,53 (0,29 bis 0,77), klinikerbeurteilt, moderate Evidenzsicherheit (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
    • Methylphenidat
      • SMD 0,42 bis 0,72, metaanalytisch berichtet (Narrativer Review, E 4.)7
      • SMD 0,50 (0,39 bis 0,61), klinikerbeurteilt, moderate Evidenzsicherheit (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
      • SMD −0,49 (95%-KI −0,64 bis −0,35), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5
      • SMD 0,34 (0,26 bis 0,42), selbstbeurteilt, hohe Evidenzsicherheit (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
    • achtsamkeitsbasierte Therapien
      • SMD 0,53 bis 0,66, metaanalytisch berichtet (Narrativer Review, E 4.)7
    • Atomoxetin
      • SMD 0,38 bis 0,60, metaanalytisch berichtet (Narrativer Review, E 4.)7
      • SMD −0,45 (95%-KI −0,58 bis −0,32), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5
      • SMD 0,37 (0,26 bis 0,47), selbstbeurteilt, hohe Evidenzsicherheit (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
  • bei Kindern und Jugendlichen für: (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5
    • Amfetamine SMD −1,02 (95%-KI −1,19 bis −0,85), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen
    • Methylphenidat SMD −0,78 (95%-KI −0,93 bis −0,62), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen
    • Methylphenidat SMD über 0,75 (95%-KI 0,56 bis 1,03) (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
    • Atomoxetin SMD −0,56 (95%-KI −0,66 bis −0,45), Klinikerurteil, etwa 12 Wochen

Die Effektstärken von Stimulanzien und Nichtstimulanzien bei Erwachsenen mit ADHS lagen in ähnlicher Größenordnung wie die zuvor für Kinder berichteten. (Metaanalyse, k = 19, Volltext für uns nicht einsehbar, E 1a.)8 Rund 30 % der Betroffenen sprechen auf die verfügbaren Medikamente nicht an. (Narrativer Review, E 4.)7 Für keine Intervention fand sich hochsichere Langzeitevidenz. (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6

(E 1a): Stimulanzien wirkten bei Erwachsenen mit ADHS stärker als Nichtstimulanzien (Atomoxetin, Viloxazin). (Metaanalyse, k = 19, Volltext für uns nicht einsehbar, E 1a.)8 (Narrativer Review, E 4.)9 (Narrativer Review, E 4.)10 Dies galt in den kurzen placebokontrollierten Studien. Zwischen kurz- und langwirksamen Stimulanzien fand sich kein signifikanter Unterschied. (Metaanalyse, k = 19, Volltext für uns nicht einsehbar, E 1a.)8

(E 1a): Als Mittel der ersten Wahl bei Erwachsenen galten:

  • Stimulanzien wegen ihrer höheren Wirksamkeit gegenüber Nichtstimulanzien (Narrativer Review, E 4.)10
  • lang wirksame Stimulanzien, eine einmal tägliche Gabe erleichtert die Adhärenz (Narrativer Review, E 4.)11
  • Amfetamine für die Kurzzeitbehandlung, bei Kindern und Jugendlichen Methylphenidat (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5

(E 1a): Bei Erwachsenen wurden ADHS-Medikamente schlechter vertragen als Placebo. (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5 (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6 Die Verträglichkeit gegenüber Placebo betrug

  • nach Abbrüchen wegen Nebenwirkungen (mehr Teilnehmende als unter Placebo) als OR unter: (Netzwerk-Metaanalyse, k = 133 RCTs, n = 10.068 Kinder und Jugendliche, 8.131 Erwachsene, E 1a.)5
    • Modafinil OR 4,01 (95%-KI 1,42 bis 11,33)
    • Amfetaminen OR 3,26 (95%-KI 1,54 bis 6,92)
    • Methylphenidat OR 2,39 (95%-KI 1,40 bis 4,08)
    • Atomoxetin OR 2,33 (95%-KI 1,28 bis 4,25)
  • als RR für: (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6
    • Amphetamine RR 0,40 (95%-KI 0,22 bis 0,72)
    • Atomoxetin RR 0,45 (95%-KI 0,35 bis 0,58)
    • Methylphenidat RR 0,50 (95%-KI 0,36 bis 0,69)

Bei Kindern war die schlechtere Verträglichkeit für Methylphenidat und Atomoxetin nicht signifikant. (Umbrella-Review, k = 47, E 1a.)6

(E 1a): Das Alter beeinflusste die Wirksamkeit von ADHS-Medikamenten in den meisten Analysen nicht signifikant. (Metaanalyse, k = 25, 13 bzw. 29, n = 775, 559 bzw. 956, E 1a.)12 (Post-hoc-Analyse von 2 RCTs, n = 536, 10 Wochen, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1a.)13 (Systematischer Review von RCTs, k = 62, Volltext für uns nicht einsehbar, E 1a.)14 Die Effektstärken von Methylphenidat auf exekutive Funktionen waren unabhängig vom Alter (mittleres Studienalter 4,8 bis 50,1 Jahre) und betrugen für: (Metaanalyse, k = 25, 13 bzw. 29, n = 775, 559 bzw. 956, E 1a.)12

  • Daueraufmerksamkeit (k = 29, n = 956), ES 0,42 (95%-KI 0,26 bis 0,59)
  • Reaktionsinhibition (k = 25, n = 775), ES 0,40 (95%-KI 0,22 bis 0,58)
  • Arbeitsgedächtnis (k = 13, n = 559), ES 0,24 (95%-KI 0,00 bis 0,48), p = 0,053

Studien an Jugendlichen fehlten weitgehend. (Metaanalyse, k = 25, 13 bzw. 29, n = 775, 559 bzw. 956, E 1a.)12

Atomoxetin wirkte bei jüngeren (18 bis 25 Jahre) und älteren Erwachsenen (über 25 Jahre) vergleichbar (keine signifikante Interaktion von Behandlung und Altersgruppe). Die Effektstärken gegenüber Placebo betrugen für: (Post-hoc-Analyse von 2 RCTs, n = 536, 10 Wochen, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1a.)13

  • CGI-ADHD-S
    • 18- bis 25-Jährige (n = 55) d = 1,121
    • über 25-Jährige (n = 481) d = 0,346
  • CAARS-Inv:SV
    • 18- bis 25-Jährige (n = 55) d = 0,797
    • über 25-Jährige (n = 481) d = 0,326

Die Ansprechrate betrug bei 18- bis 25-Jährigen 56,4 %, bei über 25-Jährigen 47,8 %. (Post-hoc-Analyse von 2 RCTs, n = 536, 10 Wochen, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1a.)13

Von 171 RCTs zu ADHS-Medikamenten (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) untersuchten 62 klinisch-demografische Merkmale als Prädiktoren oder Moderatoren von Wirksamkeit und Verträglichkeit. Am häufigsten untersucht wurde das Alter (56,4 %). Die meisten RCTs fanden keine signifikanten Zusammenhänge. Vorläufige Hinweise auf einen Einfluss fanden sich (Anteil der RCTs) für: (Systematischer Review von RCTs, k = 62, Volltext für uns nicht einsehbar, E 1a.)14

  • Alter 17,7 %
  • psychiatrische Komorbidität 17,7 %
  • ADHS-Schweregrad zu Behandlungsbeginn 16,1 %
  • Geschlecht 11,3 %
  • Präsentationsform 4,8 %

Erwachsene mit ADHS-Beginn nach dem 7. Lebensjahr sprachen auf Methylphenidat mindestens so gut an wie Erwachsene mit früherem Beginn (F = 5,760, p = 0,018 zugunsten des späten Beginns). (Kohortenstudie, n = 291, 1 Monat, E 2b.)15

16 Wochen Methylphenidat veränderten bei 10- bis 12-jährigen Jungen mit ADHS, nicht aber bei 23- bis 40-jährigen Männern: (RCT, n = 99, 16 Wochen, E 1b.)16

  • Reaktion der Hirndurchblutung auf eine Methylphenidat-Provokation (Marker der Dopaminfunktion) im Striatum, erhöht (gegenüber Placebo 7,7, 0,7 bis 14,8)
  • Reaktion der Hirndurchblutung auf eine Methylphenidat-Provokation im Thalamus, erhöht (mittlere Differenz 6,5, 95%-KI 0,4 bis 12,6)
  • Ausdünnung des rechten medialen Cortex, verringert, auch nicht unter Placebo (Interaktion Zeit × Medikation × Alter, F = 4,316, p unter 0,05) (RCT, n = 99, 16 Wochen, E 1b.)17

Gemessen wurde die Hirndurchblutung 1 Woche nach Behandlungsende. Die Autoren sahen darin eine altersabhängige, anhaltende Wirkung auf das sich entwickelnde Dopaminsystem. (RCT, n = 99, 16 Wochen, E 1b.)16

(E 1a): Kognitive Verhaltenstherapie und Methylphenidat verringerten bei Erwachsenen mit ADHS emotionale Symptome. (Metaanalyse, k = 44, E 1a.)18 (RCT, n = 363, 24 Wochen, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1b.)19 (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)20 Die Effektstärken auf emotionale Symptome betrugen

  • bei KVT nach Behandlungsende (kleine bis mittlere Effektstärken) für: (Metaanalyse, k = 44, E 1a.)18
    • Depression SMD 0,42 (0,19 bis 0,66)
    • Angst SMD 0,33 (0,15 bis 0,50)
    • emotionale Dysregulation SMD 0,26 (0,06 bis 0,45)
  • bei retardiertem Methylphenidat (MPH-ER, 50 % unretardiert, 50 % retardiert, bis 60 mg/Tag, mittlere Tagesdosis in Woche 24 41,2 mg bzw. 0,55 mg/kg), das bei Erwachsenen mit ADHS emotionale Symptome stärker als Placebo verringerte, für: (RCT, n = 363, 24 Wochen, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1b.)19
    • emotionale Dysregulation (fremdbeurteilt, WRAADDS-EDS) 0,42 (PP)
    • emotionale Dysregulation (fremdbeurteilt, WRAADDS-EDS) 0,37 (ITT)
    • emotionale Labilität (selbstbeurteilt, CAARS-ELS) 0,35 (PP)
    • emotionale Labilität (selbstbeurteilt, CAARS-ELS) 0,3 (ITT)

Im Follow-up hielten die Effekte der KVT auf Depression (SMD 0,59, 95%-KI 0,04 bis 1,15) und Angst (SMD 0,47, 95%-KI 0,12 bis 0,82) an. Bei Kindern mit ADHS wirkten dagegen Elterntraining (emotionale Dysregulation SMD 0,49, 95%-KI 0,10 bis 0,88) und soziales Kompetenztraining (emotionale Dysregulation SMD 0,49, 95%-KI 0,07 bis 0,91) nach Behandlungsende, im Follow-up fanden sich bei Kindern keine Effekte auf emotionale Dysregulation und Depression. Die Wirksamkeit nichtmedikamentöser Verfahren auf emotionale Symptome unterschied sich damit deutlich zwischen Kindern und Erwachsenen. (Metaanalyse, k = 44, E 1a.)18

Der Unterschied war ab Woche 5 signifikant und blieb bis Woche 24 stabil. Zwangssymptome und Probleme mit dem Selbstkonzept nahmen ab. Angst, Depression, Ärger/Feindseligkeit, phobische Angst, paranoides Denken und Psychotizismus besserten sich nicht. (RCT, n = 363, 24 Wochen, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 1b.)19

Methylphenidat verringerte bei Erwachsenen mit ADHS Temperamentsprobleme, affektive Instabilität und emotionale Überreaktivität, mit unterschiedlichen Effektstärken. Emotionale Nebenwirkungen traten vor allem bei hohen Dosen und in besonderen Populationen auf. (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)20

(E 1b): ADHS-Behandlung verbesserte bei Erwachsenen mit ADHS SCT-Symptome. (RCT, Crossover, n = 38, je 4 Wochen, herstellerfinanziert, E 1b.)21 (Metaanalyse, k = 3, N = 432, E 2b.)22 (Kohortenstudie, prospektiv, naturalistisch, n = 37, 1 Jahr, E 2b.)23 (Prospektive Fallserie, n = 32, E 4.)24 Die Effektstärken (Cohen d) auf SCT betrugen für: (RCT, Crossover, n = 38, je 4 Wochen, herstellerfinanziert, E 1b.)21

  • Methylphenidat nach einem Jahr (mittlere Enddosis 32,16 mg/Tag), Vorher-Nachher-Vergleich, SCT (BAARS-IV) Median 24 auf 20, d = 1,02 (Kohortenstudie, prospektiv, naturalistisch, n = 37, 1 Jahr, E 2b.)23
  • Lisdexamfetamin gegenüber Placebo im ersten Behandlungsblock, d = 0,68
  • Lisdexamfetamin gegenüber Placebo im zweiten Behandlungsblock, d = 0,61, nicht signifikant

Lisdexamfetamin (mittlere Dosis 59,1 mg/Tag) verbesserte bei Erwachsenen mit ADHS und komorbidem SCT gegenüber Placebo außerdem ADHS-Symptome (d = 0,97 bzw. 0,91), Exekutivfunktionsdefizite und Funktionsbeeinträchtigung. Die Verbesserung von SCT wurde über die Verbesserung der Exekutivfunktionen (BRIEF-A) vermittelt. (RCT, Crossover, n = 38, je 4 Wochen, herstellerfinanziert, E 1b.)21

Für Erwachsene liegt zur medikamentösen Behandlung von SCT/CDS bisher nur eine placebokontrollierte Studie vor (Lisdexamfetamin, Hedges g = 0,68, 95%-KI 0,22 bis 1,14). Über Kinder und Erwachsene gepoolt verbesserten ADHS-Medikamente SCT/CDS mit g = 0,39 (0,01 bis 0,78). (Metaanalyse, k = 3, N = 432, E 2b.)22

In einer Erwachsenen-ADHS-Ambulanz verbesserten Medikation und Psychoedukation (Treatment as usual) selbstberichtete Exekutivfunktionen (p = 0,001), ADHS-Kernsymptome (p = 0,007) und SCT (p = 0,002). Eine zusätzliche modulare Psychotherapie ergab ähnliche Verbesserungen (p = 0,001, 0,004 und 0,002). (Prospektive Fallserie, n = 32, E 4.)24

Nach einem Jahr Methylphenidat sanken bei erwachsenen ADHS-Patienten die Werte für Verhaltenssüchte. Der Anteil mit mindestens einer komorbiden Verhaltenssucht ging von 51,4 % auf 35,1 % zurück. Die Abnahme der Internetsucht-Werte korrelierte mit der Abnahme der SCT-Symptome (r = 0,35). Veränderung von: (Kohortenstudie, prospektiv, naturalistisch, n = 37, 1 Jahr, E 2b.)23

  • ADHS-Gesamtsymptomatik (BAARS-IV) Median 50 auf 37, d = 1,1
  • Internetsucht (IAT) Median 44 auf 34, d = 0,53
  • Kaufsucht (BSAS) Median 46 auf 36, p = 0,022
  • Esssucht (YFAS) p = 0,039
  • Sexsucht (SAST-R) p = 0,047

(E 4): Für die meisten Betroffenen ist eine Kombination aus Medikation und psychosozialer Behandlung am günstigsten. (Narrativer Review, E 4.)9 (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25 Empfohlen wurden eine multimodale Behandlung aus Medikation, Psychoedukation, Psychotherapie und Lebensstiländerungen sowie ein Treat-to-Target-Vorgehen (festgelegte klinische Ziele, Anpassung der Therapie bis zu deren Erreichen) mit regelmäßiger geplanter Verlaufskontrolle. (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25

Medikamente heilen ADHS nicht. Belastende Aspekte jenseits der Kernsymptome bessern sich unter Medikation oft nicht ausreichend und erfordern je nach Bedarf zeitweise oder dauerhaft Psychotherapie oder andere Unterstützung, möglicherweise auch Case-Management. Forschung zu ADHS-Coaching steht noch am Anfang. (Kommentar, E 4.)26

tDCS und Neurofeedback zeigten moderate Effekte auf Unaufmerksamkeit und Exekutivfunktionen, KVT-basierte Verfahren verbesserten Symptommanagement und Emotionsregulation, meist ergänzend zur Medikation. Akzeptanz und Adhärenz bleiben zentrale Probleme. (Narrativer Review, E 4.)10

Eine Literatursuche fand unter 1.419 Arbeiten zu ADHS bei Erwachsenen nur fünf empirische Studien zur psychologischen Behandlung. Kurze, strukturierte Interventionen erreichten mittlere bis große Effektstärken. Psychologische Behandlung eignet sich nach Einschätzung eines Expertenforums besonders für motivierte Erwachsene, die bereit sind, neue Fertigkeiten zu erlernen, wenn die Symptome zurückgehen. (Expertenforum mit Literaturübersicht, herstellerfinanziert, E 4.)27

(E 4): Response- und Remissionskriterien sollen bei Erwachsenen mit ADHS neben der Symptomreduktion auch das Funktionsniveau berücksichtigen, da eine Symptomremission nicht zwingend ein intaktes Funktionsniveau bedeutet. (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25 (Narrativer Review, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 4.)28 Nach einem Expertenkonsens gehören dazu auch komorbide Symptome, Lebensqualität und Exekutivfunktionen. Konsens bestand zu 27 von 29 Aussagen (93,1 %). (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25 Für Erwachsene mit ADHS gibt es keinen allgemeinen Konsens zur Definition einer Remission. Gebräuchlich sind ein CGI-S-Wert von 1 oder 2 (nicht oder minimal krank) oder ein ADHS-RS-IV-Gesamtwert gleich oder niedriger als 18. Exekutive Restbeeinträchtigungen können fortbestehen. (Narrativer Review, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 4.)28

(E 4): ADHS erfordert eine regelmäßige Verlaufskontrolle. (Narrativer Review, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 4.)28 (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25 Als chronische Störung erfordert ADHS eine lebenslange Verlaufskontrolle, da Erscheinungsbild und Behandlungsansprechen auch bei derselben Person im Zeitverlauf stark schwanken können. (Narrativer Review, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 4.)28

Die am stärksten beeinträchtigende Störung soll zuerst behandelt werden, wobei eine wirksame ADHS-Behandlung die Behandlung komorbider Störungen erleichtert. (Konsensus, n = 15, herstellerfinanziert, E 4.)25 Die in Leitlinien übliche Reihenfolge, bei komorbider Depression zuerst die Depression und nach Remission oder Ansprechen ADHS zu behandeln, ist laut einem Kommentar empirisch nicht belegt. Da ADHS ein Risikofaktor für therapieresistente Depression sei, könne eine gleichzeitige Behandlung mit Antidepressiva und Stimulanzien die Remissionsraten möglicherweise erhöhen. Warnhinweise der Fachinformationen zu Stimulanzien bei Depression seien überwiegend theoretisch. Bei bipolarer Störung gelte eine Kombination von Stimulanzien mit Stimmungsstabilisierern (z. B. Lithium) hinsichtlich des Switch-Risikos als sicher. (Kommentar, E 4.)29

Bei Erwachsenen mit ADHS und Insomnie verbesserte der Orexinrezeptor-Antagonist Daridorexant (50 mg abends) in einer offenen Studie die Insomnie bei 62,5 % klinisch relevant und ging mit besserer Daueraufmerksamkeit einher. (Kohortenstudie, offen, naturalistisch, n = 24, 1 Monat, herstellerfinanziert, E 2b.)30

(E 2b): Die Prävalenz der ADHS-Medikation bei Erwachsenen stieg in mehreren Ländern. (Registerstudie, n = 3.529.615, 6 Jahre, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)31 (Registerstudie, n = 154,5 Mio., E 2b.)32 (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33 (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34 (Verordnungsregisterstudie, 17 Jahre, E 2b.)35 (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36 Die Prävalenz der ADHS-Medikation betrug

  • je 1.000 Personen: (Registerstudie, n = 3.529.615, 6 Jahre, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)31
    • 9,2 (95%-KI 8,8 bis 9,6) bei 6- bis 12-Jährigen in der britischen Primärversorgung 2008, 2003 4,8 (95%-KI 4,5 bis 5,1)
    • 7,4 (95%-KI 7,0 bis 7,8) bei 13- bis 17-Jährigen in der britischen Primärversorgung 2008, 2003 3,6 (95%-KI 3,3 bis 3,9)
    • 6,98 (Abgabeprävalenz) bei 6- bis 45-Jährigen in Schweden 2009, 2006 2,93 (PR 2,38, 95%-KI 2,34 bis 2,43) (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34
    • 5,3 (Jahresprävalenz der Einnahme) bei 18- bis 64-jährigen Männern in den fünf nordischen Ländern 2012, 2008 2,4 (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33
    • 4,4 (Jahresprävalenz der Einnahme) bei 18- bis 64-jährigen Frauen in den fünf nordischen Ländern 2012, 2008 1,8 (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33
    • 1,1 (95%-KI 1,0 bis 1,3) bei 18- bis 24-Jährigen in der britischen Primärversorgung 2008, 2003 0,3 (95%-KI 0,2 bis 0,3)
    • 0,08 (95%-KI 0,06 bis 0,10) bei 25- bis 45-Jährigen in der britischen Primärversorgung 2008, 2003 0,02 (95%-KI 0,01 bis 0,03)
    • 0,02 (95%-KI 0,01 bis 0,03) bei über 45-Jährigen in der britischen Primärversorgung 2008, 2003 0,01 (95%-KI 0,00 bis 0,01)
  • 2010 bei Erwachsenen ab 19 Jahren je nach Land 0,003 % bis 1,48 %, bei Kindern von 3 bis 18 Jahren 0,27 % bis 6,69 %, regional bei Erwachsenen: (Registerstudie, n = 154,5 Mio., E 2b.)32
    • 1,42 % in Nordamerika
    • 0,47 % in Nordeuropa
    • 0,05 % in Asien und Australien
    • 0,03 % in Westeuropa

In der britischen Primärversorgung stieg die Prävalenz medikamentös behandelter ADHS von 2003 bis 2008 in allen Altersgruppen, blieb bei Erwachsenen aber weit unter den Prävalenzschätzungen. (Registerstudie, n = 3.529.615, 6 Jahre, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)31

Der jährliche absolute Anstieg bei Erwachsenen betrug 0,0006 % bis 0,12 %. (Registerstudie, n = 154,5 Mio., E 2b.)32

Die behandelte Prävalenz von ADHS in Taiwan stieg von 2000 bis 2005 von 64,65 auf 145,40 je 100.000 (p = 0,001), die behandelte Inzidenz von 44,67 auf 81,20 je 100.000 (p = 0,013). Die behandelte Prävalenz gipfelte mit 7 bis 12 Jahren und fiel nach der Altersgruppe von 13 bis 18 Jahren abrupt ab (p unter 0,001). (Registerstudie, n = 6.173, 6 Jahre, E 2b.)37

(E 2b): Der relative Anstieg der ADHS-Medikation war bei Erwachsenen größer als bei Kindern, in Norwegen von 2006 bis 2022 bei 18- bis 64-Jährigen, obwohl die Prävalenz bei Kindern durchgehend höher blieb. (Verordnungsregisterstudie, 17 Jahre, E 2b.)35 (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34 Das Prävalenzverhältnis (PR) der Abgabeprävalenz in Schweden 2009 gegenüber 2006 betrug: (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34

  • 3,40 bei Erwachsenen (22 bis 45 Jahre)
  • 2,92 bei Frauen
  • 2,41 bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 21 Jahre)
  • 2,19 bei Männern
  • 1,90 bei Kindern (6 bis 14 Jahre)

(E 2b): Der Anteil der Personen mit ADHS-Diagnose, die ADHS-Medikamente erhielten, betrug:

  • 78,9 % bei Erwachsenen in Schweden (Registerstudie, N = 44.364, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)38
  • 65,7 % bei neudiagnostizierten Erwachsenen in Schweden (Registerstudie, N = 44.364, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)38
  • Mehrheit der Diagnostizierten aller Altersgruppen in Schweden, am häufigsten Methylphenidat (Registerstudie, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)39
  • 51,7 % bei AOK-Versicherten mit 13 bis 14 Jahren 2009 (Altersgipfel) (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36
  • 43,1 % bei AOK-Versicherten mit 13 bis 14 Jahren 2014 (Altersgipfel) (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36
  • 38 % bei Erwachsenen mit fortlaufend dokumentierter Diagnose in Bayern, 22 % erhielten nur andere Psychopharmaka und 41 % keine Medikation (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40
  • 33,4 % bei AOK-Versicherten mit 37 Jahren 2014 (Altersgipfel im Erwachsenenalter) (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36
  • rund 30 % binnen eines Jahres bei Erwachsenen mit neu kodierter ADHS-Diagnose in Bayern (2012) (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40
  • 19,2 % bei AOK-Versicherten mit 34 Jahren 2009 (Altersgipfel im Erwachsenenalter) (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36

Zwischen 2009 und 2014 stieg die Medikationsrate bei Erwachsenen, bei Kindern und Jugendlichen sank sie. (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36 In Schweden erhielt ein Drittel der Erwachsenen mehr als ein zusätzliches Medikament. Die mittlere Tagesdosis betrug 51,5 mg und war bei Männern, bei Substanzgebrauchsstörungen, bei Medikamentenpausen und bei Zusatzmedikation höher. Häufigste Begleitmedikamente waren Anxiolytika und Hypnotika. (Registerstudie, N = 44.364, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)38 In den fünf nordischen Ländern nahmen 53 % der Männer und 64 % der Frauen zugleich andere Psychopharmaka ein, am häufigsten Antidepressiva und Hypnotika. Diese Komedikation nahm mit dem Alter zu. (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33

(E 2b): Methylphenidat war in den meisten Ländern das am häufigsten verwendete ADHS-Medikament. (Registerstudie, n = 154,5 Mio., E 2b.)32 (Registerstudie, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)39 (Registerstudie, N = 44.364, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)38 (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40 (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36 (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33 Sein Anteil betrug:

  • fast ausschließlich (Atomoxetin unter 2 % der Verordnungen) bei Erwachsenen in Bayern (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40
  • 75 bis 100 % der Verordnungen in fast allen Altersgruppen bei AOK-Versicherten, gefolgt von Atomoxetin (Querschnittstudie, Routinedaten, E 3.)36
  • 88 % der erwachsenen Anwender in den fünf nordischen Ländern (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33

In Schweden war bei Erwachsenen OROS-Methylphenidat am häufigsten. (Registerstudie, N = 44.364, herstellerfinanziert, Autor bei Hersteller angestellt, E 2b.)38

(E 3): Die administrative ADHS-Prävalenz in deutschen Krankenkassendaten betrug: (Routinedatenanalyse, n = 78.919, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)41

  • 3,6 % bei Kindern und Jugendlichen 2023
  • 0,6 % bei Erwachsenen 2023, seit 2017 um 89,7 % gestiegen
  • 0,4 % im Erwachsenenalter in einer Transitionskohorte (Narrativer Review, Sekundärzitat über Philipsen und Döpfner (2020), E 4.)42

Die Behandlungsformen bei ADHS-Diagnose in deutschen Krankenkassendaten 2023 verteilten sich auf: (Routinedatenanalyse, n = 78.919, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)41

  • nur Medikamente
    • 47,8 % bei Kindern und Jugendlichen
    • 38 % bei Erwachsenen
  • keine Behandlung
    • 44,4 % bei Erwachsenen
    • 40,9 % bei Kindern und Jugendlichen
  • multimodale Therapie
    • 10 % bei Erwachsenen
    • 7,1 % bei Kindern und Jugendlichen
  • nur Psychotherapie
    • 7,6 % bei Erwachsenen
    • 4,2 % bei Kindern und Jugendlichen

Rund die Hälfte der Erwachsenen mit neu kodierter ADHS-Diagnose in Bayern erhielt Psychotherapie (Frauen 62 %, Männer 43 %). (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40

(E 3): In deutschen Arztpraxen verschoben sich ADHS-Verordnungen bei Erwachsenen von Hausärzten zu Fachärzten (Neurologie, Psychiatrie). (Verordnungsdatenanalyse, n = 77.504, E 3.)43 Der Anteil fachärztlicher Verordnungen betrug: (Verordnungsdatenanalyse, n = 77.504, E 3.)43

  • 80 % bei Erwachsenen 2018, 2008 58 %
  • rund 75 % der Erstverordnungen bei Erwachsenen mit neu kodierter Diagnose in Bayern (2012), Fachärzte für ZNS-Erkrankungen, rund 25 % Hausärzte (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40
  • 51 % bei Kindern und Jugendlichen 2018, 2008 38 %

Erwachsene mit der Hauptdiagnose hyperkinetische Störung (ICD-10 F90) erhielten in deutschen psychiatrischen Kliniken (teil-)stationär eine geringere Behandlungsintensität als Minderjährige, obwohl sie mehr Nebendiagnosen hatten. Erwachsene gegenüber Minderjährigen: (Routinedatenanalyse, 41 Kliniken, 2015, N = 896, n = 164, E 3.)44

  • therapeutische Einheiten pro Woche, 5,9 gegenüber 28,5
  • mittlere Verweildauer, 30,5 gegenüber 45,3 Tage
  • Nebendiagnosen pro Fall, 2,89 gegenüber 1,23

Die Autoren sehen in der Diskrepanz einen möglichen Hinweis auf Probleme beim Übergang von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenpsychiatrie (Transition). (Routinedatenanalyse, 41 Kliniken, 2015, N = 896, n = 164, E 3.)44

Ein Editorial wies darauf hin, dass eine unter der epidemiologischen Prävalenz liegende Diagnosehäufigkeit bei Erwachsenen nicht zwingend eine Unterversorgung belegt, da nicht alle Betroffenen eine Behandlung im engeren Sinne, insbesondere Pharmakotherapie, benötigten. Belastbare Daten zum Behandlungsbedarf fehlten. Als besonderen Schwachpunkt nannten die Autoren die Versorgung im Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter. In einer eigenen Transitionsstudie der Autoren gab mehr als ein Drittel der Befragten an, weiterhin unter ADHS-typischen Symptomen zu leiden und spezialisierte Behandlung zu benötigen. (Editorial, E 4.)45

ADHS führt in allen Altersgruppen zu altersspezifischen Beeinträchtigungen, weshalb altersspezifische Diagnostik- und Therapiematerialien entwickelt wurden. Im Erwachsenenalter fehlt es an ADHS-spezifischer Versorgung, deren Aufbau strukturelle Veränderungen der Versorgungsangebote erfordert. (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)46

(E 2b): Beim Übergang von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenversorgung brachen viele Betroffene die ADHS-Behandlung trotz fortbestehender Symptome und Beeinträchtigungen ab. (Beobachtungsstudie, Registerdaten aus 9 Ländern und Regionen, n = 1.229.972, 5 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)47 (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34 (Registerstudie, n = 19.233, 18 bis 21 Jahre, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)48 (Narrativer Review, E 4.)49 (Narrativer Review, Volltext für uns nicht einsehbar, E 4.)50 (Narrativer Review, E 4.)7 (Narrativer Review, Sekundärzitat über Philipsen und Döpfner (2020), E 4.)42 Der Anteil medikamentös Behandelter sank:

  • von 80,1 % mit 18 Jahren auf 36,1 % mit 21 Jahren beim Übergang in die Erwachsenenpsychiatrie in Schweden (2018 bis 2020) (Registerstudie, n = 19.233, 18 bis 21 Jahre, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)48
  • von 51,8 % auf 6,6 % zwischen 15 und 21 Jahren in einer deutschen Transitionskohorte (Narrativer Review, Sekundärzitat über Philipsen und Döpfner (2020), E 4.)42

In der deutschen Transitionskohorte sank auch der Anteil mit dokumentierter ADHS-Diagnose von 100 % auf 31,1 %. Der Abfall ist nicht allein durch einen Symptomrückgang erklärbar und weist auf eine Versorgungslücke in der Transitionsphase hin. (Narrativer Review, Sekundärzitat über Philipsen und Döpfner (2020), E 4.)42 In Schweden waren 85,8 % bis zum 21. Lebensjahr in der Erwachsenenpsychiatrie angekommen. Mit 21 Jahren waren Behandelte häufiger als Unbehandelte wegen Autismus in Behandlung, erhielten häufiger SSRI und hatten häufiger ambulante erwachsenenpsychiatrische Kontakte (jeweils p unter 0,0001). (Registerstudie, n = 19.233, 18 bis 21 Jahre, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)48 15- bis 21-Jährige brachen die Behandlung am häufigsten ab. Nach 3 Jahren und 11 Monaten waren nur noch 27 % von ihnen in Behandlung, weniger als nach den Persistenzraten des ADHS zu erwarten. (Kohortenstudie der Gesamtbevölkerung, N = 5.149.791, n = 41.700, 4 Jahre, E 2b.)34

Hindernisse beim Übergang sind begrenztes Wissen der Jugendlichen über ADHS und Behandlungsmöglichkeiten, Schwierigkeiten im Selbstmanagement, fehlende interdisziplinäre Abstimmung, geringe Kenntnis der Angebote für Erwachsene, regionale Engpässe spezialisierter Versorgung, unterschiedliche Behandlungskulturen und der Wegfall elterlicher Unterstützung mit der Volljährigkeit. Empfohlen werden strukturierte Übergabeprozesse und ein angepasster Einbezug der Familie. (Narrativer Review, E 4.)49 Die Adoleszenz geht mit geringerer Behandlungsadhärenz, mehr Risikoverhalten, beginnendem Substanzkonsum und mehr komorbiden Störungen einher. Der Übergang in die Erwachsenenversorgung erfordert eine enge Abstimmung zwischen Kinder- und Jugend- und Erwachsenenversorgung. (Narrativer Review, E 4.)11

Ein Jahr nach Beginn einer ADHS-Medikation betrug der Anteil weiterhin Behandelter bei: (Beobachtungsstudie, Registerdaten aus 9 Ländern und Regionen, n = 1.229.972, 5 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)47

  • Kindern (4 bis 11 Jahre), 65 % (95%-KI 60 bis 70)
  • Erwachsenen (ab 25 Jahren), 48 % (95%-KI 44 bis 52)
  • Jugendlichen (12 bis 17 Jahre), 47 % (95%-KI 43 bis 51)
  • jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre), 39 % (95%-KI 36 bis 42)

Die meisten Therapieabbrüche erfolgten im Alter von 18 bis 19 Jahren. Unter Berücksichtigung von Wiederaufnahmen waren nach 5 Jahren in den meisten Ländern 50 bis 60 % der Kinder und 30 bis 40 % der Jugendlichen und Erwachsenen medikamentös behandelt. Die Autoren werteten die Behandlungspersistenz bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen als niedriger als nach der Symptompersistenz zu erwarten. (Beobachtungsstudie, Registerdaten aus 9 Ländern und Regionen, n = 1.229.972, 5 Jahre, Volltext für uns nicht einsehbar, E 2b.)47

Frühe Abbrüche der ADHS-Medikation (Lücke von mindestens 180 Tagen zwischen Abgaben) waren in allen Altersgruppen häufig. (Registerkohortenstudie, n = 1.000.411, E 2b.)51 Die Abbruchraten in acht Ländern und Regionen betrugen je nach Land bei: (Kohortenstudie, Registerdaten aus 8 Ländern und Regionen, n = 1.000.411, E 2b.)52

  • Erwachsenen, 38 % bis 68 %
  • Jugendlichen, 37 % bis 68 %
  • jungen Erwachsenen, 52 % bis 67 %
  • Kindern, 19 % bis 61 %

Einen früheren Abbruch sagten vorher bei: (Kohortenstudie, Registerdaten aus 8 Ländern und Regionen, n = 1.000.411, E 2b.)52

  • jungen Erwachsenen eine Störung des Sozialverhaltens oder oppositionelle Störung, HR 1,42 (95%-KI 1,30 bis 1,55)
  • Kindern Intelligenzminderung, Autismus und Psychopharmaka, HR 1,32 bis 1,51 (Registerkohortenstudie, n = 1.000.411, E 2b.)51
  • Erwachsenen Tic-Störungen, HR 1,27 (95%-KI 1,11 bis 1,46)
  • Erwachsenen Schizophrenie, HR 1,25 (95%-KI 1,09 bis 1,44)

Ab der Adoleszenz fanden sich insgesamt nur wenige konsistente klinische Prädiktoren. Ohne US-Daten waren die Zusammenhänge mit Schizophrenie, Tic-Störungen und Störung des Sozialverhaltens nicht mehr signifikant. (Kohortenstudie, Registerdaten aus 8 Ländern und Regionen, n = 1.000.411, E 2b.)52

In den fünf nordischen Ländern brachen 21 % der erwachsenen Neuanwender die Behandlung im ersten Jahr ab. (Verordnungsregisterstudie, N = 15,8 Mio., n = 76.896 Anwender 2012, 5 Jahre, E 2b.)33 Von den Erwachsenen mit ADHS-Medikation nach neu kodierter Diagnose in Bayern erhielten nur 26 % in allen 4 Quartalen nach der Diagnose eine Verordnung. (Vollerhebung von Routinedaten, n = 10.529, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 3.)40

Die Adhärenz bei oraler Stimulanzienbehandlung war in Schweden (2015 bis 2020) insgesamt hoch (78,2 %) und für Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Dexamfetamin ähnlich. Eine Adhärenz von 80 % oder mehr erreichten: (Registerstudie, n = 128.366, 158.413 Behandlungsepisoden, herstellerfinanziert, Autor(en) bei Hersteller angestellt, E 2b.)53

  • Erwachsene ab 25 Jahren 69,3 bis 71,8 %
  • Jugendliche (12 bis 17 Jahre) 49,7 bis 52,4 %

Das Absetzen der ADHS-Medikation nach Symptomremission verschlechterte die Lebensqualität gegenüber der Fortführung bei Kindern und Jugendlichen, nicht aber bei Erwachsenen. Effektstärken (positiv = Verschlechterung nach Absetzen) für: (Metaanalyse von RCTs, k = 5, N = 1.463, E 1a.)54

  • Kinder und Jugendliche (k = 3, n = 894) SMD 0,21 (0,06 bis 0,36)
  • alle Betroffenen (k = 5, n = 1.463) SMD 0,19 (95%-KI 0,08 bis 0,30)
  • Erwachsene (k = 2, n = 569) SMD 0,02 (−0,46 bis 0,50), nicht signifikant

In randomisierten Absetzstudien bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen traten Rückfälle unter Placebo häufiger und früher auf als unter fortgeführter Medikation. Nach Absetzen von Stimulanzien und Guanfacin traten Rückfälle häufiger und schneller auf als nach Absetzen von Atomoxetin. Rückfallraten bei Erwachsenen nach Absetzen (unterschiedliche Rückfalldefinitionen) bei: (Narrativer Review, k = 9, herstellerfinanziert, Autoren bei Hersteller angestellt, E 4.)55

  • Lisdexamfetamin 75,0 % nach 6 Wochen
  • Methylphenidat mit veränderter Freisetzung 49,6 % nach 6 Monaten
  • Atomoxetin 7,4 % nach 25 Wochen

Bei jungen und mittelalten Erwachsenen waren ADHS-Medikamente nicht signifikant mit kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert (RR 1,04, 95%-KI 0,43 bis 2,48). Weder Stimulanzien (RR 1,24, 0,84 bis 1,83) noch Nichtstimulanzien (RR 1,22, 0,25 bis 5,97) zeigten einen signifikanten Zusammenhang. (Metaanalyse, k = 19, N = 3.931.532, E 2b.)56

(E 4): Die Wirkung von Stimulanzien hängt möglicherweise von der Zyklusphase ab, mit stärkerer Wirkung in östrogenreichen Phasen. (Narrativer Review, E 4.)57 (Theoretischer Review, E 4.)58 Bei gesunden Frauen war die subjektive Wirkung von D-Amphetamin in der Follikelphase stärker und korrelierte positiv mit dem Östrogenspiegel, in der Lutealphase war sie gegenüber Männern verringert. Vier Studien deuteten auf eine Verschlechterung der ADHS-Symptome in der Lutealphase hin, zwei Studien erprobten eine zyklusangepasste Intervention. Die Autorinnen sehen eine Forschungslücke (gender health gap) zur zyklusabhängigen Wirksamkeit von Stimulanzien. (Narrativer Review, E 4.)57 Ein theoretischer Review benennt fünf Wissenslücken zu Geschlechtseffekten der Stimulanzienbehandlung, darunter den Einfluss von Menstruationszyklus und reproduktiven Übergängen (Pubertät, Schwangerschaft und Wochenbett, Menopause). Die Autorinnen vermuten eine stärkere Stimulanzienwirkung in östrogenreichen und eine schwächere in östrogenarmen Zyklusphasen. (Theoretischer Review, E 4.)58

Bei Frauen mit ADHS und prämenstrueller Verschlechterung von ADHS- und Stimmungssymptomen besserte eine Erhöhung der individuellen Stimulanziendosis in der prämenstruellen Woche bei allen 9 Frauen ADHS- und Stimmungssymptome (Unaufmerksamkeit, Reizbarkeit, Energie) bei minimalen Nebenwirkungen. Alle behielten die Dosiserhöhung bei. (Fallserie, n = 9, 6 bis 24 Monate, E 4.)59

Methylphenidat in der Schwangerschaft (89,5 % im ersten Trimenon) erhöhte das Risiko großer Fehlbildungen nicht, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche waren jedoch häufiger. Methylphenidat gegenüber nichtteratogener Exposition für: (Prospektive Kohortenstudie, n = 382 exponierte Schwangerschaften, E 2b.)60

  • Fehlgeburt aHR 1,98 (95%-KI 1,23 bis 3,20)
  • große Fehlbildungen 3,2 % (10 von 309) gegenüber 3,6 % (13 von 358), nicht signifikant
  • große Fehlbildungen bei Exposition in der Organogenese ohne genetische Ursachen 2,4 % gegenüber 3,4 %, nicht signifikant
  • kardiovaskuläre Fehlbildungen 0,8 % gegenüber 0,8 %

Rund 60 % der Frauen, die zwischen einem Jahr vor der Schwangerschaft und einem Jahr nach der Geburt ADHS-Medikamente einlösten, setzten diese um die Schwangerschaft ab oder unterbrachen sie. Anteile der Einnahmeverläufe für: (Registerkohortenstudie, n = 4.717 Schwangerschaften von 4.052 Müttern, E 2b.)61

  • Absetzen 41,8 %
  • Fortführung 23,3 %
  • Beginn nach der Geburt 17,7 %
  • Unterbrechung in der Schwangerschaft mit Wiederaufnahme nach der Geburt 17,2 %

Fortführende waren älter, rauchten häufiger in der Schwangerschaft, nahmen häufiger weitere Psychopharmaka und überwiegend Methylphenidat (89,1 %), was nach Einschätzung der Autoren auf eine schwerere ADHS hindeuten kann. (Registerkohortenstudie, n = 4.717 Schwangerschaften von 4.052 Müttern, E 2b.)61

Das Fortführen von Dexamfetamin während der Schwangerschaft ging gegenüber dem Absetzen nicht mit mehr ungünstigen mütterlichen oder kindlichen Folgen einher. Absetzen ging mit häufigerem drohendem Abort einher (OR 2,28, 95%-KI 1,00 bis 5,15). Frauen ohne Dexamfetamin in der Schwangerschaft hatten gegenüber Fortführenden geringere Risiken für: (Retrospektive Kohortenstudie, n = 1.688, E 2b.)62

  • Aufnahme des Neugeborenen auf eine Spezialstation OR 0,16 (0,12 bis 0,20)
  • Bluthochdruck OR 0,32 (0,11 bis 0,93)
  • postpartale Blutung OR 0,57 (0,41 bis 0,80)
  • Präeklampsie OR 0,58 (0,35 bis 0,97)
  • fetale Notlage OR 0,73 (0,54 bis 0,99)

  1. Takeda UK Ltd: Elvanse 20 mg/30 mg/40 mg/50 mg/60 mg/70 mg Hard Capsules. Summary of Product Characteristics, Abschnitt 4.2, 5.1, 5.2. electronic medicines compendium (emc) ↥

  2. Takeda GmbH: Fachinformation Elvanse Adult 30 mg/50 mg/70 mg Hartkapseln, Stand Januar 2021, Abschnitt 4.2, 5.2 ↥

  3. Karrer TM, Josef AK, Mata R, Morris ED, Samanez-Larkin GR (2017): Reduced dopamine receptors and transporters but not synthesis capacity in normal aging adults: a meta-analysis. Neurobiol Aging. 2017;57:36-46. doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2017.05.006. PMID: 28599217; PMCID: PMC5645072. METASTUDY, k = 95, N = 2.611 ↥

  4. Nourredine M, Jurek L, Hamza T, Cipriani A, Subtil F, Parlatini V, Farhat LC, Veronesi GF, Efthimiou O, Salanti G, Cortese S (2026): Pharmacological interventions for ADHD: a systematic review and dose-effect network meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2026;13(6):485-495. doi: 10.1016/S2215-0366(26)00091-X. PMID: 42134365. METASTUDY, k = 113, N = 25.154 ↥ ↥

  5. Cortese S, Adamo N, Del Giovane C, Mohr-Jensen C, Hayes AJ, Carucci S, Atkinson LZ, Tessari L, Banaschewski T, Coghill D, Hollis C, Simonoff E, Zuddas A, Barbui C, Purgato M, Steinhausen HC, Shokraneh F, Xia J, Cipriani A (2018): Comparative efficacy and tolerability of medications for attention-deficit hyperactivity disorder in children, adolescents, and adults: a systematic review and network meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2018;5(9):727-738. doi: 10.1016/S2215-0366(18)30269-4. PMID: 30097390; PMCID: PMC6109107. METASTUDY, k = 133 ↥ ↥ ↥ ↥ ↥ ↥ ↥ ↥

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